Daß unter den Römern eine Warte auf der Höhe des Ehrenbreit-stein gestanden, wurde bet Abtragung der Trümmer des sogenanntenZäsarthurms außer Zweifel gestellt Seine Grundmauer bestand, aufeine Höhe von mehr als 20 Fuß, aus Guß- oder Kastenwerk und ent-hielt Bruchstücke römischer Grabsteine. Schon im frühen Mittelalterscheint eine Burg auf dieser Höhe gestanden zu haben, zu welcher jenerThurm gehörte. Erzbischof Hermann Hillin lies von llSZ bis 1160die zerfallene Feste wieder herstellen und darunter das Schloß Helfen-stein aufführen, welches auf Balduins Befehl aber geschleift wurde.Nach Hermann Hillin ward die neue Festung Hermannstein ge-nannt, doch blieb der alte Name Ehrenbreitstein vorwaltend. Derdeutsche König Wilhelm von Holland verweilte, ein Jahrhundert spä-ter, in Gesellschaft des ErzbischofS Arnold II. einige Wochen auf ihr.Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lies Kurfürst Johann von Badendie Festungswerke vermehren und den tiefen in neuester Zeit gereinig-te» Brunnen, (welcher der Angabe nach sein Wasser aus dem Rheinbezieht, was jedoch sehr zu bezweifeln ist) durch den Felsen hauen.Einige seiner Nachfolger beschäftigten sich mit Ausbesserung oder Ver-mehrung der Wälle und Graben. Johann Hugo von Orsbeck lies denstarken Johannsthurm, gegen Vallendar, aufführen, den die Franzo-sen 1800 nur mit vieler Mühe zu sprengen vermochten und der jetztwieder auf den alten Grundmauern sich erhebt. Nach ziemlich langerBelagerung gelangten die Franzosen 1798 in den Besitz der Festung.Anfänglich legten sie neue Außcnwerke an und umschlossen dieselbenmit zahllosen Pallisaden. Allein in Folge einer Bestimmung des Frie-dens von Lüneville wurde die ganze Festung geschleift und lag bis181k in Trümmern.
Jetzt steht sie größer, stärker und herrlicher da, als je zuvor*).Sie wurde früher häufig belagert und mehrmals, aber immer nurdurch Aushungerung oder List, eingenommen, welcher Fall 1652 ein-trat. Durch die Beschießung von 1683 litt sie'wenig. Grade einJahrhundert nachher mußte sie jedoch, nachdem sie seit 179» vier Be-lagerungne und ein Bombardement überstanden, nach Abzug der öst-reichischen Truppen kapituliren.
Die Außenwcrke der Feste Ehrenbreitstein bestehen in der Nellcn-kopf-Flssche, dem Klausenberg, dem Plcitenberg und dem Fort wieden Blockhäusern auf der pfaffendorfer Höhe, dem Bohnacker. Bei demFort auf dem Nellenköpfchcn steht der Tellcgraf Nr. 60, der letzte, dermit Berlin korrespondircnden Linie, welcher seine Zeichen an die Tel-legrafen-Jnspektion in Koblenz abzugeben hat. Es führt zu jener Höheein breiter Fahrweg und ein steiler Pfad, deren Betretung Unberufenenverboten ist.
Die Spaziergänge durch die romantischen Mühlthäler von Arcn-
Eine kolossale voruooi» wird bald den größcrn Brunnen auf Ehrenbreitstein
iicren.
berg und Arzheim find recht hübsch. I» dem ersten dieser Thäler istder durch seinen guten rothen Wein berühmte Kreuzberg, aus des-sen Ertrag die Handlung Tesche n. Komp. ihre beliebten Schaumweineverfertigt. Weiter oben ist ein Silberbcrgwerk, in dessen Nähe sicheine ackerbautreibende Mennoniten-Familie niedergelassen hat. Diebeiden Mühlthäler bilden einen auffallenden Kontrast mit der anssicht-reichcn pfaffendorfer Höhe über die sich von Pappeln-Alleen beschatteteFahrwege ziehen. Man überblickt hier am besten Koblenz und seineUmgebung und sieht den mächtigen Bau von Ehrenbreitstein ganz inder Nähe. Auch findet man oben, in der Garten-Wirthschaft des Wall-meisters, fast jeden Nachmittag, gewiß aber Sonntags, größere undkleinere Gesellschaften. Man ersteigt von Koblenz diese Höhe, sowohlauf der breiten Fahrstraße, als auf einem hübschen Fußwege, in20 Minuten. Ein steiler Pfad führt von oben in der Hälfte dieserZeit hinab nach Pfaffendorf.
Zieht man es aber vor vom Pulverthurm den Weg zur Linkeneinzuschlagen und die Richtung gegen den Hof Kratzkopf zu nehmen,so kommt man in 2» Minuten zum Markus-Brunnen, im obernTheile des gegen Pfaffcndorf sich senkenden Thälchens. Die beide»Moosbänke bei diesem Brunnen laden um so mehr zur Ruhe ein, daim Frühling das nahe Wäldchen von vielen Nachtigallen belebt ist.Durch dies Wäldchen kommt man, vorüber an den jetzt verfallenenAnlagen des verstorbenen Kanonikus vom Umbschcidcn und an seinemLandhause (jetzt seinem Erben, dem Regierungsrath v. Coverden ge-hörig), das mehre interessante Sammlungen enthielt, in ^ Stundenach Pfaffendorf, von wo man in 20 Minuten nach Koblenz zurück-kehrt. Die Aussicht von der oberhalb des Dorfes gelegenen S. Willi-brord-Kapclle ist ebenfalls sehr belohnend.
Einer der genußreichsten Ausflüge, den man von Koblenz in süd-östlicher Richtung unternehmen kann, ist der nach Eins und der höher»Lahngegend, über Nassau und Limburg, bis nach Weilburg, Wetzlaroder Gießen. Eins ist von Koblenz für den Fußgänger oder Reiter,welcher den Weg über die arzheimer Höhe einschlägt, nur 2'/, Stun-de» entserut. Auf der nach Montabaur führenden Landstraße, von derim Walde zwischen Arenberg und Neuhäuscl ein Zweig rechts ab nachEins führt, braucht man dazu 3 Stunden, und auf der neuen Thal-straße über Pfaffendorf, Horchheim (guter rother Wein), Nicder-Lahn-stein und Fachbach 3V- Stunden. Dieser letzte Weg ist, wen» auchder längste, doch der bequemste und angenehmste von alle». Wen»schon nicht so aussichtreich als die beiden andern, bietet er doch mehrAbwechslung durch die bedeutenden Windungen der Lahn, die dreioder vier Hammerwerke und Eisenhütten: Hohrhein, Ahl, Niedern, zc.;die vielen Mühlen und Höfe, die Wallfahrts-Kirche auf dem Allerhei-ligenberg und die Dörfer Mielle», Niedern und Fachbach, durch welcheman kommt.