Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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von seltnen Büchern und andern Gegenständen die Herren Heimelt,Stadtrath Dietz, Oberst von Wussow und von Stramberg. Derpensionirte Regicrungs-Sekrctär Herr Bohl hat ein sehr vollständigesMünzkabinet, die Herren Bädecker und Lerop besitze» interessanteAutografen und Herr Koblenzer hat ein schönes zoologisches Kabinet.Interessant sind auch die Herbarien des ausgezeichneten BotanikersHerrn Wirtgen und die Mineralien-Sammlung des Hrn. Majorsvon Salvigny. Die schönen Sammlungen des Grafen Ren essesind nicht mehr vorhanden.

Aussichten.

Die umfassendste zugleich und die schönste aller Aussichten überKoblenz und seine Umgebung, hat man auf den Wällen der FestungEhrenbreitstein, der pfaffendorfcr Höhe, der Umgebung des Alexan-ders- und des PeterSforts oder der Feste Kaiser Franz (f. unten: Um-gebungen). Die Schiffbrücke über den Rhein und die Mosel-Brückebieten ebenfalls schöne und verschiedenartige Gcschichts-Punkte. Nichtminder herrlich ist die Aussicht vom k. Schlosse, dem Negierungs-Ge-bäude, den großen Gasthäuser» und den Privat-Gebäuden am Rhein,von den Thürmen der Kastor- und Liebfrauen-Kirche, von der Ter-rasse des renesseschcn Hofes, vom Kaufhause und fast allen Gebäudenlängs der Mosel.

Handel und Gewerbe.

Handel. Durch seine Lage an der Mündung der Mosel in denRhein, ist Koblenz ganz vortrefflich gelegen für den Verkehr auf diesenbeiden Strömen. Nichts desto weniger ist der, welchen Koblenz aufder Mosel treibt, beträchtlicher als der auf dem Rhein, obgleichsein Spcditions-Handel von und nach Holland, wie rheinaufwärts undans der Lahn, ebenfalls bedeutend genannt werden kann. Die vorzüg-lichste Ausfuhr von Koblenz besteht in sämmtlichen Mineral-Wasserndes Hcrzogthums Nassau, in Wein, Obst, Wachholderbceren, Leder,Potasche, Kleesamen, Faßdauben, Thonerde, Mühl-, Tuff- und Back-ofen-Steinen, Traß, Blechwaaren, Sanitäts-Kochgeschirr und mehrenandern Artikeln. Hauptgcgcnstände der Einfuhr sind Kolonial-Waaren,Twiste, Getreide von der Lahn, das wieder nach Frankreich ausgeführtwird, Holz- und Steinkohlen, Eisen, Stahl, Oel, Steingut, Nutz-hölzer, :c. Der Hafen-Verkehr läßt sich im Durchschnitt jährlich über2'/- Millionen Zentner ankommender und nahe an 3 Millionen Zent-ner abgehender Produkten und Fabrikaten berechnen. Durch die Dampf-schiffsahrt und durch die gleichzeitige Vermehrung der Segel-Schifffahrt,deren Bewegung zu Koblenz 3800 Fahrzeuge, sowohl auf der Moselals auf dem Rhein, übersteigt, hat der Handel von Kodlenz in denletzte» Jahren eine große Entwickelung gewonnen. An Bau- undNutzholz gehen im Durchschnitt jährlich 70 Millionen Kubik-MeterEichen und über 260 Millionen K. M. Tannen ein. Davon bleibenim Jnlande vo» den ersten etwa 2 Millionen K. M. und von denletzten an 195 Millionen K. M., der Ueberrest geht weiter nachHolland.

Koblenz hat drei Wochen-Märkte, am Dienstag, Donnerstag undSonnabend, und zwei Jahrmärkte, jeden von 8 Tagen, im Frühlingund im Herbst.

Gewerbe. Es gibt in Koblenz mehre sehr geschickte Kunst-Tisch-ler, unter denen Mündcnich, Gerstenkorn, Prätorius, Marein u. a.den ersten Rang einnehmen; serner ausgezeichnete Musik-Jnstrnmenten-Machcr, welche namentlich alle Instrumente für das Herzog!, nassauischeMilitär verfertigen; geschickte Drechsler, zwei treffliche Porzellan-Maler,gute Mechaniker (Verfertigcr von Druckcrpresscn, Handmühlen zc.),Spritzen-Fabrikanten, Kupfer-Arbeiter, Pelzwaaren-Fabrikauten, Ver-

fertiger von chirurgischen Instrumenten (Mies), Wagen-Fabrikanten,von denen vorzüglich viele Postwagen verfertigt werden, Gold- undSilber-Arbeiter, Juwelirer, Uhrmacher, Messerschmiede, Gewehrmacher,Sattler, Kammmacher, Bleicher, Lohgerber ,c. zc. Vor allem erwähntzu werden verdient die große Blech- und Papiermach^-Waaren-Fabrikvon Schaffhausen und Dietz, die über 130 Arbeiter beschäftigt und be-deutende Versendungen nach dem In- und Auslande macht; fernerdie Eisen-Gießerei und Maschinen-Fabrik von Gebrüder Druckenmüller;die Dampf-Furnier-Schnciderei von Wolfcrmann (in Ehrenbreitstein),die große Schaumwein-Fabrik von Tesche und Komp., welche 600 OhmWein verarbeitet; die Kunst- und Buch-Handlungen von Bädecker,Blum, Hergt, Hölscher, Müller; die Buchdruckercien vo» Dübois,Hcrgt, Hildcbrand, Kehr, Krabben, Werle; die lithografischen Anstaltender Gebrüder Becker, wie von Kehr, Müller u. a. Bedeutend ist auchdie Seilerei und die Küferei, nebst der Färberei und Lohgerberei, zc.

Die Gcsammtzahl der Handwerker übersteigt im Ganzen 350 Mei-ster, welche nahe an 550 Gesellen und Lehrlinge halten. Handarbeiterzählt man über 700 und Beamte über 200. Die Zahl der männlichenDienstboten bcläuft sich auf 180 und die der weiblichen auf 1060.Blinde zählt man l3 und Taubstumme 4.

Vergnügungen und Spaziergänge.

Während der Pfingstfeiertage werden von Koblenz zahlreiche Lust-partieen nach Sapn und dem Park auf dem Friedrichs-Bergc, wiein das Thal von Jsenburg gemacht. Die Kirchweihen im Frühlingund im Herbst, namentlich diczu Güls, MoselwciS, Psaffendorf,Horchhcim,Niedcr-Lahnstein, RhcnS, Neuendorf, Vallendar, Bendorf, EngerS, zc.,wie das Vogel-Schießen in Ehrenbreitstein, ziehen viele Besucher an.

Spaziergänge. Die besuchteste Promenade, namentlich an schö-nen Frühlings- und Sommer-Abenden, ist die Linden - und Akazien-Allee in der Neustadt und die gegenüber befindliche Linden-Pflanzungauf dem Schloßplatze. Weniger beliebt ist der kleine Paradeplatz undder Kastorplatz, der erste, weil er zu sehr in Mitte der Stadt, derandere, weil er zu abgelegen ist. Gewöhnlich begibt sich der Zug derSpaziergänger aus der Neustadt-Allee, durch das Mainzer Thor, aufdie nach Mainz führende Chaussee, verfolgt dieselbe 12 Minuten weitbis zum Rondel, und kehrt von da entweder auf demselben Wege,oder auf dem längs des Rheins, oder auf verschiedenen Pfaden durchdie Felder zur Stadt zurück.

'Sehr angenehm und ziemlich häufig besucht ist auch der schattigeSpazierweg, welcher sich außerhalb der städtischen Festungswerke, vomRhein und vorüber am Mainzer, Leer- und Moselwcisthor, bis zurMosel zieht. ES fehlt in seiner Nähe an Garten-Wirthschaften nicht,deren ebensowohl, wie der aussichtreichen Spaziergänge um die FortsAlexander, Franz zc., in dem nachfolgenden Abschnitt näher zu geden-ken ist. Auch die Mosel-Brücke und die Schiffbrücke über den Rhein,wie ein Theil des Mosel-Gcstadcö, dienen Einheimischen und Fremdenals Spaziergänge.

Am Abend ergehen sich die mittlern und unter» Stände in großerZahl in den Straßen, welche den eigentlichen Mittelpunkt des bür-gerlichen Verkehrs bilden, nämlich auf dem Plan, dem alten Grabendem Gemüsemarkt, dem Entenpfuhl, der Firmung-Straße, dem kleinenParadeplatz, den Klemens-, Kasino-, Magazin-, alten und neuenLeerstraßen, ;c. Auch die Schloßstraße, und die Allee zwischen demMainzer- und Leerthor, werden Nachmittags und Abends von Spazier-gängern besucht, denen die Bier- und Garten-Wirthschaften vonLaupus und Gassen erwünschte Nuhepunkte gewähren.