Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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neuerer) Stein mit dem Brustbilde und Namen Domitians und einhalber römischer Grabstein, einige Mosaik-Bruchstücke, glänzend schwarzeund röthliche Thongefäße, vom kalscher Hof bei Münster-Maifeld(dem alten 'Vicu» z4»>I>i»ti»u<!), römische Waffen, Werkzeuge zc., dievorzüglichsten Gegenstände sind, ist bereits in dem Abschnitt:Alter-thums-Ueberreste" (s. das.) umständlicher gedacht worden. In demKonferenz-Saale, worin diese Gegenstände aufgestellt sind, steht manauch das Bildniß des Kurfürsten Johann Hugo von Orsbcck, von lt!99.Ein alter Stein von 1588 befindet sich am südlichen Flügel des Ge-bäudes, und ein altes triersches Wappen von l59l an der äußernMauer, in der Gymnasiums-Straße.

Bürgerliches Kasino, an der Ecke der gleichnamigen und der Ma-gazin-Straße. Ein hübsches Gebäude, dessen älterer Nebenbau nieder-gerissen und in demselben Styl, wie das erste, aufgeführt werden soll.Die Gesellschaft, deren Eigenthum es ist, besteht aus mehr als 350 Mit-gliedern, ohne die zeitweisen Abonnenten, welche nicht Miteigenthümersind. Das Lokal, wozu ein hübscher Garten gehört, der bis an diealte Stadtmauer reicht, umfaßt einen Lcsesaal, worin eine englischeZeitung, zwei französische und 25 deutsche Zeitungen oder Zeitschriftenaufgelegt sind. Nächstdem findet man noch mehre Atlanten, viele ein-zelne Landkarten und Städte-Pläne, eine Handbibliothek zc.; selbst einDesiderienbuch ist nicht vergessen. Fremde können von einem wirklichenMitgliede oder Abonnenten eingeführt werden. Die Zahl der Gesell-schafts-Säle ist bedeutend und deren innere Einrichtung entsprechend.Vorzüglich schön ist der große Tanzsaal, im neuen Gebäude. Er gehtdurch zwei Stockwerke und bildet ein längliches Viereck, mit einerRotunde für das Orchester. Seine Gypsmarmor-Säulen und Wände,geschmackvollen Stukatnren und Vergoldungen, wie die 6 großen Kri-stall-Kronen-Lcuchter machen ihn eben so geschmackvoll als glänzend. Erwird durch 4 Eisen-Ofen erwärmt. Ringsum ziehen sich erhöhte Sitzefür die Zuschauer. Spiegel sind nur in einer einzigen Thür ange-bracht. Jedes Mitglied der Kasino-Gesellschaft hat einen jährlichenBeitrag von 6 Thlr. zu entrichten.

Proviant-Magazin Nr. ti. Dies große Gebäude, das eineLänge von 400 Fuß und eine Breite von 80 Fuß hat, erhebt sich dembürgerlichen Kasino gegenüber, mit der Vorderseite gegen die neueKasino-Straße gerichtet und durch seine Langseite die ganze Magazin-Straße nördlich begrenzend, während seine Hinterseite gegen die ver-längerte Georgen-Straße gewendet ist. Es wurde 1834 bombenfestgebaut und ist seiner Bestimmung vollkommen entsprechend eingerichtet.Daneben, in demselben Stadtviertel, befindet sich das kaum halb sogroße Ponton-Wagenhaus Nr. 5, dessen Bau ein Jahr früher bewerk-stelligt worden.

Leerthor und dazugehörige Kaserne. Ebenso fest und in der-selben Art, wenn auch nach einer andern Zeichnung als das MainzerThor (s. das.) und die dazugehörige Kaserne, von 1820 bis 1823 er-baut, gereicht das Leerthor nicht minder zur Zierde der Stadt. Durchdasselbe führt die Hauptstraße über Waldesch nach Simmern, wie Ne-benwege nach Schloß Stolzenfels, Moselweis und ander» Orten ander Mosel. Es besteht aus dem Thorhaus in der Mitte, mit Wachtund Stadtzoll. Daneben springen zu beiden Seiten zwei viereckigeThürme vor, woran sich östlich und westlich zwei etwas zurückgedrängtelange Flügel schließen, deren jeder durch einen starken weit vorsprin-genden viereckigen Thurm beendet wird. Das Ganze hat eine durch-schnittliche Länge von 500 Fuß. Die beiden Flügel sind oben durchein Eisengeländer geschmückt und gleich den Eckthürmen hoch mit Erdebedeckt.

Hauptwache am Plan, ein wenig ansehnliches zweistöckiges Ge-bäude, worin sich auch das Eichungsamt und das Einquartirungs-Bureau befinden.

Stadthaus oder Qber - Bürgermeisterei. Dies Gebäude,gelegen am Plan, von wo man auf einer Doppel-Treppe zu ihm hin-ansteigt, entspricht den Erwartungen nicht, welche man, im Betreffeines solchen Hauses, von einer so alten und bedeutenden Stadt wieKoblenz hegen darf. Es hat nur 5 Fenster Front und auf dem sehrhohen Erdgeschoß, womit es auf der alten Kastell-Mauer ruht,nur noch ein Stockwerk, welches die Wohnung des Ober-Bürgermei-sters begreift, während das Geschäfts-Lokal seiner Verwaltung sich imUnterstock befindet. Das k. Polizeiamt, ein ebenso unansehnliches Ge-bäude, ist hinter der Ober-Bürgermeisterei, dem Haupteingang derLiedfrauen-Kirche gegenüber. Der öffentliche Laufbrunncn vor demStadthause, in Mitte des Plans, ist plump, erfüllt aber seine Be-stimmung. Auf der Ostseite schließt sich an die Ober-Bürgermeistereidas Gebäude, worin sich die Pfarrschule der Liebfrauen-Gemeinde be-findet. Es hat ein ödes, vernachläßigtes Ansehen. Entweder könntedas Stadthaus dadurch vergrößert, oder, was noch besser wäre, dasalte Stadtrathhaus, am Florinsmarkt, zur Aufnahme der Obcr-Bürger-meisterei-Verwaltung wieder hergestellt werden.

Kaufhaus, das ehemalige Stadtrathhaus neben der Florins-Kirche.Es wurde im 15. Jahrhundert erbaut, während der Beschießung von1688 zerstört und 1725 wieder erneuert. Sein Bau hat etwas eigen-thümliches und malerisches. Die Thürmchen und der hübsche mit zweiWappenschildern geschmückte Erker gegen die Mosel, die auf der ent-gegengesetzten Seite stufenweis vorspringenden Gebäude, mit zweiEckthürmchen, wie der Thurm in der Mitte, mit dem Brustbilde desgeharnischtenMannes am Kaufhause", unter dem Zifferblatte, derbei jeder Pendel-Schwingung die Augen hin- und hcrwirft und beijedem Stunden-Schlage den Mund weit öffnet, machen dies Ganzeinteressant und beschäftigen die Einbildungskraft. Sogar das letzteetwas grelle Bild steter Wachsamkeit und mündlichen Rechtsverfahrenszum Wohl der Stadt, ist nicht ohne Wahrheit und verdient jederzeitbeachtet zu werden. Der untere gewölbte Theil des jetzigen Kaufhau-ses wird als Halle zum Verkauf verschiedner Gegenstände, welche Hitzeoder Nässe scheuen, gebraucht. Im obern Stockwerk, das einige großeSäle enthält, wurden früher die Rathsversammlungcn gehalten. Auchdienten diese Raume bei öffentlichen Festen als Tanz- und Gesellschasts-Säle, in denen es oft lustig herging. Jetzt ist da alles öde undstumm. Man hatte einige Zeit die Absicht, eine Realschule in diesemLokale einzurichten, was bis jetzt nicht geschehen ist. Am zweckmäßig-sten würde es sein, wenn die städtische Verwaltung hier wieder ihrenEinzug hielte, was sich ohne bedeutenden Kosten-Aufwand wohl zuStande bringen ließe.

Reuessescher Hof, früher der Familie Breidbach-Bürreshcimgehörig, von der er durch Erbschaft an die Grafen Renesse gekommenist. Dies schwarze theils hochgibelige theils einstöckige, langgedchntc,düstre Gebäude, mit dem Wappenschild des Eigenthümers über demHauptcingange, springt am Florinsmarkt, unmittelbar neben dem Kauf-hause, ziemlich weit vor. Zwei gegen die Mosel sich ziehende ungleich-artige Flügel bilden einen viereckigen Hof, von dessen hoher, mit einemEisen-Geländer umschlossenen Terrasse, man eine herrliche Aussicht aufdie Mosel-Brücke, die Bereinigung der Mosel mit dem Rhein, dieFesten Ehrenbreitstein und Kaiser Franz, auf Neuendorf, Urbar, Val-lendar zc. einerseit, wie auf Metternich, Rübenach ?c. auf der andernSeite hat. Am meisten beschäftigt den Blick die unmittelbar zu denFüßen sich ausbreitende Mosel, welche gerade aus dieser Stelle sehrbelebt ist, da die ganze Schifffahrt dieses Flusses und des Rheins sichhier zusammendrängt, und oft 6 bis 3 große Fahrzeuge vom rechtenUfer in den Strom hinaus neben einander ligen. Jenseit desselbenüberblickt man die Stelle, wo Lützel-Koblenz stand und jetzt einzelneHäuser und Bleichen sich befinden. Eine Reihe Kugel-Akazien schrieet