Auskultator und Bürgern als Gesellschafts-Lokal. Dasselbe ist zweck-mäßig eingerichtet und besteht aus mehre» Lese-, Spiel- und Gesell-schafts-Zimmer, einem Tanzsaal, :c. Die Gesellschaft hält ein fran-zösisch-militärische und neun deutsche Zeitungen und Zeitschriften. ImWinter ist alle 14 Tage, Sonntags, Tanzgesellschaft für die Mitgliederund im Sommer ebenfalls alle 14 Tage, Donnerstags, Konzert imgroßen Garten zu Moselweis.
Deutsches Haus auf der Mosclspitze, neben der S. Kastor-Kirche. Ein altes gothisches Gebäude, mit zwei gegen den Rhein unddie benachbarte Kirche gerichteten Flügeln, die ihrerseit einen nachOst und West gerichteten Vorbau haben, was dem Ganzen die Formeines eckigen Hufeisens gibt. Im Innern als Proviant-Magazin ein-gerichtet, ist nur noch ein großer Saal sehenswerth. Die dazu ge-hörige, im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts erbaute, Ordens-Kirche, wurde unter der französ. Verwaltung niedergerissen. Ihr Er-bauer, wie der eigentliche Stifter des deutschen Ordens, war HeinrichWaltbott von Bassenheim.
Kastor- oder Napoleons-Brunnen. Dies plumpe Denkmalfranzösischer Eitelkeit, im Mittelpunkte des Kastor-Hofes, ist ausgrauem Stein von Nieder-Mendig erbaut und wird von allen Reisen-den, welche Koblenz besuchen, der darauf eingegrabenen witzig seinsollenden untern Inschrift wegen, in Augenschein genommen. Manliest daran nämlich, auf der gegen die Kirche gerichteten Seite, obenfolgende Worte: „4^I>, HlOLLLXII lllöinornble par I»eontre les llusses, 1e I^rökeetuist llc ckules Doassn." Worunter,nach der Besetzung der Stadt durch die Truppen der vebündeten Mächte,der russische Kommandant 8t. ?rie»t sein französ. Emigrant) nachste-hende Genehmigung setzen lies: „Vu <!t spiii'oiive ^>»r noii» Lom-nignllsnt russe >Ie I» ville »lo Loblent?, lo I. Courier 4ÜI4" DerStachel dieser Inschrift hat, seit die Ereignisse von 1812 und 1813 demBereich der Geschichte anheimgefallen sind, viel von seiner intelligentenSchärfe verloren und es ist davon nur noch der etwas plumpe Kernübrig geblieben. Dieser Napoleons-Brunnen, der wenig oder keinWasser gibt, sollte übrigens als Sockel zu einer Bildniß-Gruppe,Rhein und Mosel gegenseitig sich umschlingend, dienen. Die vierSeiten der Basis aber sollten durch sinnbildliche Figuren in erhabenerArbeit verschönert werden.
General-Kommando , am obern Theile des Kastor-Hofes.Dieser vormals fürstlich lepische Hof, unter der Fremdherrschaft Sitzder Präfektur, ist jetzt Wohnung des General-Kommandanten des8. Armeekorps. Seit etwa 4g Jahren vielfach verändert, enthält ernichts alterthümliches mehr, als die auf drei Pfeiler gestützte Vor-halle, rechts neben dem Eingang. Sie ist in sehr gutem Spitzbogen-stpl, und wenn auch nicht hoch, doch gut erhalten. Größtentheilsverwischt sind dagegen die im obern Theile der Fenster eingefügtenzwölf bunten Wappen-Scheiben, von verschiednen rheinländischen Fa-milien, namentlich den Lepen, Metternich, Hontheim u. a. herrührend.Seitwärts, oberhalb der Treppe jenseit der Glasthür, sind vier ähn-liche besser crhaltne bunte Scheiben. Zum General-Kommando gehörtein hübscher Garten. Die Bureaur sind rechts um die Ecke, in derMosel-Straße.
Zivil-Hospital, an dem mit der Kastor-Straße zusammenhän-genden Hospital-Platze. Es befindet sich in den Gebäuden des ehema-ligen Franziskaner-Klosters, dessen Kirche abgebrochen worden. Diehier befindliche städtische Armen- und Kranken-Anstalt ist gut einge-richtet. Das Gebäude ist gesund, mit einem Kreuzgang versehen undwird sehr reinlich gehalten. Die Kranken-Pflege ist 7 barmherzigenSchwestern und mehren Gehilfen anvertraut. Es werden nicht alleinalte und kranke Stadtbürger, sondern auch, gegen eine sehr geringeEntschädigung, Reisende, Handwerks-Burschen, Dienstboten rc. in dieser
Anstalt aufgenommen. Ein besonderer Vorstand, nebst einem Arzt undWundarzt, besorgen die Leitung der Geschäfte. Der dazu gehörigenKapelle ist bereits gedacht worden. In einem der Säle des östlichenGebäudes ist einstweilen noch die aus etwa K999 Bänden bestehendeStadtbibliothek aufgestellt, worin sich einige Inkunabeln, ältere Werke inverschiednen Sprachen und seltne Handschriften befinden. Mit nächstemsoll diese Bücher-Sammlung nach dem k. Gymnasium versetzt und mitder dortigen doppelt so starken Bibliothek, sowie mit einigen andernnoch hinzuzuziehenden Bücher-Sammlungen vereinigt werden. Das-selbe soll auch mit der städtischen, von dem verstorbenen Pfarrer Langin Neuendors herrührenden, Gemälde-Sammlung geschehen, welche sichin einem zweiten Saale dieses Gebäudes befindet. Von den 200 grö-ßern und kleinern Bildern der niederländischen, deutschen und franzö-sischen Schule, verdienen einige von Hannibal Carraccio, Rubens, Rein-brandt, Schidone, Ribera, Ricci, Breughel, Frank, G. Douw, Berkhay-den, Kranach, A. Dürer, Zick, Poelemburg, Fiesole, Salvator Rosa,de Heem, Dieterici, van der Neer, Fölir, Braun u. a. ausgezeichnet zuwerden. Auch das Portrait des Pfarrers Lang, von Meister, und die sei-nes Vaters und seiner Mutter, verdienen Beachtung. Dem MalerBachta-ist die Aufsicht über diese Gemälde anvertraut. Neben dem Hospital, un-ter obigen Sälen, ist eine Anfangs-Schule für arme Knaben.
Gymnasium. Das auf der Vorder-Seite an beiden Enden mitzwei niedrigen Thürmen geschmückte Gebäude, worin sich diese Lehr-anstalt befindet, zerfällt in zwei Theile, der eine am Jesuiten-Plätz-chen vor der Johannis-Kirche und der andere hinter derselben, wo-von der letzte der älteste ist. Ein Theil, der Flügel nämlich, wel-cher die Gymnasiums - Straße berührt, ist von 1542 ; der Ucber-rest von 1592. Früher bestand hier ein Zisterzicnserinnen-Kloster.Erzbischof Johann von Schönbcrg versetzte 1589 die Jesuiten in das-selbe und erweiterte es. Nach der französischen Belagerung, gegenEnde des 17. Jahrhunderts, lies Johann Hugo von Orsbcck das ge-gen den Platz gerichtete Hauptgebäude hinzufügen, unter welches manhindurch aus der Firmung- in die Gymnasiums- und Kasino-Straße ge-langt. Ueber diesem Durchgang liest man die Inschrift:
8nei>?t»ti8 4esu" und über der eigentlichen Eingangsthür die Worte:Coiilluentinuin". Das Gebäude ist Eigenthum der Stadt.Es enthält mehre große Säle, namentlich den Konzertsaal. Davonsollen einige zur Aufstellung der zu vereinigenden städtischen und Gym-siums-Bibliotheken (letztere aus mehr als 12,999 Bänden wovon einigeseltne Jncunabeln, viele Geschichts-, klassische und filologische Werke,eine interessante Sammlung von Autograsen, rc. ze. bestehen), wieder städtisch-langischen Gemälde-Sammlung, der fysikalischen Instru-mente, römischen und andern Alterthümern, Münzen, zc. verwendetwerden. Andre dienen als Lehrlokalc. Nächstdem haben der Direk-tor und die ordentlichen Lehrer des Gymnasiums ihre Wohnungen indiesen Gebäuden. Es gehört dazu ein etwas vernachlässigter größererund zwei kleinere Garten, nebst einem ausgedehnten Turnplatz. EinPortal von 1532 (mit zwei gerippten jonischen Säulen, worüber sichObelisken erheben, dazwischen zerschlagene Wappen und etwas ver-stümmelte Figuren über der Thür) bezeichnet am Anfang der Gym-nasiums - Straße den gegenwärtigen Eingang der Lehranstalt. DemPortal gegenüber, an dem offenen Durchgang, dessen Gewölbe auf4 Säulen ruht, ligt ein großer, grüner Granitblock, der augenschein-lich von Menschenhand bearbeitet worden. Angeblich rührt er von derSteinbrücke her, welche Julius Cäsar bei Engers über den Rhein er-bauen lies. Beachtungswerth ist auch noch ein altes Steinbild von1493, einen Erzbischof von Drontheim, Namens Kaltysen, vorstellend,der von Ehrenbreitstein gebürtig und früher Dominikaner war. Erstarb in Koblenz. Der Alterthümer-Sammlung, worin das merk-würdige römische Grabmal des Ubceins, ferner ein (wahrscheinlich