Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Pavillons befindet fich seit 1833 der Telegraf, welcher mit dem letztenTelegrafen Nr. 60 der Linie von Berlin auf dem Nellen-Köpfchen kor-respondirt.

Das Schloß diente unter der Fremdherrschaft als Kaserne, späterals Justiz-Palast und zu andern Zwcckem Sowohl im untern Theiledes Schlosses, als in den Zugehörungcn desselben, haben noch ver-schiedene Staatsbeamten ihre Wohnungen. In den beiden halbrundenSeiten-Gebäuden befinden fich die k. Artillerie-Brigade-Schule, eineArtillerie-Werkstatt, die Schloß-Reitbahn, die Montirungs-Kammcrn,die Telegrafen-Inspektion, die Garnison-Verwaltung und das Gou-vernements-Burcau, nebst der Intendantur des 8. Armeekorps.

Hinter dem Schlosse gegen den Rhein (wo die acht kolossalenSäulen von dem gut gearbeiteten kurf. trierschen Wappen, mit denFlußgottheiten des Rheins und der Mosel in Stein, überragt wer-den) dehnt fich ein Garten, mit einer durchgehenden Terrasse, aus.Auch der Platz vor dem k. Schlosse soll sehr verschönert werden (vcrgl.Schloßplatz).

Feftungs - Bauhof Nr. 1. Ein schweres, massives Gebäude,.zu seiner Bestimmung 1816 eingerichtet. Es bildet ein großes etwasverschobenes Viereck von 310 Fuß Länge und gleicher Breite gegen denKlemensplatz. Der davon umschlossene innere Raum ist groß aber zumTheil verbaut. In seinem hintern gegen den Rhein gerichteten Theilebefindet sich die Militär-Bäckerei.

Köuigl. Salzmagazin. Ein ziemlich langes, sonst wenig an-sehnliches Gebäude, zwischen dem vorhergehenden und dem k. Schlosse,im Hintergründe des Klcmcns-Platzes gegen den Freihafen.

Klemcns-Brunnen. Ein langgestreckter Obelisk von rothemSandstein und 40 Fuß Höhe. Der letzte Kurfürst lies ihn 179l er-bauen. Er trägt die nach der französischen Besitznahme der Stadtbeseitigte, auf Napoleons Befehl wieder hergestellte, Inschrift in Me-tallbuchstaben! ,,LIei »c«s WenTesIauz, IZIector, Viciuis «uis. 1791.

Vberpostamt. Ein hübsches Gebäude mit Balkon-Portal, ander Ecke des Klemcns-Platzcs und der Schanzenpfort-Straße. Nächst derWohnung des Oberpost-Direktors befinden sich hier die Bureaux undErpeditionen der k. Brief- und Fahrpostcn. Das Zifferblatt der Uhr,an den Thürmchen in der Schanzenpfort-Straße, wird Abends voninnen erleuchtet und ist weithin sichtbar.

Schauspielhans, von Krähe 1787 erbaut und von Beckenkampverziert, ist ein recht hübsches, ziemlich großes Gebäude, auf der Abend-seite des Klemens-Platzes, neben dem Gasthaus zum trierschen Hof.Es trägt an seiner Frontspitze die Inschrift in großen Buchstaben:Hlusis niviilius et ^ulilicae laetitine, I1lI1l )LI,XXXVII Die innereEinrichtung ist wohlverstanden und hübsch. Die halbstehende, halb-wandernde Schauspieler-Gesellschaft gibt nur von Anfang des Oktobersbis Ende des Aprils regelmäßige Vorstellungen. Das Orchester, bestehendaus dem Musikkorps der Garnison, ist vortrefflich. Der ziemlich großeVordersaal wird zu kleinen Ausstellungen von Gemälden :c. benutzt.Die Preise find: Kronloge 20 Sgr., erster Logenrang tS Sgr., Par-quet 10 Sgr., Parterre 7'X Sgr., Galerie 4 Sgr. Im Abonnementzahlt man für 12 Vorstellungen 4 Thlr. für einen Logenplatz und3 Thlr. 6 Sgr. für einen Parquetplatz. Das Theater-Bureau befindetsich im Kaffehause von Pfadler, am kleinen Paradeplatz. Es ist offenvon 9 bis 12 Uhr Vormittags und von 3 bis 5 Uhr Nachmittags.

Gouvernements-Gebäude, früher der clz-russische Hof, inNähe des Mainzcrthors, aus einem halbrunden Vorsprung und demBalkon-Anbau zu beiden Seiten bestehend. Es trägt die Inschrift:K. Gouvernement, eingerichtet 1823" und hat einen kleinen hübschenGarten, sonst aber nichts ausgezeichnetes.

Mainzerthor und Artillerie-Kaserne. Im wohlverstandnenneuesten Befcstigungsstpl von 1820 bis 1824 aufgeführte großartige Ge-

bäude, deren Rückseite als Wall dient und deren bombenfeste Wölbun-gen klafterhoch mit Erde bedeckt sind. Gegen die Stadt besteht dieseimposante Masse aus einem Mittelgebäude mit dem Thore (durch wel-ches die Hauptstraße nach Schloß Stolzenfels, Boppard, S. Goar,Kreuznach, Bingen und Mainz führt), zu beiden Seiten mit schönenrunden Vertheidigungs-Thürmen, woran fich gegen Ost und West zweiFlügel schließen, die durch starke, weit vorspringende viereckige Thürmebeendigt werden. Das ganze hat im Durchschnitt gemessen eine Längevon 500 Fuß und dient als Artillerie-Kaserne. Zwei schöne eisernePumpen stehen davor. Weiter unten ist eine schräg gegen den Rheingerichtete Infanterie-Kaserne von 400 Fuß Länge, mit einem Mittel-thurm und zwei kleinen Eckthürmcn. Der davor befindliche Platz istebenfalls mit zwei Eisen-Pumpen versehen.

Königl. Regierung. Dies ehemalige kurfürstl. Dikastcrial-Ge-bäude (später einige Zeit Justiz-Palast und Sitz des k. Landgerichts),dessen Hauptseite gegen den Rhein und dessen Seitenflügel, mit thurm-artigen Vorbau, gegen den Freihafen gerichtet ist, während sein Haupt-eingang auf der Westseite, am Vogelsang, sich befindet, ist ein durchseinen mächtigen Unterbau imposantes Gebäude, aus dessen Sälen undGeschäfts-Zimmern, vorzüglich aber vom Altan im zweiten Stock,man eine herrliche Ausficht auf den Rhein, die Schiffbrücke und die Ort-schaften am rechten Ufer des Stromes, die Festung Ehrenbreitstein mitinbegriffen, hat. In dem südlichen Flügel dieses Gebäudes befindetsich, in 3 bis 9 gewölbten Sälen, das rheinische Provinzial-Archiv,über 60,000 Urkunden*) enthaltend, welche durch den Fleiß und dieUmsicht des verdienstvollen k. Archivars Beper wohlverstanden geord-net sind und sehr werthvolle Belege zur Geschichte der Rheinland«:enthalten. Namentlich findet man hier die sämmtlichen Protokolle derkirchlichen Berathungen zu Ems (der cmser Punktation). Die Kartevon dem ober» Theile des Erzstifts Trier, von Mercator, gestochen1562, darf ebenfalls nicht unbeachtet bleiben.

Hauptsteueramt. Dies neue, im Innern sehr helle und durch-aus zweckmäßig eingerichtete Gebäude hat auf der Außenseite ein ge-drücktes Ansehen und entspricht deshalb in den Augen des Publikumsder Wichtigkeit seiner Bestimmung nicht. Es steht im Freihafen, un-fern des k. Regierungs-Gebäudes und bildet diesem gegenüber eine»auffallenden Kontrast.

Proviantamt. Dies wenig ansehnliche aber seinem speziellenZweck entsprechende Gebäude, befindet sich in der Karmeliten-Straße,neben dem Festungs-Bauhof. Unfern davon ist das

Zivil-Arresthaus, in den Gebäulichkeiten des ehemaligen Kar-meliten-Klosters, welche schon unter der französischen Verwaltung zudem Behufe eingerichtet wurden, wozu sie noch gegenwärtig dienen.Es befinden fich darin, außer den Speise- und Arbeits-Sälen, 59 Ge-fängnisse mit etwa 180 bis 220 Gefangenen, verschiedene Werkstätten,Kranken-Zimmer (14-13 Kranke im Durchschnitt), die Wohnungender Aufseher und eine besondere Kirche, worin an Sonn- und Feier-tagen regelmäßig Gottesdienst gehalten wird. Die Unterhaltungs-Kostcn der Anstalt belaufen fich jährlich auf 10,700 Thlr.

Oberpräfidium, früher der gräflich boos-waldecksche Hof, amEck der Karmeliten- und OberpräfidiumS-Straßen. Dies schöne Ge-bäude, wozu ein Garten gehört, dient als Wohnung des Oberpräfi-denten der Rheinprovinz und enthält außerdem die Geschäfts-Lokaleseiner Verwaltung.

Militär-Kasino, im ehemaligen gräflich lepischen Hofe, amEck der Rhein- und Mosel-Straßen. Der obere Stock dieses Hausesdient sämmtlichen Offizieren der Besatzung, Zivil-Beamten bis zum

») Einige derselben, jedoch nicht die wichtigsten, können in Günther« >!!,>l<im,Nh-no-hl»»«! eingesehen werden.