und neben jenem ein Stein-Kruzifix. Ganz oben am Spitzgibel ist einZifferblatt. Die S. Johanns-Kirche ist eine Filiale von S. Kastor.Eine solche von der Liebfrauen-Kirche ist ihrerseit die
S. Barbara-Kirche, in der neuen Leerstraße. Sie gehörtezu dem 1703 hier erbauten Augustiner-Nonnen-Kloster, das früher amVogelsang in der Stadt, noch früher zu Vallendar und im ll. Jahrh,zu Lonnig bestand. Die Kirche wurde ebenfalls zu Anfang des vorigenJahrhunderts aufgeführt. Sie ist nicht besonders groß, mit einemThurm versehen und hat, außer einem schönen Altarblatt von Seite«gast, nichts bemerkenswerthes.
Hofkirche, im nördlichen Pavillon des k. Schlosses. Mit diesemwurde sie von Klemens Wcnzeslaus 1778 erbaut. Sie ist auf derAußen-Seite nicht als Gotteshaus zu erkennen und hat überhaupt mehrdie Form und Größe einer fürstlichen Hauskapelle, als einer eigent-lichen Kirche. Unter der französischen Verwaltung als Waaren-Behälterbenutzt, hat sie viel von ihrer ursprünglichen Schönheit verloren. Dieetwas schwerfälligen vier Hauptsäulen, welche die mit guter Stuka-tur-Arbcit verzierte, mit vier schönen Fresken in Medaillons (dieEvangelisten) und einem Mittel-Gemälde (den Himmel umschwe-bende Engel), alle von Zick, tragen, sind des glänzenden Gpps-marmors, der noch an den Wänden prangt, beraubt. Der Orgelchorist leer, der Altar nackt, die Kanzel niedrig und klein, von einerschwerfälligen Schnörkel-Decke vom übelsten Geschmack überragt undmit einer so schmalen Wandthür versehen, daß nur der dünnste franzö-sische Abbe hindurchschlüpfen, ein deutscher Prälat aber wohl nicht an-ders als auf einer Leiter in die Kanzel gelangen konnte. Die Wand-verzierung hinter dem Altar ist unschön. Eine magere Religion, mitKranz und Palme in den Gänden, vor kochenden Wolken hangend,die von Sonnen-Strahlen in Bretterform durchdrungen werden, istnicht geeignet Andacht zu erwecken. Die kurfürstl. Loge, dem Altargegenüber, ist ein viereckiger Kasten, der abgetragen werden soll, wiedenn überhaupt die ganze Hofkirche, bei ihrer bevorstehenden Wieder-herstellung als königl. Schloßkapellc, wesentliche und zweckmäßige Um-gestaltungen erleiden dürfte. Als Schluß-Rcminiszenz kann noch an-^gedeutet werden, daß ein Franzose, der in der Hoffnung werthvolleGegenstände zu finden, auf das Gewölbe der Hofkirche geklettert war,durch die Leinwand, worauf das Auge Gottes im Mittelpunkte desDeckengemäldes gemalt ist (wahrscheinlich um einen Lichteffekt herbei-zuführen), durch dies Auge fiel und sich den Hals brach.
Englische Kapelle. Sie befindet sich in der Vorhalle der Hof-kirche, ist sehr einfach eingerichtet und hat, außer zwei kolossalen Gpps-bildsäulen, einen Papst und einen Bischof, beide in Nischen stehend,nichts sehenswerthes.
Andere Kapellen. Eine solche ziemlich geräumige und sehrfreundliche gehört zum städtischen Hospital, im ehemaligen Franziska-ner-Kloster. Das Altarblatt von Schadow (die Jungfrau mit demKinde) ist schön. Eine zweite ebenfalls heitere und ziemlich große Ka-pelle ist im Zivilarrest-Hause.
Synagoge. Sie befindet sich in dem Hause Nr. 539 im Rhcin-gäßchcn und hat, mit Ausnahme ihrer eigenthümlichen innern Aus-schmückung nichts ausgezeichnetes.
Ehemalige Kirchen. Die jetzt in ein Militär-Magazin ver-wandelte Karmeliter-Kirche, am Eck der gleichnamigen und Rheinstraße,hat eine schöne hochgewölbte Rotunde in Mitte des Schiffs und überdem Hauptaltar ein gutes Fresko-Gemälde (Christus am Kreuz), vonVerflossen d. ä. Sie wurde 1670 neben dem 12 Jahre früher gegrün-dete» Karmeliter-Kloster erbaut und ist mit einem 130 Fuß hohenThurm versehen. — Von nicht minder schönem Bau, vorzüglich aus-gezeichnet durch eine kunstreiche Bogen-Stellung, ist auch die frühereDominikaner-Kirche, jetzt zum Garnison-Hospital gehörig. Später als
das dazu gehörige Kloster, nämlich in Mitte des 13. Jahrhunderts er-baut, sind in ihr der schöne Hochaltar, mit hübschen Bildhauer-Arbeitenin Stein, vom Ende des 14. Jahrhunderts und verschiedne werth-volle Grabdenkmäler, namentlich das des gelehrten Weihbischofs vonKöln, Heinrich aus Rübenach, der 1493 starb, sehenswerth. — Die zumehemaligen Georgen-Klostcr, (worin jetzt die cvangel. Pfarrschule, :c. sichbefindet) gehörige mittelgroße Kirche dient als Waaren-Behälter und hatnichts ausgezeichnetes.— Gänzlich abgetragen unter der französischen Ver-waltung wurde die Kirche und Kapelle des Franziskaner-Klosters, wo-durch der heutige Hospitalplatz an der Kastor-Straße entstand. Ver-schwunden ist auch die zum deutschen Hause gehörige 1225 erbaute Kircheund die des früheren Augustinerinnen-Klosters auf dem Vogelsang,nahe am Rhein, mehrer andern Kapellen oder Bethäuser in verschie-denen Theilen der Stadt nicht zu gedenken. Ueberhaupt gab es vorder französischen Staatsumwälzung in Koblenz 2 Kollegial-Stifter,2 Pfarreien, 1 Jesuiten-Kollegium nebst dazu gehöriger Kirche, 1 deut-sches Ordenshaus nebst Kirche, 4 Mönchs- und 3 Nonnen-Klöster, allemit größern oder kleinern Kirchen.
Oeffentliche Gebäude und Denkmäler.
Königliches Schloß. Das ehemalige Ncsidenzschloß des letztenKurfürsten von Trier Klemens Wcnzeslaus, durch den Baumeister Peyrevon 1778 bis 1781 aufgeführt, besteht aus einem Mittelbau, vor demsich gegen den Schloßplatz ein Portal von acht starken, 40 Fuß hohenSäulen, wovon jede 16 Fuß im Umfang mißt, befindet, und zweiFlügeln, die auf der Nord- und Südseite in zwei etwas vorspringen-den Pavillons enden. Das Ganze hat eine Länge von 525 Fuß undbesteht aus drei Stockwerken, wovon das oberste leider durch zu kleineFenster entstellt wird und dem ganzen Gebäude ein gedrücktes Ansehngibt, ein Mißstand, dem man dadurch abzuhelfen sich bemüht, daßman den Boden vor dem Schlosse um 5 Fuß tiefer legt und dieses,so viel als jetzt noch möglich, aus seiner Versenkung erhebt. Dieauf der Nord- und Südseite in Hufeisenform vorspringenden Neben-Gebäude haben im Durchmesser eine Länge von 385 Fuß. Es gehörendazu noch weitläufige Hintcr-Gebäude, welche das Ganze in länglichviereckiger Form abschließen, indem auch gegen den Schloßplatz eineGeländer-Mauer in gerader Linie sich zieht, die auf beiden Seitenvon ligenden Steinlöwen an den Eingängen bewacht wird.
Die geräumige von vier starken Säulen getragene Treppen-Halleist unmittelbar hinter dem Portal des Mittelbaues, von wo zu beidenSeiten, nach den Endpavillons, ein breiter bedeckter äußerer Gangführt. Auf der sehr breiten Haupttreppe von 46 Stufen in 4 Absätzen,an welcher unten zwei kolossale Löwen stehen, welche mit der rechtenVordertatze eine Kugel halten, gelangt man in den obern Stock, wodie Nische an der Treppe noch der Bildsäule harrt, welche sie schmückensoll. Als ein Bauversehen ist eS zu betrachten, daß man oben an derTreppe noch auf drei schmalen Stufen zur Rechten und Linken anstei-gen und sodann sich wieder rückwärts wenden muß, um in die könig-lichen Gemächer zu gelangen, was man vermieden hätte, wenn dieTreppe in entgegengesetzter Richtung erbaut worden wäre.
Der durch zwei Stockwerke gehende Hauptsaal ist ein großes re-gelmäßiges Viereck, oben gewölbt und überall mit den schönsten Stu-katur-Arbeiten, Vergoldungen und Malereien geschmückt. Vielleichtweniger prächtig, aber eben so schön und geschmackvoll, sind die anden Hauptsaal sich reihenden Nebcnsäle, namentlich der Thronsaal,der Gesellschaftssaal und die Wohnzimmer der Majestäten. Auch diefür die Hofbcamten und die k. Dienerschaft bestimmten Gemächer findsehr heiter und auf's zweckmäßigste eingerichtet. Der k. Schloßkapelle(s. Hofkirche) ist bereits gedacht worden. Auf dem Dach des südlichen