gut gemalt von Hakenbruch. Der bräunliche Taufstein von Neuist, wie die von Hofschmidt verfertigte Kanzel, von einem gothischenmit Engels-Köpfen verzierten Dach überschattet. Die kleine Orgel,in Form einer gothischen Kapelle, ist nicht besonders geschmackvoll.Eben so wenig entsprechend ist das vor ihr befindliche Eisen-Geländer.
Uebrigens enthält die Kirche keine alten Denkmäler; die Franzosenhaben fie alle zerstört. Mit Ausnahme von 10 alten bunten Scheiben,deren Farben noch trefflich find und den neuern bunten Scheiben-Ein-fassungen am Altar, entbehrt dies Gotteshaus aller weitern Aus-schmückung. Die grau angestrichenen neuen Kirchen-Bänke und diedrei Reihen Strohstühle auf Strohmatten, machen keine malerischeWirkung. Uebcrhaupt ist das ganze Innere der Kirche sehr reinlichaber kalt. Die Sakristei, ein großes, längliches Viereck, gehörte zumKapitelsaal, nebst der darüber befindlichen Küster-Wohnung, worin einwiederhergestelltes altes Kamin gesehen zu werden verdient. Die bei-den gleichförmigen, mehr als l0v Fuß hohen Thürme auf der Vorder-Seite, sind mit seltsamen, das Ganze entstellenden Kappen gedeckt, dieschon mehrmals abgeworfen worden. Kirche und Thürme sind mitgelber Farbe übertüncht, was ihnen ein widerwärtiges Ansehn gibt.
Kastor-Kirche. Das merkwürdigste Gebäude der Stadt, amnördlichen Ende der Rheinzoll-Straße, unfern der Mosel-Spitze, vonder es nur durch das deutsche Haus und dessen Zugehörungen geschie-den ist. Hinter sich hat es den Rhein, vor sich den Kastorhof undauf der Südseite die Platanen-Promenade des Kastor-Platzes. DiesePfarrkirche, früher zu einem Kollegialstift gehörig, wurde 836 durchKaiser Ludwig den Frommen (Karls des Großen Sohn) gestiftet,und nach Hierherversetzuug der Reliquien des h. Kastors, aus der Kirchezu Karden an der Mosel, durch den Erzbischof Hetti eingeweiht, wes-halb sie 1836 ihr tausendjähriges Jubiläum feierte.
Dieser im Rundbogenstpl gebaute und im Innern rundgewölbteTempel (an dessen Hauptpfeilcrn oben man die bunten Steinbildnissedes Kaisers Ludwig, seiner Enkelin Ritza, des h. Kastors und des Erz-bischofs Hetti erblickt), ist nicht besonders hoch und die beiden in spä-tern Zeiten angehängten Seiten-Schiffe haben nur eine Höhe von28 bis 30 Fuß. Der kaum 40 Fuß hohe Chor ist sehr gedrückt. DieKirche soll früher auf einer Insel gestanden haben, deren Breite nichtüber den Kastorhof hinausreichte und deren Länge sich nicht bestimmenläßt. Der Stadttheil von der Rheinbrücke bis zur Kastor-Straßewürde also, in den ältesten Zeiten, unter Wasser gestanden haben, sodaß man nicht trocken Fußes von der Florins- oder Liebfrauen-Kirche,in der Richtung der heutigen Kornpforten- und Kastor-Straßen nachder Kastor-Kirche hätte gelangen können.
In geschichtlicher Beziehung ist diese letzte an Erinnerungen reich.Ihr Stifter besuchte sie oft; seine Enkelin Ritza (Richenza) ligt darinbegraben. Lothar, Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle, dieSöhne Ludwigs, verständigten sich darin 870 über die von ihnen zubewerkstelligende Theilung des Reichs. Von den vielen hier gehaltnenKirchen-Versammlungen ist vorzüglich die von 022 bemerkenswerth.Der von Paschalis geächtete Kaiser Heinrich IV. hielt in der Kastor-Kirche 1105 seine Advents-Andacht und söhnte sich darin mit seinemverrätherischen Sohne Heinrich V. aus, der ihn bald nachher zu Fin-gen gewaltsam niederwerfen, zu Gauböckelheim in schmählige Gefan-genschaft halten und zu Nieder-Jngelheim entthronen ließ. In Mittedes 12. Jahrhunderts spornte der h. Bernhard in dieser Kirche, durchseine begeisterten Reden, Ritter und Bürger zur Annahme des Kreuzesund zum Zuge nach dem gelobten Lande an. Ludwig der Baier hielt,nach Beiwohnung des durch Kurfürst Balduin in der Kastor-Kirche, gelei-teten Gottesdienstes vor derselben ein Hoflager und empfing Eduard III.von England auf seinem Thron. Während der großen Ueberschwem-mung von 1784 wurde die Kirche bis über die Altäre unter Wasser
gesetzt und seitdem wesentlich erneuert, bei welcher Veranlassung vielealte Denkmäler zertrümmert wurden und seitdem gänzlich verschwanden.
Von den vier Thürmen sind die beiden vorder» siebenstöckig, etwa120 Fuß hoch und scheinen aus dem elften Jahrhundert herzurühren.Die daran befindlichen Säulen-Knäufe sind viel älter, neuer dagegenist der halbrunde Treppen-Anbau auf der Südseite. DaS jonische Portal,wie zierlich es auch sei, paßt nicht zum Ueberrest des Gebäudes. Auchder darüber angebrachte Altan und die gclbangestrichcne Wand derKirche, zwischen den beiden Vorder-Thürmen, machen eine übleWirkung.
Es befinden sich in dieser Kirche viele Steindenkmale aus frühernZeiten. Ein solches, mit hübscher gothischer Verzierung, zum Andenkendes Erzbischofs Kuno von Falkenstein errichtet, schmückt den Chor.Verschönert durch ein Mauerbild auf Goldgrund: Christus am Kreuze,die h. Jungfrau, der Apostel Petrus, der h. Kastor, Magdalena undKurfürst Kuno am Fuße des Kruzifixes, ist es sehenswerth. Auch dasgegenüber sich zeigende Grabmal des Erzbischofs Werner von Königs-stein (Neffe des ersten), ebenfalls mit einem trefflichen durchbrochncnSpitzbogen, darf nicht unbeachtet bleiben. An den Chorstühl-Wändensind vier hübsche Gemälde von Zick, die Lebens-Ereignisse des h. GoarSund des h. Kastors, die Erbauung der Kirche und die Länder-Theilungder kaiserlichen Brüder darstellend. Die Chorstühle selbst, der Hoch-altar und die Seiten-Altäre, alles von braungcbeiztem Holz, sindItococo und mit dem Stpl des Nebligen in Widerspruch.
Interessant ist das Grabmal der Enkelin Kaiser Ludwigs desFrommen, in der nördlichen Kapelle. Es ist von rothem Marmor, miteiner hübschgeschnitzten Holzumkleidung, worauf man die Inschrift liest:
„Ilic rjuieseit It Itit?.», inirnvulis cl-ir», elcvslu niiiio vüi ZIOLI.XXV.Ve I»oe 8 Ilsütoris collez-lc» praeelare incrita et Patrone inunistea,tilia I.usorici pii, Itoi»»»orum et Vrancor»,» rex!s, I>»^u5 Iiosiiics«tunllatoris inaj-nitiei." Nuten steht: „lienoroliotur anno AIDIlIlXI,IV".
An den Wänden in derselben Kapelle sind acht andre Denkmäler ausdem 14. bis zum 18. Jahrh, aufgestellt und den Boden decken t4 ligendeGrabsteine. An die Rückseite des Chorstuhls sind alte Apostel-Bilder ange-bracht. Aehnliche befinden sich auch in der südlichen Kapelle zur Rechten,nebst einer Madonna und einem Kruzifix, alle von einem unbekannten alt-deutschen Meister. In dieser Galerie figurirt noch das Bild der seligenRitza, das sie weder jung noch schön darstellt. Auch hier sind viele Stein-Denkmale, theils an den Wänden, theils auf dem Fußboden, fernerein Marmor-Kruzifix, ein Sebastian und mehre andre Gemälde. Diebeiden Steinbilder im südlichen Seitenschiff, ein Ritter und dessenFrau, beide ganze Figuren, mit emporgehobnen Händen betend, schei-nen dem 13. Jahrhundert anzugehören. Nicht übel ist auch ein Stein-denkmal, mit einer Flucht nach Aegypten.
St. Johannes- oder Jesuiten-Kirche, an dem Jesuiten-Plätzchen, gegen das ihr hoher Spitzgibel gewendet ist, fast in Mitteder Stadt, vorn und hinten zusammenhängend mit den Gebäuden desk. Gymnasiums. Diese wie jene gehörten früher zum Jesuiten-Kollegium.Die Kirche ist 1617 im Rundbogenstpl erbaut. Sie ist ziemlich ge-räumig , doch nicht besonders hoch, im Innern schmutzig weiß mit hell-rothen Leisten und hat zum Theil den Karakter der Jesuiten-Kirchen,d. h. Kanzel und Hochaltar (letzterer mit einem guten Gemälde) findmit Verzierungen, Schnörkeln und Vergoldungen überlade». An ho-hen Festtagen wird die Kirche mit grünen Baumzweigen und Blumen(gleich den übrigen katholischen Kirchen in Koblenz) geschmückt, wasihr alsdann ein freundlicheres Ansehen als gewöhnlich gibt. Die großeFenster-Rose (im Innern halb durch die unansehnliche Orgel verbor-gen) über dem Haupteingang, der mit vier kleinen nicht besonderswerthvollen Stein-Figuren geschmückt ist, nimmt sich gut aus. Ueberdem Rundbogen-Portal steht das bekannte IU8 in großen Buchstaben,
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