rei nebst Schreibmaterialien-Handlung von Kehr, wie die Musikalien-Leihanstalt von Greis.
Kasino-Straße. In dieser vom Rheingäßchcn bis zur neuenWallstraße sich erstreckenden 535 Schritt oder t338 Fuß langen, ziem-lich breiten Straße, sind das bürgerliche Kasino, nebst dem dazuge-hörigen Garten, das Proviant-Magazin Nr. 6, das Ponton-Wagcn-haus Nr. 7 und mehre schöne Privat-Häuser gelegen. Durch die schmaleund hügelige Gasse an der Schanzpforten-Mauer, deren kleine,überhängende, von Handwerkern und Krämern bewohnte, Häuser andie alte Stadtmauer gebaut find, kommt man zur Schanzen-Pforte, undvon da links zum kleinen Paradeplatz, oder rechts zum Klemensplatz.
Klemens-Straße. Diese neue, breite, regelmäßige Straße,zwischen dem Klemensplatz und der Kasino-Straße, hat eine Länge von180 Schritt oder 450 Fuß. Sie ist ziemlich still, nicht zum bestengepflastert und größtentheils von Beamten und Privat-Lcuten bewohnt.Doch sind in ihr einige Kaufladen, das Spiegel-Magazin von Breckerund die Konditorei von Biener, nebst einer eisernen Pumpe.
Klemensplatz. Die erste Merkwürdigkeit dieses großen, auf dreiSeiten von schönen Gebäuden umschlossncn, länglich viereckigen Platzes,der durch die schattigen Linden-Pflanzungen des Schloßplatzes unmit-telbar mit diesem zusammenhängt und eine Länge von 200 Schritt oder500 Fuß, wie eine Breite von 36 Schritt oder 215 Fuß hat, ist dervon dem letzten Kurfürsten in Obeliskcnform erbaute Laufbrnnnen.Hinter demselben sind der Militär-Bauhof und das k. Salzmagazin,seitwärts das Oberpostamt, die Möbel-Leihanstalt von Hoffmannund die Wein- und Landesprodukten-Handlung im Großen von Es-penschi cd. Gegenüber erhebt sich das Schauspielhaus, »eben demGasthause ersten Preises: trierscher Hof, wozu die Posthalterei gehört.
Neustadt. Unter diesem Namen wird die schöne Straße bezeich-net, welche sich vom Klemensplatz, längs der westlichen Seite desSchloßplatzes, bis zu dem Platze am Mainzer Thor erstreckt. Sie be-steht aus einer hübschen Häuser-Reihe, mit einer halbrunden Ausschwei-fung, dem k. Schlosse gegenüber. Auf dieser Stelle sind zwei mitHecken und Geländern umschlossene Straßen-Garten, nach dem Musterder englischen Squares. An der entgegengesetzte» Seite zieht sich, derganzen Länge der Straße nach, vom Schloßplatze durch die Chausseegeschieden, zuerst eine Allee von Kugel-Akazien, weiterhin eine solchevon schattigen Linden in zwei Baumreihen, die, mit Steinbänken ver-sehen, um so mehr als Lieblings-Promenade der Koblenzer dient, dadie königl. Militär-Musik, während der schönen Jahreszeit, wöchentlichein Konzert, oder zwei, auf dem Schloßplatze gibt. Bcachtungswcrthin dieser Straße ist die Leder- und Weinhandlung von Tesche undKomp., deren große Schaumwein-Fabrik sich in Thal-Ehrenbreitsteinbefindet. Nr. l0l3 ist das Wohnhaus des verdienstvollen geheimen Me-dizinalraths Wegeler. In der Nähe des Mainzer Thores ist das k.Gouvernements-Gebäude und daneben die Bierbrauerei von Laupus,wozu ein hübscher Garten gehört.
Schloßstraße. In ihrem untern Drittel doppelt so breit als inden beiden obern, zieht sich diese schöne geräumige Straße, auf eineLänge von 500 Schritt oder 1260 Fuß, vom Schloßplatz bis zum Leer-thor-Rondel. Obgleich noch nicht ganz bebaut, ist sie doch größten-theils mit schönen Gebäuden besetzt, die fast durchgehend von angeseh-nen Zivil- und Militär-Beamten oder wohlhabenden Privatleutenbewohnt werden. Nächstdem ist in ihr die Brau- und Brennerei vonBrathuhn mit einem Garten, die lithografische Anstalt von GeS-wein und die ehemalige Freimaurer-Loge. Seitwärts auf dem Gör-genweg ist eine Zucker-Siederei. Durch die erst im Entstehen begriffeneneue Wallstraße, die eine Länge von 400 Schritt oder 1000 Fußhat, und nach ihrer Vollendung wenn auch still doch angenehm zu
Koblenz l>.
werden verspricht, kehrt man 'vom Leerthor-Rondel nach dem Platz amMainzer Thor zurück.
Mainzcrtkiorplatz. Von unregelmäßiger Form, etwa 400 Schrittoder 1000 Fuß lang und l20 Schritt oder Fuß breit, dehnt sich dieserPlatz zwischen dem Mainzer Thor und der damit in Verbindung stehen-den großen und schönen Artillerie-Kaserne», bis zu dem linken Flügeldes k. Schlosses und dem Schloßplatze aus, der mit ihm unmittelbarzusammenhängt.
Schloßplatz. Dieser große auf der Nord- und Südseite mitzahlreichen Linden-Alleen bepflanzte, in der Mitte, vor dem Schlosse,aber offene Platz, der in seiner westlichen größern Hälfte eine Längevon 480 Schritt oder 1200 Fuß und eine Gcsammt-Tiefe von 280 Schrittoder 700 Fuß hat, wird gegen den Rhein von dem k. Schlosse und seinenbeiden gegen Nord und Süd vorspringenden halbrunden Flügeln be-grenzt. Bisher hielt das Militär seine Uebungen auf diesem Platze.Auch fanden auf demselben jährlich zwei Viehmärkte, der erste amzweiten Montag nach Ostern, der letzte am dritten Montag im Sep-tember, statt. Dabei wurden vom landwirthschaftl. Verein Prämienfür Pferde und Zugthiere vertheilt.
Nach der Verfügung des Königs werden sich, vor den beiden Sei-ten-Flügeln des Schlosses, zwei Doppel-Reihen von Linden entlang zie-hen. Nächst diesen sollen Blumen-Boskctten und Grasplätze angelegtund weiterhinaus gegen die Straße Springbrunnen erbaut werden.Hinter dem Schlosse, am Rhein, wird eine hohe mit Bäumen zu be-pflanzende, in halbrunder Form gegen den Strom vorspringende,Terrasse den Schloßgarten durchschncivcn.
Freihafen. Derselbe befindet sich nordöstlich vom Schlosse, un-terhalb des k. Salzmagazins und der Militär-Bäckerei. Er ist seitEnde 1840 dem Verkehr geöffnet. In ihm befindet sich das Haupt-stcucr-Amt. Außerhalb des Thors gegen den Rhein sieht man, naheam Boden, ein großes kurfürstliches Steinwappen in der Wallmauer.Die Waaren-Schuppen zu beiden Seiten dieses Thores sind für schwereweniger werthvolle Gegenstände bestimmt.
Schiffbrücke über den Rhein. Auf 38 Schiffen ruhend, hatdieselbe eine Länge von 430 Schritt oder 1075 Fuß. Etwa 3 Minu-ten vom Brückzollhause befindet sich an ihr ein gut eingerichtetes Fluß-bad. Jeder Fußgänger hat für den einmaligen Ucbcrgang der Brückeauf der Seite von Koblenz 2 Pfennige zu entrichten (Kinder unter10 Jahren die Hälfte). Für ein Pferd oder Maulthier zahlt man1 Sgr. 6 Pf.; für einen Esel :c. 1 Sgr.; für eine Ziege, ein Fohlen,Kalb ?c. 3 Pf. Für einen leichten unbeladnen Wagen beträgt derZoll 1 Sgr. 6 Pf., für einen beladnen Wagen 3 Sgr. und für einenHandwagen oder Karren 3 Pf. Das Fährgeld, während der Zeit wodie Brücke nicht steht, beträgt eben so viel als der vorangedcuteteBrückzoll. Die Unterhaltung der Brücke soll im Durchschnitt jährlich12,000 Thlr. kosten, der Brückzoll jedoch fast doppelt so viel abwerfen.
Mosel-Brücke. Das rechte mit dem linken Mosel-Ufer verbindend,ruht diese Steinbrücke, deren noch umständlicher Erwähnung zu thun ist,auf 12 Pfeilern und hat eine Länge von 450 Schritt oder 1125 Fuß.
Festungs-Umschluß. Auf der Mosel- und Rheinseite zum Theilaus Wällen und vorspringenden Vertheidigungs-Werken, zum Theilaus einer mit Schießscharten versehncn Mauer bestehend, dehnt sichderselbe auf der Landseite vom Rhein bis zur Mosel, in zum Theilzu Kasernen benutzten, hohen Wällen aus, vor denen tiefe trockneGraben sich befinden. Um diese schlingen sich mit Geschmack angelegteschattige Spaziergänge und eine breite Fahrstraße, jenseit welcher zahl-reiche Gärten sich gruppiren. Der Bau der sämmtlichen Festungswerkeum Koblenz kostete im Ganzen sieben Millionen Thaler. ES wurdenerbaut: die Festen Alexander von 1819 bis 1821, Konstantin von 1822bis 1827, Franz von 1818 bis 1820, Mosel-Fli-che von 1319 bis 1820,