Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Häuser mehrcr Lohgerber, Färber und andrer Handwerker sich erhe-ben. Die Buchhandlung und Buchdruckern von Hergt (Redaktionund Erpedition der Rhein- und Mosel-Zeitung), wie das Gasthausdritten Preises: schwarzer Ochs, befinden sich ebenfalls in dieserStraße.

An der Mosel-Brücke. Diese Straße ist eigentlich nur eineFortsetzung des alten Graben und ihr unterer westlicher Theil ziehtsich noch jetzt bergab zum Wolf, gegen die Mosel, während der östlicheallmälig gegen die über diesen Fluß führende Steinbrücke hinansteigt.Ihre Länge beträgt l3i) Schritt oder 335 Fuß. Nächst der Rückseitedes metternicher Hofs erhebe» sich an ihr der bassenheimcr Hof, worinder gesellige Verein zurEintracht" sein Lokal, nebst Garten, hat unddas Gasthaus zweiten Preises: kölnischer Hof. Das merkwürdigsteGebäude aber, nebe» dem des Mosel-Thors größtentheils in der Burg-straße gelegen, ist die ehemalige kurfürstliche Burg, worin sich jetzt dieFabrik lackirter Blechwaaren von Schaffhausen und Dietz befindet.Weiterhin in der Burgstraße, gegen den Florinsmarkt, sieht manden alten Burggraben und die Mauern an demselben. Daneben istein mit Bäumen bepflanzter Platz, früher vielleicht ein Theil des Burg-gartcns, der jetzt als Steinkohlen-Niederlage dient. Die alte Maueram Florinsmarkt, später als Gebäude benutzt, ist ebenfalls sehcnswerth.

Weisser Gasse. Durch diese von Handwerkern, Arbeitern undKrämern bewohnte Gasse, in welche sechs Sackgäßchen münden, stehender Altehof und alte Graben in Verbindung mit dem Mosclweißthorund dem größtentheils von Taglöhnern bewohnten Seilerswall(Napoleons-Straße), deren kleine, armselige, nach vorn überhängendeHäuser nur auf einer Seite gegen die Stadtmauer angebaut sind undeine 450 Schritt oder 1125 Fuß lange, enge, übelgcpflastertc, höckerigeGasse bilden, welche nicht im besten Rufe steht. Es ist dasselbe zumTheil auch mit der winkligen W ö llers-Gasse, die, wie jene, ander Leerstraße endet und von Handwerkern, Lohnkutschcrn, Wirthen, zc.bewohnt wird. In der Weisser-Gasse ist das große Garnison-Lazareth, indem ehemalige» Dominikaner-Kloster, dessen Kirche zu dem gleichen Zweck,eingerichtet worden und das Militär-Arresthaus. Weiterhin ist eineKaserne im Wall. Die Gasthäuser zum Hirsch und zur Mutter Moselsind unbedeutend, ebenso einige andre- In Nr. 776 ist ein Haupt-kommissions- und Adreß-Bureau. Im kalten Hof, in der Wöllers-Gasse, wo sich früher das Wcisnonnen-Kloster befand, werden beiWeinand Reitescl vcrmiethet.

Lcerstraße. Sie beginnt bei der Hauptwache und erstreckt sichbis zum Leerthor-Rondel, auf eine Länge von 450 Schritt oder >125Fuß. Mittelbreit und mit ziemlich hohen Häusern besetzt, ist sie sehrgewerbig und belebt. Die verschiedenartigsten Kauf- und Kramladen,Werkstätten, Wirthschafts- und Miethwagen-Lokale, zc. reihen sich hierdicht an einander. Es befindet sich in dieser Straße die S. Barbara-Kirche, früher zu einem Nonnen-Kloster gehörig, in dessen andernGebäuden die Waisen-Anstalt des katholischen Frauen-Vereins einge-richtet ist; ferner die Eisengießerei, Maschinen-Fabrik und die Mö-bel-Magazine der Gebrüder Drucken müller, die Bade-Anstalt vonReuß, die Buchdruckerei von Hildebrand, im ehemaligen hohen-felder Hof (bei dessen Bau römische Gräber entdeckt worden), das Kaf-fehaus Seußer, die Gasthäuser dritten Preises: großer Elefant,Viehhof, Weinberg, Nebstock, rother Ochs, zc., die Gastwirthschaftenbei Colligs, Hammermann u. v. a.; die Landrathur im Hause 1142,die Tabacks-Fabriken von Kolb im schwarzen Roß, und von Hart-mann im weißen Roß, ein Petitions-Burcau im Weinberg, die Putz-macherei der Geschwister GörreS, in Nr. 737 und die Einhorn-Apotheke. Auf dem

Leerthor-Rondel, in das, außer der Leerstraßc, noch die schöneSchloß- und die neue Wallstraße münden, und das an dem schönen

Leerthor und der mit demselben zu beiden Seiten zusammenhän-genden große» Wallkaserne, einen Halbkreis von 336 oder 840 Fußbeschreibt, gewahrt man zwei eiserne Pumpen, die gut eingerichteteund stark besuchte Speise-Wirthschaft von Härter und die Bierbraue-rei zum Vater Rhein, bei Gassen, wozu ein Garte» gehört. Inder Nähe gegen Normest sind die Artillerie-Zeughäuser, Magazine fürRauhfutter, Nutzhölzer, Wagenhäuser und ähnliche Behälter, alle von1817 bis 1819 erbaut.

Aus der Leerstraße gelangt man, durch die sehr schmale, düstreund schmutzige Pfuhl- oder Pohlgasse, wozu zwei Seitengäßchc»gehören, wie durch die breitere, aber übclgepffasterte alte Leer-straßc, zur Görgen-Straße. In der belebten Pfuhlgosse, worin vieleHandwerker, Lohnkutscher und Krämer wohnen, sind die Gastwirth-schaften dritten Preises: Dampfschiff, Mosel-Dampfschiff und Eisenbahn.In der alten Lcerstraße, deren Mitte sich zu einem kleinen, länglichviereckigen Platz erweitert, sieht man, in der frühern Stadtmauer,die Ueberreste des alten Lccrthors, die ehemalige Kirche und die übri-gen Gebäude des frühern S. Georgen-Klosters, das Pfandhaus unddie Sparkasse, das Zeughaus-Burean, das evangelische Schulhaus unddie Gasthäuser dritten Preises: Heidelberger Faß und S. Nikolaus.

Gorgen- oder Georgen-Straße. Der ältere Theil derselben,der vom Entenpfuhl bis zur alten Lcerstraße, auf eine Länge von220 Schritt oder 550 Fuß, sich erstreckt, ist schmal, düster, schmutzig undwird durch mehre Sackgäßchen zur Rechten und Linke» nicht verschönert.Zum Theil von Juden bewohnt, ist in ihm ein großer Ueberfluß derverschiedenartigsten Kramladen und Trödeleien. Auch an Gastwirth-schafte» für die untern Stände fehlt es nicht. Einige derselben, nament-lich die dritten Preises: niederländischer Hof, goldner Engel und StadtWiesbaden, werden von Jsraeliten gehalten. In dieser Straße istauch das israelitische Armenhaus. Die verlängerte Georgen-Straßebeginnt am Eck der Wafserthurms-Maucr und erstreckt sich, theilwcisnoch unbebaut, bis zum Festungs-Umschluß. Sie hat eine Länge von394 Schritt oder 985 Fuß, ist ziemlich breit und verspricht eine derschönern Straßen der Stadt zu werden. Zwischen ihr und der Kasino-Straße dehnt sich, der ganzen Länge der Magazin-Straße nach das1837 erbaute großartige Proviant-Magazin Nr. 6 aus, dessen Umge-bung noch mehr verschönert werden kann. Weiterhin ist das evange-lische Pfarrhaus. In der Magazin-Straße befindet sich das Gasthausdritten Preises: Stadt Kreuznach. Die schmale Gasse längs der Was-serthurms - Mauer ist zu beiden Seiten mit wenig ansehnlichen,nicht besonders tiefen, überhängenden Häusern besetzt, die von Hand-werkern, Arbeitern und einzelnen Krämern bewohnt werden.

Rheingäßchcn. Der westliche oder untere Theil dieser Straße,woran, der Sage nach, in frühern Zeiten ein Rheinarm (durch dieGörgen-Straße zc.) vorübergeflossen sein soll, ist düster und schmal.Es befinden sich darin die Laden mehrer Kleiderhändler, wovon einigeJuden, und die Synagoge, nebst den Gasthäusern dritten Preises:Sonne und Stadt Elberfeld. Im obern oder erweiterten Theile derGasse ist das Gasthaus dritten Preises: vier Jahreszeiten und dieSpeisewirthschaft zum Rheincck; ferner sind hier die Buchdruckern vonDübois, einige Möbel-Magazine und eine Spiegel-Handlung. Derin ein Privathaus verwandelte Wasscrthurm hat seinen Namen vondem Behälter, worin das Wasser durch die von Klemcns Wcnzeslauserbaute Leitung, an verschiedne Laufbrunnen zc., vertheilt wurde.

Gymnasiums - Straße. Sie beginnt am königl. Gymnasiumund erstreckt sich bis zum Rheingäßchcn, auf eine Länge von 125 Schrittoder 312 Fuß. An ihrem Anfang find die hintern Gebäulichkeiten desk. Gymnasiums, an deren Mauer ein altes tricrsches Steinwappen von1591 zu sehen ist. Weiterhin befindet sich die Buch- nnd Steindrucke-