Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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sich die Gasthäuser dritten Preises: Stadt Tambow, Stadt Trier undStadt Frankfurt befinden, kehrt man nach der Kornpforte zurück.

Florinsmarkt. Sowohl durch das enge Gäßchen untermStern, als durch das breitere an der Danne, steigt man zum Flo-rinsmarkt hinan. Auf diesem unregelmäßig-länglichen Viereck, von163 Schritt oder 408 Fuß Länge und 120 Schritt oder 3<Zl) Fuß mitt-lerer Breite, wird der Fruchtmarkt gehalten. Sein Bereich bildeteden nordöstlichen Theil des römischen Kastells und die hügelige Formdes Bodens ist auf ihm noch leicht erkenntlich. Seine Hauptgebäudesind die alte Florinö- oder evangelische Garnison-Kirche, das ehemaligeStadtrathhaus, welches jetzt als Kaufhaus dient und der breidbach-bürresheimsche, jetzt rcnessesche Hof; ferner das ehemalige Schöffen-haus, worin jetzt eine Pfarrschule ist und das alte mit schönem Dop-pel-Erker und zwei runden Thürmen geschmückte Hofgericht (.frühernickenicher Hof), das zum Theil neu eingerichtet worden und dem Ober-Pfarrer der Liebfrauen-Kirche als Wohnung dient; sodann die Buch-drücken von Werte und die Gastwinhschaft von Schneider. Sehr zuwünschen wäre es, daß dieser gewöhnlich stille Platz mit Bäumen be-pflanzt und überhaupt besser eingerichtet würde. Des alten HausesNr. l84, unterm Kaufhause, gegen den Stern, ist bereits in dem Ab-schnitt:Altcrthums-Ueberreste" gedacht worden.

Durch die schmale Burgstraße steht der Florinsmarkt mit derMosel-Brücke, wie durch die Juden-, Gemüse-, Mehl- und Flo-rins-Pfaffen-Gassc mit dem Markt, an der Liebfrauen-Kirche, mitdem Gemüscmarkt und dem Münzplatz in Verbindung. I» der schma-len und winkeligen Florins-Pfaffen-Gasse befindet sich ei» schönes Stein-bild , die Anbetung der Hirten, im Hofe über der Thür des demGraveur Grimm gehörigen Hauses Nr. 163. In der Mchlgasse istdas Kaffeehaus Blum und das allgemeine Kommissions- und Adreß-Komptor des Antiquars Siebenmorgen. Die Gastwirthschaften vonVolk und von Hepd befinden sich in der Gemüse-Gasse. In der vonkeinem Jsraeliten bewohnten Juden-Gasse ist die Leihbibliothek vonSimon und das Möbel-Magazin von Scheu, in den drei Glocken.

Münzplatz. Im Hintergrunde des ein Viereck von ll3 Schrittoder 288 Fuß Länge und 48 Schritt oder 120 Fuß Breite bildendenMünzplatzes, wo an den Markttagen (Dienstag, Donnerstag undSamstag) Gemüse und Obst feil geboten werden, befindet sich der met-ternichcr Hof von 1674, worin der Fürst-Staatskanzler von Metternichgeboren worden. Er gehört jetzt zwei Privaten. Daneben ist dieneue Freimaurer-Loge. Dieser Platz hat nur einen Ausgang gegenOst, wo eine schöne eiserne Pumpe steht.

Markt und Gciiiüscmarkt. Der' erste nimmt den Gipfel desHügels ein, worauf die Liebfrauen-Kirche steht, die sein Hauptgebäudeist. Seitwärts davon ist das königl, Polizeiamt und gegen den Plandie Ober-Bürgermeisterei, die Ober-Pfarrschule und eine alte Kapelle,welche jetzt als Magazin dient. Auf dieser Seite gelangt man, mit-telst eines Durchgangs, zu dem eine Stcintrcppe hinabführt, auf denPlan, und durch das Schul gäßchen, wie hinter der Kirche durchdas Braugäßchen, vorüber an der Stelle des ältesten, in den kob-lenzer Jahrbüchern so häufig vorkommenden, Stadtrathhauses Alonrcsl,jetzt Nr. löst, nach dem Entenpfuhl. Am Markt und in den benach-barten Straßen sind viele meistenthcils hübsche Kauf- und Kramladen,unter welchen ersten sich die des Goldarbeiters Hasdcnteufcl, des Kauf-manns Klcmens, der Herren Reimann u. Brinkmann, Fischer und Sohn,die Schwanen-Apothck und die Konditorei von Mosler auszeichnen.

Entenpfuhl. Diese leichtgekrümmte, mittelbreite, sehr belebteStraße erstreckt sich von der Mündung der Firmung-Straße bis zu je-ner der Görgen-Straße und des Plans, auf eine Länge von l8V Schrittoder 43» Fuß. Die verschiedenartigsten Kaufladen, Werkstätten, Kunst-und Schönfärbereien, :c. reihen sich hier an einander. Das mcrkwür-

I digste Gebäude in dieser Straße ist das ehemalige Gasthans zu dendrei NeichSkronen, von 1746, wo, während des Aufenthalts der franzö-sischen Auswandrer in und um Koblenz, offne Spielbank gehalten undTag wie Nacht bankcttirt wurde. Jetzt ist in diesem Hause die Wagen-Fabrik von Zils. An Nr. 203 ist ein schöner Erker. Die alte Stadt-mauer zeigt sich noch an verschieden Stellen. Die Buch- und Kunst-handlung und lithographische Anstalt von H. Müller ist dem Anfangder Firmung-Straße gegenüber.

Plan, oder auf dem Plan. Ein länglich viereckiger, nichtganz regelmäßiger Platz, mit zwei Reihen Linden in Hufeisenform be-pflanzt, rings von gepflasterten Straßen umgeben und auf der Nord-,Ost- und Südseite von diesen durch ein Holzgeländer abgesondert. Inseiner Mitte, vor dem wenig ansehnlichen Gebäude der Ober-Bürger-meisterei, oder dem Stadthaus?, zu dem eine Doppeltreppe hinanführt,ist ei» schwerfälliger steinerner Laufbrunnen. Seitwärts zeigt sich dasGebäude der Hauptwachc, worin zugleich das Eichungsamt und dasEinquartierungs-Bureau sind. Der 110 Schritt oder 273 Fuß langeund 43 Schritt oder 112 Fuß breite Plan (wahrscheinlich das ?ori»»xeutile der alten Römer-Feste) ist der eigentliche Mittelpunkt des städti-schen Verkehrs, deshalb auch sehr belebt. Auf seiner Südseite befindensich viele Gold- und Silber-, Mode-Waaren-, Glas- und Porzellan-,Tabaks-, Schreib-, Zeichnen-Materialien- und andre Handlungen;ferner das Gasthaus zweiten Preises wildes Schwein und drittenPreises goldner Apfel, bei denen täglich Familien-Wagen und Lohn-kutscher von Andcrnach, Maie», Ems zc., wie wöchentlich ein- oderzweimal Güterwagen von Boppard ankommen und dahin abgehen.Auch ist auf diesem Platze die Hirsch-Apotheke, die Konditorei vonMosler, die Manufaktur- und Musik-Instrumenten-Handlung vonHeß und eine Mädchen-Elementar-Schule.

Die vier Eckhäuser am Plan, dem Gemüsemarkt, der Lcerstraßeund dem alten Graben, sind mit gleichförmige» Erker-Thürmen besetzt,welche alle zu Ende des 17. Jahrhunderts (von 1696 bis 1692) erbautworden. Sie sind mit vielen Schnörkeln und Figuren bedeckt undwerden als das Wahrzeichen von Koblenz angedeutet. Eins dieserHäuser hieß früher der grüne Baum, ein zweites, worin jetzt die Ein-horn-Apotheke, wurde zum h. Petrus genannt; die beiden andern sindohne Namen. Hier war der frühre Mittelpunkt der Stadt, wo zweiHauptstraßen in grader Richtung von Ost nach West und von Südnach Nord sich durchkreuzen.

Alter Grabe». Der Name dieser Straße deutet zur Genüge ihrefrühre Bestimmung an. Sie erstreckt sich, mit einer leichten Krümmung,von dem Punkte wo der Gemüsemarkt, der Plan und die Leerstraßezusammentreffen, bis zu dem, wo der alte Hof die Straße an der Mosel-Brücke und die Weisser-Gasse sich begegnen. Ihre Länge beträgt27V Schritt oder 673 Fuß. In dieser äußerst belebten, mittelbreitcnStraße, die größtentheils hübsche hohe Häuser hat (wovon ein im Ro-cocostpl bunt bemaltes), sieht man eine ununterbrochene Reihe Kauf-laden, Werkstätten, Gasthäuser, Weinschenken, Speise-Wirthschaften, zc.vor sich. Beachtungswerth ist das Gasthaus zweiten Preises: Stadt Lüt-tich, dann die dritten Preises: weiße Taube (Bote nach Maien), Lilie,Reisender, weißes Lamm, blauer Stern, Anker und maifelder Hof.Von der Mauer des karolingischen Königs-Hofcs (die ohne Zweifelauf den Trümmen der frühern römischen Kastell-Mauer aufgeführtworden) sieht man einen Ueberrest im Hofe des dem Buchbinder Haasgehörigen Hauses.

Altenhof. Augenscheinlich eine der ältesten Straßen der Stadt,schmal, düster, leicht gekrümmt, hügelig und zu beiden Seiten mit ho-hen Häusern besetzt. Sie erstreckt sich vom Gemüsemarkt bis zum altenGraben, auf eine Länge von 160 Schritt oder 400 Fuß. Hier standder fränkische und karolingische Königshof, an dessen Stelle jetzt die