Slraße, vorüber an dem k. Oberpostamt (gleichzeitig Expedition derBrief- und fahrenden Posten), wie der gegenüber befindlichen Schwei-zer-Konditorei, Schokolade-Fabrik und Kaffee-Wirthschaft von Nuttlyu. Komp., zum Klemensplatz. Nördlich vom Paradeplatz zieht sich dieNagels-Gasse zur Kastor-Straße hinab. In jener größtentheils vonHandwerkern und Privatleuten bevölkerten mittelbreiten Gasse ist nurdas Haus der Familie von Solemacher, (Hypothek-Bewahrung desArrondissements Koblenz) beachtungswerth.
Firmung- eigentlich Firmond-Straße, In derselben Richtung,wie die Nheinstraße und unmittelbare Fortsetzung derselben, zieht sichdiese ebenfalls mittelbreite und durch hübsche Kaufladen belebte Straßevom kleinen Paradcplatz bis zu dem Punkte, wo die Kornpfort-Straßeund der Entenpfuhl sich begegnen. Sie ist 270 Schritt oder 675 Fußlang und enthält mehre hübsche Gebäude, namentlich den Hof derGrafen von Elz-Kempenich von 1692, viele Galanterie- und Mode-waaren-, br ler Strohhüte-, Schreib - und Zeichnen-Matcrialien-und andre Handlungen, die Mohren - und Adler-Apotheken, die Kon-ditoreien von Gores und Lambrecht, das Kaffehaus Schäffner, die Scho-kolade-Fabrik von Brunetti, die Buch- und Kunsthandlung von Blum, :c.
Icsuitenplatz. Das Hauptgebäude auf diesem kleinen vierecki-gen Platze, der nur eine Länge von 40 Schritt oder 100 Fuß undeine Breite von 35 Schritt oder 88 Fuß hat, ist das ehemalige Jesui-ten-Kollegium, worin sich gegenwärtig die höhere Lehranstalt des k.Gymnasiums befindet. ES nimmt die östliche Seite ein. Unmittelbardamit zusammenhängend, auf der Nordseite des Plätzchens, ist diegewesene Jesuiten- jetzt JohanniS-Kirche. Weiterhin, am Eck derFirmung-Straße befindet sich die Kunst- und Galanteric-Handlung vonFietta-Nervo und Komp., und derselben schräg gegenüber die Buch-und Kunst-Handlung von Hölscher. Durch die schmale aber stark-begangne Jesuiten-Gasse, worin es an Kauf- und Kramladen nichtfehlt, steht der Jesuitenplatz in Verbindung mit dem Entenpfuhl.
Kornpfort-Straße. Sie erstreckt sich, ziemlich gerade und mit-telbreit, von der Mündung der Firmung-Straße bis zu jener derKastor-Straße, wo an der Kornpforte, jener gegenüber das von Krä-mern und Schiffern bewohnte Gäßchen unterm Stern sich öffnet.Auf diesem Punkte ist in einem schönen grünen Glaskasten eine Ma-donna aufgestellt, die, nebst dem Jesus-Kinde, auf der Mosel bis hier-her geschwommen, von der koblenzer Schiffer-Gesellschaft anständig ge-kleidet und unterhalten wird. Jeden Abend werden vor diesem Mut-ter-Gottcsschrein zwei große Laternen angezündet, wie überhaupt mehreähnliche Heiligen-Bilder in verschiedncn Nebcngäßchen jeden Abenderleuchtet werden.
Längs der Kornpfort-Straße (die, nebst dem Entenpfuhl, demPlan und dem alten Graben, aus dem ehemaligen Umschluß der Fran-ken-Feste Confolenz oder Kobolentz, oder vielmehr aus dem vor dem-selben befindlichen Wasser-Graben entstanden ist), bemerkt man aufder Südseite die Ucberreste der Zweitältesten Ringmauer, wovon sichauch in den beiden andern vorangedcuteten Straßen noch Ueberresteauffinden lassen. Nächstdem sind noch beachtungswerth in der Korn-pfort-Straße: die Mehlhalle, der ehemalige Krämerbau von 1709,das Eck an der Danne, an dessen schön verziertem Erker (woran vierhübsche il.-»utrelirr-Figuren in Nischen von Muschelform angebracht find),man oben die Inschrift liest: „Derer» <lot>Icn2»'»' Iir»ull' UN»I lll»i»«telslerllic» ilirr Xli»m>ri!»5." Unfern davon ist der Hof der Freiherrn vonElz-Rübenach, mit großem Erker und gegenüberbefindlichem hüb-schen Garten; das ehemalige Gasthaus zum wilden Mann, Nr. 203,früher eins der vorzüglichsten Stelldichein der französischen Emigranten,jetzt Lokal einer Schmier- und hart» Seifen.Fabrik, wie der Buch-druckerei von Mainzer und der Möbel-Fabrik von Ludwig. Inder alten Mehlwagc Nr. 175 ist jetzt eine Mädchen-Schule, im Schwarz-
wälder eine Niederlage von hölzernen Schlaguhren und in 176, demfrüher dem Schöff Höch gehörige» stattlichen Hause, die Weinhandlungvon Feist. Das ehemalige Gasthaus, jetzt Wein-, Bier- und Bil-lard-Wirthschaft, zum alten Einhorn, war das Wohngedäude der Fa-milie von Solern. Gesehen zu werden verdienen noch die mit hüb-schen Erkern versehenen Häuser 160 (mit Steinbildern in drei Feldern)und 175, wie denn überhaupt 4 oder 5 zierliche Erker in dieser Straßeund viele ähnliche i» den ältern Stadtthcilcn sich befinden. Die Au-thentizität des mit alten Zinnen »ersehnen sogenannten Templer-Hofes, nördlich außerhalb der Kornpfortc, läßt sich urkundlich nichtbeweisen. Auf der Südseite der Pforte ist das Gasthaus dritten Prei-ses, zum weißen Schwan, wo der vbceius eingemauert war.
Kastor-Straße. Diese schmale, ziemlich tiefligende, deshalbfast alljährlich, bei dem Eisgang der Mosel, mehr oder weniger unterWasser gesetzte Straße, wird mit ihren fünf ziemlich tiefen Sackgassen(Hirzen-, Borns-, drei Trauben-, Meisen- und Pottgießer-Gäßchen)von zahlreichen Handwerkern, Schiffern, Krämern, Wein- und Bier-Wirthen, Arbeitern, rc., bevölkert und dadurch äußerst belebt. Sieist 330 Schritt oder 825 Fuß lang. Hier sind die Gasthäuser drittenPreises Stadt Frankfurt, Stadt Trier, weißer Ochs und goldnerRing; ferner das ehemals dem reichen Bankier Pottgießer gehörigegroße aber nicht besonders schöne Haus 3l9 und 320, worin der ge-genwärtige König von Schweden und Norwegen, als General Berna-dotte und Kommandant von Koblenz, wohnte und wo er mit einerTochter des Eigenthümers sich vermählen wollte. Es befinden sich indieser Straße einige mit schönen Holzschnitzereien verzierte Hausthüren.
HoSpitalsplatz, von länglich viereckiger Form nicht ganz regel-mäßig, 67 Schritt oder 167 Fuß lang und 38 Schritt oder 95 Fußbreit, fast in Mitte und auf der Ostseite der Kastor-Straße. Hierstand früher die unter der französischen Verwaltung niedergerisseneKirche des ehemaligen Franziskaner-Klosters, dessen übrige Gebäulich-keiten jetzt zu einer städtischen Armen- und Kranken-Anstalt eingerich-tet sind, worin sich auch noch die städtischen Gemälde-Sammlungenbefinden, die indeß bald nach dem königl. Gymnasium versetzt werdensollen.
Kastorhof und Kastorplatz. Am untern Ende der Kastor-Straße und der Nagels-Gasse beginnend und bis zur Rheinzoll-Straßesich erstreckend, habe» diese beiden unmittelbar zusammenhängendenPlätze, wovon der letzte mit zwei Reihen Platanen, im langgedehntenViereck, besetzt ist, fast die Gestalt einer unregelmäßigen Pyramide,deren Länge 288 Schritt oder 700 Fuß und deren größte Breite 134Schritt oder 335 Fuß beträgt. Die Hauptgebäude an diesem Platzefind die alte S. Kastor-Kirche, das Hotel des General-Kommandos,der ehemalige fürstl. lcyesche Hof, das Proviant-Magazin Nr. 1, früherdas deutsche Ordenshaus, das Pfarrhaus und die Knaben-Schule zuS.Kastor und die mehr zurückgelegne Dampfmühle der Gebrüder v. Beth-mann. An diesem Platze befinden sich auch die Agentur der niederländi-schen Dampfschifffahrt und die Rhein - und Mosel-Bäder von Grohe.Inmitten des Platzes erhebt sich der plumpe Brunnen aus grauemStein von Nieder-Mendig, mit der bekannten Doppel-Inschrift, dieweiter unten:speziell anzugeben ist. An der Schwanen-Pfortc istdas Gasthaus dritten Preises Schwan. Der am Abend als Spazier-gang dienende eigentliche Kastorplatz hat eine Länge von 144 Schrittoder 360 Fuß und eine Breite von 48 Schritt oder 120 Fuß. Er istvon einem Holzgeländer umschlossen und mit 4 Steinbänken versehen.Durch die übclgepflastcrte Baracken-Straße, längs der Mosel, diegrößtentheils Ivon Schiffern, Hafen-Arbeitern und Fischern bewohntwird (indem hier und weiter oben der Hauptverkchr der Segelschiff-fahrt auf dem Rhein und der Mosel zusammengedrängt ist) und worin