Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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leyischcn Hofe, keine wirklich mcrkwüdigen Gegenstände erhalten, Se-henswerth ist jedenfalls die Vorder-Mauer eines alten Gebäudes, welchedas Eck des Florins-Markts und der Straße unterm Stern bildet,Sie befindet sich neben dem Kaufhause und ist mit Nr. 184 bezeichnet.Ihre von kleinen Säulen getragnen fünf niedrigen Rundbogen deutenan, daß dieser Uebcrrest aus dem 10. oder ll. Jahrhundert herrührendürfte. Ueber der Thür ist ein schöner Kopf von schwarzem Marmoreingemauert. Ganz in der Nähe befand sich auch der iideciu» in derStadtmauer. Der ehemalige Thurm der drittältesten Ringmauer, imHintergrunde des Pottgicßer-Gäßchens, ist jetzt als Wohnhaus einge-richtet. Der Mosel-Brücke, wie verschiedner andern Bauwerke ausdem l4. und 15. Jahrhundert, wird weiter unten Erwähnung ge-schehen.

Gegenwärtige und frühere Oertlichkeits-Zustände.

Rheinzoll-Straße und Rheinzoll-Gcstade. Dem Reisenden,der auf der Rheinscite, sowohl von den Landungs-Plätzen der Dampf-schiffe als von der Schiffbrücke, zuerst Koblenz betritt, stellt sich dieseStadt in der Rheinzoll-Straße und in dem damit zusammenhängendenRheinzoll-Gestade (welche eine Fortsetzung des ersten ist) auf einevvrtheilhafte Weise dar. Das letzte, 24V Schritt oder 600 Fuß lang,beginnt am Freihafen und erstreckt sich bis zum ehemaligen Zollamt.Man bemerkt auf ihm, einerscck den gegen den Hauptstrom vorsprin-genden Rheinkavalier und einen Krahnen von 1611, woran die Höhedes Wasserstandes vom 29. Febr. 1784 und vom 26. Januar 1651,erstere zu 32 Fuß 5 Zoll, letztere zu 3V Fuß 1t Zoll über demNullpunkte des Pegels, angedeutet ist. Darauf folgt das Rheinthor,durch das man, über die Schiffbrücke, nach Ehrenbreitstein, Ems, Neu-wicd und andern Orten am rechte» Rheinufer gelangt. Auf der an-dern Seite erhebt sich das großartige Gebäude der königl. Regierung(das frühre kurfürstliche Dikasterial-Gebäude) dessen Eingang in derStraße am Vogelsang ist. Unter diesem großen Hause befinden sichdie weitläufigen Gewölbe der ehemaligen kurfürstlichen Kellerei, welchejetzt als Waaren-Lager des Freihafens dienen und mit demselben durcheinen unterirdischen breiten Gang in Verbindung stehen. An das Re-gierungs-Gebäude schließen sich, nächst den Häusern des ehemaligenBrücken-Meisters, das ebenso glänzend als bequem eingerichtete HotelItelle-Viie, mit eigener Gasbeleuchtung und einem Garten; fernerder Gasthof ersten Preises zu den drei Schweizern und das ehemaligeZollamt, worin sich die Erpeditionen der niederländischen Dampflchiff-fahrts-Gesellschaft und der nach Ems fahrenden Wagen, wie die Agen-tur der düsscldorfer Dampfschifffahrts-Gesellschaft und die Rheinbrücken-wacht befinden.

Die eigentliche 288 Schritt oder 720 Fuß lange Rheinzoll-Straßeerstreckt sich von hier bis zum Kastor-Platze. Ihre gegen den Rheingerichtete Häuser-Reihe ist durch eine nicht besonders hohe, mit Schieß-scharten versehne und von drei Pforten durchbrochne Mauer vom Stromabgesondert, zu dem man auf hölzernen Treppen hinabgeht. Diese Straßeist breit und würde noch freundlicher sein, wäre sie, längs der eben-gedachten Mauer, mit einer Reihe hübscher Kugel-Akazien, oder ähn-licher niedriger Bäume, geschmückt. In ihr befinden sich der großeGasthof ersten Preises zum Riesen und der kleinere zum pariser Hof,ferner das Gasthaus zweiten Preises Rhcinberg, das hübsche Haus desAgenten der rheinischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft, Hrn. Leroy,die Agentur der gothaischen Lebens- und Feuerversicherungs-Gesellschaft,die Maschinen-Fabrik von Deisler, und die Mädchen-Pfarrschule vonS. Kastor, ein in eigenthümlichem Geschmack von dem Bauinspektorvon Lassaulr theilwcis aus Lava aufgeführtes Gebäude. Die Perspek-

tive dieser Straße gegen Nord bilden die hintern Thürme der Kastor-Kirche und der Spitzgiebel des Deutschordcns-HauseS.

Rheinstraße. Den Bureaur der kölnischen und düsseldorferDampfschifffahrts-Gesellschaften gegenüber, wie in Nähe der Landungs-Brücken ihrer Bote, mündet die mittelbreite, ziemlich belebte Rhein-straße in die beiden eben beschrietznen. Sie erstreckt sich bis zum klei-nen Paradcplatz, auf eine Länge von 292 Schritt oder 730 Fuß. DieseStraße ist reich an Gasthäusern und schönen Kaufladen jeder Art. Zujenen gehört das ersten Preises, der Riese, das zweite» Preises, dieTraube und die dritten Preises: Einhorn, Stadt Mainz, S. Michaelund Stadt Wien. Oberhalb des letzten ist das Militär-Kasino in demHause 440, dem ehemaligen gräflich lcpcschen Hofe. Diesem gegenüberist die früher so schöne, mit einem Thurm geschmückte Karmeliter-Kirche,jetzt Proviant-Magazin Nr. 3, und als solches 1824 eingerichtet, nach-dem das Innere des herrlichen Tempels unter der französischen Ver-waltung verwüstet worden Die dazu gehörigen Gebäude des frühernKlosters, in der stillen Karmeliter-Straße, dienen als Zivil-Arrest-haus. Durch diese Straße kommt man geradeaus, vorüber an demehemaligen boos-waldeckschcn Hofe, jetzt Oberpräsidium, dem Ingenieur-Gebäude, dem k. Proviantamt und dem Festungs-Bauhof, zum Kle-mens-Platz, links aber durch zwei Seiten-Gassen zum Vogelsang(wo früher ein Augustinerinnen-Kloster stand) und dem Freihafen, wierechts durch die Oberpräsidiums-Straße (worin die Wohnung desk. Ober-Präsidenten der Rhcinprovinz sich befindet, nebst der des Ge-neral-Artillerie-Jnspektors, die Musikalien- und Musik-Jnstrumenten-Handlung und Leihanstalt von Falkenberg und die Schaumwein-Fabrik von Willens), zum kleinen Paradcplatz. Auf der entgegen-gesetzten Seite, von der ehemaligen Karmeliter-Kirche gegen den Ka-storhof sich ziehend, beginnt die mit schönen neuen Gebäuden besetzteKastors-Pfaffen-Gasse die, nach Beseitigung des letzten Anstoßesdurch das Eckhaus 407, welches den Eingang sehr verengt, den Na-men Mosel-Straße erhalten soll*). Diese Straße wird alsdannunstreitig eine der schönsten der Stadt werden. In derselben befindensich die Möbel-Magazine des geschickten Kunsttischlers Gerstenkornund die Pianoforte-Fabrik von Krauß.

Eine ähnliche Fabrik von Mand, in dem Hause 450, früher derFamilie von Esch gehörig, ist der Karmeliter-Kirche südwärts gegen-über. Daneben in 45l befindet sich die Erpedition deskoblenzer An-zeigers," in der krabbcnschen Buchdruckern. Weiter oben, in demHause Nr. 452, wurde die berühmte Sängerin Sonntag, jetzt Grä-fin von Rosfi, geboren. Auf der andern Seite der Straße ist dasehemalige saftiger Haus, mit hübschem Garten und am Eck des klei-nen Parade-PlatzeS die Buch- und Kunsthandlung von Bädecker,an welche sich dicsseit das Wohnhaus des Eigenthümers der kottenhei-mer und niedermendiger Vulkanstein-Gruben, Hrn. S Landau, an-schließt.

Kleiner Paradeplatz. Ein regelmäßiges längliches Viereck,160 Schritt oder 400 Fuß lang und 100 Schritt oder 250 Fuß breit,mit einer Doppelreihe gestutzter Linden, auf der Seite gegen die Rhein-und Firmung-Straßen mit einem einfachen Holzgeländer, aber ohneBänke. Während der beiden Messen, im Frühling und Herbst, istdieser Platz mit 6 Reihen Buden besetzt, welche drei Gassen bilden.Im übrigen wird er weder als Paradcplatz noch als eigentliche Pro-menade benutzt. Beachtungswerth sind hier das lithografische Institutder Gebrüder Becker, das Kaffeehaus Pfadler und das Wohnhauseines der Eigenthümer der großen Blechwaaren-Fabrik, Hrn. Schaff-hausen. Von diesem Platze gelangt man durch die Schanzenpfort-

-) Leider hat sich diese so wesentlich nothwendige Verschönerung nicht bcwcrksiclli-gcn lassen.