Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Handel und Gewerb-Thätigkeit der Stadt zu einer früher nie gekann-ten Entwickelung. Durch Verlegung der kurfürstlichen Residenz vonEhrenbreitstein nach Koblenz, wie durch die Niederlassung vieler reichenadeligen Familien in dieser Stadt, vermehrten sich Regsamkeit undWohlstand in derselben auf die erfreulichste Weise. Diese schöne, ge-deihliche Zeit wird ihren Bewohnern immer unvergeßlich bleiben.

Die französische Staatsumwälzung vernichtete das alles mit einemSchlage. Durch seine Vcrwandschaft mit dem königlichen Hause vonFrankreich, sah sich der Kurfürst gewissermaßen genöthigt, den seineGastfreundschaft in Anspruch nehmenden französischen Prinzen und derenzahlreichen Begleitern eine Zufluchts-Stätte zu gewähren. Durch siewurde Koblenz das Hauptquartier der französischen Auswanderer. Vonhier *) datirten der Graf von Provence und der Graf von Artois,unterm 30. Oktober 1791, ihr bekanntes Manifest; hier war es auch,wo die Sittenlosigkeit und der Unglaube der französischen Aristokratieund Geistlichkeit am auffallendsten sich zeigten.

Durch solche verhängnißvolle Zusammenwirkung wurde nicht alleinder politische, sondern auch der sittliche Zustand von Koblenz, wie über-haupt des ganzen Kurstaats Trier, untergraben. Nothwendigerweisemußte dieser deshalb beim ersten Anstoß der republikanischen Falanr zu-sammenstürzen. Der edelsinnige Klemens Wenzeslaus sah sich genöthigtden 5. Oktober Koblenz zu verlassen, um es nie wieder zu betreten.Mit seiner Entfernung hatte das Kurfürstenthum aufgehört zu bestehen.

Bald nachher, den 23. Oktober, rückten die Franzosen unter Mar-ccau in Koblenz ein. Es begann nun eine Zeit sehr drückender undlanganhaltcnder Kriegslasten für die Stadt. Bittere Armuth der mei-sten Einwohner war davon die Folge. Erst nachdem Koblenz seit 1796Hauptort des Rhein - und Mosel-Departements, Sitz der Zentral-Be-hörden, des Präfckten und des ersten Instanz-Gerichts geworden, er-holte es sich allmälig von seinem plötzliche» Verfall. Eine neue bessereAera, gedeihlicher und fruchtreicher für Gegenwart und Zukunft, er-öffnete sich jedoch für Koblenz erst mit dem Augenblick, wo der^KronePreußen die Leitung des Schicksals dieser Stadt, wie des ganzen ehe-maligen Kurstaats Trier, anvertraut wurde. Nach den fürchterlichenNiederlagen der französische» Eroberungsmacht, welche dieselbe währendder Jahre 1812 und 1813 in Rußland und Deutschland erlitten, über-lies sie einen der wichtigsten Kriegsplätze unvertheidigt den vordrin-genden Truppen der verbündeten Mächte, welche, nach deren Ueber-gange über den Rhein, am 1. und 2. Januar 1314, ihn ohne Wider-stand in Besitz nahmen.

Koblenz ward nun ein Jahr lang durch ein Gencral-Gouverne-mcnt Namens der Verbündeten verwaltet. In Folge einer Bestimmungdes Monarchen-Kongresses zu Wien wurde es, nebst der gegenwärti-gen ganzen Rheinprovinz, an Preußen übergeben. Durch den Aufent-halt des Ober-Präsidenten ist es seit 1815 Mittelpunkt dieser Provinzund Sitz der danach benannten königlichen Zivil- und Militär-Behör-den geworden.

Nicht allein hat seit 1815 bis 1844 die Bevölkerung von Koblenzsich um mehr als 7069 Seelen vermehrt, auch der Wohlstand seinerEinwohner hat auf eine augenscheinliche Weise wesentlich sich verbessert.Die früher so drückende Armuth ist fast gänzlich verschwunden. Ge-setzliche Ordnung und Regelmäßigkeit haben die Gewohnheiten derLotterhaftigkeit und Vergeudung ersetzt, welche durch Schleichhandel undLieferungs-Wcsen, die vorzüglichsten und leichtesten Erwerbs-Quellenunter der französischen Verwaltung, überwiegend geworden waren.

Obgleich die Stadt keinen sehr bedeutenden Großhandel treibt, ist,seit dem Bestehen des deutschen Zollvereins, ihr Verkehr auf Mosel

Streng genommen von dem nahe gelegnen kurfürstlichen Lustschlossc Schön-bornslust.

und Rhein, besonders auf der ersten, dennoch um das Dreifache ge-stiegen, und gewinnt, mittelst der stets sich vermehrenden Dampf- undSegel-Schifffahrt auf diesen beiden Strömen, eine immer größre Ent-wickelung.

Wappen der Stadt. Es besteht aus einem rothen Kreuz, wel-ches oben und in der Mitte mit einer goldnen Krone gedeckt ist, undzwar in silbernem Felde.

Alterthums -Ueberreste.

Die Zahl derselben, welche man als Koblenz eigenthümlich ange-hörend betrachten kann, ist nicht besonders groß. Weder von demUmschluß, noch den Gebäulichkeiten des römischen Kastells, ist irgendeine über dem Erdboden sichtbare Spur bis zu uns gelangt. In demvorhergehenden Abschnitt ist angedeutet, welches wahrscheinlich Lage,Form und Umfang der Römer-Feste an der Mosel-Mündung gewesen.Die alte Landstraße, welche an dem Landthor (der i><,rt-> «lee»,«-,»») be-gann und sich gegen den Hunsrück zog, ist ebenso vollkommen verschwun-den, als die von tlonlluentes nach der tloioni» Vj-rip,>in-> führende.

Alles aus der Römerzeit noch vorhandne, beschränkt sich auf einenvormals in der Stadtmauer, unfern der Kornpforte, neben dem Gast-hause zum Schwan, eingemauert gewesenen ziemlich großen Bildstein,den vielbesprochnen Hliceius (Browers ll^xsneus), der sich später imHofe des rcnesscschen Hauses befand, und gegenwärtig in dem Kon-ferenzsaal des k. Gymnasiums aufgestellt ist. Nach der Angabe desProfessors I. A. Klein *) wurde er in der Mitte des Flußbettes derMosel gefunden und soll, der durchaus ungegründeten Vermuthung deseben Genannten gemäß, durch ein hier versunkenes Schiff von Trierhergebracht worden sein. Diese ganz aus der Luft gegriffne Voraus-setzung hat sich später als unstatthaft erwiesen. Indeß ist so viel ge-wiß, daß außer diesem 4V- Fuß hohen und 5 Fuß breiten weißlichenKalkstein (worauf man oben drei sitzende Figuren in mehr als halberLebens-Größe**), darunter fünf kleinere stehende und zu beiden Sei-ten zwei ebenfalls stehende gewahrt, welche letzten sehr gut erhaltensind), verhältnißmäßig wenig römische Ueberreste jetzt in Koblenz zusehen sind, insofern man nicht einen halben römischen Grabstein vonder VIII. Legion, mit sehr lesbarer Inschrift, Bruchstücken von vieroder fünf andern röm. Steinschriften, einem Hohlziegel mit dem sehrdeutlichen Stempel der XXII Legion und verschiednen in Römer-Gräbern, vom Anfang des vierten Jahrhunderts, in der alten Gräber-Straße (der jetzigen Leerstraße) beim Bau neuer Häuser gefundenenalten Thongefäßen, GlaSfläschchen, Münzen zc., ferner 2 oder 3 Mühl-steinen, einer großen Amfora ohne Kopf, etwa einem Dutzend römischerZiegel, ohne Stempel, drei runden, säulenartigen Bruchstücken vonSinter, angeblich aus der röm. Wasser-Leitung zwischen Trier undKöln, und einigen Alterthums-Ueberresten aus der Umgegend von Ko-blenz w. eine besondre Wichtigkeit beilegen will. Ziemlich oft sindauch römische Münzen in der Mosel, bei niedrigem Wasser-Stande,und in verschiednen Punkten in der Stadt, gefunden worden. Diemeisten dieser Gegenstände befinden sich im Konferenz-Saale des k.Gymnasiums, unter der umsichtvollen Aufsicht des Direktors vr Klein.

Von mittelalterlichen Gebäuden sind, außer den Kirchen unsrerlieben Frauen <8. ülnri-, Ontlueuti»»), des h. Kastors und des h.Florins, wie der erzbischöflichen Burg (jetzt Blechwaaren-Fabrik), desDeutschordcns-Hauses an der Mosel-Spitze (gegenwärtig Proviant-Magazin), dem solcrnschen Hofe und der Spitzbogen-Halle im fürstlich

»1 Nergl. dessen -Rheinrcisc von Mainz bis Äoln-, S. >N2.

") In der aus drei Zeilen bestehenden Inschrift, zwischen der obern und unternAbtheilung, ist nur noch das Wortvivvs" vollkommen lesbar.