Mittelalter. Ludwig der Fromme, Sohn des großen Karl, hatteeine besondre Vorliebe für Koblenz, wo er 336 die S.Kastor-Kirche erbaute.Hier pflegte er in demselben Jahre, nach Versetzung der Reliquien desheiligen Kastors, aus der Kirche zu Karden in das von ihm zu Koblenzgestiftete Gotteshaus, mit seiner ganzen Familie eine achttägige An-dacht. In Koblenz verständigten sich auch Karl, Ludwig und Lotharüber die von ihnen beabsichtigte Theilung des Reichs, zu welchem Zweckgewichtige Berathungen 842 , 848 und 866, entscheidend im letztenJahre, stattfanden.
Die Verheerungen der Normannen von 882 waren längst verges-sen, als Kaiser Heinrich II.. mit dem Beinamen der Fromme, demErzbischof Poppo t6l3 das Land an der obern und untern Moselschenkte. Es bildete sich dadurch das Kurfürstenthum Trier, welches866 Jahre ununterbrochen fortbestand und von 28 auf einander folgen-den Kurfürsten regiert wurde, wonach es fast gleichzeitig mit demdeutschen Reiche zu Grunde ging.
Unter den Erzbischöfen wurde die Stadt nach und nach bedeutendvergrößert. Erzbischof Arnold II. von Jsenburg lies 1249 die dritt-älteste Ringmauer aufführen, wovon an einzelnen Stellen noch Ucber-reste vorhanden find. Die weit oberhalb der Mosel-Brücke beginnende26 Fuß hohe spätere Stadtmauer, die, mit halbrund vorspringendenThürmen versehen, am Dominikaner-Kloster vorüber, längs des Sei-lerwalls bis zum alten Leerthor sich zog, und von dadurch die Mauer-Straße bis zur Schanzen-Pforte sich fortsetzte, um am Rhein zu enden,bezeichnet den Raum, welchen Koblenz bis zum 36jährigen Kriege, undselbst lange »ach demselben, einnahm.
Das Entstehen mehrer Kirchen und Klöster, von adeligen Familiengestiftet, veranlaßte diese Familien selbst, in der Stadt sich niederzu-lassen, oder doch Häuser in derselben zu haben, während immer mehrHandwerker und Arbeiter das von ihnen gegebene Beispiel nachahmtenund ebenfalls ihre festen Wohnsitze in Koblenz nahmen.
Zum Theil auf den Trümmern des alten fränkischen und karolingi-schen Königs-Hvfes, zum Theil näher an der Mosel und der damaligenUeberfahrt über diesen Fluß, neben der heutigen Brücke, erbaute sichKurfürst Heinrich von Vinstingen 1286 und folgende Jahre eine festeBurg, wovon einzelne Gebäulichkeiten noch vorhanden sind. Die Bür-ger von Koblenz, welche durch diesen Erzbischof, mehr als durch jedenseiner Vorgänger, in ihren Freiheiten und Rechten sich bedrängt fühlten,bezeichneten deshalb diese Feste als einen Zwinghof. Das gegenüberauf dem linken Mosel-Ufer seit dem 16. Jahrhundert entstandene Lützel-Kob lenz, dessen Bevölkerung zu Anfang des 14. Jahrhunderts bereits666 Seelen überstieg, verlor seit 1343, nach dem Bau der steinernenMosel-Brücke durch Kurfürst Bald»in, viel von seiner frühernWichtigkeit.
In den Kriegen, welche die Kirchen-Fürsten von Trier mit ihrenkampflustigen Nachbarn zu bestehen hatten, erlitt Koblenz nicht unbe-deutende Verluste. Seine Bewohner mußten oft Gut und Blut auf-opfern für Streitigkeilen, welche sie weder veranlaßt noch genährthatten, und deren Folgen ihnen nicht die mindesten Vortheile gewähr-te». Am härtesten wurden sie auf solche Weise durch Reinhard vonWester bürg mitgenommen, der die Feste Grenzau überrumpelt hatte,bet deren Wiedereroberung 266 ihrer tapfersten Bürger das Leben ver-loren.
Allein auch der Hader zwischen den Kurfürsten und ihren Unter-thanen, namentlich den Koblenzern, fügte beiden Theilen nicht geringenSchaden zu. So wurde unter andern Kurfürst Johann von der Lepen1566 von den Bürgern förmlich in seiner Burg belagert und die An-sprüche, welche diese auf die ihnen zugestandene Reichsfreiheit machten,beurkundeten sich mehr als einmal durch blutige, oft langwierige Feh-den. In Koblenz, und Zwar in der kurfürstlichen Burg, kam auch
1669 die von Lothar von Mcttcrnich vorgeschlagene katholische Unionzu Stande, deren Truppenmacht Tilly später befehligte.
Die wichtigste Epoche von Koblenz war die des rheinischen Städte-BundeS. Auf eigne Kosten führte cS um diese Zeit feste Ringmauernauf, gewährte den es besuchenden Fürsten für die damalige Zeit be-deutende Baarvorschüsse und schloß mit Andernach, Boppard, Ober-Wesel und andern Städten, namentlich mit Npmwegen, Arnheim undHarderwpk, Schutz- und Trutzbündnisse zur Sicherung seines Handels.König Eduard von England feierte in Koblenz das Petersfest. AuchKaiser Maximilian I., Karl V. und mehre andre Kaiser und Fürstenhielten sich längere oder kürzere Zeit in ihm auf. Die merkwürdigstehier abgehaltnc Kirchen-Versammlung war die von 922. Das glän-zendste Ereigniß aber war das als, umgeben von den Großen seinesReiches, Konrad III. von Hohenstaufen am Pfingstsonntag 1156, invollständiger Kaisertracht, in der alten Liebfrauen-Kirche erschien undvor dem Hochaltar die Krone vom Haupte nahm. In demselben Jahrewollte auch Heinrich IV., während der Adventzeit dem Gottesdienst inKoblenz beiwohnen. Erst nach langem Unterhandeln mit der Geistlich-keit öffneten sich vor dem Geächteten die Kirchthüren. Einige Tagenachher warf sich hier sein wortbrüchiger Sohn Heinrich V. ihm zuFüßen, ihm Treue und Gehorsam schwörend, um beide bald nachherim Klopp, zu Bingen, durch die gewaltsame Gefangennchmung seinesBaters zu brechen.
Etwa 46 Jahre später erweckte der heilige Bernhard von ci->ir-ve»», durch seine begeisterten Predigten gegen die Ungläubigen, einesolche Aufregung in Koblenz, daß mehr als tausend Ritter und Bürgerdas Kreuz nahmen, um zur Wiedcr-Eroberung des heiligen Grabesauszuziehen. Kaiser Ludwig der Baier empfing auf dem Kastor-Hofe,auf seinem Throne neben Eduard III. von England sitzend, die Hul-digung der versammelten Menge, während ein Adler hoch über denHäuptern der Anwesenden lange in den Lüften kreiste. Kurfürst Bal-duin herrschte damals über das Erzstift Trier.
Neuere Zeit. Ueberaus hart wurde Koblenz im 36jährigen Kriege,namentlich 1632 unter Kurfürst Kristof, mitgenommen. Drangsale undUnglücks-Fällc jeder Art verminderten die Bevölkerung bis auf ein Viertelihres frühern Bestandes. Nach der Einnahme der Stadt durch die Schwe-den, die hier gleich Barbaren wüthete», wurde sie von diesen bö-sen Feinden fast gänzlich verwüstet, und als der Kurfürst sie 1639zurückerhielt, war sie wenig mehr als ein Trümmer-Haufen. Nur lang-sam wieder hergestellt, wurde durch die 14tägige Beschießung des Mar-schalls von Boufleurs, im Jahr 1688 (wobei Ludwig XIV. persön-lich zugegen war und Vauban die Belagerung leitete), großer Schadenin Koblenz angerichtet. Das 52 Jahre vorher schon hart mitgenommeneLützel-Koblcnz ging bei dieser Veranlassung gänzlich zu Grunde. Nichtsdesto weniger stählte der wackere Befehlshaber in der Stadt, Grafvon der Lippe, so mächtig den Muth und die Beharrlichkeit der Be-satzung und Bürgerschaft, daß die Belagerer unverrichteter Sache ab-ziehen mußten.
Obgleich nun der ganz eingeäscherte Stadttheil am linken Mosel-Ufer nicht mehr aufgebaut wurde, erhob sich das eigentliche Koblenzdoch aus seinen Trümmern. Durch des Friedens Segnungen gelangtees nach und nach zu größrcr Wohlhabenheit. Die Zeit seines schön-sten Flors aber ist die Regierung des letzten Kurfürsten Klein ensWenzeslaus, von 1768 bis 1794. Dieser edle Regent, dessen Namebei seinen frühern Unterthanen stets in gesegnetem Andenken bleibenwird, machte sich nicht allein um Koblenz durch die Anlegung verschö-nen Klemens- oder Neustadt, des kurfürstlichen Schlosses und andrerPrachtgebäude verdient, sondern auch durch Errichtung guter Schulen,Stiftung von Arbeits-Häusern für Dürftige, einer Versicherungs-An-stalt gegen Brandschaden :c. Unter seiner weisen Verwaltung gediehen