Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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März und April; die wenigsten dagegen im September, Oktober undNovember.

Vegetation. Eine ungemeine Fruchtbarkeit zeichnet die Gegendum Koblenz'aus. Vorzüglich üppig ist das Wachsthum der Pflanzenin den Gemüse-Feldern zu Neuendorf. Selbst auf den Höhen, na-mentlich auf dem Maifelde, ist der Boden sehr ergiebig, und nur demMangel an Fleiß oder Umsteht ist es zuzuschreiben, daß der Karthäu-serberg zum Theil noch den Anblick einer unbebauten Steppe gewährt.Die beste Uebersicht der in der Nähe von Koblenz wachsenden Pflanzenhat der ausgezeichnete Botaniker und Lehrer P. Wirtgen in derall-meinen botanischen Zeitung" von 1833 und in den Beiblättern 2 bis5 derrheinischen landwirthschastlichen Garten-Zeitung" gegeben.Horchheim, Pfaffendorf, Ehrenbreitstein, Urbar, Vallendar und dasLaubachthal (Affenberg) erzeugen einen guten rothen und weißen Wein.Getreide bringt die Rheinebene und das höher gelegne Land in Mengehervor, ebenso viel Obst und treffliche Gemüse. In den Wiesen beiKoblenz findet man häufig Imperator!» IRsbrüei 8pr. , an den Felsendes Konstantinforts, ,c., Zlespilus ^mela»cl>ier l... in den Weinbergenbei Pfaffendorf vr»l.» miir-,1!» I- und im Laubachthal üupbrss!» lute» Q.

Bevölkerung. Nur muthmaßlich folgert man aus dem beschränk-ten Umfange des römischen Kastells co»ll»e»tcs oder Qo»ll»enti». dernicht viel über 250 rhein. Ruthen betragen mochte, daß die Besatzungdesselben 600 Mann wenig überstiegen. Während der fränkischen Herr-schaft wurde keine besondere Erweiterung, der Feste vorgenommen. In-ner dem erhöhten Raume, der von dem Wasser-Umschluß deö altenGrabens, des Plans, Entenpfuhls und der Kornpfort-Straße umgrenztwar, konnte die Einwohnerzahl, wenn auch noch so zusammengedrängt,nicht 1500 Seelen übersteigen. Es sollen 1366, als die Stadt schonbedeutend vergrößert worden, in Koblenz 658 Familien gewohnt ha-ben, was beiläufig eine Bevölkerung von 3300 Seelen bieten würde,die 260 Jahre lang sich fast immer gleich blieb. 1441 wurde von532 Bürgern Schutzgeld entrichtet; 1475 gab es 546 streitbare Bürgerund 1552 deren 556. Man zählte 1598 ungefähr 760 Familien in674 Häusern und zu Anfang des 17. Jahrhunderts 3566 Einwohner.Die Zahl derselbe» belief fich 1794 ans 6163 Seelen in 1626 Häusern;1866 auf 7992 S. in 1635 H.; 1817 auf 16,286 S. in 1642 H.; 1831auf 12,214 S. in 1217 H.; 1834 auf 13,367 S. in 1241 H.; 1837auf 13,696 S. in 1265 H.; 1346 auf 15,574 S. in 1293 H.; 1343auf 17,668 S. in 1342 H. Die Zahl der evangelischen und derisraelitischen Einwohner war zu Anfang dieses Jahrhunderts so ge-ring, daß sie nicht in Rechnung gestellt wurde. 1817 belief sich dieder ersten auf 396 und die der letzten auf 228; 1831 zählte man vonjenen 626 und von diesen 263g 1834 der ersten 1535 und der letzten242; 1837 dieser 1862 und jener 257; 1846 der ersten 2684 undder letzten 263; 1843 jener 2296 und dieser 276. Die Zugehörun-gcn der Stadt: Karthäuser- oder Berghof, Försterhaus Remstecken,Jägerhaus am Kühkopf, Insel Oberwerth und Laubachthal, werdenzusammen von 96 Individuen bewohnt, die in obige Zahl nicht mitinbegriffen sind, ebensowenig als die aus 2lZ6 Seelen bestehende Be-völkerung der Stadt Thalehrenbreitstein und die militärische Besatzungvon Koblenz, Ehrenbreitstein und der dazu gehörigen Forts, welche sichin Fricdenszeiten auf 3666 Mann beläuft. Rechnet man alle diese Zah-len zusammen, so ergibt sich eine Gesammt-Bcvölkcrung von 23,478Seelen *).

-) I» den letzten ->z Zahrcn hat sich die Bevölkerung von Koblenz um mehr als7<xx> Seelen vermehrt, während sie, vom Entstehen der Stadt bis isoo, nur bisauf gooo sich erhoben. Von PlZ? in g Iahren (von igzi bis igzg) verstorbnenPersonen, haben nur wenige ein Alter von qo Iahren erreicht, keine darüber.Die Zahl der männlichen Bevölkerung verhält sich (mit Ausnahme der Garni-son) zur weiblichen wie 6 zu ?. (Vergl. Wegeler's Versuch >c )

Koblenz hat 49 öffentliche, 1296 Wohn- und Nebengebäude und3 Fabriken. Die Zugehörungen der Stadt haben 26 Wohn - und Ne-ben-Gebäude. In Ehrenbreitstein befinden sich 26 öffentliche, nebst278 Wohn- und Neben-Gebäuden, 9 Mühlen und deren Zugehörungcn.Die Zahl der Militär- Gebäude ist in obiger Angabe nicht mit inbe-griffen und kann nicht genau angegeben werden.

Geschichte.

Alte Zeit. Um das Jahr 9 vor Chr. Geb. wurde, auf Verfügungdes römischen Konsuls Drusus, durch die unter seinem Befehl stehendenSoldaten das c»«tellu>» c»»sluentes oder c»nkIu<-.»ti->, unfern deralten Mündung der Mosel in den Rhein (beiläufig 136 Ruthen oder1566 Fuß oberhalb der neuern Mündung) erbaut. Es nahm dieseFeste die ganze Oberfläche des Hügels ein, welcher sich von der heu-tigen Mosel-Brücke bis zur Florins-Kirche und dem alten Hofgerichtcincrseit, wie bis zur Liebfrauen-Kirche, dem Plan und dem altenHof auf der andern Seite erstreckt. Höchst wahrscheinlich war seineForm die eines nicht vollkommen regelmäßig länglichen Vierecks, dessenLänge gegen die Mosel etwa 65, gegen den Plan dagegen nur 66 Ru-then betragen, während die Breite desselben, am Abfall des Florins-Marktes kaum 56 und gegen den alten Graben nicht 45 Ruthen über-steigen mochte.

Die vier Ecken dieses Kastells, durch die vorangedeuteten Oertlich-keitcn näher bezeichnet, scheine» abgerundet gewesen zu sein. Ucbrigenswaren die Mauern ohne Zweifel mit vorspringenden Thürmen, nachder bekannten römischen BcfestigungSweise, versehen, und ein zweiteräußerer Umschluß, aus Erdwällen und mit Wasser angefüllten Grabenbestehend, zog sich, wahrscheinlich in halbrunder Form, von der Korn-pforte (am Zusammenfluß der Mosel und des Rheins), durch die gleich-namige Straße, den Entenpfuhl, Plan und alten Graben bis zumheutigen Moselthor. Ob der Raum zwischen dem innern und äusser»Umschlusse unter den Römern mit Häusern bebaut gewesen, läßt sichnicht ermitteln; unter den Karolingern aber war er es wohl eherals nicht.

Das Römer-Kastell hatte vermuthlich nur zwei Thore: eins gegenNord, am obern Anfang des Florins-Markts; das zweite auf der ent-gegengesetzten Seite, im nordwestlichen Winkel des Plans, welcher letztedas alte ?or»,» x-nkile, der öffentliche Markt, gewesen zu sein scheint.Die von hier gegen den Hunsrück und den Rhein sich ziehende Rö-mer-Straße korrcspondirte genau mit dem alten Lecrthor. Unterhalbder Port» ,,1-acloi'i» war die Mosel-Ueberfahrt, und am linken Uferdes Flusses begann die nach der col»i-> .^^ri,>,,!«» führende Straße.

Die wechselnden Schicksale der an sich wenig bedeutenden Römer-Feste an der Mosel-Mündung sind mit einem fast undurchdringlichenSchleier bedeckt. Ob die Oertlichkeit schon vor dem Anbau durch dieRömer von einer Abtheilung Drevirer (Drüberer oder Trierer) bewohntworden, läßt fich eben so wenig bestimmen, als behauptet oder ver-neint werden kann, ob der Bataver Oirills auch dies Kastell, wie soviele andere, überrumpelt habe. Mit Bestimmtheit weiß man nur, daß,als die Franken im Jahr 413 mit unwiderstehlicher Gewalt das linkeRheinufer überschwemmten und die Römer aus dieser Gegend, wieaus Gallien, vertrieben, welches letzte fortan Frankreich genannt wurde,auch Koblenz durch Klodowig unter ihre Botmäßigkeit gerieth. Es ge-horchte 6 Jahrhunderte ihren Gcfttzen und vergrößerte sich nur wenigunter dem Zepter Karls des Großen, seiner Söhne und Nachfolgerbis zum Erlöschen des karolingischeu Stammes. Schildbert hielt sichfich 585, Theodorich 72l und Karl der Große 867 längere Zeit in derVill» ,'<>gi-> <5o»folvn, auf. Die von den letzten zusammenberufeneReichsversammlung ist der glänzendste Moment der städtischen Geschichtejener Zeit.