Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Noblen?.

Natürliche Zustände.

^?age. Mosel und Rhein bilden bei ihrer Vereinigung einenRechtwinkel. In demselben, bis an den Fuß der Wälle einen Flächen-raum von 62,188 rheinischen Ruthen einnehmend, ligt die königl. preuß.Stadt Koblenz, durch die dazu gehörigen Forts und Außenwcrke eineFestung erste» Ranges, unter 50° 21' 55" nördl. Breite und unter25° 10' 54" östl. Länge. Auf der Stelle, wo die hier 1150 Fuß breiteMosel in den 1370 Fuß breiten Rhein mündet, wird die Höhe desWasserspiegels auf 170 Fuß ü. M. berechnet. Der Kulminationspunktdes Stadtbodens, an der nördlichen Thür der Liebfrauen-Kirche, ist210 Fuß ü. M.

Boden. Die Oertlichkcit, worauf Koblenz von seinen ältestenAnfängen bis zu seiner neusten Gestaltung sich erhoben, ist ein vonden beiden sie bespülenden Flüßen niedergeschlagener Boden. Nur derHügel in Nähe der Moselbrücke, worauf das römische Kastell, späterder fränkische Königshof und die kurfürstlich tricrsche Burg gestanden,besteht in seinem Kern aus Grauwacke, die über 30 Fuß hoch mit Lehmund Schlamm bedeckt ist. Grauwacke und Thonschiefer, untermischt mithornsteinartigcm Kieselschicfer, zeigen sich auch in der Umgegend derStadt, namentlich in den Hügeln, worauf die Forts Aleran'dcr undKonstantin auf der einen Seite, wie das Fort Franz auf der ent-gegengesetzten Seite erbaut sind. Der Einschnitt des Laubachthalsauf der Südwestseite und die damit korrespondirende Schlucht, welchegegen die Mosel sich senkt, scheiden das Vorgebirg von Koblenz vonden Tumuli- oder Tummel-Bergcn und dem HunSrück, dessen ersterGipfel, der Kühkopf, bis zu 1050 Fuß ü. M. sich erhebt.

Mit Ausnahme des niedrigen PeterS - Berges, dehnt sich dieEbene am linken Rheinufer von der Mosel-Mündung bis Weißen-thurm aus. Westlich von derselben steigt die Hochebene von Rü-benach an, über welche sich die vulkanischen Hügel und Berge derVorder-Eifel erhebe». Der erste bedeutende Gipfel dieses Zuges, derKamillenberg bei Bassenhcim, hat eine absolute Höhe von 1200 Fuß.Am rechten Rheinufer steigt der aus Grauwacke-Schiefer bestehendeFelsen, worauf die Festung Ehrenbreitstein erbaut ist, empor. DieHöhen von Urbar bis Sapn, wie die von Arzheim bis zur Lahn, ge-hören derselben Bildung an.

Ein erster Rheinarm, noch heute durch die muldenförmige Senkungdes Bodens leicht erkenntlich, zog sich von Rondcl, auf der mainzerLandstraße, durch die Felder und Gärten bis zur heutigen Stadt, fer-ner in der Richtung der heutigen S. Görgen-Straße, des Entenpfuhlsund der Kornpfort-Straße bis zum östlichen Fuße des Kastell-Hügels,wo er sein Gewässer mit dem der Mosel vermischte. Ein zweiter kleine-rer Arm des Rheins bildete die Insel, worauf die S. Kastor-KircheKoblenz I.

erbaut wurde. Es ergibt sich noch jetzt durch den Augenschein, unddurch verschiedne, bei Neubauten von Seite des k. Gymnasial-Di-rektors vr. Klein angestellte, Beobachtungen der erwiesene Um-stand, daß im Innern der heutigen Stadt Koblenz der Strich zwischender Görgen- und neuen Lcerstraße einerseit, wie zwischen der erstenund der Kasino-Straße ?c. auf der andern Seite, Ufer des ehemaligengrößern Rheinarms gewesen, und daß der ganze höhere Stadttheil,vom Jesuiten-Platze bis zur Karmelitcn-Kirche, zu einer größern Inselgehörte, während das S. Kastor-Eiland nur sehr klein war. DieNiederung der S. Görgen-Straße, des Entenpfuhls und der Korn-pfort-Straße, wie jene künstlich geschaffene des Plans und alten Gra-bens, bietet noch jetzt auffallende Anzeichen eines ehemaligen Flußbettes,während zu beiden Seiten dieser Niederung der mit Rheinsand bedeckteUrboden sehr bemerklich emporsteigt.

Klima. Im allgemeinen ist das Klima von Koblenz mild undgesund, wobei jedoch der schnelle Wechsel der Temperatur, veranlaßtdurch das Zusammentreffen der Strömungen des Rheins von Süd ge-gen Nord, der Mosel von West gegen Ost und der Lahn von Ost ge-gen West nicht unbeachtet zu bleiben verdient. Eine unumgänglicheFolge dieses Zusammentreffens ist nicht allein ein oft schneller Ucber-gang von Wärme zu Kälte, sondern auch eine große Unbeständigkeitder Witterung. Die häufigsten Krankheiten rühren deshalb von Er-kältung her *). Ucbrigens verdankt man diese» unangenehme» Luft-zügen jedenfalls eine große ReinMt der Luft, die sich auch aus demgänzlichen Mangel an Sümpfen und stehenden Gewässern in der Um-gegend erklären läßt. Im Durchschnitt beträgt der mittlere Hpgrome-terstand 55°.

Nebel sind ziemlich häufig im Frühling und Herbst. Gewöhnlichdauern sie von Sonnen-Aufgang bis 9 oder lv Uhr Vormittags. Einsehr heitrer Himmel und angenehme Wärme entschädige» den Ueber-rcst des Tages für die empfindliche Kälte und den Verlust des Mor-gens. Nach Sonnen-Untergang wird es, in den vorbemerkten Jah-reszeiten, ebenfalls sehr kühl. Gewitter sind häusig, nicht selten langeanhaltend und schwer, was sich aus den nahe zusammengedrängtenBcrggruppen, besonders auf der Ost-, Süd- und Westseite, erklärt.Der mittlere Barometerstand ist 27" 9'" 5. Selten sinkt er bis un-ter 27" und fast nie erhebt er sich über 29". Der mittlere Stand desThermometers von keaumur ist 8°, 6 Wärme. Im Sommer 1828erhob er sich bis auf 28°, 1 und im Winter >830 sank er bis auf17° unterm Gefrierpunkt. Die größte Regeu-Mcnge, im Jahr 1829,war 2' 4" 5'" , 7. Die meisten Sterbefälle in Koblenz sind im

') Vcrgl. - Versuch einer medizinischen Topographie von Koblenz -, von o, I »I.Wcgcler, S. i» u. f.