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GRAFEN V. COLLOREDO.
Uraltes und hochberühmtes, ursprünglich schwäbisches Geschlecht,welches einerlei Abkunft mit den vor Zeiten in Oesterreich mächtig ge-wesenen Dynasten von Walsee (Waldsee) hat. Nach den Angaben desConle Gualdo Priorato, llofhistorikers der Kaiser Ferdinand III. und Leo-pold I., vom Jahre 1674, welche für die richtigsten gehalten werden,machte sich, nachdem Kaiser Otto III. den Ueberresl der Longohardenaus Friaul verlriehen hatte, Liabordus aus einem edlen schwäbischenGeschlecht, welcher mit seinem Bruder Heinrich unter dem Ileere desKaisers Conrad II. in Italien gewesen war, in Friaul sesshaft, und wurdeum das Jahr 1025 oder 1031 von Popo, Patriarchen zu Aquileja, zu-erst mit dem Schlosse und Gebiete Melss belehnt. Heinrich ging nachDeutschland zurück und pflanzte das längst erloschene Geschlecht derDynasten von Walsee in Oesterreich, Liabordus aber blieb in Friaulund wurde der Stammvater der Herren und Vice-Grafen v. Melss undder Herren v. Colloredo.
Vom Liabordus stammte durch Anton, Rinigaldus, Liabordus III.,Hector, Doringus II. und Glizojus im 7. Glicdc Wilhelm, welcher ur-kundlich 1286 vorkommt. Derselbe erhielt 1302 von Ottobono, Pa-triarchen zu Aquileja, die Freiheit, auf einem Hügel im Gebiete derKirche von Aquileja das Scliloss Collorelo, jetzt Colloredo, zu erbauen,nach welchem sich drei das Geschlecht fortpflanzende Sohne: Asquinus,Bernardus und Vicardus (Weickard), nannten. Asquinus stiftete die ersteHaupllinie der Familie, welche mit Ludwig im Mannsstamme 28. Dec.1693, in weiblicher Linie aber mit der Tochter desselben: Maria Jo-sepha Antonia Fürstin v. Montecucolli, 2. Jan. 1738 erlosch. Aus die-ser Linie waren Belius und Ludwig vom Kaiser Rudolph II. mit allenübrigen Gliedern des Geschlechts 19. März 1588 in den erbländischen,31. Juli 1591 mit dem Prädieale v. Wallsee in den Reichsfreiherren-stand erhoben worden, und Ludwigs Sohn: Lelius, hatte vom KaiserFerdinand IL 26. Oct. 1624 die Reichsgrafenwürde erhallen. — Rer-nardus gründete die zweite Haupllinie, die Bernhardinische. Aus dieserLinie stammte vom Stifter derselben im vierten Gliedc Jobann IL, derPaduaner v. Colloredo, dessen Söhne, Hieronymus und Thomas, durchihre Nachkommen zwei Aestc bildeten, den älteren Ast, oder die soge-nannte Mantuanische Linie, und den jüngeren Ast, oder die Linie Collo-redo-Melss in Görz und Friaul. Aus dem älteren Aste erhielt der Ur-enkel des Stifters Hieronymus: Horaz, nebst seinen Vettern 1624 diereichsgräfliche Würde, und der Enkel des Letzteren: Johann Baptisla,gest. 1 729, hinterliess zwei Söhne, von denen der ältere: Carl Ludwig,den älteren, in Mantua blühenden Zweig, welcher jetzt dem Erlöschennahe ist, der jüngere: Camillus, den jüngeren Zweig in Nieder-Oesler-reich und Böhmen (Colloredo-Waldsee) stiftete. — Der jüngere, vonThomas stammende Ast in Görz und Friaul scheint im achten Gliedeerloschen zu sein.
Die Weickardische Hauptlinie zerfiel im zehnten Gliede durch H ie-ronymus und R udolph — Söhne Ferdinands, geh. 1635, gest. 1689 —in die ältere, sogenannte böhmisch-österreichische oder fürstliche Ne-