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Die heilige Veme
Herr Kaspar noch erfaren, daß zwei seiner Namens-und Wappen-Genossen auf seines Todfeindes Seite gestandenwaren: Seifried v. Törring sein Better und Wilhelmsein leiblicher Bruder! — —
So nam er denn Abschied von der traurigen Stätteund ritt nach der Reichsstadt Regensbnrg, wo ihm ausbesseren Tagen noch eine Hofstatt eigen geblieben war.Dorthin rettete er sich mit Frau Dorotea und Georg,seinem Sönchen,
Dort ließ er sich vom Abte des Schottenklosters dieBriefe über seine Gerechtsamkeiten, die er immer bei sichgetragen und dadurch gerettet hatte, abschreiben und beglau-bigen und eilte damit an das Hoflager des Kaisers Sig-mund, der damals eben zu Nürnberg verweilte.
Der Kaiser wies ihn an seinen Herzog und falls die-ser ihm nicht gerecht werden sollte, an ein Schiedsgerichtvor dem Erzbischof von Salzburg. So wäre also HerrKaspar gerade wieder in die Hände seiner Feinde getriebenworden.
Dadurch ward Kaspar von Törring zum lezten undaüssersten Schritte gedrängt, der einem Unterdrückten damalsoffen stand, zum höchsten und lezten Gerichtshof des Rei-ches, zur heiligen Veme.
Es war bis dahin in Bayern noch unerhört, daß einbayerischer Edelmann seinen Fürsten bei diesem, in denSchleier des Geheimnisses gehüllten und darum mer alsalle Gerichtshöfe, ja selbst mer als der Kaiser selbst ge-fürchteten Richterstule belangt hätte.
Zwar wußte man, daß Niemand, Arm oder Reich,Hoch oder Nieder sich demselben, wenn er gerufen war,