352
Recht oder Gnade.
eben der Rechtlosigkeit und somit seiner eigenen Conse-quenz zum Opfer fiel.
Ein Blick auf das Bild, welches die nachfolgende Er-zälung entrollen wird, zeigt uns den edlen Herrn Kasparden Törringer im „legalen Kampfe gegen das Unrecht", an-fänglich und so lange dieser Kampf sich auf Bitten undBeschwerden beschränkt, umgeben von zalreichen Gesinnungs-genossen, unter denen sogar die drei übrigen H erzo g e vonBayern sich persönlich für seine Sache interessiren.
Aber der tückische Heinrich will dem stolzen Edel-mann gegenüber von seiner Stellung nichts vergeben undwird darin von Schmeichlern und Feinden des Törringersbestärkt; denn auch der Kaspar hat seine Feinde.
Nicht die geringsten, wenn auch mer heimlich wirkenden,darunter sind die geistlichen Würdenträger, der Erzbischofvon Salzburg und der Bischof von Pas sau und anderePrälaten, mit denen und iren Städten er manche Fededurchgemacht, deren Güter er verbrannt, deren Kaufleuteer geplündert hatte, nicht als Ritter aus dem Stegreif,sondern in „rechtmässiger Feindschaft".
So spaltet sich die Kluft immer weiter und weiter,bis Kaspar auf den rauchenden Trümmern seiner Stamm-burg Törring plözlich den weiteren Weg sich teilen stet.
Der eine fürt an den Hof des Herzogs und eine ma-nende Stimme ruft ihm zu, diesen Weg, den Weg derGnade und Versönung einzuschlagen.
Der andere Weg fürt nach Westfalen zum heimlichenGericht auf roter Erde.
Kaspar's Entschluß ist rasch gefaßt. Er will keineGnade, er will sein Recht verfolgen bis ans Ende.