Druckschrift 
Abt. 1, Adelicher Antiquarius Bd. 1 (1867) Der große Adel
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

Lustpartie nach Bamberg.

Sobald ich angekleidet war, begab ich mich zu meinerSchwester, die ich zu meinem größten Erstanne« zu Bettefand; sie sagte, daß sie unbaß sei und nicht nach Bamberggehen wollte. Dabei sah sie ser wol aus und arbeitete imBette. Ich sagte ir, sie würde mir Vergnügen gemachthaben, mir das früer zu sagen, denn ich habe mich nachirem Befinden erkundigen lassen und zur Antwort erhalten,sie sei ser wol. Ire Hofmeisterin, Frau von Budenbrok,zuckte die Schultern und winkte mir, daß es eine bloßeLaune sei. Sie wendete ire Ueberrcdung auch wirklich sozweckmäßig an, daß meine Schwester das Bett verließ undsich ankleidete; — aber nie in meinem Leben habe icheine längere Toilette gesehen! sie dauerte wenigstens zweiStunden.

Man hatte zwei prächtige Paradekutschen angespannt,von denen eine für mich, die andere für meine Schwesterbestimmt war. Ich fragte sie, ob wir nicht wollten zusam-men faren, und auf ire Verneinung bat ich sie, irer Seitseinzusteigen. Mein Gott, nein, rief sie, du hast den Rang,und ich steige nicht zuerst ein. Mit meinen Schwesternhabe ich keinen Rang, antwortete ich, und werde deßhalbnie Streit mit inen haben. Der Obermarschall des Bi-schofs, ein ziemlich derber Herr, nam mich bei der Handund sagte: Hier ist die Kutsche Irer königlichen Hoheit,haben Sie die Gnade einzusteigen, denn sie ist für Sie be-stimmt. Ich stieg also mit meiner Hofmeisterin ein undhatte nicht einmal Zeit, meinen Pelz zu fordern. Wirfüren Schritt vor Schritt und erstarrten vor Kälte; Fingerund Füße waren uns so verklommen, daß wir sie nicht merbewegen konnten; ich ließ also dem Kutscher befelen, daßer schneller faren sollte, was er denn auch so pünktlich be-folgte, daß wir in drei Stunden in Bamberg ««langten.