Die Kurfürslin - Mutter.
bekannt, Alles, was sie in Bayern besaßen, wieder verkauft.Graf Areo-Zinnenberg ist mit einer Gräfin von Wald-burg-Zeil vermalt, und hat mit ir, an babonische Frucht-barkeit erinnernd, viele Kinder erworben, von denen 13,unter diesen 5 Söne, noch am- Leben sind.
Die Frau Kurfürstin war, wie sich der Antiguarius,der sie einigemale in der Näe zu beobachten Gelegenheithatte, erinnert, eine nicht besonders fürstlich auftretendeFrau, lebhafter, im Eifer österreichisch - bayerischer Sprech-weise, nicht stolz, sondern tätig und häuslich, fast geizig,überall auf ihren Gütern selbst nachsehend, dabei unter-nemend und guten Verstandes. Sie hatte, wie man erzält,außer der Liebe zu iren Kindern, nur noch eine Leiden-schaft, und zwar für's Lotto, welche damals noch inBayern bestehende Staats - Profit-Industrie sie bei jederZieung mit Tausenden von Gulden beehrte. Man sagt, siesei vom Glücke ser begünstigt gewesen.
Als Historiker darf der Antignarins nicht umgehen, hierauch zu erwänen, daß, wie an allen hervorragenden Per-sönlichkeiten, so auch an der Kurfürstin die Lästerzungen desgebildeten Pöbels sich zu spizen nicht versäumten; wenndieß schon zu iren Lebzeiten gescha, wie wird nicht diespäte Nachwelt erst zu Werke gehen! Ist es nicht Pflichtder Lebenden deßhalb die bessere Seite zu vertreten? ZumBeweis, daß solche Vcrlaümdungen selbst bis zu den Orender Fürstin gedrungen, oder wenigstens von ir gefült wur-den, will der Antiquarius eine Anekdote erzälen, wie sieihm von einem Augenzeugen des Vorfalls berichtet wordenist. Bei Gelegenheit einer Vergnügungsreise nach Italien,welche die Kurfürstin mit iren damals noch kleinen Sönenunternam, ließ sie auf dem Rückwege die Grafen von Arco.