Statistik des bayerischen Adels.
35
pcrliche Unfreiheit des Dienstadels immer mer, wenn anchnoch im XV. vereinzelte Beispiele davon nachweisbar sind,aber eben mit dem Ende des XIV. Säkulums tritt auch einneuer Rivale des Uradels, der schon genannte Briefadel indie Schranken, welcher ja mit seiner Schöpfung schon sogleichvollkommen frei ward.
„Die geistreiche Erfindung mittelst eines Stuckes Perga-ment den Adel zu ertheilcn", wie sich ein neuerer Autor aus-zudrucken beliebt, dürfte vielleicht ein nicht weniger geistreichesGegenstück in den Pergamcutbriefen gehabt haben, durch welchezu irer Zeit die AnHerrn unserer uradelichen Geschlechter ausdem Zustande der Leibeigenschaft von iren betreffenden Herrnentlassen wurden. Der Unterschied ist wol nur der, daß manleztere Sorte von Pergamcntstückeu weniger zur Aufbewarungund Producirung geeignet gehalten habe» mag, als die erster»,die Adelöbriefe.
Wie dem auch sei, so viel stet fest, daß die übergroßeMerzal unseres heutigen Adels Briefadcl ist und daßdemnach dem Uradel, schon wegen seiner Seltenheit ein hi-storischer, wenn auch kaum rechtlich festzustelleuder Vorzug gc-büre.
Nachfolgende historisch - statistische Zusammenstellung desblü enden Adels im Königreich mag einen einigermaßensicheren Anhaltspunkt gewäreu.
Wir zalcn in Bayern von noch blüenden immatriku lirtcn,also gerichtsgnltigcn Adelsfamilien ungefähr 950. Von diesen ge-hören etwa 165 dem U r adel an — alles übrige ist Brief adel.
Betrachten wir diesen lezteren nach seinem Alter, so findenwir etwa 325, demnach nahezu die Hälfte, aus dem gegenwär-tigen Jarhundcrt stammend, also nicht über zwei Genera-tionen alt. Aus dem vorigen Jarhundert datireu iren Adeletwa 250 Familien mit 3—6 Generationen und von dem Rest
3'