Uradel und Briefadel.
Bezug auf ir Alter, so unterscheiden wir zwei Haupt-gattungen: den Uradel und den Briesadcl.
Beide Bezeichnungen tragen de» Karakter der Gegensäze;zum Uradel gehören diejenigen Familien, deren Borfarenerweislich zum Adel zälten schon vor der Zeit, in welcher dieLandesherrn, hier insbesondere die deutschen Kaiser nnd Reichs-fürsten, begannen, eine beliebige inen angeneme oder verdientePersönlichkeit mittelst eigener Gnadenbriese, demgemäß in An-wendung ircr Sonvcrainetätsrechte aus der Reie der Bür-ger oder Bauern in die der Edelleutc zu vcrsezen. Hatder AnHerr eines Geschlechts solcher kaiserlicher oder fürstlicherGnade seine Erhöung zu verdanken, so zält mau dieses — esmag übrigens alt oder jung, Fürst oder Edelmann sein —zum Briefadel.
Es wird wol im Allgemeinen keinen Briesadel geben,der älter wäre als öt>6 Iare von heute an zurückgerechnerIn Bayern ist das älteste Geschlecht dieser Klasse dasder Frhrn. von Ott mit der lauernden Fischotter im obcrn.und den zwei Schrägbalken im untern Plaze des geteiltenSchildes. Ir Adelsbrief datirt von Kaiser Sigmund aus demIare 1412. Der jüngste Briefadel ist derjenige der Herrnv. Pfistcrmeist er vom Januar 1867.
ES verdient hier für den nicht fachkundigen Leser bemerktzu werden, daß die ältesten Adelsbriefe keineswegs solchewaren, wie man sie seit den lezten zwei und drei Jarhundertenzu sehen gewönt ist, nemlich förmliche StandeserhöungS-Diplome, in denen der Begnadigte mit einem adelichen Prä-dikate begabt, oder „vvnisirt" wird. Die Nobilitirung gcschavielmer in der ältesten und älteren Zeit durch bloße Ver-lciung eines Wappens, durch Creirung zum Wapp en-gen osseu. Deßhalb werden kaiserliche Wappenbriefe bis aufKaiser Mar I. eiuschlüsstg auch den Adelsbriefen gleichgeachtet. —