Druckschrift 
3 (1832)
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

— 350 —

großen Mahl von mehr als 60 Gedecken eingeladen. DieFestlichkeiten aber dauerten über drei Tage fort.

Diese Hochzeit bildete zugleich die Folie der ernsten An-gelegenheit, nämlich der Bischofswahl, und mitten unterihren Freuden wurden die Staatsaffairen nicht vergessen.Der Kardinal hatte übrigens den Verdruß, daß man mit-ten bei einem Bankct ihm von Außen die Fenster einwarf,ohne daß der Thätcr entdeckt werden konnte. Es war einböseö Omen für reiche Hoffnungen, welche so zerbrechlichsind, wie das Glas, und wobei das Schicksal gern denMuthwillen spielt.

Bald darauf traten mit Wilhelm und einigen andernMinister» Kölns Gcvollmächtigte der Republik zusammen,um die seit längerer Zeit bestandenen Zostirrungen zwischenLüttich und den Holländern zu schlichten. Allein man konntedurchaus sich über nichts verstehen, und der Kardinal er-klärte dem Kapitel, welches er wegen dieser Sache eigenseinberufen, seinen bestimmten Entschluß, den habsüchtigenund anmaßenden Fodcrungen der Bataver auf keinen Fallweichen zu wollen. Nachdem er die (Zitadelle noch zumUberfluß verstärkt, reiste Wilhelm nach Köln und von danach Bonn zurück.

Sein vorzüglichster Mitbewerber nm Lüttich war derKardinal von Bouillon. Ludwig XIV. bearbeitete das Ka-pitel mit vielem Nachdruck, während die fürstcuberg'schenAnhänger auf den Beistand von Truppen rechneten, überdie sie verfügten. Der König drohete sogar mit Einzugvon Gebietsteilen, auf welche er alte Rcchtstitel besäße,falls man den Kardinal nicht wählen werde.

Allein, als die Partei Bouillons schon ganz eingeschüch-tert und ihre Gegnerin völlig siegcssichcr geworden war,vereitelte die plötzliche Ankunft des Prinzen von Neuburg,Großmeisters vom Tcutschordcn, den Plan wiederum we-