Geschichte des Hauses und Landes F ii r 6 t e n v e r g. Aus Urkunden und den besten Quellen von Professor vr. GrNSt MÜNkh. Königlich Wurtcmbergischcm Geheimen Hvfrath und Bibliothekar Seiner Majestät des Königs. Mit Kupfern, Urkunden und andern Beilagen. Dritter Band» Aachen und Aeipzig, Verlag von I. A. M a y e s. 13 3 2. 337 Inhalt. Viertes Buch» Dritte Abtheilung. Seite Erstes Kapitel. — Jakob Lndewig. — Stiftung der hciligcnberg-wartenbergsschcn Nebenlinie (Leonore von Schwendi). — Sei» Antheil an den ersten Ereignissen des 30jährigen Krieges. — Franz Karl. ........ Z Zweites Kapitel. — Die Stühlinger Linie. — Friedrich Rudolf. (M. Maximilian von Pappenheim uchd M. Magdalene von Hanau-Lichtenberg.) — Sein Privatleben. — Entfuhrung des Stiefsohns durch die Rheingrafen..— Fr. Rudolfs diplomatische Verrichtungen und Kriegsdienste. — Die Schlacht bei Rhein- felden. — Vertheidigung des Grafen gegen die ihm hinsichtlich derselbe» gemachten Vorwürfe und Beschuldigungen .......................... 16 Drittes Kapitel. — Der pappenheim'sche Erbstreit. — Friedrich Rudolfs fernere Schicksale bis zu seinem Tode 35 Viertes Kapitel. — Maximilian Franz 1. (M. Magdalena von Bernhausen.) — Leopold Marquard. — Seine Theilnahme am Türken- und Franzosen-Kriege. — Sein Fall bei Mainz. 4g Fünftes Kapitel. — Prosper Ferdinand. (Sophie von Königscgg.) — Verhältniß zu K. Leopold l- — Die Belagerung von Landau. — Rückblick auf die hin- terlassenen sieben Kinder ST — 333 — Fünftes Buch. Erste Abtheiluuz. Seite. Erstet Kapitel. — Die Anfänge der Grafen Franz I. Egon und Wilhelm in. Ego» von Fürstcnberg. — Die Ansicht der Zeitgenossen und das Urthcil der Nachwelt über ihre und Herrmann Egons politische Wirksamkeit im Allgemeinen. — Verhältnisse der Beiden erster» zu Köln und Lüttich u. s. w.. L7 Zweites Kapitel. — Ursprung der Verhältnisse und Verbindungen der Gebrüder von Fürstenbcrg mit dem französischen Hof. — Die Lage und die Parteien Teutschlands. — Vorfragen. Präliminarien und erste Kämpfe bei Anlaß der neuen Kaiserwahl........ 73 Drittes Kapitel. — Die Anstrengungen der Brüder Franz Egon und Wilhelm Egon von Fürstenberg wider die Kaiserwahl Leopolds I 83 Viertes Kapitel. — Der Fürstenberge Bemühungen für Stiftung eines rheinischen Bundes nach Leopolds !- Kaiserwahl. — Ihre Verhältnisse zu der Republik Holland und Jan de Witt. — Ihre und Herrmann Egons Erhebung in den Reichsfürstenstand. ...... 105 Fünftes Kapitel. — Die Wirren zwischen den Ge- ncralstaaten und Ludwig XIV. — Die Anstrengungen beiderseitiger Bundesgenossen für Ausbruch oder Abwendung des Krieges. — Der Fürstenberge Politik in diesen Angelegenheiten und fernere Wirksamkeit zum Behuf der Drganisirung eines Rheinbundes und der Zerstückelung Hollands u. s. w 125 Sechstes Kapitel. — Fortsetzung des Vorigen. — Der Krieg wider die Republik bricht aus. — Die Schicksale derselben und ihrer Verbündeten. — Fric- densunterhandlnngen. — Die schwedische Vermittlung und deren Hindernisse. — Die Wirksamkeit der Für- stcnberge an diesen Begebenheiten, . 14Z - 3Z9 — > ' Seite Siebentes Kapitel. — Wilhelm von Fürstenberg wird zu Köln verhaftet und nach Wien abgeführt. — Verunglückter Befreiungsversuch. — Die Gräfin von der Mark und die Gräfin von Löwenstein-Wertheim. 162 Achtes Kapitel. — Unmittelbare Folgen "er Entführung des Prinzen Wilhelm <^gon. — Die Stadt Köln und König Ludwig XIV. ................. 17L Neuntes Kapitel. — Die schwedischen Vermittler und Gesandten für Wilhelm von Fürstcnberg. — Diplomatischer Notenwechsel zwischen denselben und dem wiener Kabinet. ...................... 130 Zehntes Kapitel. — Verteidigung des österreichischen Kabinets in Betreff seiner Maßregel wider Wilhelm Egon, in amtlichen und Privatschriften ..... 203 Eilftes Kapitel. — Fortgesetzte Bemühungen der schwedischen Vermittler für Wilhelms Befreiung bis zur Bestimmung Nymwcgens als neuer Kongreßort. . 210 Zwölftes Kapitel. — Die Versuche des Königs Karl II. von England für die Befreiung Wilhelms von Fürstenbcrg bis zur wirklichen Eröffnung des Kongresses von Nymwegen. — Franz Egons Schritte und Notenwechsel in Bezug auf das Repräsentationsrccht bei demselben. 225 Dreizehntes Kapitel. — Fortsetzung des vorigen. — Vereinigte Bemühungen der englischen und schwedischen Diplomatie gegen den Widerstand deS Kaisers. — Mißlungener Versuch bei den Generalstaaten. — Franz Egons Denkschrift an den Kongreß. — Sein Briefwechsel mit Froben Maria n. s. w. — Der Traktat von Nymwegen 275 Vierzehntes Kapitel. — Franz Egons letzte Momente zu Straßburg. — Wilhelm Egon, als dessen Nachfolger im Bisthum. — Die feruern lüttichcr Verhältnisse. — Die Koadjutorwahl zu Köln ..... 304 — 340 — Seite Fünfzehntes Kapitel. — Die Churwahl z» Köln im Jahre 1638. — Wilhelm von Fürstenberg postulirt. — Joseph Klemens von Baiern als Nebenbuhler. — Neue <ÄI,S0 celöbi-L ........................ Z20 Sechszehutes Kapitel. — Fortsetzung. — Folge der kölner Affairc für Teutschland und Europa. — Die lütticher Bischofswahl. — Ryswyker Friede. — Wilhelm Egon zu St. German, 342 Viertes Buch. Geschichte der * - Grafen von Fürstenberg bis zum Erwerb der reichsfürst? tichen Würde. Dritte Abtheilung, Erstes Kapitel» Jakob Ludewig. — Stiftung der heiligenberg-war- tenberg'scheu Nebenlinie (Leon vre von Schwendi). Sein Antheil an den ersten Ereignissen des 30- jährigen Krieges. — Franz Karl» verwandt durch Kriegsmuth, politischen Verstand und tüchtige Gesinnung war dem Helden Egon sein Bruder Jakob Ludewig, von welchem eine Nebenlinie des hei- ligenberger Zweiges, wiewohl nur auf kurze Dauer, ausgegangen. Vermuthlich ward er im Jahre 1592 geboren, denn mit Bestimmtheit kann man sein Geburtsjahr durchaus nicht angeben. Die Familienpapiere lassen uns ohne Nachrichten über seine Jugend; es ist aber wahrscheinlich, daß sie wechselweife in Hofdienst und kriegerischen Übungen verstrich. Des Grafen Vermählung mit Leonoren von Schwendi auf Hohenlandsperg, Tochter Herrn Wilhelms, welcher als kaiserlicher Geheimrath und Kammerer zu Wien eine Rolle spielte, und Klaras von Reite- nau, stellt sich als das erste merkwürdigere Begebniß seines Lebens dar. Durch dieselbe, die Erbtochter sämmtlicher Besitzungen ihres Hauses, erhielt Jakob Ludewig ansehnlichen Zuwachs an Gütern. Leonorc war Pfandinhaberin der Herrschaften Burgheim und Tryberg, so wieder Reichs- vogtei Kaiscrsberg und vieler anderer Pfandschaften, Lehen und Akodien, fast alle im Breisgan gelegen. Diese brachte sie dem Bräutigam zu, welcher nach Kräften auS seinen verfügbaren Mitteln die Widerlage ihr sicherte. O Leider blieb der neue Besitz für das Haus Fürstcuberg nur imaginair; denn, trotz mehrfacher Versuche des gemeinschaftlichen Sohnes der Beiden, löste nachmals Osterreich, welchem an Wiedergewinn desselben gelegen war/ die Pfandschaft wieder ein, und die dafür erhaltene Summe war nur eine geringe Entschädigung für die vereitelte reiche Hoffnung. Bei der, in Egons VNI- Geschichte angeführten Güter- theilung entschied sich Jakob Ludcwig, welchem, vermöge Herkömmlicher Rechte, die Wahl gelassen worden, für die Hälfte der Landgrafschaft Baar, wartcnberger Anthcil, als Erbrata; doch empfing er, wozu Billigkeit aufforderte, von Jenem noch eine vcrhaltnißmäßige Aufbesserung, bestehend in einer Summe von 80,475 Gulden. Die Familienpakten hat er im Jahre 1621 beschworen. (') In kaiserlichen Kriegsdienst getreten, machte er sich bald durch vorzügliche Talente und löbliche Anstrengungen bekannt, und Ferdinand II. bezeigte ihm sein Vertrauen durch die Ernennung zum Kämmerer, Maximilian von Baiern aber durch diejenige zum Rath und General der Artillerie. Die Periode seiner Hauptthätigkcit im Kampfe wider die Protestanten umfaßt die Jahre 1621 — 1627. Jakob Ludcwig hatte Theil an dem thcuer errungenen Lorbeer von Wimpfen (1622), wo verzweissungsvoke Begeisterung dem überlegenen Kriegsgenie Tillys und noch mehr der Macht eines unerforschlichcn Geschickes unterlag. (') Urkunde vom 3. Oktober 1612, im F. H.-A. Der Vater, G. Friedrich, und der Bruder, Egon (VIII.), sind mit dabei un» terschrieben. (') Urkunde ä. ä. is. August, i. F. K..A. Nro 602>>. Er entwickelte in dieser Schlacht ungewöhnliche Tapferkeit und Großmuth zugleich; denn es war Fürstenberg, welcher, geiührt von dem Schicksal deS jugendlichen Helden, Herzog Magnus von Würtcmberg, Georg Friedrichs von Baden treuen Genossen, wiederholt ihm Pardon angeboten, bei dessen leidenschaftlicher Gegenwehr aber zuletzt, um das eigene Leben zu schirmen, das Haupt ihm gespaltet. Es hat auch der Graf solcher That, so wie der begleitenden Umstände selbst sich später gerühmt. (') Jakob Ludewigs feruern Bemühungen für des Kaisers Dienst und Interesse schildert sehr anziehend ein noch vorhandener Brief an seinen Vetter (I, darin er ihn um Verwendung bei Seiner Majestät angeht: «Hoch und wohlgeborncr, freundlicher, herzlicbcr Herr Vetter und Bruder! Da ich Ihm ein herzgetreucr Diener bin und bis an mein End verbleibe, und jederzeit zu De- roselben, als meinem lieben Patron, Vertrauen getragen, ohne um etwas ihn anzusprechen oder für mich zu gebrauchen, ob es gleich sehr möglich, daß er mir es nicht abgeschlagen — so komme ich doch diesmal, Derosclben zu bemühen und ingleichen zu berichten, daß unser Kreis hierobcn (') Willens scy, das Volk, so er zu Roß und Fuß eine Zeit lang auf den Beinen gehalten, abzudanken. Nun aber hätte ich verhofft, es möchte vielleicht in Italien, wie die Sage gewesen, der Krieg angehen, so gleichwohl noch in ziemlicher s x-rro-is steht, zu welch Ende ich mich au verschieblichen Orten angemeldet, um zu vernehmen, ob die königliche Majestät in Hispania gewillt, teut- sches Volk wcitcrs werben zu lassen, mich auch anerboten. (') Hdschftl. Nachrichten im F. H.-A. l') Vratislaus den Altern. D. h. in Schwaden. auf den Fall oberzähltes Volk sollte abgedankt werden, solches zu bekommen und gleich fortzuführen. So kommt mir von dem Kreistag gewisser Aviso ein, wie daß der Herr Graf Hans Georg von Hohenzollern an unfern Syndikus nachher Ulm eilends geschrieben, bei dem Kollegio anzubringen, daß Ihre kaiserliche Majestät durch eigenen Kurier an beide Bischöfe, von Kostniz und Dillingen (?), wie anch au Herrn Landkommentbnrn von Alschhauscn schreiben werden, beinebens die löblichen Stände allcr- gnädigst ersuchen, daß sie bis anher inrentirtes Kriegsvolk zu Roß und Fuß auf Dcroselben Begehren nicht (nur) allein folgen lassen, sondern anch drei Monate lang erhalten wollen. Weilen ich besorge, es möchte bei Baiern der Krieg in die Hare nicht lang mehr währen, auch mit der Zeit (sich) verschiebliche Änderungen geben, daran jetziger Zeit kein Mensch, oder vielleicht sehr wenig gedenken, bei mir aber (ich) so viel abmessen kann, daß besser und rühmlicher scy, von Gott gegebenen Herren vor allen treulich zu dienen, so wäre dieses eine erwünschte Occa- sion für mich, den Anfang zu machen. »Sollichcs aber in's Werk zu richten, ohne Zuthnn und Hüls meiner fürnehmstcn Patronen, will mir sehr schwer und fast unmöglich fallen, und weil Dcroselben der erste und principalste in meinem Herzen, dem ich auch aus Ursachen am meisten traue, so ersuche ich Dieselben, weil mir wohl bewußt ist, daß Sie für Ihre Person sehr viel, auch durch Mittel Ihrer Freunde, die die nächsten am Brett, wie man zu sagen pflegt, bei Ihrer kaiserlichen Majestät gelten, so will ich (Dieselben gebeten haben), meiner zu gedenken, daß ich zu dem Langerwünschten, Jntcndirten nunmehr einmal gelangen möge, welches ich auch zum Theil bei den 'Krcisständen anbringen lassen. »Meinen Bruder Egon betreffend, kann ich mir die Gedanken nicht malen, daß er sich dort einlassen würde, in andere Dienste sich zu begeben, (was) auch wider seine Reputation scyn würde. Mit Sulz oder Truchseß (wie die Rede geht) wird man Bedenken tragen, aus vielen Ursachen, so Deroselben zum Theil bewußt seyu werden. Weilen nun Deroselben Alles umstäudiglich erfahren, also ersuche ich Sic, mir die Gratia zu erweisen, und meine wenige Person aus fürfallende Gelegenheit befohlen und rekommandirt seyn lassen. Ich habe Graf Hans Georgen von Hohenzollern per i'-agion clo sksto und aus erheblichen Ursachen, so Deroselben lcichtlich abnehmen können, auch geschrieben. Ich thäte es ingleichcn gegen den Herrn von Trautmannsdorf, weilen aber Deroselben nicht allein besser den Herrn bekannt, als ich sonder auch ein sonder- barlicher Freund an Ihnen habe, so übergcb' ich, Dero neben Auerbictung Deroselben meiner ganz willigen Dienste für solliche Willfahr bediene, um Deroselben ich die Tag meines Lebens nach äußersten mein Vermögen, und verbleib', uns allerseits göttlicher Allmacht empfehlend.« ( ) Es scheint, daß Jakob Ludcwigs Wunsch erhört und derselbe bald darauf zu bedeutenden Kricgsgcschäftcn verwendet worden. Das Jahr 1623 sah seine Tapferkeit ganz besonders hervorleuchten, und auch dem Verdienst die gebührende Krone werden. Nach verschiedenen Gefechten, in denen sämmtlich er sich ausgezeichnet, fand er im August bei Lahna im Münster'schen die langersehnte Gelegenheit, als Hanptanführer der kaiserlichen Truppen den alten Muth der Fürstcnberger zu erproben. Die Feinde, unter Herzog Christian von Braunschweig-Lüncburg, wurden hier, wie bekannt, zurückgetrieben und verloren 16 Fähnleins, 5 Korncte und 5 Kanonen, nebst 75 Hauptleutcn. (') Schreiben vom 4. Dezember 1622. F. H.-A. Das Hauptverdieust dieser Entscheidung ward allseits uu- scrm Grafen zuerkannt, und der Kaiser sah sich (ein Jahr darauf) veranlaßt, demselben hiefür eine öffentliche und ungewöhnliche Auszeichnung zu verleihen. In einem Schreibe», darin des uralten Grafengeschlechtes von Fürstcnberg löbliche Thaten und treffliche Verrichtungen in Kriegs- nnd Friedensgcschäften zu jeder Zeit vorangestellt worden, rühmt Ferdinand II. das ganz besonders »tapfere und ritterliche Gcmüth Jakob Ludewigs,« zumal aber den Tag bei Lahna. »Hierum und zur etwas gnädigsten Erkenntniß und Ergötzung erstermeldtcr, seiner getreuen ritterlich eroberten Kriegsthat und noch stets beharrenden getreuen Dienste, verleiht Seine Majestät mit wohlbedachtem Muth, gutem Rath und rechtem Wissen, aus römisch-kaiserlicher Machtvollkommenheit und aus sclbsteigcner Bewegung, Ihrem Rath, Kämmerer und Obristen von Fürstcnberg, so wie seinen ehelichen Lcibeserben die Erlaubnis : auf dem Familicnwappen ein Clainot mit vorangezcigtcu eroberten 16 Fähnlein, 5 Korneten und 5 Stücken Geschütz nebst den zwei Versen : lefnariclils nieritv sie insiANiA oinZit; , PUFNA äoee^! anbringen, und diesen Zuwachs mit allerlei Devisen, Farben und Zierrath umgeben zu dürfen. Der Kaiser erlaubte ihm, in solch verschwenderischer Großmnth, die nichts kostete, dieser Dinge und der Verse »an allen Orten nnd Enden, in allen und jeglichen Händeln, Geschäften und Sachen, geistlichen und weltlichen, nach Ihren Ehren, Nothdurften und Wohlgefallen sich zu freuen, zu gebrauchen und zu genießen, und Jedermaniglich ward verboten, ihn darin zu hindern!« () (') Itescrixt K. Ferdinands II. ä. s. 17. Febr. 1624. (F. H.-A.) Dies würde wohl schwerlich Jemanden eingefallen seyn; aber merkwürdig genug und bezeichnend für die Charakteristik des Geistes und Geschäftsganges der damaligen Staatskanzleien, bleibt es, daß Jakob Ludewig die Urkunde über die im Jahre 1624 für eine Kriegsthat vom Jahre 1623 erhaltene Auszeichnung, selbst im Jahre 1626 noch nicht erhalten hatte und daher zu Ende jenes letzter», vom Lager aus, an den Kaiser erst schreiben mußte, um den patriotischen Eifer des Hofkriegsrathes oder der Histo- riographen, welche die diplomatisch-genealogischen Schnörkel zu besorgen hatten, etwas zu stacheln. (') Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Tilly, welcher den Hanptbcricht über das Treffen bei Lahn nach Wien gemacht nnd Ferdinand zu Belohnung des wackcrn Kriegers aufgefordert hatte, auch die endliche Ausfertigung des Diplomes ihm erwirkt. Wir wiederholen gern eine früher gemachte Bemerkung über den edlen Zug im Gcmüthe des furchtbaren Fcldherrn, bei jedem Anlaß seiner Waffenbrüder Verdienste hervorzuheben und deren Belohnung wie eine eigene Sache zu betreiben. Hierin stand der Wallone hoch über manchen Teutschen jener Periode, welche nicht selten die eigene Mittelmäßigkeit durch Heruntersetzung fremder Vorzüge zu decken gesucht; der Landsmann Tilly's, Johann von Werth, liefert gerade in umgekehrtem Verhältnisse den Beweis hiefür. Auch im Sommer des Jahres 1626 rechtfertigte Jakob Ludewig den ihm vorangehenden Ruf; unter Tilly's Augen beinahe führte er das Regiment an, welches bei Minden mit zur Entscheidung vom 6. Juni gewirkt. In der abgebrannten Vorstadt gelagert, stürmte Fürstcn- berg die Stadt nach drei Tagen der Bedrängniß, welcher k') Schreiben Z. Ludewigs, 6. ä. 23. September. (F. H.-A.) sie beharrlich getrotzt; über 2500 Personen kamen bei dem grauenvollen Blutbade um. Das tiefgereiztc Kriegsvolk achtete keine Gesetze der Menschlichkeit mehr, fiuiägniä cls- lirnnt Ilegss, plsobirntuc- ^oliivi. ( ) Der Graf führte auch, nicht ohne große Gefahren, noch im nämlichen Jahre Verstärkungen der Besatzung von Cassel zu. Er zwang ferner den Landgrafen Moritz zur Abdankung seines Volkes und zur Demüthigung vor dem kaiserlichen Ansehen. G) Einige Zeit hierauf zog er, an der Spitze von 6 Regimentern, vor Göttingen und half diese Stadt erobern. (/) Bei Kalenberg traf er auf den König Christian IV. von Dänncmark, welcher von seltsamem Unglück die ganze Dauer seiner Wirksamkeit hindurch verfolgt, für die ritterlichste Tapferkeit nichts als schimpfliche Niederlagen ärndtete, aber als bürgerfrcundlicher König durch eine Menge liberaler Einrichtungen und Schöpfungen für die eingebüßte Heldenrollc reichen Ersatz leistete. Als Gencral- Feldzeugmeistcr befehligte Jakob Ludewig die Regimenter de Four, Erwidt, Schönberg, Lindelohe, Kurteubach, Kronberg, Bock, Gronsfeld. Das Treffen ward vollständig für den Kaiser gewonnen; die Zahl der ertödteten Feinde war über 1,000; Steucrwalde der nächste Preis des Sieges. Im folgenden Jahre fiel der Graf in's Holsteiu'sche ein, und nahm Crempe durch Kapitulation. In fünf Stürmen fiel Nordhcim. Oldenburg ward um mehr denn 40,000 (') Zdschftl. Nachrichten (im F. H.-A.) (') Ebendieselbe. Vgl. was über diesen Vorfall in Egons VIII. Biographie erzählt worden. — 11 — Reichschaler gebrandschatzt. Die Verdienste Fürsten- bergs in diesem letzter» Feldzug pries Tilly in einem Schreiben an die baierischen Stände. (7) Jakob Ludewig trug, gleich Egon dem Bruder, von seinen Anstrengungen größern Ruhm, denn Gewinn. Er sah sich oftmals in dringenden Verlegenheiten, aus denen des Kaisers langsame Großmuth oder Nechtsgefühl nur spät ihn zog. So wurden selbst von einem durch Kaiser Mathias an G. Friedrich IV. verschriebenen Kapital von 10,000 Gulden die Zinsen dem Sohne nicht bezahlt. Als die, vom Vater übernommenen Glaubiger denselben drängten, sah er sich zu Vorstellungen an den Kaiser genöthigt; indem er diesem sür einen wider Christian IV. errungenen neuen Siege Glück wünschte, und die Hoffnung ausdrückte, daß »K. Majestät alle wiverspanstigen Rebellanten und Feinde dergestalt supprcmirt und gedämmt sehen möchte,« deutete der Graf auf die Güter des im Treffen gebliebenen Obristcn Fuchs als bequemste Entschädigung für seine Ansprüche. Der Erfolg ist uns unbekannt. G) Im Lager vor Lauenburg, unmittelbar nach Eroberung Stimburgs, starb Jakob Ludewig, von der Pest dahingerafft, den 15. November des Jahres 1627. Er verordnete noch vor seinem Ende, daß man die Leiche in dem von ihm gestifteten und erbauten Kapuzincrkloster zu Kicnzheim im Elsaß beisetze. (I Das Wesen dieses Kriegers war noch kraftiger und trotziger, als dasjenige seines Brudes Egon. Schon die Züge auf dem Gemälde, welches von ihm übrig, drücken (') Hdscbftl. Notiz. (') Ebencas. <7) Supplik, 6. <1. Heiligeiiberg, 19. September 1626. C) Die Belege dafür im F. H.-A. v. dems. Dat. solches aus. Er liebte entscheidende und energische Maßregel» , und die Feinde erfuhren seine Nähe nie ohne Schrecken. Man rühmt ihm nach, daß er verschiedene bedeutende Änderungen in der Kriegsmanier vorgenommen, welche daher auch selten des Sieges ihn ungewiß seyn ließen. Das Ungewöhnliche übt jeder Zeit einen sichern Einfluß auf die im alten Gleise verharrenden Menschen, und der, welcher sich selbst schöpferische Kraft zutraut, besitzt sie auch wirklich in allen Krisen der Geschichte. Erbe des Namens und der Güter, aber nicht der Eigenschaften und Verdienste des Vaters, war Franz Karl, geboren den 25. März 1626. Das Schicksal, welches so früh' ihn zur Waise gemacht, sorgte weder für seine Bildung, noch für sein Glück. Obgleich unter der Mutter unmittelbarer Aufsicht und der Leitung seiner gesippte» Tormünder, Vratislaus I, Egon VIII., Karl Ludewig von Sulz n. f. w., entwickelten sich doch in ihm nur wenig geistige Anlagen; auch verhinderten vielleicht die wirren Verhältnisse der Zeit, mehr für ihn zu thun. Ein Hang zn mystischer Frömmelei vernichtete überdies die cdlcrn Keime vollends, und Franz Karl überließ sich bald einem so beschaulichen als unthätigcn Leben, das weder ihm, noch den Seinigen, noch dem Vaterlande Nutzen brachte. Mönche, die Kapuziner zumal, wurden seine vorzüglichsten Räthe und Freunde. Diese vielleicht, in der Hoffnung reicher Erbschaft, bestärkten ihn im Entschlüsse, unvermählt zu bleiben, nachdem er einige Augenblicke sich ermannt hatte, um die Hand der Schwester Johann Lude- wigs von Sulz, seiner Baase, zu freien. Er trat demnach, seiner Liebe reuig und der Weltsrcuden überdrüßig, alle Ansprüche auf sein Erbgut an den Vetter, Hermann Egon von Fü stcnberg-Hciligenberg ab, worunter auch der An- theil auf Werenwag. Die Herrschaft Bnrgbeim war schon früher, in Folge der Wicderlösung von Österreichischer Seite, ihm abgenommen worden. Als Lebensunterhalt bedingte er sich blos die Jahressumme von 3000 Gulden, nebst den nothwendig- stcn Gefällen und Nutzungen. Spater jedoch sah er sich im Falle, um Vermebrung seines Deputates und Übernahme seiner Schulden den Vetter anzugehen. Ein neuer Vergleich kam darüber zu Stande, über dessen Nichterfüllung er jedoch bald Klage beim Reichskammergcricht führen nnd durch eine Entscheidung desselben sicher sich stellen mußte. Die einzige, im ganzen Leben vielleicht ihm gewordene Auszeichnung war, daß der Churfürst von Baiern zum Reichsvikarius ihn ernannte, eine Würde, die er mehr dem Namen, als der That nach, bekleidete. Von Kapuzinern umgeben, ihnen allein nur lebend und nur für sie allein sorgend, starb er den 19. Juli 1698 zu Wolfach. Die Freunde des Herzens waren, zum größten Nachtheil und Verdruß seiner gesetzlichen Erben, in seinem Letztwillen mit verschwenderischer Großmuth bedacht. Jahrzeiten nnd Kaplaneicn bildeten die Hauptpunkte dieses letztern, so wie zweier, dasselbe begleitenden Codizille. Ihre Verse blieben auch sein einziges ruhmloses Denkmal. (') (') Über Franz Karl geben Urkunden und schriftliche Belege vom 14. März 1646 (die Ertheilung der s-wtis durch den Kaiser), vom 9. August (Beschwör, der Hausverträge), vom 2. Juli 16S6 (Cessio» an H. Egon), 18. Juni 1658 (churf. baier'sch. ke-crixt», vom 25. Oktober 1658 (Vergleich), von 1677 (Klage beim R.-K.-Gericht) und 1693 (Testam. Codiz. Stift.) u. s. w. Aufschluß. (Beil. Rro. 603 — 619 i. F. H.-A.) Die Allegativn zahlreicher Prozeßakten u. a. m. übergeben Wir. Die Mutter, Leonorevon Schwendi, I. Ludewigs Wittwe, hatte inzwischen mit Philipp Niklas von der Leye» sich wiederum vermähle, und demselben einen Sohn und eine Tochter geboren. Nachdem sie ihr Testament an den Magistrat zu Freiburg übergeben, starb sie noch in demselben Jahre (1665). — 15 — Zweites Kapitel. Die Stühlinger Linie. — Friedrich Rudolf. (M. Maximilian von Pappenheim und M. Magdalene von Hanau-Lichtenberg.) — Sein Privatleben. — Entführung des Stiefsohns durch die Rheingrafen. — Fr. Rudolfs diplomatische Verrichtungen und Kriegsdienste. — Die Schlacht bei Rheinfel- den. — Verteidigung des Grafen gegen die ihm hinsichtlich derselben gemachten Vorwürfe mud Beschuldigungen. ^)on den Söhnen Graf Christophs II. wurde der ältere, Friedrich Rudolf, wie schon früher bemerkt, Gründer der Stühlinger Linie und damit einer Reihe neuer Vcsttz- thümer und Verhältnisse, aber auch neuer Verlegenheiten und Ungemache für die Familie. Er gehört keineswegs zu den angenehmsten Erscheinungen in der Geschichte derselben, denn sein Charakter in der Grundrichtung und die Rolle, die er gespielt, stimmten mit den herrschenden Grundsätzen des Geschlechtes nicht immer sehr überein, und mehr als ein Beleg ist für die Unlauterkeit, wenigstens einiger frühern Perioden seines Lebens vorhanden. Der Annalist des fürstlichen Hauses darf auch diese Schat- tenpartiecn nicht verschweigen, und er theilt darum offen mit, was ihm darüber bekannt geworden. — 16 — Friedrich Rudolf von Fürstenberg ward sehr wahrscheinlich im Jahre 1602 (') geboren. Seine Mutter, Dorothea von Sternberg und der Oheim Vratislaus der Ältere leiteten als Vormünder seine erste Jugend; die Universität Freiburg im Brcisgau sollte ihm die erfoderliche Bildung und Kenntnisse verschaffen. Er hatte letztere mit seinem Vetter Vratislaus und einigen andern jungen Edlen gemeinsam bezogen; doch schien es, daß er allzufrüh in gefahrliche Zerstreuungen sich einließ, und daß nachmals Hoflcben und Kriegsdienst diesen Hang noch schädlicher für seinen Charakter ausgebildet. Ein gewisser Leichtsinn, ja selbst eine Frivolität, ward bei ihm nebst feinen Wcltma- niercn, in denen und durch die er glücklich war, und oftmals selbst den Verstand der Wachsamern zu seinen Gunsten wiederum zu bestechen wußte, schon beim frühen Auftreten wahrgenommen, und gleich einer der ersten Züge, welche strengeres Urtheil wider ihn waffuen mußten, war ein ärgerlicher Streit mit seinem trefflichen Vetter Jakob Ludcwig. Dieser hatte sein volles Vertrauen ihm geschenkt, und als Gast und Bruder oft in seinem Hause ihn bewir- thet. Aber es ehrte Friedrich Rudolf weder dies Vertrauen, noch die Rechte des Hauses, sondern griff in ein Besitzthum des Herzens ein, das auch dem geringsten Bürger heilig ist. Der Sieger von Lahna und Kalenberg war nicht der Mann, der solche Kränkungen ungestraft duldete. Es kam zu bittern Erklärungen, und als Friedrich Rudolf in seinem Unrechte nicht nachließ, legte der Kaiser selbst sich in die Sache und ließ den Grafen verhaften. Auf Wartenberg saß er sechs Monate lang; sein Körper litt darunter sehr, und noch mehr sein unruhiger Geist. (') Dies wird aus dem Grabstein geschlossen, denn Urkundliche! darüber liegt nichts vor. — 17 — Er sann daher auf Mittel der Befreiung, und sie gelangen. Nach Böhmen geflüchtet, hatte er die Kühnheit, den Monarchen noch um Gerechtigkeit und Genugthunng zu bitten, und für Tilgung zugefügten Schimpfes eine Summe von nicht weniger, denn 100,000 Gulden zu begehren. Der Kaiser, um nicht parteiisch zu erscheinen, beauftragte den Churfürsten Maximilian von Baicrn mit der Untersuchung des Handels. Endlich, im September 1626, erhielt Friedrich Rudolf den Befehl, mit seinen Verwandten sich auszugleichen und inzwischen zu Prag in Person sich zu höherer Verfügung zu stellen. Der bald darauf erfolgte Tod des Beleidigten schlug jedoch jede fernere Untersuchung und Entscheidung nieder. Dieser Vorfall hatte in die Familienverhältnisse mehrseits betrübende Störungen gebracht; der größere oder geringere Anthcil von Schuld der Grafin Lconore bleibt unausgemittelt. (') Wenn Friedrich Rudolf im Punkte der Sittlichkeit schweren Vorwürfen nicht entgangen, so trachtete er doch von anderer Seite durch Talente und Fähigkeiten dem Kaiser und dem Vatcrlande zu nutzen. Er gewann sogar die Gunst des Erster» wieder, wozu freilich der mächtigen Verwandten Fürsprache mit beitrug. Schon einige Jahre vor seiner ckM8e oelsbrs hatte er in raschen Folgen hintereinander die Stellen eines kaiserlichen Kämmerers, eines Rcichs- hofraths, eines wirklichen Kämmerers und eines kaiserlichen Obristlicutenants von Ferdinand II. erhalten; (I fünf Jahre nach derselben von Maximilian aber, welchem sein Äußeres wohl zugesagt haben mochte, diejenige eines Kämmerers, Obcrststallmcisters und Obristen zu Fuß und (') Die unerfreulichen Akten über die Sachen liegen im F. H.»A. (') ^kaiserliche Reskripte ü. n. 1623 und 13. Jänner 1631. I. 2 zu Pferd. Ein Jahr später stieg er sogar zum General- Feldwachtmeistcr empor. (I Als die Drangsale des Krieges schwer auf manchen Gegenden Schwabens lasteten, erhielt Friedrich Rudolf, mittelst besonderer Order an den Obristen von Ossa, Befreiung von allen Lasten des Durchzugs und der Einquartierung. E) Die Verhaltnisse zu Baiern hatten ihn mit angeschenen Familien, die im Lande dienten oder darin ansaßig waren, in Berührung gebracht. Er lernte auch einen Grafen von Pappenheim, Bruder oder Vetter des berühmten Feldherrn Maximilians und der Liga, so wie dessen reizende Tochter, Marie Mar im iliane,(') kennen, welche, als einzige Erbin der Landgrafschaft Stühlingcn und vieler anderer damit verbundenen Besitzungen, eine Menge Frcyer zu fruchtlosen Versuchen schon angelockt. Der Graf von Fürstenberg war der Glückliche, welcher sie als Braut heimführte. Zu Engen ging die Vermahlung mit vielem Prunke vor sich. (^) Er brachte ihr eine Eroberung mit, deren Nichtannahme leicht von den verderblichsten Folgen für ihn hätte werden können. Schon im Jahre 1624 hatte Friedrich Rudolf um die Hand einer Prinzessin von Eggen b er g, Tochter des allgewaltigen Ministers, sich beworben. Sowohl dieser, als der Kaiser selbst waren damit einverstanden gewesen. Auf einmal nun wendete sich das flatterhafte Gemüth des Grafen von der Verlobten ab und zu andern Blumen. Diese Beleidigung, so wie die noch größere, welche durch die endliche Vermählung mit (') Churf. Bestellung im F. H.-A. (') Sckrb. Ferdinands II- an Ossa. -I. ä- 4. April 1KZ0. (F. H.-A.) (^) Aus der Ebe mit Maria Ursula von Leiningen. (") Chepackt vom 27. Februar IKllt. — 19 — der Tochter des Reichsmarschalls der Familie Eggenberg zugefügt worden, lud auf ihn alle Gefahren schwerer Ungnade von Seite der allerhöchsten Personen; denn auch die Kaiserin, nach spanischen Begriffen erzogen und gebildet, pflegte es in solchen Fällen sehr ernst zu nehmen. Fürstenberg, im Arme der schönen und reichen Frau, lachte derselben, und wahrscheinlich wandten seine Bettern, so wie Pappenheim selbst, welchen man nicht so leicht kränken durfte, das drohende Gewitter ab. So ging auch diesmal der Leichtsinn ungestraft ans. Das Bündniß mit dem pappenheim'schen Hause gab Friedrich Rudolfs Sachen neuen Glanz und großes Gewicht. Sein Einfluß bei dem Churfürsten stieg. Mancherlei Sendungen und Geschäfte von Bedeutung wurden ihm nach und nach anvertraut. In die Reihe der erster» gehört namentlich die Botschaft nach Polen, im Jahre 1632. Er hatte zu Krakau im Namen Maximilians und des Churfürsten von Köln die Glückwünsche der Beiden an den neuerwahlten König Sigismund zu überbringen, und aus Auftrag beider Herren mit demselben für die Interessen der Liga zu unterhandeln. (9 Er that es zu voller Zufriedenheit der Betheiligten. Zwei Jahre später hatte er zu Braunau, wohin man durch Estafette ihn berief, mit dem Churfürsten von Baiern eine vertraute Unterredung; die wallensteinische Angelegenheit bildete den Hanptgegenstand derselben, und man suchte um diese Zeit der wirklichen oder angeblichen Verschwörung des Herzogs von Friedland eine hinreichende Masse von andern Streitkräften, als über welche er vertraggemäß den alleinigen Oberbefehlstab bisher geführt, entgegen zu setzen. Es war Friedrich Rudolf, welcher diese (9 Schreiben < l. a. Braunau, 17. Dezember. (F. H.-A.) merkwürdigen Jntrignen zwischen Maximilian, dem Kar- dinal-Jnfanten, dem Konige von Ungarn »nd dem wiener Hofe zu besorgen hatte, Jntriguen, welche von der einen Partei als vorzügliche Ursache des Abfalls, von der andern als Mittel der Nothwehr gegen die Untreue bezeichnet worden sind. Der Churfürst sandte um die Mitte Julis den Grafen an den Infanten, mit der gemessensten Einladung ab, seinen Marsch an der Spitze des nach Teutschland geführten Kriegsvvlkcs, welches bereits bis Jnsbruck gekommen war, ohne weiteres fortzusetzen, durch keine Schwierigkeiten, noch durch Gcgenordrcs irgend einer Art sich abhalten zu lassen und dem gemeinen katholischen Wesen in Teutschland zu Hülfe zu eilen. Der Graf verrichtete das kitzliche Geschäft, der Wachsamkeit Wallcn- stcins und seiner Freunde so ziemlich entgehend, mit Gewandtheit und Sorgfalt. (') Solcherlei Dienste erwirkten ihm für mehr als eine Vcrirrung Nachsicht bei den allerhöchsten und hohen Personen. Noch im Spatherbst desselben Jahres war er auch mit dem so kampflustigen, als unglücklichen Herzog Karl von Lothringen in thätiger Verbindung und er warb für diesen, in Folge erhaltenen Auftrags, ein Regiment Dragoner an, welches jedoch keineswegs verhinderte, daß der Fürst nicht, überall wo er auftrat, schimpflich geschlagen wurde. (') Ein Jahr darauf hatte Friedrich Rudolf das Unglück, seine Gemahlin Marie Marimiliane zu verlieren, nachdem sie ihm zwei Sohne, Maximilian Franz nnd Heinrich Friedrich, geboren, an den Folgen der Niederkunft mit dem letztern aber gestorben war. (') AlS die gesetzliche (') Scbrb. Maximil., ä. g. 12. Iu'i 163-p. (F. H.-A.) (') Sckrb. des Herz. Karl, a. ä. 10. Oklob r 1634. (') Am 16. Oktober 16Zö. (F. H.'A. Nro. 763.) — 21 — Trauerzcit vorüber, fühlte der Graf bereits wieder den Lebensrciz, und er ging (den 8. April IstiZtz) eine neue Verbindung mit der Wittwe eines feindlichen Hanptanfüh- rcrs, des berübmten Rheingrafen Otto Ludwig, ein. Marie Magdalene, gebornc Gräfin von Hanarr-Lich- tenberg, war zuerst mit Graf Lothar von Kriechingcn vermählt gewesen; nach dessen Tode hatte ssc dem Wild- lind Rheingrafcn die Hand gereicht und demselben einen Sohn Johann geboren. Friedrich Rudolfnahm diesen nunmehr an Kindesstatt an und versprach, für ihn bestens zu sorgen. Die Vermählung ging zu Straßburg, im Pallaste des Bischofs, ihres Verwandte», vor sich und der Kom- thur des Johauniter-Ordens verrichtete die Feierlichkeit der Einsegnung. Der Graf sicherte der Braut für das wegen der Heirath eingebüßte Witthum vollständige Entschädigung zu. () Als später sich gezeigt, daß die Neuvermählten im vierten Grade miteinander verwandt, wurden die Bedenken der Kirche durch eine hübsche Geldsumme beschwichtigt. (I Merkwürdig genug hegten die Oheime des Knaben Johann , die Rheingrafen Otto und Georg Friedrich zn Salm, Besorgnisse über dessen religiöse Erziehung. Als eifrige Protestanten hielten sie sich zu Rettung seiner Seele verpflichtet, und der Fanatismus verleitete sie, eine förmliche Entführung zu veranstalten und ein Attentat zu vollführen, das in die mütterlichen und bürgerlichen Rechte gleich stark eingriff. Die beiden Grafen hatten die bestmöglichsten Anstalten (') Auf den Kaufschilling der zu veräußernden Herrschaften in Böhmen. , (') Heur. Abrede vom 4. April 1636. (F. H.-A.) Dispcn» vom 22. Juli 1636. — 22 — getroffen, und die Gäste, die sie zu besuchen vorgaben, in größte Sicherheit gewiegt. Am 18. Juni 1636 fuhren sie, begleitet vom Grafen Johann von Nassau, vor dem bischöflichen Pallaste, verständigen "Wohnung Fürstenbergs in Straßburg, an. Friedrich Rudolf kam ihnen bis an die Stiege entgegen, und führte sie, nach freundlicher Umarmung, in das Zimmer seiner Gemahlin. Der eine der beiden Nheingrafen kehrte jedoch an der Thür um, wie wenn er etwas vergessen und eilte mit seinem Geheimschrciber in das ihm wohlbekannte und zunächst anstoßende Kinderzimmer. Zu gleicher Zeit befand sich bereits ein bestochener Kammerdiener der Gräfin darin, welcher unter tauglichem Vorwand die Wärterin des Knaben auf einen Augenblick hcr- ausrief. Die Entfernung derselben rasch benutzend, trugen Beide die Wiege mit dem (damals etwa einjährigen) Säuglinge fort, die Treppe herunter und in den Wagen, welcher mit Blitzesschnelle davon rollte. Kaum war die Betrogene in das Gemach zurückgekehrt, als sie das Geschehene errieth und die Stelle, wo das anvertraute Pfand geruhet, leer fand. Mit allem Schmerze der Verzweiflung durchrannte sie die Säle und überbrachte der bestürzten Mutter die schreckliche Botschaft. Der Jammer fesselte eine Weile die Zunge; darauf machte der Unwille sich Luft. Marie Magdalene und ihr Gatte schwuren den Urhebern der That blutige Rache. Der eine Rheingraf stand kalt und ernst noch wahrend des ersten Ausbruchs dieser heftigen Gefühle an ihrer Seite und trachtete das Gethane zu rechtfertigen. Die beiden Gatten versuchten erst den Weg der Überredung und trugen das kaiserliche Gericht als Entscheider an. Sie überhäuften darauf den treulosen Freund mit bittern Vorwürfen. Dieser aber erklärte feierlich und stolz, daß er seinen Schritt vor Gott, seinem Gewissen, dem Kaiser und jeglichem Gerichte zu veraut- Worten wissen werde. Und damit verließ er rasch den Saal lind setzte sich, umgeben von einer guten Anzahl seiner Leute, die er mehrerer Sicherheit willen in der Nahe aufgestellt, zu Pferd und ritt ebenfalls von bannen. Die Familie erhob über den Kindesraub bei dem Kaiser bittere Klagen; allein die Bezüchtigtcn waren Protestanten und entschuldigten die That mit religiösen Gründen; daß gegen die Rheingrafen, als Anhänger der Gegenpartei in damaliger Zeitlage wenig ausgerichtet werden konnte, versteht sich von selbst. Die Ergebnisse des eingeleiteten Prozesses sind unbekannt, vcrmuthlich jedoch zum Nachtheil des klagenden Paares ausgefallen. Auch über das fernere Schicksal des entführten Kindes ist nichts in Zeitbüchcrn aufzufinden. () Wenn von dieser Seite her der Ehre Friedrich Rudolfs, in der Eigenschaft als Privatmann, eine tiefe Wunde geschlagen wurde, so empfing er eine noch tiefere durch die Verläumdungcn, welche ihn als Anführer in der berühmten Schlacht bei Nheinfcldcn längere Zeit hindurch verfolgt. Die Schlacht bei Rheinfcldcn, der Hauptwcndepunkt der protestantisch-schwedischen Sachen in der dritten Periode des dreißigjährigen Krieges, durch Bernard von Weimars Hcldenschwcrdt und Klugheit zugleich, unmittelbar nach einer empfindlichen Niederlage, gewonnen, und von dem Übermulh des versailler Kabinettcs den französischen Waffen, ohne irgend eine Theilnahme daran, mit Ausnahme des gespendeten Geldes, zugeschrieben, bildet in französischen und tcutscheu Geschichtbüchcrn jener Zeit einen Gegenstand der mannigfachsten Erörterungen. Die- (') Einige Aktenstücke über dies Gegenstück zu Kunz s. Kauffun- genS That befinden sich im Z. H.-A. - 24 - ses kriegerische Drama zerfällt in drei Hauptparticn; diejenige der ersten Roth der Feste Nheinfclden, welche von Herzog Bernards von Weimar Donnern bis znm Äußersten getrieben ward; sodann die des Sieges der kaiserlichen Feldherren Werth, Savclli, Enckefort und Specrrenttcr; und endlich in jene der glänzenden Entscheidung der Schweden und Tcutschen über sie, nach schon verlorner Schlacht. Alle Berichte stimmen darin übercin, daß die grenzenlose Fahrlässigkeit und Unvorstcht der Feldherren Ferdinands III, den Schlag herbeigezogen; nur Johann von Werth hatte gewarnt und gcrathcn, aber fruchtlos; er hatte vor allem die Besetzung und Vcrtheidigung der Schwarzwaldpässe als das Bedürfniß des Tages vor und nach der ersten Schlacht hingestellt; aber der Kriegsrath der Übrigen ihn überstimmt. Es ward stets die Bemerkung gemacht, daß die ohnehin sehr ruinirten Landlcnte jener Gegend geschont werden müßten. Da die Haupturhcbcr des Unglücks theils^efangeu waren, theils schamroth steh geflüchtet hatten, so suchte man die Schuld aus Dritte zu wälzen. Den Grafen von Fürstenberg glaubte man bei jener unzciti- gen Schonung der Schwarzwälder, in Folge seiner Stellung als Herr eines großen Theils derselben, am meisten im Interesse dieses Schonungssystems, und so stellte man ihn in den Vordergrund. Als rein kaiserlicher Anführer hatte er ein besonderes Kommando über eine einzelne Truppenabtheilung geführt; dieser warf man vor, daß sie nicht in Übereinstimmung mit den übrigen gehandelt, und die Leidenschaft oder die Feigheit suchten Ähnliches bei dem Befehlshaber dieser Abthcilnng. Seinen Fehlern ward somit vorzugsweise der Verlust der Schlacht zugeschrieben, und besonders von München und vom baier'- schen Feldlager aus streute man die gehässigsten und ehrenrührigsten Beschuldigungen theils über die Gesinnung/ theils über den Muth, thcils über die Fähigkeiten des Grafen aus. Der Graf sah sich genöthigt, seinen Ruf in der öffentlichen Meinung zu retten; er sammelte demnach alles, was auf die einzelnen Vorfalle der Doppelschlacht, auf sein Verhältniß zu den übrigen Generalen, auf seine Thcil- nahme an den Operationen und auf Ursachen, Umstände und Folgen der Niederlage Bezug hatte, und was zu seinen Gunsten sprechen konnte. Sowohl die Rechtfertigung selbst, mit welcher er sich unmittelbar an den Kaiser selbst gewendet, als die Dokumente, die er derselben beigefügt, liefern eine Reihe neuer und wichtiger Aufklärungen über die bedeutungsvolle Kricgsthat, und wir freuen uns, durch ihre Mittheilung die Leser in den Stand zu setzen, sich durch genaue Ver- glcichung derselben mit den gedruckten Darstellungen erst recht ein vollständiges Bild des Ganzen verschaffen zil können. (') Die Beschwerden, welche wider den Grafen hinsichtlich der Schlacht und des Verlustes von Rheinfeldcn erhoben worden, erstreckten sich auf folgende Punkte: Erstens warf man ihm vor : die Überlieferung der nach Rheinfeldcn beorderten Waffenvorräthe versäumt und die Festung dadurch außer Stand gesetzt zu haben, noch einige Zeit sich zu vcxtheidigen, denn in diesem Fall wären der Duca di Savclli und Johann von Werth nicht genöthigt Z I l') Die gelungenste und gediegenste unter den bisherigen Erzählungen der Schlacht bei Rbeinfelden findet man in Johann von Werths, aus Quellen behandelte Biographie von F. W. Barthold zu Berlin, 1826 . 8° (sie füllt das 7. und 3. Kapitel). Man vgl. damit die Rezens. von VarnHagen von Ense in den Jahrb. für wiss. Kritik v. I. 1327. gewesen, drei Tage lang still zu sitzen, sondern sie hätten sich zu rechter Frist noch zurückbegeben und mit den im Anzug befindlichen Völkern leichtlich vereinigen mögen. Zweitens erregte der Graf von Fürstenberg durch sein seltsames Betragen am Tage der Schlacht große Verwirrung unter der Armada, da er als Befehlshaber von zwei unmittelbar unter ihm stehenden kaiserlichen Regimentern schlechterdings sich geweigert, von baicr'schen Anführern Orders anzunehmen; dadurch wurde die Einheit der Maßregeln zerstört und die Kraft des Zusammenwirkens gebrochen. Drittens schrieb Friedrich Rudolf als General des Kaisers für seine eigene Person an die Stände, und bewirkte, daß dieselben die nöthigc Unterstützung versagten. Viertens ließ der Gcncral-Fcldwachtmeister der baicr'» scheu Artillerie nichts von seiner Munition, um die er doch angegangen ward. Auch that er bei der ganzen As- faire nicht das Mindeste, was außerhalb des Buchstabens seiner Ordonnanz gelegen wäre. Um die Gcmüther noch mehr wider einander zu Hetzen, erlaubte er sich fünftens, auch gegen den General-Feld- zeugmcister Graf von der Wahl die Äußerung : er, Fürstenberg, sehe wohl, daß es darauf abgesehen sey, die zwei kaiserlichen Regimenter zu Grunde zu richten; und doch sey völlige Übereinstimmung damals im Interesse und Plane des Ganzen gelegen. Der Graf suchte überdies selbst bei der Ankunft des General-Wachtmeisters von der Horst zwischen diesem und den übrigen Feldherren Argwohn und Zwietracht auszusäen. Endlich war es notorisch und jedermann klar, daß Aür- stenberg die ihm anvertraute Stelle eines Generalwacht- mcisters zu beschwerlich gefunden, und in nichts getrachtet — 27 — habe, dem in ihn gesetzten Vertrauen zu entsprechen, daher die öffentliche Meinung jener Stelle ihn für unwürdig erklärt. Gegen diese Vorwürfe vertheidigte der Graf sich also. Was den ersten Punkt belangt, so hatte er, als den 25. Hönning die Armee bei Villingen sich gen Rhcinfelden in Bewegung gesetzt, keinerlei Charge, obgleich die Generalität den am Schwarzwald versammelten Truppen anbefohlen, einen bestimmten Vorrath von Lebens- und Kriegsbedürfnissen, sodann eine Anzahl Saumrosse und einige hundert Bäuerlcins, zum Schanzen sowohl, als zur Bewahrung der Pässe des Schwarzwaldes, zuzuschicken. Friedrich Rudolf kam diesem Auftrage genau nach, und trieb die Stände fleißig zum Vollzuge des Beschlossenen an. Hiefür foderte er den Frciherrn von der Leyen zum Zeugen auf. Beim Aufbruch des Heeres selbst zog er, aufgefordert von Johann von Werth, an der Spitze von k()<) Reitern und 200 zu Fuß, mit der Armada, und vertheidigte, trotz des Umstandes, daß er bei derselben keine bestimmte Stelle bekleidet, den 28. desselben Monats, einen ganz in der Nähe des Feindes gelegenen und dessen Angriffen besonders ausgesetzten Posten mit solcher persönlichen Tapferkeit, daß gewiß darüber gegründete Klagen nicht geführt werden konnten. Gleich auf die Nachricht von der Armeebewegung war im Fürstcnberg'schcn alles Nöthige zu Lieferung des begehrten Proviants vorgekehrt und an die 10,000 Pfunde in das Lager gebracht worden, noch ehe man den Paß an der Wutach überschritten. Diese Vorräthe hätten recht gut dem Heere nachgeführt werden können; doch versäumten die Proviantmeister sogar die nöthige Order hiezu; den Rest hatte man ebenfalls eingeliefert und bis zu neuer Ordonnanz zusammen behalten; aber auch diese ist nicht erfolgt. Für die Pässe selbst war nicht minder eifrig gesorgt worden. Bei Wälschensteinach und St. Blasien wurden tausend bewaffnete Fürstcnberger, für acht Tage lang mit aller Notbdurft versehen, gleich des Tages nach dein Marsch der Armada gen Rhcinfelden aufgestellt; diese Leute har- retcn ungebraucht und unvcrwendet, vor und wahrend der Sä,lacht, bis die Kunde von deren Verlust sie zur Heimkehr bestimmte. Auch bei Löffingen stand eine Anzahl fürstcnberg'scher Unterthancn der Grafschaft, mit Wehr und Waffen ausgerüstet, und man hatte mehr Pferde zugeschickt, als selbst nur gcfodert worden. Wie konnte nun der bei der Hanptarmce anwesende Graf die Dinge veranlaßt haben, deren die erste Beschwerde ihn bczüchtigt? Nachdem das große Unglück am 2. März geschehen, war Friedrich Rudolf der erste General, welchem Savclli und Werth Orders zugeschickt, die auf dem Schwarzwalde zerstreuten Regimenter zu sammeln und bis auf weiteres den Befehl über dieselben zu führen. Hätte er in dem einen oder andern Punkte so gröblich gefehlt, so war es sehr unwahrscheinlich, daß man ihm ein neues Kommando übertragen. Die Handschrift und daS Siegel des Rittmeisters Johann Ede, welcher damals die Regimenter des General- Wachtmeisters Specrreuter und des Obristen Beigott angeführt, liefern zur Genüge den Beweis, daß nicht der Graf, sondern andre, die Schuld trugen, wenn dies Regiment und die Mctternichischen 1(M Musketiere am ver- hänguißvollen Sonntage, wahrend des ersten Treffens sich nicht mit dem Heere vereinigt, sondern, trotz des Umstan- des, daß diese Vereinigung sehr leicht bewirkbar gewesen, (indem jene Truppen ganz in der Nahe, nämlich bei Lauf- fenburg, gestanden, und die Munition auf Saumrossen ihnen nachgeführt wurde,) den Rückmarsch antraten und bis Gillenberg im St. Blasischen ihn fortsetzten, wo sie - 29 - bis zum 2. März unthätig stehen blieben, weil, angeblich, keine Order ihnen zugekommen war. Der Obrist Beigott gab, als Ursache dieses unerklärlichen Benehmens, an: es wäre ihm auf dem Marsche (Sonntags am 28.) bei ausgeschickter Kundschaft ein Marodeur von Jsolanis Regiment begegnet, welcher falsche Orders von Seite des General-Wachtmeisters Enckefort mitgetheilt und zum Rückzug ihn und die Seinigen bestimmt habe. In diesem Entschlüsse sepcn sie um so mehr bestärkt worden, als Montags, den 1. März, eine Menge Verwundeter bei ihnen eingetroffen und die Nachricht mitgetheilt : alles sey verloren; ein Theil niedergehauen, der andere gefangen oder versprengt. Diese Hiobsposten, welche auch am 3. März durch neue Flüchtlinge Bestätigung erhalten, bestimmten Beigott, seine Artillerie und sein Mctternichisches Regiment in Sicherheit zu bringen und demnach bezog er eine Stellung an der Wutach. An demselben Tage noch gegen Abend traf der Generalkommissair son Lerchcnfeld mit 300 oder mehreren Pferden bei jenem Passe ein und gab allem bisher Vernommenen die traurigste Gewißheit, zugleich aber den Befehl, die Artillerie bis Villingen zurückgehen zu lassen; er selbst, mit den Sperreutter'schen blieb in der Umgegend von Bräunlingen, in der Absicht, des Feindes fernere Bewegungen hier zu beobachten und über das Schicksal einiger auf Kundschaft ausgeschickten Parteien Nachrichten einzuziehen. Von St. Blasien aus schrieb der Gencralkommissair sowohl nach Villingen an den dortigen Bürgermeister, wegen Aufnahme von Truppen, als nach Lvffingen an den Grafen. Diesem Letzter» erzählte er die, freilich falsche, Nachricht von Werths und Savclli's Rückzug nach Breisach, von seiner eigenen wun- derähulichen Rettung und forderte Friedrich Rudolph auf. — 30 — sämiiitliche zerstreute Truppen zu sammeln und nach Tübingen zu führen. Diesem Auftrag leistete Fürstenburg am 3. Marz Folge und verließ das Lager vor Rheinfelden; daß die mit zurückgegangenen Regimenter, welche doch am Sonntag mit bei der Armee gestanden, nicht sich vereinigt, und andere mehr, die an jenem Tage schlecht ihre Pflicht erfüllet, flüchtigen Fußes mit Geschütz, Munition und allen Effekten gewichen, in der irrigen Meinung, am Sonntage sey alles verloren gegangen, da doch im Gegcntheil damals Sieg erfochten worden, war nicht des Grafen Friedrich Rudolf Schuld. O Alle Vorwürfe, die man diesem Letztern also gemacht, waren grundlos, und des Feldmarschalls Götz Zcugniß stimmt noch zum Überfluß bestätigend für die Loyalität seines Benehmens wahrend der unglückseligen Ereignisse. Auch gegen frühere Schritte und Handlungen konnte die parteiische Sprache der Baier'schett Minister nichts Haltbares aufbringen; alle Befehle, welche nach verschiedenen Städten in Schwaben wider einzelne Parteien und Kriegsbanden ihn gerufen, wie z. B. nach Rothenburg an der Tauber, Stuttgardt, Urach, Sulz u. s. w. wurden treulich von ihm vollzogen. Er handelte in allem als ein pflichtergebener Diener des Kaisers stets im Interesse desselben, und die leeren Beschuldigungen von Verführung anderer Regimenter zu Ungehorsam und Widerspenstigkeit zerfallen beim ersten Anblick in ihr Nichts. Wenn die Stadt Nördlingen, deren Nichtbcsetzung cben- (') Man sieht, daß die sich durchkreuzenden Berichte und Boten von den Resultaten beider Hauptaffairen und den wechselnden Erfolgen des letzten Tages, im Beginn und Fortgang, die Verwirrung vorzüglich herbeigeführt. — 31 — falls auf seine Rechnung gebracht ward, den chur-baier'- schen Truppen Einlaß verweigerte, so hat nicht der Graf sie zu diesem Schritte verleitet; er handelte übrigens auch bei diesem Anlaß streng nach der Vollmacht des Kaisers. Den fünften Beschwerdeartikel gesteht er in einiger Beziehung als richtig ein; allein baare Unmöglichkeit hinderte ihn, den Regimentern die Quartiere zu verschaffen, welche des Grafen von der Wahl Anordnung bestimmt. Ob er dadurch Konfusion verursacht, und in wiefern Se. Durchlauchtigkeit, der Churfürst von Baiern, ein Recht erhalten, ihn, den Grafen, scharf darüber herzunehmen, bleibe billigem Ermessen hcimgestellt. Die Anklage gestifteten Unfriedens zwischen mehrern Feldherren wird durch die Erklärungen von der Horsts und von der Wahl widerlegt, auf welche Fürstenberg deshalb sich berief. Sonderbar bauchte diesem das Urtheil des Churfürssen, welcher seiner Gencral-Feldwachtmeistcrstelle für unfähig ihn erklärt haben soll. Wenn Se. fürstliche Durchlauchtigkeit eine solche Ansicht hegte, warum vertraute sie selbst ihm einen so hohen Posten an und bestätigte ihn darin? Der Graf, welcher dieser Denkschrift Belege, ausgestellt von allen Personen, die mit den fraglichen Punkten in Berührung gebracht worden, hinzugefügt, schloß sie mit Ausdrücken unbedingter Ergebenheit an das ErzHaus und brachte seine und der ganzen Familie Fürstenberg frühere Verdienste um dasselbe auf.passende Weise dabei an. Vielleicht, daß Friedrich Rudolf bei aller Unschuld in der Hauptsache und trotz der gelungenen Vertheidigung wirklich kleine Verschen sich zu Schulden kommen ließ, in einer Krise, wo selbst Kricgshaupter von Savclli's und Wcrth's Genie den Kopf verloren; allein aus dem Ganzen ergibt sich doch, daß er Opfer einer Kabale werden sollte, und es blickt ziemlich unversteckt die immerwährende Eifersucht des Kaisers und des Churfürsten und der beiderseitigen Truppenführer hervor. Der Graf von Fürstenberg, mit seiner heftigen Natur und seinem witzigen Wesen, inochte da wohl mehr als einmal Stoff genug gegeben haben, um den Funken zu entzünden. Wie mau damals mit einander oft verfuhr, beweist das spätere Beispiel Johann von Werth's selbst, gegen den des Churfürsten Haß so bitter sich richtete. Friedrich Rudolf kannte die Verhältnisse zu gut, als daß er über des Kaisers Gesinnungen lange in Furcht gestanden wäre. Seine Vorstellungen hatten den günstigsten Erfolg, und die Erzherzogin Claudia, welche mächtigen Einflusses sich erfreute, und der er in seiner Sache auch zuschrieb, so wie die Freundschaft mehrerer Mitglieder des Hofkriegsrathes und des Ministers Grafen von Trautmannsdorf trugen nicht wenig dazu bei. (') Friedrich Rudolf hatte so wenig von der Gunst des Hofes eingebüßt, daß schon unterm 16. März, ehe noch seine Rechtfertigung völlig hatte beurkundet werden mögen, der Kaiser selbst, von Preßburg aus, ihm eine Vollmacht sandte, worin sowohl die nunmehr getroffenen Maßregeln zur Deckung der Erblande, des Oberrheins ^ und anderer bedrohten Punkte des Reichs ihm mitgetheilt, als auch umständliche Schilderungen und Belege über die Schlacht vom dritten März gefodert wurden. Ferdinand III. bat den Grafen auf das Dringendste, zur Reorganisation des zersplitterten Heeres und zur Rettung der Festen zwischen Rhein und Donau, vor allem aber zur Behauptung Breisachs, sein Möglichstes beitragen und den übrigen (') Vgl. über diesen ganzen Handel die merkwürdigen Aktenstücke in den Beilagen zu Ende dieses Bandes. — 33 — Generalen an die Hand gehen zu wollen. Das Kommando über die sämmtlichcn kaiserlichen Truppen, welche in den Gegenden von Rheinfelden und gegen Schwaben aufwärts und den Rhein herunter zu zerstreut etwa sich aufhielten, ward ihm bestätigt. Etwas befremdend klingt in dem Rescript die Stelle, wo der Kaiser dem Grafen einschärft, »den Kriegskonsiliis fleißig beizuwohnen, und die darauf folgenden Erekutiones allemal an seinem Orte also mit vollführen und verrichten zu helfen, wie es von einer Zeit zur andern die Kriegsläufc und Occasiones erfodern, und des Kaisers und des heiligen Reiches Dienst mit sich bringen würden.« Diese Stelle war vielleicht eine Folge der damals schon in Umlauf befindlichen Gerüchte, und eine Art väterlicher Warnung für den Betreffenden. Die Festung Breisach ward ihm wiederholt auf's Angelegentlichste empfohlen; falls solche nicht mit allem Notwendigen versehen sey» würde, so sollte der Graf in Person sich dahin verfügen, und in Gemeinschaft mit dem Herrn von Rhcinach, welcher in der Doppclschlacht eine ehrenvolle Rolle gespielt, alles für Rettung des importantcn Platzes versuchen. Ferdinand wies zu den Kosten für laufende Bedürfnisse die 20,090 Dukaten an, welche die spanischen Minister vor Kurzem erst an den Duca di Savclli geschickt, und von denen man hoffen dürfe, daß sie unter dem hiuterlassenen Gepäcke desselben, vielleicht in Brcisach selbst, wohl noch zu finden scyen. Lebensmittel könnten wohl am gelegensten und wohlfeilsten aus der Schweiz in jene Festung gebracht werden. Der Kaiser empfahl Friedrich Nudolfen am Schlüsse des Schreibens noch sehr die Rettung der »tapfern Leute von Rheinfelden,« welcher Platz damals noch nicht gefallen war; auch hiefür soll er im genauen Einverständ- uiß mit Rhcinach und andern Feldherren handeln. Der Hl. A - 34 - Rest des Schreibens betraf frische Werbung und Provian- tirung. Unter demselben Datum erließ der Kaiser auch zugleich an die Truppen selbst, deren Anführung er Für- stcnberg übertragen, eine gemessene Order, in allen Dingen diesem Gehorsam zu leisten. (') Obgleich nun später Ferdinand doch einige Zweifel in des Grafen Benehmen an den vielbesprochenen Tagen gehegt zn haben schien, da die Klagen und Zuflüsternngen sich verdoppelt, so nahm er dennoch die Vorstellung, deren Hauptinhalt wir oben mitgetheilt, sehr gnadig auf und erklärte in einem freundlich abgefaßten Reseriptc an den Präsidenten des Hofkricgsraths, so wie in einem Schreiben an den Churfürsten von Beuern ausdrücklich : er sinde sich von der Unschuld des Grafen von Fürsten- bcrg, in Folge genau entwickelter Thatsachcn und gründlich vorgelegter Beweise, völlig überzeugt, halte die erhobenen Beschwerden für ein Werk persönlicher Leidenschaft nnd alles Grundes entblöst, versicherte, daß er den von Fürstenberg auch ferner in Gnaden erhalten werde, und empfahl ihn dem Hofkriegsrathe zur Beförderung bei der nächsten, sich ergebenden Gelegenheit. (') Diese Gelegenheit ergab sich auch bald; noch im Oktober des Jahres 1639 vertraute Ferdinand Friedrich Rudolfen eine wichtige Sendung an den Grafen von der Golz an; im März 1639 ernannte er ihn zum Mitglied? des Hofkricgsrathes, was bei den Neidern und Eh- renfeindcn Fürstenbergs kein geringes Aufsehen machte. Alles Frühere, das man gegen ihn versucht, ward dadurch feierlich Lügen gestraft. ' ^ (9 Vgl. dieselben Beilagen. (') Vgl. ebendieselben. Das Reskript hierüber und ein Brief G. Breuwers an Friedrich Rudolf in den Beilagen. Drittes Kapitel. Der pappen he im'sehe Erb streit. - dolfs fernere Schicksale bis zu ^)as dritte, bei weitem schwerste Unglück jedoch widerfuhr dem Grafen Friedrich Rudolf dadurch, daß er nebst seinem Sohne mit in den traurigen Rechtsstreit über das pappcnhcim'sche Erbe verwickelt wurde, ein Erbstrcit, welcher lange Jahre hindurch die Reichsgerichte ermüdet, ungeheure Stöße von Akten aufgehäuft, das Leben mehr als einer Familie verbittert und die Hauptintercssenten beinahe an den Bettelstab gebracht hat. Schreiende Urkunden von Willkühr des Stärkern, Parteilichkeit der Rechtspflege und Regellosigkeit in den Rcichsgesetzen gehen daraus hervor, und derjenige, welcher die Geschichte dieses Prozesses von Anfang bis zu Ende durchzustudiren sich zur Aufgabe setzte, würde sicher die Luft und die Kraft zugleich, für ein zweites Wagniß der Art, für immer einbüßen. Aus Schonung für den Leser, wie für uns selbst, theilcn wir daher nur die Umrisse mit. Über die Landgrafen von Stühlingen, deren Be- sitzthnm im 17. Jahrhundert Objekt des Streites geworden, sind nur spärliche Berichte mehr vorhanden. Man findet in Chroniken und Genealogien (') die Namen Ge- - Friedrich Rtt- seinem Tode. (') Hanptquelle dafür ist die Geschichte vom Ursprung dcS Klosters Rheinau, welche in späterer Zeit gedruckt erschienen. rnng und Otto, und hat Ursache zu glauben, daß der zweite, welcher um 1241 noch auftritt, der letzte des Geschlechts der Stühliuger gewesen. Die Grafschaft kam sofort an Kvstniz das Hochstift, vermuthlich in Folge frommen Vermächtnisses. Von dem Hochstift, unter Bischof Eberhard, wurde sie, Schloß und Herrschaft, an die Grafen von Lupfen als Lehen übertragen. (') Heinrich von Lupfen war mit einer Schwester des letzten Grafen von Küssaberg (') vermahlt gewesen. Nach dem Aussterben dieses Geschlechtes Erbe seiner Besitzungen geworden, davon jedoch der größere Theil schon zuvor an Konstanz verkauft worden, traf er mit dem Hochstift einen Vergleich, mittelst dessen Küssaberg diesem letztern verbleiben, Heinrich jedoch mit der Landgrafschaft Stühlingen belehnt werden sollte. In der Folge verlor das Bisthum das direkte Eigenthum darüber, aus welchen Gründen, ist nicht ansgemittelt, wohl aber ist urkundlich erwiesen, daß die folgenden Grafen von Lupfen mit der Landgrafschaft Stühlingen und der Herrschaft Hohen Howen, als Pertinenzstückcn derselben, von Kaiser und Reich die Belchnnng erhielten. Schon im 14. Jahrhundert besaßen die Herren von Howen die Herrschaft, welche ihren Namen tragt. Von Schulden gedrangt, verpfändeten sie jedoch dieselbe gerade um diese Zeit (1398), um die Summe von 28,800 Gulden (') Utk. vom 1Z. März 1Z51 bei 6a// Alonuinent. ^.vecckot. (') Auch über diese Geschlechter hat der wackere junge Gelehrte, Z. Bader von Thiensen, anziehende Monographien im freib, Unt.-Bl, geliefert. Oer Verf. hält es für seine Pflicht, auf dieses aufkeimende Talent, welches durch Mangel an - Pflege dem Vaterland zu Grunde zu gehen droht, aufmerksam zu machen. — 37 — an Herzog Leopold von Österreich; unter ausdrücklichem Vorbehalt der Wiederlösung. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts (1406) überließ ste Erzherzog Friedrich den Lupfen um 13,610 Gulden pfandweise; Kaiser Sigismund crtheilte dem Grafen Hans feierlich die Belehnnng damit, so wie mit der Landgrafschaft Stühlingcn gemeinschaftlich (1415, 1418). Zu Ende des 16. Jahrhunderts, nach dem Absterben des letzten Grafen von Lupfen, fielen die Ge- sammtbesitzungcn (Stühlingen und Höwen) , in Folge früherer, unter sehr beschwerlichem Titel erthcilter Anwartschaft, an das Haus Pappcnheim (1572). Diese Besitzungen fielen aber erst 10 Jahre nachher (1582) nach dem Absterben des Grafen Heinrichs von Lupfen — des Letzten dieses Stammes — an das erwähnte Hans, welches ein Jahr darauf (den 30. September 1583) von Kaiser Rudolf II. damit belehnt wurde. Allein eine Reihe von Leiden nur eröffnete sich mit dieser Vergünstigung, da die Immission ihr nicht nachgefolgt war. Die tupfen'- schen Allodial-Erben, vorgestellt in der Person des Vor- münders Graf I. Ehr. von Mörsbcrg und Befort, welche auf den Grund der Trennung des Allods vom Lehen (1590) klagend wider Pappcnheim aufgetreten waren, und in der That von Seite des Reichshofrathes einen, durch Würtembcrg dienstfrenndlich vollzogenen Sequester erhalten hatten, hinderten ste nicht nur im Besitz, sondern selbst im Antritt des Besitzes. Der Erbmarschall, dessen Beschwerden und Gründe nirgends Gehör fanden, beschloß, Gewalt mit Gewalt abzutreiben, und widersetzte sich förmlich der würtcmbcrg'schcn Dazwischenkuuft. Allein er ward durch den Stärkern übermannt, verhaftet und nach Tübingen geschickt. Dort büßte er seine Unvorstcht dreizehn Jahre lang, bis der wohlthätige Tod von seinen Drangsalen und von der Caducitätsklage zugleich ihn befreite (1603). Kaiserlicher Seils war man, nm eine» Schein des Rechtes doch noch zu ehren, folgendermaßen verfahren: Man hatte eine'Kommission ernannt, welche vorläufig den Zustand der Vermischung von Lehen und Allod untersuchen, und eine so vollständige und genaue Sonderung der Gegenstände beider erwirken sollte. Diese Kommisston ging jedoch von also parteiischen Voraussetzungen und überspannten Rcchtsthcoricn aus, daß nichts bei der Sache erzielt und im Jahre 1589 das matte und zweideutige Er- gcbuiß bekannt gemacht ward : die über jede Einrede erhobene Lehens- oder Eigenthums-Gegenständc müßten zwar den betreffenden Vasallen zugcschicden, alles übrige jedoch, auch nur von weitem Zweifelhafte oder Widerspruches Fähige fcruerm Sequester unterworfen bleiben, auf so lange, als nicht die Parteien die nöthigen Belege hiefür zu ihren Gunsten beim rheinischen Kammcrgericht eingegeben und dessen Entscheidung erhalten haben würden. Die Parteien gaben nach Kräften ein; aber das rheinische Kammergericht, nur in einem solchen, lockenden Falle ungenügsam, gab niemals eine Entscheidung. Der einzige Sohn Konrads von Pappenheim, Maximilian, blieb Erbe seiner Ansprüche und seiner Schicksale. Zwar gab der Kaiser der dringenden Verwendung mehrerer Churfürsten endlich nach, und belehnte ihn mit Stühlingen und Hohenhöwen; allein dadurch ward nur der Grund zu neuen Wirren gelegt (1605). Rudolf II hatte vier Jahre zuvor dem Fürsten Karl von Lichtenstein die Anwartschaft auf das — seiner Meinung nach — eröffnete Reichslchen ertheilt, jener aber seine Rechte an Friedrich von Fürstenberg abgetreten. Kaum war Kaiser Mathias, welcher den Pappenheim begünstigt, todt, erschien das ErzHaus seinerseits mit Ansprüchen guf die Landgrafschaft, und vereitelte, indem es - 39 einen weitausschendcn und kostspieligen, auf den langsamen Untergang des Gegners berechneten Prozeß veran- laßte, die versprochene Belehnung bis znm Jahre 1630. Den lupfischen Allodial-Erben, welche den ersten Spieß in diesen Krieg getragen, war es ihrerseits eben so wenig geglückt, den Sequester von den Gütern gehoben zu sehen, die sie mit so vielen Nechtstiteln angesprochen zu haben vermeint. Der Graf von Mörsberg, von Überdruß darob erfaßt, hatte alle Ansprüche deshalb (1603) an Pappen- heiin um die Rundsumme von 100,000 Gulden abgetreten. , Alle Bediiiguisse der Bclehnung waren von Letzten» erfüllt, alle Belege für die Separation der Lehen und Allo- dicn dargereicht; aber es war Osterreich nicht um deren Separation, sondern Vereinigung zu thun. AHan verschleppte die Urkunden, welche Eigenthum der Parteien waren, von einer Stadt in die andere, und entzog jenen dadurch die einzigen Rechtsmittel; man zögerte mit Einvernahme der Zeugen; als alles dies noch nicht hinreichend schien, wußte man gewandt die Thätigkeit des i Rcichsfiskales zu lähmen. Der neue Kaiser, vielleicht in Hinsicht auf die übrigen Verdienste des Hauses Pappen- Heim, hatte sich zwar endlich zur Belehnung des Grafen Mar verstanden, den österreichischen Hauptprozeß in der Urkunde aber ausdrücklich sich vorbehalten. Es war also in der Sache so viel als nichts gewonnen. Das persönliche Betragen des Marschalls aber verstärkte glücklicherweise die Vorthcile und die Rechtsgründe seiner Feinde. Das Gefühl erduldeten Unrechts war in ihm nach und nach vorherrschend und zu unversöhnlichem Haß wider den Bedränger gesteigert worden, also zwar, daß er dem l Hause Österreich und der Liga, in deren Vcrtheidignng sein tapferer Vetter so ruhmreich bei Lützen fiel, wo er's vermochte, Schaden zu stiften und Feinde zu erregen suchte. In diesem Geist übernahm er eine Gesandtschaft für die Krone Schweden an die schweizer'schen Eidgenossen, um sie zum Eintritt in die Union wider Österreich zu vermögen. Ein solcher Schritt ward von den Ministern Ferdinands II. natürlicherweise begierig aufgefaßt, um den Rechtsstreit und die Persönlichkeit mit einander zu vermischen und durch eine Fiskalklage und einen Felomeprozeß den Mangel an haltbaren Gründen wegen Stühlingen zu decken. Der Kaiser gab Befehl zur Verhaftung des Grafen, welcher jedoch diesem Loos zu entgehen und durch anhaltende Verwendung seines Eidams von Fürstcnberg Sicherheit für seine Person zu erwirken wußte. Immerhin standen die Sachen aber so, daß keine Möglichkeit günstiger Ergebnisse und nur eine neue Reihe von Kosten, Verwicklungen und Verfolgungen vorauszusehen war. Pappenheim, derselben überdrüßig und des Schicksals seines Vaters eingedenk, faßte daher den Entschluß, zu Gunsten Friedrich Rudolfs, dessen Einfluß bei dem österreichischen Hof er kannte, gegen Übernahme einer Schuldenlast von 180,000 Gulden, auf die Herrschaft Ho- hcnhöven zu verzichten. Fürstenberg setzte den Kaiser vom geschlossenen Vergleich in Kenntniß, und bat um die Investitur mit sämmtlichen lupfischen Reichslehcn. Da er ohnehin der nächste Erbe derselben in ovsntnin bisher gewesen, so schien die Sache geringen Schwierigkeiten unterworfen. Allein die Genehmigung des allerhöchsten Hofes erfolgte nicht, so günstig man im Übrigen.auch für den Grafen gesinnt war. Mittlerweile war der Rcichsmarschall längst gestorben, nachdem er den minderjährigen Maximilian Franz von Fürstcnberg zum Erben seiner gcsammten Vcrlassenschast eingesetzt, und Friedrich Rudolf glaubte unbedenklich, seines doppelten Rechtes gebrauchen zu können. Er ergriff Besitz von der Landgrafschaft und der Herrschaft. Allein der Fiskus machte heftige Einwendungen und stellte beharrlich die Federungen Österreichs entgegen. Der Kaiser, Interessent und Richter in einer und derselben Sache, fällte den Bescheid : »Die streitigen Lehen sollen apprehendirt, die Alsodien separirt, von Fürstenberg administrirt und darüber Rechnung präsentirt werden.« Vergebens erhob der Graf die bündigsten Vorstellungen gegen das parteiische und ungerechte Urtheil: er hatte wider sich drei Gegner zugleich; das ErzHaus, welches seine Ansprüche aus ehemals bestandenen Schenknngs- und Pfaudschaftsverhält- nissen herleitete, die pappcnheim'schen Agnaten, gestützt auf das kaiserliche Anwartschaftsdekret vom 23. Oktober 1572, und, hinsichtlich der Allodien, auf das Vorhanden- sepn einer fideikommissarischen Verordnung, kraft welcher die pappenheim'schen Töchter nur nach gänzlichem Aussterben des Mannsstammes in der Familie zur Erbschaft gelangen konnten, und endlich die eigenen Sippen von Heiligenberg (durch die lichtenstciner Verzichtleistnng mit eingetreten) aus verschiedenen anderen mehr oder minder haltbaren Rechtsgründen. Friedrich Rudolf, um nicht in andern Dingen Einfluß und Gunst einzubüßen, versuchte nun den Weg des Vergleiches, und brachte zuerst die Heiligenberger durch eine Abfindungssumme von 75,000 Gulden zur Ruhe, wobei jedoch die Bedingung gemacht ward, daß auf den Fall gänzlichen Mißlingens in der vorbehaltenen Fortsetzung des Rechtsstreites mit Österreich jene Summe zurückgestellt werden sollte (1655). Vier Jahre später kam unter seinem Sohn Maximilian Franz ein Endvergleich zwischen Für- stcnberg und Österreich zu Stande. Es zahlte erstercs eine Summe von 36,000 Gulden, und nahm ein Jahr später (1660) für jetzt und künftige Zeiten die Landgrafschaft und die Herrschaft aus den Händen des letzter» als Afterlehen an. Der Hof verzichtete auf mehrere seiner beschwerlichen Nebcnfoderungen, bestimmte einen bescheidenen Le-- heutar, und ließ endlich den Akt der Investitur das Jahr daraus vor sich gehen. Es war der Erzherzog Karl Ferdinand, welcher als Bevollmächtigter des ErzHauses dabei erschienen. Auch mit den pappenheim'schcn Agnaten ward durch den Bischof Marquard von Eichstädt ein gütlicher Austrag vermittelt. Sie begnügten sich mit einer Rundsumme von Schststst Gulden und mit der Verzichtlcistung ans Ro- tensteins und Caldens; dafür traten jene nicht nur ihre Ansprüche auf Stühlingen und Höwen, sondern auch auf die erkauften Allodialieu ab (1669). Der Kaiser, Leopold I-, bestätigte das Geschehene durch eine eigene Urkunde darüber. Solches Ende nahm ein in vieler Hinsicht unmoralischer und bedauernswürdiger Rechtsstreit, welche» die materielle Übermacht des Stärker» wtder Titel und Gründe des Schwächern geführt. (') Die Geschichte der Rechtsverletzungen, die in diesem gegebenen Fall einen so merkwürdigen Beitrag gefunden, wird in ncuern Zeiten, wo Theorie und Eroberung mit historischem Rechte gleich willkührlich schalteten, noch seltsamere Bereicherung erhalten, welche aus Liebe des Friedens hier verschwiegen wird. Ein Besitz von geringer Bedeutung, der jedoch, weil (') Die einzelnen Urkunden zu dieser geschichtlich-staatsrechtlichen Abhandlung, welche nach dem merk'schcn dlss. und nach einer sehr gründlichen Archivalauskunft des verdienstvollen Herrn Hvfraths Schlosser zu Donaueschingen hier gegeben worden, liegen im F. H.-A. Wir halten die namentliche Citativn aller für überflüßig. — 43 auf neutralem Gebiet erworben, in Jahren der Kriegs- bedrängniß Sicherheit und Bequemlichkeit darbot, war der des Schlosses zu Feuerthalm, auf der zürich-schaffhau- sischeu Grenze. Auch dieser ward von den Pappenheimö um leidlichen Preis gewonnen. Nachdem des Grafen eigener Streit geschlichtet war, hatte er mehrmals Gelegenheit, fremden zu schlichten; so z. B. im Jahre 1642 denfeuigen Georg Ludwigs von Speth zu Zwcifalten mit seinen empörten Unterthanen von Gamertingen, wozu er eine besondere Sendung vom Hofe erhalten. (I Das große Palati nat, welches um dieselbe Zeit ihm zu Theil geworden, (I mochte zwar seinem Ehrgeiz schmeicheln, konnte aber vor den Unannehmlichkeiten und Gefahren nicht sichern, welche das oft wechselnde Kriegesglück in seinem Gcfolg mitbrachte. So erlitt er bri Gelegenheit der Einnahme von Prag durch die Schweden unter Königsmark schwere Mißhandlung. Mehr als zwanzig Kugeln fielen während der Beschießung in sein Gemach, und eine derselben verwundete ihn leicht. Als die Feinde endlich siegreich und plündernd eingedrungen, zogen sie, nachdem sie aller Baarschaft, Kostbarkeiten und tragbaren Mobilien ihn beraubt, buchstäblich bis auf's Hemd ihn ans, unter gräulichen Drohungen, und schleppten ihn als Gefangenen und Geisel so lange mit sich herum, bis er durch 4,vl)<) Reichsthalcr sich zu lösen verhieß. (I Es ward zu diesem Behuf in die Landschaften geschrieben und die getreuen Unterthanen von Wolfach, Haslach und Neustadt thaten, trotz der damaligen Verarmung und Kriegs- (') Schrb. K. Ferdinands III. -I. U. Wien. 17. Nov. (F. H.-A.) (') ^urs-l Null» cl. cl. 10. Nov. 1S42. (F. H.-A.) ft) Belege hjesur im F. H.-A., Nrv. 784. - 44 - vpfer, durch ansehnliche Beiträge ihr möglichstes zu bal- diger Befreiung ihres Herrn. (') „In Fährten und in Nöthen zeigt erst das Volk sich acht, Drum soll mau nie zertreten sein altes gutes Recht." (') Nach seiner Befreiung erhielt Friedrich Rudolf noch verschiedene Beweise von Auszeichnung aus allerhöchsten Händen, darunter wir blos die Ernennung zum Obrist-Fcld- zeugmeister anführen wollen. (') Doch überlebte er dieselbe nur noch vier Jahre, denn ein anhaltender Keuchhusten raffte ihn den 26. Oktober 1655, während seines Aufenthalts zu Datschütz in Mähren, in einem Alter von 53 Jahren und 6 Monaten, dahin. Man bewahrt seine Eingeweide in diesem Orte; die übrige Leiche im Kapuzinerkloster zu Haslach. Der Grabstein meldet prunkvoll seine Verdienste. (I Die geheime Geschickte des Hauses gewährt über die spätern Lebensperioden Friedrich Rudolfs keine der betrübenden Aufschlüsse mehr, welche die frühere verunzieren. Vielleicht ließ der Ungestüm der Jugend im Drang der Geschäfte und im Ernst der furchtbaren Verhältnisse nach, welche in sein Leben gefallen. Auch mag der pappenheim'sche Prozeß manches zu Abkühlung der wildesten Flammen beigetragen haben. Von den beiden Söhnen Friedrich Rudolfs aus erster Ehe mit Marimilianc von Pappenheim blieb Marimi- lian Franz der Stammherr; Heinrich Friedrich starb den Tag nach seiner Geburt, am 13. Oktober 1635; die Kinder aus zweiter Ehe mit Magdalene von Hanau-Lichtenberg waren nachstehende: l') Urk. darüber im F. H.-A., Nro. 785>>. (') L. Ubland : Eberhard der Greiner. ich Kaiserl. Patent vom 20. März 16S1. (F. H.-A.) (^1 Schriftl. Nachr. im F. H.-A., Nro. 7S6. 1. Franz, geboren 17. Juli 1636, 5 noch in demselben Jahre; 2. Ferdinand Anselm Eusebius, geboren 17. Juli 1637, 1- in demselben Jahre; 3. Maria Franziska, geboren 7. August 1638, vermahlt mit Hermann Egon zu Fürstenberg-Heiligen- bcrg; 4. Leopold Adam Ludewig, geboren 6. Mai 1642, 1 13. August 1643; 5. Katharina Elisabeth, geboren 27. April 1643, in demselben Jahre. Es fehlte nicht an unangenehmen Störungen zwischen Magdalenen und dem Stiefsohne Maximilian Franz; doch verglichen sie zuletzt sich in Gute und ein Jahrgehalt von 2,566 Gulden, durch letztern ihr ausgeworfen, erledigte alle ihre Federungen und Ansprüche. Die Wittwe Friedrich Rudolfs und Gemahlin dreier Männer, starb, nach sattsam genossenen Lebensfreuden, in hohem Alter, (') und eine Reihe frommer Stiftungen, beim Herannahen des Todes gemacht, entfernte feden Skrupel über das Zuviel jenes Genusses. Sie liegt zu Frickenweiler begraben; dahin hatte sie, die unter drei Fricdensstätten, zwischen den Grabern dreier Freunde, zu Wahlen hatte, ausdrücklich begehrt. (') Im 73. Jahre, den 22. Februar 1673. Testament 4. 4. 16. Marz 1670. F. H.-A., Nro. 791. Viertes Kapitel. Maximilian Franz l. (M. Magdalena von Beenhausen) — Leopold Marqnard. — Seine Theilnahme am Türken- und Franzosen-Kriege. — Sein Fall bei Mainz. ^Maximilian Franz, geboren den 12. Mai 1634, mitten in einer heftigen Krists, welche den Eltern mannigfache Gefahren drohte, konnte nur ans vielen Umwegen, mittelst eines verkleidet nach Schaffbausen gebrachten Priesters, getauft werden. Denn man hielt, vor den Feinden flüchtig, die das Land überschwemmt, in dem neutralen aber protestantischen Schaffhauscn stch auf, wo die Gegenwart eines katholischen Seelenhirten allgemeinen Allarm verursacht haben würde. Der römische König (nachmals Ferdinand III ), der Churfürst von Baicrn und der alte Pappenheim hoben das Kind aus der Taufe. In den Jahren 1642 — 1644 sandte man den Knaben zu den Vätern der Gesellschaft Jesu nach Dillingcn und spater (1645 — 1649) nach Konstanz, wo er, unter besonderer Leitung beigegebcner Hofmeister, Gymnasium und Lyzänm mit Eifer und Erfolg besuchte und vollendete. Seine Bildung vollendeten Reisen, und zwar durch protestantische und katholische Länder hinter einander, als Holland, Belgien, Frankreich und Italien. Das Klima dieses letztern drohte ihm zu Rom mit Lebensgefahr; aber die kräftige Natur siegte, und er traf im Jahre 1653 im Kreise seiner viel- gcangstigten Familie wieder ein. In den entscheidenden Augenblicken auf dem Siechbette hatte er der wunderthatigen Jungfralk zu Vrctto eine Kapelle im Vaterland angelobt. Er hielt schon des Jahres darauf Wort, um so mehr, da er inzwischen durch den Tod des Vaters und mit Einwilligung des Kaisers, trotz seiner noch nicht erreichten Volljährigkeit, zur Verwaltung der zugefallenen Landschafi- tcn gelangt war. (') Die neuen Verhaltnisse bestimmten ihn zu ungesäumter Vermählung; seine Wahl traf das Fräulein M. Mag- dalcnevonBcrnhauscn, Tochter Wilhelms von Bern- Hausen und der Dorothea von Blarer von Warteilsee. Die Agnaten von Fürstcnbcrg betrachteten anfänglich diese Verbindung als eine Mißheirath, und legten bedeutende Hindernisse in den Weg; mit Unrecht: denn wohlverstandene Neichsgesetze, vielfache Beispiele und das Alter des den Reichsfreihcrrcn ebenbürtigen, in der Schweiz blos eingebürgerten Patriziergcschlechtes der Blarer stritten wider diese Annahme. (°) Maximilian Franz setzte es durch, und er sorgte wie ein (') Urkunden, Nro. 804 (Beschwör, der Hauspakten), Nro. 803. (') Eine Menge österreichischer und schwäbischer Edlen hatten, mehrerer Sicherheit und Bequemlichkeit willen, bei den Eid» genossen das Bürgerrecht nachgesucht, und zwar um so unbedenklicher, als selbst Fürsten von Bedeutung ähnliches gethan. Damit hatten ste zwar für die betreffenden Slädte und Kantone keine Vorrechte (wenigstens damals noch), aber auch für ihre übrigen Verhältnisse zum Reich keine Nachtheile erhalten. Ihr Rang nach Außen blieb derselbe, und somit konnte obige Heirath nicht in die erwähnte Kategorie fallen. — 43 — Ehrenmann für seine Gemahlin, (') hinsichtlich ihrer gegenwärtigen nnd zukünftigen Verhältnisse. Am Kaiscrhof nnd bei den Prinzen fand er Auszeichnung mannigfacher Art; die Stelle als Kämmerer und Hauptmann der Leibwache Erzherzog Ferdinand Karls gehört darunter. (') In dem Türkenkriege von 1664 diente er als Obrister der schwabischen Kreistruppen zu Pferde, nnd die Stände anerkannten die darin erworbenen Verdienste durch ein kostbares Geschenk. Man drang in ihn, gemeinsamer Sache auch ferner sich zu unterziehen. (') Als kaiserlicher Prinzipalkommissair nahm er allerlei Lehenakte von Wichtigkeit vor. Des Monarchen Großmuth warf hiefür eine Pension ihm aus, welche aber erst in späterer Zeit den Erben des Grafen, nach vielfach vergebenen Schritten ausbezahlt worden zu seyn scheint. <^j Sonst findet man von Maximilian Franz nichts erhebliches aufgezeichnet, als daß er das Kloster Neustadt im Jahre 1669 gegründet und die Besitzung des straßburgcr Hofes bei Wolfach erweitert hat. Seine Leidenschaft für rauschende Instrumente, zumal die Trompete, gehört mit allen bizarren Anekdoten, welche sie begleitet, mehr in die Geschichte der Tonkunst, als in die Annalen des Geschlechts. Der Graf nahm ein unerwartet tragisches Ende. Denn als König Ludewig XIV. seinen feierlichen Einzug in das vom Reich gerissene Straßbnrg hielt, wollte jener in aller Eile dem Gefolge, das dem neuen Beherrscher zum (') Urk. vom 16. Oktober 1656. 1. Zuli 1657 und 14. September 1662. F. H.-A. Nro. 805. 306 und 310. l') Nro. 808. (') Beil. Nro. 812, 813 und 314. C) Nro. 319-. - 49 - Willkomm entgegen ging, sich anschließen; er verwickelte sich jedoch mit seinen Sporen, fiel die steinerne Treppe seiner Wohnung herunter und brach den Hals. Dies geschah am 24. Oktober des Jahres 1681. (I Er ward zn Haslach beigesetzt und hinterließ folgende sieben Kinder, deren Schicksal wir hier kurz andeuten: 1. Jsabclla Maria Magdalena, geboren 22. Juli 1658 lebte zuerst als Hofdame der Kaiserin zu Wien (1681); nachmals reichte sie dem Grafen Wenzel von Zinscndorf die Hand (1686), von welchem sie jedoch im Jahre 1715 Wittwc ward. Mit ihren Verwandten glich sie sich ein Jahr spater über allerlei streitige Punkte aus und starb den 14. Dezember 1719. (') 2. Anton Maria Friedrich führte ein sehr stilles und friedliches Leben. Geboren 23. August 1661 nnd im Jahre 1686 mit Prosper Ferdinand zugleich nach Turin auf die Universität geschickt, trat er nach erhaltener Altersdispens und Regentschaft seiner Erblandschaften, des weltlichen Treibens gar bald müde, in den geistlichen Stand (1697) nnd als Domherr zu Eichstadt, Köln, Ellwangen nnd Salzburg auf. In letzterm Orte starb er auch den 28. Janner 1724, und Verwandte und Priester waren aufs freigebigste in seinem Letztwillen-bedacht. Auf seine Besitzungen hatte er schon früher theils zu Gunsten seines Bruders verzichtet, thcils unter gemeinschaftliche Verwaltung sie gestellt. (') 3. Marie Sidonie, geboren 22. Juli 1664, starb schon drei Jahre darauf. (I (') Nro. 820 - 821. F. H..A (°) Nro. 824>- 829. Desgl. (') Nro. 831 — 836. Desgl. (I Nro. 837 — 833. DeSgl. III. 4. 4. Leopold Maria Marquard, geboren 7. Jänner 1666, ward vom Kaiser und dem Domherrn Frobcn Maria, seinem Netter, aus der Taufe gehoben und nachmals unter Vormundschaft des letzteren, so wie seiner Mutter, M. Magdaleite, gestellt. Seine Stu-, dien Machte er zu Dillingeu und Prag (1673 — 1675 und 1677 — 78). Seine besonders ihm bcigegebcucn Hofmeister hießen Heuerling und Röder. Auch L. Mar- quard machte Reisen zu seiner Weiterbildung. Spater, im Jahre 1683, trat er iu kaiserlichen Kriegsdienst ulid wohnte den Ereignissen des blutigen Türkenkrieges mit bei, welche über Österreich und Teutschland neuen Glanz der Waffen brachten, zumal aber bei Gran, vor Wien und vor Ofen, bei Ncuhäu- scl, Barackau und Baden. Der junge Graf blieb nicht hinter seinen Kameraden, und sein Name prangte bei mehr als einem Anlaß rühmlich mit. Ein heftiges Fieber überfiel ihn im Lager bei Preßburg (1684), doch genas er von demselben bald durch sorgfältige Pflege wieder. Er hatte das Glück, die Augen des großen Kriegsfürsten, Karl von Lothringen, auf sich zu ziehen, und dieser, welcher seine Leute stets zu würdigen und aufkeimende Talente gegen Neid und Zurücksetzung männlich zu beschützen wußte, nahm auch L. Marqards wacker sich an, und erwirkte seine Beförderung zum General-Adjutanten, mit dem Charakter als Major. Im Jahre 1689 finden wir ihn bei der Hauptarmee im Lager vor Mainz; es ist vermutkflich derselbe Für- stenbcrg, welcher in französischen Berichten als derjenige angeführt wird, welcher durch einen tapfer» slbcrfall der Insel Milau sich bemächtigte, ohne große Einbuße. Bei einem der Stürme auf die Stadt, welche — 51 unter dem Oberbefehl des Herzogs belagert wurde, empfing er (6. September), als er allzufeurig einer Kontre-Eskarpc sich genahet, zwei Kugeln in die Brust, welche seinem jugendlichen Heldenleben am 12. September ein Ende machten. Seine Hülle liegt im Kapuzinerkloster gedachter Stadt. Er hatte vor seinem Hinscheid noch einen Letztwil- lcn diktirt. Mönchslist ließ seinen Geist, mittelst verabredeter Gaukelei, den Soldaten noch öfters erscheinen. Doch war in einer edlern Beziehung es wirklich sein tapferer Geist, welcher bei Gefahren und Bc- drängniß anfeuernd und ermnthigcnd ihnen erschien. (') 5. Gräfin Maximiliane Franziska, geboren 23. September 1669. 1 eock. a. 6. Graf N. N., geboren 4. Januar 1672. 1 9. «jusck. Noch übrigt nunmehr der Lebensumriß des letzten Gliedes der stühlinger Grafenlinie, und zwar des ältesten Sohnes von Maximilian Franz I., 7. Prosper Ferdinand; nach diesem soll darauf, ehe zu den Geschichten seines Sohnes, Joseph Wilhelm Ernest, als des ersten Fürsten dieser Linie, geschritten wird, die reiche und schicksalvolle Schilderung derjenigen dxci Grafen und ihrer Geschwister aus dem heiligenbergcr Stamme folgen, mit denen die fürstliche Wirksamkeit der donaueschingcr Linie, aus jenem heiligenberger Zweig hervorgegangen, beginnt. (') Sckriftl. Belege über L. Marquard besitzt noch das Z. H.-A. in Nro. 839 — 846. it Prosper Ferdinand tritt wieder eine der kraftig edlen Naturen des Hauses, wie der Zeit auf, bei denen Herz und Verstand in Eintracht und die Stimme verschiedener Parteien gleichlautend in ihrer Vcnrthcilung war. Wie Schade, daß das Schicksal so schnell seinen Lebensfaden abgekürzt, nnd daß diejenigen, welche von ihm Nachrichten gesammelt, eine Masse kriegerischer Einzelnheiten, ihn und andere in Gemeinschaft berührend, aber nur wenige Andeutungen über Privatcharakter und Privatleben hinterließen, welche gerade das Verlangen nach Mehrerin erwecken. Prosper Ferdinand ward den 12. September 1662 zu Stühlingen geboren; auch ihn hob ein Erzberzog auS der Taufe. Solch ein Faktum, für die Geschichte an und für sich geringfügig, hat für die Glieder einer Familie jederzeit in der Erinnerung eine freundliche Stelle. Der junge Graf entwickelte frühe schon herrliche Geistesanlagen, einen freien offenen Sinn, geschärften Verstand und Beweglichkeit im Weltlcbcn. Sowohl zu Dillingen, als zu Turin trat er auf der Hochschule mit Auszeichnung auf. — 53 — und er vertheidigte öffentlich Thesen aus dem Gesammtge- biete der Philosophie mit allgemeinem Beifall. So etwas von einem Edlen machte damals Fnreur. Es war nur die Minderzahl vornehmer Familien, welche die Nothwendig- » keit, wie den Ruhm erkannte, durch Gcistesgaben und Kenntnisse, nicht blos durch Stammbaum und Diplom zu glänzen. Unter dieser Zabl befanden sich von Anfang bis zu Ende die Fürstenberge. Neben dein Tcntschen Kohler ver- , sah der Franzose Jean Pierson die Stelle eines Mentors. Seine Kenntnisse erhielten, wie bei mchrcrn seiner Ohme und Vettern schon früher und gleichzeitig der Fall war, durch Weltanschauung und Menschenkunde noch gediegenere und praktischere Richtung (1678 — 1684). (I Im Jahre 1685 trat er, vor erreichter Volljährigkeit, mit Einwilligung des Kaisers, die Regierung seiner Landschaften an. (I Fünf Jahre später reichte er der schönen Gräfin Sophie von Königs egg zu Augsburg die » Hand; der Wittwensitz ward ihr zu Wolfach verschrieben, das Beilagcr selbst zu Wien am 36. November vollzogen. Darauf führte er die Angetraute nach Stühlingcn heim. (') Er wählte nach dem Beispiel der meisten Geschlechts- und Standcsgcnosscn den Kriegsdienst, und zwar unter den Fahnen des Kaisers und des schwäbischen Kreises; vier Jahre darauf ward er zum General-Wachtmeister des letzter« ernannt. Merkwürdig genug hatte er eine Reihe von Hindernissen, Zurücksetzungen und Kränkungen zu durchkämpfen, bis er das gewünschte Ziel erreicht. Bald wcn- (') Beil. Nro. 850 — 852. (I Nro. 854. (') Urkdl. Belege 6. ä. Z. Jänner und 30. November 1S90. Die Beschwörung der Lauspakten ging 6 Jahre.später vor sich. Nro. 857. — 54 — bete er sich selbst, bald sein Vater an den baier'schen General von Dcgenfcld um eine Anstellung; bald bat er selbst »den Kanzler von Ellwangen wenigstens um die Vergünstigung, als freiwilliger Adjutant dienen zu dürfen, bald verwendete sich Marie Magdalene bei dem Herrn von Almanshausen in derselben Sache. (') Bald ging die gräfliche Wittwe für Prosper» nnd dessen zwei Brüder den Chnrfürsten von Baiern in Person um Stellen und Pfründen an. (') Der Jüngling, vielfach ermüdet durch nichtsbesagcnde Hofbescheide, verfolgte gleichwohl seinen Zweck mit unerschütterlicher Beharrlichkeit. Er wendete sich noch im Jahre 1693 wiederholt an den schwäbischen Kreis, an den Herzog von Würtembeih, an den Prinzen Louis von Baden und endlich an den Kaiser selbst. In den Zuschriften an diese Fürsten schildert er rührend seinen Drang, Lorbeeren durch Verthcidignng des tentschen Vaterlandes zu erwerben, so wie seinen Widerwillen gegen das gegenwärtige Verhältnis?, in welches er, durch den Tod seines Bruders, durch seine Familie gezwungen worden. Endlich wurden seine Wünsche erhört, und eine seiner würdige mili- tairische Laufbahn ihm eröffnet. In allen Büchern dieser Zeit, welche von kriegerischen Begebnissen melden, erscheint der Graf jederzeit als ein Mann von Kopf, Muth und Beharrlichkeit und sein Name stets mit Auszeichnung angeführt. Die Zeugnisse der Feldherren, unter deren Oberleitung Prosper stinc Trophäen gewann, künden am besten für ihn, vor allen aber jenes der großen Heerfnrsten, Louis von Baden und Engen von (') Schreiben vom 3. und 4, Zuli 1683. F. H.'A. l') Schreiben -i. ä. 13. Zänner 1634. F. H-A. sH Die schrifll. Beleg? darüber im F. H.-A. Savoyen. Aber auch die französischen Kriegsschriftsteller unterscheiden ihn oft vor andern Generalen rühmlich. (') Im Jahre 1693 war er bei Errichtung der berühmten Linie von Heilbronn hülfrcich, und um die Mitte des Augusts kämpfte er am Neckar tapfer wider die Franzosen, die der Danphin und der Herzog von Choiscul befehligten. Zwei seiner Bataillone standen auf der Höhe bei Wimpfen besonders im Feuer. Des Jahres darauf (>694) kam er mit dem furchtbaren Melac vielfach in Berührung. Während des Septembers half er gemeinsam mit dem Prinzen Karl Gustav von Durlach die Pontons zum BeHufe des Nhcinübergangs geleiten. (I Am 29., als man bei Langencandel dem Feinde gegenüber sich befunden, ward von Seite der Kaiscrischen Kriegsrath gehalten, welchem Prosper (^) ebenfalls beisaß. Nachdem die Seitcnbcwegung nach Rhcinfels und Flandern hin ausgeführt worden, blieb nichts mehr zu thun übrig, als den Feind am RückÜbergang über den Rhein bei Fort-Louis zu hindern, und somit selber über den Strom, einige Meilen weit ihm näher cntgegenznziehen. Solches geschah, und vor und nach diesem Unternehmen sehen wir den Grafen Prosper, dem Prinzen meist zur Seite, vor allen thätig. (I Es scheint, daß man während dieser Zeit neue Kabalen ihm gespielt; zum mindesten finden wir ihn in neuem leb- (') Oer dlarc^uls de <)uinex, Ilistoire inllitalre de Oovis XIV.?. III. und IV. (') Mernoireg Sur les Lampaznes du kvince Louis de Luden; pur un otlieier Vutrivliien. Lrux. >787. ?> 7. (') Der Verfasser der Memoiren über L, v. Baden gibt ihm an einer Stelle, vermulhUch aus Jrrthum, den Charakter als "Generalmajor," (H INeuroiros sur Iss Lawx. de L. de Laden. 180 U, s. w. — 56 — haften Briefwechsel mit geistlichen und weltlichen Ständen des schwäbischen Kreises, mit dem Chnrfürstcn von Baiern, mit den Fürsten von Hohenzollern, Otlingen, Schwarzenberg, den Verwandten von Fürstcnbcrg, und mit vielen Städten und Prälaten. Eine besondere Rolle spielten der Landvogt von Pflinger zu Balbach und der Lieutenant Limbachcr, welch letzterer gegen Prosper und andere Generale die ehrenrührigsten Beschuldigungen sich erlaubt. Wir verschonen den Leser mit ausführlicher Darstellung dieser Einzelnheiten. (') Im September 1697 stand der Graf mit ansehnlichen Kriegshaufcn im Kinzingerthal, während Nassau-Wcilburg und Vaubonne andere Punkte hüteten. Darauf kämpfte er gemeinsam mit Brandenbnrg-Bairenth wider Choiscnl. (') Es scheint, daß nach diesem Prosper Ferdinand einige Zeit wieder in Wien sich aufgehalten und angenehmen Zerstreuungen, auf so viele Strapatzcn, sich überlassen habe. Er fand in Mitte derselben einen gefährlicheren Gegner, als alle Feldherren Ludwigs XlV. wohl scyn mochten — das Spiel. Es hatte an ihm einen leidenschaftlichen Verehrer und brachte ihn mit Standesgcnosscn und Waffenbrüdern nicht selten in heftigeres Gcdräng, als er an der Nahe und am Rhein sich wohl befunden. Doch rettete ihn mittelnd aus Zwisten, welche darüber sich ergaben, die besonnene Freundschaft geistreicher Damen, von denen man annehmen darf, daß sie mit zur Gesellschaft gehört. Der Graf genoß am Hofe eine Gunst, die wenigen Leuten zu Thcil geworden; er besaß die vertraute Freundschaft des Monarchen, zu dessen argwöhnischem Gemüth die Zugänge so äußerst schwer waren. Berel Die Akten darüber im F. H.-A. e) lvk Ilist. rnil. III, — 57 — schiedene Briefe im Familienarchiv beurkunden dieses Ver- haltniß; der Kaiser redet ihn darin sogar mit brüderlichem Du an. (') Das Jahr 1697 berief ihn zu neuer kriegerischer Thä- thigkeit. Gewöhnlich stand er unmittelbar neben oder unter dem Grafen von Thüngen, welcher eine der größer» Heerabtheilungcn befehligte. So oft daher von jenem Feldherrn die Rede ist, muß G. Prosper mit einbegriffen werden, wenn auch sein Name nickt immer ausdrücklich genannt ist. Selbst nach diesen rühmlichen Verrichtungen hatte der Graf auf's neue mit Neid und Verlaumdung zu ringen; die weitschichtige und mühevolle Unterhandlung über das erledigte würtcmberg'schc Regiment, um welches er sich bewarb, und welche bis 1791 sich ausdehnte, liefert den Beweis hiefür. (') Eine glanzende Rolle spielte er in dem Feldzugc wider Melac, und namentlich wahrend der ersten Belagerung. von Landau im gedachten Jahre. Da dieselbe zn den ausgezeichneten Partien der Kriegsgeschichte zu Anfang des 16. Jahrhunderts gehört, und über das Ganze, wie über Prospers besoudcrn Antheil daran handschriftliche Materialien im fürstenberg'schcn Archive sich vorfinden, so haben wir die Gelegenheit benutzt, einige Notizen darüber ausführlicher mitzuthcilen, um so mehr, da des Grafen kriegerischer Lauf damit und sein Leben zugleich sich endigt. Noch im Winter 1702 entschloß sich der Kaiser, welchem Englands und Hollands Geldsummen die gehörige Kraft und mehrere glückliche Ereignisse neue Zuversicht gegeben, nicht nur den Prinzen Eugenius in Italien tüchtig zu un- l') Dir Belege im F. H.-A. (') Die Papiere darüber liegen im F. H. A. — 53 — terstntzen, sondern auch den Rhein übersetzen und irgend ein großes Unternehmen ausführen zn lassen. Der römische König ward an die Spitze der Truppen gesetzt; doch war es der Markgraf Louis von Baden, welcher das Ganze leitete. Landau schien das nächste und ruhmvollste Ziel. Für dessen Wiedereroberung sollte nichts gespart werden. Das hiefür bestimmte Heer bestand aus sechs Regimentern zu Fuß, aus neun zu Pferd, die Dragoner mit eingerechnet. Der Markgraf, der Fürst von Salm, der Graf von Thüngcn, der Markgraf von Baircuth, der Graf Prosper von Fürst enbcrg (welcher im Jahre 1702 zum General-Feldzeugmeister vorgerückt war), und der Marchese di Marsigli waren die Befehlshaber der erster»; die Reuter aus Truppen von Gronsfeld, Bant, Hannover, Darmstadt, Cusani, Styrum, Pfalz, Würzburg und von gcmicthetcn Schweizern genommen. Im Ganzen zäblte die Belagcrungsarmee 13,000 Mann; aber anch aus Böhmen und den Kreisen wurden noch bedeutende Zuzüge erwartet. / ^ Dieser Macht gegenüber stand, als Oberbefeblshaber der französischen, der Marschall von Catinat; unter ihm befehligten die General-Lieutenants d'Urelles, de Bartil- lat, de Vins, Melac, Guiscard, des Cordes, de Locma- rin, de Bourg, endlich die Marechaur de Camp : de Cle- rambant, de Grammont, de St. Laurent, de Magnac, de St. Maurice, de Sailly, de Blansac, de Liancourt, de Legal, de Thianges, de Luc d'Humiercs, de Viron und der Prinz Camillo. An den Ufern des Neckars ward der Zusammenzug der kaiserlichen Truppen unter des Markgrafs von Baden Aufsicht, und am 17. April zwischen Mannheim und Speier der Übergang über den Rhein bewerkstelligt. Melac, General-Lieutenant der französischen Besatzung in Landau, — S9 - setzte den Hof, so wie den Marquis d'Urclles von des ' Prinzen Vorhaben alsbald in Kenntmß, und traf, um nicht überrascht zu werden, mittelst Anlegung neuer Werke und Verschanzungen, und Verbesserung und Verstärkung der schon vorhandenen, die furchtbarsten Maßregeln zum kraftigsten Widerstände. Schon am 24. April begannen die Arbeiten der Belagerer und setzten sich bis zu Ende Juni fort, blos durch einzelne Gefechte und Ausfälle der Besatzung unterbrochen. Der Graf Prosper zeichnete sich bei mchrern Sternschan- zen durch Besonnenheit, Muth und Beharrlichkeit aus, und fugte dem Feinde sowohl am 1. als am 13. Julius große» Schaden zu, mit geringer Einbuße der SeiUigcu.(') Er arbeitete sofort mit Thüngcn die folgenden Tage gemeinschaftlich. Es ließ Prosper am Ende der Verbindungslinie eine neue Stcrnschanze anlegen, und brachte sie trotz des furchtbarsten Bomben- sowohl als Klcingcwehrfeners » der Feinde fast gänzlich zu Stande. Nachdem der bei einem früher» Vorfall gebliebene General-Adjutant Baron von. Bern feierlich zur Erde bestattet worden, langte im Lager der Feldmarschall-Lientenant Graf Palfy mit neuen Befehlen beim Heere an. Den 17. meldete der General von Anfscß dem Oberge- ncral, daß die feindliche Armee zwei verschiedene Richtungen eingeschlagen, und zwar daß der eine Theil gen Rheinau ausgebrochen, der andere aber nach Brunn gerückt sey. Diese Absicht werde er durch eine Abtheilung Reiterei, welche zu der bereits vorausgeschickten stoßen müsse, zu vereiteln suchen. Die Parallele des vorigen Tages ward -» zugleich an diesem beendigt. (') Bis hieher vgl. die lVlsmolree sur les (Äiux. cle k.. ä. LllNerr I. II. und die Ilist. uchllt. I. III. Svlvrt leitet das lUariuiu der Belagerung. Mit solchen Arbeiten, Plänkeleien, Gefechten, Angriffen, Stürmen, Ausfällen Wechseltes ab bis zum 10. September. Es ist unmöglich, diesen, sich sämmtlich ähnelnden Einzelnheiten für das größere Publikum Juteresse abzugewinnen, ein Auszug aber aus dem Berichte über regelmäßige Belagerungsoperatiouen nach mathematischen und strategischen Grundsätzen durchgeführt, ist durchaus eben so überflüssig als unthunlich. Die ausführliche Lesung davon kann nur für Kenner vom Fache dienlich seyn, und somit beschränken wir uns, einige der hervorstechendsten Bemühungen Graf Prospers bei Landau aphoristisch auszuheben. Am 20. Juli stand ein Theil der fürstenberg'schcn^Trup- pen besonders im Feuer; noch mehr aber am Abend des 21., wo Prosper das Hauptkommaudo geführt, und der Erbprinz von Baden Durlach und der Obrist von Bettendorf unter ihm befehligten. Am 23. standen ein Paar neue Kompagnien Fürstenbcrger, zumal aus dem Kreise Mös- kirch, den feindlichen Bomben heftig ausgesetzt, und verloren mehrere tüchtige Leute. Der Graf besichtigte spater die Laufgräben, und ordnete nicht nur die Vollendung einer angefangenen Redoutc, sondern auch die Ausbesserung der zwei Parallelen rechts und links der Verbindungslinie an. Am Abend ward die baldige Ankunft des römischen Königs im Lager gemeldet. Zwei Tage später war der Gcncral-Feldzeugmeistcr von Neuem thätig, und ließ durch den Baron Rchbindcr die Arbeiten der Mincurs, welche über 15 Schritte weit vorrückten, kräftig unterstützen; am 26. brachte er eine neue Batterie und die völlige Nerpallisadirung der Stcrnschan- zen zu Stande, wobei der Prinz von Sachsen-Mciningen und der Erbprinz von Durlach besonders sich auszeichneten. Bereits war die Linie so weit vorgerückt, daß kaum — 61 — WO Schritte von der Armee sie trennten. Die Franzosen ließen zwar Tages darauf von ihrem an dem Glaciö liegenden kleinen Werk eine Mine springen, aber ohne bedeutenden Schaden. Bald darauf traf der römische König , im Lager ein, und Prosper beeilte sich, mit den übrigen Feldherren, den hohen Gast zu bewillkommcn. Es bezeugte derselbe mit ihren allseitigen Anstrengungen die größte Zufriedenheit. Am 29. und 31. Juli und am 1. August hatte der Graf neuerdings harte Arbeit und verlor wackeres Volk. Der König, über die Langwierigkeit des Widerstandes sehr ermüdet, ging am 6. schon nach Heidelberg ab und empfing daselbst jeden Tag die Nachrichten von der Armee. Am 11. waren die Laufgräben bis sechs Schritt von dem Pfahlwerk der Kontrc-Eskarpe vorgerückt. Eine neue Batterie und ein neuer Ausfall brachten in die Monotonie einigen Wechsel. EineN Hauptsturm ließ der Prinz-Ober- general in der Nacht vom 16. ans den 17. vornehmen, wobei Prospers Mnth und Gewandtheit reiche Gelegenheit fanden, sich zu bewähren. Diese Nacht kostete manch thcucrwerthcn Degen, und selbst Generale von fürstlichem Nang, wie Soissons (Bruder des Prinzen Eugen), Durlach, Königsegg u. s. w. In einer zweiten Nacht vom 31. August auf den 1. September geschah ein Hauptangriff auf den Halbmond deö Fortesz Thüngen und Fürstcnbcrg unterstützten denselben, welchen sie gerne zu einem allgemeinen Sturm ausgedehnt, durch Gegenminen auf der Seite jenes Angriffs. Mittlerweile nöthigten Eatinats Bewegungen in der , Gegend von Drnscnheim und Fort-Louis den Prinzen Louis, gemeinsam mit dem römischen Könige, demselben, an der Spitze einer Truppenabtheilung entgegen zu ziehen. Thüngen und Fürstenberg leiteten fortan die Operationen — 62 — ausschließlich, und brachten es dahin, daß am 9. Melac blos noch durch einen Graben von seinen Feinden ge» trennt und aller fcrnern Bollwerke entblöst war. Er entschloß sich also in dieser Roth zur Kapitulation; sie ward am 10. geschlossen und am 11. unterzeichnet. Der Einzug der Reichstruppen ging am 12. vor sich. Prosper genoß mit die verdienten Ehren des wichtigen Sieges. Leider ging derselbe bald wiederum in Folge anderer Kriegsvorfalle verloren. Im Jahre 1703 sehen wir den Grafen unter Prinz Eugens Befehlen in Italien thatig. Er verstärkte die Festungen von Ostiglia, Final und andern Platzen, die er zu Erhaltung der Verbindung mit Teutschland für nöthig hielt. Er hatte damals sein Hauptquartier zu Carbonera. Gemeinsam mit Albergotti stritt er wider den Herzog von Vendome harten Kampf. (') Die zweite Belagerung von Landau (') im Jahre 1704 erwarb seinem Namen neue Ehren, aber setzte auch seinem kriegerischen Muth auf tragische Weise ein Ziel. Als der römische König (am 21. November) diese Feste in Person einschloß und bedrängte, ward Prosper bei einem Gefechte auf dem Schellenberg gefährlich verwundet; er folgte daber dem Monarchen zu Wagen nach, bei Besichtigung der Arbeiten in den Laufgräben. Plötzlich fiel ein 24Pfünd- ner hinein und zerschmetterte ihm den linken Arm, Achsel und Hirnschaale, und der ganze Körper fiel aus dem Wagen hinaus. K. Joseph äußerte das aufrichtigste Bedauern über das Schicksal des edeln Waffcnfrcnndes. Man bestattete erst zu Baden, sodann zu Haslach die theuern Überreste in zinnernem Sarg und fügte eine dem Ruhin des Verewigten geziemende Inschrift bei. (H (') Oe t)uinoz^ Iiistttils luilib. I. IV. p. 1/fZ. <') Vgl. darüber und die mehrerwähnteu Nerno'ires. (H Schriftliche Belege im F. H.-A. Nro. B65 — 66. Die hinterlassenen acht Kinder Prosper Ferdinands waren: 1.Maria Theresia Elisabeth, geboren den 21. Marz 1692 und gestorben den 3. März 1711, an den Pocken; 2. Maria Eleonora Elisabeth, geboren den 9. Dezember 1693, vermählt mit dem Grafen I. W. E. zu Truchseß-Waldburg, gestorben den 21. März 1753; 3. Maria Augusta, geboren den 7. Mai 1695, Gemahlin des Grafen von Wrbna, kaiserlichen Landshauptmanns im Fürstcnthum Liegnitz, gestorben zu Brünn 1770 , nachdem sie früher an dem Hofe zu Baden und an dem zu Wien hintereinander sich aufgehalten; 4. Maria Charlotte, geboren den 10. Mai 1697, vorerst Novitzin in einem Nonnenkloster zu Metz, nachmals Abtei-Stiftsdamc zu Buchau und Münster-Bilfingen, woselbst sie im 43. Jahre, den 18. März 1740, gestorben; 5. Joseph Wilhelm Ernest, geboren den 13. April 1699, gestorben den 29. April 1762, Stifter der jose- phinischcn Fürstenlinie, von welchem später ausführlich die Rede scyn wird; 6. Antonie ThereseJsabellc, geboren den 2. März 1702, gestorben den 24. April 1707 ; 7. Marie Elisabeth, geboren den 28. Februar 1703, verehelicht mit F. E. Grafen zu Waldstein. Sie verzichtete auf ihr Heirathsgnt zu Gunsten I. W. Er- nests. Sie starb nach ihrem Gemahl, den 22. Jänner 1767; 8. Ludwig August Egon, als Posthumus, zu Aschaf- fcnbnrg den 4. Februar 1705 geboren, ward der Stifter der landgräflich wcitra'schen Subsidial-Linie, wovon wir weiter unten handeln werden. — 64 — Gräfin Sophie überlebte den edlen Gemahl manches Jahr. Noch übrigen von ihr Vorstellungen an den Kaiser, in welchen sie der Großmuth desselben sich mit ihren Kindern empfiehlt. Von allen Ereignissen gab der berufene datschütz'sche Prozeß ihr Anlaß und Stoff, des verstorbenen Gatten Verdienste um das ErzHaus geltend zu machen. Die Zwiste mit den Vormündern ihrer Kinder wurden durch einen Vergleich erledigt. Sie starb am IS. Mai 1727. (') (') Über Prospers Familie handeln die Urkunden und Belege Nro. 867- — 894 im F. H.-A. Fünftes Buch» Geschichte des Hauses Fürstenberg, vom Erwerb der reichsfürstlichen Würde, bis zur Gründung der fürstlich-böhmischen und landgräflichen Linien. Erste Abtherlung. Franz Egon, Wilhelm Egon, Hermann Egon n. s. w. ö Erstes Kapitel. Die Anfänge der Grafen Franz i. Egon und Wilhelm III. Egon von Fürstenberg. — Die Ansicht der Zeitgenossen und das Arth eil der Nachwelt über ihre und Herr mann Egons politische Wirksamkeit im Allgemeinen. — Verhältnisse der Beiden erster» zu Köln und Lütt ich u. s. w. bgleich der Genealogie nach mehrere der altern Kinder Egons VIII. zuerst aufgeführt werden sollten, so treten doch billig die geschichtlich bedeutendern drei Brüder: Franz Egon, Wilhelm Egon und Hertmann Egon vor den übrigen nunmcbr auf den Schauplatz, an des Vaters und mehrerer Vettern Wirksamkeit genau sich anschließend , und als die Stammhalter und Mehrer des Ruhmes der Familie, wiewohl auf andern Bahnen und in ganz verschiedenartiger Richtung. Es gewährt kein geringes Interesse, ein Kleeblatt von Brüdern mit denselben geistigen Anlagen, mit denselben Gesinnungen und für dieselben Ziele ein ganzes Leben hindurch sich bemühen, und bei den vielfachen Klippen, welche eine politische Laufbahn auch für die wahlverwandtesten Geister, bei der Menge von innern Gegensätzen und Widersprüchen, die dieser Beruf, schon seiner cigenthümlichcn Natur nach, mit sich bringt, niemals unter einander in der entferntesten Zwietracht, sondern stets in der beharrlichsten Gleichgestimmtheit, wechselseitig einander sich unterstützen zu sehön. - 68 - Es war, als hätten sie einen förmlichen Bund hiezn geschlossen und einer dem andern solidarisch sich verbärgt, daß jeder die Grundlagen des Gebäudes befestigen helfe, welches sie nach gemeinsamem Plane aufgeführt. Durch dieses System erreichten sie aber auch für die damalige .Stellung der Familie Ungewöhnliches und Unglaubliches. Der Name Fürstcnbcrg knüpfte sich fast an alle großen Ereignisse der Zeit. Die Fäden ihrer Politik spannen sich von einem Ende Europas zu dem andern, und indem sie einigen Herren zu dienen schienen, dienten sehr viele Herren ihren eigenen Zwecken. Sie wußten alle materiellen und moralischen Kräfte ihrer Zeit hiczu zu verwenden, und wenige Jntrigucn und Verträge irgend eines Kabi- uettcs sah man ausgeführt, in welchen nicht die Brüder von Fürstcnbcrg, mehr oder minder hemmend oder fördernd, ihre Hände gehabt. Es ist ungewiß, welche politische Idee ihren Bestrebungen voran geleuchtet, und ob Überzeugung oder Leidenschaft bei. der Mehrzahl ihrer Handlungen vorzugsweise sie geleitet. Der Widerwille mächtiger und schwacher Gegner war gleich sehr bereit, bei dem Urthcil über sie und ihre Handlungen letzterer den Vorzug einzuräumen; aber der Geschichtschreiber kann nur schwer zur Annahme vermocht werden, daß ein überlegener Verstand, der so klar der Zwecke und der Mittel sich bewußt war, obne eine höhere leitende Idee, selbst wenn sie auf Jrr- thümer gegründet war, ein arbeitvolles Leben blindlings durchgeführt haben sollte. Spricht man von der Macht des Ehrgeizes und der Selbstsucht, so läßt sich freilich aus der Geschichte der drei Brüder manches finden, was als lockend und lohnreich für zweckmäßig verwendete Thätigkeit sich ihnen darbot und ihre Erwartungen rechtfertigte; aber all dies^gibt ihren Gegnern noch keinen be- sondern Vorsprnng über sie, denn es fehlte den meisten blvs an gleicher Fähigkeit, oder Kraft, oder Beharrlichkeit, um dasselbe zu erzielen. Es kann somit blos ein solcher moralischer Punkt ausgesucht werden, von welchem aus jedes Streben verdammlich erscheint, wenn es nicht durch Grundsätze geregelt war, die mächtiger, als alle übrigen Triebfedern, auf edlere Individualitäten wirken müssen. Inwiefern die Brüder Fürstenberg, von denen nunmehr die Rede ist, sich von diesem Punkte entfernt oder nicht, wird aus ruhiger und unbefangener Würdigung ihrer persönlichen Gefühle und ihres öffentlichen Lebens hervorgehen müssen. Die Geschichte dieses letzter« ist weder für den patriotischen Deutschen, noch für den Histo- riographcn des Hauses eine leichte Aufgabe; denn sie widerstreitet der Grundgesinuung und vielleicht den Interessen Beider. Gleichwohl ist es die Pflicht Beider, Menschen und Begebenheiten also geschildert zu liefern, wie sie aus den, größtcntheils bekannten, Thatsachen naturgemäß sich ergeben haben. Das Raisonncmcnt der Zeitgenossen, welche in Parteien vielfach zerthcilt und in ihren Ansichten gespalten dastehen, darf nicht einseitig einschüchtern; aber eben so wenig darf der öffentlichen Meinung der Mehrzahl Trotz geboten werden, denn auch sie ist ein unläugbares Faktum. Der Umstand, daß diese öffentliche Meinung mit der Privatansicht der Dynastie, daraus jene Männer entsprossen, übereinstimmt, erleichtert dem Histo- riographen das Geschäft, und er kann das Recht eines Anwaltes gegen Übertreibungen mit desto größerer Sicherheit üben, ohne in den Verdacht zu fallen, seiner eigen- thümlichen Stellung wegen Pancgyrist von Dingen zu werden, welche weder an und für sich, noch aus irgend einem besondern Grunde besonders zu preisen oder zu ver- theidigcn seyn möchten. Obgleich die drei Brüder politisch eng zusammen wirkend, in allen Verhältnissen auftreten, so sondert sie doch der Schauplatz und die Beziehung zu den verschiedenen Herren und Höfen, aufweiche sie Einfluß geübt, wiederum einigermaßen, nämlich die zwei erster» von dem dritten; jene zwei crstcrn aber können in der Biographic durchaus nicht von einander getrennt werden, und wir geben sie daher auch in ihrem Wesen und Treiben gemeinsam, wie wir sie vorfinden. Da der Details für jeden einzelnen nur wenige sind, so ist die Sache um so mehr erleichtert. Der älteste, Franz Egon, ward den lg. April 1626 geboren. Nach des Vaters Tode (1635) wurden ihm die Mutter, Maria Anna von Hohenzollern, G. Vratislaus der Jüngere, der Markgraf Wilhelm von Baden und der Graf Jakob Haunibal zu Hoben-Embs als Vormünder bestellt. Durchdringender Verstand zeigte sich frühe, und seine Züge drückten bald das Gepräge seiner Seele aus. Die von des Sohnes Anlagen entzückte Familie ließ im Jünglingsalter schon ihn malen und gefiel sich in dieser harmlosen Eitelkeit. Der Graf machte, so lange K. Ferdinand III. noch lebte, am Hofe zu Wien noch ziemlich Glück. Der Monarch fühlte sogar eine Neigung für ihn. Er führte mit Fürstcn- berg einen freundlichen Briefwechsel, und ließ ihm sowohl durch seinen Gesandten zu Nürnberg, als durch den Rcichs- Vicekanzler seine besondere Zufriedenheit mit den, dem Hause Österreich bereits bezeigten Diensten und gegen dasselbe an den Tag gelegten Gesinnungen von Ergebenheit mittheilen. (I l') Schreiben S.N. Wien, 13. November 1643 und Prag, 1. Oktober 1S52, im F. H.-A. — 71 — Franz Egon war schon einige Zeit vorder in Dienste des Ehurfürsten von Köln getreten, und von demselben zu mehrcrn wichtigen Geschäften gebraucht worden, worin er große Gewandtheit und überlegenes Talent verrieth, also daß Mariinilian Heinrich, geborner Prinz von Baicrn, von ihm sehr eingenommen ward, und bald ohne ihn nicht mehr seyn konnte. Um ihn dem Erzstiftc bleibend zn gewinnen, verschaffte er ihm hinter einander Domhcrrcn- siellcn zn Köln, Straßbnrg und Lüttich. Bald trat er als Dekan des Kapitels, Schatzmeister und Kapitular in cr- stercr Hauptstadt auf, eben so als Geheimralh und Obrist- hvfmcister (1661). Erst setzt nahm Franz Egon die höhern Weihen, welche Feierlichkeit mit großer Pracht in der Kathedrale von Köln vor sich ging. ( ) Es verstrich nur kurze Zeit, und so sah er sich auch zum Bischof von Straßbnrg gewählt und vom Pabstc in dieser Eigenschaft bestätigt. Durch sorgfältige Schonung' aller Persönlichkeiten bei meistens nur mittelmäßigen und schwungloscn Männern machte er bald alle sich sehr geneigt, und hielt sie fortan in höchst unterthänigcr Stellung, ohne äußerlich dieselben es fühlen zu lassen. Die meisten Menschen verzeihen und dulden die Herrschaft des Verstandes gern, sobald dieselbe sich selbst in ihrer Größe nicht zu fühlen und andere es nicht fühlen zu lassen scheint. Diese Knust verstanden und übten die Fürstenbcrger. Nicht so beliebt war Franz Egon zu Lüttich, wo Kapitel und Stadt, nicht selten unter sich selbst in fcindseli- (') Über die verschiedenen geistlichen Amtsverrichtungen Föanz Egons und seines Bruders Wilhelms findet man einzelne Andeutungen in dem Werke : Deereta et Zlntnta DIneces. Lz-iioN. llvt. ^.Ar. iLtH (»I. im Lei^us Lviistitutiviiuui et Ite» lvriirutioriuiii, K.. gem Zusammentreffen, sehr oft mit einander vereinigt dem Ehurfnrsten von Köln, als gemeinschaftlichem Beherrscher mit Vorbehalt der eigenthümlichcn Reichsver- hallnissc und der noch eigeiithümlichern bürgerlichen Freiheiten, beharrlich und hindernd entgegen traten, und dem Erzstifte manchen sauren Schweis austrieben, und die Freuden der Regierung Maximilian Heinrich mehr als verbitterten. Es herrschte wider den einflußreichen Domherrn, welcher bereits die Entschließungen Maximilian Heinrichs leitete, eine entschiedene Abneigung, welche bei mehr als einem Anlaß sich deutlich kund gab. Den ersten boten die inncrn Streitigkeiten des Jahres 1650 dar, wo der Herzog von Lothringen drohende Miene gegen die Stadt machte und das Gerücht sich verbreitete, daß Knegsvolk von Seiten des Erstern in keiner andern Absicht gerüstet würde, als um den ehrgeizigen und nene- rnngssüchligen Adel der Stadt in seinen Planen zum Umsturz der theuer genug erworbenen Reckte und Privilegien zu unterstützen. Der Churfürst, von der Unruhe der Gc- müther in Kcnntniß gesetzt, eilte, auf Fürstcndergs Rath, (') Über die fernern kölner Verhältnisse schweigen die fürsten- berg'sche» Hausaklen gänzlich; eben so »der die Beruhrui gen mit den Lullichern. Obgleich der Verfasser, Mit Spezial? Empfehlungen der niederländischen Regierung versehen, mehr« falls in die geweihten Papiergrufte, »lullicher Sladt- Archir-- genannt, zu dringen verbucht, so kvnnle ei doch nichts HandfchrOtliches daraus für seinen Zweck gewinnen. Zhm schien, daß mehr Unkunde der 'Mchioliten, als bofer Wille daran Schuld tiUg. Manches jedoch enthalten die Soripwros rerurrr I^ovärerrstuiri, zumal und Fau/oir, welche hier hauxlsächiich venutzl worden. Auch Irrst, än ?!>?? äs lblikIS. I. ff. nach Lüttich, und zog gegen Ende Oktobers nächtlicher Weile mit starker Bewaffnung in die Stadt, als gerade die teutschen Söldner eine Art Aufstand angezettelt, aus Unzufriedenheit über rückständigen Sold. Die Gemeinen wurden durch Geld beschwichtigt, die Rädelsführer verhaftet und an den Fenstern des Pallastcs aufgeknüpft. Ter Anblick ihrer Leichen brachte am folgenden Morgen Schrek- kcn in die Masse, und in die Erbitterung der Gcmürhcr einigen Stillstand. Sofort entsendete der Churfürst Franz Egon und den Baron von Rosen nach Brüssel, um den Herzog zu Erklärungen aufzufordern. Lothringen antwortete spielend und ausweichend. Fürstcnberg blieb bei ihm; Rosen überbrachte den ungenügenden Bescheid nach Lüttich. Das Kriegsvolk des Herzogs verwüstete das Gebiet des Bisthums. Er spielte einerseits den zärtlich b sorgten Verwandten Maximilian Heinrichs, andererseits den eifrigen Anwalt der Lüttichcr. Unter dieser Firma drückte und brandschatzte er Beide. Um dieselbe Zeit erhob der niedere Klerus bittere Beschwerden beim heiligen Stuhl wider den höhern, dessen Simonie, Stolz, Anmaßung und Bedrückung. Denselben ward aber nur schlecht und wörtlich abgeholfen. Auch des Kaisers und des Churfinsten Zerwürfniß und der fremde Krieg brachten den Angelegenkeiten der Lüttichcr, des Kapitels, wie der Stadt mannigfachen Schaden, und eifrige Unterhandlungen fanden im Jahre 1654 zu Herstellung eineS friedlichen Verhältnisses Statt, an denen Franz Egon großen Antheil hatte. Den 17. Marz ward ein allgemeiner Vergleich geschlossen, welchen dieser und der Graf Richard von Starcmbcrg, als die beiden Hauptbevollmächtigten, unterschrieben. Allein es fehlte viel, daß Ruhe und Eintracht zurückgekehrt wären. Die Elitführung eines verdächtigen Domprobstes gab Gelegenheit zu neuen Reibungen und Ausschweifungen, und der Kanonikus Mareks, Geheimschrciber Franz Egons, ward mitten im Plan einer Verschwörung gegen die Citadclle ergriffen. Kaum konnte man den schwarzen Undank eines von jenem, so wie dem Churfürsten mit Gunst überhäuften Mannes sich möglich denken. Verhaftungen und Hinrichtungen drängten sich nun. Böswillige gaben zu verstehen, die entdeckte Verschwörung sey von Fürstcnberg selbst angezettelt worden, im Interesse seines Herrn, des Ehurfürstcn, um durch diese Veranlassung bequemen Vorwand zu Ausdehnung sürstlicher Macht zu erhalten. Man schrieb dem Grafen persönlichen Haß gegen das Domkapitel zu, welches seine Ernennung zum Coadjutor zu verhindern gesucht; darum fanden derlei Ausstreuungen Glauben und Gewicht. Reaktionen und Verfolgungen von beiden Sehten waren demnach an der Tagesordnung. Die letzten merkwürdigen Ereignisse hatten vorzüglich im Jahre 1658 Statt gefunden. (') Dies die Anfänge der politischen Laufbahn. Bald trat er auf einen größern Schauplatz und erhielt in der Person seines jüngern Bruders Wilhelm Egon, welchen er ebenfalls in kölnische Dienste gezogen, bereits um diese Zeit eine machtige Stütze und einen so treuen Mitarbeiter in allen Unternehmungen, daß, wenn das Talent des letztern das seinige nicht überflügelt, es doch demselben ebenbürtig war und neidlos-brüderlich vereint mit demselben fortan zusammenwirkte. Es ist demnach an der Zeit, die früher» Lebensschicksale Wilhems Egons hier anzureihen. (') Die später,« Verhältnisse Wilh.lms und Franz Egons zu Lüttich werden weiter unten im Zusammenhange nachgetragen werden. — 75 — Wilhelm Egon, geboren 2. Dezember 1629 nnd getauft in Gegenwart des Bischofs Johann von Konstanz, als Pathen, so wie des Markgrafen Wilhelm von Baden, ^ des Grafen Ernst von Isenburg und seines Vetters Vra- tislaus des Jüngern, als Zeugen, hatte ungefähr dieselbe Jugend, wie sein Bruder Franz Egon. (') Herangewachsen nabm er, nach der Sitte der Meisten seines Geschlechts, Kriegsdienste, nnd zwar als Obrister eines französischen Regiments, nach dem Beispiel eines frühern Wilhelm, welcher in Frankreich so viele Erinnerungen zurückgelassen. Nachmals jedoch, als der Kaiser darüber Klage geführt, gab er diese Stelle auf und trat in den geistlichen Stand. Also nach dem Familienpapicr. Diese geben keinen Aufschluß über die Gründe und Veranlassungen des Eintritts in französische Dienste; vermuthlich rührt der erste Impuls von Straßburg und sehr wahrscheinlich der fernere, die Interessen Österreichs zu bekämpfen, von seinem Bruder, dem Bischof. Wenn einerseits jedoch in Familienpapiercn gesagt wird, daß Wilhelm, dem Kaiser zu gefallen, die Dbristcnstelle aufgegeben, so mvß wohl dieselbe von einem spätern Kriegsbcfehl getrennt werden, den jener vor und während der kölner Traktate, auch auf seinem neuen wichtigen Posten noch, über ein französisches Regiment geführt. Dieses Regiment spielt eine Hauptrolle in seinem Leben, da es jederzeit das erste Marterwerkzeug war, welches der erbitterte Kaiser voranstellte. Mit dem Eintritt in den geistlichen Stand, in welchem er bald eine Domherreuwürde und verschiedene Pfründen (') Von Willielm Egon findet sich auf Schloß Hoiligenberg ein Bildniß vor, das ihn als Kind von 7'/. Jahren darstellt. erhielt, verschwindet er gleichsam als Glied für die Familie, was die inner» Beziehungen betrifft, und er erscheint fortan beinahe ausschließlich in öffentlichen Verhältnissen, welche alle seine Kräfte in Beschlag nahmen und in einem großen reichen Leben, voll Arbeit, Mühesal, Ruhm, Haß und Verfolgung. So viel übler Leumund aber auch durch ihn und seinen Bruder an den bloßen Namen Fürstcnbcrg sich geknüpft, so gewann der letztere doch eine europäische Bedeutsamkeit, wie nie vorher, und man wunderte sich oftmals billig, wie zwei Männer, die weder Macht noch großen Reichthum, sondern blos Beredsamkeit und Verstand besaßen, so viele andere in Bewegung setzen konnten, also daß den Fäden, die sie angesponnen, beinahe nichts entschlüpfte. Die Achtung, welche jedem überwiegenden Talente, vermöge eines verzeihlichen, der menschlichen Natur inwoh- ueuden aristokratischen Gefühls, gegenüber der Mittelmäßigkeit und Schwäche, sich zuwendet, muß, bei aller Verschiedenheit der Ansichten über Grundsätze und Zwecke, für die Brüder Fürstcnbcrg sich mehren, wenn man die große Menge von ebenbürtigen Geistern in Anschlag bringt, mit denen sie zu ringen hatten, die Verworrenheit der politischen Ereignisse, die Gediegenheit und Energie, das Genie und die Schlauheit von Staatsmännern und Feldherren , deren Plane und Unternehmungen durchkreuzt oder befördert werden mußten, und neben welche schon sich hinzustellen, das Gefühl der vollsten Summe von intellektuellen Kräften allein nur ermnthigen konnte. Welch ein reiches Panorama der wildesten Leidenschaften und der besonnensten Rathschläge, der verschmitztesten Jntrigue und der edelsten Staatswcisheit, der großartigsten Richtungen und der kleinlichsten Bestrebungen, des ruhmvollsten Ehrgeizes und der niedrigsten Habsucht, der 77 — ' preiswertesten Volkskraft und der nutzlosesten Verwendung! Und mit all diesem traten die gedachten zwei Brüder, mehr oder minder, teilnehmend oder kämpfend, in die Schranken. Zweites Kapitel. Ursprung der Verhältnisse und Verbindungen der Gebrüder von Fürsteuberg mit dem französischen Hof. Die Lage und die Parteien Teutschlands. — Vorfragen, Präliminarien und erste Kämpfe bei Anlaß der neuen Kaiser wähl. A)ie Art und Weise, wie ihr erstes Verhältniß zum französischen Hofe sich gestaltet, ist nicht ganz klar und auch der Zeitpunkt nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Wohl aber war ihr Einfluß in Köln und von Köln aus auf europäische Angelegenheiten schon einige Zeit vor Ferdinands III. Tode fühlbar. In den Sachen des Reiches herrschte, wie in den Rcchts- grundsätzen selbst über die Schranken der Kaiser- und Fürstenmacht große Verwirrung. Der Plan, die Freiheit der Kaiserwahl wieder zu erobern und dem lästigen Übergewicht des Hauses Habsburg Teutschland zu entziehen, dabei zugleich die Hoheit der Fürsten, zumal der Wähler, auszudehnen, war Licblings-Jdce des Tages. Schweden und Frankreich, durch den westphälischcn Frieden zu allerlei Einmischung in die innern Angelegenheiten des Reiches berechtigt, machten, wo es thunlich war, diesen Einfluß geltend. Holland und Cromwcll waren die Stützen des frcigestnntcrn Theiles und des Protestantismus; Spanien stützte Österreich in absolutistischen Unternehmungen. — 79 - Unter den tcutschen Fürsten behauptete, durch physische und moralische Macht, der Churfürst von Brandenburg den ersten Rang, aber eine Art steifer und pedantischer Ehrlichkeit, welche mit dem schlangenglatten Genius der damaligen Politik schlecht sich vertrug, durchkreuzte häufig die durchdachtesten Entwürfe seines Kabincts, und Nichte seine Tugend, wie seine Tapferkeit nutzlos; an der Spitze der katholischen standen Mainz und Köln; Münster und Neuburg waren durch Jntriguen oder Schwache nicht unwichtige Werkzeuge. Sachsen hing vorzugsweise an Österreich, nachdem es durch ein charakterloses und zweideutiges System die Stelle längst schon eingebüßt, welche es einst als Haupt der Protestanten besessen. Baiern war zweifelhaft, hing aber meist, durch die Betriebsamkeit seiner Minister, mit den geistlichen Ehur- fürstcn und somit zugleich auch mit der französischen Partei zusammen. Der Pfalzgraf, einzig durch die beredsame Schlauheit seiner geistreichen Schwägerin mächtig, diente ebenfalls blindlings dieser letztern. In solcher Stimmung und Stellung überraschte das Jahr 1657, in welchem die wichtige Frage der neuen Kaiserwahl entschieden werden sollte, den teutschen Staatskörper. Der französische Hof, dessen fire Idee war, die Kaiserkrone auf das Haupt des jugendlichen Königs Lndewigs XIV. zu setzen, ließ alle Mienen springen, um diesen seltsamen Zweck zu erreichen. Mazarin benutzte jede Leidenschaft, durch die er zu wirken hoffte, und niemals arbeitete die Partei Frankreichs in Teutschland thätiger, als damals. Dem Churfürsten von Brandenburg ward allerwegen geschmeichelt, um das gcfürchtete Annähern an Österreich zu verhindern. Das sichtbare und auch allerdings sehr thatige Oberhaupt seiner zahlreichen Anhänger war — 80 — der Erzbischofvon Mainz, Philipp von Schönbortt; aber bei weitem wichtiger in der Ausführung entworfener Plane waren die Diplomaten des Erzbischofs von Köln. Die Fürstenbergcr, und namentlich Wilhelm, der fortan meist als erster Minister Maximilian Heinrichs auftritt, und mit Franz Egon in den inncrn und auswärtigen Geschäften genau und nach bestimmtem Plane abwechsc.'e, hatte mit dem Kardinal zu Metz eine gebeime Unterredung, worin die künftigen Operationen besprochen, und den beiden Brüdern und dem Chnrfürsten selbst die glänzendsten Versprechungen gemacht wurden. Bei dieser Gelegenheit soll Wilhelm die Garantie des Königs für den nächsten erledigten Rothhut erhalten haben. Bedeutende Geldsummen wurden überdies unbedingt zu seiner Verfügung gestellt, für Anwerbung von Anhängern freies Spiel ihm gelassen. Der Churfürst, sein Herr, selbst empfing auf ein einfaches Schreiben Fürstenbcrgs ein Geschenk von 25,000 Reichs- thalern. Der Franzose, welcher dies berichtet, fügt bei, daß der Diener treuer geblieben sey, als der Herr. ( ) Nach andern Nachrichten hatte auch der Marschast von Gramm ont schon früher zu Köln, bei seiner Durchreise, mit beiden Fürstcnbergen Unterhandlungen gepflogen und sie zu unbedingterer Anhänglichkeit an die Sache des Königs gewonnen. (') Während Wilhelm auf Mainz und Trier wirkte, war der Bischof von Straßburg nach München gegangen, und hatte, im Einverständniß mit dem dritten Bruder, Herrmann Egon, die Bearbeitung des Chnrfürsten von Baicru übernommen. (') Die Monarchie Ludewig« XIV. gediegen übersetzt und kommentier vom geheimen Referendar Rinzg «.Leipzig 1830). ein kostbare«, inhaltschwereö Büchlein. (') Kemoiro» Uur ssrvir ä I'lils- teile cles ceurs Ue Xnuis XIV., Ue I» ksgsnes et cke Denis XV, V. II. Ltrusb. Unter der Äiutrik : Uoinines illusires. (') Der »»Struck im Französischen klingt noch stärker : u xurais- -sit UN Unter. III. 6 Unterredungen, und unterhielt sich über viele Materien mit ihr auf Spaziergangen durch den Schloßgarten, und zeigte eine solche Kcnntniß der politischen Ereignisse, der Geheimnisse der Höfe, der Umtriebe der Parteien und der Chronique scandaleuse der vorzüglichsten Personen, daß mau erstaunen mußte. Es war die damals entworfene Heirath mit dem Herzog von Lothringen, wegen der er nach Paris gekommen war. So oft er jedoch auf diesen Punkt zu sprechen kam, brach die Prinzessin ab und wollte nicht Ferneres davon hören. (') In Frankreich galt er — nach dem allgemeinen Urtheil — für ein Orakel von politischer Weisheit; doch nannte man ihn, der großen Summen willen, die er dem Kabinette kostete, und ohne die er seine Plane für dessen Interesse wohl auch nicht hatte ausführen können, mit einer seinen Doppelsinnigkeit gewöhnlich nur den thcuren Freund der Krone. (') Wenn ein neuerer französischer Gcschichtschrciber (') sagt, daß »seine schwerfällige Freundschaft zuletzt den König und die Minister ermüdet,« ^o ist dies eine große Ungerechtigkeit, vom Standpunkte der Dienste betrachtet, die er jener Macht geleistet; denn die Schwere der Opfer, die man sich kosten ließ, beweist gerade die Größe der Vorthcile, welche man von der Wirksamkeit dieses Staatsmannes gezogen hat; auch drückt zuletzt dieser Vorwurf nichts "anderes, als die Bestätigung des alten Satzes aus: (') kteuiuircs ste ütast. ste Nchnlpeusier, Maastricht. Ausg. 8». 1776 r. V. xag. Igl. Auch ste sagt : it est st'uue Krauste ste-- PI.'II?«>> it lait uue ligure eousisterabls. (') 't verweist Turoxa. 't ^msterstsui lööö. 4"' — I. Deel. (') b>ciuunrej', in den Beilagen. — 83 - daß Undank der Weltlohn, und die größte Strafe eines Fremdlings, welcher einem Dritten Dienste leistet, schon in diesem Umstände selbst enthalten sey. Der Deutschen und der Holländer patriotischer Haß vereinigt sich in den Lobsprüchen auf Wilhelms von Fürstenberg ungewöhnliches Talent, politisches Genie und universelle Wirksamkeit, zum Schaden der Sache des Kaisers und der Republik, wie in dem bittersten Tadel seiner Willfährigkeit zu diplomatischen Intrignen und seiner un- volksthümlichcn Gesinnung. ( ) Wohl wird jeder Deutsche vom nationalen Gesichtspunkte aus einen Theil dieser Ur- theile unterschreiben müssen, und die Meinung der übrigen Zeitgenossen sowohl, als später« Mitglieder des Hauses Fürstenbcrg — mit Ausnahme der zwei gleichgesinnten Brüder Franz Egon und Hcrrmann Egon — schließt sich selbst an dieses Urtheil an; denn die teutsche und österreichische Sache, die man in diesem Hause stets als e.ne und (') IVzfileni'er i. a. W. Vsrlerl. Historie VI. an verschiedenen Stellen. Der und /»eckerlanck'scHe üfi-r- onr-us von verschiedenen Zabrgängcn. Seoreto ksso- lutien van cle Vitt II. ^ioon Ilist. inetalligus ckes ?az>s-Las tt. III. Vliosanrus Nuniisrnat. moüernoruin Nujus swouli- remd. >700 — >707, 2 vol. toi. Leide letztere liefern Be- schreidiin e» von Spottmunzen auf Wilhelm von Fürstenberg, Zn Sfi-cer- Aanimlunz merkwürdiger und rarer Bücher I. — VI. findet er sich ebenfalls unter den »Heros äe I« Digue« aufgeführt, und die boshafte Inschrift, welche man unter sein Portrait gefitzt, steht daselbü abgedruckt Dieses seltene Buch selbst, ein Bündel Karrikaturen auf Ludwig XIV., Le Tellier, Colbert, Maintenon u. f. w., von der Hand eines erbitterten Hugenotten gezeichnet, befindet stP auch in der königlichen Bibliothek im Haag. Die Zahl der holländischen, tcutschen und französische» Pamphlets über Zürstenberg jedoch ist Legion, — 84 — dieselbe ansah, und mit religiöser Treue festhielt, bildete bei allen ihren Schritten die Hauptdcvisc. Aber man vergesse nicht, daß die Richtung, welche die drei Brüder — der nachmalige Kardinal vor allen — eingeschlagen, ein Ergebniß eigenthümlichcr Zeit- sowohl als Privatverhält- iussc war; daß der kaiserliche Hof, durch allzu unvorsichtige, leidenschaftliche und heftige Sprache gegen jene Brüder in einer Periode, wo Versöhnung noch möglich war, zu einem solchen Betragen sie herausgcreizt, und daß eine Reihe bitterer Kränkungen auch eine Kette von unglückseligen Verwickelungen mit sich gebracht. Die drei Prinzen sahen überdies in dem Systeme der damaligen Politik nur ein Gewebe von eigennützigen Bestrebungen auf allen Seiten, und sie trachteten davon, als gute Diplomaten, jeder für sich und seine Freunde den bestmöglichsten Nutzen zu ziehen. Sie sahen in den Verhältnissen K. Leopolds I. und Ludewigs XIV, nur einen Kampf der Hauser Habsburg und Bourbon, deren Streit die Nation als solche nichts anging, worin vielleicht jeder eben so viel Unrecht als Recht hatte, und worin sie nach Gefühl und Interesse ebenfalls eine Lastze brachen, so gut als andere Fürsten und Diplomaten, welche die Komödie nur versteckter mitspielten, und die Unvolksthümlichkcit ihrer Handlungen mit nationalem Schleier bedeckten. Daß Leopold I, Kaiser des Reiches war, brachte ihnen in der öffentlichen Meinung freilich einen bedeutenden Nachtheil, und gab dem wiener Hof, der in Vielem nichts weniger als teutsch gehandelt, eine günstigere Stellung. Wenn man aber alle Staatsaffairen jener Periode genau zusammenstellt, so ergibt sich unschwer das Resultat, daß zn Wien die öffentlichen Vertrage, National-und Fürstenrechte oftmals eben so wenig beobachtet und geschont wurden, als zu St. Gcrmaiil. Es wimmelt von Satyren und Pamphlets voll energischer bald, b'ld rührender Klagen, in welchen die Patrioten damaliger Zeit über die betrübte L. ge der Nation sich verzappeln, und worin der Kaiser und der König gleich wenig geschont werden. Es herrschte in dem Grundcharakter der Politik des Jahrhunderts eine Anarchie, und auch damals ließ sich so gut, als in einem spätern der Satz Johannes Müllers anwenden : »Gott wollte damals die Moralität der Großen zeigen!« Der Abfall dreier Fürstenberge von der österreichischen Sache — ein Abfall, der blos als Episode in der Geschichte des Hauses dastekt — brachte den Interessen dieses letz- torn viel weniger Schaden, als die nachmals glänzend erneuerte und bis zu neuester Zeit festbcwahrte Treue Aller. Indem wir diese Vorbetrachtungen schließen, können wir uns nicht enthalten, die merkwürdigen Worte eines österreichischen Reichshistoriographen, des bekannten Verfassers der Geschichte der Teutschen, Schmidt, hier beizufügen, mit welchen er seine Schilderung von der vielfachen Entzweiung der Fürsten unter sich und von ihrem fast gemeinsamen Ankampf wider das Haus Österreich, endlich von der veränderten Denkungsart und Stimmung in Teutschland und beinahe in ganz Europa, schließet : »Kaum war nach dem Tode Kaisers Ferdinand Hl. die Nothwcndigkeit einer neuen Wahl eingetreten, so regte sich auf einmal alles. Was immer von neuen Feinden vorhanden war, bestrebte sich, wie ein von dieser Sache wohl unterrichteter Schriftsteller, (') versichert, nach allen Kräften, daß doch einmal Österreich von seiner hohen Stufe und von seinem Stolze, wie sie sagten, herab in billige Schranken der Ordnung gebracht (') liiswria I,eoxollli HI. I. 26. werden möchte. An öffentlichen Plätzen nnd in häuslichen Gesellschaften, überall war diese Sache der Gegenstand des allgemeinen Gespräches; selbst Leute von der niedrigsten Klasse sagten laut und öffentlich : bei dieser Wahlversammlung werde es sich endlich zeigen, ob der Name der Churfürsten wirklich etwas zu bedeuten habe, oder ob, wie man behauptet, Teutschland Österreichs Erbtheil worden scy.« Diese ebrliche Mittheilung der Zeitstimmungen und Ansichten liefert vielleicht eine bessere Apologie für unsere Diplomaten, als der beredteste Verfechter zu entwerfen im Stande seyn möchte. Es war vielleicht gerade diese Allgemeinheit gegründeten oder ungegründeten Widerwillens und Vorurthcils gegen die Dynastie Habsburg, welchem auch die Fürstenbcrge sich nicht entwunden, und worin persönliche Unbilden oder Zurücksetzungen sie noch bestätigt haben konnten. Wenn man überdies den argwöhnischen, fanatischen, unliebenswürdigen Charakter Leopolds I, erwägt, welcher selbst vertraute Räthc, wie Lvbkowiz und Portia, zuletzt sich entfremdete und zu Verrathern machte; welcher die edelsten Helden, wie Sobieoki, Lothringen und Eugen, mit Kalte, Unwürde und Undank für Thaten der Rettung seines Hauses, der Monarchie nnd Teutschlands, belohnte; welcher fremde Meinungen mit Ungnade, andere Glaubensbekenntnisse mit Verfolgung, und Ungarn und Böhmen mit vertragbrüchiger Härte behandelte, so läßt sich eine Politik wenigstens entschuldigen, wenn auch gerade nicht rechtfertigen, welche der seinigen und mit ihr allen Waffen des Talents, der List und der Gewalt gleiche Waffen entgegensetzte. Man liest in allen Proklamen des wiener Hofes jener Zeit viel von Vaterlandsliebe, von teutscher Nation, germanischer Freiheit und Pflichten der Reichsstände, als Sprossen aus germanischem Saamen; — 37 — aber man findet weder in den Akten der kaiserlichen Negierung Dinge, welche die Überzeugung beigebracht hätten, daß solche Gefühle wirklich im Innern von Larenburg vorgeherrscht, und daß mau der korrclaten Verpflichtungen gegen die Nation jederzeit eingedenk gewesen, und noch weniger findet man in den Lebensäußerungcn dieser letztern während der ganzen denkwürdigen Periode einen Widerklang jener Sprache aus dem Herzen der Nation oder ans dem Mund ihrer damaligen Organe. Alles war somit der Privatüberzeugung der Einzelnen heimgegeben, und nach dem Beispiel des Kaisers und der Fürsten richteten sich diejenigen, welche aus den Fehlern und Jrrthü- mern Beider Gewinn für sich selbst zogen. Die Nation war dabei freilich sehr zu beklagen, aber sie selbst beklagte sich nicht, oder nur selten, weil, sie das Recht dazu verscherzt, oder vielmehr, weil gar keine Nation mehr bestand. Drittes Kapitel. Die Anstrengungen der Brüder Franz Egon und Wilhelm Egon von Fürstenberg wider die Kaiserwahl Leopolds l. ie bisher aufgetretenen Bewerber um die Kaiserwürde waren : der König von Ungarn, Leopold, Ferdinands III. erster Sohn, damals noch minderjährig; der König Ludewig XIV. von Frankreich und Pfalzgraf Herzog von Neuburg. Als Kandidaten, welche, nur voraugc- schobcn durch die Politik Dritter, in Betracht gekommen, galten der Churfürst Ferdinand Maria von Baiern, in dessen Person man die alte Eifersucht der Baicru wider Österreich bewaffnen, und der Erzherzog Leopold Wilhelm, durch welchen man als dankbares Werkzeug die Glieder des Hauses Habsburg unter sich selbst zu vcrun- willigen gedachte. Für und wider Jeden hatten die Politik, das Recht, die Erinnerung und die öffentliche Meinung Gründe zur Annahme, wie zur Verwerfung. Es handelte sich somit blos darum, welche Partei die meisten dieser Gründe geltend mache» und die meisten der Wahlfürsten für den Gegenstand ihrer Vorliebe vereinigen konnte. Ein reiches Spiel von Ränken, Versuchungen, Unterhandlungen begann, und die alte Majestät des heiligen römischen Reiches tcutscher-Nation lag inzwischen wie eine Waare auf dem Markte, zu öffentlicher Schau ausgestellt, mit der Bestimmung, dem Klügsten oder Möchtigsten als Beute zuzufallen. — 89 — Eine Hauptvorfrage bildete der Zeitpunkt der Wahl selbst; einige riethen Aufschub und Überlegung, andere Beförderung und Raschheit des Entschlusses an. Unter den Fürsten, welche für letzteres (anfänglich) gestimmt waren, befand sich der Churfürst von Köln, oder vielmehr das Brüdcrpaar, welches die Geschäfte für ihn leitete. Als Grund war die Bcsorgniß vor Einmischung der Fremden, Franzosen, Spanier oder Schweden, angegeben. Als der Herr Raban von Kanstein, der gewandte Unterhändler des Churfürstcn von Brandenburg, welcher den eifrigen Patrioten mit unermüdlicher Beharrlichkeit spielte, vor Maximilian Heinrich kam, schien man überzeugt scyir zu wollen : daß Ludewigs XIV. Wahl der goldenen Bulle ausdrücklich widerstreite; Neuburg wenig nach dem Geschmack des Kollegiums, die Gesinnung Beuerns uuent- schlüsstg und unbestimmt, unter den österreichischen Prinzen aber auf jeden Fall der Erzherzog Leopold Wilhelm (wegen seiner Abneigung gegen die Spanier) dem Könige der Ungarn vorzuziehen scy. Leider scy Frankreich entschieden gegen alle habsburgischcn Glieder ohne Ausnahme; aber vielleicht würde zuletzt seine Abneigung dennoch zu Gunsten des loyal- und mildgestnnten Leopold Wilhelms sich besiegen lassen. Vereinigte Brandenburg sich mit Köln, Trier und Mainz für diesen, so bildete man die Mehrzahl, wenn auch Baiern, Sachsen und Pfalz für Leopold sich aussprechen sollten; denn die böhmische Stimme fiel von selbst weg, da niemand sie sich selber geben könne. Der künftige Kaiser müsse ein rein teutscher und von keinen nahen Verhältnissen zu fremden Mächten abhängiger scyn. Dies aber würde beim Könige von Ungarn unausweichlich, Spanien gegenüber, der Fall und somit das Reich immer unter diesem studerlichen Einfluß seyn. Brandenburg selbst hätte alsdenn für seine Staaten das Schlimmste, wegen — 90 — der spanisch-niederländischen Nachbarschaft, zu besorgen haben. Könnte man daher über Leopold Wilhelm sich nicht einverstehen, so wäre selbst die Wahl Lndcwigs XIV. vorzuziehen. Auf jeden Fall sey es einmal Zeit, einen solchen Zustand der Dinge zu begründen, welcher Teutschland außerhalb der Nothwendigkeit setze, unaufhörlich Schauplatz fremder Kriege und Opfer einer Politik zu werden, die seine eigen chcn Interessen durchaus nicht berührten. Des Reiches Politik erheische, daß sein Kaiser keine fremde Kronen trage. Der Reichshofrath bedürfe einer neuen Organisation, durch die Churfürsten selbst, etwa auch nach Anhörung des Gutachtens der andern Stände, vorgenommen. Solche Ansichten, in denen nicht nur nichts Unteut- sches, sondern im Gcgentheil sehr viel Deutsches lag, theilten die Fürstenbergc dem Kanstem, als Ausdruck der Gesinnungen ihres Herrn mit. Der Unterhändler ging nun weiter nach München; aber hier ward er, da sein Beglaubigungsbricf die Adresse an den Churfürsten, als Reichsvikar, nicht enthielt, nicht einmal vorgelassen. Er erfuhr jedoch auf Umwegen die am baierischcn Hof vorherrschende Meinung, welche wir sogleich nun andeuten werden. Im Übrigen widerstrebte dieser Hof dem Aufschub der Wahl nicht, welcher von Österreich mit Absicht, wegen der Minderjährigkeit Leopolds, begehrt worden war. Trotz aller Anstrengungen der Gegenpartei wurde die Wahl in der That nun aufgeschoben, während welcher Zeit die Anhänger nichts unterließen, um Leopolds Person und Interesse siegreich zu machen. Der Churfürst von Brandenburg suchte bestens zu mittel», und auch einen zwischen Köln und Mainz über den Akt der Krönung selbst entstandenen Ehrenstreit zu schlichten. Eben so soll- - 91 - ten verschiedene Vorfragen über die Wahlkapitulation zuerst in's Reine gebracht werden. ( ) Der eigentliche Operationsplan der Gebrüder Fürstenberg war dahin gegangen, den schwachen Ferdinand Maria für die Wahl Ludewigs XlV. als Kaiser zu gewinnen, wofür er selbst zum römischen Könige sodann ernannt werden sollte. Des Churfürsten bescheiden-friedlicher Sinn lehnte dies Anerbieten beharrlich ab; allein Franz Egon, sein Bruder Herrmann Egon und der Marschall von Grammont, welcher mir nach München gereist war, hatten das ehrgeizige Gemuth d.r schönen und verschlagenen Cburfürstin ganz von dieser LieblingSidee erfüllt. Adel Heide von Savoyen, Tochter Viktors Ame- däns und Enkelin Heinrichs IV,, gab sich ibren Rathen unbedingt hin, und der Geheimrath, von Herrmann Egon so ziemlich geleitet, war schon nahe daran, für Annahme des Vorschlags sich zu erklären, als der Ober-Hofmarschall, Graf von Kurtz, eine Art Mentor der Fürstin von der Zeit an, da er sie über die Alpen in Ferdinand Marias Arme geführt, heftigen Widerstand entgegensetzte, und die Absichten der Unterhändler vereitelte. Alle Vorstellungen Adclhcidcns von der Größe des Planes und dem Rubme des Fürstenhauses wurden durch siegreiche Gründe von Baierns wohlverstandenem Interesse, von der Gefährlichkeit des angebotenen Geschenkes und von den Begriffen der Ehre und Treue aufgewogen. Franz Egon kehrte unvcrrichteter Dinge nach Frankreich zurück. Von hier aus wußte er, den Gegcnarbciten der baicri- schen Räthe zum Trotz, Gerüchte von Ferdinand Marias 1') e>, c/e 6g5. toi,, welcher SchnltsteUer längere Zelt nun unser Hauplfuhrer ist. — 92 — t Neigung für den Vorschlag noch einige Zeil gangbar zu machen, und es ward sowohl für ihn, als den Kardinal Mazarin Ehrensache, solchen Gerüchten Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Allgemein herrschte daher im Publikum die Ansicht vor : der Ehurfürst werde die Wahl sich dennoch gefallen lassen. Allein der Gesandte Baierns auf dem Reichstage, Oechsle, erklärte mit seltenem Freimuth in öffentlicher Versammlung : »Und wenn auch alle Cburfür- sten meinen Herren krönen, so will ich ihm doch den Kopf so lange rütteln, bis die Krone herunter fallt.« Alle fernere Anstrengungen Hermann Egons, Grammonts, Adelheidens scheiterten an dem männlichen Trotz einer patriotisch beschränkten Diplomatie im Kabinette des Churfür- sten. (') (') Nernoires lle L rairrinont. Zschokke V. Buch, III. Abschnitt, 2. Kap, Auf welche Weise manche Franzosen, damals und später, geschichtliche Wahrheit in Bezug auf leulsche Begebenheiten verunstalteten, mag folgend r Bericht über die miinche- ner Unterhandlungen belegen, welcher in den »^neello/es e k ii ss r e!> sea v, par orilre lle I'eleetrics, nrenage allroitenrent les alnbassaclenrs lle krarree, pour olrtenir lles voix ä son iriaitre. blais I'eleoteur, inlorme lle ce czui se tranie, llesavoue son nrinistre, le eornte oe Lira- sreüseso, et lui urllonns, lle lleolarer puliliczuenreirt ses intcntions an oollege elsotoral. Le pnt en conseguencs lle cet orllre cn Grafen als Miturheber der Verschwörung ungar'scher Magnaten im französischen Interesse bezeichnete, welches Wagniß mit dem Tode mehrerer Häupter und mit Schmä- lerung der Freiheiten jener Nation endigte. Sowohl der Kaiser als die Holländer warfen dies nachmals ihm bitter vor, aber ohne dem Publikum hinlängliche Belege dafür zu liefern. Die Hauptfeindschaft bestand jedoch zwischen den Fürstenbergs und der Republik Holland. Eine Reihe von Briefen, Depeschen und Winken des berühmten Jan de Witt an den Herrn van Benningen und andere Botschafter der Generalstaaten zu Paris und London, so wie der Antworten derselben an den Großpensionaris bezeugen das widerwärtige Verhältniß zwischen diesen und Kpln schon in de» Jahren 1658^-1661. Das Besatzungsrccht, welches die Holländer in Rheinbcrgen, dem so äußerst wichtigen militairi- schen Punkte an der Grenze mehrerer Staaten, ausübten, war ein Hauptstein des Anstosscs und ein Hauptgcgenstand angestrengter Wachsamkeit. (I Wilhelm suchte in Denk- III ad Aeinseckt, ein deselue in Aemeene delensie ts KeZr/zien. Ick. liekke in/ in »eda°tcn laeten kamen, u/teenigo rsllexien az> de sserets Lonkerautie v. den tlravs v. Kursten- Kerg met den Heere (iardinael, dat men niet czual/ck »al doen van een aoZIi te Knuden ax de seeurite/t V. KK/nKsrck. Ick Kl/ve, kl/n Ileer ete. (') Noch verschiedene Briefe und Briefstellen in der angezeigten Sammlung handeln über Köln, Fürstenbcrg, Rheinbergen u. s. w. (') Valckenier z. B. im a. W- spricht stets auf das Ungezogenste von den Fürstenbergen, so oft er die verhaßten Namen abhandeln muß. — III — ten mehr als ein Denkmal des Hasses, den Brüdern Fär- stcnberg gestiftet. (') Bei diesen Letztern ward es znm bestimmten Entschluß, die vereinigten Staaten um jeden Preis demüthigen zu helfen, und es war, wie verschiedene holländische Geschichtschreiber richtig bemerkt haben, ein ganz anderer Zweck, als der Wiedcrgewinn von Rheinbergen, wofür Europa aufs neue in Feuer und Flammen gesetzt wurde. Zm Zorn über die ihnen so nachtheilige Betriebsamkeit der beiden »Orakels von Frankreich,« wie sie die Gebrüder nennen, äußern sie einmal, daß der Kuricrwechsel von Bonn nach Paris und von Paris nach Bonn wie eine Ebbe und Fluth vor sich gegangen scy. Der persönliche Haß, womit die beiden Diplomaten dett Orangistcn und Patrioten Hollands in gleichem Maaße persönliche Beleidigungen, so wie die Beeinträchtigung der Hoheitsrcchte Kölns vergalten, war um so gefähr, sicher und wirksamer, als sie ihn mit dem jeweiligen Interesse der einzelnen Gegner, welche wider die Republik geworben worden, in Verbindung gebracht. Den Königen stellten sie die stolzen Republikaner, den Churfürsten die fcindseligchabsüchtig-zugrcifendcn Nachbarn, den Katholiken die proselytisircndcn Protestanten vor Augen. So t') Nesolurieri van lk. Nk Ebenso die Sammlung der Nean- lutien von Xz-Wenia. 1°. I. XII., endlich auch die größere in Fol. Wir haben die zahlreichen Folianten sowohl gedruckt, als im dlSS. für unfern Zweck durchgesehen; allein Auszüge, deren Gewinn an eigentlich historisch-biographischen Zügen doch nur gering seyn dürfte, hätten hier den Raum unnöthig versperrt; alles über die Fürstenberge, namenllich Prinz Wil» Helm, darin Vorfindlichc knüpft sich, erläuternd oder bsstä» ligend, a» bekannte Thatsachen und gedruckte Äußerungen. wurde die Sache Frankreichs, Kölns und die eigene Sache gemeinsame Angelegenheit Vieler. Die Verhältnisse der beiden Furstenbergc zu Jan de Witt selbst waren übrigens niemals ganz feindselig gewesen; noch in den Jahren 1666, 1667 und 1668 findet man sie entweder unmittelbar mit ihnen oder ihren Gesandten in thätigem Briefverkehr bisweilen auch im Haag, in vertraulichen und langedauernden Unterredungen mit dem Letztern. Der Gegenstand betraf meist die spanische Niederlande, Spanien, den Kaiser und die französische Politik. Nheiubergcn bildet jedoch fortwährend den Hanptrefrain in allen Staatsschriften, welche zwischen dem Haag und Köln gewechselt worden. Es handelte sich namentlich von einem Austausch der Stadt und des Amtes zwischen beiden Mächten gegen billigen Ersatz. Im Jänner desselben Jahres noch hatte Wilhelm lebhafte Erörterungen mit dem Herrn von Beu- ningen, und reiste sodann selbst zu dem Großpensionaris ab. (') Es ward sofort auch von einer Verzichtleistung auf Borculo gesprochen. Fürstenberg ließ ssch's sehr angelegen scyn, zwischen der Republik und Münster Frieden zu vermitteln; dies bezeugen die eigenen Worte Benningens, welcher wünscht, der von Bevernin gh möchte in ein besseres Konzept gebracht werden können. (') Aus einem spätern Briefe des Gesandten an I. de Witt vom November 1666 erfahren wir, daß Wilhelm mit einer Sendung nach Wien abging, um die Frage wegen Spanien daselbst persönlich zu verhandeln und in's Reine zu Loi. UI. . 8 — 114 — bei den übrigen Botschaftern einigermaßen geschwächt hätten. Ans jeden Fall müßte — was er dem Grafen selbst bedeutet — den Worten die That nachfolgen. Fürstenberg reiste bald nach diesen Unterredungen nach Köln ab, von wo aus neue Zuschriften der teutschen Fürsten an den Kaiser über die Angelegenheiten des Tages erlassen werden sollten. Er verhieß seine redlichste Bemühung für Schlichtung der Wirren und baldige Eröffnung vertraulicher Konferenzen mit de Witt, im Interesse des allgemeinen Friedens. (') Im Julius 1669 schreibt Benningen abermals über für- stenberg'sche Mitteilungen nach dem Haag, zumal Spanien belangend, mit dem man immer noch einen Vergleich wünschte, und zu Ende des Augusts erhielt derselbe Botschafter einen Brief von Wilhelm über die Versuche des englischen Königs, mit den Gcneralstaaten in Verbindung zu treten, und von Winken, die er durch Madame, Henriette von England, nach Paris Übermacht. (') Bei der persönlichen Anwesenheit der beiden Brüder im Haag um die Mitte des Jänners 1668 wurden nicht minder wichtige Dinge verhandelt. Sie sprachen mit ziemlich viel Unbefangenheit, (') Franz Egon fast mit zu vieler, von Ludwigs XIV. Politik. (') Lrievou tussctiou N> ?. >1. naot)?ok,on SN boeigten naer t'alis. u (') Ebendies, x. 5Zi, 565. Dar cie saeleen van clio natni-o, lloor In't nvtktelken novit en verdeetorchen; (tat Uo t,Vaepensn van Neil liuningti van I'eancch- rvelc, tegen (ton ttertuAli van Dottcring?», oceaslon tot oenigs «nelere äessevnen «ouNen Tonnen govsn j clat chot inet cle ws- — 115 — , Der Großpcnsionaris meint: Niemand sey so wohl vott allen ihren Geheimnissen unterrichtet, wie Wilhelm von Fnrstenberg. Dieser gab ihm auch offen eine Erklärung über das, was der Churfürst von Köln beabsichtige, und übermachte den Staaten eine Denkschrift, worin er die reltselie sacken soo verre was gokmnen, clat inen sigli so seer niet meer ax> cie kragt van cle l'ractaten, als ex cle onniaglit van cle I'rii»ZkN en vertrvuwclsn; lateuilk lizc Nie oecasie, aon szcn kixeelleucie sien een kriet, äie ick äien setveu clagli van clen llissciiop von Ltraetslsurgli Iiaclcie ontlangen, waer in clicn Heer, niettegenstaeucle svn grovt engageinent inet Vranckr^ck, niet ciu vstcclvck en tonncle, cle vrese, Nie I>^ Iiaclcie van liet czuaet, clat uxt clen kotteringsclien Oorlog soucie kunnen ont- «wen; orn s^n ltxceliencie (taer nieäe te klaercler voor oogo te stellen, clat liet van cle W)slie)'t van alle Uegeriugen is, cle incresserencle Itlaglit van soo een t'vriniclaliel R^ck, als Vranckr^ck, cloor alle legitimen iniclclelen tegen ts gaen; encie also »vn kixcellencie nix ciaer ox geliefcls te gsnioet te voeren, clat 'er versclrez-äe consicleratien voor clese liroon , ointrent clis Inaterie voorvielen, enäe vooruadlnentl^ck, «tat s/ nogll was in volle /tlliancie inet Vrauckr^ck, van welcksrs Ninister» »zc uogli claegel^cks vvierclen gesolliciteert, enäe Soo äaäel^ck, nz-t Iianclen vaii clen lieers Rnsseau, clie ick in lict vovrliuziz Iiaclcie ontinoet, seil kriek, op clat snliject, van äen Heere cle koin^nne Iiaclcie liekunienj clat soo vvel ox cle eer, als op cle interest van s^n Itvning, reguarcl inoesls vverclen genoinen z clat liet eene niet e» koncls kestasn, lizcalclien cleselve genoo- »taeckt, cloor een nisuw ?ractaet te Iieclingen, 't geeu lienr äuor een voorgaencle al toecjnarn, gel vck ook niet liet anclers, als rnen liein op teci»vnen soucie willen geven, liet geene liein iilrecle coinptant was keloost, encle ezcnclelxck^, äat liet aonclvr vruglit soucle s)cn, clat »igli clese Itroon tot een generale (Z^na- rantie van alle cle kancien van clen Itoning van Spaignen soncle engageren, claer cle rneests van cieselve sooclaenige svn, clat »^ inet liaere L-lilicie, ciaer niet ontrent sa kunnen Ks» -- lig — Bedürfnisse der Zeit, die Stellung Kölns und jene der Republik auseinander setzte und letztere zu einer Änderung ihres bisherigen Systcmcs aufgefordert zu haben schien. De Witt spricht mit Achtung, von der Person und den Mittheilungen Fürstenbergs, und es scheint, daß Beide ihm viel zu denken gemacht. Er unterhält auch die Gesandten der Gcneralstaaten in England wiederholt darüber und empfängt gegenseitig von ihnen Bemerkungen und Winke. Merkwürdig ist, daß beide Diplomaten zu Ende Jänners plötzlich den Haag verließen, ohne von den Staaten oder ihren Bevollmächtigten Abschied genommen zu haben. De Witt schrieb solches unverweilt an Meermann in London, thcilte die geheime Resolution mit, die er genommen und machte sich aus der Natur des Gespräches mit den Fürstenbergen, mit Sicherheit die kommenden Ereignisse beurthcilend, auf nahen Ausbruch der Feindseligkeiten gefaßt. (I inen : ende dab ielc daer op weder geaubwoord liadde, dab den lkoninßli s^n inderesb konde vinden nied alleen in de Vrede Van Zan2 ddirisdenrvel^, daer sulcken consideralden ße- beeide inlzadden; inaer oolc in liei lie^oinen van de snlisidien, daer toe lied solieen, Zeen andere we^li als dese, Zevonden lio ^nnnen werden : dai svn eei' delansende, deselve lconde vol> daen werden in inodo l'ractandi, als naeinentl^clL, liein, voer liet aeii^aen van lieb l'raobaeb ^ verseeelcorinZli wierds Zedaen, 6a!) lieni de lzewnste siilzsidien, N)'b l^ra^libs van de voorzaende l'raebaben ^ sonden weiden lieraelb, suo ras als de Konin^inne van LpaiZnen, van s^n vorder enogvemeiib sende verseeel^erb s^n, sonder dab eeniße inendie van de Zeda^lits l)elaelinAs, in lieb voorsi^. no^li be inak^en d'rae.last) lielioeld de werden Zeinaecl^b. de 6r5. V. ksoorn, kl/. v. /. kl/es^man» eir. >k. Dorsel. tgravenli. >72^, Diese, so wie die früher angezeigte Sammlung von Schreiben und Resolutionen des berühmten Staatsmanns und anderer bedeutenden Diplomaten Hotlands aus jener Periode, ln Teutschland so viel als unbekannt, enthalten einen reichen Schatz von historischen Aufklärungen über alle wichtiger» Zeitereignisse eben von politischem Scharfblick, gründlicher Kennt» niß und geistreichen Bemerkungen jeder Art. (') Der Wichtigkeit wegen, die diese Urkunde für diese Geschichte ^ hat, setzen wir sie ganz hieher : »Wir Leopold von Gottes Gnaden Erwählter Römischer Kaiser, zu allen Zeitten Mehrer deß Reichs in Germanien, zu Hungarn, Böheimb , Dalmatien, Croatien vnd Sclauonien :c. König, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, zu Bra- bandt, zu Steyr, zu Karndten, zu Crain, zu Lutzemburz, zu Württemberg, Ober- vnd Nider-Schlesten, Fürst zu Schwaben, Marggraf deß Heyl. Römischen Reichs, zu Burgaw, zu Mährn, Ober^ und Nider-Laußnitz, gefürster Graue zu Hab- spurg, zu Tprol, zu Pfierdt, zu Kyburg vnd zu Görtz, Landt- — 118 — seu Entschluß Leopolds I, enthielt, so wie die Urkunde vom Reichskammergericht cl. cl. 20. März 1667, eine sehr späte graff in Elsas, Herr auf der Windischen Mark, zu Portenaw vnd zu Salins zc. Bekhennen für Vns vnd Vnsere Nachkommen am Heyligen Römische» Reich, auch Vnsern Erbkönigreich, Fürstenthumb vnd Landen öffentlich mit diesem Briefs vnd thue» kundl aller- menniglichen; Wiewohl die höhe Römischer Kayserlicher Würdigkeit durch macht Ihres erleuchten ThronS, hieuor nit allein zu ericuchtuug vnd wurden, sondern auch zur nvtluifft vnd Ziehrung des Heyl. Rom. Reichs Großmächtigkeit, mit Fürsten, Ständen vnd hoben Edlen Geschlechts,, gcziehrt ist, Jedoch, seitemahl durch absterben der Mentschen solche hohe Geschlecht ie zu Zeilten in Mangel vnd abnehmen gerathen, vnd ie mehr die Kayserliche hochheit dieselben ihrem stattlichen herkommen, wvhlthatlen vnd verdienen nach mit hölzern Ehren vnd Würden fürschet vnd begäbet, ie herrlicher der Thron Kayserlicher Mayestätt dardurch geziehret vnd scheinbarlicher gemacht, auch die vnderthanen bey -ikantnus Kays. Würdigkeit, vnd Ihrem schuldigen gehorsamb erhalten, auch zu Abstichen Tugenden, Ehrlichen Ritterlichen Thatten vnd getrdwen, statten vnd beständigen diensten bewogt vnd angelaitet werden. ZZber dieses vnd ob Wir wobl aus Kayserlicher höhe vnd Würdigkeit, darein VnS der Allmächtige Gott nach seinem Göttlichen wUlen gesetzt hat, auch angeborner guette vnd mildigkeit allzeit genaigt seiud, aller vnd iedsn Vnserer vnd des Heiligen Reichs zugewandten hoben vnd nidern Ständen vnd glider. Ehr, Würde, Auffnebmen vnd Wohlfahrt zu betrachten vnd zu befördern. So ist doch Vnser Kayserliche» gemücth billich meh- vers gewogen vnd begierlicher dieiehnigen deren vor-Eltern vnd Sie, von vhralten stattlichen Nahmen, Stammen vnd Geschlecht herkommen, vnd sich gegen Vnsern Vorfahren,m Reich, Römischen Kaysern vnd Königen, auch Bus, dem Heyl. Reich, vttd Vuserm Löbl. Crtzhauß Osterreich, mit soliderer getrewer — 11? — Anerkennung der mehr als fnnfhnndertjäbrigeit Verdienste des Hauses Fürstenberg um Teutschland und Österreich. diensibarkeitzu Kriegs- und Friedens-Zeittcn, vor andern guct- willig vnd standlhaffttg erzaigcn vnd beweisen, in noch Hähern vnd grossern Staudt vnd Ebre» zu crböben vnd zu sezen. Wan Wir nun gnediglich angesehen, wahrgenommen vnd betrachtet auch zu zemüetb gezogen, daß in dem Heyligen Rom. Reich sowohl, als Vns selbst bekäme vnd nach besag vnder- schiedlicher historischen beschreibungen vnd vorgebrachter be- wcistumben, von denen Herzogen von Zöhrrigen, Landtgraven in Elsas vnd Herzogen zu Allcmanien herkommene stattliche »hralte Geschlecht der Graven von Fnrstenberg. welches sich von vndenklichen Zeitten hero vnabläßlich rühmblich vnd wohl verhalten, vnd allweeg in grosser Achtung »und ruhmb gestanden, auch von Anno Neunhundert vnd «in vnd drcyssig ahn. sich mit Königlichen, Fürstlichen vnd andern hocherleuchten Geschlechter», vermitelst bin vnd her getroffener Hewrath jederzeit verbunden vnd verwandt, Znsonderheit im Geistlichen Standt sich also wohl würdig gemacht, daß daraus von Päbst- licher Heyligkeit, einer Nabmens Conradus Graff von Für- stenberz. nil altein mit der hoben würde des Cardinalats gewürdiget, sondern auch als Legatus des Päbstlichen Stuels mit vollmacht wider die Albjgenser in Frankreich, vnd hinnach auch in Hispamen vnd Teutschland zu besichtigung des Heyligen Landts, mit hochrumblicher Verrichtung geschickt, andire aber zu vnder- schiedlichen vornehmen Erz- vnd Bischofflichen-Abbteylich- vnd andern hohen Ehrn vnd Würdigkeiten erwählet vnd bestell worden, wie da» nit weniger in Weltlich- vnd Politisch- be- vvrab aber in Kriegssachen, Vnsern Lvbl, vorfahren am Reich, Römischen Kaysern vnd Königen, dem Heyligen Römischen Reich, vnd Hochlöbl. Erzhaus Oesterreich, dasselbige sowohl zu Friedens: als erhobenen Kriegs auffruhr vnd empörungs Zeitten, mit sonder getrewester dienstbarkeit, unverschont Leib, guelt vnd bluets, vor andern sich guetwillig erzaigt vnd standt- — 120 — Wir werden in der Folge Gelegenheit finden, zu ersehen, welchen Werth der Kaiser auf eine Begünstigung setzte, hafftig bewisen, gestalten auch verschiedene aus denenselben in Hoff vnd Kriegsdiensten zu ihrem scnoerbareu rubmb und lob, Hobe Ämbtcr, als Kaps- Ovrist-Heffmaister, Geheimen Raths, ReichhoffrathS, Präsidenten, Vnlerer vorsakrere, vnd deß H>vl Rom. Reichs Obristen Feldt-^aubtmanns , Feldtmar« schalcken vnd vber die Teu'sche Vvlckher Gen ralsstellen, auch andere bobe Kriegsämbter Löbl. vnd wohl bedlaidet darinnen auch ansehenliche Lummissiones Dezstiones zu außl indischen Pvlenlaten, auch C'ur vnd Fürsten deß Reichs verrichtet, we Sie alles in Zhrer Genealogi habenden Dokumenten, Ma- nuicripten vnd angezogenen bisto> ischen beschreibungen mit meh- rerm bewiesen haben, warauff Wir VnS dan allbie kurze halber beziehen, vnd nachdeme ruck nit weniger die aus diesem Geschlecht entsprossene noch im leben sich besi dtliibe Graven, die Ehrwürdig vnd Hock- vnd Wohlgeborne Fr>nz Egon, Bischoff zu Sträßbur, vnnd Administra'vr der Sliffier Murbach vnd LuoecS, Vnser Fürst, vnd lieber Andächtiger, vnd Hcr- man Egon, auch Wilhelm Egon Grauen zu Furstenberg ic. gebruedere Hevlenbergischer lini, in deren Voreltern, Fusß- fiapffen rühmvlichen aetrettc». sich i» Koben vnd wichtigen fachen vnd geschafften V»s, dem Hevl. Reich vnd dem allgemeinen weesen zum besten vnd dienst. » Pemubet, vnd mannigfaltig in vornehme» hochwicht g?» Commissionen vnd Gesandt- schafften bis anbero zu Ihrem selbst aigenen ruiimb vnd lob gebrauchen lassen, vnd vber daß des allerunder>benigsten er- bietbens seiicht in solch deren Tr w vnd dienstbarkeil geacn Lns, dem'Hevl. Rom. Reich vnd Vnserm Löbl Erzbaus Ö erreich noch ferner alles an elegenen fle,ß zu uerbirre», Massen Sie auch wohl tluen kvni en, megen vnd sollen. So haben Wir diesem allem nach auß oban czogenen vnd andere» mehr vrsa- chsn, vnd zu guedigster erkan nus ivlchen sürtresfljchen vhral- ten Geschlechts vnd Herkommens auch rühmvlichen wohl ver« — 121 — welche er der Billigkeit nach länqst zu erteilen schuldig war, (da verschiedene jüngere und weniger bekannte Fa- haltens, vnd lanzwührig getrewen verdienens, mit wohlbedachtem muetd. guettem Rath, rechtem wissen. vnd aus selbü ai- gener bewögnus obbenanles Blschvuenzu Atr'ßburq'llnd d ro beede Geist- vnd Weldtliche Vrüedere Wilhelm Egon »und German Egon, diese besondere Kays, gnad gethan, vnd Siesambt GraffHerman Egons Ebelich gcbornen Sobn Mannlichen Stam- mens, welcher zu jederzeit, so lang diese Stammen stehen, aus deren absteigender luiien, nach den Jahren der eltiste. »nd Weldtlichen Staudts sein, oder von dem Voller zur Regierung tauglich zu sein erkent wirdt, i» ewige Zeit in den Standt, Cbr vnd Wurde Vnserer vnd deß Heyligru R^m. Reichs Fürsten, mit absonderlicher Zulegung des Prädicals vnd Ebrntiluls den Hochgebornen Gelürsten Landtgraven zu Fürstenberg:c. Vnsern lieben Obcimb vnd Fürsten, gnedigli- chen erhöbt, gewürdigt vnd geöezt, Sie auch der Schaar, Gesell- und Gemeinschafft anderer Vnserer vnd deß Heyl. Rem. Reichs Fürsten zugeluegt, zugesellet vnd vergleichet, darzu Ihnen auch den Fürstlichen Titul vnd Nahmen zu sudren, vnd zu gebrauchen gnediglich bewilligt vnd gegeben, auch sich gegen iedermenniglichen hoben vnd nidern Slandtepersobnen also zu nennen vnd zu schreiben zugelassen, gegmuet vnd erlaubt: Ordnen, sezen, erhöben, würdigen, vnd erhohe» demnach aus Römischer Kayserlicher Machtvollkommenheit hiemil w.ssentlich vnd wohlbedächllich Crafft dieses Vrieffs ovbesagle deß Vischoueu Franz Egon zu Slraßburg, And : dero Brueoere Hainau Egon vnd Wilhelm Egon alle Grauen zu Furstcnberg, auch Grass Herman Egons ehelich gebornen leibs Erven einem Mannlichen Slammens, welche, wie abgehört, absteigender linien iedesmahlen nach den Zabren der Einste, vnd Weltlichen Staudts sein wirdt, in den Standt, Ebr vnd Wurde Vnserer vnd deß Heyligen Röm. Reichs FürstenZustiegen, vergleichen, sezen vnd gesellen Sie also zu derselben Schaar, — 122 — Milien schon früher sie erhalten), zu welcher jedoch vielleicht mehr die Hoffnung ihn bestimmte, die talentvollen Gesell- vnd Gemeinschafft; Ertheilen vnd geben Ihnen auch obberührten Ebrntitul Vnsern Oheimb Gesurften Landtgrauen zu Fürstenberg vnd deß Reichs-Fürsten, vnd erlauben Ihnen sich also gegen Vnß vnd sonst iedcrmenniglichen, in was würden, Staudt, oder Weesen die seyen, also zu nennen vnd zu schreiben, vnd mainen, setzen vnd wollen hieauff, daß mehr- benante deß Bischouen zu Straßburg, And: vnd dcro Prüe« dere Graue» zu Fürstenberg ic, sowohl jederzeit in absteigender linien, Eltister Sohn dieses Nahmens, StammenS vnd Geschlechts für vnd für in ewigkcit, Vnsere vnd des Heyl. Rom. Reichs-Fürsten sein, sich also vor vnd neben Ihren alten wohl vnd rühmblich hergebrachten Ebrntitul nennen vnd schreiben, auch von Vns, Vnsern Nachkommen am Heyl. Reich, Römischen Kaysern, Königen, vnd sonst allermennizlich darfür geachtet, erkeiit, geehrt, genent vnd geschriben werden, darzu auch all, vnd jegliche gnad, Freyheit, Ehr, Würde, Vorthcil, Präminenz, Fürstenstandt, Recht, Gerechtigkeit in versamb- lunz vnd Ritterspihlen, mit Bencficien auff hohen vnd mdern Stifftcrn, Geist- vnd Weldtlichen Leben vnd Ämbtern zu em- pfahen vnd zu tragen, vnd sonst alle andere fachen haben, deren theilhafftig vnd emvfänglichen sein, sich auch dessen allen, sonderlich aber deß Fürstcnstandts, tituls vnd Nabmens allenthalben mit allen Ehren, Sessionen, Stimmen im Rcichs- Fürsten-Rath, vnd andern Reichs, vnd Craisversamblungen auch Processionen an allen enden vnd orthen, nach Ihren Ehren, Notrurfften, willen vnd wohigetallen srewen, gebrauchen vnd gemessen solle» vnd mögen, Jnmassen sich andere Vnsere vnd deß Kehligen Röm. Reichs recht gebvrne Fürsten von Recht vnnd gewohnheits wegen srewen, gebrauchen vnd gemessen von allermennizlich vhngehindert. Darauff gebietten Wir allen vnd jeden Churfürstcn, Fürsten, Geist- vnd Weldtlichen, Praclaten, Grauen, Freyen- — 123 — Männer, denen sie zu Theil ward, näher an die Interessen von Österreich zu fesseln, oder ihre gefährliche Qppo- herren, Rittern, Knechten, Landtmarsckalchen, Landtshaubt- leüthen, Landtvvgten, Haubtleüthen, Vicedomen, Voglen, Pflegern, Verwesern, Ambtleüthen, Landtrichtern, Schult- heisscn, Burgermaistern, Richtern, Rächen, Burgern, Gemeinden vnd sonst allen anderd Vnsern vnd deß heyl. Rom. Reichs, auch Vnserer Erb Königreich, Fürstenthumb vnd Lande vnderthanen vnd getrewen in waß wurden, Staudt oder Weesen die seindt, ernstlich vnd vestiglich mit dieiem brieff vnd wollen, daß Sie die Ehrwürdig vnd Hochgeborne Franz Egon Bisckouen zu Straßburg, Administrator» der St>ff- ter Murbach vnd Luders, Hcrman Egon vnd Wilhelm Egon Gesurfte Landtgrauen zu Fürstenberg, Vnsere liebe Oheimb, Fürsten vnd Andächtigen, und Herman Egons iedesmahl elti- stcn Sobn, deren Nahmens vnd Stammens, wie vbstehet, nun hinfnhro ewiglich also für Vnsere vnd deß bevligen Römischen Reichs Fürsten, ehrn, halten, schreiben, annehmen, nennen vnd erkennen, Sie auch in allen vnd ieden ehrlichen versamblungen, Ritterspihlen, hohen vnd nidern Stifften vnd Acmbtern, Geist- und Weldtlichen, auch sonsten an allen orthen vnd enden für Vnsere vnd deß behligen Römischen Reichs Fürsten zu lassen, Ihnen auch den Reichs Fürstlichen titul schnfft- vnd münttlichcn geben, Sie allv bcy aller vnd jeglicher Ebre, Würde, Präeminenz, Northest, Recht vnd Gerechtigkeit, deren sich andere Reichs Fürsten von Recht vnd Gerechtigkeit wegen gebrauchen vnd gemessen, gänzlich vnd gerubiglich verbleiben lassen, daran nichts bindern noch irren, Hierwider nichts tbuen, noch daß iemandls andern zu thun gestatten in keinerley weiß noch weeg, alß lieb einem ieden seye Vnsere vnd deß Reichs schwäre Vngnad vnd Straff vnd darzu ein pöen, nemblicken Zweybundert Marckb lömges Goldts zu vermeiden, die ein ieder, so offt er freuemlich Hierwider thette, Vns halb in Visier vnd deß Reichs Cammer vnd — 124 — sition zu entwaffnen, als irgend eine persönliche Neigung für die Beschenkten. den andern halben theil obmehrzenanten Gesurften Landt- grauen zu Fürstenberg vnd deren absteigender lini eltisten Mannlichen Erben, so Hierwider belaidigt wurden, vnnach- läßlich zu bezahlen verfallen sein, vnd nichts desto weniger Sie Fürsten vnd Herman Egon Primogeniti bey diesen Fürstlichen Ehrn, Würden, vnd Freiheiten verbleiben, auch würckhlich geschützt vnd gchandthavt werden sollen. Dessen zu wahrer vhrtundt haben Wir Vnsere Kayserliche güldene Bullam an diesen Fürstenbrieff wissentlich hängen lassen, der geben ist zu Straubing den Zwölfften tag Monaths May nach Christi Vnsers lieben Herrn vnd S^eligmachers gnadenreicher Gebührt im Sechzehenhundert vier vnd Sechzigsten, Vnserer Reiche, deß Römischen im Sechsten, deß Hungarischeu im Neunten vnd deß Böheimischen im Achten Zahre." Leopold. Wilderich F. von Walderdorf, ^cl dlanllatuni dlaiestatis zienzn-iuin Wilhelmb Schröder. Die Urkunde ist im F. H.-A. aufbewahrt. Man vergleiche damit Vitriar. Illnsti-st. s. Institut, üur. yubl. Ii. I. D. I. lli. V. lVntit. I,, V. c. g. § 8. Europ. Herold I. c. c. 26. p. Z3/j. ^cta yubl. und andere Urkunden-Sammlungen. — 125 — Fünftes Kapitel. (') Die Wirren zwischen den Generalstaaten und Lu- ' dem ig XlV. — Die Anstrengnngen beiderseitiger Bundesgenossen für Ausbruch oder Abwendung des Krieges. — Der Fürstenberge Politik in diesen Angelegenheiten und fernere Wirksamkeit zum Behuf der Organisirnng eines Rheinbundes und der Zerstückelung Hollands u. s. w. §)ie ehrgeizigen Absichten des französischen Monarchen auf die spanischen Niederlande, auf ein sogenanntes Devolutionsrecht gegründet, hatten die Republik Holland zum Abschluß der berühmten Trip pel-Allianz mit Schweden und England vermocht (1668), einen zweijährigen Kampf und endlich den aachener Frieden herbeigeführt. Dieser letztere aber reizte das stolze Herz Lude- wigs XIV. nur desto mehr wider die Generalstaaten und (1672) zu einem verheerenden Rachekrieg. Die Ereignisse und Unterhandlungen, welche demselben vorangegangen und gefolgt, bilden den Gegenstand des gegenwärtigey und einiger fernern Kapitel. Nachdem im Kabinette von St. Germain der Krieg gegen Holland so viel als beschlossen und an Spanien schnöde (') ?r!N, ^Vildetmi, 1,. XI», ist für den diplomatl» scheu Tveil die Hauptquelle; außer diesem Itistor!» Devpvläi sl. Hlemoire» >1s Srammont, Diarium Luroxieum. — 226 — Antwort gegeben worden, suchte man besonders diejenigen teutschen Fürsten zu gewinnen, durch deren Lande die Armeen, welche die Gcncralstaaten angreifen sollten, einzig ziehen konnten; denn Belgien sollte, ans Rücksicht für England, inzwischen noch geschont werden. Köln, Münster, Brandenburg, Hannover und Waldeck waren daher die wichtigsten, welche man sich zu versichern hatte. Er- steres, worüber die Fürstenbcrge (') unbeschränkt geboten, hatte bereits seine Zustimmung gegeben. Den Bischof von Münster trieben ebenfalls unersättlicher Ehrgeiz und unbczwinglichcr Hang nach Unruhen, in die Anträge des versailler Kabinettcs einzugehen. Die Verwandtschaft des Königshauses mit Johann Friedrich von Hannover verbürgte die freundschaftliche Gesinnung dieses Herzogs. Nur Waldeck erfüllte, trotz früher genossener Jahrgehalte, seine Zusagen nicht. Brandenburg endlich, welches dem König den Hauptkummer machte, sollte durch Wieder- gcwinn der von Holland ihm entrissenen cleve'schen Städte geködert werden. Schon einige Zeit zuvor hatte Blumenthal mit freundlichen Anträgen die Operation auf des Churfürstcn Entschlüsse begonnen; nunmehr folgte Vaubrunn, dem eine außerordentliche Sendung übertragen ward, mit schmeichelhaften Schreiben des Königs an Friedrich Wilhelm; aber das Unbestimmte seiner Vorschläge verrietst? bald den eigennützigen Zweck; das Hauptgewicht setzte man auf Wilhelm von Fürstenberg, welcber unter der Firma eines Gesandten von Köln nach Berlin abgegangen. Dieser stellte dem Churfürsten vor: wie schläfrig zu Regensburg alles betrieben werde, und wie es höchst Roth thue, daß Braust') Im Zorne nennt der Historiozravb von Brandenburg sie: »libicliuis LuIIrcse pestilelitisslwa ilistrnwsuta.« — 327 — drnbupg im Verein mit Köln und andern Ständen Alles anwende, was dem neu sich entspinnenden Kriege zu begegnen im Stande sey. Sollte gleichwohl derselbe nicht verhindert werden können, so müsse man doch solche Maßregeln ergreifen, welche dahin dienten, die beiderseitigen Gebiete vor Gefahr zn schützen. Damit es nun aber den Schein nicht gewänne, als handle es aus Austrag des Königs, so schlug Wilhelm die Erneuerung des Churfür- stenbundes und die Auflösung des regcnsburger Konventes vor, welcher zu nichts anderm mehr diene, als die Deutschen vor ganz Europa lächerlich zu machen. In gleichem Sinne und dazu bestens bearbeitet, redeten Melchior von Schönborn und Konstantin Bertram, die Abgeordneten von Mainz. Der Churfürst crwicderte an sie und Fürstenbcrg Folgendes : Ein kollegialisches Einschreiten der Churfürstcn würde bei allen übrigen Ständen große Eifersucht erwek- kcn. Wohl sey es von höchster Wichtigkeit, daß ein engeres Band wiederum die Churfürste» umschlinge, zu gemeinsamem Schirm ihrer Vorrechte, welche gegenwartig mehr als jemals gefährdet würden; doch würde es zweckmäßiger seyn, in Negenspurg selbst mit Einheit zu handeln, wo ja ohne dies Gesandte von sämmtlichcn anwesend; dadurch blieben schlimme Gerüchte vermieden. Auf den Fall, daß man irgendwo hin einen Fürstentag ausschreibe, lasse sich nicht leicht vermeiden, daß der Kaiser (gemäß seines konstitutiounellen Rechtes) nicht auch einen Bevollmächtigten dahin sende, und so könne auf diese Weise doch nichts geheim verhandelt werden. Ein großer Anstand dürfte überdies mit Böhmen eintreten; diese Chur mit einzuladen, würde schlechterdings unzuläßlich seyn, denn diese Chur sey des Kaisers. Andere Fürsten aber mit zur Vereinigung zu rufen, wie Mainz den Wunsch ge. — 223 — äussert, erleide Hindernisse von anderer Seite. Er, der Cburfürst von Brandenburg, stehe zwar mit keinem Fürstenhanse in förmlicher Fehde; allein die beabsichtigte Verbindung sollte ja ausschließlich zu Erhebung der Macht der Wähler vor sich gehen; wolle man also doch schlechterdings durch andere Fürsten sich verstärken," so könne dies füglicher durch besondere Verträge geschehen. Also redete Friedrich Wilhelm, der große Churfürst. Darauf glaubte Wilhelm von Fürstenberg folgende Bemerkungekt machen zu müssen : «Der Friede zwischen Frankreich und Holland wird binnen kurzer Zeit gestört werden; die Ungeheuern Rüstungen weisen «deutlich darauf hin, und daß dieser letztere seine Hccrmacht bereits auf mehr denn 89,000 Mann vermehrt hat, liefert fast den Beweis dafür. Seinerseits feiert Frankreich auch nicht; die alten Hcerabtheilunge» werden ergänzt und neue Rekruten überall ausgehoben; die Seemacht ist aufeinen ansehnlichen Fuß gebracht. Aus allen Reden des Königs und seiner Miniskr, die ich mit angehört, läßt sich aber mit Gewißheit schließen, daß die Rüstung den Holländern und keineswegs den Spaniern gilt; der Sturm wird früher losbrechen, als viele wohl meinen dürften. Dieser Umstand-hat denn meinen Herrn von Köln zur Überzeugung gebracht, daß ein Zusammentreten mehrerer Churfürsten, welche die Sache am nächsten berührt, Statt finden und Gemeinsam von diesen erörtert werden müsse, aufweiche Weise jener Krieg verhindert werden möchte; ferner, auf > den Fall, daß der Krieg unvermeidlich, ob es geratbener sey, darin Partei zu nehmen oder nicht? Es muß ferner sodann in Erwägung gezogen werden, in wie fern, auf die Grundlagen des zwischen ihnen beschlossenen Verbält- uisses auch auf die übrigen Fürsten gearbeitet werden soll? 129 Endlich entsteht die Hauptfrage : Welchen Gebrauch will der Bund von sich selbst machen? «Mein Herr von Köln hat, gemäß seiner priesterlichen Würde, keinen dringendern Wunsch, als den Frieden, und trachtet, so viel wesentliche Vorthcile man ihm auch für den Fall einer Thcilnahme am Krieg vorgezeigt hat, aus allen Kräften dabin, diesen letztern zu vermeiden. Allein es ist sehr zu befürchten, daß der Krieg doch ausbreche, che und bevor Unterhandlungen deshalb möglich geworden. Das Einzige, was hiemit zu thun übrig bleibt, besteht darin, vorzusorgen und vorzuberathcn, was nach geschehenem Ausbruch gethan werden soll. Am liebsten würde Köln die Neutralität seyn, wäre sie anders nur wohl möglich; sowohl wegen der besoudern Beschaffenheit des Krieges und der eigenthümlichen Lage seiner Staaten, als wegen der holländischen Besatzungen, welche darin sich befinden. Um eine Neutralität, zwei mächtigen Parteien gegenüber, aufrecht und in Achtung zu behaupten, bedarf es ansehnlicher Streitmacht; die Unterhaltung einer solchen wird aber den Bürgern weit größere Lasten auflegen, als selbst ein Krieg. Klüger ist es demnach, geradezu am Kriege Thetl zu nehmen, wenn nicht ein mächtiger Bundesgenosse mit einer bedeutenden Truppenmacht zu Hülfe kömmt, dessen Interesse ihn an und für sich selbst bestimmt, jene Truppenmacht aus eigenen Mitteln zu unterhalten. Obgleich es vielleicht bei der großen Verwicklung der dermaligen Dinge noch schwer fällt, eine bestimmte Erklärung zu geben, so ist es doch unstreitig zweckgemaßer, gleich jetzt den Entschluß anzukünden, als bis zum Beginn eines Krieges ihn zu verschieben, und von der Notwendigkeit dasjenige sich abtrotzen zu lassen, was gegenwärtig noch mit freiem Willen gethan werden kann. «Der Ehurfürst von Köln sieht sich in die Notwendigkeit UI. 9 — 130 versetzt, entweder die Partei Frankreichs oder Hollands zn ergreifen; obgleich beide an und für sich ihm gleichbedeutend seyn können, so steht ihm doch die freie Wahl zn, ob er dem Stärkern oder dem Schwachen? beistehen will. Diejenigen, welche für den Ersten? sich zn erklären gedenken, müssen sich beeilen, solches noch recht zeitig zu thun; denn bei lange??? Zaudern wird ein Verhältniß eintreten, in welchem sie, statt günstige Bedingungen sich erwirken zu können, harte Gesetze sich werden gefallen lassen müssen. Die im Gegentheil jedoch mit dem Letztern sich einlassen wollen, müssen ebenfalls nicht säumen, ihre Absicht in's Werk zu setzen, damit dieser nicht allzu früh zu Grunde gerichtet werde. Die Meinung Kölns geht dahin, die Partei zu ergreifen, mit welcher England hält; sollte also England mit Holland halten, so muß es mit diesem sich verbinden. In solche??? Falle vielleicht wird Frankreich den Krieg gänzlich aufgeben, und bald sich wieder zun? Frieden bequemen ; beide Churfürsten dürften sodann auch ihre Städte wieder erhalten, welche von den Holländern dermal noch besetzt sind, nachdem sie zuvor Subsidien von denselben empfangen. Sollte dagegen — was auch dermal das Wahrscheinlichste — England mehr zu Frankreich sich hinneigen, so muß man an letzteres ebenfalls sich anschließen, denn die Gencralstaaten, in dein Zustande, in welchem sie sich gegenwärtig befinden, haben nicht einmal Hoffnung genug, selbst mit Hülfe ganz Teutschlands, sich aufrecht zu erhalten, zumal, da es keineswegs den Anschein hat, als vb die Schweden so leicht von den Britten sich trennen werden. Da jedoch die Macht und Nachbarschaft der Franzosen allzu gefährlich ist, so dürfte es Roth thun, von diesem sich stipuliren zu lassen, daß jeder in dein muth-- maßlichen Krieg eroberte Platz von ihm nicht inne gehalten, sondern in die Hände der Verbündeten überliefert — 131 --- werde. Es würde ferner Frankreichs Pflicht seyn, das Heer der Verbündeten, welches leicht bis auf 40,000 Mann gebracht werden kann, auf ihre Kosten mit allem Röthigen versehen und zu unterhalten. Alles im Krieg Erworbene wird auch unter Jene vcrtheilt werden müssen, etwa mit Ausnahme der holländischen Besitzungen am diesseitigen Maas-Ufer, in Flandern und Brabant, worauf deS Königs Sinn vorzüglich gebt. Endlich aber mnß dann doch ein Beschluß darüber gefaßt werden, daß die Republik Holland nicht nur nicht gestürzt, sondern vielmehr kräftiger, als bisher gemacht werde.« Sofort gab Fürstenberg die Mittel an, durch welche Letzteres zu erzielen sey. Er schilderte die Republik als so gruudverdorben, durch eine- Menge von Staatsfehleru und Parteien, daß sie in solchem Zustande unmöglich länger verbleiben könnte, und schlug endlich großmüthig und als Radikalkur, folgende Vertheilung ihrer Provinzen vor: Köln soll Utrecht, Münster Ober-Assel, Brandenburg Geldern und Zütphen, Lüneburg Friesland, Neuburg Gröningen, Oranicn Holland und Seeland (worauf England ziele) erhalten. Die ganze Staatsform soll in der gegenwartigen Gestalt beibehalten werden, unter den verbündeten Fürsten dasselbe Berhältniß Statt finden, wie bisher unter den sogenannten vereinigten Provinzen, endlich dieselbe Verpflichtung, wie unter jenen, bestehen, daß in der Staatsverfassung nichts geändert werde; das Unter« tbanenverhältniß der einzelnen Provinzen je an die betreffenden Fürsten würde somit die einzige Neuerung bilden. Die innere Verwaltung müsse durch alle Dikasterien beibehalten und blos im Namen der »vereinigten Fürsten« statt, statt bioher, der »vereinigten Provinzen» ge- fükrt werden. Ein Staatsrath, zusammengcsstzt aus Abgeordneten der einzelnen Landschaften, mir Zuziehung 1ZZ — l'e eines Bevollmächtigten der betreffenden Fürsten, leitete sodann das Ganze. Die alrcn Privilegien, die Religionsfreiheiten, die Schiffskollegicn und Handelsgesellschaften, so wie andere heimische Anstalten müßte man ihnen lassen. Nur die Gerichtsbarkeit, das Kriegswesen und die dazu gehörige Steuererhebung waren von den Fürsten in jedem einzelnen Gebiete abhängig zu machen. An die Stelle der bisherigen Generalstaaten dagegen müßte ein Gencralgubcrnator, im Namen der verbündeten Fürsten, treten, welchem etwa ein Senat beigegeben werden könne; dieser, statt, wie bisher, jede Sache von größerer Wichtigkeit an die einzelnen Staaten zu bringen, würde künftig dieselben, und besonders alle Fragen über Krieg und Frieden durch Stimmenmehrheit entscheiden. Fürstenbcrg schloß seine Reformvorschläge zum Besten der Niederlande und der Fürsten damit, daß er versicherte : nur auf solche Weise könnte diesem Staate aufgeholt fen und den drei Kreisen, dem der rheinischen Churfürsten, dem westphälischcn und dem niedcrsachsischen völlige Sicherheit verschafft werden. Obgleich sein Plan dermal noch wie eine Chimäre aussehe, so würde er sich doch, wenn man nur ernstlich wollte, in's Werk setzen und jener Republik ein ungewöhnlicher Grad von Furchtbarkeit gegeben werden können. Hierzu sey jedoch erforderlich, vor allem andern über die Sache im Allgemeinen übercin zu kommen; die gemeinschaftlichen Verabredungen über die Einzclnheitcn könnten dann erst mit Fug vor sich gehen. Endlich bat Fürstenberg, das Ganze geheim zu halten, indem jeder Bruch des Geheimnisses den Andern in entschiedenem Vortheil setzen würde; er bemerkte auch, daß am kölner Hofe niemand darin eingeweiht sey, als er, sein Bruder und der Kanzler Peter Buschmann. — 133 — Dieser seltsame, jedoch bei damaliger Lage der Dinge ^ in der Ausführung nicht so schwierige Plan, eine berühmte Republik zu monarchisircn, und viele Einzelne mit ihren Spolien zu bereichern, während man persönlicher Leidenschaft vollständige Rechnung trug, überraschte Jedermann. Aber es war nicht so fast ein Gefühl des Widerrechtlichen und Politisch-Unmoralischen solch einer Zerstücklung eines fremden Staates und der Zerstörung seiner Selbstständigkeit, als die Neuheit der Idee und die Kühnheit des Urhebers, was die anwesenden Staatsmänner in Erstaunen setzte. Sie ahncten wohl, daß Frankreich und seine Partei, begierig, ein unwillkommenes Bollwerk ihrer Macht ' niederzureißen, im Hintergrund all dessen stecke, was seit einiger Zeit im Namen der teutschcn Fürsten- und Natio- nal-Jntercssen geschehen; allein auf solch geniale Ausspin- uung dieses Gedankens zu allseitigem Vorthcil waren sie nicht gefaßt gewesen. Zuletzt, von ihrem Erstaunen zurückgekommen , nahmen die Gesandten von Brandenburg das Wort und erklärten: "Ihr Herr, der Ehurfürst, sähe es recht gern, wenn man die Holländer ein wenig mehr Bescheidenheit lehre. Ihre Nachbarschaft sey lästig, ihr Zugreifen in fremde Gebiets- thcilc unverschämt, und der Ehurfürst habe über mehr als einen Punkt sich gegen sie zu beklagen. Die Schwäche der Republik liege übrigens auf der andern Seite klar am Tage; gegen die Möglichkeit der Ausführung des kölnischen Vorschlags in der angezeigten Weise sey nichts Gründliches einzuwenden; nur bleibe zu bedenken, daß der Republik vielleicht andere Fürsten zu Hülfe kommen könnten. Der Ehurfürst selbst habe auf mehr als ein Vcrhältniß Rücksicht zn nehmen. So bänden ihn zwei Verträge mit der Republik, derselben im Fall eines Angriffs Hülfe zu leisten. Die große Roth Hollands und die wachsende Macht Frank- rekchs dürsten, so sehr auch manche andere Staaten die Demüthignng des erster« wünschen mochten, dennoch diese letztern zn ihrem Beistand entflammen und ganz Europa in einen blutigen Krieg verwickeln. Die Gesandten wiesen ferner auf die unznsammenbängcnde Lage der Staaten des Churfürsten und auf die Gefahr derselben bei Ausbruch von Feindseligkeiten; sie theilten die Absicht Friedrich Wilhelms mit, durch eine besondere Botschaft nach dem Haag die Ursachen der neuen Wirren zwischen Frankreich und der Republik noch naher zu erforschen, letztcrn zu Abstellung der Beschwerden Frankreichs und Eingehung aller billigen Bedingnisse zu ermahnen, und beiderseits Vermittlung anzubieten. Frankreich selbst, das jederzeit so sehr im Interesse des Weltfriedens sich geäußert, könne solch einen Schritt nicht übel deuten. Erleichterung mehrerer Städte, mittelst Abzug der holländischen Besatzungen und Deckung der Grenzen allseits, dürsten ebenfalls zum Ziele führen; hiermit werde Nenburg gewiß auch einverstanden seyn. Auf jeden Fall werde der Churfürst keiner Verbindung wider Frankreich beitreten. Köln, das ohnehin noch keinen festen Entschluß gefaßt, möge all dieses nunmehr bedenken. Als Fürstenberg diese Wendung ersetzen, suchte er in etwas einzulenken, bethenerte die Reinheit der Absichten seines Herrn, und daß man gegen keinen Mitstand Ansinnen jemals sich erlauben werde, welche den Grundsätzen des Rechts, den Begriffen von Treue und Glanben und dem Inhalt eingegangener Verträge widerstritten. Allerdings müßten die politischen Verhältnisse nach allen Seiten erwogen und alle Fragen auf sicheres Terrain gebracht werden. Köln werde die Abfertigung einer Gesandtschaft nach Holland billigen, vorausgesetzt, daß eine ätznliche auch nach Frankreich gehe. Es kenne zwar die eigentliche Natur der Wirren nicht; wenn aber zu Paris und im Haag zu gleicher — 135 — Zeit das Geschäft betrieben würde, so dürfte dieselbe sich lcichtlich herausfinden, Fürstenberg verhieß dem Abgeordneten, welcher an den französischen Hof gehen würde, seine besten Dienste bei dem König und den Ministern, Sollte er selbst mit der Sendung beauftragt werden, so schmeichelte er sich, in kurzer Zeit die Geheimnisse von St. Gcrmain durchschauen und getreulich den Verbündeten mitthcilcn zu können. Darauf fuhr er — wie sehr auch die Andern gegen ihre Unzeitigkeit sich erhoben — standhaft in der Frage weiter fort: was zu thnn, wenn weder der Krieg vermieden, noch die Neutralität erhalten werden könne? Er stützte sich dabei auf den Umstand, daß, nach einmal abgebrochenem Frieden, alle Unterhandlungen zu spät kämen, und man von dem Drang der Umstände sodann sich Dinge werde vorschreiben lassen müssen, statt daß man jetzt noch es in der Gewalt habe, gewinnreiche Bedingungen selbst zu stellen. Er sah die Vorcnthaltung der wahren Absichten der Fürsten für ein inneres Mißtranen gegen seine Person an. Zuletzt gestand er auch ohne längere Verstellung ein, daß sein Herr von Köln beschlossen habe, die Partei Frankreichs zu ergreifen, von welchem er niemals etwas Übleö erduldet habe, wohl aber jedes Gute erwarten könne, während er mit seinem Lande von Seite der Holländer allen Plackereien ausgesetzt gewesen sey, und niemals von ihnen einigen Gewinn zu ziehen Hoffnung habe. Als die Gesandten auch durch diese Erklärung nicht redseliger geworden, rückte Fürstenbcrg, um den Schein zu gewinnen, als zeige er seinerseits größeres Vertrauen, mit den geheimen Vollmachten heraus, welche er von dem Churfürstcn an den französischen Hof, so wie an die Republik, erhalten. Darin waren Utrecht, Rhcinbcrgen und die Grafschaft Mörs zurückbegchrt. Als Ursachen des bevorstehenden Krieges gab er sofort die Beeinträchtigung — 136 — des französischen Handels und die Prahlereien »nd Drohungen der Holländer auf Kosten der Rechte des Königs, ganz besonders aber all dasjenige an, was sieaufdcn Falldes Hin- scheidcs des schwächlichen Königs von Spanien thun wurden. Zwar hatte Witt zur Versöhnung gcrathen und Vorschläge zu einer künftigen Theilung der Erbschaft jenes Monarchen beim Eintreten gedachten Falles gethan; aber die Ansicht Brünings hatte über die scinige gesiegt: nämlich, es würde den Holländern wegen der Rcligionsverschiedenheit unmöglich weiden, Antwerpens und anderer Orte in den spanischen Niederlanden sich jemals zu bemächtigen. Und nun zog der Prinz auch das Formular eines Vertrages hervor, welcher zwischen beiden Churfürsten abgeschlossen werden könnte. Er hielt dafür, daß ein solches Bündniß sowohl in den Augen der übrigen Stände, als der kriegführenden Thcile das größte Gewicht ibuen verschaffen würde. Er stelle sie bin als Bürger, denen ihr Vaterland über alles gehe und welche blos innerhalb ihrer Grenzen Ruhe und Sicherheit begründen wollten. Diese moralische Macht in der öffentlichen Meinung werde sie erst recht in den Stand setzen, entweder den Frieden zu vermitteln, oder den Krieg bei der einen und andern Partei zu ihrem Vortheil zu benutzen. Sollte er, Fürstenberg, für sich selbst die Gesandtschast übernehmen, so dürfte jeder Verdacht wegfallen und er selbst am besten im Stande scyn, mit Bestimmtheit herauszubringen, ob der Krieg wirklich beschlossen und welche Bundesgenossen gegenseitig angeworben worden. In beiden Fällen, des Kriegs oder der Versöhnung, kämen beide Fürsten zu ihren Städten wieder; denn die Holländer, von ihren Verbündeten verlassen, würde Furcht ergreifen; wenn aber in alle Begehren nicht gewilligt werde» sollte, so sey leicht zu hegreifen, wessen «zan von solchen Leuten sich zu versehen hatte. Fürstenberg, nachdem er all dies gehörig entwickelt, drang auf möglichste Beschleunigung; auch theilte er ein zweites Formular, nämlich dasjenige des Vertrags für den Fall eines französischen Krieges, mit. Zugleicher Zeit jedoch, als er solche Tinge und Gründe den Abgeordneten des Churfürstcn mittheilte, ließen Köln und Straßburg durch ihre Seudlinge rings im Reiche aussprengen : man möge sie nicht für so dumm halten, daß ihre Absicht dahin gehen könne, die ohnehin gewaltigen Franzosen noch mächtiger zu machen; es bandle sich blos darum, e m hochfahrenden Geist der Holländer etwas nieder zn machen, und, wenn dies geschehen, die von ibuen eroberten oder besetzten Städte, welche zum Reiche gehörten, wieder kcranszubekommen. Nach Erreichung dieses patriotischen Zwecks werde man mit vereinigten Kräften der Nation auch die Franzosen zur Bescheidenheit und zum Frieden mit Jedermann zwingen. Diesen Gerüchten fügte man überall reichliche Geldspenden bei. (') Es hieß, der König selbst habe diese Maske gebilligt und den Gebrüdern Fürstenberg jede Sprache erlaubt. t') Briefe, die solche Gesinnungen F. Egons aussprechen, sind auch in der That noch vorhanden. Man vergleiche z. B. die Sammlung de Will's, darin schon um das Jahr 1663 von solcher geheimen patriotischen Tendenz die Rede ist, und wo der Bischof zu verstehen gibt: er spiele äußerlich eine von seinen innern Gesinnungen ganz verschiedene Rolle, und brüte die edelsten nationalen Zwecke gegen den fremden König aus, welchen man, weil Üvermacht wider ihn nicht verfange, durch eine pfiffige Politik schwächen und vom teutschen Staatsgebiete ableiten müsse. Die Stelle dieses Briefes ist oben in einer Note schon mitgetheilt worden Der Großpensivnair selbst jedoch schien an der Wahrhaftigkeit dieses Bekenntnisses etwas zu zweifeln. — 138 — welche zum Ziele führen und die Besorgnisse der Teutschett beschwichtigen würde. Wenigstens behaupten dies die Gegner. Friedrich Wilhelm ward sowohl durch diese Ansinnen FArstenbergs, als durch das zweideutige Benehmen, welches seine Schritte begleitete, gleich sehr in Verlegenheit gesetzt. Er sendete daher den gewandten Lorenz Krakow eigens nach St. Germain, um die wahren Absichten des Königs näher auszuforschen. Derselbe erhielt gemessene Auftrage, Ludewig XIV. alle die Gefahren eines neuen Krieges für Teutschland und Europa auseinander zu setzen, und zu Vermittlung des Friedens alles anzuwenden. Die Geheimnisse der Politik sollte er, gemeinschaftlich mit Fürstenbcrg, zu welchem er, als tcutschem Fürsten, von Geburt aus, und als natürlichem Verthcidiger der Interessen seines Vaterlandes mithin, alles Vertrauen hegen müsse, bestmöglichst auslauschcn. Doch befahl er ihm bei den Ministern die größte Vorsicht an; und als neue Gerüchte bald darauf die des Krieges widerlegten, erhielt er Order, von diesem selbst, so lange als nöthig, zu schweigen. Krakow kehrte auf der Reise zu Bonn an, und suchte den Churfürstcn von Köln über seine persönlichen Gesinnungen auszuholen. Zugleich hatte dieser Besuch zum Zweck, Maximilian Heinrich zu vermögen, daß die Vorschläge zu Rcgensburg nicht ganz mit Umgehung des Kaisers und der Stände des Kreises übergeben werden möchten. Der Chursürst verhieß, sich durchaus nicht von den übrigen Kollegen zu trennen. Krakow fand auch Gelegenheit, mit dem Bischofvon Straßburg sich zu unterreden. Dieser meinte, die geschlossene Trippel-Allianz habe die Unverschämtheit der Holländer noch erhöht, und schwerlich dürften sie sich zu Nachgiebigkeit gegen die beiden Churfürsten be- — 139 — reit finden. Der Freundschaft des Königs von England sicher, würden sie den Krieg keineswegs scheuen, weil dieser, aus Furcht vor dem Parliamente, sich durchaus nicht getrauen werde, in die französischen Borschläge einzugehen. Sie würden sich aber sehr betrügen, denn ihre Hülfskräfte scyen nicht von der Art, daß sie so ganz darauf sich verlassen könnten. Frankreich — also fuhr der Prälat fort — werde Wege genug finden, um mit Gunst der Umstände seine Entwürfe auszuführen. Es stehe in seiner Macht, jeden Tag die spanischen Niederlande in seinen Besitz zu erhalten, sobald es nur die Grafschaft Roussillon und einen Tbeil von Katalonien abtreten wolle. Tie gegenwärtige Politik des spanischen Hofes und die unglückselige Verbindung mit Osterreich mache so etwas mehr als wahrscheinlich, und die Trippel-Allianz lasse dem pariser Hof kein anderes Auskunftmittel mehr übrig. Somit wäre es das nächste Interesse der Generalstaaten, um beider Churfürstcn Freundschaft sich zu bewerben. Der Herr von Lyonne gab Krakow bei seiner Ankunft zu Paris die friedlichsten Versicherungen von Seite des Königs, und wie er von Eroberungsgedankcn fern, ja geneigt sey, das Ergebniß der englisch-schwedischen Vermittlung vorerst abzuwarten. Solches bezog sich aber immer nur auf Spanien. Dagegen blieb Wilhelm von Fürstenberg bei seiner Behauptung, daß die Könige von Frankreich und England den Krieg gegen die Republik bereits beschlossen hätten, und derselbe gegen Ende des Junius eröffnet werden würde. Er theilte die Ursachen der bisherigen Zvgerung mit, welche größtenthcils auf die Verhandlungen des Parlaments und die Kosten der Rüstung sich bezogen; ferner : daß England nichts als E tsand And Vlicßingen zu behalten gedenke. Die französische Par- tei in Holland habe zu allein den Weg gebahnt, und auch den Ansprüchen des Prinzen von Oranicn scy auf Zubringen des brittischcn Hofes in so fern Rechnung getragen worden, daß seine Souverainität anerkannt werden sollte, sobald die teutschcn Fürsten dem Bunde beiträten. Frankreich sey auf diese Wünsche Englands eingegangen. Lyonne bemerkte ferner, daß bei standhafter Weigerung des Chur- fürstcn alle Substdiengelder ausschließlich dem Bischof von Münster zufließen würden, dessen man gewiß sey. Es scy Übereinkunft der Könige, auf den Fall des Entstehens der beiden Churfürstcn, mit dem Veitritt jenes Prälaten allein sich zu begnügen; dann wurde aber natürlicher Weise Frankreich auch die eroberten Städte für sich allein und zwar für immer behalten. Lyonne sprach lang und viel von der heftigen Erbitterung Seiner Allerchristlichstcn Majestät gegen die Gcncralstaaten, eine Erbitterung, welche nur durch einen Krieg sich Luft machen könne; von dem standhaften Entschluß derselben, der treuen Anhänglichkeit an die Alliirtcn und der Weisheit aller getroffenen Maßregeln. Er bestritt zuletzt die Möglichkeit irgend einer Aussöhnung, indem das hollandische System sich also gestaltet habe, daß sowohl die natürliche Billigkeit dadurch verletzt, als auch alle Entwürfe des Königs geradezu durchkreuzt würden. Der Chnrfürst ward sehr betroffen über eine so runde Erklärung, an deren Aufrichtigkeit kaum gezweifelt werden mochte; um jedoch die Probe zu haben, ob dieselbe blos ein Schreckschuß gewesen oder nicht, und ob Fürsten- berg's letzte-Äußerungen nicht mehr oder minder mit einem Plane zusammenhingen, ihn, so schnell als möglich, zum Abschluß des Bündnisses zu bestimmen, ließ er durch Krakow sich als gleichsam durch solche Erdichtungen beleidigt hinstellen, und gab auch zu verstehen, daß, mit Ausnahme — 141 — des alterschwachen Bischofs von Münster, keiner der an« dcrn teutschcn Ständeso leicht Partei für eine Sache, wie die vorhabende, sich entschließen würde. Der Bevollmächtigte trachtete überdies auf allen Wegen heraus zu bringen, ob es mit der Nahe des Krieges wirklich Ernst sey. Fürstenberg bejahete es standhast und behauptete, wenn der Krieg noch nicht ausgebrochen, so liege die Schuld blos daran, daß England seine Flottcnrüstung noch nicht völlig zu Ende gebracht. Es sey des Chnrfürsten Interesse, schleunig in die angebotene Verbindung zu treten, um so mehr, als auf den Fall, daß derselbe und Lüneburg Hollands Partei ergriffen, die Schweden zu den beiden Königen sich schlagen würden; im entgegengesetzten Falle bildete Schweden, von den Beiden ausgeschlossen, eine Nulle in der politischen Waagschaale. Der Prinz weissagte den nahen Untergang der Trippcl-Allianz. Der Konig selbst sprach darauf persönlich mit Krakow, obgleich er unmittelbar an denselben keine Vollmachten gehabt. Nach einer nochmaligen Unterredung mit Lyonne wurden alle ferncrn Erörterungen über die Frage des Tages abgebrochen. Einige Tage spater eröffnete Fürstenberg in einer neuen Konferenz dem Krakow: das Bündniß zw ischen Frankreichs und Englands Königen sey wirklich zu Stande gekommen und der Krieg wider Holland beschlossen. Es werde jedoch dies aus zwei Ursachen zur Stunde noch geheim gehalten; erstens, weil das Kabinct von St. James erst mit Anfang des neuen Jahres die Feindseligkeiten begonnen wünschte, und dann wegen der Unruhen in Ungarn und des Einbruchs der Türken somit der Schein vermieden würde, als ziehe man aus solch einer, die ganze Christenheit betreffenden Gefahr einen Vorthcil. Daß diese Äußerung weiter nichts als eine schöne Phrase war, bewiesen die spätem — 142 — Ereignisse und die aufgefangene Korrespondenz zwischen den Minister« Ludewigs und den aufrührerischen Magnaten Ungarns. Wilhelm redete auch manches von den Anerbieten , welche der Graf von Zriny insbesondere ihm schon vor Jahren gemacht, welche zum Zwecke gehabt, den König, falls er die Ungarn aus österreichischem Joche befreien helfen wolle, zum Monarchen dieses Landes zu machen und die Absichten auf die Krone des teutschen Reiches dadurch zu erleichtern. Nichts desto weniger sey mau in all dies nicht eingegangen. Sechstes Kapitel. Fortsetzung des Vorigen. — Der Krieg wider die Republik bricht aus. — Die Schicksale derselben und ihrer Verbündeten. — Friedensunterhandlung cn. — Die schwedische Vermittlung und deren Hindernisse. — Die Wirksamkeit der Fürsten berge an diesen Begebenheiten. ^urze Zeit darauf kam die Vermählung zwischen Lude- wigs XIV. schöner und geistreicher Schwester, der Prinzessin Henriette, mit dem Könige von England zu Stande; aber die Hochzcitsfackel hatte kaum ausgebrannt, als die Todesfackcl für Karl II. sie ablöste. Es hinterließ Karl Stuart seinem Bruder Jakob die Rechte, die Jrrthümer, die Leidenschaften und die Schicksale seines Hauses. Die politischen Jntrigueu erneuerten sich, und Mazarin und Fürstenberg setzten alle Triebfedern in Bewegung, um den großen Ehurfürsten zu einem endlichen Entschluß zu vermögen. Letzterer legte Krakow neue günstige Anerbieten und einen sorgfältig ausgearbeiteten Kriegsplan vor, und suchte jeder möglichen Besorgniß durch zum Voraus berechnete Auskunftmittel zu begegnen. Aber immer gab der Unterhändler nur ausweichende Zusicherungen und unbestimmte Hoffnungen. Friedrich Wilhelm unterließ nichts, die Republik über die große, ihr drohende Gefahr nachbarlich zu warnen und zur Ausgleichung mit Frankreich zu vermögen, welches durch die Austreibung des Herzogs von Lothringen nur noch übcrmüthiger geworden war; auch scheint es, daß er besonders auf die allseits schädliche Thätigkeit Fnrstett- bcrgs sie aufmerksam gemacht. Dieser fuhr aber fort, seine wichtige Sendung zu erfüllen. Er lud, aus Auftrag Lude- wigs XIV., Köln, Brandenburg, Ncuburg, Hannover und Münster wiederholt zu Abschluß des Bündnisses mit den beiden Königen ein. Eine Art diplomatischer Doppelgänger, trat er bald als Agent des französischen Kabinet- tcs, bald als Minister seines Ehurfürsten auf. Jedem Interessenten zeigte er einen lockenden Köder, entwarf neue Ländertheilungen, beschwichtigte ihre Furcht bald vor dieser, bald vor jener Macht. Was den Kaiser betraf, so meinte er, sei) auch hier nichts zu besorgen, sobald nur Spanien für die Republik zu den Waffen greife. Ein neuer Konvent für sämmtliche Eingeladene ward nach Bielefeld im Wcstphälischen auf den 8. April 1671 festgesetzt; dort erschienen im Namen Friedrich Wilhelms W. W. Blaspiel und Friedrich Jena. Nachdem Fürstenbcrg auf die Unterhandlungen des vorigen Jahres zu Berlin zurückgekommen, zeigte er die Notbwendigkeit, zu Beruhigung der Gemüther eine neue zu pflegen. Er trachtete die Notwendigkeit einer förmlichen Defensiv-Allianz dar- zuthun; eine Notwendigkeit, die zu Berlin noch nicht so dringend vorhanden gewesen; auch erklärte er rund heraus : jetzt müsse zu den Waffen gegriffen werden, von all den Seiten, wo immer ernstlich der Bund gewünscht worden. Der Prinz entwickelte die Beschwerden, welchen Köln dadurch sich preis gegeben, daß es inzwischen die festen Platze besetzt, gleich als hatte es solches in eigenem Namen getan; er erwähnte ferner der unbilligen Gerüchte, welche seinen Herrn, gleichsam als Verräter am gemeinsamen Vaterlande, verfolgt; indem man ihm die Absicht zugc- - 14S -- schlicken, jene Plätze an die Ausländer überliefern zu wollen. Man dürfe — meinte Wilbelm Egon — über die Plane Frankreichs nicht länger sich täuschen; seine Heermassen würden demnächst wider das Gebiet der Gcneral- staaten anrücken, nicht so fast aus Lust zu Eroberungen, als angetrieben von einem hochherzigen Gefühl, erlittenen Schimpf auf glänzende Weise zu rächen. Da jedoch kein Unternehmen am Rhein und an der Maas möglich, ohne die Staaten beider Churfürsten zu berühren, so gehe dcS Königs Verlangen dahin, mit denselben über billige Entschädigungen sich im Voraus mit ihnen und den andern Ständen des betreffenden Kreises cinzuverstchen, so wie über die Frage, ob die beiden Fürsten geneigt wären, dem Bunde beizutreten oder nicht? Dies sey der Gegenstand dcrmaliger Unterhandlung. Sein Herr von Köln — äußerte Fürstenberg weiter — sey sowohl wegen des lüt- ticher Gebiets, als wegen des untern Erzbisthums am meisten dabei betheiligt; da diese Landschaften zunächst das Loos der Verwüstung treffen könne, so müsse guter und schneller Rath ihm scbr willkommen scyn. Der Prinz betheuerte, daß von kölnischer Seite alles Mögliche geschehen sey, um das Kricgsgewitter zu fernen; aber ohne Erfolg. Zwischen England und Frankreich herrsche blos über die Frage noch einiger Widerspruch: ob Holland von beiden Königen mit vereinigter Macht zugleich, oder von jedem insbesondere angegriffen werden sollte?; für erftercs sey der Hof, für letzteres das Parlament vorzüglich gestimmt. Sein Herr hege die Ansicht, daß geradezu gemeinschaftliche Sache mit Frankreich gemacht werden müßte, und er sey dazu auch entschlossen, indem die Republik beharrlich sich weigere, seine gerechten Ansprüche wegen Rbein- bcrgen, frühern vertragsmäßigen Vcrbcißungen zum Trotze, zu befriedigen. Noch stehe zwar alles auf dem alten Fuß, III. 10 — 146 - und Köln wolle ebne Rücksprache mit Brandenburg nichts unternehmen; aber der König begehre nnnmchr Friedrich Wilhelms bestimmten Entschluß zu wissen, um sein eigenes Benehmen darnach einrichten zu können. Auf keinen Fall werde jener von seinem kriegerischen Vorhaben abstehen, aber, falls von dieser Seite keine Thcilnahmc erfolge, anch keiner der beiden Fürsten irgend eines Gewinns sich zu erfreuen haben. Sollte gleichwohl noch Aufschub in diesen Dingen gefordert werden, so würde derselbe unter keiner andern Bedingung mehr vergönnt, als daß man Frankreich das Wort gebe, der Allianz beitreten zu wollen. Inzwischen thue unvcrwciltc Rüstung noth; denn also in wahrhaftem Stand sich befindend, werde man vortheilhafte Bedingungen leichter erwirken, als ohne diese Maßregel. Der Churfürst von Brandenburg, von unüberwindlichem Mißtrauen gegen Fürstcnbcrg erfüllt, begnügte sich mit kurzen Antworten, und wich durch die Erklärung ans, daß er vorerst den französischen Gesandten noch abwarten wolle., welcher bereits auf dem Wege scy. Letzterer traf auch wirklich ein, und versuchte sein Bestes, ohne jedoch die bedachtliche Ehrlichkeit des tcutschen Fürsten schneller zu Ander»! bereden zu können, als Gewissen und Recht Jenem für nothwendig vorhielten. Fürstcnberg nahm darauf Pfalz-Nenbnrg vor, und machte bei diesem die gleichen Gründe geltend, wie bei Brandenburg. Der Herzog konnte weniger Verstand entgegen setzen, als der Churfürst; dafür sprach sich sein Gefühl desto richtiger und ahnungsvoller in den Schilderungen all des Übels aus, welches über Teutschland und einen großen Theil von Europa durch diesen neuen Krieg kommen dürfte. Überdies hielt er die zu hoffenden Vortheile für Ungewisser , als die damit verbundenen Drangsaale. Als ein Fürst, 4 der anch auf das Schicksal seiner Unterthancn, nicht nur auf die Interessen seiner Krone, Rücksicht nahm, bemerkte er mit rühmlichem Scharfsinn : daß auf den schlimmsten Fall mehrere teutsche Länder sehr verwüstet werden würden. Fürstcnberg, ohne in letztere Betrachtungen sich einzulassen, die mit der Politik nichts zn schaffen hatten, blieb auf seinem alten Satze : der Krieg werde doch begonnen werden, auch wenn kein teutscher Fürst beitrete; das Gebiet Kölns, Brandenburgs und Nenburgs werde nothwen- dig berührt, und falls man den Durchzug verweigere, mit Gewalt erhalten werde. Warum wolle sich Neuburg, den Holländern zu lieb, Gefahren aussetzen, welche solches gar nicht um dasselbe verdient? Die Sachen der Könige seyen gegenwartig dermaßen geordnet und alle Hindernisse, so wie die erforderlichen Mittel zu ihrer Hebung also zum Boraus berechnet, daß, wenn nicht jede menschliche Berechnung trüge, nur Ruhm und Sieg für sie aus gegenwärtigem Unternehmen zu hoffen sey. Dagegen befänden sich die Angelegenheiten der Republik in schlechtem, verworrenem Zustande, und der, welcher ihre Partei ergriffe, habe nur das Schlimmste von den kommenden Ereignissen zu befahren. Der Herzog suchte bei Friedrich Wilhelm guten Rath, welcher ihm offen seine Zweifel über den wirklichen, so nahen Ausbruch der Feindseligkeiten, seine Abneigung gegen jede Parteinahme darin, und endlich seinen Wunsch mittheiltc : daß von Seite der drei Fürsten ein Schutz- und Trutzbündniß zu gemeinsamer Vertheidigung ihrer Staaten zu Stande kommen möchte. Dieser letztere Vorschlag fand Gehör; man trat darüber mittelst Bevollmächtigter zusammen, und Münster ward eigens dazu eingeladen. Aber der Ehrgeiz des Bischofs, welcher die Ober- anführung der Truppen für sich begehrte, oder vielmehr, weil Frankreichs blinder Anhänger, durch solche Ansinnen das Ganze zu vereiteln gedachte, brachte bald ein wesent- — 148 — lichesHinderniß in die Sache. Fürstenberg trieb die Kühnheit auch so weit, öffentlich zu erklären: er sehe keinen Grund ein, warum einem so bedeutenden Kreisstandc nicht alle verfügbaren Streitkräfte anvertraut werden sollte»; mit diesen könne man die kleinen Fürsten, ewig und überall ein schleppendes Hindcrniß für größere Zwecke, leicht unterdrücken und verwenden. Der Gesandte von Schweden und der Abgeordnete von Lüneburg bliesen in dasselbe Horn. Nichts desto weniger schloß man am 6. Julius den Vertrag ab, und Köln ward mit in denselben aufgenommen, jedoch so, daß das Instrument nur für die Zukunft Gültigkeit haben sollte; Brandenburg bestand fest darauf, um Nicht gleich anfangs mit dem Erzbischof in Hader gerathen zu müssen. Immer mehr zeigte ssch's aber, wie tief Köln und Münster bereits mit Frankreich sich eingelassen, so zwar, daß Friedrich Wilhelm den Vollzug des Bundvcr- trages ablehnte, so lange nicht alles in den Lt-iwm guo vor Abschluß desselben gekehrt. Der Bischof von Straßburg und der Herr von Versus hielten täglich Zusammcnspra- chen und unterhielten durch Eilboten mit Versailles den eifrigsten Verkehr mit einander. Bereits hatte auch Wilhelm von Fürstenberg Truppcn- abthcilungcn zu Neuß ein Lager beziehen lassen und französische Korps waren in's Kölnische aufgenommen worden. Beträchtliche Kriegs- und Mundvorrathe wurden in diesem Gebiete mit französischem Gclde aufgekauft und aufgehäuft. Der Bischof von Straßbnrg erklärte frei und frank: man könne der französischen Armee den Durchmarsch durch Jülich und Kleve nicht verwehren; blieben die Verbündeten nach dem Geiste des geschlossenen Vertrages länger zusammen vereinigt, so würden die Verhältnisse zum Aller- christlichstcn Könige eben nicht die glänzendsten seyn. Ludwig beruhigte die Stadt Köln durch seinen Gesandten damit. — 149 — daß ibm niemals in den Sinn gekommen, irgend jemandem wider sie Hülfe zu senden; gleichwohl schrieb er an eben demselben Tage Franz Egon : daß das wider jene Stadt erbetene Hülfskorps bereit stehe und jeden Augenblick, nach Wunsch, anmarschiren werde. Diesen Brief hatte der Bischof in einer Anwandlung von Freudentäumcl unklugerweise dem päbstlichen Legaten und dem Herzog von Lothringen vorgezeigt und das Geheimniß dadurch vcr« rathen. Der Churfürst von Brandenburg durch das Geschehene aufgcschüchtert, begehrte von den Fürsteubergern Erklärungen über alle die Rüstungen und deren Zweck. Als diese zweideutig und ausweichend gegeben worden, wandten sich seine Gesandten an den Erzbiscßof selbst; aber auch die Antworten dieses fielen nicht zur Befriedigung aus; die Fürstenberger wälzten die Schuld auf den Bischof von Münster und dieser auf die beiden Prälaten. Das Ganze war verabredete Komödie. Die Taktik bestand darin : so viel möglich Zeit zu gewinnen, bis alle nöthigen Anstalten getrofffcn seyn würden, aus der Leichtgläubigkeit und Un- rntschlofscnheit der Andern größtmöglichen Nutzen zu ziehen und geradezu auf das Ziel loszugehen. Friedrich Wilhelm versuchte nunmehr eine andere Sprache; er ließ dem Erzbischof erklären .' daß er alles Mögliche ge- than, um die Wirren zwischen ihm und der Reichsstadt beizulegen; auf seine Vermittlung habe der Kaiser die vier bereits dahin beorderten Truppenabtheilungen Halt machen lassen; das Gleiche sey bei den Holländern versucht worden. Sollte dem Churfürstcn irgend eine Gefahr drohen, so sey er stets bereit, desselben Rechte wie seine eigene zu vertheidigcn. Um so mehr erregte die Anfüllung des kölnischen Gebiets mit fremden Truppen seine Verwunderung. Der Erzbischof habe immer seinen Entschluß der Unpartei- samkcit erklärt, und nun habe es doch den Anschein, als wolle man recht geflissentlich den Schauplatz des Krieges hieher verlegen. Da er, Friedrich Wilhelm, jedoch nicht zugeben könne, daß Jülich und Kleve in den Krieg mitver- wickclt würden, so crmahne er, als guter Freund und Nachbar, den Erzbischof dringend, seine Gedanken auf Erhaltung des Friedens zu richten und nicht selbst die Fak- kcl der Zwietracht anzünden zu helfen. Für bloße Berthci- digung sey die Rüstung allzu ansehnlich. Sollten jedoch alle diese Warnungen kein Gehör finden, so behalte er, der Churfürst, sich alle seine Rechte auf Entschädigung für die Falle vor, wo ein Thcil seiner Staaten beeinträchtigt werden sollte. Der Erzbischof antwortete darauf durch das Organ der Fürstenberge : Niemals sey ek auch nur entfernt ihm in den Sinn gekommen, irgend einem Fürsten des römischen Reichs Stoff zu Beschwerde und Argwohn zu geben; in der That habe er zu den Waffen gegriffen; doch könne dies Niemand befremden, welcher wisse, wie von Köln, der Stadt, aus alle Minen gegen ihn gesprengt und welche Heerrüstungcn rings in der Nachbarschaft gemacht würden. Was er thue, sey Akt der Nothwchr; denn von des h. römischen Reiches Standen dürfe er nirgendher Hülfe erwarten, und falls sie auch käme, so würde sie doch erst nach erlittenem Schaden, somit zu spat, eintreffen. Durch die Weigerung Brandenburgs, den bielefelder Vertrag zu vollziehen, sehe Köln sich jeder Hoffnung des Beistandes gegen diejenigen beraubt, von welchen es einen Angriff befürchten müsse. Daß der Erzbischof daher mit allen Kräften, welche ihm zu Gebote stünden, zur Vertheidigung sich rüste, könne Niemand ihm verübeln; eben so wenig verarge derselbe es dem Churfürsten, wenn er gegen Schaden sich verwahre, zu welchem er freilich selbst den nächsten Anlaß geben könnte dadurch, daß er entweder den Feinden Borschub leiste, oder eingegangene Verpflichtungen gegen andere nicht erfülle. Die Verwahrung Friedrich Wilhelms hatte zumal den Bischof von Straßburg sehr beleidigt; es schien ihm darin eine verabredete Zudringlichkeit des Kaisers und des Churfürsten zugleich zu liegen, um Köln eine bestimmte Erklärung herauszupressen, noch che der Krieg seinen Anfang genommen. Der Churfürst suchte den üblen Eindruck seiner Worte auf die zwei Männer, deren moralische Macht er in Teutschland nur allzu sehr fürchtete, durch eine fernere Erklärung zu mildern, nämlich: daß alles nur in der Absicht geschehen scy, um die Kricgsflammcn von Teutschlands Grenzen zu ferne». Auf dieses hin führte auch Franz Egon wieder eine freundlichere Sprache, und suchte in schmeichlerischen Phrasen Brandenburg zu überreden, daß von kölnischer Seite nichts ohne sein Mitwisscn geschehen werde. Maximilian Heinrich war persönlich in der That noch nicht ganz zu dem entschlossen, wozu die Gebrüder von Fürstcnberg ihn gerne bringen möchten; aber er besaß weder Tiefblick in die Zeit, noch Übersicht des Zusammenhangs der Ereignisse, noch eigenen Willen; er war nichts ohne sie und konnte nur durch sie sprechen. Leicht überzeugte er sich daher von der Wahrheit ihrer Angaben: der Kaiserhof habe in den zwischen ihm und der Stadt obschwcbenden Streitigkeiten zu seinem Nachtheil sich ausgesprochen, und alles, was auf seine Verhältnisse Bezug habe, werde dort mit geringer Achtung gegen seine Person geschlichtet. Zum Jähzorn äußerst geneigt, wiewohl sonst von milden Sitten, überließ er sich gegen Leopold den leidenschaftlichsten Ausbrüchen, und verstand sich zur unbedingten Nachgiebigkeit gegen die Wünsche des pariser Hofes, ob er gleich früher einen entschiedenen Franzosen- — 152 — haß in seinem Innern genährt, und nie ohne Ärger auch nur ein Individuum, das dieser Nation ungehörig, erblickt hatte. (') Die Fürstenbcrge kannten die Zugänge zu seinem Herzen also genau, daß er wie ein Kind nunmehr in Allem folgte. Die wichtigste Person, welche ihnen im Wege stand, der Kanzler Peter Buschmann, wußten sie auf feine Weise aus seinem Vertrauen zu entfernen und die Leitung aller Angelegenheiten ausschließlich sich selbst zuzueignen. Sie stellten darauf sich an, als scyen sie mit ihrem Herrn i» wichtigen Punkten uneins, und gingen nach Köln, wo sie nach Willkühr die politischen Angelegenheiten regelten. Der Erzbischof, träg von Natur und dem Lurus ergeben, wußte zu Bonn, seiner gewöhnlichen Residenz, sich weder zu rathen, noch zu helfen; er lud demnach die Brüder wiederholt und auf die freundlichst' Weise zur Rückkehr ein. Mit ihnen waren jedesmal sein Verstand und seine Regicrungsweisheit fortgezogen. Die Zeitgenossen, welche andern Devisen und Interessen folgten, ersahen in der geschäftigen und — wie ihnen .vorkam —verderblichen Wirksamkeit der Fürstenberge keine andern Motive, als die eines grenzenlosen Ehrgeizes und eines unersättlichen Eigennutzes. Sie hielten erster» für allzu sehr beleidigt durch frühere Vcrnachläßigungen des wiener Hofes, und daher zu Gefühlen der Rache gesteigert; auf Rechnung des letztern brachten sie allerlei Gerüchte von Verheißungen, welche Ludwig XIV. und die (') Darin hatte er große Sympathie mit K Leopold l., welcher alles Französische bis auf die Sprache sogar tvdtlich haßte, und gute Bücher, die in derselben erschienen waren, durch seine Gemahlin sich übersetzen ließ, ob ihm gleich das Französische nicht unbekannt war. Schneller: Einst. Österreichs auf Teutschland und Europa. — 153 — französischen Minister ihm gethan. Die Abteien' Luders und Murbach waren nach Leopold Wilhelms Tode Franz Egon in Wien förmlich zugesichert, nachher aber abgeschlagen worden; dieser Umstand — behauptete man — habe den Hanptstachel in ihnen zurückgelassen, und französischer Scits man dadurch sie gewonnen, daß vom Pabste die Erlaubniß ausgewirkt worden, auf den Fall glücklichen Kampfes wider die Generalstaaten, einen beträchtlichen Theil der Kirchengüter in denselben ihnen übergeben zu dürfen. Vermuthlich auch scy Wilhelm Egon oder seinem Bruder überdies noch eine hohe geistliche Würde schon damals zugedacht worden. Als Frankreich die Abneigung des Churfürsten von Brandenburg zu förmlichen Anschluß an das Angriffbünd- niß wahrgenommen, suchte es wenigstens seiner Uupar- teisamkeit sich zu versichern, und Wilhelm von Fürstcnberg arbeitete in diesem Sinn. Er redete zu Bielefeld bei den Abgeordneten viel von der Unterredung, welche er mit dem Könige zu Dünkirchcn gehabt, und worin derselbe seine Geneigtheit kundgegeben, mit einigen tcutschcn Fürsten in Bündniß sich einzulassen, nicht so fast seines, als ihres eigenen Vortheils willen. Allen Anzeichen scyen dafür, daß der König Frieden oder Krieg gleichsam ihrem Schicdspruche, und im Falle des letztern, alle Einkünfte und Städte, so man gewonnen, ihnen zu beliebiger Ver- theilung heimstelle. Zum mindesten jedoch erwarte der König ihre Neutralität, und kein Anschließen an die Parket der Holländer, nachdem die Fürsten so oftmals ihre Abneigung wider jeden Krieg kund gegeben. Die französischen Truppen, wdlche durch ihr Gebiet zögen, würden so große Schonung als möglich beobachten. Auch jetzt noch gab der große Ehurfürst keine bestimmte Antwort, sondern behielt sich alles noch vor; die fort- — 154 — währende Zweideutigkeit des Königs wirkte viel hiezu. Besonders erregten die überall ausgestreuten Erklärungen, womit man die Katholiken zu gewinnen suchte: nämlich, daß die wahre Religion durch den vorhabenden Krieg beträchtlichen Zuwachs erhalten dürfte, Befremden und Mißtrauen. Er faßte den religiösen Punkt daher mit Geschicklichkeit auf und ließ an Fürstenberg die Frage stellen: wcßhalb Se. Allerchristlichste Majestät, »in der ganzen Welt einen Beweis ihrer uneigennützigen Gesinnung zu geben, nicht vorerst von den Holländern vollständigen Ersatz für Schaden und Schimpf in den erforderlichen Formen begehre, und dann erst, wenn alles wider Recht und Billigkeit geweigert worden, zu schärfcrn Mitteln greife? Es scy doch immerhin etwas sonderbar und unbillig, daß man auch noch dritte Personen, welche nicht so viel Gründe zu Beschwerden wider die Holländer hätten, nöthigen wolle, Thcil am Kampfe wider sie zu nehmen. Fürstenberg billigte ganz diese Ansicht als die eines ehrlichen Tcutschcn und erklärte, daß er denselben Weg dem Könige selbst wohl früher angerathcn; allein letzterer habe mit seinen Bundesgenossen sich bereits schon also tief eingelassen, daß das denselben gegebene feierliche Wort ihm nicht mehr erlaube, an friedliche Ausgleichung zu denken. Der König sey übrigens mehr Theilnehmcr, denn Urheber des Kriegs. Auch sein Herr von Köln beharre auf der Neutralität; nur dann, wenn der Bruch unvermeidlich, scy er fest entschlossen, die Partei Frankreichs zu ergreifen. Neuburg thciltc den Wunsch Brandenburgs, neutral zu bleiben, um später sodann noch immer mit Vortheil zwischen den Parteien auftreten zu können; meinte es, sollte man die übrigen Fürsten zu Ähnlichem zu bestimmen trachten. Aber im Rath des großen Chnrfürsten selbst waren die Meinungen über den zu ergreifenden Entschluß sehr getheilt; endlich neigten die meisten Stimmen sich einem Bündniß mit der Republik zu, nachdem alle Vor- und Nachtheile der französischen Freund- und Feindschaft von verschiedenen Seiten genau erwogen worden. Man kam daher übcr- ein, heimlich mit den Generalstaaten Unterhandlungen anzuknüpfen, offen aber sich zu rüsten, als wie zu bewaffneter Neutralität, und inzwischen auch den Kaiser, Schweden und andere Machte, so wie die Stände des Reichs aufzufordern, daß sie zur Erhaltung des allgemeinen Friedens kräftigst mitwirken möchten. Tie Absichten Friedrich Wilhelms blieben dem Kabinette von Versailles nicht lange verborgen, und dieses führte bald eine von der bisherigen sehr verschiedene Sprache. Louvois beschwerte sich über den drohenden Ton, welchen Blaspicl zu Köln wider Marimilian Heinrich sich erlaubt, und erklärte an Krakow rund heraus : daß, was Köln thue, wirklich mit Willen und Übereinstimmung des Königs geschehe, und daß man ungesäumt noch mehr Truppen in jene Gegenden senden werde, um den Bundesgenossen bestens zu unterstützen. Niemand werde denselben un- gcrächt hinfüro beleidigen. Der König kenne die Verhältnisse des Churfürsten zu den Holländern wohl; er werde auf Mittel sinnen, vor ihren Wirkungen sich zu schützen. Krakow, nach erhaltenen Weisungen aus Berlin, rechtfertigte das Benehmen seines Herrn, und betheuerte in dessen Namen, daß brandenburgischer Seits man niemals die Absicht gehegt, Köln im Geringsten zu beleidigen oder durch Drohungen einzuschüchtern. Was zu ihm gesprochen worden, habe der Wunsch der Erhaltung des Friedens, die Bcrufspflicht als teutscher Reichsfürst und die Rücksicht auf nachbarliche Freundschaft hinlänglich motivirt. Matt habe demselben sogar Beistand gegen jede Art Angriff an- getragen, und würde wahrscheinlich mit ihm auf dem besten Fuße stehen, wenn nicht die Fürstenberge dazwischen waren, welche sich auch ein Geschäft daraus gemacht, dem Könige falsche Nachrichten mitzuthcilen, um den Chnr- fürsten ihm verdächtig zu machen. Der Zweck ihrer Ränke sey mehr als klar; sie wollten um jeden Preis zwischen dem König und Brandenburg die bisherige Freundschaft zerstören. Sie fühlten ihrer Sache sich bereits so gewiß, daß sie keinen Anstand nähmen, öffentlich deß sich zu be- rühmcn. Als Wilhelm von Fürstcnberg zu Berlin sich aufgehalten, habe er eine sehr starke Schilderung von der Uebermacht Frankreichs gemacht, und selbst die Meinung ausgesprochen, dieser Umstand müsse mehr bestimmen, die Partei der Republik, als die des Königs zu ergreifen? Er habe ferner die Frage aufgeworfen, ob es nicht klüger seyn würde, Ontrcmensc und Rheinbcrg in holländischen, als in französischen Händen zu wissen, und Köln jenen, statt diesen letztern zum Nachbar zu geben? Übrigens sey Jedermann bekannt, und werde auch nicht in Abrede gestellt, daß Brandenburg durchaus den Frieden und die Bewahrung der Interessen tcntscher Nation vor allem andern wünsche. In dieser Rolle werde man es immer finden. Krakow fügte seiner Antwort noch viele Beschwerden gegen die Fürstenberge bei, welche überall den Churfürstcn durch ihre Erdichtungen verhaßt zu machen suchten, welche zu seinem Nachthcil eine Menge schlimmer Dinge anspönnen, welche zu Köln die unbedingten Meister spielten und sogar es gewagt hätten, dem Gesandten Brandenburgs den Zutritt zu ihrem Herrn zu verwehren. Allein alle diese Ausfälle auf die beiden Diplomaten kamen zu spät und waren überflüssig. Die Fürstcnberge hatten alle ihre Schritte mit Wissen und selbst jene anti-französischen Äußerungen Mit Ermächtigung des Königs gethan. Ihr Einfluß in die — 157 — tcutschen, so wie in die belgischen und holländischen Angelegenheiten, welchen man für so höchst nachtheilig hielt, blieb vorherrschend, und Luvwigs Absicht ging schon damals dahin, den Einen von Beiden zum Nachfolger M. Heinrichs in Köln und in Lüttich zu machen. Inzwischen hatte auch Holland das ihm drohende Unge- wittcr durch eine Gesandtschaft in der Person Peter de GrootS abzuwenden gesncht, aber ohne Erfolg. Der König bearbeitete blos noch durch St. Gerain den Churfür- sten von Brandenburg noch einmal, um seine Neutralität zu erhalten. Dieser benutzte seinerseits den Augenblick, um Vermittlungsversuche zu erneuern. Mau wußte jedoch die Verhältnisse zu England und Köln also voran zu schieben, und den Holländern solche Ansinnen zu machen, daß sie mit Ehre nicht wohl darauf eingehen könnten. Für Köln ward jederzeit Rheinbergcn der Haltpunkt beharrlichen Widerspruchs; darauf bestanden die Fürsteuberge als eine llanstitiosiiik! g'ianon der friedlichen Entschlüsse ihres Herrn. Eine englische Gesandtschaft erschien zu Berlin; die Unterhandlungen zu St. Gcrmain setzten sich fort, neue mit Schweden wurden ebenfalls gepflogen — alles ohne Resultate. Die Gesandten Ludwigs und die Anschlage Wilhelm Egons und Franz Egons drangen überall siegreich durch, und sie erlebten, zu des Ehurfürstcn größtem Verdruß, selbst das Vergnügen, daß zwischen Frankreich und Schweden das längst gewünschte Bündniß zu Stande kam. Man gab dieses Ercigniß der kurzsichtigen Politik des Wiener Hofes und den Umtrieben des Fürsten Lobkowitz schuld, der schon damals an Frankreich verkauft gewesen seyn sollte. (') l') Vergleiche über diesen Fürsten weiter unten. Friedrich Wilhelm war nunmehr seinerseits über enge Verbindung mit Holland nicht länger unentschlossen; matt suchte die Verbindlichkeit des Beistandes, welchen Schwaben der Krone Frankreich und deren Bundesgenossen zugesichert, hinsichtlich Kölns und Münsters als ungültig hinzustellen, falls sie, dem westphalischen Frieden, den Rcichsgesetzen und Kaiserlichen Befehlen entgegen, etwas wider Ruhe und Integrität Teutschlands unternähmen. Auch mit Dännemark, wie mit Schweden ward über diesen Punkt unterhandelt. Unstreitig war der Chnrfürst von Brandenburg in dieser Periode der teutsch-gesinntcste und großartigste Fürst, welcher von den eingebüßten Kleinodien germanischen Wesens so viel als möglich noch zu retten, und die Trümmer der Nationalitat aus dem allgemeinen politischen Schiffbruche wieder zu sammeln suchte. Sein Friedens- und Ncu- tralitälssystem, wie langweilig und pedantisch es neben dem raschen kriegerischen Gange Ludwigs XIV. und Karl Gustavs, so wie neben der geschmeidigen Kunst Philipp von Schönborns und der Gebrüder von Fürstenberg in den letztbeschriebcnen »Affairen« (') auch erscheint, hatte etwas Achtungswürdiges und die Grundrichtung, statt Neues zu gewinnen, das Alte zu erhalten, und statt zu zerstören, das Gehaltene zu verbessern, setzt seiner Gesinnung ein schönes Denkmal. Alle übrigen Fürsten fühlten nichts für die Nation. Man würde also, wie wir schon im Eingang ihrer Biographie bemerkt, den Fürstenbergen und ihrem damaligen Herrn (') Dieses Wort ist für die StaatSbändel deS 17. Jahrhunderts ungemein bezeichnend. ES drückt eine Slrt von Verächtlichkeit aus, im Gegensatz zu den Staatsbegebenheiten anderer Perioden. Unrecht thun, wenn man sie allein der Felonie gegen die Rechte des germanischen Staatskörpers beschuldigen wollte; handelte doch der Kaiser, ihr und Frankreichs geschwor- uer Feind, in der furchtbaren Krise von 1672 nicht besser, als die übrigen. Ohne zu bedenken, wie wichtig für seine und des Ganzen Interesse das Bündniß Schwedens mit Frankreich war, beförderte er wohl noch kopflos den Abschluß desselben, wie wir schon erzählt; die Rücksicht auf die Verwandtschaft der Königshauser von St. Germain und Madrid hemmte sein Schwert gegen das erster?, um letzteres nicht zu beleidigen; er gab die nördlichen Niederlande der Rache Ludwigs XIV. preis, ohne zu bedenken, daß er selbst die südlichen dadurch verlieren könnte; die falschen Vorspiegelungen der französischen Scndlinge, des Königs Absicht gehe hauptsächlich auf Wiederherstellung der katholischen Religion in Holland, und nach diesem werde auch England und Schweden die Reihe treffen, entwaffneten seinen Haß wider Ludwig, dessen Sprache allein schon ihm ein Gräuel war. Freilich thatcn die beschränkten Minister und die verschmitzten jesuitischen Rathgeber der spanischen Partei in seinem Kabinete ihr Bestes und der Aufstand der Ungarn erklärt auch einigermaßen die mindere Thätigkcit nach andern Punkten. Erst als der Abschluß der Bündnisse Frankreichs mit Schweden und England kund ward, fiel die Decke von Leopolds Augen, und er sah sich durch die Diplomaten Ludwigs, und namentlich durch die ihm so sehr verhaßten Fürstenbcrge, schimpflich getäuscht. Von nun an schloß er dem Churfürsten von Brandenburg enger sich an, und sie suchten beide dahin zu wirken, daß eine Kriegserklärung gegen Holland zugleich als Kriegserklärung gegen das tcutsche Reich betrachtet würde. An Köln und Münster ergiengen scharfe Mahnungen, von ihrem unteutschen Treiben abzustehen; und der wiener Hof, s« wie die Abgeordneten Friedrich Wilhelms, arbeiteten aus allen Kräften den Anstrengungen Wilhelm Egons und Franz Egons, mehr als früher, entgegen. Die Nachricht von Besetzung verschiedener Plätze durch kölnische und des größtenthcils von Cleve durch französische Truppen beschleunigte den Abschluß eines Vertrages zwischen dem Kaiser und dem Churfürstcn. Die Freiheiten der Stadt Köln wider den Erzbischof, die Selbstständigkeit der Republik wider den König, die Rettung Bremens wider Schweden, waren Hauptpunkte darin. Die Beschwerden Frankreichs über die veränderte Sprache zu Wien wurden in bittern Denkschriften ausführlich beantwortet. Endlich, nachdem die langwierigsten Unterhandlungen den ganzen Winter 1672 hindurch gedauert, erschien am 7. April das französische Kricgsmanifesr, ein Meisterstück diplomatisch-naiver Unverschämtheit. England eröffnete den blutigen Kampf zur See, längere Zeit zum Vortheil der Holländer; kraftvoller operirtc die Landarmee Ludwigs. Die berühmten Kriegsmeister Turcnne, Conde, Luxemburg und der König in eigener Person, fübrten dieselben in vier großen Abtheilungen an. Mehrere Provinzen und vierzig Städte fielen dem Sieger zu. Er erschien hart unter den Thoren des reichen und mächtigen Amsterdams. Nur die Trägheit eines schläfrigen Bürgermeisters verhinderte zum guten Glück, daß dem Könige nicht die Schlüssel der Stadt entgegengesandt wurden. Als man endlich letztere unter Wasser und alle alten National- Eriunerungen in Bewegung gesetzt hatte, stand der Lauf der Eroberung wieder still. Der Kaiser, Brandenburg u. A. wurden dringend um Hülfe gemalmt. Der Churfürst und Montccucnli traten nun ebenfalls mit dem alten Ruhm ihres Namens auf, aber ohne in dem ersten Fcldzug große Lorbeeren zu erfechten. Vielmehr ging man- M ches für Erster« ganz schief vor sich. Die Feinde wurden Meister mancher seiner Besitzungen, zumal der westphäli- schen. Die Hollander waren in Bezahlung versprochener Hülfsummen im Rückstand; die übrigen Verbündeten unterstützten schlecht mit Waffenmacht. Solches bestimmte Friedrich Wilhelm gerade im Augenblick, wo der Kaiser zu ernsten» Auftreten sich ermannt, von der Kriegsgenos- scnschast mit ihm, der Republik und den Übrigen abzugehen. Er blieb bei diesem Entschluß, trotz aller Anerbieten des überraschten wiener Hofes; Pfalz-Neuburg übernahm die Vermittlung zwischen ihm und Ludewig XIV., und der Friede von Vossen (6. Juni 1673) bereicherte abermals die große Zahl von Staatsverträgen dieser Periode. Die Politik der Fürstenbergcr, welche so vieles gethan. Um Brandenburg von anti-französischem Bündniß abzuziehen und so Manches Üble ihm prophezeiht hatten, sah nunmehr alle ihre Voraussagen erfüllt, und empfing, durch die Dcmüthigung, die Herabstimmung und den Rücktritt des Churfürstcu zu stummer Neutralitat eine glänzende Gcnugthuung. Nur die Einnahme von Bonn durch Mon- tccuculi, welche am 13. November desselben Jahres vor sich ging und auch andern Städten Chur-Kölns große Bcdrängniß nach sich zog, tröstete das erbitterte Gnnüth des Kaisers in etwas, und brachte, wie in der Gesinnung des Erzbischofs, also auch in den politischen Verhältnisse» mannigfache Ermäßigungen hervor. III. 11 Siebentes Kapitel. Wilhelm voll Furstenbcrg wird zu Köln verhaftet und nach Wien abgeführt. — Verunglückter Befreiungsversuch. — Die Gräfin von der Mark un» die Gräfin vvn Löwenstcin-Wertheim. ^n der Stimmung der Verbündeten war in letzterer Zeit allerlei Änderung vorgegangen, und der Wunsch nach Vermittlung nach und nach bei Einzelnen eingekehrt.Schweden, welches zuletzt für den Krieg sich entschieden, offenbarte zuerst solche Neigung zum Frieden. Doch hatte es durch die Zweideutigkeit seines Benehmens, mittelst welcher es einerseits Chnr-Brandenburg vom Bündniß mir dem Kaiser abgebracht, andererseits aber mit Frankreich einen Frennd- schaftsvcrtrag geschlossen und von letzterer Macht Geldsummen zu Bestreitung der Reisekosten seine Gesandten in dem Vermittlungsgeschäft angenommen hatte, manigfache Gründe des Mißtrauens wider sich. Nichts desto weniger kam man von allen Seiten überein, Bevollmächtigte nach Köln zu schicken, woselbst die Grundlagen zur Beilegung der bisherigen Wirren, und die Elemente für ein neues völkerrechtliches Verhältnis berathcn werden sollten. Frankreich ernannte hiezn den Herzog von Chauncs, und die Herren Courtin und Barillon; England die Ritter Jenkcns und Williamson; Spanien D. Mauoel de Lyra und D. Oudenhofen; der Kaiser den Grafen Kö- 163 -» uigseck und den Baron l'Jsola; Brandenburg Otto vost Schwerin den Jüngern; die Republik die Herren van Be- ^ verning und F^arren. Kölns Interessen vertraten die Gebrüder von Fürstenberg, zumal aber Wilhelm Egon. Der .Kaiser verhieß sowohl in einem Rescript an den regcnsbnrger Reichstag, als in einem allgemeinen Freigelcitbriefe sämmt- lichcn Gesandten und Minister» der Mächte, welche Theil an den Traktaten nahmen, feierlich Sicherheit und Garantie, und die Anerkennung völliger Neutralität der Reichsstadt Köln, als des gemeinsamen Mittelpunktes. Das Erste, was vor allem in Betrachtung kam, war ein einstweiliger Waffenstillstand, damit die Unterhandlungen ruhiger» Gang gewönnen und die störenden Leidenschaften für einen Augenblick gemildert würden. Der Graf von Tott unternahm es, Ludewig XIV. hiefür zn bestimmen; der König jedoch begehrte vor allem eine runde Erklärung des Kaisers: ob und in wiefern er die Holländer fürdcr unterstützen werde?; diese erfolgte natürlich nicht sobald. Sodann trug man den Generalstaaten an, zn welchen Abtretungen in dem beabsichtigten Frieden sie sich wohl verstehen würden? Auch sie antworteten ausweichend und unbestimmt. Es rückten also die Vermittler ihrerseits mit Vorschlägen heraus, und die Parteien stellten andererseits ihre Forderungen. ^ Frankreich begehrte nichts minderes, denn alles Land zwischen Maas und Scheide, als Entschädigung für die im Krieg eroberten Plätze; England, genügsam, weil noch ohne Trophäen, wünschte blos zwei Seehäfen; Münster : die Städte Zwoll und Brevort, das Großamt Jvllard, die Twente Lochcm, Groll, Borkelao; auch bestand es auf Schleifung der Lingen und anderer Schanzen. »Das Auffallendste bei dieser Unterhandlung — be-- merkt Mitbillcr mit Recht — war wohl dieses, daß keiner — 164 — von den Feinden der Holländer daran dachte, ob er eine gegründete Ursache gehabt habe oder nicht, die Waffen gegen sie zu ergreifen, und daß dessen ungeachtet ein jeder von ibuen allein entschädiget werde wollte.« Es war voraus zu sehen, daß die Republik solch unbilligen und zugleich unsinnigen Vorschlägen kein Gehör gab, und die Vermittler zu andern Vorschlägen aufforderten. Dies geschah, nachdem bereits Gefahr eingetreten, daß das ganze Friedenswcrk sich zerschlagen werde, und die Gesandten gegen Anfang Septembers schon zur Abreise sich angeschickt. Mit vieler Mühe nur ward dieser Schritt verhindert. Die engern Verhältnisse, in welche um jene Zeit die Gencralstaaten mit dem Kaiser und Dänemark gekommen, eine von den Englandern verlorne Seeschlacht und ein abgeschlagener Sturm auf Coverdcn machten ihre Gegner zu mehr Billigkeit geneigt. So forderte denn Frankreich blos die Stadt Utrecht und die Festungen Breda und Hcr- zogenbnsch nebst einigen andern Orten, so wie für Brandenburg und Neuburg Genngthuung; England : die Erhaltung des Friedens von Breda, Ersatz der Kriegskosten und eine Abfindungssumme für den Häringsfang; Köln und Münster : Obcr-Vsscl, einige Städte in Friesland, so wie eine bedeutende Geldsumme. Mein die Holländer fanden auch diese Bedingungen zu unbescheiden; mit Köln und Münster wollten sie zum Voraus nichts zu schaffen haben; von den Festungen, die der französische König begehrte, wollten sie auch in keinem Falle etwas hören. Sie erklärten zuletzt, lieber alle Wechsel des Kampfes auch ferner bestehen und das Äußerste erdulden, als solchen Schimpf auf sich laden zu wollen; sie wiesen auf die veränderte Lage der Dinge hin, und wußten auch die Affairen des Herzogs von Lothringen, — 163 —' welcher, wie schon gesagt, von L'udewig XIV. aus seinem Lande vertrieben worden, also mit hinein zu bringen, daß ihre Sachen eine ganz neue Gestalt erhielten. Sie bestanden sofort schlechterdings darauf, daß der Kaiser, Spanien und Lotharingen mit in den Frieden aufgenommen werden müßten. Die französischen Minister ergaben sich nur mit Widerstrebern hinsichtlich der beiden ersten; allein in Betreff des Herzogs verweigerten sie standhaft ihre Zustimmung, unter allerlei Ausflüchten und Versicherungen. Das Geschäft kam abermals in's Stocken, bis die veränderte Stimmung des Ehnrfürsten von Köln zum mindesten die Hoffnung eines Einzelfriedcns mit diesem gab. Der Verlust seiner Residenzstadt Bonn hatte ihn mürbe und für Vergleich nicht ungencigt gemacht. Gegen Rückgabe derselben verhieß er seinen Austritt aus dem französischen Bündniß. Dies war Maximilian Heinrichs persönliche Gesinnung; allein sein Minister, Wilhelm Egon von Fürstenberg, theilte sie keineswegs, und er wußte durch seine fortgesetzten Rath- und Anschläge den bereits weitgcdichencn Plan kräftig zu vereiteln. Der Leitung beider Brüder gewöhnt, wagte er es nicht, seinen eigenen Willen geltend zu machen, und der Kaiser und Schweden sahen mit Verdruß ihre Bemühungen an diesen zwei Köpfen scheitern. Solches erzeugte bei Erstcrm, der ohnedies die früher» schlimmen Dienste Wilhelm Egons nicht vergessen hatte und in ihm den gefährlichsten Gegner aller Entwürfe sah, den Entschluß zu einem Staatsstreiche, welcher auf die Schicksale des Kongresses, wie der Nation eine eben so verderbliche Wirkung nachzog, als er in mancher Hinsicht allzu widerrechtlich und gewaltsam schien. Merkwürdig genug hatte man zu Köln schon früher verdächtige Bewegungen von Seite des in jenen Gegenden mit einem Regiment? gelagerten Marqnis de Grana (Spanier von Geburt und blindes Werkzeug des Kaisers) wahrgenommen, und sein Bemühen, Kaiserliche Truppen in die Stadt zu schwärzen, war den Französischen und Englischen Gesandten gleich sehr aufgefallen. Man schrieb demselben ohne weiteres die Absicht zu, den Bischof von Straßburg Meuchelmorden oder dessen Person entführen lassen zu wollen. Ein Briefwechsel mit dem Prinzen von Oranicn hatte dazu allernächst Veranlassung gegeben. Der Französische Minister-Resident, Herr von Verjuö, crmahnte daher schon im April 1673 Bürgermeister und Köln dringend, daß sie die ungebetene Gäste von ihrer Stadt abzuhalten und die Verlegung des Quartiers jener Truppen in einer Entfernung yon wenigstens 5—6 Meilen zu erwirken, Sorge tragen möchten; im entgegengesetzten Falle würden der König und seine Verbündeten sich genöthigt sehen, für die Friedenskonferenzen einen andern Ort auszusuchen. Dabei unterließ man nicht, den Kölnern die bedeutenden Vorthcile zu beschreiben, welche durch solch einen Entschluß den verschiedenen Klassen ihrer Bewohner entgehen würden. Seinem Briefe legte der Gesandte ein Schreiben von Ludwigs XIV, eigener Hand bei. Der Magistrat, zwar etwas eingeschüchtert durch diese Drohungen, ermannte sich doch bald wiederum , dankte dem Könige für sciiK gnadige Gesinnung und um Fortsetzung derselben, bemerkte jedoch, daß es nicht in seiner Macht stünde, den Marquis mit seinem Regimente so leicht herauszuschaffen, wie man sich vorstelle, da einerseits zwischen dem Kaiser, Churkölu und Münster ein ausdrücklicher Vertrag, hinsichtlich derselben, bestehe, andererseits sie, die Behörden von Köln, noch vor Kurzem erst in Eid und Pflicht darüber genommen worden, Übrigens würden sie nach Kräften über Neutralität Md Sicherheit, gegen Anmaßungen jener Soldatedka wa- — 167 - che», und da der Marquis so eben erst zum Kaiser nach Regensbnrg berufen worden, so könne man allfällige Beschwerden daselbst anbringen, wo sie gewiß erledigt würden. Ein ähnlicher Brief des Königs Karl von England ward ohngcfähr auf dieselbe Weise beantwortet. (') Der Mar, quis de Pre und der Herr de Versus wiederholten ihre Aufforderung. Ihre Beschuldigungen waren jedoch nicht aus der Luft gegriffen, sondern die Vexsuchnng, eines so lästigen Gegners und gefährlichen Diplomaten, wie Franz Egon, sich durch einen kühnen Streich zu entledigen, geht aus den Briefen zwischen van der Goes im Haag, dem Marquis de Grana und dem Herzoge von Bournonville hervor, welche nachmals im Drucke herausgekommen sind. Es geht aus den bekannt gemachten Aktenstücken hervor, daß der Bischof von Münster zuerst einen Wink von dem Vorhaben Grana's erhielt und den aufgefangenen Brief, de? wider diesen am meisten zeugte, dem Prinzen Wilhelm mitge- theilt hatte. Dieser bat daher den Bruder, wohl auf seiner Hut zu seyn. Das Bekanntmachen der ominösen Schreiben zwischen Haag und Köln stellte den Marquis in der öffentlichen Meinung sehr zweideutig hin und Ermahnungen des Ehurfürsten an die Stadt vollendeten seine Verlegenheit. In derselben und voll Erbitterung suchte Grana in einer heftigen Schrift wider Versus sich zu rechtfertigen und die Zeitung von Brüssel trug redlich das Ihrige dazu bei. Der französische Abgeordnete säumte nicht, in noch hef- tigcrm Tone zu antworten und den Charakter des Marquis auf das Gehässigste heruntcrzusezen. Bei diesem Anlasse ward auch das Andenken des Kardinals Retz angegriffen und vcrtheidigt; Versus bekannte sich mit stolzem l') Sibreib. 6. >Z. Köln, 5. Mai und Withehall, 7. April 1673. iiä s. 067Z- 168 — Selbstgefühl als dessen dankbarer Schüler und getreuer Freund im Unglücke und gab seinem Gegner nicht undeutlich zn verstehen, wie wenig Grana und die Nation der Spanier, von der er stamme, die Größe eines solchen Mannes zu fassen im Stande wären. (I Der unparteiischen Nachwelt gereicht es zu nicht geringem Vergnügen, in einer so schlechten Zeit, wie die damalige, grelle Wahrheiten der ersten Art und eine Schutzrede des größten Helden der Fronde aus dem Munde eines Diplomaten Ludwigs XIV. anzuhören. Obgleich die beiden Brüder durch diese früher» Vorgänge über die geheimen Absichten des Kaisers wider ste hinlänglich belehrt scyn konnten, so zog doch nur der Bischof von Straßburg Nutzen daraus; Wilhelm Egon aber, vielleicht durch die darüber verflossene Zeit wieder in Sicherheit eingewiegt, gerieth ein volles Jahr darauf erst in die Falle. Freilich mochte er in einer ganz eigenthümlichcn Stellung, als erster Minister und Gesandter des Churfürsten und im Vertrauen auf den Schutz der Kollegen, dem Gedanken an eine That, wie die nun erfolgte, nimmermehr sich hingegeben haben, und ihn konnte der Umstand, daß der Freiherr UJsola freundlich ihn empfangen, der Kongreß ihn Zu den Berathungen zugelassen hätte, so wie der Anblick des wichtigen Werks, das von der günstigen Stimmung des französischen Königs zum größten Theil abhing, noch mehr beruhigen. Aber er hatte die Macht der Leidenschaft die Entschließungen eines von Persönlichkeiten so vielfach bedingten nud diesen oft maaßlos sich hingebenden Monarchen, wie Leopold, allzu wenig erwogen; er hatte denselben zn sehr geringgeschätzt, um seinen Zorn nicht furchten zu müssen. Auch gedachte er der persönlichen Krän- ) des Viar. Xurnx-vnrn. ?. XXVII. x. IOZ iso. — 169 — kungen nicht mehr, welche cr bisweilen > in vertrautem Zirkel und bei diplomatischen Mahlen, in Anwandlungen des Humors, gegen denselben sich erlaubt, und welche die Fama — um in der Sprache jener Zeit zu reden — meist vergrößert und verstümmelt nach Wien getragen. (') Diese Verkcnnung der Individualität von Seite eines Staatsmannes, der sonst so gut die Menschen kannte und würdigte, kam demselben theucr genug zu stehen. Was jedoch zu Erklärung dieser Sache besser als alles übrige, führen mag, ist das vertraute Verhältniß, welches Wilhelm mit der Gräfin von der Mark, seiner Base, gepflogen. Diese Dame übte seit Längen» einen großen Einfluß ans die Persönlichkeit Fürstenbergs. Nach der Schilderung des Herzogs von St. Simon, welcher, in der Regel, die getreusten Portraits seiner (französischen) Zeitgenossen liefert, war sie von ungewöhnlich großen Formen, (') aber dennoch von außerordentlicher Schönheit, die sie noch bis in ihr 52. Jahr zu bewahren wußte, von lebhaftem Geiste, hinreißenden Manieren, kühn, durchdringend, gebietend, (') siegessicher. Dabei besaß sie aber außerordentlich viel Feinheit und Lebensart, so daß, waS sie mit Ungestüm errungen, freies Opfer der Andern schien. Schon seit längerer Zeit Wittwe, lebte sie nur ihrem einzigen Sohn und ihrem Vetter Wilhelm Egon. Sie vermochte über ihn alles, und bis zur Ungebühr. Was Frankreich und Holland damals Kostbares lieferten, kam ihr, durch dessen verschwenderische Güte, zu. Sie liebte Pracht, (') Das Nähere darüber enthalten die später bekannt gemachten Gravamina des Kaisers. (') Drauäa, grosso, kowmasxo comms um aout suissa^ Iralüllä au- 'komme, bla moires Na üt. XII. (H karlaut Iis.»tu et toujourz avoo autoritv. — L'etalt su-Naclau» la teru.mv Nu Woyllö in. plus lmperiause« — 17S — Aufwand und Spiel in einem Grade, daß die Kasse des Beschützers kaum oft zu Bestreitung der Ausgaden mehr hinreichte. Wir glauben berechtigt zu seyn, nicht alle Erzählungen und Spöttereien des geistreichen Franzosen über das Verhältniß der Beiden unbedingt annehmen zu dürfen; aber daß die Gräfin im Hause des mächtigen Mannes unbeschränkt herrschte, wird kaum verschwiegen werden können. Als bei der Wahl eines neuen Domkapitularen zu Straßburg einst großer Andrang der Bewerber Statt fand, versuchte eine andere geistreiche und schöne Frau, Madame de Soubise, welche am französischen Hofe vieles vermochte, ihr Möglichstes, um ihren Sohn, den Abbe de Soubise, in jene Würde einzuschwärzen; die Gräfin Mark ihrerseits arbeitete heftig in ihrem Interesse wider einen Noaillcs, den der Kardjnal von Bourbon begünstigte, und der König und Wilhelm Egon mußten abwechselnd diesem Spiel weiblicher Intriguen dienen. Endlich gewann es die Marquisin mittelst großer Geldsummen, durch welche der König den zerrütteten Finanzen Wilhelms neuen Schwung gab, dahin, daß sowohl er als die Gräfin für den Abbe das Kapitel bestimmten. Der gemeinschaftliche Gegner, Bouillon, ward aus dem Felde geschlagen. Nachmals arbeitete man an einer Verbindung zwischen einer Nichte der Marqnisin, Mademoiselle de Rohan, und dem jungen Grafen de la Mark; dieser letztere selbst bekleidete die Stelle eines Obristen bei den Regimentern Fürstenbergs, welche den französischen Hof nicht unbedeutende Opfer kosteten. c) (') Vgl. St. 8iraon (XII.) des Ausführlicher» über diese Privat- Angelegenheiten. Man siebt dem Ganzen vielen Muthwillen und Impertinenz gegen die »Aro-srer? ^lle-v-ncle» an. — 171 — Der Prinz pflegte seine Baase, welche zu Köln in einer der ihm angehörenden Wohnungen lebte, täglich nach Essenszeit zu besuchen. Zu Anfang Februars schon hatte er vor Nachstellungen kaiserlicher Agenten einen Wink erhalten; er versah sich deshalb mit zahlreicherer Bedienung, wenn er ausging, unterließ aber doch nähere Vorsichtsmaßregeln. Als er nun den 14. (') wie gewöhnlich zn Wagen nach dem Hotel der Gräfin fuhr, und, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken, den Weg durch abgelegenere Straßen nahm, sah er sich plötzlich, nicht fern mehr vom Ziel, durch Soldaten des Regiments Grana angehalten; die Bedienten und Heiducken vor und hinter der Kutsche setzten sich zur Wehr, nnd eben so die wenigen bewaffneten Begleiter, welche nebenher geritten; allein ein Theil derselben ward getödtet, ein anderer verwundet. Man zwang den Prinzen, welchen man im Namen des Kaisers als verhaftet erklärte, wiederum in den Wagen zu steigen, aus welchem er, die Flucht zu Fuß versuchend, gesprungen war; der Neffe des Marquis setzte sich mit bloßem Degen ihm zur Seite. Fremde Bediente bestiegen den Bock und trieben die Pferde in gesprengtem Zuge vorwärts, dem Hause der Gräfin vorbei, durch die Vorstädte, und ohne Säumen ging es dem nächsten Orte und sodann Bonn zu. Von da aus ward die Reise weiter nach Wien fortgesetzt, wo Wilhelm einige Zeit verwahrt, darauf aber nach Brünn und von da nach Neustadt gebracht wurde. Der geheime Hofrath Baron von Hocher, (') Die Angaben über den Tag der Arretirung variiren. Einige Urkunden setzen sie auf den 5.. andere auf den 10. Februar. Zum Theil ist dies aus unrichtiger Deutung der Ausdrücke c-simisi« ed Isias in den lateinischen Memoires zu erklären. Der 14. Februar bleibt die richtige Angabe, welcher in Krkegsraths- und Gcsandtschafts-Angelegenhei, ten mehrfach eine wichtige Rolle gespielt, war sein Begleiter, und half in den angestellten Verhören den Fürsten mit dem geheimen Sekretair Abele untersuchen. Wilhelm ward auf das sorgfältigste verwahrt; doch begegnete man ihm mit aller Achtung, die seinem Rang und Namen gebührte. Er hatte gleich im Anfange seiner Haft an den Kaiser eine vierfache Bitte gestellt : 1. taglich die Messe hören, 2. seinen französischen Bedienten und 3. seinen Leibarzt, ebenfalls einen Franzosen von Geburt, bei sich behalten, und 4. mit seiner Schwester und seinen Verwandten bricfwechscln zu dürfen. Das Erste ward ihm auf die Bedingung zugestanden, daß eine dritte Person zwischen ihm und dem betreffenden Priester sey; das Zweite geradezu verweigert, und man gab ihm einen andern, zuverlässigen Bedienten, d. h. einen Spion des Hofes, bei; das Dritte erwiederte man dahin, daß der gewünschte Arzt in Wien selbst nöthig sey, jedoch für seine Ersetzung gesorgt werden sollte; das Vierte würde gar keinen Anstand finden, sobald nur der Prinz die Briefe unverschlossen abgehen lassen wollte, eine Bedingung, die so gut als Spott klang. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln gelang es Wilhelm gleichwohl, die Verwandten von seiner wahren Lage in Kcnnt- niß zu setzen und sie zu Mitteln für seine Befreiung aufzufordern. Der Bischofvon Straßbnrg und Hermann Egon zu München boten alles auf, um diese Absicht zu erreichen. Während sie in öffentlichen Schriften Erde und Himmel gegen die schreiende Gcwaltthat an ihrem Bruder zu bewegen suchten und weder der so sehr beschimpfte Churfürst von Köln noch Ludwig XIV., wie wir hören werden, ebenfalls das Ihrige sparten, um Leopold I. Haß zu erwecken, arbeitete vor allem thatig an seiner Erlösung die — 173 — zärtliche Schwester Maria Francisca, Gemahlin oder Wittwc des Grafen von L ö w en stci n-Wert he im, welche zu Wien ein eigenes Haus und vielen Einfluß hatte. Sie hatte eine Weile unverdächtig mit ihm gebriefwcchselt und die Erlaubniß erhalten, bisweilen Erfrischungen ihm zusenden zu dürfen. Diese Gunst benutzte sie dazu, geheime Nachrichten ihm mitzutheilcn, und die Briefe wurden als Makulatur um jene Pommcraiizen gewickelt, welche sie ihm korbwcise Übermächte. Die Wachen, welche laut gemessenen Auftrags, alles zu untersuchen hatten, fanden nun nichts verdächtiges an der Sache; aber die unglückselige Sparliebe eines der Hüter, welcher das schöne Papier zu kostbar fand, um also nutzlos verschwendet zu werden und welcher alle Stücke ablöste und durch schlechteres Papier dafür nm die Früchte gewickelt, ersetzte, gab Anlaß zu Aufmerksamkeit und Argwohn. Auch hatte man bereits die Regsamkeit des kölnischen Sekrctairs Burmann, welcher bei der Gräfin täglich aus- und einging, wahrgenommen und einen vorhandenen Plan hcrausgewittert. Man beobachtete sowohl diesen Mann, als die Sendungen der Dame genauer, und da inzwischen auch die Papiere, die zu höherer Kenntniß gekommen waren, die Vermuthnng einer geheimen Korrespondenz bestätigten, so wurden plötzlich sowohl Burmann als sein Miteinvcrstandner Brägel, ebenfalls diplomatischer Agent, angehalten und sämmtliche bei ihnen vorfindliche Schriften weggenommen und untersucht. Die Drohungen, welche man gegen den Ersten anwendete und die Miene, die man sich gab, als hätte Letzterer schon alles eingestanden, bewirkten, dag der Sekretair alles bekannte, was man haben wollte. Das zwischen dem Gefangenen und seinen beiden Brüdern zu Straßburg und München zum Be- hufc der Befreiung Verhandelte und Verabredete wurde nun völlig bekannt und selbst die Briefe in Ehiffern mnßte - 174 — Burmattn in Gegenwart Hochcrs erklaren. Die Person bek Grafin war nun sehr mitkompromittirt. Der Kaiser ward über die Entdeckung äußerst aufgebracht und verfügte eiue strengere Verwahrung des Prinzen; der Frau von Löwenstein aber, welcher man ihre Papiere ebenfalls in Beschlag genommen und mit den übrigen verglichen, ließ er durch den Kanzler bedeuten : »Bregel und Vurmanns hätten die Rolle von Spionen gespielt und diese, so wie andere verdächtige Leute und Feinde Seiner Majestät, bei der Grafin Schutz und Unterschleuf gefunden :c. Daß diese mit dem Verhafteten geheimen Briefwechsel gepflogen, könne er ihrer schwesterlichen Liebe und Affektion verzeihen; allein, daß sie einen ähnlichen zwischen dem Prinzen und jenen Leuten begünstigt, müsse des Kaisers gerechten Unwillen wider fie erregen. Demnach hätte die Gräfin schleunigst.sich aus Wien zu entfernen, denn nach allem, was vorgegangen, könne ihr durchaus nicht mehr getraut werden.« Die Frau von Löwenstcin suchte sich zwar so gut als möglich zu entschuldigen, und wendete alle weiblichen Waffen der Überredung und des Mitleids an; sie kehrte ihre übergroße Freundschaft zu dem gefangenen Bruder in den Vordergrund, und betheuertc, ihm blos in der Absicht geschrieben zu haben, daß er Mittel und Wege finden möchte, sich gegen die übergroßen Anklagen in öffentlichen Schriften zu vertheidigeu; alles, was sie ihm mitgcthcilt, scy blos zu seiner Tröstung und Erheiterung geschrieben worden. Daß sie einen Plan zur Befreiung des Prinzen ausgcschmiedct, müsse sie beharrlich in Abrede stellen; doch könne sie keineswegs auch für Burmannsund GrammontS Schritte Bürgschaft leisten, indem diese Herren niemals in ihre Geheimnisse sie eingeweiht. Wie man die Erklärungen der schlauen Maria Fran- — 175 -- cisca bei Hof aufgenommen, ist leicht zu crrathen. Sie selbst stellt sich in den Briefen, die von ihr übrig, sehr bestürzt über die mannigfache Überrumpelung von alle» Seiten, klagt über «die Unvorsicht und Blindheit Vur- manns, welcher arme. Teufel so bald den Kopf verloren.» Das Fernere ergiebt sich aus einer Stelle ihres Briefes, den sie von Wertheim aus an einen bedeutenden fürstlichen Verwandten, sviclleicht an den Markgrafen von Baden (')f schrieb, und der zugleich zu ihrer Charakteristik dient: »Es ist wohl ein großes Unglück. Euer fürstliche Gnaden können denken, wie inniglich ich betrübt bin, daß ich mit solcher Disreputation fortgemußt. Zwar hat man nach- gehends gesagt, man wolle mir den Tag meiner Abreise nicht benennen; aber je eher, desto besser, indem jeden Tag von Burmann etwas Weiteres bekannt werde. Der arme Mensch, sagen sie, sey wie desperat, weine und heule. Gestern schrieb man von Wien, er sey an Händen und Füßen kontrakt und es stehe sehr schlecht mit ihm. Er kann's nicht lange mehr ausstehen. Die zwei armen Sost dateu (welche um die Sache gewußt) werden nun wohl schon gehenkt scyn. Ich kann E. F. Gnaden das Elend nicht genug beschreiben. Und dies ist das Ärgste, daß der arme Bruder Wilhelm, anstatt, daß er sonst hat spazieren dürfen, im Garten und Schloß, und auch Kapuziner und Doktor bei sich haben, und ein hübsches Zimmer gehabt, nun in dem Gewölbe sich befindet, wo Zriny gesessen, und das mit eisernen Thüren verschlossen ist; ferner, daß kein Mensch, die Soldaten nicht ausgenommen, ein Wort mehr mit ihm reden darf. Ach! wäre Burmann nie nach (') Um Niemanden in Wien zu kompromittiren, war vielleicht gar keine Adresse beigefügt worden. Wien gekommen, und der Bregel auch nicht! Es wäre all dieses nicht geschehen. Aber es scheint, Gott habe es so verhängt. Ich fürchte sehr, meine armen Kinder werden es unschuldigerweise mit entgelten müssen! »Ich habe von Wien gemußt, ohne nur noch eine Audienz bei der Kaiserin erhalten zu können. Ich bin gestern hier (zu Wertheim) angelangt; nach München Hab' ich nicht kommen dürfen, weil man mir zu verstehen gegeben , daß man es gar nicht gern sehen würde, weil Bruder Herrmann der Schlimmste von allen (Dreien) wäre. Um nun nicht noch mehr Ungnad'auf mich zu laden, Hab' ich solches unterlassen, und meine Ge- schwei (Schwägerin) unterwegs besprochen-, welche wohl herzlich betrübt ist, indem wir sehen, daß das Unglück überall trifft. Gott bessere es! "Ich fürchte, wenn Bruder F. (Franz Egon?) nicht was Remarquablcs für den Kaiser thut, so wird er endlich übel einsitzen, und es möcht' ihm beim Fürsten von Vaicrn gehen, wie E. F. Gnaden beim Chursürsten von Köln. (') »Euer fürstliche Gnaden glauben sicher, daß nicht alles so ist, als man vielleicht zu Paris meint; denn gewiß, Baiern wird dem Kaiser nicht resistiren können. Es scheint, Gott will die Waffen des Kaisers segnen, denn er gewinnt immer mehr, als er verliert. Gott gebe den Frieden! Sonst kann nichts helfen!« — M. Francisca lobt am Schlüsse ihres Briefes sehr die guten und getreuen Dienste, welche ihr Graf Frobcn von Fürstenberg, ihr Vetter, geleistet; sie bittet, alle Zuschrif- (') Diese Andeutung ist dunkel, weil man die Person nicht kennt, an die der Brief sich richtet. Vielleicht ist es der Fürstbischof von Münster, mit dem die Gräfin spricht. i?7 ten an sie über München laufen zu lassen, da ihre Briefs (von Seite der kaiserlichen Polizei, da, wo dieselbe Macht oder Einfluß hatte) aufgefangen würden; sodann beschwert sie sich über außerordentliche Ermüdung in Folge der Rel- sestrapazzen. Wir verlassen hier deü Gefangenen Und seine Familie nachdem wir die Schilderung semer Schicksale von dem Zeitpunkte der Verhaftung an, bis zu dem der Erschwerung derselben, als zusammenhangendes Ganze gegeben. Nunmehr aber ist es an der Zeit, auf den Antheil zu kommen, welchen die Zeitgenossen an dieser merkwürdigsten Affaire des Tages genommen; auf die Empfindungen, welche sie im Kongresse selbst und in den Kabinetten erregt; endlich auf die Schritte der hohen Diplomatie, die allernächsten Folgen für die Friedenstraktate und die politischen Verhältnisse Europa's, die daraus hervorgegangen. — 178 — Achtes Kapitel. Unmittelbare Folgen der Entführung des Prinzen Wilhelm Egon. — Die Stadt Köln und König Ludwig XIV. §)ie erste Partei, welche in Betrachtung kommen muß, ist wohl die Stadt Köln selber. Ihre thcucrstcn Rechte und Interessen waren durch das Geschehene verletzt und gefährdet, der Selbstständigkeit ihres Gebiets und der feierlich zugesicherten Neutralität ein schimpfliches Brandmal aufgedrückt worden. Wie wenig Sympathie die Reichsstadt auch für ihren Erzbischof und dessen Minister hegen mochte, welche beide sie oftmals bedrängt, so erforderten doch Stellung und Anscheu, daß sie eine Verwahrung gegen das Geschehene in üblicher Form einlegte. Die Nachricht von dem Vorfalle zu Köln erfüllte König Ludwig XIV. mit äußerstem Unwillen und mit leidenschaftlicher Erbitterung, als über einen ihm selber zugefügten Schimpf; die Erbitterung wich aber wiederum der Betrachtung, welchen Gewinn ihm diese Verletzung des Völkerrechts durch den wiener Hof in der öffentlichen Meinung gegeben, und welchen Einfluß die That auf das Schicksal des Kongresses äußern werde, von dem der König bereits sich sehr gern wiederum zurückgezogen hatte. Nunmehr hatte er die herrlichste Waffe in der Hand wider einen Gegner, der nicht müde geworden, die Treulosigkeit des französischen ^ 179 — Kabinettes in Staatsakten, anonymen Schriften und Prt- vatgesprächen vor ganz Europa zu brandmarken oder von andern brandmarken zn lassen. Allein wie politisch-wichtig die Verhaftung Wilhelms von Fürstcnberg auch seyn mochte, so unangenehm und peinlich war ihm gleichwohl anderseits der Verlust seines überlegenen Talents, seiner vielfachen Wirksamkeit und seines nutzreichen Ruthes. Ehre, Vortheil und Politik bestimmten daher Ludwig, das Äußerste für seine Befreiung zu thnn; und er that es auch. Fortan dreht sich eine Zeit laug das ganze politische Leben Europa's um die Person des gefangenen Prinzen Wilhelm. Fast keine gesetzgebende Versammlung ward eröffnet oder geschlossen, kein Aktenstück der hohen Diplomatie ausgegeben, das nicht eine Stelle enthalten, für oder wider den von Fürstenberg. Man ersieht aus den dickleibigen Schriften und Sammlungen jener Perlode, wie sehr daS Gefühl dcrHinterlistigkeit bei dem Verfahren K. Leopolds I. das moralische Gefühl verwundet und die bisher unbestrittensten Voraussetzungen aufs Neue zweifelhaft und zu Gegenständen rechtlicher Erörterung gemacht hatte. Sowohl persönliche Freundschaft, als System-Verwandtschaft, sowohl die natürliche Sympathie für einen Unglücklichen ohne Erwägung seiner Schuld oder Nichtschuld, als die Furcht vor ähnlicher Gefahr in möglichen gleichen Fällen, vereinigten Verschiedendenkendc, die That zu verdammen; der Instinkt der verletzten öffentlichen Sicherheit und schimpflich mißhandelter Gcsandtcnwürde überwog bei vielen den Haß oder die Gleichgültigkeit gegen Fürstenbcrgs Person oder Grundsätze. Daö Mißvergnügen über so unerwartete, als grelle Störung des weitgediehencn Friedcnsgeschästes machte in Äußerungen mannigfacher Art wider den Kaiser und seine Minister sich Raum, ans deren alleinige Rechnung alle künftig der Christenheit drohenden Übel gesetzt wurden. 180 — Frankreich hatte fortan das günstigste Spiel für alle Anmaßungen, und zwar mit einem Schein des Rechtes; dieser Gedanke ward von allen Parteien gleich sehr fest gehalten, und die hundertmal wiederholte Behauptung Leopolds, das Haupthinderniß des europäischen Friedens scy der Fürst Wilhelm von Fürstcnberg gewesen, dem wiener Kabinet mit bitterer Betonung zurückgegeben. Umsonst kehrte der Kaiser seine Würde nnd Nationalität heraus; man glaubte nicht daran; umsonst sprach er viel und bedeutungsvoll von geheimen wichtigen Gründen seines Verfahrens; eben weil sie geheim waren, hielt man die Gründe nicht triftig genug, und da der Kaiser selbst bei mehrern Anlässen seine eigene Person zu sehr durchblicken ließ, so erklärte mau den Haß wider den Prinzen für einen rein persönlichen, und der Monarch, welcher an der Christenheit Spitze zu stehen beharrlich vorgab, schien um so schärfer» Tadel deshalb zu verdienen, daß er die gemeinsamen Interessen derselben dieser reinpersönlichcn Leidenschaft zum Opfer bringe. Lndewig XlV. betrachtete diesen Ausdruck verschiedenartiger Empfindungen nicht ohne inneres Vergnügen, nnd labte sich an der Genngthuung, welche der Nebenbuhler ihm vor ganz Europa selbst zu geben sich beeilt. Alle Federn kamen daher in Bewegung, um das Unmoralische und Widerrechtliche der Entführung — denn also nannte man die Affaire von Köln — recht hervor zu heben und jenen Ausdruck zu verstärken. Seine Diplomaten selbst versäumten nichts dabei. Alsbald nach eingegangenem Bericht über alle EinzclN- heitcn erließ der König folgendes Rundschreiben an alle seine Großbotschafter : »Je mehr der durch das öffentliche Vertrauen, durch das Völkerrecht nnd die Verhandlungen des von Europa so dringend gewünschten und gehofften Friedens geheiligte Charakter in der Person des Prinzen von Fürstcnberg verletzt worden, desto heftiger wird, ich kann daran nicht zweifle», der allgemeine Unwille wider die Urheber cincS solchen Attentats sich aussprechen. Denn von der Zeit an, wo ich, in Folge der Dazwischenkamst und Vermittlung des Königs von Schweden, meine Absicht kund gab, den Krieg zu beendigen, ließ auch der König von Großbrit- tanicu nicht minder günstige Gesinnungen hiefür blicken, und der Churfürst von Köln, wie der Bischof von Münster fügten sich unserm Wunsche, und ließen sich die von uns als Ort der Fricdcnsunterhandluugen bezeichnete Stadt Köln, welche auch von den Gcncralstaaten der vereinigten Niederlande und ihre» Verbündeten angenommen ward, als sichere Freistätte des Friedens und der Ruhe mitten unter dem allgemeinen Waffcngetümmcl, gern gefallen. Die Minister und Bevollmächtigten sämmtlicher Fürsten, deren Interesse in Berührung kommen mußte, begaben sich nach dieser Stadt, im Vertrauen auf die derselben gegebenen Garantie. Weil jedoch seit einiger Zeit das Regiment des Marquis de Gr.'na zu Köln in Besatzung lag, so stand zu befürchten, daß diese Truppen die Neutralität verletzen konnten; der König von Schweden kam dem Übelstande mittelst seiner Minister am wiener Hof zn Hülfe, und erwirkte von dem Kaiser, daß er gleich im Anfang der gepflogenen Verhandlungen auf die feierlichste Weise neuerdings zu demjenigen sich verpflichtete, was er bereits auf dem Reichstage zu Ncgcnsburg versprochen hatte, nämlich die vollste Sicherheit für sämmt- liche Minister der am Friedcnsgcschäfte betheiligten Fürsten. Die Briefe, welche hier in Abschrift angebogen werden, legen dies Jedermann klar vor Augen. Nun erfahre ich, daß der Fürst Wilhelm von Fürstenberg, — 182 — Bevollmächtigter des Churfürsten von Köln, in dieser Eigenschaft von allen in besagter Stadt verweilenden Ministern und Gesandten, und selbst von den Botschaftern des Kaisers, von denen der Krone Spanien und der Ge- ncralstaaten anerkannt und angenommen — am hellen Tag von Hauptleuten und Soldaten des Regiments Grana, welche zu dem Ende Order erhalten hatten, angegriffen worden, und, nachdem man einige sanier Leute an seiner Seite gctödtct und noch mehrere verwundet, durch jene Soldaten, welche die Wache an dem einen Thor versahen, verhaftet, sodann aber durch etliche Regimenter des Kai sers, die in dieser Absicht vor der Stadt sich aufgestellt, nach Bonn gebracht worden sey. »Meine Überzeugung von dieser That ist diejenige, daß durch sie alle Fürsten, welche in dem betriebenen Fricdens- geschäftc Minister gesendet, in der Person des vorgebuchten Bevollmächtigten schwer beleidigt, ein viclgcheiligtes, puf feierliche Worte und förmliche Gcleitbricfe beruhendes Recht gröblich verletzt und ganz Europa durch den Bruch der Traktate für einen Flieden, von dem er endliche Beruhigung erwartete, der größte Schaden zugefügt worden. Diese That ist aber für mich insbesondere und den König Von Großbrittanieu desgleichen eine um so schwerere Beleidigung, als ersterer mit dem Churfürstcn von Köln verbündet und gemeinsam mit uns gegen die Generalstaaten im Krieg begriffen war. So sicher es jedoch ist, daß der Gewalrstreich yon kaiserlichen Offizieren verübt worden, so kann ich gleichwohl nicht recht annehmen, daß diese in Folge höhern Auftrages gehandelt. Auf jeden Fall sind die Schuldigen zu bestrafen und Fürst Wilhelm un- verweilt in Freiheit zu setzen. Zögert man damit, so wird dieses Zögern alles klarer in's Licht setzen und den Maaß- stab darreichen, zudem, was man von der Sache glaube» — 1SZ — soll. Ist aber die That mit Wissen und Willen des Kaisers, ja vielleicht auf dessen eigentlichen Befehl vorgenommen worden, eine That, welche nicht nur allen Begriffen von öffentlicher Treue, sondern auch dem der Neichsver- sammlung feierlichst gegebenen Worte widerstreitet, so kann das ganze Reich daraus deutlich entnehmen, wie der Kaiser diese Unterhandlungen für Erzielung des Friedens nicht nur nicht besondres gewünscht, sondern selbst gefürchtet habe, weil ein solcher Friede ihn gezwungen haben würde, die Waffen aus der Hand zn legen. Diese Waffen, welche er unter dem nichtigen und leichtfertigen Vorwand, die Freiheit Teutschlands zu beschützen, ergriffen hatte, vcr- thcidigcn dieselbe nicht nur keineswegs, sondern sie unterdrücken sie sogar; seine durchziehenden Kricgsheere verwüsteten einen großen Thcil jenes Landes; den einen Ehur- sürstcn hat er seiner Staaten beraubt, und um Mittel und Wege zu finden, seine Truppen in den Plätzen am Rhein ohne Unterschied einzunisten, sucht er den Krieg noch mehr in die Länge zn ziehen. Waö er am Fürsten Wilhelm ge- than, ist nichts mehr und nichts weniger, als was er auch gegen andere Fürsten ohne Bedenken auszuführen sich entschloß, nämlich dem einen nach dem andern seine Freiheit zn rauben. »Diese dem Frieden so sehr fremden und den Gesandten, welchen die Sorge desselben eigens anvertraut worden, so sehr gefährlichen Thatsachen haben mich dahin bewogen, auf den Fall, daß nicht mir und meinen Mitverbündctcn für den angethancn Schimpf förmliche Gcnugthunng geleistet werden sollte, meine Gesandten von Köln abzuberufen und jenen Konvent, mit dem ganz Europa sich schmeichelte, er würde ihm den Frieden geben, zu zerstreuen. Zn dem Ende gab ich meinen Gesandten, welche zu Köln sich aufhalten, Befehl, bis auf ein Weiteres und bis zum Momente, — 134 — wo über des Kaisers eigentliche Meinung sichere Nachricht zugekommen, zwar in jener Stadt noch zu bleiben, aber ihre Arbeiten als überflüssig und eitel inzwischen einzustellen, zugleich aber gab ich ihnen auch den Auftrag, daß sie, in Anbetracht, wie unsere Feinde allenthalben und auf außerordentlichen Wegen die Friedensunterhandlung unterbrechen, sämmtlichen Bevollmächtigten und Gesandten des Königs von Schweden, der vor allen übrigen Mächten als am meisten betheiligt und in seiner Vermittelung, welche Sicherheit und öffentliche Ruhe hätte verbürgen sollen, am meisten beschimpft, erscheinen muß, diese unsere Ansicht mitzuthcilen. Auch gebiet' ich andurch meinen Geschäftsträgern an sämmtlichcn fremden Höfen, dieselben cbenfulls davon in Kenntniß zu setzen. Denn ich hege die Gewißheit, daß, je mehr unsere Feinde durch schlechte Wege und Mittel einen Frieden zu verhindern bemüht sind, dessen Beförderung ich nach allen meinen Kräften gesucht habe, desto mehr werden sie den gemeinsamen Unwillen aller jener Fürsten gegen sich reizen, welche für Recht und Billigkeit noch ein Gefühl haben, die Gerechtigkeit des Kampfes aber, den ich führe, wird aller Welt immer offenbarer und klarer werden,« Der König schließt diese vertrauliche Note mit einer geheimen Weisung an Ungenannte, auf deren Freundschaft und Theilnahme er unter gegenwärtigen Umständen mit Zuversicht rechnet. (') Drei Tage darauf sendete er die amtliche Erklärung in nachstehender Denkschrift zu, welche vor Abreise der fran- (') Ueg, LNrist. lüttern super espturu Luil. kursteubei'AÜ!>n SUOS ut>i-ut>i Niereutes kliuistros. O. cl. 2/j. ?sdr. iLn-j. /F. Irsivxr, 7fsxtst»„in Nistorien-^vlitiporuru ?, z^ll, p. 16 — ig, zösischeu Bevollmächtigten den schwedischen Vermittlern übergeben ward. »Wiewohl die an der Person des Prinzen Wilhelm von Fürstcnberg, Bevollmächtigten des Chnrfürsten von Köln, verübte Gewaltthat am Orte der Friedciisnnterhandlungcn selbst, und zwar durch Hauptleute und Soldaten des Marquis de Grana vorgenommen worden, so wollte doch der König im Anfang nicht glauben, daß der Kaiser selbst Urheber eines so widerrechtlichen Anschlags gewesen; denn Se. Majestät, welche an und für sich selbst der Meinung ist, daß allen Königen und Potentaten nichts heiliger scyir sollte, als Bewahrung von Treu und Glauben und gegebenen Worte, (') war der Ansicht, er würde dem Kaiser eine schwere Beleidigung zufügen, wenn er durch einen Anschlag dieser Art ein im Angesichte von Europa und in Mitte des Reichstages zu Negensburg gegebenes Versprechen hinsichtlich der Sicherheit und Neutralitat einer Stadt bräche, von der aus die gesammtc Christenheit ihre Ruhe zurück erhofft, »In Erwägung dieses Umstandcs wollte Se. Majestät Ihr Mißfallen über die That nicht alsoglcich offenbaren, sondern dem Kaiser Zeit vergönnen, jedermann kund zn thun, daß sie ohne seine Order geschehen; Sr. Majestät wäre lieb gewesen, wenn jener durch Bestrafung der Verüber des Werkes alsbald seinen Ruf von dem dadurch auf ihn gekommenen Brandflecken zu reinigen für gut gefunden. l') Welch bittere Satyre machte hier Ludewig nicht auf sich selbst! Seine ganze Regierung war eine fortlaufende Kette von Meineiden. Treulosigkeiten, Vertragbrüchen, balo auf Kosten der Fremden, bald der eigenen Unterthanen. Diese Sünden pachten sich schwer und furchtbar an seinem in solcher Gestn? nung fortschreitenden Geschlecht. — 136 — »Der König fühlte zu diesem Benehmen um so mehr sich veranlaßt, als er dem Kaiser den Vorwand benehmen wollte zu glauben, er scy gesonnen, die Friedenshandlung wegen dieser That abzubrechen. Se. Majestät berief also ihre Gesandten nicht auf der Stelle von Köln ab, wiewohl die Neutralität dieser Stadt schon an und für sich dadurch gekränkt worden, und der König rechtmäßige Ursache genug gehabt hätte, nicht mehr viel darauf zu bauen. »Daß Se. Majestät mehr als befugt waren, sehr ans Ihrer Hut zu seyn, ergab sich aus mehrfachen Umständen. Nicht nur genossen Ihre Botschafter ebenfalls nicht derjenigen Sicherheit, welche an dem Staatsminister eines mit dem Könige alliirten Fürsten und Bundesgenossen so sehr verletzt worden, sondern ihre Libereicn jlävröo») und Leute wurden sogar von denselben kaiserlichen Kriegsleuten angehalten und Sr. Majestät Geld, welches auf Ihren Wagen geladen war, ist, in Folge der Order eines granischen Offiziers, in einer Stadt, darin jedermann das Recht freier Ausfuhr besitzt, aufgegriffen, ferner ein von dein Grafen von Chamilly an die Gesandten abgefertigter Eilbote verhaftet und beraubt, und endlich die Stadt Köln, welche man als Mittelpunkt gemeinsamer Sicherheit eigens gewählt, durch eine seltsame Metamorphose in einen blutigen Schauplatz umgewandelt worden, ans welchem das Blut derjenigen floß, die, gemäß eines an den Magistrat geleisteten Eides, die Neutralität verthcidigen wollten, bloß, damit Gcwaltthätigkeiten ungehindert in's Wcrk gesetzt werden konnten, welche die Habsucht und die Rachlust gewissen Leuten eingegeben. »Zwar hatte Se. Majestät sich so viel als möglich enthalten , einige dieser Handlungen dem Befehle des Kaisers zuzuschreiben, und gemäß der Achtung, welche sie für den Ruhm dieses Monarchen fühlt, getrachtet, sich selbst zu überreden, daß sie ohne dessen Wissen und Willen verübet worden. Allein da aus der eigenen Antwort des Kaisers, welche der schwedische Gesandte z» Wien auf seine dort eingegebene Vorstellung empfing, deutlich genug erhellt, daß die Entführung des Prinzen Wilhelm ein Ergebuiß kaiserlichen Auftrages gewesen sey, so kann der König keinen Anstand nehmen, auch das, was man sich gegen seine Gesandten erlaubt, dem nämlichen Antriebe zuzuschreiben. -Der König ist es daher sowohl sich selbst, als seinen Gesandten schuldig, dergleichen Gcwaltstreichen, welche uugczweifelt von dem Unwillen ganz Europas begleitet seyn dürsten, nicht ferner sich bloß zu stellen. Aus diesem Grunde haben die Botschafter Sr. Majestät den Befehl erhalten, Ihren Entschluß, dieselben abzuberufen, den Abgeordneten der Krone Schweden, die mit so großem Eifer diese Versammlung als Vermittler zusammengebracht, ohne Säumniß mitzuthcilcn. Sie selbst waren Zeugen, wie sehr Se. Majestät es sich angelegen seyn ließ, das Friedcnswerk zn fördern; ebenso können sie Zeugen davon seyn, welch gewaltsame Mittel der Kaiser sich erlaubt, um ebendasselbe zn hintertreiben; sie werden ferner Zeugen seyn der rechtmäßigen Gründe, welche den König genöthigt, mit den Waffen in der Hand die Verachtung desjenigen zu rächen, was im Völkerrecht als das Heiligste gilt, und seine Feinde durch Krieg zu einem Frieden zu zwingen, welchen sie auf so seltsamen Wegen, wie die eingeschlagenen, zu entfernen getrachtet haben. »Wenn das gesammtc römische Reich solches Beginnen des Kaisers nach Gebühr benrtheilt, so wird es leichtlich wahrnehmen, daß er die nachtheiligstcn Plane gegen die Freiheit desselben im Dunkeln ausspinnt. Es kann die Widerrechtlichkeit und Bedeutsamkeit eines solchen Unternehmens nicht triftiger dargethan werden, als durch die ungebührlichen Mittel, deren man sich bedient, dasselbe Werk (des Friedens) rückgängig zu machen. Denn, wären des Kaisers Absichten nicht einzig und allein auf Untergrabung der Fricdenstraktate zu Köln gerichtet gewesen, so würde er niemals seine Zuflucht zu einem Mittel genommen haben, welches das heiligste Band menschlicher Freundschaft und Geselligkeit zerstört; er würde die Neutralitat an dem Orte der Versammlung, au der Person der französischen Abgesandten nicht gebrochen, noch viel weniger gestattet haben, daß seine Hauptlcute in einer freien Stadt Hand an Geld gelegt, welches Sr. Majestät Eigenthum war; er würde endlich auch in dem Kriege, welchen er dem Könige angekündigt, viel behutsamer sich benommen haben, wenn er weniger Bcsorgniß gefühlt, denselben bald beendigt zu sehen. »So lang die Unterbandlungen gewährt, und je mehr die Herren Vermittler sich bemüht, die bethciligtcn Parteien einander anzunähern, in desto größerer Gefahr glaubte sich der Kaiser, durch den Frieden entwaffnet zu werden. Er würde durch dessen Abschluß die Macht eingebüßt haben, deren er sich seit Anfang des abgewichenen Jahres angemaßt : sein Volk in den Staaten der Reichsfürsten ohne Unterschied in Quartiere zu legen, seine Truppen auf ihre Kosten zu verstarken, unter nichtigen Verwänden die westphälischen Traktate zu brechen und sich wiederum zu jenem Grade von Größe und Anseben zu erheben, vor welchem die tentsche Freiheit in frühern Perioden sich so sehr entsetzt; eine Macht, sagen wir, welche nicht ohne langwierige und blutige Kriege in ihre gebührenden Schranken hätte zurückgedrängt werden können. Endlich trug er auch Bange, daß das Ergebniß der Unterhandlungen zu Köln, mittelst Beilegung einer dem Reiche völlig fremden Streitsache, sein Unternehmen selbst scheitern — 189 — machen dürfte, welches er wider eben dieses Reich beabsichtigt. »Der König hegt also keinen Zweifel, daß nicht nur der König von Schweden, welcher durch Übertretung der in ihm, als Vermittler ihren Hauptstützpunkt habenden, Zusagen so tief mit verwickelt worden, sondern auch alle Fürsten, welche aufrichtige Sehnsucht des Friedens tragen, auf den Kaiser die alleinige Schuld davon werfen werden, daß eine Versammlung, welche der Christenheit diese Wohlthat zu verschaffen im Stande war, sich aufgelöst hat. »Das ganze teutsche Reich kann leicht ermessen, daß es schon längst zur alten Ruhe gekommen wäre, wenn der Kaiser die Sympathie des Königs für Aufrechthaltung des wcstphälischen Friedens gethcilt, und wenn er es hatte über sich gewinnen mögen, den Feinden der Krone Frankreich keinen Beistand zu reichen, gleichwie Se. Majestät sich auch von Ihrer Seite verpflichtet hat, Ihr Kricgs- volk aus Teutschland zu ziehen, sobald Sie jene Garantie erhalten. »Der König beharrt noch in diesen Gesinnungen. Die Rechtmäßigkeit, welche ihn zu dem gegenwärtigen Kriege bewogen, vermindert in ihm nicht einen Augenblick den Wunsch für Beruhigung des Reichs; und wie glücklich auch die Fortschritte seyn möchten, durch welche Gott Ihre Waffen vielleicht darin segnen wird, so wird er doch sich nicht glücklicher schätzen, als wenn es ihm gelingen sollte, seine Feinde zum Frieden zu zwingen.« ff) ff) v. 6. Versailles, 27. Mar; 1674. Bei Sr-- Dieses giftige Schreiben, ganz darauf berechnet, zwischen Österreich und dem eigentlichen Teutschland den Saamcn des Mißtrauens und Hasses noch reicher auszusäen, als bisher geschehen, war ganz im Style jener Briefe und Broschüren, mit welchen die Französische Partei damals Europa überschwemmte und von denen die Schrift: »Verschwörung des Hauses Habsburg wider Teutschland und Europa« die gründlichste galt. Es wirkte um so nachdrücklicher, als alle Gründe des Rechts wider Leopold zu sprechen schienen. Am meisten fühlten sich die schwedischen Vermittler betroffen, sowohl durch die Umstände der That selbst, als durch die nächsten Resultate davon. Ohne Zögern hatten sie an das Kabinet zu Stockholm ausführlichen Bericht und an den Gesandten Esaias Puffcndorf in Wien den gemessensten Auftrag zugeschickt, das Möglichste zur Versöhnung beizutragen. Alle übrigen Botschafter wurden ebenfalls darum angegangen und die französischen Bevollmächtigten so lang als thunlich von entscheidendem Schritte zurückgehalten. Das erste Memorial, (') welches (') lÄemoriale Nsstclentiz Zueäicl, l^-ckcs pilüenäors) bei Lü nig. S. 4 u. s. w. — 191 — der gewandte Puffendorf den Grafen von Kaunitz und Sternbcrg übermachte, lautete also : »Geliciligte kaiserliche Majestät! Gnädigster Herr! Da die, wie es allgemein heißt, auf Befehl einiger Hauptleute des Iranischen Regiments und auf öffentlicher Straße vorgenommene gewaltsame Verhaftung und nachmals erfolgte gefängliche Abführung des zu den Friedensverhandlungen in aller Form beauftragten chnrkölnischcn Bevollmächtigten und Gesandten, Herrn Landgrafen zu Fürstenberg, zu so vielen und wichtigen Fragen Anlaß giebt, daß die geringste daraus entstchbarc Folge eine völlige Auflösung des Kongresses seyn dürfte, welcher durch die sehnsüchtige und flehentliche Stimmung aller Christen eröffnet und nicht ohne Hoffnung eines glücklichen Endergebnisses fortgesetzt worden war, — so hielten es die von der königlich schwedischen Majestät, nnserm allergnädigstcn Könige, zumVer- niittlcramtc abgeordneten und mit unbeschrankten Vollmachten ausgestatteten, außerordentlichen Gesandten für ihre Pflicht, ohne Verzug so viel als möglich zu Abwendung aller aus jenem Ercigniß zu befürchtenden Übel, sechs Tage nach jenem Vorfalle, nämlich den 16. Februar, einen Edelmann an Euer k. Majestät Gencral-Feldmarschall, den Herzog von Bourneville, nach Bonn zu senden, mit einem Schreiben, welches die Thatsache anzeigte und darauf drang, daß sie ohne alles Zögern, wie billig, wieder gut gemacht würde. Da man jedoch von diesem Fcldherrn keine andere Antwort erhalten konnte, als daß er für schleunigen Bericht über den Vorfall an E. Majestät Sorge tragen würde, so schweben wir um so mehr in Zweifel, alS wir leider gewahren müssen, daß die übrigen öffentlichen Minister der That die Bedeutung geben : sie würden die Sicherheit, welche au ihren Beruf und ihre Person naturgemäß sich heftet, tollkühn preisstelleu und die Ehre ihrer Könige und Souveraine leichtfertig beflecken lassen, so sie länger am Krongreßorte verweilten. Bereits machen sie auch ziemlich nuverstcckt Miene zur Abreise. Bon dieser Bcsorgniß getrieben, wußten die Mediatoren kein anderes Mittel, als einen zweiten Edeln ihres Geleites als Eilboten an mich abzufertigen, mit der dringenden Bitte, von E. k. Majestät in geziemender Ehrfurcht schuldige GcNngthnnng für eiuc so abscheuliche Gewaltthat, deren Offiziere Aller- höchstderselben bczüchtigt werden, so wie die verdiente Bestrafung der Urheber, Helfer und Helfershelfer zu be- gehrcn. »Inzwischen hat unter dem Volke das Gerücht sich verstärkt, jene Verhaftung sey auf Befehl E. k. M. vorgenommen worden; auch kann ich nicht verhehlen, daß mir solches neulich am vcrwichcnen Samstage durch Sc. Er- cellenz, den Herrn Geheimen Rath und Erzkanzlcr, Baron von Hocher, und zwar, wie er vermeldet hat, auf Höchst- derselben ausdrücklichen Befehl angekündigt worden. Weil jedoch in dieser Mittheilung die Voraussetzung vorzuherr- schen schien, als sey der Herr Landgraf von Fürstcnberg keineswegs mit durch die Heiligkeit des Gesandten-Charakters beschützt gewesen, und weil auch mit keinem Worts des Umstandes gedacht war, daß E. k. M. selbst die Stadt Köln zum Schauplatz jener Erckntion ausersehen, so lag deutlich am Tage, wie sehr besagte Offiziere sowohl hinsichtlich der Person, als des Ortes, welcher Kraft des öffentlichen von E. M. verliehenen Freibriefes nicht nur allein den Gesandten selbst, sondern auch ihren Prinzipalen und deren ersten Minister», ja selbst deren Bedienten unverletzbare Sicherheit gewähren muß, in einem außerordentlichen Jrrthum befangen waren, und daß sie somit mehr als Vollzieher eigener Willkühr und keineswegs der Mandate E. k. M. gewesen waren- Teshalb stelle ich im Namen Sr. Majestät des Königs von Schweden, uttd vermöge der ihm von Seite aller kriegführenden Parteien gemeinschaftlich übertragenen Gewalt, für mich selbst aber ans reinem Eifer für das Gesammtinteresse das dringlichste und nachdrücklichste Ansuchen, daß nicht nur allein für die vollbrachte That schnelle und angemessene Genug- thuung geleistet, und der Herr Landgraf von Fürstenberg wiederum auf würdige und seinem Charakter geziemende Weise an den Ort zurückgebracht werde, von dem man gewaltsam ihn entführt hat, sondern auch, daß man wider die betreffenden Hanptleute und deren Genossen, als wider vermessene und übelberathene Ausleger und Überschreiter der Befehle E. Majestät also verfahre, wie die Schwere des Verbrechens, die Würde so vieler Könige, Fürsten und Stände, die Stellung E. k. Majestät selbst und insbesondere diejenige des Königs von Schweden, durch dessen Bemühung und Dazwischcnkunft für jene Stadt völlige Sicherheit erwirkt und ganz eigens ausgesprochen wurde, endlich wie die Begriffe von öffentlicher Treue und Ehre, und die Ehrwürdigkeit des so gröblich verletzten Gesandtcnrechts es zu erfordern scheinen. Es ist gewiß erlaubt, von E. k. M, durch so viele herrliche Beispiele bewährtem Gerechtigkeitsgefühl nnd Friedenseifer zu erwarten, daß die Nachwelt ein strenges Ercmpel erhalte. Indem ich über dieses Gesuch einen schnellen und befriedigenden Bescheid erwarte, empfehle ich mich E. k. M. in tiefster Unterthanigkeit.« Der Kaiserhof war auf alle Folgen seiner kühnen That gefaßt; darum trafen ihn alle nun gegen dieselbe gerichteten Vorwürfe nicht unerwartet, und man war zu Wien entschlossen, das Geschehene um jeden Preis zu vertheidi- gen nnd die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. M. 13 — 194 - Auf die erste Note des schwedischen Gesandten ward demnach mit vieler Gravität Folgendes erwiedert: »Aus Auftrag Sr. geheiligten kaiserlichen und königlichen Majestät siebt man sich veranlaßt, auf das von dem Minister-Residenten der Krone Schweden, Herrn Esaias von Puffendorf, eingereichte Memorial, hinsichtlich der Befreiung des Fürsten Wilhelm von Fürstcnberg und anderer Hindernisse des Friedens, freundschaftlich zu bedeuten: der beharrliche Eifer und die ununterbrochene Bemühung der schwedischen Herren Vermittler, zu Erzielung eines billigen und allgemeinen Friedensvertrages, seyen höchst löblich, und Niemand habe sehnsüchtiger es gewünscht und wünsche es noch, daß dieser Eifer und diese Bemühung von den gehofften Wirkungen begleitet seyn möchten. Doch müsse es Sr. Majestät nicht wenig schmerzen, daß der König von Frankreich seit mehr als einem halben Jahr den Friedensvertrag dadurch verzögert habe, daß er nicht nur die von Seite des Reiches angebotene Vermittlung abgelehnt, sondern auch dem Herzog von Lothringen, welcher ein Fürst des Meiches und ein Verbündeter des Kaisers sey, verweigert. Man könne hieraus auf die aufrichtige Gesinnung des allerchristlichsten Königs schließen, welcher einerseits alle Wege, die zur Ausgleichung führten, verschlösse, und neue Vorwände aussinne, um seine Gesandten von Köln abzuberufen, und andererseits die Welt gern überreden möchte, daß er einen anständigen und allgemeinen Frieden ernstlich wünsche. Dieser letztere liege durchaus nicht in seinen Planen, und um ja nur die Möglichkeit desselben zu zerstören, ziehe er die fremdartigsten Sachen gewaltsam hinein. Die Verhaftung des Fürsten Wilhelm könne keinen anständigen Grund zur Klage gewähren, denn der Kaiser habe diesem niemals freies Geleite zugesichert, und auch keine Ursache gehabt, einem französischen Chiliarchen, (') der überdies so vieler Ver- gehen und Ränke sich schuldig gemacht, zuzusichern. Im Perlauf der Zeit werde sich's herausfinden, wie schlimm jener Fürst, Kaiser und Reich mitgespielt. Die Beschuldigung, daß hinsichtlich desselben wider das Völkerrecht verfahren worden, klinge sehr übel gewählt und verläumdc- risch in dem Munde eines Mannes, der so oft alles Völkerrecht mit Füßen getreten, der die Verträge als nicht geschlossen ansah, sobald er solches für gut hielt; der bis zu diesem Tage Christenblut verspritzt, bloö um seinem ungemessenen Ehrgeize zu fröhnen. Der Kaiser lebte mit dem Seinigen zufrieden und griff nur nothgedrungen zu den Waffen; die Krone selbst muß Zeuge seyn, wie die Verfügungen des westphalischen Friedens von Frankreich und dessen Helfern gewaltsam verletzt wurden. Es ist nicht wider das Völkerrecht, Gewalt mit Gewalt abzutreiben, und Missethätcr zu züchtigen; das Recht, welches jeder für sich selbst aufgestellt hat, muß auch dem andern gelten. Mit welcher Stirne will aber nun der König von Frankreich sich über kaiserliche Majestät beklagen, wenn sie gegen Aufrührer blos dasjenige verhängt, was er, der König, jeden Tag in seinem eigenen Laude, und zwar mit viel größerer Schärfe, sich herausnimmt?« Die Note drückte nun auch die Empfindlichkeit deS wiener Kabincttes darüber aus, daß man beleidigende Ausfälle und ehrenruhrcrische Vcrläumdungen gegen den Kaiser, welche sich Andere erlaubt, in die diplomatischen Depeschen mit aufgenommen, und bemerkte, daß nicht un- gegründetcr Verdacht daraus erwachse, als trüge man (') Wen» Leopold ihn für einen solchen hielt, so hatte et desto weniger ein Recht, bei angeknüpften Unterhandlungen mit dem Monarchen, dem er diente, ihn verhaften zu lassen. - 196 - selbst an derlei Dingen kein so großes Mißfallen, welche Jene sich erlaubt hätten. Was die Kriegskasse betraf, deren man zu gleicher Zeit mit der Person des Fürstcnber- ger sich bemächtigt, so erklärte der Minister, daß kaiserliche Majestät solches nach allem Recht und mit Billigung von ganz Teutschland gethan, indem ihr nicht zugcmuthct werde» konnte, in Köln einen Sammelplatz und Zahlamt für Rüstungen gegen Kaiser und Reich zu dulden. Seine Truppen hätten sich hicbei eines Vortheils versichert, den der Krieg ihnen in die Hände gespielt. Doch könne über/ diesen Geldpnnkt leicht eine Ausgleichung zu Stande kommen, wenn man mit Frankreich nur über die wichtiger» Grundlagen des Friedens in's Reine kommen würde. Se. Majestät seyen in diesem Falle auch crbötig, die fragliche Summe, mittelst ihrer Gesandten, bei den Herren Vermittlern niederzulegen. Puffendorf war mit dieser Antwort wenig zufrieden, und überreichte gleich einige Tage darauf eine zweite Denkschrift folgenden Inhalts : »Was von dem in Köln für Abschluß des Friedens versammelten Kongreß zu hoffen oder zu fürchten scy, da einerseits die Gcwaltbotcn der Herren Generalstaatcn in Schreiben an die Vermittler ziemlich deutlich, auf den Fall der Nichtzulassung lothringischer Minister, mit ihrer Abreise gedroht; andererseits der allerchristlichste König seine außerordentlichen Gesandten von Köln abzuberufen den Entschluß gefaßt, alsbald nachdem er von der Verhaftung des churkölnischen Bevollmächtigten, Prinz Wilhelm von Fürstenberg, so wie von der Rückbehaltung französischer Geldsummen und Effekten Kenntniß erhalten, auch sonst die zu Abschließung eines Friedenstrctktats aus mehr als einem Rechtstitel so höchst nötbige Sicherheit allenthalben und ungestraft, und ohne Hoffnung des Er- satzes, verletzt gesehen, das ist wohl Euer kaiserlichen Majestät zum mindesten aus den Berichten Höchstihrer Gesandten bereits klar geworden. Ohne Zweifel haben auch diese letztern E. k. M. mitgetheilt, mit welch beharrlichem Eifer und mit welch ängstlicher Besorgniß die Herren Vermittler eine unübersehbare Reihe von drohenden Übeln aufzuhalten versucht, und wie nichts von ihrer Seite versäumt worden ist, um alles aufzubieten, was die — man weiß nicht, soll man sagen — unter Einfluß eines unglückseligen Gestirnes erzengten oder selbst erfundenen Hindernisse des Fricdensgeschäfts zu fernen und die Auflösung des Kongresses abzuwenden im Stande sey. Obgleich jeder billige Beurtheilcr der Verhältnisse ohne Mühe die Überzeugung gewinnen muß, daß jene feierliche Zulassung lothringischer Gesandten, in der Art und Weise, wie die Herren Generalstaaten dringend und hartnäckig sie gefordert, nicht nur eine vollständige Neuerung, sondern sogar eine, den ursprünglichen Verabredungen völlig fremde Sache sey, eine Sache, die um so weniger mit in die Fricdcnstraktate nach Köln sollte gezogen worden scyn, als man sie bei einer andern Gelegenheit und ans andcrm Wege viel bequemer hätte erlegen können; und obgleich man gestehen muß, daß die von einer andern Seite verletzte öffentliche Sicherheit schwerlich, ja nicht einmal durch einen Schein des Rechts bemäntelt werden könne; so haben jene Vermittler nichts desto weniger, um beider Theile Wünschen in-etwas entgegen zu'.kommcn und den bezweckten Frieden so allgemein und so fest als möglich zn machen, es für nöthig erachtet, die obwaltenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Während sie demnach einerseits alles anwenden, um den König von Frankreich dahin zn vermögen, daß er der Zulassung einer lothringischen Gesandtschaft, die zu Erreichung eines so edeln Zweckes, wie der allgemeine Friedensschluß, begehrt Wied, nicht länger sich widersetze, haben sie mir andererseits aufgetragen, daß ich alles dasjenige auf's neue geltend mache, was seit dem Februar für die Befreiung des Fürsten Wilhelm geschehen ist, und daß ich E. k. Majestät inständig ersuchen möchte, buch selbst auch für sich dasjenige zu Erzielung des Friedens anwenden zu wollen, was Allcr- höchstdieselbcu von Andern bisher verlangen zu müssen geglaubt. Ohne Zweifel werden diese dringenden Bitten diesmal wenigstens ein geneigtes Gehör finden. »Die neuen Auftrage, welche ich von dem Könige von Schweden, meinem allcrgnädigsten Herrn, erhalten, setzen mich in den Stand zu erklären, daß Se. Majestät, nach Durchlesung und Prüfung aller vom Grafen Stcrnberg für die Rechtmäßigkeit jener Verhaftung angeführten Gründe, denselben kein so großes Gewicht beigelegt hat, um sie mit der Störung eines von allen Gutgesinnten so sehnsüchtig gewünschten Werkes, wie der allgemeine Friedensschluß, in ein Verhältniß zu bringen; ferner daß Sie der Meinung sind, der Prinz von Fürstenbcrg hätte von dem durchaus und im weitesten Sinne allgemeinen Freigeleite E. k. Majestät um so weniger ausgeschlossen werden können, als er die fürstliche Würde, in welcher er glänzt, durch E. k. Majestät eigene Gnade erhalten hat, und als dieselbe mit seiner Person enge ziisaninreuhängt, den Territorien, nach der allgemein angenommenen Ansicht der Reichstage, nicht unterworfen, und selbst durch den Lchcnsverband, mittelst welches er einem der Mitstände verpflichtet ist, niemals in dem Grade verscherzt werden mag, daß der Träger derselben wegen solch einer Arsache zur Rolle eines bloßen Unterthanen herabsinke. Da die Vollbemächtigung jenes Prinzen in derselben Art, wie jene der Gesandten der Herren Generalstgaten ausgefer- tigt und ausgetauscht worden ist, so mußte das Freigcleit für ihn auch ebendieselbe Kraft haben, es müßte denn Ihre kaiserliche Majestät blos den Churfürsten und Fürsten des Reichs ansinnen, ohne Dazwischenkamst und Beihülfe ihrer Minister künftig unmittelbar und in eigener Person mit den Gesandten oder Abgeordneten anderer Fürsten zu unterhandeln nnd zu vertragen. »Sollten übrigens noch gewisse geheime Gründe vorwalten, welche außer den in der Autwort auf mein Memorial vorgebrachten und durch die angebogenen zwei Schriften sattsam geschwächten, E. k. Majestät zum gerechten Unwillen wider jenen unglücklichen Fürsten gereizt haben möchten, (') so versteht sich Sc. königliche Majestät von Schweden zur angestammten Großmnth E. kaiserlichen Majestät hinreichend genug, um des Glaubens zu seyn, Allcrhöchstdie selbe werde eine Privatrachedem allgemeinen Besten willig und hochsinnig zum Opfer bringen, und durch den hcrrlichsten Sieg, welcher erfochten werden kann, den Sieg über sich selbst, Europa den Frieden zurückgeben, welchen Myriaden mit Seelcnangst dermal wünschen; daß dies mittelst irgend einer öffentlichen Erklärung, und zwar, wenn möglich, in den nächsten Tagen eröffnet werden möge, ist des Königs freundliche und brüderliche Bitte; <') Diese geheimen Gründe bestanden nebst anderm darin, daß der Prinz Wilhelm (früher) die Absicht gehabt haben sollte, Böhmen von Osterreich unabhängig zu mach-m und dem Kaiser zu geben, welcher außerhalb des Hauses Habsburz gewählt worden wäre; eben so wollte man zu Wien bestimmt wissen, daß Fürstenberg den Churfürsten von Köln, gerade im entscheidenden Momente der Aussöhnung mit Österreich, abwendig gemacht. Schmidt l. c. — 200 -- ich selbst aber, der ich die Ehre habe, das Organ meines Monarchen zn seyn und Euer k. Majestät Huld unterthä- uigst mich empfehle, vereinige die meinigc mit derselben.» Obgleich in dieser, wie in der frühern Schrift alles gesagt war, was von den verwundbarsten Seiten angreifen und die polbischen Fichlspitzen berühren konnte, so steckte doch der kaiserliche Hof die vom schwedischen Frei- muth ihm reichlich gespendeten Lehren geduldig ein, und verfolgte beharrlich seinen Gedanken, der Nichtlosgabe des Gefangenen. Ein zweites Nescript machte Puffcndorf mit den Gesinnungen des Kaisers auf nachstehende Weise bekannt: / »Se. kaiserliche Majestät geruhen, auf das vom Minister-Residenten der Krone Schweden in diesen Tagen eingereichte Memorial wie folgt, zu bedeuten: Aus der Darstellung des Herrn von Puffendorf hat man ersehen, auf welche Ursachen gestützt, die zu Köln verweilenden schwedischen Herren Vermittler die Überzeugung gewonnen, daß die am 14. verwichencn Monats zu Köln vorgegangene Verhaftung des Fürsten Wilhelm von Fürstcnberg wider alles Recht geschehen, das unterm 19. April vorigen Jahres allen Ehurfürsten, Fürsten und Ständen des Reichs verwilligte Freigeleite verletzt worden, und somit nicht nur gegen die Urheber streng zu verfahren, sondern auch gedachter Fürst alsbald in Freiheit zu. setzen sey. «Darauf nehmen Allcrhöchstdiesclben sich die Mühe, zu erwiedern : Es sey Ihrer k. k. Majestät niemals bekannt gewesen und auch dermal noch unbekannt, daß der Prinz von Füvstenberg den Charakter eines Gesandten bekleidet oder irgend einem Fürsten, den das Friedcnsgeschäft belangt, an gehörigem Ort, unter den gehörigen Formen und zu allgemeiner Kenntniß, vorgewiesen habe. Da, wo ein Fürst selbst gegenwärtig, könne von keinem Bevoll- mächtrgten die Rede seyn, und auch kein Individuum als in die Kategorie von Hausgenossen eingeschlossen betrachtet werden, das nicht auf Kossen seines Herrn den Lebensunterhalt beziehet. Es kann diese Voraussetzung um so weniger Statt finden bei Jenen, welche verschiedener Herren verschiedenartige Geschäfte betreiben. Hätte eine solche Person auf so etwas auch Anspruch machen gewollt, so würde doch kaiserliche Majestät nimmermehr es zugegeben haben, indem es unwürdig sey, daß ein Glied teucscher Nation, ein Unterthan des heiligen Reichs und ein Vasall des Hauseö und ein Provinziell des Erzherzogthums Osterreich irgend ein Amt gegen kaiserliche Majestät übernehme. Alle in teutschen Angelegenheiten auch einigermaßen Bewanderte wissen^zur Genüge, daß unter dem Namen «Churfürsten, Fürsten und Stände des Reichs« niemand sonst verstanden und eingeschlossen werde, als diejenigen, welche Sitz und Stimme auf dem Reichstage führen, und sodann die Gesandten der Könige und der grvßern Fürsten. Aber auch diesen letzter» kann es nimmer verstattet seyn, an dem Orte, wo sie ihr Amt ausüben, Verbrechen zu begehen und Ränke wider das Ansehen desjenigen anzuspinnen, welchem sie schon durch die Bande gemeinsamen Ursprungs und sodann durch die der Unterthanschaft und viele andere mehr verpflichtet find; und noch weniger solcher Dinge sich zu uuterwinden, welche zu Verachtung oder Schmäserung der obersten Gewalt kaiserlicher Majestät dienen. All dies soll seiner Zeit an einem andern Orts ausführlich und der Breite nach auseinander gesetzt werden. «Inzwischen ist durch notorische Thatsachen bereits der gcsammten Christcnwclt klar geworden, welche Unternehmungen zum Schaden des ganzen Reichs der nunmehr verhaftete Prinz sich erlaubt hat; es ist klar, daß er der vorzüglichste Anstifter gegenwärtigen Krieges gewesen, daß er als Anführer eines französischen Regiments Dienste genommen und allen abmahnenden Mandaten seines Kaisers Gehorsam verweigert. Jeder, der nicht von Leidenschaften befangen, muß daraus sich überzeugen, mit wie vielem Recht mehrerwähnter Prinz gefangen gesetzt worden, und wie dies blos in der Absicht geschehen sey, um ihn zu hindern, auch ferner noch zum Nachtheil kaiserlicher Majestät und des gesammten Reichs in den betretenen Fußtapfen fortznwandeln, und den der Christenwelt so höchst notwendigen Frieden zu vereiteln. Gewiß ist es, daß mit Hinwegränmnng eines so offenkundigen Ränkeschmiedes allen Gutgesinnten trostreiche Beruhigung gegeben worden. Die französischen Gesandten haben nicht im mindesten über die Verhaftung desselben sich zu beklagen; denn sie genossen bis ans diesen Tag die ihnen verwilligte Sicherheit in vollem Maaße, und werden sie auch ferner wohl genießen. Davon sticht das Betragen des allerchrist- lichstcn Königs sehr ab. Dieser weigerte sich bis heute beharrlich, ein ähnliches Frcigeleitc dem Herzog von Lothringen auszustellen, obgleich die schon aus dem Naturrccht zerfließende Verpflichtung der Wechselseitigkeit gegen einen Verbündeten des Kaisers solches gcfodcrt hätte; der König beschränkte sich jedoch hierauf noch nicht, sondern er ließ sogar den Grafen von Nassau, trotz der von Gravel sämmtlichen Reichsständen so oft und dickweis versprochenen Sicherheit, in engen Verkäst nehmen, und hielt ihn längere Zeit, ja hält ihn noch gegenwärtig darin. »Bei solcher Gestalt der Dinge zweifelt Se. k. Majestät keineswegs, daß nicht die Herren Vermittler, nach genauerer Untersuchung der fraglichen Sache durch die unwiderlegbaren Gründe sich beruhigen und das schiefe Ur- theil zurücknehmen werden, welches sie über die erwähnte LZerhaftungsgeschichte gefällt; ferner, daß sie nicht nur - 203 — wegen derselben die angeknüpften Unterhandlungen über einen der Christenheit so höchst ersprießlichen Frieden nicht abbrechen, sondern, zn milderen Gesinnungen zurückgekehrt, in ihrem so löblichen Eifer in Beförderung ikrcs Werkes fortfahren werden, damit nicht, während der Kaiser hiezn auf alle Weise und aus allen Kräften mitwirkt, die einige Schuld des Mißlingcns mit allem Recht auf sie gewälzt werden muß.» Das wiener Kabinet schloß diese feine und ausweichende Erklärung, in der man die verübte Gewaltthat mit so vielem Schein des Rechts, des Nationalgefühls und der Friedensliebe beschönigte, nicht ohne freundliche Ermahnung an den Minister-Residenten, den Ausdruck der Gesinnungen des kaiserlichen Hofes durch einen getreuen Bericht an seinen Souverain gelangen lassen zu wollen. Um dieselbe Zeit ungefähr ließ auch der Baron de l'Jsola einen Brief in's Publikum gehen, worin er förmlich läugncte, daß er den Prinzen von Fürstenbcrg jemals als Gesandten bei sich empfangen. Er hätte, nach allen übrigen Gesandten, zuletzt ihn besucht und rein vertrauliche Gespräche gepflogen; alle ihm erwiesene Achtungsbezeigungen seycn pure Höflichkeiten gewesen, die er seiner fürstlichen Person und nicht dem diplomatischen Charakter Wilhelms gemacht. Die schwedischen Vermittler zu Köln bezeigten sich mit der österreichischen Antwort schlecht zufrieden. Sie ermangelten nicht, alsbald eine neue Vorstellung nach Wien zn senden, worin sie Punkt für Punkt zu beleuchten und zu widerlegen, und ihre mehrfach geltend gemachten Grundsätze zum Uberfluß zu begründen suchten. Sie bedauerten, Sr. Majestät noch einmal beschwerlich fallen zu müssen, stellten jedoch die Nothwendigkcit in den Vordergrund, alles aufzubieten, daß der Gedanke verletzter Sicherheit und — 204 — gebrochenen Königswortes nicht in der öffentlichen Meinung aufkomme. Ein solch vorherrschender Gedanke würde nicht nur allein allen weiten? Unterhandlungen für den Friedensschluß ein Ende machen, sondern auch in alte Verhältnisse der menschlichen Gesellschaft eine peinliche Unbestimmtheit bringen. Es sei) — meinten sie — eine Ehrensache, den Vorwurf zu widerlegen, als wäre das feierlich und in allgemeinen Formen für sämmtliche Interessen gleichlautend ausgestellte Freigeleire, das bereits mit den? Blute von Unschuldigen schimpflich bespritzt (') worden, nur ein Fallstrick gewesen. Tic Würde eines Fürsten, welche der kaiserliche Hof auf eine ihm beliebige Weise erkläre, müsse dem Betreffenden eher zum Vorrbeil, als zuin Nachtheil, eher zur Vergünstigung, als zum Fallstrick gereichen. In der ausgestellten Sichcrheits-Urkunde scy ausdrücklich der Minister des Churfürsten von Köln mit einbegriffen gewesen, derselbe von den Gesandten Schwedens und anderer Mächte als solcher betrachtet und mit ihm in solcher Eigenschaft unterhandelt worden. Der Prinz von Fürstenberg habe seinen Unterhalt aus der Kasse des Churfürsten bezogen, den Namen als Minister und Geheimerath desselben geführt, die Geschäfte seines Herrn besorgt und eine Vollmacht von diesem letztcrn wirklich vorgewiesen. Niemals habe der Chursürst den Friedens- untcrhandlungen in eigener Person beigewohnt; alles ging durch die Hände Fürstcnberg's, und man wisse sich nicht zu entsinnen, daß bei irgend etwas zwischen den Beiden Verschiedenheit oder Widerspruch der Ansicht Statt gefunden. Wenn das öffentliche Vertrauen, die Seele aller Verträge, in der Autorität kaiserlicher Majestät, von welcher (') Vermuthlich sind die während des Straßengefechts zu Köln gefallenen Leute Fürstendergs darunter gemeint. so vieles abhänge, keine Stütze mehr finde, wo sollte man dieselbe denn noch suchen? Mit welcher Zuverficht des Bestandes würde man ferner noch Traktate schließen mögen, wenn die Treue, statt in's Leben zu treten, in den Kanzleien eingeschlossen bleibe, und von spitzfindigen Sophismen preisgegeben werde? Die Vermittler machten außer djesem Beweggrund, der auf des Kaisers persönliche Stellung, fürstliche Würde und eigenstes Interesse Bezug hatte, auch noch die historischen Erinnerungen an die Tugenden der Milde und Rechtlichkeit geltend, durch welche das ErzHaus Österreich jederzeit in der Reihe der Nationen geglänzt, (') und welche man bei Schwierigkeiten von so unerheblichem Belang auf das Spiel zu setzen gewiß nicht Willens seyn könne. Die Vermittler gestanden nochmals, daß es ihnen selbst widerlich falle, Sr. Majestät von Neuem mit dergleichen Einzelnheitcn über die Verhaflungsaffaire lastig fallen zu müssen; allein das was alle gleich berührt, könnte hier nicht umgangen werden. Daher erklären fie sich frei heraus: Wenn auf einen bloßen Vorwand hin und nach einigen einfachen Nachforschungen eine Gcfangennehmung, welche härter als der Tod und in der Manier bisher unerhört, vorgenommen und dann erst, ganz gegen alles sonstige Rechtsvcrfahren, Stoff zu Einleitung eines Prozesses gesammelt werden dürfte, so würde wohl Niemand — sey er, wer er wolle — ohne Furcht mcbr dienen. Kein Recht und kein öffentliches Rcchtsverhältniß würde mehr (') Diese Komplimente aus schwedischem Munde mußten dem Sodne des Knisees, der den westpdälischen Frieden schloß, und dem Enkel Ferdinands U. nicht unsüßduftender Weihrauch sei»,. — 206 — in Kraft bestehen, und alle Frage» des Staats- und Privatrechts und alle frühern Normen für Prozeßverfahren in Zweifel gezogen werden. Der Kaiser behauptet, genau davon unterrichtet zu seyn, daß der Fürst, wahrend der Periode seiner Gesandtschaft gegen Se. Majestät und Ihr erhabenes Haus sich vergangen, manigfache Ränke angesponnen, mit Verachtung von Ihr und demselben gesprochen, Anstifter des dcrmaligen Krieges, Verhinderer des Friedens gewesen, und ist der Über eugung, daß kein Gutgesinnter darüber mehr im Zweifel ist. Allein ob man unter diesem Vorwand befugt sey, mit Mißhandlung aller bestehenden Rechts- und Gcrichtsformen, mittelst bewaffneter Kricgshaufen, mittelst Ertödtung und Verletzung von Schuldigen und Unschuldigen ohne Unterschied, mitten in einer freien Stadt, in einem durch die Fricdensuntcrhand- lungen geheiligten und von allen kriegführenden Parteielt für neutral erklarten Orte, Jemanden gesanglich hinweg zu schleppen und doch dabei die Verhältnisse auf dem alten Fuße zu wähnen — dies muß sehr bezweifelt werden, und kaum kann Se. Majestät es recht Ernst mit dieser Behauptung seyn; auf jeden Fall ist solch ein Verfahren weit unter Ihrer Würde. »Was uns selbst betrifft — fahren die Vermittler weiter fort — so müssen wir, nicht etwa blos aus christlicher Liebe, sondern durchdrungen von Pflichtgefühl, erklären, daß wir niemals eine Ursache gehabt, über den Prinzen von Fürstcnberg uns zu beklagen, noch können wir ihm vorwerfen, daß er das geringste Hinderniß uns in den Weg gelegt; vielmebr müssen wir bekennen, daß er vielmehr zu Beförderung unseres Werkes alles, was in seinen Kräften lag und eines Fürsten würdig war, eifrig geleistet hat. »Aus den übereinstimmenden Berichten Verschiedener geht einstimmig bervor, daß Fürstenberg weder ein Vasall, noch Unterthan des Hauses Österreich, noch jemals demselben durch einen Cid der Treue verpflichtet gewesen. Wenn auch vielleicht sein Vater oder sein älterer Bruder während den Jahren seiner Minderjährigkeit Guter und Lehen für ihn sich auftragen ließen, so geschah es doch wider sein Wissen; er selbst, Wilhelm, leistete niemals einen Schwur, besaß diese Güter niemals und besitzt sie auch jetzt noch nicht; vielmehr hat er schon vor vielen Jahren auf alle Anwartschaft, sowohl ans diejenigen Güter, welche im Reiche oder irgend wo anders liegen, zu Gunsten seiner ältern Herren Brüder verzichtet, und er versuchte frei und unabhängig sein Glück in solchen Diensten, wo es ihm geliebte, namentlich in höhern geistlichen Würden. «In wie weit nun der bezeigte Ungehorsam gegen E. k. Majestät abmahnende Befehle sich erstrecken konnte, wagen wir nicht zu entscheiden; nur so viel ist uns sicher bewußt, was auf die Untersuchung wesentlichen Einfluß haben muß, daß der Prinz, während erwähnte Traktate anhängig waren, durchaus nicht als französischer Kriegs- befchlshabcr gehandelt, noch ein Regiment wider Eure k. Majestät angeführt hat, wohl aber, daß er für den Frieden rastlos gearbeitet, von Allcrhöchstdenselben jederzeit mit gebührender Ehrfurcht gesprochen hat, wiewobl jeder seiner Gespräche, wie seiner Gesinnungen alleinig befugter Doll- metsch seyn kann. Selbst bei notorischen und sehr schweren Verbrechen pflegt man, was den Lauf des Prozesses zu verlängern im Stande ist, schneller zu bereinigen, das aber, was zu Untersuchung der Wahrheit und Herstellung des Thatbcstandes dienen mag, auf keine Weise abzukürzen; um so unzulässiger ist es, mit einer so scharfen Voll- — 203 — strecknng anzufangen; und jemehr ein Fall, wie der ge-- gcnwartige, Nachthcile für Privat- m?d öffentliches Leben nach sich zieht, desto minder darf Übereilung Statt finden, und dem Beklagten die nöthige Verteidigung nicht entzogen werden.« Die Vermittler erneuerten nach diesem abermaligen Lehrkurse über Moral und Staatsrecht ihre Bitte, daß man kaiserlicher Seits dem Prinzen Freiheit und Genugthuung, der öffentlichen Meinung gehörige Rücksicht, und dem Völkerrecht und den Gesandten nöthige Sicherheit verschaffen möge. ( ) (') Uber den Nvtenverkehr zwischen dem wiener Hof und der schwedischen Diplomatie sind : Xcta. ?»!>!. L^lloge Xegot. kudlicor. a ?i-actat. Uolit. I. II. und das Diaeiulll Lui-opwuni 1°. XXXI. mit einander zu vergleichen. Die erste und zweite scdwedische Note (des E. v. Puffendorf) sind in mehrer» Sammlungen chronologisch unrichtig gesetzt. -- Zyg Zehntes Kapitel. Berthe idigung des Österreichischen KabinetZ in B es treff seiner Maßregel wider Wilhelm Egon, in amtlichen und Privatschriftem ^)cr Kaiser verschluckte auch die bittere Pille, welche in der dritten schwedischen Zuschrift enthalten und für den alten Stolz seines Kabinets nicht wenig demüthigend war. Er blieb in stoischer Ruhe bei dem Entschlüsse fest, Fürstenberg nicht sobald frei zu geben. Um jedoch in der öffentlichen Meinung, die man damals etwas zu schonen hatte, gereinigt zu erscheinen und den Angriffen der Feinde zu begegnen, ließ der Graf von Sternberg, aus Auftrag deS Kaisers, eine Denkschrift abfassen, welche eine förmliche Vertheidigung des verübten Staatsstreiches enthielt und ein höchst anziehendes Gemälde von den politischen Grundsätzen und staatsrechtlichen Ideen jener Periode liefert. «Das Laster, — also verkündigte Leopold I. den europäischen Regierungen und Völkern — welches jederzeit in der Welt zahlreichere Anhänger als die Tugend besitzt, verleitet nicht selten die Menschen, ganz verschiedene Ansichten, auch von den gerechtesten Handlungen der Fürsten zu äußern. Obgleich dieselben einzig und allein dem Ur- thcil des Allerhöchsten unterworfen bleiben, so sehen sie sich doch geuothigt, diese Handlungen, zu Vertheidigung ihrer Autorität und zu Bewahrung ihres Leumunds, als der festen Stütze des KönigthumS, auf jegliche Weise vor III. 14 — 210 — der Welt in Kraft zn erhalte». Wären viele Leute ihrer Leidenschaften Meister und fänden sie in dem weltberühmten Namen des allcrgewissenhaftesten Kaisers hinreichende Bürgschaft, so würde es ganz übcrflüßig seyn, die triftigen Gründe öffentlich bekannt zu machen, welche den römischen Kaiser Leopold bewogen haben, zur Sicherung der allgemeinen Prosperität, den Prinzen Wilhelm von Fürstcnbcrg als einen der Prinzipal-Urheber der gegenwärtigen europäischen Konfusion, Zerstörer der Ruhe und Freiheit des heiligen römischen Reichs und Übertreter aller derjenigen Gesetze und Pflichten, welche ihn zu unzerbrechlicher Obscrvirnng des schuldigsten Gehorsams, Eides und Respekts gegen seinen natürlichen Herrn und höchsten Gutthäter anhalten, — in der Stadt Köln in VerHaft nehmen zu lassen. Woher des Kaisers Feinden Anlaß gegeben ward, wider so lob- und ruhmwürdige Aktion zu reklamiren, sollen die gründlichsttn und unwidersprcchlich- flcn Ursacben hier beigefügt werden. «Der billig beschehene Arrest des Prinzen von Fürstenberg wird aus zwei Punkten, nämlich aus seinen unverantwortlichen Kriminibus und prätendirtcn verletzten Immunität - der Stadt Köln, welche zum Ort der General-Zusammenkunft auserlesen worden, gerechtfertigt und remonstrirt werden, daß selbige keinem Unterthanen und Vasallen des römischen Kaisers Leopoldi I., als Königs in Böhmen und Erzherzogs in Österreich, vor einigen Schntzarm dienen könne. Nun ist weltkundig und aus allen authentischen Dokumenten unwidersprechlich, daß der Graf, des Fürsten Wilhelm Vater, auch im Namen seiner Söhne, und so absonderlich vor sich selbst, dem Kaiser in der Stande- und Lehen-Investitur, welche sie innert den Reichskreisen, wie auch in den Königreichen und Erblandern Böhmen und Österreich inne haben, ewig währende Treue ge- — 311 — schworen, daß nun aber über all dieses der Fürstenberg meineidig und zwar leichtsinniger Weise geworden scy, erhellet genugsam ans allen seinen vermessenen Thaten, die er zur Rekompense so vielfaltig empfangenen hohen Ehren und Gnaden mit verdammter Undankbarkeit zu höchstem Nachtheil des löblichen ErzHauses begangen, da doch der ganzen Welt kundbar ist, daß Ihre Kaiserliche Majestät so vielen hohen adelichen Familien die fürstenbergische vorgezogen und unter der Neichsfürsten Anzahl komputirt habe.« (') Der Kaiser klagt nun über die Umtriebe, welche der Prinz als Kapitular zu Köln und Straßburg wider Österreich sich erlaubt, eben so über die Annahme eines Regimentes, von seiner französischen Abtei aus; über seinen Plan, zum Untergang Ihrer Majestät und des römischen Reichs, die mit Feinden und Rebellen gehaltenen geheimen Unterredungen und verrätherischen Konsilia; darauf aber fahrt der Verfasser der Denkschrift weiter : »Indem er, Wilhelm, nun in seiner Bitterkeit also fortgeschritten, hat er nach dem Friedcnsbruch das auf Befehl Ihrer Kaiserlichen Majestät zu Regcnsburg auf dem Reichstag pnblicirtc Mandatum, dieses Inhalts : daß sich alle in l') Der Kaiser zieht die Sezel wohl etwas zu stark hier auf. Die Fürstenwürde wäre sicherlich schon früher ertheilt worden, wenn frühere, einflußreiche Fürstenbcrge darum nachgesucht hätten. Es waren wenig andere »hohe adeliche Familien," welche eine solche Reihe von erworbenen Verdiensten und ausgezeichneten Männern aufweisen konnte», wie jene. Selbst Wilhelms Vater, Graf Egon, hätte sie für sich selbst allein schon so gut und besser, als die Fremdlinge Piccolomini u. A. der Erhebung in den Fürstenstand würdig gemacht, wären auch neben ihm keine Friedrich, keine Vratislaus, keine.Wilhelm Ii. und keine Zakob Ludewig gestanden. der Feinde Diensten befindende Unterthauen und Vasallen des Reichs, sutz pneiin retzellionis, derselben begeben und gänzlich abthun sollten , v e r l a 6? t und darüber mit dem Prädikat eines französischen Obristen, ein Regiment zu Fuß behalten, ja noch mehrere, in seinem französischen GcMüth erhitzt, neue Patente publizirt, Werbungen angestellt, rädelsführcrische Traktate angesponnen und eingeblasen, auch schreckliche Feindseligkeiten verübet, nicht achtend, daß von ihm mit Wahrheit gesagt wurde, was anderswo, bei Tacitus, im l B. seiner Annalen geschrieben steht t postguam iiilnlk? Inlotzros pieesiclium atz suclaeia mutu-ltur. Und unangesehcn, daß er nachmals die zu Bonn und auf dem Rheinstrom triumphirendcn kaiserlichen Waffen erblickt, so war er darüber nur noch mehr erhitzt und verwegen worden, so daß er neue Jnventio- nen ausgedichtet, die Feinde im Kriege zu bestätigen, die Alliirten zu verführen, und jene wankclmüthig zu machen, welche I. K. Majestät mit der gcschwornen Dependenz ewig verbunden und obligirt sciud. »Folgte also ermeldter Fürstenberg gleich einem Schatten, dem wegen seiner leichtgläubigen Gültigkeit aus seinem eigenen Sitz vertriebenen Churfnrsten nach Köln, welche Stadt von I. K. Maj., mit Einwilligung aller Gevoll- mächtigten, zu Abhandlung der Fricdenstraktate und gleichsam einem Asplo ( ) aller deren zu Beförderung des all- (') Dieser Ausdruck ist etwas unpassend; er drückt eine Art Gnade auS, für welche die Gesandten und Vermittler gleichsam sich bedanken mußten, da sie doch blos ein in allen gebildeten Staaten bestehendes Recht in Anspruch nahmen. Doch ist solches der Grundron in allen offiziellen Schreiben. Man kann daraus auf den moralischen Höhepunkt der damaligen Politik schließen, welche das als besondere Wvhlthat und Vergünsti- — 213 — gemeinen Friedens sich daselbst aufhaltenden höhen Minister und Mediatoren, deklarirt ward. Demnach er aber nicht ohne Argwohn wegen seines Verbrechens sich allda aufhielte, befliß er sich, sich mit pratcndirtcn nichtigen Lalvis coli6ue >ilzii !i und andern Souverains-Garantien zu justifiziren; und da er sich des PrahlcnS und Tumultuirens nicht entschlagen wollte, seind etliche Kriegsoffizicre, ihn in Arrest zu nehmen befehligt, und ist den 5. Februar, mit Znthun sechszchn wohl erlesener, und anderwärts her zu diesem beorderter Soldaten, um sich der Stadt-, garnison hierin nicht zu bedienen, der Arrest wirklich vorgenommen, und er, Fürstenbcrg, von Köln nacher Bonn behutsamlich abgeführt worden.« (') Alle die Gründe, welche Frankreich gegen diese »ernstlich überlegte, wohlfuudirtc und in allen Rechten zulassige Resolution,« als dem Völker- und Gesandtenrccht, als den ausgefertigten Geleitbriefen und den mehrfachen Eigenschaften und Würden des Prinzen Wilhelm widerstreitend aufgestellt hat, gehen, nach des Verfassers Ansicht, in Rauch auf. Die begangene Felonie als Vasall von Österreich und Böhmen tritt hier in den Vordergrund; der Zusammenhang mit Nadasti, Zriny und Genossen in Ungarn tritt erschwerend dazu; die geistlichen Immunitäten schützen nicht; denn der Statthalter Gottes hat gegen Oimina Isssso N-flest-ni» niemals Befreiung erthcilt, noch kann er sie ertheilett. Auch die soldatischen Ämter und die chimencirte Vollmacht des Königs von Frankreich zu den Friedenstraktaten helfen nichts. Rebellen genießen, nach der Ansicht berühmter gung ansah, und unaufhörlich anpries, was auch Irokesen und Karaiben bei sich ehren, l') Man lese die Worte aufmerksam; sie sprechen selbst mehr als Raisonnement. — 214 — Juristen, niemals des Gesandtcnrechts, und durch Vergehen wird Jemand nicht gewichtiger. Einen glänzenden Leweis für diese Behauptung lieferte Karl V. das erstemal, als er die Botschafter der augsburgischen Rebellen, das zwcitemal, als er die nach Mailand geschickten Gesandten der wider ihn in Krieg Begriffenen, statt mit Gnaden sie anzusehen, in einen bartcn Kerker werfen ließ. Aber — sagt man — der Prinz hat vom Kaiser einen persönlichen Freigeleitsbricf erhalten; dies wird kaiserlicher Seils als unwahr in Abrede gestellt. Aber selbst, wenn er einen solchen erhalten, so kann die einem Meineidigen ertheilte Gnade ihm keineswegs zum Frcipaß für neue Verbrechen dienen, und der Minister, welcher den Befehl überschreitet, hört auf, eine psiLon-, public-, zu scyn. Der General-Kondukt, welcher den Abgeordneten sämmtlicher Fürsten nach Köln ertheilt worden, kann auf keinen Fall also auf Fürstcnberg, als des Churfürsten seines Herrn geheimen Rath und vertrautesten Minister, ausgedehnt werden; denn er kann nicht zu Gunsten der Rebellen ausgedeutet werden. Die fraglichen Worte dieses Gcneralkondukts waren mit ausdrücklichen Klauseln und absonderlicher Vorbehaltung heilsam versehen, und Fürstcnberg hätte, trotz allen Auflehcns, bei k. M. solche nicht rückstellig machen können. Ferner ist der Prinz außer .Stande, irgend eines unter falschem Vorwand hineingezogenen, dem genereilen vorzuziehenden Spezialkondukts zur Garantie seiner Person, als churkölnischer Minister, sich zu bedienen, denn kein Gesandter kann der ihm verwilligten Freiheit zum Schaden und Nachtheil seines Prinzipals sich anmaßen. Nach der Meinung berühmter Staatsrcchtlehrer genießen zwar Gesandte vor allen übrigen die Wohlthaten der Gastfreiheit; allein, sobald sie zum Nachthcil des Staates, auf dessen Gebiet sie verweilen, etwas sich vermessen, und mehr die Rotte von Spionen als Abgeordneten spielen, so treten alsbald alle bestehenden Gesetze wider sie in Kraft, man kann sie des Hochverrathes bezüchtigen, und in peinliche Untersuchung und Strafe ziehen. Ob nun Fürsteubcrg solcher Tinge wider den Kaiser sich unterwun- dcu oder nicht, bleibt seinem eigenen Gefühl und Gewissen überlassen. Diese merkwürdigen staatsrechtlichen Satze der Politik von Wien, nach denen, in ihrer Weitschweifigkeit und Vagheit fast alle Tage die Botschaft jeder fremden Macht in einen Kriminal-Prozeß verwickelt werden konnte, erhalten noch ein um so merkwürdigeres Gepräge durch den Umstand, daß der Kaiser sich als Prinzipal hinstellt, in dessen Territorium Fürstenberg seine Felonie begangen, während doch im eigentlichen Sinne der Churfürst von Köln der Prinzipal und der Ort der Verhaftung die Hauptstadt seines Fürstenthums, überdies dieselbe als Reichsstadt ein neutraler Ort und durch den besonder» Charakter der darin gepflogenen Unterhandlungen auf jeden Fall neutral und sicher scyn sollte, selbst ans den Fall hin, daß alles sich so verhalten, wie in dem Manifeste angegeben ist. Aber wir lassen dasselbe weiter reden. »Der Abgesandten und Bevollmächtigten Stand und Wesen wäre allzu vortheilig, wenn jene Souvcraine, bei denen sie leben, und welche von ihnen angetastet würden, nicht die Macht hätten, sie billig als Feinde abzustrafen; allein es finden sich in den Rcchtsbüchern Stellen, welche ausdrücklich besagen, daß ein Fürst nicht gehalten sey, Verbrechen und Verräthereicu Dritter zu dulden, welche entweder seiner Macht Gefahr oder seiner Würde Eintrag bringen. Wie vermessen und leichtsinnig Fürstenberg Viele zur Vcrräthcrei zu verleiten, während der letzten Tage in 216 — den Versammlungen geredel, überweisen die wider ibn öffentlichen gethanen unpassionirten Klagen. So hat er auch den leulschcn Namen, damit er des Kaisers Vasall nicht seyn möchte, verleugnen dürfen, welches der Kaiser dennoch aus angeborner Milde ertragen und ihm bis auf weiter gctkane Nachstrcbung die Strafe vorbehalten.« Praktischer jedoch, als diese Gründe und Behauptungen war vielleicht der Aufruf, den das Manifest an der Franzosen eigene Sprach? und Urtbeilc in ähnlichen Fällen macht. Du Fresnu, der Großbotschaft'er des allcrchrist- lichsteu Königs bei der Republik Venedig, bezeugt ausdrücklich sin seinem merkwürdigen Schreiben vom 14. August 1662), daß fürstliche Gesandte jene Souveraine, an welche sie abgeordnet worden, nicht ohne Strafe schänden und injuriren dürfen, »lintrs los Privileges des amlzas. sadsurs — heißt es unter Anderm darin — i! IIS SS Irouvg Point, gn'il Isur sock peririis de calomnier le prinoe pres legnel ils resident. « Wie leichtsinnig und verächtlich ist auch sonst eines Unterthans und Vasallen Beginnen, der voller Bitterkeit einen auf Ibrcr kaiserlichen Majestät Gesundheit und Woblfabrt zugebrachten Trunk bei öffentlichem Tisch hat abschlagen dürfen. (') »Ich rufe hierin ebenfalls — fäbrt der Publizist K. Leopolds fort — der Franzosen und anderer Partialen eigene Gerechtigkeit an, über des Fürstenberg's Person und Procedere zu urtbeilen, und möchte gern von ihnen vernehmen, aus was Ursachen und Rechten er das Privilegium und die Freiheit eines Gevollmächtigten zu geil') Man sieht aus dieser Stelle, welche Kleinfügigkeiten und Einzelumstände au»' Leidenschaft und Entschluß beschränkter Geister in Kabinetten damals oft eingewirkt. Auch tublt man, wie überall die Persönlichkeiten stark hier porstechen. — 217 — niesten habe. Waren derjenigen Protcstationes nicht wohl zn hören, welche die verletzte Freiheit der Zusammenkunft von malcontenten Fürsten Isss-im N^jssi-Nsni vorgeben. Das Recht der Völker kann denjenigen nicht verlhcuigen, der die Freiheit wider denselben, von dem er sie erhalten, mißbraucht, indem keiner seine Verfolger zu befreien gesonnen ist. Also, obgleich er, Fürstenberg, mit dem Titel eines rechtmäßigen und wahrhaften Abgesandten sich rühmen könnte, so wäre er gleichwohl alsbald nach seinen Übel- beginncn und Missethaten faktisch dessen entsetzt und beraubt. Derjenige hört auf, ein Gesandter zu seyn, welcher anfing, ein Verräther zu werden. Die Strafe aber, welche man demjenigen Minister anthut, welcher wider den Fürsten, bei dem er verweilt, in Verschwörung sich einläßt, ist höchst nothwendig. Eine Rache, welche nothwcndig geworden, ist sodann auch geziemend und gerecht, zumal, wenn sie nicht sofort ihrer Selbstbefriedigung willen, als in der Absicht eingetreten, die eigene Würde und Sicherheit zu schützen. Für das Recht des Kaisers zur vielerörterten Maßregel führt der Verfasser der Denkschrift noch verschiedene Publizisten mit ihren Lehren an die Füisten, betreffend das Verhältuiß zu den Gesandten, vorüber; z. B. Grisont, in dem Traktate clo itzeZaln, Hugo de Groot, in dein Werke des ^»ro pasis st tzslli u. s. w.; sogar der alte Probojius, mit seiner Geschichte der Gothen, und Q. Curtius, über Alerander den Großen, müssen über den Gegenstand herhalten. Ter Apologist thut sodann einen tiefen Senfzer, daß der Kaiser nicht früher bei ähnlichen Anlässen zu solchen Maßregeln gegriffen; er findet einen schreienden Widerspruch darin, daß das französische Kabinet über die fürstenbcrg'sche Sache so großen Lärm geschlagen, während man von dieser Seite gegen den Her- — 213 — zog von Lothringen so ungerecht verfahren, und zu Metz sowohl, als auf verschiedenen andern Punkten eine Menge von Personen, welche ihr Vertrauen auf die Rechtlichkeit des allerchristlichstcn Königs in thörichte Sicherheit eingewiegt, fortwährend so gewaltsam in Haft'zurückhalte. Nichts bleibt den Gegnern also mehr übrig, als die Schilderung des »Ärgernisses der Welt darüber, daß in einer freien Stadt des Fürsten Minister selbst nicht mehr sicher sey.« Diese Klage wird ein Peralogismus genannt, welche vor der Betrachtung verschwindet, daß der Kaiser in allen Reichsstädten der höchste Fürst sey. Derjenige, welcher eine begründete Gerichtsbarkeit hat, besitzt auch das Recht, allenthalb im römischen Reich, sowohl über die Person der Mittelbaren, als der Unmittelbaren sie auszuüben. Nun hat aber der Kaiser, durch Verhaftung des Prinzen von Fürsteuberg, bloß von diesem Rechte Gebrauch gemacht, und zwar mit um so mehr Fug, als der Magistrat der Stadt Köln eine solche Maßregel weder vollziehen wollte, noch konnte. Welcher Fürst würde wohl getroffen, der, wenn er einen Vasallen oder Unterthan im Begriff sähe, Verbrechen des Hochverrats zu begehen, nicht sich bemühte, denselben in seine Gewalt zu bringen, zumal, wenn ihn kein Hindcrniß davon abhielte, als der Schirm einer einzigen Stadt. (') Kaiserlicher Seits spricht man die Stadt Köln von der Absicht frei, einen Rebellen der beschriebenen Art verteidigen zu wollen, und alle zu Gunsten Fürstenbergs gewagten Schritte werden großmüthig auf Rechnung der Ilmstände und der fremden Zudringlichkeit gebracht. Man zeigt ihr nochmals daß Beispiel Frankreichs gegen den Herzog von Lothringen, der seine eigene Person mir durch (') Somit eines nur schwachen Reichsstandes. — 219 — Flucht vor Gefangenschaft gerettet; man zeigt ihr ferner ihr eigenes wohlverstandenes Interesse, welches man gegen gewaltsame Eingriffe von Fremden vertheidigt, und deren Freiheit »unter den glorwürdigsten« Flügeln des kaiserlichen Adlers viel sicherer, als unter irgend einer andern Ägide leben wird. Am eindringlichsten vielleicht war die Theorie, welche am Ende der merkwürdigsten Denkschrift gegeben ward und worin die niemals veränderte Politik von Habsburg klar und bestimmt sich aussprach: »daß es mehr als vernünftig schiene, wenn alle gekrönten Häupter zu Dämpfung der Rebellionen die Hände einander bieten und zugleich dasjenige vorauskehren würden, was Tacitus im I. Buch seiner Annalcn schrieb: Verräther sind auch denjenigen verhaßt, deren Nutzen sie befördern.« An diese srcimüthige Gcneralbcichte knüpft sich die Mitteilung einer Anekdote, daß der französische Adel den.Fürstenberg selbst gewöhnlich nur den kleinen Verräther betitele. Sehr ungereimt findet es der Kaiser, daß all' dessen ohn- geachtet die Feinde der allgemeinen Freiheit solch unmäßigen Tumult zu Gunsten der Befreiung des Prinzen erheben und Schweden sogar damit umgehe, auf dem nächsten Reichstage förmlich dieselbe, entweder durch einen Abgesandten, oder mittelst einer militärischen Kommission begehren zu lassen, als ob ein fremder Souverain die Macht hätte, in einer Generalzusammenkunft der Notablen seines Landes einen Rebellen, ohne Zustimmung des Monarchen, welchem er nach Leib und Leben gestrebt, und ohne Vorlage der nöthigen Kreden- zialicn, zu Lcgitimirung seiner Person, auf freien Fuß zu stellen. Alle Gesetze, Nechtsgründe, historische Autoritäten und 220 — persönliche Motive, alle allgemeine und besondere Interessen, welche für die Verhaftung und Nichtbcfrciung Für- stenbcrgs sprechen, werden nunmehr nochmals zusammengedrängt und die Versuche derer, welche für den vornehmsten Verführer der Ruhe und Freiheit Europa's sich in Bewegung gesetzt, als Äußerungen von Mitschuld an dessen finster» Komplotten bezeichnet. Die Schrift aber schließt mit den Worten : »Wer Gott vor Augen hat, fürchtet sich nicht vor der Menschen Rädelsführern-und feindlich bewaffneter Hand. Weil demnach des Kaisers Gemüth aller Furcht einschüttet, so wird er mit Rath des Politici auch nothwendig gezwungen, wider den Urheber solcher schmerzhaften und weh- müthigen Konfusionen zu verfahren. I)uiu nscessüas ui-get, sdjiciencki sx animo mkNas, siiblalis »sstitionis sutoi ilms, s') Diese Worte drücken auch ehrlich und bestimmt die Grundstimmung der Politik und Persönlichkeit eines Fürsten aus, welcher in weltlichen und kirchlichen Dingen ganz von dem absolutistischen Prinzipe und von der religiösen Leitung seiner geistlichen Rathgcber abhing, und dessen Gemahlin, die mantuanischc Leonore, durch ihre mystische Andacht und ihren Einfluß in die Geschäfte bekannt, wöchentlich einmal zu den Füßen ihres jesuitischen Beichtvaters, um Lossprache und Buße flehend, im wörtlichen Sinne ausgestreckt lag. Wie ein solcher Charakter und derjenige des kalten, feinen, berechnenden und klardenkenden Weltmannes, wie Fürstcnberg, feindselig sich begegnen und stoßen mußten, ist bald zu entnehmen. Der Hof begnügte sich mit dieser heftigen Denkschrift aber noch nicht, sondern es erschien eine noch heftigere und ausführlichere in lateinischer Sprache, als deren Ver- (') XI. Lsx> gZ, p. 1Z6 — iZg, — 221 — fasscr bei den Zeitgenossen der berühmte Diplomat l'Jsola galt, und welche mit Gelehrsamkeit und Spitzfindigkeit, mit scheinbarer Ruhe , aber überall hervorstechender Leidenschaftlichkeit eine förmliche Apologie des so hart getadelten Staatsstreiches dem gebildeter« Theile des Publikums liefern sollte, und zwar aus dem dreifachen Punkte des Rechts,des Interesses und dcrNvthwendigkeit, zu Erhaltung des Ansehens kaiserlicher Majestät, der Ruhe des Reichs und der Friede n s- hoffnungen. (') Dieses zweite Manifest an die öffentliche Meinung gibt das Meiste, in dem erstern Gesagte, wieder, aber in anderer Form und mit gelehrtem Anstrich. Es ist außerordentlich gut geschrieben, enthält eine Menge handgreiflicher Sophismen und Verdrehungen, aber auch Sätze und Wahrheiten, die selbst jetzt noch ihren Werth haben, und merkwürdige Belege zu veränderten Systemen und Prinzipien in manchen Kabinetten liefern. Wir theileu davon einige der frappantesten Stellen mit, da sie zur Vervollständigung der Streitsache, wie zur Zeichnung der Hauptperson wesentlich beizutragen im Stande sind. Der Verfasser dieser Schrift bat sich in allem die Reden des Cicero wider Catilina und Verres zum Muster genommen, und diese Nachahmung geht bis auf einzelne Bilder, Wendungen und Ausdrücke. Bald klingt daher s) Sie füllet den Titel : priricipis Dv- wnb!c>, ast tlirsarls ^utliviitstara, sc! Trarxzuillitalern Inixerii, zll Naois krainotionein, justa, yerutilis, necassaria. Sie er» schien zuerst anonym, in 4°; sie ist übrigens auch bei cklon- cko/z, XI., z>, >Zg — -Hg, ganz abgedruckt zu finden. Außerdem ward sie in mehrere Sprachen, namentlich in die französische, übersetzt und mit Verschwendung ausgetheilt. — 222 der Ton wie in einer rhetorischen Schulübung, bald blickt der bezahlte Publizist und der betheiligte Staatsmann, bald die persönliche Leidenschaft der zwei geschlechtver- wandtcn Kabinette hindurch, welchen Fürstenberg so manchen Ärger und Schaden bewirkt. Mit falschem Pathos beginnt schon der Eingang , warum der Redner eines Werkes sich unterfange, das dem Gemeinwesen fremd, und warum er die Geister in Anspruch nehme, welche von viel wichtigern Sorgen bewegt würden, als daß sie Zeit hatten, auf einen Privatstreit hinzusehen. Denn was — so wird hier gefragt — haben wir mit jenem Fürstenberg zu schaffen, welcher durch des Kaisers Gnade in den Fürstenrang erhoben, sich und seine Würde durch sklavische Hingebung derselben in ein fremdes Joch schändete, und von einem Deutschen nichts mehr übrig behielt, als den Namen; einen Namen, unter dessen Larve der schlimme Genius des Vaterlandes demselben ein langst bereitetes Joch aufzulegen sich angeschickt? Wer hat uns zum Richter bestellt zwischen dem Kaiser und seinem erblichen Unterthan? Wer hat die Vollmacht uns cr- thcilt, bis in die innern Gemacher der Majestät zu dringen, und die Geheimnisse seines Rathes mit verwegenem Auge zu durchspahen? Sachen, die den Friseurs und Bartscheerern langst bekannt, ebenfalls zu verhandeln, dürfte überflüssig, die Sichel in eine fremde Erndte zu setzen, vermessen scheinen. Diese Fragen ließen sich leicht beantworten. Wenn die Aufgabe, womit der Publizist sich belastet, dem gemeinen Wesen fremd und ihm selbst persönlich zum Ekel war, warum befaßte er sich damit; wenn sie einen Privatstrcit betraf, warum lud er das gemeine Wesen ein, seine lange Rede darüber zu lesen? Wenn er selbst die Unberufenheit fühlte, zwischen dem Kaiser und Fürftenberg schiedsrich- — 323 — terlich aufzutreten, warum lud er sie vor das Forum der Publizität? Wenn er das Unbescheidene befühlte, in das Innere des Kabinettes zu dringen, warum drang er hinein? Er gesteht also mittelbar ein, daß das Ganze eine Nationalangelegenheit, eine Affairc von europäischem Interesse, der Kaiser persönlich dabei bctheiligt und er selbst der beauftragte Anwalt der Interessen desselben scy. Der Verfasser erklart auch gleich darauf sich einigermaßen über die Veranlassung zu seinem Austreten sehr naiv; es ist der böse Zeitgeist (»soauli viUo), welcher durch eine unabwendbare Notwendigkeit ihn dazu getrieben; der Zeitgeist, welcher die alte Ordnung der Dinge gänzlich unter einander gewirrt hat, und die listige Neuerungssucht, welche öffentliche und Privatangelegenheiten also mit einander vermischt, daß es nicht mehr recht möglich ist, sie getrennt zu behandeln. (') Alle Maßregeln und Rathschlage der Mächtigen sind der Willkühr dieser beiden Mächte unterworfen, und ihre Reden, Absichten und Zwiste werden Gegenstände öffentlicher Erörterung, und sie sehen sich genöthigt, sowohl diese, als selbst ihre Privat- und Fa- niilienhandlungen einem ganz fremden Nichterstuhl zu unterwerfen. Eine Menge verworrener Stimmen und bitterer, in's Publikum geschleuderter Stachelschristen bestimmten den Verfasser, ebenfalls mit etwas zu erscheinen. Der Ruf des gerechtesten und mildesten Beberrschers ist unziemlich angetastet. Mit einer Art revolutionnairen Ungestüms schildert man seine Maßregeln, Akte beispielloser Strenge. Man fodert den Monarchen vor das Tribunal der öffentlichen Meinung, behauptet, daß sein Urtheil ohne vorhcr- (') Man sieht also, daß die Klagen über den Zeitgeist nicht erst seit 1815 sich datiren. — 224 — gegangene Untersuchung gefällt und ein UnschuldlgerOpfet der Willkühr geworden. Göttliche und menschliche Kriegsund Friedcnsrechtc werden zu gleicher Zeit angerufen , und man sucht das Unglück eines einzelnen Bürgers also sehr mit der Wohlfahrt ganzer Völker in Verbindung zu bringen, daß es das Ansehen gewinnt, als hinge Wohl und Wehe der ganzen Welt an dem Haar dieses einzigen Mannes, wie durch ein unauflösliches Band des Schicksals. Der Gegner Wilhelms drückt nun sein Bedauern aus : über die theils falsche, theils erbärmliche Stellung, in welche sich die Gewaltbotcn so vieler Mächte, die Abgeordneten mancher Reichsstände und insbesondere die schwedischen Vermittler wegen dieses Individuums begeben; auch meint er, daß bei drohenden Erscheinungen des Großtürken niemals auch nur halb so viel Eifer bezeigt worden, als bei der Affaire dieses verrätherischen Prinzen. Anziehender, als alle leeren Phrasen und Deklamationen, sind die geschichtlichen Thatsachen, welche nunmehr angeführt werden, um des Kaisers Schritt zu entschuldigen, und mit denen man dem französischen Hofe Scham in die Wangen zu treiben, sicherer Überzeugung war; so z. B. die Verhaftung des Prinzen Kasimir von Polen; die AnHaltung des Pfalzgrafen und Churfürstcn bei seiner Rückkehr aus England über Calais; die Vergiftung des Herzogs Bernard von Weimar; die Austreibung des Sohnes von Karl l in Folge geschlossener Freundschaft mit dem Usurpator Cromwell; die Unterstützung der ungar'- schen Magnatenverschwörung; die persönlichen Attentate wider den Herzog von Lothringen; die treulose Einkerkerung des Grafen von Nassau, trotz aller gegebenen Zusage und diejenige der trierischen Gesandten zu Metz. Nach diesen Mißhandlungen einzelner Fürsten werden n ni auch sämmtliche Ränke, Anmaßungen, Anschlage und Angriffe — 223 — geschildert, welche das französische Kabinet wider eine Reihe von Staaten und Regierungen sich erlaubt, bis zur neuesten Unterdrückung des Churfürsten von Trier und dem ungerechtesten Angriff des doch blutverwandten Pfalzgrafen. All diese Dinge sollten den geschwätzigen Übermut!) der Anwälte Fürstenberg's ein wenig dämpfen. Die zwei vorzüglichsten Punkte, der Immunität von Gesandten und des allgemein ertheilten Gelcit- briefcs behandelt dieser Publizist öfters auf ganz eigene Weise, zumal, indem er so viel als möglich von dem Rechte eines Gesandten auf persönliche Sicherheit abreißt, und den Monarchen, bei denen sie beglaubigt, Befugnisse zu scharfen Maßregeln gegen treulose Diplomaten einräumt. Wenn solche Theorien, als Ausdruck der Gesinnungen deS wiener Hofes, öffentlich aufgestellt werden durften, so wundern wir uns über manche Erscheinung jener Zeit gar nicht mehr, und eben so wenig über den Haß, welchen Regierungen und Einzelne jenem Kabinette trugen; wohl aber wundern wir unö darüber, daß man die Theorie durch fühlbare Proben nicht wider diejenigen selbst angewendet, welche sie in solcher Grelle aufgestellt. Man hat es bisweilen seltsam und gewaltthätig gefunden, wenn der Sultan, durch übcrmüthige Ansinnen christlicher Machte erbittert, die Gesandten beim Ausbruch eines Krieges mit denselben in die sieben Thürme bringen ließ; allein in vorliegender Schrift wider Fürstenberg konnte er seine glänzendste Rechtfertigung für dies und noch weit mchrcres finden; sie ist ein wahrer II principe von Treulosigkeit gegen völkerrechtliche Verhältnisse. (') (') Der Araber, welcher selbst seinen Gastfreund auf einer schwarzen T»at ertappt, auch wenn er den eigenen Sohn ihm erlöd- tet, begleitet ihn so weit, als seine Grenze geht, und ver-> III. 15 — 226 — Nach ihr ist derjenige ein Thor, welcher gewissenhaft das Völkerrecht beobachtet, sobald ihm solches Verderben bringt. König Franz I. dagegen erklärte einst : Wir baben Alles verloren, nur die Ehre nicht; — und spater stellte man den Satz auf: Wenn die Treue auf der ganzen Erde keine Stätte mehr fände, so müßte sie doch auf den Thron der Könige flüchten können. Die Schrift sagt ferner : Das Gesetz wäre unvernünftig, hart und barbarisch, welches den Fürsten auferlegte, die Sicherheit und Heiligkeit der Person des Gesandten eines Dritten dem Wohle des eigenen Volkes vorzusetzen; ja es würde sogar Verbrechen gegen sein Volk seyn, wenn er Rauber, die unter den Mantel von Gesandten sich verhüllen, fvrtwüthen lassen würde. Wie abgeschmackt und unpassend solcher Satz auf den behandelten Gegenstand war, braucht wohl erst keiner Erörterung. Natürlich stellt auch unser Verfasser den ferner» Satz in aller Scharfe auf : Gesandte, welche das Völkerrecht verletzt, oder der Würdc des Monarchen zu nahe getreten, können bestraft werden. Diese Theorie konnte noch angenommen werden, wiewohl der zweite Theil, welcher das Zunahetreten de/ fürstlichen Würde begreift, so unbestimmt und allgemein ist, daß er der Willkühr jeden Augenblick Macht einräumte, ihre Leidenschaft unter irgend einen bequemen Vorwaud zu verstecken. Der zweite Einwurf, welcher die vom Kaiser für Köln ausgestellte Sicherheit anbelangt, scheint dem Verfasser — sichert ihn dann erst, daß seine Rache ihn treffen werde. Ist der Gesandte eines fremden Souverains nicht Gast der Nation und der Rezierunz, bei denen er seinen Herrn vorstellt? 227 - auch angenommen, daß Fürstcnberg als Gesandter Kölns betrachtet werden kann — ebenfalls ohne Haltbarkeit. Die Ortverändcrung ändert in der Hauptsache nichts, denn das Rechtsverbältniß ist an die Person, nicht an den Ort geknüpft. Der Kaiser ist Herr und übt seine Gewalt im ganzen Umfang des Reiches aus, und Köln ist ein Theil desselben. Die erste Nentralitäts-Erklärung jener Stadt, mittelst Konvention zwischen ihr und dem Ehurfürsten, unter Mitwirkung kaiserlicher Kommissaire, bezog sich auf die Wirren zwischen Stadt und Churfürst, und gehörte der Periode vor dem feindlichen Auftreten der Kriegsmacht dieses Letzter» wider den Kaiser an, ein Attentat, welches die Fürstenbcrge vorzüglich in's Werk gesetzt, und wodurch mit Kanonen, nicht mit Briefen, Erklärungen an den rechtmäßigen Monarchen gegeben worden. DaS spätere Reskript des Kaisers, welches von Wien aus ergangen, bezog sich bloß auf reine Kongreßsachen und diejenigen Personen, welche unmittelbar damit in Verbindung standen; also bloß die fremden Botschafter, die Churfürsten und die übrigen Reichsstände. Daß Fürstenberg unter irgend eine dieser drei Kathegorien sich gestellt hätte, ist uns nicht bekannt. Wäre aber auch der Fall eingetreten und Fürstenberg mit Befugniß dem Kongresse beigescssen, so konnte doch der Unsinn nicht so weit getrieben werden, daß man die garantirte Sicherheit auf alle Unternehmungen der fraglichen Personen ohne Unterschied ausdehnte, denn dadurch würde dieser hoch- berübmten Versammlung selbst der größte Schimpf erwachsen und die besprochene Sicherheit an und für sich gefährdet worden scyn. Auf diese Art würde der geheiligte Fricdcnstempel sich in eine schändliche Zufluchtstätte aller Bösewichte»- umwandeln und zugleich zu einein Werbplatz für die Feinde Ihrer Atterhöchsten Majestät, von dem jene — 228 — Geld, Lebensmittel und Waffen jeden Augenblick beziehen könnten. Dies war vernünftigerweise niemals die Absicht des Kaisers, und noch weniger, daß ein förmlicher Markt in der vom Kaiser mit Sicherheit begabten Stadt aufge- than würde, wo französische Agenten hin und her wandelten, Truppen jeder Art anwürben und so gleichsam im Heiligthnm des Friedens der gallische Mars sein Wesen triebe. Die wirklichen Gesandten, Churfürstcn und Stände mögen daher alles möglichen Schutzes und die gebührenden Ehren genießen, nicht aber die falschen, welche mit erbettelten Titeln erscheinen, weder eingeladen, noch zugelassen; welche nicht den Frieden, sondern das Schwert zu bringen gekommen sind; welche, wie Mäuse, in die Arche Noe betrüglich sich eingeschlichen, um unter diesem Unterschlupf ihre Gewebe besser ausspinnen und ihre Löcher desto bequemer und verborgener graben zu können. Nach dieser staatsrechtlich-biblischen Herzensentlecrung untersucht der Publizist weitläuftig, ob Fürstenberg irgend eine der Bedingungen erfüllt, welche ihm als Gesandten Sicherheit hätten verbürgen können, und er findet, daß es bei keiner einzigen der Fall war. Die erste von allen ist, daß derjenige, welcher als Gesandter des einen Fürsten bei einem andern gelten soll, von denselben in solcher Eigenschaft anerkannt worden scyn muß. Allein Fürsten- bcrg wagte weder einen solchen Schritt, noch würdigte er den Kaiser desselben. Er übergab weder eine Vollmacht, die ihn legitimirte, noch zeigte er seine Sendung den in Köln angekommenen Abgeordneten des Kaisers an, noch thaten die Vermittler zu seinen Gunsten einen Schritt in dieser Hinsicht. Er besuchte zwar den Hauptgesandteu Sr. Majestät, aber ohne in der behaupteten Eigenschaft sich geltend zu machen. Er fand bei demselben, als Reichs? fürst, anständige Anfnahme, aber ohne den einem Gesand- ten zukommenden Titel »Ercellenz« zu empfangen; er sprach mit demselben viel über die politischen Angelegenheiten, aber ihre Unterhaltung ging niemals über den Kreis einer vertraulichen Unterredung hinaus. Es wird behauptet: die Vermittler hatten ihn öffentlich zu den Konserenzen zugelassen, und die kaiserlichen Botschafter ihn nicht zurückgewiesen, somit ihn dadurch anerkannt. Darauf kann man antworten. Steht es in der Macht der Vermittler, Gesandte zuzulassen oder zu verweigern? Die Aufgabe der Vermittler ist: den Parteien über das Für und Wider der streitigen Gegenstände unparteiisch und leideuschaftlos Gründe mitzuthcilen, die Antworten darauf zu betreiben, und durch passende Ver- söhuungsmittel den Zwiespalt der Streitenden schlichten zu helfen. Das Ansehen der Vermittler muß und wird mit Achtung aufrecht erhalten werden, sowohl wegen der Würde ihres Königs, dessen Organe sie sind, als wegen ihrer persönlichen ausgezeichneten Talente und ihres beharrlichen Friedcnscifers. Allein sie selbst sind allzu billig, als daß sie stch's herausnehmen sollten. Andern Gesetze vorzuschreiben, um so mehr, da über die Natur ihres Geschäfts selbst mit dem Kaiser noch nicht alles im Reinen ist, auch ihnen die geheimen Gründe nicht völlig bekannt seyn können, welche diesen Letzter» zu Verwerfung des Fürstenberg's bewogen haben. Daß der Prinz den Verhandlungen beigewohnt, geschah vor ihrer Ankunft, und wider ihr Wissen und Willen. Später zogen sie es vor, lieber zurück zu treten, als ihren Charakter durch Kollcgenschaft mit einem Manne zu beflecken, welcher ihrem Herrn verhaßt war. Übrigens konnte er von den Gesandten des Kaisers aus dem Grunde nicht förmlich zurückgewiesen werden, weil seine Sendung niemals offiziell, wie es doch Sitte ist, angezeigt worden, und — 2Z0 — Fürstenberg, uneingcdenk des ursprünglichen Pflichtver- hältnisscs zu seinem Herrn, es nicht für angemessen gefunden hat, demselben Rechenschaft über seinen Posten abzulegen. Dieses frevelhafte Stillschweigen beraubte, wenn auch alle übrigen Gründe für ihn sprachen, ihn an und für sich allein schon aller Privilegien, deren er genossen. Die Gesandten, ihrer Rolle treu, erklärten ihren unüberwindlichen Widerwillen, Verhandlungen ferner beizuwohnen, wo dieser Eindringling die Hände darin hatte, und es ward solcher Entschluß dem Domkapitel und dem Ehur< fürstcn förmlich angezeigt. »Es war auch in der That.unmöglich, auf diesem erhabenen Schauplatz des Friedens einen arglistigen Minister der Art länger zu ertragen, einen Minister, welcher in mehr und verschiedenartigen Rollen neben einander auftrat, als man dem Proteus Gestalten beilegte, stets in der Absicht, den Kaiser zu hintergehen. Bald ritt er bewaffnet einem Haufen Kricgsvolk als französischer Oberst voran, mit nichts anderm beschäftigt, als Truppen auszuheben, Werbungen zu regeln. Schlachten zu veranlassen, Belagerungsgeschütz zu leiten und den Schrecken des französischen Namens überall hin zu verbreiten. Bald erschien er in Insul und Domherrngewand, die friedlichen Sitzungen der Kapitularcn muthwillig störend, bald unter der Larve eines teutschen Fürsten, um als französischer Emis- sair in heimlichen Künsten sich zu erschöpfen, und die Stände des Reichs in die Fallstricke der Feinde zu locken; oft auch wieder als Redner, aufrührerische Schriften in Menge wider den Kaiser unter das Volk streuend; noch öfter aber wieder, als Herold, mit der Miene eines Friedensstifters, besänftigt, neue Bündnisse zu bewirken, d. h. Kaiser und Reich neue Feinde zu erwecken. Also hat dieser Mensch sich dargestellt, äußerlich überall verschie- den, in sich stets derselbe; in dieser Unendlichkeit von täuschenden Formen hat die vcrabschcuungswürdige Einheit des Charakters niemals gefehlt.« Wenn wir von dieser siylistisch, gar nicht übel gelungenen Zeichnung dasjenige wegnebmen, was Leidenschaft und Parteihaß übertreibend beigefügt, so geht zum mindesten eine klare Ansicht von der vielfachen geistigen Wirksamkeit hervor, so wie eine getreue Schilderung des unberechenbaren Einflusses, welchen ein einziger, Heller und durchgreifender Kopf auf seine Zeitgenossen ausgeübt. Der Redner macht nun alsbald eine christliche Nutzanwendung, und ruft mit patriotischem oder diplomatischem Unwillen ans : «Wie konnte ein Mann, gegen den so viele und verschiedenartige Hindernisse zugleich sich erhoben, jemals als mit einem Gesandten-Charakter bekleidet, -gelten, da schon ein einziges davon hingereicht hätte, ihn desselben zu entsetzen, selbst wenn er ihn wirklich rechtmäßig besessen?« Am allererbaulichsten aber wird der Verfasser des Manifestes in der Entwickclung der Persönlichkeiten, die zu einem ordentlichen und würdigen Gesandten verlangt werden. Er sagt, »in der ganzen Welt sey es niemals Brauch geworden, daß man dem Fürsten, mit welchem man Verkehr unterhalten, einen seiner eigenen Untcrthancn als Gesandten zugeschickt; einem Herrn seinen Diener senden, heiße die Majestät beschimpfen, welche dieser reprasentiren hllte, indem es den Schein gewinne, als stelle man beide in dieselbe Reihe. Aber noch unschicklicher sey es, diesem Arsten sogar einen Überläufer zuzusenden, damit dieser, alls Rechts entbunden und durch d,en Charakter seines Psstns geschützt, mit kecker Stirnc die Sache eines Feindes prtheidigen könne, dessen Bekämpfung aus allen Kräften ssd mit eigener Lebensgefahr sonst, vermöge natür- 232 - lichen Rechtsverhältnisses, eine heilige Pflicht für ihn wäre. Daß nun aber Fürstenberg ein Unterthan des Kaisers sey, wird mit den schon bekannten Gründen dargethan; daß er auch ein Überläufer, gebe aus seinen Bestrebungen für das Interesse eines fremden Königs hervor, welcher der beständige Nebenbuhler des österreichischen Hanfes im Frieden fürchterlicher, als im Kriege; in dieses Königs Dienste sey er, Wilhelm, ohne Wissen des Kaisers, seines Herrn, getreten, und habe zu Gunsten desselben eine Reihe von Dingen gethan, deren Erdzweck dahin ging, auf den Trümmern des zerstörten Vaterlandes ein Ii n g e h e nres P riv atg lü ck si ch z u gründen. Diese Überläufern wäre zu ertragen gewesen, wenn Fürstcnbcrg damit seinem-Vaterland für immer Lebewohl gesagt und nimmer mehr in dasselbe wiedergekehrt seyn würde. Aber er schied nur in so weit, daß er verderblicher wiederkommen konnte und Frankreich kaufte ihn in keiner andern Absicht an, als um durch diesen Prorencta die Freiheit des Reichs damit zu gewinnen. Was konnte ein Jüngling von so unruhigem Geiste im Innern des Landes dem Könige als Rathgcber für Nutzen bringen? An. solchen Subicktcn hat Frankreich selbst cckclhaften Überfluß. Nein, er bedurfte eines Deutschen, um die Deutschen damit zu angeln; er bedurfte eines Lockvogels, um die geschlechtverwandten Vögel desto leichter auf die leimbestrichc- uen Stangen zu bringen; er hielt die Stimme Jakobs zurück und schob einen Deutschen mit den trügerischen Händer Esau's unter, um dem Vaterlaiidc desselben recht fühlbck zu spotten. Wie getreulich Fürstenberg seiner Aufgabe nachgckon- men, beweist dem Verfasser der erbarmungswürdige instand des tentschcn Reichs, in welches das tödliche öift durch diese,, unreinen Kanal wirksamer, wie durch lmm iv- — 233 — andern, eingedrungen. Es wirkte auch unheilvoll so lange fort, bis des Kaisers wohlthätige Hand es abzuleiten wußte. Für äußerste Übel ist jegliches äußerste Mittel zuläßig! Mit dem Abfall Fürstenbergs zerriß die Einheit des Reichs, erwachte der Paeteihaß, trennten sich und empörten sich die Glieder wider das Haupt; es galt der Kaisergewalt selber; verdächtige Bündnisse schlössen sich, die Gcmüthcr wurden in ein ungeheueres Gewebe von Lüge und Argwohn verstrickt. Altäre standen Altaren (d. h. ein Thcil der geistlichen Herren dem andern) gegenüber. Die Rcichstäge unddicVcrathungen, in Folge gegenseitigen Mißtrauens und gegenseitiger Partciung, hatten weder Kraft, noch Nutzen mehr, und die Verwirrung stieg zu einem solchen Grade, daß die Weisen vergebens eine Spur des Reiches im Reiche selbst suchten, und von der alten Herrlichkeit und Ordnung auch das letzte Zeichen verschwunden war. Jener Mensch nämlich, durch langen Aufenthalt unter seinen Landslentcn mit allen Gewohnheiten, Sitten, Schwächen, Geheimnissen., Bedürfnissen, Drangsalen, Sympathien und Abneigungen, mit Partei- zwccken und Nationalstimmung genau bekannt, andererseits in allen französischen Künsten bewandert und mit Goldsummcn hinlänglich ausgerüstet, wußte so süß verführerisch in alle unbewachten Zugänge einzudringen, daß Teutschland endlich sich selbst verwunderte, wie es, gleichsam m i ttelst ein er M etam o rph o se, gänzlich fr anzösisch geworden, in Folge derBe- zanbcrnng eines einzigen Mcnschen. Diese furchtbare Anklage — wäre sie in allen Theilen und zumal in dem letzten Punkte gegründet — würde eine blutige Selbst- satyrc ans die Nation scyn, welche in so vielen Fürsten, Edlen, Staatsmännern, Gelehrten und Kriegern durchaus keinen Halt mehr gehabt, um der Einwirkung eines ein- — SZ4 — zkgen Mannes sich zu erwehren. Ein Volk, dessen Weisen keinen Rath mehr fanden, um ihn den Künsten eines Einzelnen, der keine andere Macht, als seinen Verstand besaß, entgegen zu stellen, verdiente dieses Schicksal; es verdiente die Zuchtruthe des Fremden, wenn es in kurzer Zeit so willig und so völlig sich bezaubern ließ. Sollte man dem beredten Anwalt der Nationalität unbedingt glauben, so wäre bis zu Fürstcnberg's Auftreten überall Recht, Ordnung, Frieden, Harmonie, Patriotismus herrschend gewesen. Leider liefern die Jahrbücher Teutschlands ein ganz anderes Bild. Fürstenberg fand die Menschen seiner Zeit so wie sie waren; er benutzte sie blos zu dem, was er wollte. Der Gegner erklärt für die Haupttriebfeder dieses treulosen und unvolksthümlichen Systems eine grenzenlose Habsucht. Das Register aller einzelnen politischen Verbrechen Fürstcnberg's wird nunmehr der Reihe nach hergezählt. Unter den stärksten Vorwürfen zeichnet sich besonders der aus : daß jener die tcutsche Kaiserkrone auf das Haupt des französischen Königs zu setzen, und das ganze linke Rheinufer demselben zuzueignen gesucht. Von diesen Betrachtungen geht der Redner auf die Einwürfe über, welche wider die fürstenberg'sche Verdrängung und Verhaftung aus der Natur des Kongresses selbst geschöpft werden konnten. Ein sehr gewichtiger war : »Der Ort des Kongresses wurde allgemein und ohne Ausnahme den Friedensverhandlungen geheiligt; der Kongreß hatte sich schon eröffnet gehabt, ehe der Kaiser daran Theil genommen, welcher nur als Verbündeter und accessorisch denselben beitrat. Fürstenberg ward von den kriegführenden Mächten dazu eingeladen. Wenn man nun auch, hinsichtlich der eigenen Stellung, ihn nicht dabei dulden wollte, so mußte dies doch aus Rücksicht gegen Andere ge- schchen. Es war daher Sr. k. Majestät für Ihre eigene Person zwar freigestanden, den Prinzen für einen wahren Gesandten zn halten oder nicht; allein, da die Holländer und andere bereits ihn dafür erkannt und Unterhandlungen mit ihm gepflogen hatten, so mußte er in denselben nicht unterbrochen werden.« Der Vcrthcidiger K. Leopolds gesteht diesem Einwurfe einigen Schein der Billigkeit und Haltbarkeit zu, meint aber, er beruhe auf falschen Voraussetzungen; und unter denselben hebt er besonders die heraus : daß man den einen und untheilbaren Kongreß immer als zwei heterogene Bestandthcile ansehe, von denen der eine Kaiser und Reich allein, der andere aber Holländer und Spanier berühre, welche bei den Interessen und Affairen an verschiedenen Orten erörtert und entschieden werden könnten. Dieser Unterschied ist eine der beharrlichen Finten französischer Politik, und der Verfasser sucht den Beweis zu liefern, daß der Kaiser keinen blos accessorischen, sondern prinzipalen Antheil vom Beginn der Konferenzen an gehabt. Er hält nach diesem die Zulassung Fürstenberg's für eben so unanständig gegen die Person Sr. apostolischen Majestät, als unklug vom Standpunkte der Förderung des Fricdenswcrkcs aus betrachtet. Aber es war nicht der Kaiser allein, es waren auch Spanien und andere Staaten mehr, welche wider Fürstenberg's Gesandtencharakter sich erklärt. Die Holländer selbst duldeten ihn mehr, als daß sie ihn anerkannt. Auch sind die frühern Verhandlungen mehr als vertrauliche, denn als amtliche Zusammenkünfte zu betrachten. In denselben wurden weder die Präliminarien unter den vcrschie- ^ denen Parteien recht festgesetzt, noch die Vollmachten derselben gehörig ausgewechselt; weder die Vermittlung selbst gehörig befestigt, noch über den Stoff, die Grenzen und — 236 — die Theilnchmer der Traktate die nöthigc Übereinkunft getroffen. Schon die Verweigerung von Gelcitbricfcn an den Herzog von Lothringen machte die ganze Sache zweifelhast und hängend. Der Publizist fahrt nun weiter fort und meint, nachdem er noch gezeigt, daß der Holländer einseitige Zulassung des Prinzen für die Andern keine Verpflichtung begründet, Fürstenbcrg's Treiben sey von der Art gewesen, daß fernere Duldung desselben unmöglich gefallen, somit der Kaiser zu seiner Gcwaltmaßregel genötbigt gewesen. Höchst merkwürdig ist es, die Erklärung größter Uuparteisamkcit hier zu lesen, und hierauf den Verfasser dennoch neuerdings eine Reihe bitterer Vorwürfe über den gefangenen Fürsten ausgießen zu sehen. Daß der Minister des Ehur- fürstcn von Köln den Erzherzog Leopold von Österreich nicht zum Kaiser der Teutschcn gewollt, wird dem unabhängigen Rcichsfürsten von Fnrstenbcrg, der ohne Felonie für diesen oder jenen nach Belieben sich erklären konnte, als Hochvcrrath gedeutet, gleich, als hätte die Habsburgische Dynastie ein unbestrittenes legitimes Erbrecht auf die teutsche Kaiserkrone besessen. Sarkasmen, Anekdoten, Witze, vertraute Herzensergießungen werden öffentlichen Rechts gemacht, und mit politischen Fragen und That- sachen zusammen gemengt. Auf widerliche Weise findet man sogar dann Bibclstellen von Korah, Dathan und Abirom, von Absalom, Simci und Achitophel angewendet, welche auf K. Leopold I. und Wilhelm von Fürstenberg passen, wie zu einander Ossian und Benjamin Con- stant. Eine Reihe anderer, schon bekannter Beschuldigungen hier wieder anzuführen, wäre ermüdend. Kurz, alles Schlimme und Widerwärtige, was irgend einem Fürsten damals, der wider Frankreich gestimmt war, geschehen, hatte der Fürst Wilhelm von Fürstcnbcrg gethan, und - 237 -- fein Bruder, der Bischof von Straßburg, ihm darin geholfen. Er wollte diesen letzter» zum Churfürsten von Köln, sich selbst zum Leiter der Reichstage, den König von Frankreich zum Meister von Teutschland erheben, Er wollte die österreichischen Erblaude wider das Kaiserhaus in Waffen bringen, und Vvrdcr-Östcrreich seinem eigenen Hause zuwenden. Je weiter unser Mann im rednerischen Pathos fortfährt, desto mehr nimmt die patriotische Wuth zu, und alle Rcchtsbüchcr werden geplündert, um das Recht des Kaisers zu gewaltsamem Einschreiten wider den Prinzen darzuthun. Die Konvenienzgründe folgen darauf; die vaterländischen Gefühle, im Munde eines Diplomaten jener Zeit wie eine Selbstparodic klingend, schließen die gelahrte Schrift, voll Feuer für die tcntsche Freiheit, voll Ärger über die Sophistik, mit der man Fürstcnberg's reinpersönliche Sache zum neuen Hindernis? des Friedens und der Kongrcßberathnngen gemacht hat; endlich voll der Hoffnung, Fürstenbcrg werde in seiner Unglücksschule so viel bereits gelernt haben, daß er der wohlthätigen Gesinnungen des Kaisers gegen ihn wieder eingedenk, die väterliche Züchtigung sogar ihm einst verdanken und aufhören werde, fürdcr gegen Gott, den Kaiser, das Vaterland und sich selbst zu freveln. Diesen amtlichen und halbamtlichen Darstellungen des berufenen Handels folgten auch noch Schriften einzelner Parteigänger und gewonnener Schriftsteller aus teutschen und fremden Staaten in Menge. Fast jeder, welcher damals sich die publizistischen Sporen verdienen wollte, beeilte sich, in dem Streite eine Lanze zu brechen, und meist war die Anonimitat nur schlecht verdeckt. Unter der Menge solcher Pamphlets, Broschüren und Gutachten, welche wider Fürstenbcrg ausgeschleudert worden, heben wir be- — 238 — sonders zwei bervor : Das Sendschreiben eines englischen Edelmannes, ohne Druckort, und den angeblich zn Villefrauche erschienenen Traktat über die Entführnng des Prinzen in französischer Sprache. Dieser letztere, welcher besonders die Schrift l'Jsola's vor Augen hat, geht mit großer Ruhe alle einzelnen Punkte durch, welche Gegenstand der Debatte gebildet, und sein Hauptzweck ist, zu beweisen, daß Staatsstreiche der Art jederzeit noch Statt gefunden, und der heftige Lärm über die fürstcnberg'sche Affaire eigentlich überflüssig scy. Das Ganze ist in einem Tone gehalten, daß man nicht recht weiß, ob er die Sache ironisch oder ernsthaft bespricht, und wenn man eine Preisfrage ausgesetzt hätte, um alle willkührlichen Handlungen der Despotie und der Diplo- matik in älterer und neuerer Zeit vollständig und in gedrängtem Umriß vor die Augen dcS Publikums zu bringen, so hätte man nicht planmäßiger und sicherer dabei fahren können. Der Verfasser dieses kleinen Traktats läßt uns demnach im Ungewissen, was man von seiner eigentlichen Gesinnung über den Handel zn denken habe; er tadelt die bittere, heftige und leidenschaftliche Sprache der l'isolaschcn Denkschrift, meint aber, der wiener Hof werde so gut Gründe für seine Handlungsweise haben, wie der zu St. Germain. Jeder sey Herr in seinem eigenen Hause. Entweder habe Fürstenbcrg dem französischen Kabinette Gutes oder Übles erwiesen; im letztern Falle bedürfe es all des Lärmes nicht; im erstern könne man den Kaiser es nicht verargen, wenn er gegen den Prinzen aller ihm zu Gebote siebenden Mittel sich bediene. Man müsse in dieser Hinsicht vernünftig und billig sehn. Die Sprache des Schreibers klingt — wenn das Ganze nicht auf österreichische Veranlassung geschrieben worden, und Verfasser und — 239 — Druckort nur erdichtet sind — wie die eines Hugenotten, welcher das Unglück eines dem Äußern nach strengorthodoxen Prälaten (') mit einer Art Behaglichkeit ansieht, und die Gelegenheit gern ergreift, um den Verfolger seines Bekenntnisses unter gutem Vorwande tüchtig mitzunehmen. (') Diesen Charakter behielt W. Egon wahrend seiner ganzen Lebzeit bei, wiewohl er für sich selbst oft sehr verschieden dachte, und der allgemeine Ton der Zeit auch auf ihn eingewirkt zu haben schien. Doch scheint aus einem Briefe in einer der de Will'schen Sammlungen hervor zu gehen, daß er im Erzbistbum Köln Schritte zu Sicherstelluug der Protestanten in ihrem Kultus nicht unfreundlich aufgenommen. 240 — Eilftes Kapitel. Fortgesetzte Bemühungen der schwedischen Vermittler für Wilhelms Befreiung bis zur Bestimmung Nymwegens als neuer Kongreßort. ^)ie diplomatischen Bemühungen verschiedener Höfe, welche das Friedensgeschäft mit so vielem Mißbehagen gestört sahen, setzten ununterbrochen wahrend der Zeit sich fort, wo der Kaiser, seine Minister und ihre Anhänger das an Wilhelm von Fürstenberg Verübte in Staats- und Denkschriften standhaft zu vertheidigen suchten. Es ist unglaublich, wie viele Noten und Briefe für die Sache jenes einzigen Mannes gewechselt, und welche Stöße von Akten in deren Verhandlung, namentlich zu Wien und im Haag aufgehäuft worden sind. Die Generalstaaten, welche nun ebenfalls in dem Für- stenberg'schen Handel vielfach angeführt, auftreten, waren ganz auf des Kaisers Seite, in Erinnerung an die schweren Unbilden, welche sie vom Prinzen Wilhelm und dessen Bruder in Menge erduldet. Desto angelegener ließ es das schwedische Kabinct sich seyn, einerseits den wirklichen oder verstellten Zorn Ludwigs XIV. zu besänftigen, andererseits aber den Kaiser zur Nachgiebigkeit, besonders in Bezug auf die Hauptforderungen des französischen Königes, zu bestimmen. Diese bestanden: in Freigabe Wilhelms von Fürstcnberg und in Rückstellung der weggcnom- Metten Gelder. Karl II. von England, welchen die eige- neu, eigenthümlichcn Verhältnisse im Innern seines Reichs vielfach bewegten und zu einer von der bisherigen verschiedenen Politik bestimmten, verband sich mit den Abgesandten Schwedens oder den Vermittlern kraftig, und man arbeitete unermüdlich darauf hin, zumal die Gene- ralstaatcn zur Wiederaufnahme der unterbrochenen Friedensverhandlungen zu vermögen. Es ist merkwürdig, in allen öffentlichen Schriften dieser Jahre die Könige, Fürsten und Nolkshäuptcr, so wie den Kaiser selbst in Be- thencrungen aufrichtiger Friedensliebe wetteifern, ja sich erschöpfen, und sodann wiederum die Grausamkeiten und Greuel eines die Civilisation des Jahrhunderts schändenden Krieges, so wie die Ausgeburten einer alle gesunde Vernunft höhnenden Staatsknnst in einer Reihe von lügenhaften und würdelosen Unterhandlungen wahrzunehmen und mit einander zu vergleichen. Die Hindernisse, um welche sich die Beruhigung des aufgewühlten Erdtheiles damals hauptsächlich drehte, waren so geringfügig und so leicht zu heben, daß die Heuchelei und die Hartnackigkeit nicht genug beklagt werden konnten, mit welchen einer dem andern gegenüber auftrat, und eben so der Leichtsinn und die Leichtfectigkeit, womit man oft leeren Formalitaten und nichts bedeutenden Federungen den Wohlstand und das Daseyn blühender Länder preiszugeben unbedenklich fortfuhr. Der Blick des Geschichtschrcibers wird vorzüglich nach vier Seiten hingezogen, von welchen her die unterbrochene Traktatsaffaire im Allgemeinen und die damit innigst verbundene Angelegenheit Wilhelms von Fürstenbcrg insbesondere betrieben oder vereitelt wurde: nämlich nach Wien, Paris, London und Haag; doch bildete letzteres eine Zeit lang den Mittelpunkt der Unterhandlungen, und die schwell!. 16 dischc Gesandtschaft, welche ihre Vermittlerrolle, trotz allen Verwicklungen und mißlungenen Versuchen, Jahre lang fortsetzte, spielt dabei die Hauptrolle, bis die englische Botschaft sie ablöste. Es gehörte fast mehr als menschliche Geduld dazu, alle die Schritte zu thun, welche für die angedeuteten Punkte gethan worden, und eine eben so große von Seiten derer, welche alle die Memoriale und Zuschriften beantworten mußten, womit die Kabinette gegenseitig sich abplagten. Die Diplomatik zeigte sich wirklich in einer Art Glorie, dadurch, daß sie für fünfzig- und hundertmal behandelte und abgeschlagene oder abgelehnte Dinge nur noch neue Namen und Varianten fand, und die Gcruhigkeit, welche auch bei den bittersten Vorwürfen, so in Betreff der Rechtsfragen wechselweise bald dem einen, bald dem andern gemacht worden, mit etwas handwerksmäßiger Monotonie sich fortcrhielt, bildet einen seltsamen Kontrast zu den Leiden der Völker, welche die manigfachen Experimente der Könige und Minister theuer genug bezahlen mußten. Der politische Stand der Dinge aber um jene Zeit war im Allgemeinen folgender: Nachdem Ludwig XIV. seine Drohung, die Gesandten von Köln abzurufen, wirklich ausgeführt, veränderte sich die Stellung der bisher kriegführenden Machte unter einander in etwas. Karl II. von England und der Bischof von Münster wurden kälter gegen Frankreich, als sieden selbstsüchtigen Charakter naher kennen zu lernen Gelegenheit erhalten. Sie verzichteten sogar auf den Bund mit ihm, und die antifranzösische Stimmung der brittischen Nation, welche von ihrem Könige ganz verschieden dachte und bei welcher der damalige Krieg unvolksthümlich war, die feindselige Sprache des mit Holland befreundeten Spaniens, so wie die unausgesetzten Bemühungen der Republik, 243 — Mit Witheball wieder in Freundschaft zu kommen, bewirk- ten den Abschluß eines Separatfriedens unter spanischer Vermittlung. Münster war durch allerlei persönliche Gefahren und durch das Unglück seiner kriegerischen Unternehmungen anders gestimmt worden. Aber auch selbst der Churfürst von Köln trat noch im Frühjahr 1674 von dem Bunde mit Frankreich ab. «Es scheint — berichtet Schmidt — es habe sich dieser Fürst seiner bisherigen Abhängigkeit von dem Prinzen von Fürstenberg geschämt und selbige dadurch verleugnen wollen, daß er sich jetzt standhafter bewies, als man es wegen des Eindrucks vermuthen konnte, den die Eroberung seiner Residenzstadt Bonn auf ihn gemacht hatte.« Der schimpfliche Friede, welchen Marimilian Heinrich einging, und welcher für den Wiederbcsitz des einzigen Rheinbergens aller Eroberungen des vorangegangenen Feldzugs ihn beraubte, zeigte jedoch am deutlichsten, wie sehr er der Leitung eines verständigen und charakterfesten Mannes bedurfte, und der vom Jahre 1679 bis 1638 fortgenossene Einfluß Wilhelms auf den Erzbischof bewies, daß das Gefühl der erlangten Unabhängigkeit von jenem seinem Minister eben nicht sehr lange gedauert hat. Der Verlust seiner drei Verbündeten war für Ludwig XIV. in den damaligen Verhältnissen bedeutsam, um so mehr, da auch bald darauf Brandenburg und Pfalz der Republik sich anschlössen. Diese letztere, vor Kurzem noch in Gefahr des gänzlichen Untergangs, war jetzt gleichsam wieder das Haupt oder doch der Einigungspuukt der großen Partei wider St. Germain und die Schiedsrichtern! der europäischen Ereignisse, je nachdem sie in dem einen oder andern Sinn sich aussprach. Sie hatte in den unerschöpflichen Hülfsquelleu ihres Handels- und Kolonialsystems neue Kräfte, in der unverwüstlichen Tugend ihrer - 244 - Bürger neuen Schwung und in dem aufkeimenden Ruhme ihres Wilbclms I>l, eine neue reiche Hoffnung gefunden. Die Holländer, der Kaiser und Spanien führten mei-- stenthcils ihre Unterhandlungen in gemeinschaftlichem Namen; nnr spat verstand steh hiczu auch der Churfürst von Brandenburg. Die Koalition rüstete sich zu neuem, energischem Kampfe; andererseits brachte auch Ludwig XIV., durch unerlaubte und schändliche Mittel jeder Art zugleich, furchtbare Hecrmassen in Bewegung, und die Lorbeeren der Feldherren Turcnne, Touches und Bourneville sollten die Klagen seines Landes über unerschwingliche Lasten und die Seufzer der Edelsten über.rohen und raffiuirten Despotismus, in Staats- und Kirchcnvcrhältiiisscn gleich sehr ausgeführt, verstummen machen. Langsam nur, durch Ränke der französischen Agenten fast in jeder Lebcnsthatigkeit zurückgehalten, und in sich selbst nur noch geringe Lebcnswärme bei völliger Erlahmung oder Verführung des Nationalgeistes findend, bewegte sich der tcutsche Patriotismus in und außerhalb Rcgensburg. Erst, nachdem der Herr von Gravel, Ludwigs XIV. Prinzipalministcr am Reichstage, durch eine barsche Order des Kaisers Befehl erhalten hatte, Negens- burg ans das schleunigste zu verlassen, gingen die Angelegenheiten etwas besser. Niemand war durch diese plötzliche Wendung der Dinge mehr betroffen, als das Vermittlcr-Kabinct von Stockholm. Welches auch immer die Motive seiner friedliebenden und fricdcstiftenden Politik damals gewesen seyn mochten, so muß man doch bekennen, daß dasselbe unter allen europäischen Kabinetten die ehrenvollste Rolle spielte, und daß die in seinen diplomatischen Zuschriften vielfach aufgestellten Ansichten vom Berufe der Regierungen, von dem Elend der Völker und von den Bedürfnissen und Auf- — 245 — gaben Beider die oftmals überraschendsten Wahrheiten und die wärmsten Gemälde all der traurigen Folgen enthielten , zu welchen gewissenlose Staatskunst und brutale Kriegslust den Ehrgeiz der Fürsten und ihrer Diener hinfuhren. Gewöhnlich, erzählen die Gcschichtschrcibcr dieser Zeit nur die Fcldzüge und Staatsaktionen; wichtig wäre- es, wenn ein neuerer dereinst aus dem Ungeheuern Wust von Memorialen, Noten, Resolutionen, Missiven und Reflexionen von Oben und Unten eine zusammenhangende Darstellung desjenigen lieferte, was von edler gesinnten Fürsten, von Heller blickenden Staatsmännern und von freimüthigcn und bitter klagenden Patrioten für Humanität und Vaterland, und für Abhülfe der Beschwerden der Völker, wie für Begründung eines vernünftigern Staatsrechts gethan, gewollt oder doch gesprochen worden ist. Die Gesandten der Krone Schweden, noch immer hoch betrübt über den Ausgang der kölner Verhandlungen, boten alle ihre Thätigkcit und Beredsamkeit aus, um den neue» Sturm zu beschwören, welcher furchtbar über Europa her zu brechen drohte. Benedikt Oxenstierna, Puffendorf's Nachfolger, versuchte sein Heil zu Wien, während L. Marschall zu Ncgcnsburg den Reichstag und Eduard Ehren stein im Haag die Generalstaatcn für die Ideen seiner Regierung zu stimmen trachtete. Noch zu Ende des Aprils 1674 begannen neue Nego- ciationcn für Wiederanknüpfuug der abgebrochenen Traktate. Allein die Republik gab durch das Organ ihrer Minister, Bevcrnink und Jsbraud, den Vermittlern ihr großes Befremden über den voreiligen Schritt des Königs von Frankreich, hinsichtlich der Abberufung seiner Gesandten von Köln, zu erkennen. Die Entführung des Prinzen Wilhelm von Fürstcnberg hielten sie für keinen hinreichenden Beweggrund hiezu. Sie erklärten, daß diese Ursache «ine leichtsinnige und vom Zaun abgebrochene, auch Ludwig XIV, wegen dieses Vorfalls mit einer untergeordneten Person durchaus nicht berechtigt gewesen sey, eine mit Zustimmung aller übrigen Mächte veranstaltete Versammlung einseitig aufzuheben. Es verreithe ein solches Benehmen ungeheure Anmaßung von Seite des französischen Kabinettes, auch sey es mehr als seltsam, daß dieses Kabinet zum Ehrenrächer des Churfürsten von Köln sich auswerfe, und in einen Handel sich einmische, welcher diesen allein berühren müsse, nachdem man sich so viele Mübe doch gegeben, den gefangenen Fürstcnberg als dessen Minister und Gesandten hinzustellen. Auf jeden Fall konnte nach ihrer Ansicht der Vorfall, welcher Köln betroffen, auf das Schicksal der mit England und Münster angeknüpften Unterhandlungen keinen Einfluß haben. Aus dem Zusammcnbang aller vorliegenden Thatsacheu müsse selbst für die Vermittler, deren rühmliche Anstrengungen nun so plötzlich vereitelt worden, die Überzeugung hervorgehen, wie wenig es Frankreich auch nur jemals mit dem Frieden Ernst gewesen sey, und wie dasselbe vielmehr alle Steine bewegt habe, um einen aufrichtigen und soliden Traktat zu Verbindern. Der Schlüssel zu allen seinen Handlungen müsse in der Absicht gesucht werden, das Interesse der Generalstaaten von jenem ihrer Verbündeten zu trennen; nur darum sey eine Sache von untergeordneter Natur über die allgemeinen Fragen gesetzt worden. Weltbekannt bleibe es, daß die Auflösung des Kongresses von Anfang an im Plane des Kabinettes von St. 'Germain gelegen; da dieser Plan auf direkte Weise nicht gelungen, so habe man andere Triebfedern heimlicher Art wirken lassen, und den Sachen eine solche Wendung zu geben gewußt, daß die Generalstaaten genöthigt worden, zuerst zu brechen. Dadurch »vollle man künstlich djß — 247 — Hauptschuld auf sie walzen, und die Empfindlichkeit von Europa, wegen Vereitlung des Friedens, wider sie, als deren Urheber, erregen. Des Königs von Frankreich vorherrschender Gedanke sey : die Republik völlig zu dcmora- lisircn und endlich zu Grunde zu richten. Das System, welches der König und seine Gesandten hiebei entwickelt, war — nach Meinung der zwei Diplomaten — das verschmitzteste von der Welt. Mau trachtete die Geduld der Abgeordneten allseits zu ermüden, durch das Übermaaß unbilliger Foderungen sie zum Unwillen zu reizen, sodann aber, in Folge der natürlichen Rückwirkungen, alle Ergebnisse unmöglich zu machen. Seinen Mangel an redlichem Willen zeigte der französische Monarch bei keinem Anlaß so sehr, wie bei der Frage über die Zulassung des Herzogs von Lothringen. Trotz den wieL derholtesten Versicherungen der Gencralstaatcn, daß Recht, Ehre, Pflicht und Gewissen gleich sehr sie dahin gestimmt, auf jener Zulassung zum Kongresse zu bestehen, so weigerte man gleichwohl französischer Seits die Gewährung beharrlich, und dennoch war dies ein wesentlicher Punkt und eine uu abweist iche Bedingung der Möglichkeit jedes Verständnisses, alle Welt gab auch über das Benehmen des Königs ihr Mißfallen unzweideutig zu erkennen. Alle die wiederholten Bemühungen der schwedischen Vermittler — fuhren die Herren von Bcvernink und Jsbrand weiter fort — hatten auf die Entschließungen der französischen Minister keinen Einfluß gehabt, sondern es ward die Sache viele Monate hinaus also verzögert, daß gar keine Möglichkeit mehr vorhanden war, aus der Verwirrung sich wieder heraus zu finden. So viele Gründe nun auch die Gencralstaatcn anführen gekonnt, nach solchen Vorgängen ihre Gesandten gänzlich zurück zu ziehen, und ihre Zeit nicht nutzlos, wie bisher, zu vergeuden, so ver- — 248 — zeihe dennoch die Republik solche Beleidigungen und Herausforderungen großmüthig, um selbst den geringsten Verwand zu unmittelbarem Austreten wider sie abzuschneiden, und dem Gedanken keine Nahrung zu gestatten, als hätte Ungeduld und Übereilung irgend einer Art von ihrer Seite dem Fricdenswerk Hindernisse in den Weg gelegt. Solches und noch viel anderes mehr redeten die Minister der vereinigten Provinzen. Am Schlüsse der langen Denkschrift, die sie zur Kenntniß der Krone Schwedens übergaben, fügten sie noch bei: lange vor Wilhelms von Fürstenberg Gefangennchmung und ohne die Jntrigncn Frankreichs durch denselben, als vorzüglichstes Organ, hätte der Endtraktat zwischen den verschiedenen Mächten z,n Stande kommen können. Auch jetzt noch scyen sie, die Generalstaatcn, bereit, die Unterhandlungen auf billigen Grundlagen weiter fortzusetzen. Sollte jedoch der Krieg von Neuem ausbrechen, so rufen sie Gott und die Welt zu Zeugen an, wer die Schuld davon trage, und alle die Greuel auf sich nehmen müsse, welche eine Fortsetzung der Feindseligkeiten nothwcndig mit sich bringe. Übrigens werden die Gcncralstaaten zu allen Zeiten willig und bereit seyn, ihre Friedensbemühungen mit jenen der Herren Vermittler zu vereinigen. (') Letztere wurden durch diese Erklärung nicht abgeschreckt, sondern setzten ihre Bemühungen eine Reihe von Monaten ununterbrochen fort, um die Republik zum Einschreiten zu permögen. Ehrenstcin brachte in einer zweiten Note vom 25, Juni (S. Juli neuen Styls) verschiedene Schmeicheleien auf die SfaatSgrnudsätze und Gesinnungen, auf die Treue und Beharrlichkeit der Generalstaatcn, so wie auf (') Schreiben vom 23, April U- s. w. (bei Lrnot. iiisk, polit. VM,). — 249 — ihr Ansehen bei den übrigen Mächten an; durch sie, erklärte er, konnte man hoffen, am ehesten zu Verwirklichung des Fricdcusentwurfes zu gelangen, ohne sie gar nicht. Es scheint, daß die Antwort der Staaten den Herrn von Ehrenstein übel gestimmt, denn alsbald, d. h. sieben Tage darauf, gab er eine dritte Note an den Nanonal-- kvngreß im Haag ein, darin er abermals sowohl über Mangel an Bescheid, als lang und breit von den bedauerlichen Vorfällen zu Köln, wegen Wilhelm von Fürstcn- bcrg und ander» Dingen, erörterte, über Verkenuung der Gesinnungen und der Unparteilichkeit seines Hofes in dem übernommenen Vcrmirtlcramt bitter klagte. Der Gesenkte meldete nun auch, wie unmittelbar nach abgebrochenen Unterhandlungen, in Folge der Verhaftung des Prinzen Wilhelm, alsbald von Stockholm aus der Graf Tott nach Paris, der Baron von Sparre aber nach dem Haag und von da nach London abgefertigt worden, um allen ferner» Folgen vorzubeugen; eben so sey ein neuer Agent etwas später nach Holland abgegangen. Wie zahlreich auch die politischen Hindernisse sich eingestellt, so blieb doch das schwedische Kabinet seiner Rolle getreu. Man schlug einen Waffenstillstand zwischen dem Kaiser und dem Könige von Frankreich vor, und< alle Höfe der kriegführenden Mächte wurden für Ähnliches bearbeitet. Nicht ganz ohne Erfolg. Selbst Spanien erklärte, daß es dazu bereit und bsos von Nothwehr gedrungen gewesen sey, zu den Waffen zu greifen. Nicht ohne Grund wies der Gesandte auf das Unrecht hin, daß deutsche Ncichsstände und mehrere andere Staaten, denen im west- phäUschen Frieden Sicherheit und Selbstständigkeit verbürgt worden, ganz wider Willen mit in den Streit einiger größern Mächte verflochten würden, in einen Streit, der sie doch nicht im mindesten berühre. Mit welchem Rechte hätten wohl diese unter der Wendung der Dinge zu leiden? Der ganzen Christenheit drohe eine ganz andere Gefahr von Seite der Türken. (') Eine vernünftige und humane Politik würde sie bestimmen, ihre Waffen gegen diesen Feind, statt gegen ihr eigenes Eingeweide zu kehren. Ehrenstcin verstärkte das Gewicht der hier ausgesprochenen Ansichten durch eine vierte Zuschrift vom 10. (20.) Juli. In derselben widerrieth er, Namens seines Hofes, den Abschluß neuer Verträge, da sie nur demjenigen des allgemeinen Vertrages größere Hemmungen bereiten würden. Da die neuesten, von den Gcneralstaatcn eingegangenen Verbindungen mit Brandenburg, Dänemark und Braunschwcig-Lüncburg kein Geheimniß geblieben, so fo- derte der Minister Abschriften von den darüber ausgefertigten Papieren. Die Staaten antworteten fünf Tage darauf fein und ausweichend; sie leugneten, daß Fürstenberg's Entführung allein den Bruch der Unterhandlungen begründen konnte, und stellten dafür die Sache des Herzogs von Lothringen in den Vordergrund. Dieser, obgleich kein Vasall des Königs von Frankreich, wie der Prinz Wilhelm des Kaisers, sey fortwährend von den Negotiationen noch ausgeschlossen. Die Privatvcrträge, welche die Republik inzwischen eingegangen, hinderten den Frieden nicht, und dienten auch blos zur eigenen Verteidigung und Nothwehr. (') (') Diese waren in der Rezel der Mannequin, womit einer dem andern von Zeit zu Zeit drohte, bis Kiuprili und Aar« Wu- stapha endlich furchtbaren Ernst machten. (°) tilemoriate st. st, 10. (20.) lul. (Srei-'er.) — 251 — Zu Anfang des Augusts erstattete Ehrenstein den Generalstaaten Dank für die beruhigende Sprache in ihrer letzten Antwort, doch bestand er dringlich auf Erneuerung der Traktate, und zeigte die Fricdensmittel an. Obgleich der Baron Tott seitdem zu Paris gestorben, so meinte er, würde die Hauptsache doch nicht darunter leiden. Nach dem Treffen bei Scneff erneuerte der Kanzler seine Anträge bei der Republik; er wies auf die großen Opfer an trefflichen Führern und Soldaten, welche der Feldzug die Hollander gekostet, auf der Provinzen gräuliche Verwüstung und des Landes steigende Roth. Augenblickliche Vor- thcile dürften noch lange nicht die Segnungen des Friedens verachten machen. Ehrenstein schilderte sofort auch in starken Zügen die Lage des teutschen Reichs, und entwickelte den Holländern, wie auch sie von dem Ruin desselben einst erfaßt werden dürften. Darum müßte der Friede um jeden Preis zu Stande kommen. Die beiden Haupthindernisse, Fürstcnbcrg und Lothringen, müßten aber vor allem andern erledigt werden. Mittlerweile waren die Verhaltnisse zwischen Schweden und Brandenburg immer verwickelter geworden, und er- steres begann stark sich zu rüsten; doch ward die Rüstung, als blos zur Selbstvcrthcidigung in möglichen Fällen eines Angriffs geschehen, den Gcneralstaatcn dargestellt. Der Gesandte kam neu auf die Traktate zu sprechen, nachdem er über sehr langes Ausbleiben der Antwort auf frübere Zuschrift sich beschwert hatte. Der Ort, wo die Traktate fortzusetzen, bildete um diese Zeit den Gegenstand der Hauptschwierigkeit. Ludwig XIV. hatte anfänglich Breda vorgeschlagen; aber die Gencralstaaten ersahen darin irgend eine Hinterlist gegen sie, und erklarten, aus mancherlei Gründen, diese Stadt nicht annehmen zu können, noch weniger aber die ihnen zugemuthete Vermittlung für die Freiheit Wilhelms von Fürstcnberg. Es müsse — hieß es — ihr Erstaunen im höchsten Grad erregen, daß man von ihnen und für einen solchen Mann so etwas fordere. Sie hätten zwar mit seiner Gefangennehmung nicht im Mindesten zu thun gehabt und weder sie, noch ihre Verbündeten auf das Schicksal des Prinzen einigen Einfluß ausgeübt; dies sey des Kaisers alleinige Sache gewesen, welcher seinen Vasallen, und auf seinem Territorium in Haft genommen, gemäß der Gewalt, welche wahrscheinlich ihm hicfür zugestanden; desto mehr befremde es, daß man sie, die Staaten, nunmehr mit dem Handel in Berührung kuingc und zu Anwälten eines Menschen machen wolle, welcher öffentlich und vor ihren eigenen Gesandten es für keine der unprciswürdigstcn Thatcn seines Lebens erklärt, daß er fünfzehn Jahre lang dahin gearbeitet, die Republik in eine Lage zu versetzen, in welcher sie gegenwärtig sich befinde. Er, Fürstenbcrg, und kein Anderer, sey als der vorzüglichste Urheber des ganzen Krieges und sämmtlicher für Europa daraus hervorgegangenen Gräucl zu betrachten und dafür der ganzen christlichen Welt verantwortlich. Nicht nur sey zu wünschen, daß der wider ihn eingeleitete Rechtsgang durchaus uicht gestört, sondern vielmehr befördert, — und daß dieser unruhige, sich selbst und dem Frieden so feindselige Mann nicht nur nicht freigegeben, sondern mit abschreckender Strafe belegt werde. Schwerlich also dürfte man bei irgendeinem der Verbündeten Sympathie für ihn finden. Es sey unbegreiflich, daß man seinetwillen das allgemeine Friedenswerk in Stocken gebracht. Eine ahnliche Erklärung gaben die Staaten auch noch später (im November), als der Kanzler wiederholt zur Vermittlung des Fürstenberg'schcn Handels sie angegangen. In gleichem Geiste suchte zu Wien auf die Minister K. Leopolds Benedikt Orcustierna einzuwirken, aber stets mit fruchtlosem Erfolg. Der Gesandte hatte im Oktober 1674 eine Denkschrift eingereicht, welche eine historische Übersicht aller frühern Operationen seines Kabinet- tes und seines Vorgängers Puffendorfs, so wie auch der Schritte mehrerer Höfe zum Behuf der Fortsetzung des Kölner Kongresses, und somit vor allem, zur Wegräumung des Haupthindernisses, d. h. zur Bereinigung des Fürstcnbcrg'schcn Handels, mittelst Freigebung des Prinzen, enthielt. Nochmals wurde das Ehr-und Rechtsgefühl des Kaisers zu Hülfe gerufen, und derselbe aufgefordert, persönliche und besondere Gründe vor allgemeinen und höhern verstummen zu lassen. Nichts desto weniger ließ Orenstierna schon in dieser Zuschrift die Absicht seines Hofes blicken, die fernere Haft Wilhelms für kein un- überstcigliches und absolutes Hinderniß des Friedens fernerhin betrachten zu wollen. (°) Das Wiener Kabinet gab darauf freundliche Znsicherungen im Allgemeinen und äußerte besonders über den letzten Punkt große Zufriedenheit. Man hielt sich versichert, daß zu Stockholm gewiß eine bessere Ansicht von dieser Sache, in Folge gründlicherer Aufschlüsse, die inzwischen geworden, nun herrschen, und die Überzeugung nun vorhanden seyn werde, wie sehr der Prinz von Fürstenberg sein Schicksal verdient habe. Dies war jedoch nicht ganz die Meinung des schwedischen Gesandten, und er trat daher in neue Unterhandlungen und persönliche Konferenzen mit den kaiserlichen Ministern, nämlich Montecuculi, Königsegg und Hocher. Erklärungen und Gegenerklärungen über Für- stcnbcrg wurden beiderseits mit vielem Eifer gegeben. Man (') Ueiiwiiale U. <1. Oceabr. st>. Breuer VIll. i — 254 — leugnete beharrlich den Gesandten-Charakter des Prinzen zu Köln, und der Baron l'Jsola mußte in einer eigenen Schrift die Vorwürfe widerlegen, als habe er solchen früher selbst anerkannt. Wiewohl nun Orenstiern alle diese Gründe nickt gelten lassen wollte, so kam er doch um keinen Schritt in der Sache weiter, und die zu Anfang Janner des Jahres 1675 gegebene und von Do. Abele unterzeichnete Finalresolution des Kaisers war blos eine Wiederholung vieler frühern über denselben Punkt. 2SS — Zwölftes Kapitel. Die Versuche des Königs Karl II. von England für die Befreiung Wilhelms von Fürstenberg bis zur wirklichen Eröffnung des Kongresses von Nym- wegcn. — Franz Egons Schritte und Notenwechsel in Bezug auf das Repräsentationsrecht bei demselben. Inzwischen hatte jedoch auch der, von der französischen Partei sich entfernende K. Karl II. seine Bemühungen mit jenen des schwedischen Hofes vereinigt, sowohl, um die Wahl eine? anstandigen Kongreßortes, als die Befreiung des Prinzen Wilhelm zu erwirken. Breda, von Ludwig vorgeschlagen, wurde, wie wir schon oben gemeldet, von der Republik verworfen; nach ihm kamen Hamburg, Frankfurt und Meurs, ja sogar einige Schweizerstädte in Vorschlag. Letztere verbat sich jedoch Ludwig XIV. aus der scheinbar-zarten Besorgniß, die Nähe der französischen Grenze möchte die theilnchmenden Mächte zu viel Unsicherheit erblicken lassen. Der König erklärte auch zuletzt, daß er die meisten von Schweden vorgeschlagenen Orte, wegen zu befürchtender Wiederkehr des skandalösen Auftritts zu Köln, nicht annehmen könne, daß übrigens jede Stadt oder Insel ihm gleichgültig sey, so sie nur nicht innerhalb des kaiserlichen Gebietes oder in den Provinzen Gröningen und FrieSland, wegen allzugroßer Entfernung von Frankreich, gelegen. Einige Zeit — 2S6 — darauf verfiel matt auf Nymwegeir, als auf der teutschett uud holländischen Grenze, und für keine Partei allzuweit entfernt. Karl ließ sich durch das erste Mißlingen nicht abschrek- kcn; er erneuerte seine Schritte bei den Generalstaatcn, und suchte sie dahin zu vermögen, daß Breda genehmigt wurde, auf welches Ludwig besondern Werth zu setzen schien, uud die schlimmen Gerüchte widerlegt werden könnten, die man in Frankreich auf ihre Rechnung verbreitet. Sein Gesandter im Haag, der berühmte Sir William Temple, erhielt gemessene Befehle, alles dafür in Bewegung zu setzen. Allein die Gcneralstaaten ließen durch Fa- gel erwiedcrn : dieselben Gründe, welche das Kabinet von St. Germain so sehr für Breda eingenommen, nahmen sie gegen diesen Ort ein; man ersehe nicht, warnnt eigentlich jenes Kabinet so sehr auf dieser Stadt beharre, und neutrale Städte sich nicht gern gefallen lasse; durchaus müsse also etwas Geheimes darunter stecken. Gleichwohl seyen sie geneigt, aus Rücksicht für Se. Großbrit- tauische Majestät, nach Nymwegcn Abgeordnete zu schicken; der Prinz von Oranien habe seine Zustimmung hiezu erklärt; alle nöthigcn Geleitsbriefe für die verschiedenen Minister sollten uttvcrweilt ausgefertigt werden können. Da die eine Schwierigkeit somit gehoben schien, handelte es sich nur noch um die andere, wegen der Freiheit Wilhelms. Auch hiefür wußte man zu Whitehal Rath. Man bearbeitete den Gefangenen selbst, so wie dessen Bruder Franz Egon. Beiden wurden die eifrigsten Dienste und kräftigste Verwendung zugesichert, auf das Gcding, daß sie ihre Persönlichkeit dem allgemeinen Besten zum Opfer brächten, uud freiwillig darauf verzichteten, die Befreiung als Praliminarpunkt ferner voranzustellen und das Friedensgcschaft zu stören. Ja man muthete dem Bi- 257 schof von Straßburg sogar zu, sich bei Ludwig XIV. selbst dahin zu verwende»- Der tüchtige Geschäftsmann Ducker, vcrmuthlich aus dem Geschlechtc des weiland in Sachen Erzherzog Sigmunds zu Österreich-Tyrol so äußerst thä- tigeu und vom Oberst-Hofmeister K. Rudolphs II Friedrich zu Fürstenberg, so nützlich gebrauchten Diplomaten, damals in gemeinschaftlichen Diensten Chur Kölns und des Bisthnn'is Straßburg, ging zuerst nach London, und empfing daselbst vom englischen Kabinette allerlei Aufträge und Vollmachten, mit denen man ihn sofort nach Wien abfertigte. Karl II. ersuchte den Kaiser, diesen Mann, als Organ Franz Egons, des für Austrag der Wirren so zärtlich besorgten, und, trotz der Freundschaft für den gefangenen Bruder, in böherm Interesse sich selbst vcr--5 leugnenden Fürsten, freundlich aufzunehmen, eine unmittelbare und zwanglose Unterredung mit Wilhelm Egon ihm zu erlauben, und überzeugt zu seyn, daß er auf die Gefühle und Entschließungen desselben mit Erfolg wirken werde. Zu gleicher Zeit richtete der König auch an den Gefangenen folgendes Schreiben : «Mein Vetter! Der Herr Bischof zu Straßburg, Euer Bruder, hat, beseelt von wahrhaft christl cher und groß-- mütbiger Gesinnung, dahin sich bewegen lassen, nicht nur sein Interesse, welches er für Euere Befreiung trägt, eine Weile verstummen zu lassen, sondern selbst seine Bemühungen mit den unseligen zu verbinden, um den aller- christlichstcn König dahin zu bringen, daß dieser den Eh- rcupunkt, auf welchem er bisher so fest bestanden, nämlich Eure Frcigebung, ferner nicht als unerläßliche Vorbedingung jeder Friedcnsuitterhandlung geltend mache. Wir zweifeln keineswegs daran, daß nicht dieses großs Hinderniß, welches bis zu gegenwärtigem Zeitpunkt di« Hl. 17 -- 253 — Frage wegen eines wieder zu eröffnenden Kongresses stets hinausgeschoben hat, auch bei jenem Monarchen nicht ferner vorwalten, sondern der von ganz Europa so sehnlich erwünschte Friede durch Segnung des Himmels endlich zukommen werde. Ihr könnt leicht entnehmen, welch hoher Ruhm Euch und Eurer Familie aus dem Umstand erwachsen dürfte, so viel dazu beigetragen zu haben, nämlich dadurch, daß Ihr einerseits Eure und ihre Interessen, welche den Frieden zu durchkreuzen im Stande, willig zum Opfer bringt, und andererseits Euer» Einfluß bei dem allerchristlichsten Könige dahin verwendet, daß er zu Ahnlichen Zugeständnissen sich bereit zeige. In dieser Voraussetzung billigten wir höchlich den Entschluß Eueres Bruders, des Bischofs von Straßburg, den Herrn Dnckcr, Vorzeiger gegenwartigen Schreibens, nach Wien zu schik- kcn, um Euch Nachricht davon zu geben, und die Bitte des Erstern mittelst Briefe an den König von Frankreich zu unterstützen, damit das glückliche Werk durch Euer Zuthun vollendet werde, falls die Wirksamkeit Eueres Bruders allein nicht hinreichen sollte. So Ihr nun dazu Euch versteht — wir wiederholen es — werdet Ihr ersetzen, welch Hobe Ehre eine so fromme und ächtchristliche Groß- muth an Eure und Eurer Familie Personen knüpft, uno für mich wird es kein geringes Vergnügen seyn, für meine eigene Person einigermaßen dazu beigetragen zu haben.» Der König gab jedoch dem Überbringer noch allerlei mündliche Aufträge und geheime Instruktionen; zugleich auch setzte man den Chnrfürsten von Köln durch Widmann, der in der wiener Entwcichungsgcschichte mit angeführt worden, in Kenntniß. Auf das Schreiben Karls II. antwortete K. Leopold I. in ganz eigenthümlichem Tone : dem Könige von Groß- brittanien werde allcrfrcnndlichsi Dank erstattet für das — 259 — brennende Verlangen, welches er zu Wiederherstellung des allgemeinen Friedens bezeigt; Ducker habe eine sehr gnädige Audienz erhalten, und darin die Ansicht deS Bischofs mitgetheilt, welche er von der Zweckmäßigkeit hege, daß sein Bruder bis zu Austrag des Friedens in des Kaisers Gewalt «nd in derselben Gewahrsam verbleibe, in welcher er gegcnwär ig. Wie es dem Bischof jedoch mit dieser Ansicht Ernst scy, erhelle leicht ans der Antwort, welche von ihm am 28. November an mehrere Fürsten und Churfür- sten des Reichs Übermacht worden, und welche sich auch unter den Offenbriefen und Vollmachten des Königs von Frankreich vorfinde. Noch immer bürde darin dieser König Ihm, dem Kaiser, die Schuld des abgebrochenen kölner Kongresses auf, und Seine Ehre werde darin durch Redensarten verletzt, welche zumal im Munde von Königen höchstübcl klingen, und deren stehender Hauptinhalt die Verhaftung des Prinzen Wilhelm gegen alles Völkerrecht sey. Die Bitten und Vorstellungen des Bischofs übten auf den König solchen Einfluß, daß er allerdings seine Gesandten nach Nymwegcn schickte, nämlich in der Hoffnung, daß des Königs von England Majestät und die Gencralstaatcn, verbunden mit andern Ehurfürstcn und Fürsten, ihre besten Dienste dazu anwenden würden, um, während der Unterhandlungen für den Frieden, zugleich auch die Befreiung des gedachten Prinzen zu erwirken. Wie sehr dem Bischof von Straßburg die persönliche Ehre und das Ansehen des Kaisers am Herzen gelegen, könne der König Karl auch aus dem Umstände entnehmen, daß jener mit in der Reihe von Personen aufgetreten, welche öffentlich und an mehr alS einem Orte die bittern Reden und Spöttereien des Königs von Frankreich gegen Ihn, den Kaiser, gebilligt. — Wg — So wie die Sachen also gegenwärtig noch stünden, sey wohl jeder Vertrag und noch mehr jede Unterredung mit dem Prinzen Wilhelm überflüssig, sowohl, weil der Bischof die Gedanken seines BrudcrS sehr wohl kenne, was er selbst gestanden, als auch, weil der französische Monarch erklart : er schicke seine Gesandten, der Übereinkunft mit dem Bischöfe gemäß, nach Nymwcgcn ab. Die Unterredung werde blos deshalb gefordert, damit der dem Prälat so eigene Hochmuth Nahrung erhalte, und die Meinung im Publikum aufkomme, der Kaiser habe die Vermittlung der Person seines Gefangenen nöthig gehabt, um den König von Frankreich zu Beförderung des Friedcnswcrkes zu vermögen. Es leuchte somit aus dem Ganzen der Plan zu sehr hervor, auf Kosten der Ehre des Kaisers sich dessen bcrühmcn zu wollen, daß man ohne die Person jenes Mannes durchaus nicht zum Ziel gekommen scyn würde, oder der Geist der Abneigung und des Hasses, der die beiden Fürstcnbergcr durchglühe, erfinde sonst irgend einen neuen Betrug unter obigem Vorwand. Denn es sey ganz unglaublich, daß zwei Brüder, welche in Teutschland die Flamme des Krieges angezündet, einen so aufrichtigen Eifer nun hegen sollten, dieselbe zu löschen. Der Bischof von Straßburg habe nicht einmal die schuldige Rücksicht gegen die Person Sr. großbrittanischen Majestät beobachtet, indem er Sic glauben machte, er werde seinen Beistand in der fraglichen Sache leihen, da er doch gar nie daran gedacht; und dies zwar in einem Augenblick, wo Niemand vcrmuthen konnte, er werde die berüchtigte Erklärung des allerchnstlich- ftcn Königs überall herum kolportiren. Der Kaiser schloß seine Antwort mit der Erklärung : er hege in die Gesinnungen seines königlichen Herrn Bruders und der Gene- ralstaatcn allzuviel Vertrauen, als daß sie Dinge ihm — 261 — zumuthen würden, die er nicht vcrwilligen könne, ohne sich in der öffentlichen Meinung durchaus blos zu stellen. Von Präliminar-Artikcln bei dem zu verhandelnden Frieden könne also auf keinerlei Weise die Rede scyn; doch werde er, der Kaiser, seine Gesandten in der kurzmög- lichsten Frist nach Nymwegcn beordern, um dem Könige von Frankreich jeden Borwand zu benehmen, an dem aufrichtigen Wunsche des wiener Hofes für den Frieden der Christenheit, falls es jenem Könige selbst anders damit Ernst scy, zu zweifeln. Er halte sich genau an das, was er bereits dem Gesandten der Krone Schweden hinsichtlich des Prinzen Wilhelm zugestanden, obgleich auch hiezn keine Verbindlichkeit mehr vorhanden, da der Herr von Orcnsticrna oder sein Hof die ihrerseits übernommene Verpflichtung nicht erfüllt. Also der Kaiser. Der Gefangene selbst schrieb an Karl II. folgendermaßen: »Sire! Ich weiß in hohem Grad die Ehre zu schätzen, welche Euer Majestät mir durch dasjenige angcthan, womit Sie den Herrn Ducker belastet. Dieser Umstand allein schon würde mich bestimmen, dem öffentlichen Wohl alle meine Privat-Jnteressen zum Opfer zu bringen, wie groß und dringend sie auch scyn möchten. Doch glaube ich zum Voraus schon in diesem Geiste gehandelt zu haben, da ich vor einigen Monaten bereits Sr. kaiserlichen Majestät die Erklärung gab, daß ich, um Höchstderselben ein unverdächtiges Merkmal meiner vollkommncn, dcmüthigstcn, ja ich möchte sagen, blinden Resignation und Ergebenheit in derselben Willen zu verschaffen, so wie auch mein empfindliches Mißbehagen über den Umstand zu beurkunden, als sollte meinetwillen die gcsawmte Christenheit noch länger im Jammer des gegenwärtigen Krieges versunken Ziegen, willig und bereit scy, falls es Ihre Majestät als» — 262 — wünschen möchte, in Ihrer Gewalt, wie bisher, bis nach Abschluß des allgemeinen Friedens, zu verbleiben. »Ich nehme Gott zum Zeugen und alle diejenigen, von welchen näher gekannt zu seyn, ich die Ehre habe, wer- den — ich schmeichle mir damit — gern als Burgen meiner gegenwärtigen Erklärung an Euer Majestät einstehen, daß ich mit aufrichtigem Herzen und ohne irgend einen Mück- halt in dieser Sache handle. «Längst schon würde ich auch pflichtgemäß dasselbe an den allerchristlichsten König berichtet haben, falls man mir anders die Erlaubuiß dazu gegeben hätte. Im Übrigen kann ich keine Worte finden, welche hinreichend und würdig genug wären, um auch nur einen kleinen Thcil der aufrichtigsten, untcrthänigsten und innigsten Verbindlichkeit auszudrücken, welche ich Euer Majestät trage, und daß ich mir vorbehalten habe, bis zum letzten Lcbeusseuf- zer durch gute Dienste der Güte, Milde und Großmuth mich würdig zu machen, welche Höchstdicselbe gegen mich an den Tag gelegt, sämmtlich Tugenden, welche Euer Majestät angeboren sind. Mit Ungeduld erharre ich des Augenblicks, wo es mir verstattet seyn wird, Höchstdcr- selben in Person zu versichern, mit welchem Eifer, mit welcher Verehrung und mit welcher Ergebenheit ich bin. Euer Majestät unterthäuigster und dankbar verpflichtetstcr Diener, »Wilhelm von Fürstenberg.« (') Inzwischen hatte Karl !l, durch seinen Gesandten, Sir Breget, welcher gegen Ende des Jahres 1675 nach Paris zurückgekehrt war, den Bischof in mehrern Briefen über alle seinerseits bei dem Kaiserhof gemachten Versuche zu Gunsten seines Bruders in Kenntssiß gesetzt, und die Er- (') ltzeiaxe N- s, dicustsch ls 6 tevriex >676. — 26Z — klärung wiederholt, daß nichts weder von ihm, noch von seinen Verbündeten nnterlassen werden würde, dein Prinzen bald möglichst die Freiheit zu verschaffen. Diese müsse nach Abschluß des allgemeinen Friedens durchaus erfolgen. «Ich hoffe — schrieb der König noch im November — Ihr werdet mit mir zufrieden seyn, denn ich versichere Euch, daß man unmöglich mehr in seinem und Euerem Interesse thnn konnte, als bereits geschehen ist; auch dürft Ihr die feste Überzeugung hegen, daß dies noch ferner geschehen wird, und Ihr in allen besonder» Fallen die große Aufmerksamkeit verspüren sollt, die wir Evern Personen und Euerer Familie zuwenden!« Sir Bregct, welcher mit Franz Egon noch im Geheimen allerlei über den Stand der öffentlichen Angelegenheiten, wie über den Handel seines Bruders zu erörtern, Austrag erhalten, war auch Überbringer einer Zuschrift Karls II. an seinen Schwager Ludwig XIV., worin die Bemühungen für die Interessen deö gefangenen Hürstenbcrg geschildert, und der König von Frankreich aufgefordert war, seine Zusagen zu erfüllen, und durch baldige Abordnung seiner Gesandten nach Nymwegen doch ja alle ferner» Hindernisse des Friedens zu beseitigen. Diese Lctztern gingen endlich in der That ab, doch erließ Ludwig eine Denkschrift im Druck, welche sein System und seine Absicht dem Publikum, wie dciNbethciligtcn Höfen ausführlich entwickeln sollte. » Ganz Europa — hieß es darin — ist über die Erleichterungen unterrichtet, zu welchen der König sich verstanden hat, um den Abschluß eines Friedens zu befördern, welcher durch Verletzung der öffentlichen Treue und des allgemeinen Völkerrechts in der Person des Prinzen Wilhelm von Fürstenberg zu Köln so gewaltsam unterbrochen worden. Alle Völker, welche noch bis auf diesen Tag unter der Geißel eines großen und blutigen Krieges seufzen. ^ 264 — mußten mit Recht erstaunen, daß der Kaiser es für gut gefunden, aller Hoffnung eines baldigen Endes desselben Fe zu berauben, dadurch, daß er eine so schreiende und unerhörte Gewaltthat fortsetzte, und sie mußten der Mäßigung des Königs sich zu Tank verpflichtet fühlen, welche gern alle Mittel zuließ, durch welche jener Krieg einmal gedampft weiden konnte. »Ungeachtet Se. Majestät das Recht erhalten, vollkommene Genugthuung für das zu Köln Geschehene zu begehren, und die Freiheit des Prinzen Wilhelm von Für- stimberg den Hauptpunkt vor allem andern bildete, so fanden Sie doch, auf instandige Bitte des Königs von Schweden, später für gut, über diesen Gegenstand auf die Bedingung sich zufrieden zu stellen, daß gedachter von Fürstcnberg in die Hände eines neutralen Fürsten, his zu Abschluß des Friedens, gegeben wurde. »Man wird Mühe haben zu glauben, daß eine solche Mäßigung zu Wien keinen Widerhall fand, da es sich poch um solche Konferenzen handelte, welche allein die Hoffnung des herzustellenden Weltfriedens verbürgen konnten. Nichts desto weniger weigerte sich der Kaiser, einen so rechtmäßigen Präliminarverglcich anzunehmen, und Se. Majestät sah sich in die Notwendigkeit versetzt, die Abreise ihrer Gesandten nach dem Friedensorte zu verschieben. »Allein, obgleich Sie in diesem Entschluß immer mehr befestigt worden, und obgleich der dem Fürsten Wilhelm von Fürstenberg verliehene Schutz durchaus Ihr die Pflicht auferlegt, in keine Art von Unterhandlung früher sich einzulassen, ehe nicht jener Fürst in Freiheit scy, so nöthig- fen Sie doch die besonder« Dienste des Königs von Groß- brittanien und die dringenden Bitten des Bischyfs von Atraßhurg, Ihr Gefühl darüber zu ändere 7- 263 — »Se. Majestät ersah aus den Briefen, welche der obenerwähnte Konig an Sie geschrieben, daß der Eifer, mit welchem derselbe an Vermittlung des Friedens arbeitet, sogar ihn dahin vermocht, den Herrn Bischof von Straßburg einzuladen, er möchte seine und und seines Bruders Interessen dem allgemeinen Besten der Christenheit zum Opfer bringe», und zugleich ihn zu bitten, er möchte bei Sr. Majestät um einigen Nachlaß in dem an Fürstenberg bisher so eifrig und warm verliehenen Schutze sich verwenden, indem er zugleich beifügte, daß er seine Verhältnisse zum Kaiser bestens benutzen, und gewiß von den Generalstaaten kraftig unterstützt werden würde, dafür, daß der Kaiser sich zu Auslieferung des Prinzen in die Hände einer neutralen Macht, bis nach dem Friedensschluß, verstehe. »Der Bischof von Straßburg nahm um so weniger Anstand, diesem gutgemeinten Nathe Gehör zu schenken, als er schon selbst längere Zeit zuvor denselben Gedanken gehegt. In der That hatte er auch mehr als einmal Sr. Majestät zu erkennen gegeben, daß, wie groß immerhin seine Dankbarkeit für die kraftige Beschützung seines Bruders von Seite des Königs seyn möge, er doch Se. Majestät bitten müsse, hievon im Interesse des öffentlichen Wohls etwas abzulassen; seine Gesinnungen - hiervon sey er fest überzeugt — waren auch diejenigen seines Bruders, und der eine wie der andere würden schon bei dem bloßen Gedanken Betrübuiß fühlen, daß sie ein Hindcrniß deS von gestimmter Christenheit so sehnsüchtig gewünschten Friedens bilden sollten. »Wie groß übrigens die Hochachtung war, welche Sr. Majestät so großmüthige Gefühle einflößen mußten, so konnte Sie doch nicht gleich eine Bitte gewahren, welche die Genngthuung für den kölner Staatsstreich und die — syö — Befreiung des Prinzen immer noch in großer Ungewißheit ließ. »Allein gegenwärtig erncnerte der Prälat die nämlichen Vorstellungen, und zwar mit desto größcrm Nachdruck, als sie auch durch diejenigen des Königs von Großbrit- tanien unterstützt worden, und als auf dieselben, so wie auf die Schritte der Gencralstaaten zu Wien eine feste Hoffnung sich begründet zu haben schien; er erneuerte sie, und beschwor Sc. Majestät, die Güte, welche dieselbe für ihn und seinen Bruder trage, in etwas zu ermäßigen, und des Ruhmes, welcher sie zur Selbstaufopferung für den allgemeinen Frieden treibe, nicht sie zu berauben, also zwar, daß Se. Majestät endlich sich entschloß, Ihre Zustimmung zu einer Sache zu geben, für welche sonst kein Grund von der Welt Sie bestimmt haben würde. Sie überwand Ihre innere Abneigung, welche hiebci Sie erfüllt, und überließ sich dem Vertrauen auf die Wirksamkeit der Versprechen, welche der König von England dem Bischof von Straßburg gegeben; Sie will gerne glauben, daß diese Nachgiebigkeit zu Wien ihre Früchte tragen, und vereinigt mit der Verwendung der Gencralstaaten den Kaiser zum Eingehen in die von Ihrer Majestät gemachte Bedingung vermögen werde, nämlich den Prinzen in neutrale Hände zu stellen. »Gleichwie Gott bis zu dieser Stunde die Gerechtigkeit Ihrer Waffen im Kriege gesegnet, also hofft Sie auch, daß er es hinsichtlich derjenigen Ihrer Fiiedensgesinnun- gen thun werde, und daß, wenn Ihre Feinde dieselben Gefühle mit nach Nymwcgcn bringen, Europa bald am Abend besserer Tage nach all den Leiden stehen werde, welche es erduldet.«. (') (') Kleinvire kov pun? 1e ses cl. ä. 28. Nov. i6^5. cie /.) — 267 — Diese Denkschrift, dieselbe, auf welche der Kaiser in seiner Antwort an den König von England angespielt, war weit davon entfernt, den wiener Hof günstiger für den Gefangenen und die Foderungcn der Vermittler zu stimmen; man ersah in ihrem Inhalt und Ton nur neue Beleidigungen und Finten von Seite des Kabinettcs zu St. Germain und des Bischofs von Straßburg. Doch hielt man für nothwendig, eine Gegenschrift bekannt zu machen, deren Sprache sehr heftig, gereizt und bitter klang, und welche deutlich offenbarte, wie es dem Kaiser zu thun gewesen, seinen Schritt zu Köln um jeden Preis zu vertheidigen, und alle Schuld des verhinderten Friedens auf die Gegner zu bringen. Man erklärte, die Denkschrift Ludwigs XIV. müßte ein Pasquill genannt werden, wenn sie nicht den-Namen eines Königs unterzeichnet trüge; sie scy eine Trompete neuen Krieges, während sie süße Honigworte verkünde, und in dieser Hinsicht errege sie doppeltes Erstaune»!, da ihr Verfasser der allerchrist- lichste König sey; die Schrift rede eine andere Sprache im Eingang, eine andere am Ende. Alle Vorwürfe, welche der König den Kaiser gemacht, wurden jenem sofort mit Wucher zurückgegeben. Der Punkt wegen Verletzung des Völkerrechts gab erwünschten Anlaß, Ludwig XIV. alle die Ausschweifungen und Greuel vorzuhalten, welche seine Feldberren und Soldaten in den Niederlanden und in den Nheingcgenden verübt, und wobei alles Heilige mit Füßen getreten, alle Rücksicht auf göttlicbe und menschliche Rechte verletzt, und wehrlose Unterthanen jedes Standes, Alters und Geschlechts mißhandelt worden seyen. An den Bruch des pvrenäischen und des aachencr Friedens erinnerte man den König ebenfalls. Die alten Gründe für die Verhaftung Wilhelms von Fürstenbcrg wurden abermals hier geltend gemacht, und zum Überfluß die Behaup- — 268 — tnng erneuert, kein Minister, kein Gesandter, sondern ein Privatmann, der Söldling eines fremde» Königs, der auf dem heimathlichen Boden Vcrrath gegen sein Baterland, Aufruhr gegen seinen natürlichen Monarchen, Krieg in gemeinsamer Christenheit ausbrütete, welcher die Mascstät durch Schrift und That unaufhörlich verletzt, und dessen Person dem allgemeinen Beste» längst verfehmt gewesen, scy damals zu gebührender Strafe seiner Vergehen, in Folge höchster Machtvollkommenheit, abgeführt worden. Aber wenn auch der Prinz von Fürstenberg wirklich den angestrittcnen Charakter geltend machen gekonnt, so scy doch kein Staat schuldig und verbunden, die Abgesandten des andern zu dulden, wenn sie ihre Sendung zu Späherei mißbrauchten. Der Kaiser glaube zwar, blos Gott allein von seinem Benehmen Rechenschaft ablegen zu müssen; doch habe er es der öffentlichen Meinung ebenfalls zur Genüge gcthan. Seltsam klinge es, daß das Schicksal des ganzen Friedensgeschäfts von der Person des einigen Fürstcnbergs abhängen sollte, besonders, da man wisse, wie wenig dieser Mann von Frie- densgedankcn erfüllt scy. Ein anderer Widerspruch bestehe darin, daß man immer nur für Fürstcnbcrg so sehr auf Genngthuung dringe, während die Rechtsverletzung gegen Lothringen fortdauere. Die vom Könige so sehr gerühmte Mäßigung sey blos die Einleitung zu neuen Feindseligkeiten und ein Fallstrick mehr für den Frieden. Wollte man den Frieden aufrichtig, so würde man nicht eine so gebieterische Sprache gleich vor Beginn der Unterhandlungen führen, und vollkommenen Ersatz für eine Unbild begehren, die niemals zugefügt worden. Bedingungen in der Art, wie von französischer Seite geschehen, würden in der Regel nur den Besiegten von den Siegern vorgeschrieben; des Kaisers Sachen lägen aber noch nicht so - 269 — tief, daß er bittend sich Gesetze vorschreiben lassen müsse, welche nur mit gemeinsamer Zustimmung aller Parteien hier gegeben werden könnten. Daß der Würfel des Krieges zweifelhaft und das Glück der Waffen wandelbar, hätte den Franzosen der letzte Sommer gelehrt. Zeiten nud Umstände änderten sich schnell, das Schicksal werfe nicht immer einen Einzigen Alles zu, und Niemand dürfe mit Sicherheit den Tag vor dem Abende loben. Allznvor- eilig pochend, trete dermal der Franzose auf, gleich als wäre der ganze Krieg schon zu seinem alleinigen Vorthcil entschieden; allein beide Thcilc vertrauten noch auf ihre Kräfte und hielten dieselben für gleich; auf beiden Seiten besitze man Menschen und Waffen genug, ans beiden könne man mit gleichem Grund Siege erwarten und Unfälle befürchten. Der Kaiser, im Vertrauen auf Gott und seine gute Sache, sicher, aber auch mitten im Waffengctümmcl für den Frieden niemals unempfindlich, habe weder in überzeugenden Rcchtsgründen, noch in dringlichen Umständen Motive gefunden, seinen über die Sache des Prinzen Wilhelm gefaßten Entschluß zu ändern. Seine Ansichten deshalb seycn zur Genüge den vermittelnden Gesandten und Höfen mitgethcilt worden. Nichts desto weniger habe der Kaiser Rücksichten für dieselben und Gcfüblcn der Milde Gehör geschenkt, dadurch, daß er den bereits seinem Ende nahen Prozeß wider den Gefangene» niedergeschlagen, bis zu Abschluß des Friedens. Er übe sein Herrschcrrecht im Interesse des Reichs eben so gut, wie der König von Frankreich, aus; doch hoffe er ganz Europa zu beweisen, daß er, ungebeugt durch alle Wechsclfälle, seine Grundsätze fest behauptet und niemals sein erhabenes Ziel aus Augen verloren habe, nämlich das Ziel cineö Vermittlers zwischen den Parteien von Europa. Die Befreiung Fürstenberg's stehe mit dem all- gemeinen Frieden in gar keiner nothwcndigen Verbindung; eine Unterredung des Bischofs mit seinem Bruder sey durchaus überflüssig, und würde nur das Ausspinnen neuer Rauke und neue Gefahren für den Kaiser, das Reich und den Frieden zur Folge haben. Nicht sey zu erwarten, daß diejenigen, welche den Frieden durch Krieg gestört, aus Liebe zum Frieden nun den Krieg aufhören machen würden. Niemand könne dafür Bürgschaft leisten, daß nicht der Gefangene, seiner Haft entlassen, zu seittcr alten Gesinnung und Leidenschaft zurückkehren werde; Niemand, falls man ihn in dritte Hand übergebe, daß nicht sein Brndcr, der Bischof, mit verwickelt in alle schlimme Anschlage und kaiserlichen Mandaten zum Hohn, die Rolle eines freiwilligen Ächters auf fremdem, ja feindlichem Boden fortsetzend, entweder durch Drohungen oder Bestechungen — ein bei den armen Sterblichen nur allzuwirksames Mittel — den Bewahrern die anvertraute Person entreiße. Ob man wohl daran zrvciflcn könne, daß der von Fürstcnberg, sobald er nur einige Freiheit wieder gerochen, nicht noch schlimmer und gefährlicher werden würde, als in der Haft, worin er gleichwohl mit seiner Schwester und andern seiner Mitschuldigen, trotz aller Wachsamkeit, verbotene Verbindungen zu unterhalten und die Treue der Hüter zu verführen gewußt habe. Der Kaiser — hieß es ferner — verachte den Ruhm der Milde und Großmuth, weil allen Regenten sehr nützlich, keineswegs; aber er pflege ihn auf eine Weise, daß seiner eigenen Sicherheit und dem allgemeinen Besten, welches für die Fürsten das höchste Gesetz sey, kein Nachtheil dabei geschehe. Warum jedoch sollte Milde und Großmuth demjenigen zu gut kommen, welchem so viele tausend Familien den Tod der Ihrigen, blühende Städte ihren Ruin verdankten, und wie demjenigen Barmherzig- keit, welcher selbst im Gcfängm'ß den frükcrn Trotz der Seele nicht abgelegt, welcher sein Unglück nicht zu Gefühlen der Rene, sondern zu Gedanken für neue verderbliche Anschläge benutzt? Der französische Hof, welcher die Sache dieses Mannes mit so ungewöhnlichem Eifer ver- thcidigc, sollte seiner eigenen Politik, und dessen besser gedenk scyn, was er einst Karl I. von England, als er für die Rückkehr seiner Schwiegermutter, der Königin von Frankreich, in dieses Land sich verwendete, geantwortet, und was er zu Zeiten Karls IX, und Heinrichs III. au den Mannern der entgegengesetzten Partei verübt. Wenn ferner der allcrchristlichste König Handlungen der gewaltsamsten Natur gegen Edle, die nicht einmal durch Un- terthanenverband oder Vasalleneid ihm unterworfen, und eben so gegen gefangene Einwohner in den eroberten Städten sich erlaubt, wie wolle er dem Kaiser denn wehren, gegen einen seiner Uutcrthancn und auf eigenem Grund und Boden nach Recht und Fug zu verfahren? Fürstcnberg sey glücklich genug gefahren, daß über sein Haupt nichts anderes gekommen, als das bisherige, und daß seine Ehre und sein Leumund nicht durch härtere Maßregeln beschimpft worden. Der Bischof von Straßburg sey nicht müde geworden, die kaiserliche Majestät herabzuwürdigen und zu verlänmdcn; er habe überall die berüchtigte französische Schrift herumgetragen, und die Vermittlungen so vieler Höfe für seinen Bruder blos erbettelt, um dem Kaiser überall Haß zu erwecke». Sein Benehmen gegen den englischen Hof lasse klar ersehen, wie er selbst die Vermittlung desselben zu seinem eigenen Verdienst zu stempeln getrachtet. Der Kaiser, unbeweglich bei allen Machinationen seiner Feinde und zum Frieden geneigt, aber auch zum Kriege fortgerüstet, wisse Englands Diensie um die Beendigung des blutigen Kampfes — 272 — Wohl zu würdigen, und deshalb ordne er auch seine Gesandten nun ohne Senmen nach dem bezeichneten Kvn-- greßort ab. Im Übrigen stelle er den Ausgang der Gottheit heim, welche dereinst über die wahren Urheber so großen Jammers der Völker gerecht und strenge richten werde. (') Odservstio LOttti-a Älumoi-iste vet l.eg5liz tlslli« dsa- > viomsAUUü ituris öittuM. sw. I. /js — 5s.) Dreizehntes Kapitel. Fortsetzung des vorigen. —'Vereinigte Bemühungen der englischen und schwedischen Diplomatie gegen den Widerstand des Kaisers. — Mißlungener Versuch bei den Generalstaaten. — Franz EgonsDenkschrift an den Kongreß. — Sein Briefwechsel mit Froben Maria u. s. w. — Der Traktat von Nymwcgen. §)cr König Karl hatte inzwischen, seinem an Franz Egon gegebenen Versprechen gemäß, auch die Gcneral- staatcn zn einem Schritte bei dem Kaiser zum Behuf der Annahme der letzten Vorschläge zu bearbeiten gesucht, und zwar durch das Organ seines Gesandten am wiener Hof, Sir Skclton, welcher den Auftrag erhalten, seinen Weg über den Haag zu nehmen und auch mündlich mit den holländischen Staatsmannern die Sache zn betreiben. (') Am 28. Dezember noch ward eine Note eingereicht, worin das Kabinct von Whitebal der Republik das Vermittlungsgeschäft für den gefangenen Prinzen nicht (') Die schwedische Vermittlung hatte schon früher, in Folge der Verhältnisse zu Brandenburg und der holländischen Kriegserklärung, ein Ende, und Ehrenstein einen sehr höflichen Abschied genommen.^ III. IS nur als eine Sache der Ehre und Großmnth, sondern selbst der Gerechtigkeit hinzustellen, und den Beweis zu liefern versuchte, daß man dem Bischof von Straßburg diesen Dienst für seine so prciswürdigcn Schritte nm das Friedcnswcrk schuldig sey. Allein die edlen und hochmögenden Herren gaben, unterm 3. Februar 1676, in alt- holländischem Lakonismus nachstehende merkwürdige Antwort : «Die Generalstaaten der vereinigten Provinzen der Niederlande haben den zu Whitehal am 26. Dezember geschriebenen Brief Sr. großbrittanischcn Majestät gelesen und geprüft, und zugleich den darin enthaltenen und mit dem der Herren Temple und Skelton übereinstimmenden Vorschlag, welcher in seinem Hauptinhalte dahin geht, die Generalstaaten möchten mit ihren guten Diensten die Vorstellungen unterstützen, welche die erwähnte Majestät bei dem Kaiser, zum Behuf der Freiheit des Prinzen Wilhelm von Fürstenberg, oder doch wenigstens zum Behuf der Ablieferung desselben in dritte Hand, bis zu Ende der Friedensverhandlungen, anzubringen sich entschlossen hat. Ihre Edlen und Hochmögendcn können nicht umhin, den Herren Temple und Skelton in Rückerwiedcrung zu bezeugen, daß sie Se. Majestät von England für Ihre großen und dauernden Bemühungen nm Begründung des allgemeinen Friedcnswcrkes aufrichtig Dank wissen,, hingegen, was die Freiheit oder den Sequester des Prinzen Wilhelm betreffe, ganz untröstlich seyen, Sr. Majestät Wünsche nicht willfahren zu können. Der Prinz von Fürstenbcrg erzeigte sich unfern Provinzen so feindselig, daß er kein Mittel unversucht ließ, nm dieselbe zu völliger Verzweiflung zu treiben. Als es Gott gefallen, im Verlaufe des letzten Krieges mehrere Städte der Republik in die Gewalt der Truppen des Churfürsten von Köln gerathen zu lassen. behandelte Jener die Magistrate und andere Personen darin sowohl im Allgemeinen, als insbesondere mit der äußersten Härte und Unwürdigkcit. Besonders streng zeigte er sich gegen alle Bekenner der wahren christlichen Religion, welches die rcformirte ist. Während der kölner Verhandlungen setzte er dies System nicht nur fort, sondern er berühmte sich auch in Gegenwart eines Abgesandten der Republik all des Unheils, welches er seit mehr denn fünfzehn Jahren über sie gebracht. Da fügte es sich, wie durch ein gerechtes Gericht Gottes, daß dieser, einer unserer größten Widersacher, wiewohl ohne irgend ein Zu- thun von unserer Seite, in die Hände des Kaisers fiel, gleich als wäre dieser zum Rächer der an uns verübten gräulichen Ungebühr bestellt worden. Nicht ohne Mißvergnügen ersahen zwar die Generalstaaten, daß diese Verhaftung ihren Feinden zum Vorwand diente, die Unterhandlung und den Schluß des Friedens abzubrechen. Allein, gleichwie die Gencralstaaten sich früher in die Affaire gar nicht gemischt und davon keinerlei Kenntniß hatten, also enthielten sie sich auch später aller Thcilnahmc an den wider ihn verhängten Prozeduren und an den Maßregeln, welche die Befreiung Fürstcnbcrg'S bewirken sollten. Sie erklärten auch mehrfach, daß der ganze Handel sie auf keinerlei Weise berühre, und die Behandlung ihnen völlig gleichgültig sey, welche der Kaiser seinem Gefangenen anzugedeihen für gut finden würde. Und als auch Se. k. Majestät vor einiger Zeit die Erklärung gegeben, daß sie sich bewogen fände, den wider Fürstcnberg eingeleiteten Prozeß nieder zu schlagen, auf so lange, bis man den Erfolg der Negotiationen gesehen, so bemerkten sie einfach: sie selbst gewahrten weder in der Gefangenschaft, noch in der Befreiung des Prinzen einen hinreichenden Beweggrund, den Friedensvertrag zu be- schleunigen oder zu verzögern. Ihre Edlen und Hochmögenden hegen die sichere Überzeugung, Seine königliche Majestät (von England), welche so viele Beweise JhreS Interesses für das Wohl der Republik gegeben, werde nicht darauf bestehen wollen, daß die Generalstaaten zu Gunsten eines Mannes sich verwenden, welcher ihren Untergang geschworen, und diesen seinen Entschluß ihnen, gleich als wollte er noch bittcrn Hohn beifügen, in'S Gesicht erklart hatte. Ein Schritt für seine Befreiung würde sie — wie Sc. Majestät selbst erkennen müßten — der öffentlichen Verachtung aussetzen und sogar der Freundschaft des Königs unwürdig machen; ja er würde gleichsam eine Aufforderung für Jedermann enthalten, ihren Staat mit Schimpf aller Art, ohne Furcht vor Ahndung, zu überhäufen, und gleichwohl noch hoffen lassen, daß man dem Übclthätcr in den schlimmsten Lebenslagen noch Beistand und Schirm leisten werde. Nur mit Bedauern thcilcn sie solche ihre Weigerung mit, mit dem Anerbieten jedoch, Sr. Majestät in allen billigen Dingen die Freundschaftsdienste zu erzeigen, welche man vernünftigerweise von ihnen fodcrn kann.» Die Weigerung Ludwigs XIV., Pässe für den Herzog von Lothringen auszufertigen, hielt mit der Hartnäckigkeit des Kaisers, wegen Wilhelms von Fürstcnberg Losgabe, gleichen Schritt, und neue Hemmungen, neue Unterhandlungen des einförmigsten und widerlichsten Inhalts wurden dadurch veranlaßt. Der englische Gesandte hatte, noch ehe er das Ultimatum seines Hofes nach Wien getragen, unterwegs ein Schreiben erhalten, auf neue Ver- haltnngsbefehle zu warten. Man ersah deutlich, wie den Kaiser, den französischen König und die Generalstaaten fortwährend der persönliche Haß von jeder friedlichen Annäherung zurückdrängte. , — 277 — Gleichwohl setzten Schweden und England das vermittelnde Geschäft unverdrossen fort, und im Jnlins 1676 war man bereits so weit gekommen, daß Leopold!, selbst für Franz Egon, als'Reichsfürst und Bischof zu Straß- bnrg. Freigeleite zur Bescndnng des Nymweger. Kongresses ausgestellt. Merkwürdig genug mischte ssch jetzt auch der Pabst Clemens X. in die politischen Händel, und der Nuntius zu Wien, Don Bevilaqua, eröffnete einen lebhaften Notenwechsel, darein die väterliche Stimme des für Befriedigung der Heerde zärtlich besorgten Vaters der Gläubigen, seit der langen Zeit des furchtbaren Hadcrns und Mordeus nnvcruvmmen, endlich wieder einmal ertönte. Der heilige Vater erklärte, ebenfalls zur Gründung des gottseligen, von der Christenheit so sehr crseufzten Werkes mithelfen zu wolleng allein seine Ehre und seine Grundsätze widerstrebten dem Gedanken, nach einem ketzerischen Orte seinen Nuntius hin zu senden; es befremdete ihn sehr, daß drei katholische Monarchen also rasch zu dieser Wahl sich verstanden, und es ward die Frage aufgestellt: ob nicht das katholische Städtchen Ravenstein, von Nymwegcn gar nicht weit entlegen, sich besser zum Sitze eines Kongresses eignen würde? Ein neuer sonderbarer Umstand war, daß der Pabst darauf bestand, sämmtlichc drei Nuntien (zu Wien, München und Köln) sollten an den Verhandlnngen des beabsichtigten Kongresses, zur Verwahrung der Interessen dcS Katholizismus, Theil nehmen können. Das Wiener Ka« binct erklärte sich auf diese beiden Znmuthungen des Pab- stes mit Feinheit und Ergebenheit zugleich, und gab Clemens X. zn verstehen, Rom könne auf jeden Fall auch diesmal, zu Nymwcgen, der Rolle getreu bleiben, welche es zu Münster einst gespielt, d. h. gegen all dasjenige, Verwahrung einlegen, was ihm als die Rechte der ka- — 273 — tholischcn Kirche und des heiligen Stuhles beeinträchtigend vorkommen würde. (') Der Nuntius fuhr jedoch fort, auf die Negotiationen Einfluß üben zu wollen, und die Sache des Prinzen Wilhelm gab eine besonders günstige Gelegenheit dazu. Plötzlich fiel es dem heiligen Stuhle ein, die Immunitäten geistlicher Personen wiederum geltend zu machen, tind Wilhelms Befreiung, oder doch Auslieferung in des Pabstes Gewahrsam dringlich zu fordern; man werde, erklärte der heilige Stuhl, ihn dann selbst wegen desjenigen zu bestrafen wissen, was er Schlimmes vollbracht haben könnte. Der französtsche Einfluß war bei diesem Schritte uatürlichenveise eben so sichtbar, als der beleidigte Priesterstolz. Allein die Minister Leopolds I. wußten auch hier einen guten Ausweg, welcher aus dem Dilemma des Ungehorsams gegen das Oberhaupt der Kirche — ein Vergehen, das in andern Fallen dem frommen Monarchen sonst wohl eins der schwersten schien, — oder des Aufgebens einer politischen Rache führen konnte. Sie ließen dem Pabste die demüthige Unterwürfigkeit des Kaisers gegen den Willen des heiligen Stuhles in allen Dingen betheuern, zugleich aber auch den Schmerz des Erstcrn, daß er diesmal nicht zu willfahren im Stande scy. Denn der Prinz Wilhelm verdiene die Verwendung des Pabstes und die Immunitäten seines Standes gar nicht; er habe der väterlichen Zärtlichkeit des heiligen Vaters durch seine verkehrten Anschlage durchaus sich unwürdig gemacht, und es scy gcrathcner für diesen Letzten?, mit einem so ungc- ratheucn Sohne sich nicht weiter zu befassen. Auch wurde — 122. t ) lettre c>8, und durch einen glücklichen Zufall in den Besitz des Geheimnisses kommen. (') Diese Erzählung hat jedoch verschiedene innere Unwahrschcin- lichkeitcn, auf die der Leser gleich selbst kommen wird. (') ,LS Qerinauiiiueti. — 285 — Eine vernünftigere Ansicht ist diejenige, welche die Sache durch den Kaiser selbst entdecken läßt, nämlich in Folge der bekannten ungewöhnlichen Vertraulichkeit mit seinem Beichtvater, dem Pater Emmerich, »mit welchem er alles kommnnizirte.« Die Pflicht des Ordens, die blinde Ergebenheit für dcS Pabstes - Interesse und die Vorrechte der Hicrarche konnten den sonst verschwiegenen Priester zu ungesäumter Insinuation des unter dem Beichtsigill Anvertrauten an den Nuntius bestimmt habende) und mit Recht bemerkt unser Moser : »Es wird dieses um so glaublicher, da der Nuntius auf des Kaisers Andringen sich beharrlich geweigert, denjenigen zu nennen, durch welchen er die Nachricht erhalten. Ware es Lobkowiz gewesen, so würde cö so viel Sperrens nicht bedurft haben. Einen so großen Zweck zu erhalten, als das Leben eines Bischofs und die Behauptung des päbstlichen Gerichtsstandes, wird ein Nuntius jeden Minister aufopfern, und bei dem großen Kredit, worin Lobkowiz bei dem Kaiser stand, konnte er sich auch allenfalls sagen, daß jener mit einem scharfen Verweise, oder kurz dauernder Ungnade davon kommen würde. Mit dem Beichtvater verhielt es sich aber anders; diesen zu verrathcn und sinken zu lassen, wäre ein Hochverrath an dem ganzen Orden und an dem Pabste, seinem Sonvcrain selbst gewesen. Aber Emmerich war doch Beichtvater, der die Präsumtion der Treue und Verschwiegenheit für sich hat? Aber er war zugleich ein Ordcnsmann, und damit ist alles gesagt. Waren es doch die Jesuiten, die während der Belagerung Prags von den Franzosen die ärgsten Vcrräthcr ihrer Wohlthaterin und Beschützerin, Maria Theresia, gewesen, welche schwarze That freilich l') Solche Fälle sind in den casuistischsn Büchern auch wirklich dezeichnet. — 286 — die religiöse Monarch«: nicht eher glauben wollte, bis Choiseul ihr zur Zeit, da von Aufhebung des Ordens an den Höfen gehandelt wurde, die Originalbriefc dieser Undankbaren und Treulosen behandigen ließ, und gleichwohl Mühe hatte, sie glauben zu machen, was sie mit offenen Augen sah,« Als ein anderer möglicher Fall kann angenommen werden, daß Lobkowiz, trotz seiner allgemein bekannten Abneigung gegen die Ordcnsleute, zumal aber die Jesuiten, (') diesmal, um den vcrurtheilten Prinzen desto sicherer zu retten, des Einflusses derselben auf den Kaiser sich bedienen wollte, und den Beichtvater durch Schilderung der Gefahren, welche dem pabfllichcn Ansehen, in Folge der Hinrichtung einer so angesehenen geistlichen Person, wie der von Fürstenberg, drohten, iu's Interesse zu ziehen suchte, daß er demselben den Beschluß des cngern Konseils mitgetheilt, und gemeinsam mit ihm die Verwendung des Nuntius, welcher eine nachdrücklichere Sprache, als sie Beide, führen durfte, vortreten zu lassen für gut gefunden. Der Umstand, daß unmittelbar nach der spater angekündigten Ungnade Lobkowiz den P. Emmerich noch besuchte und mit ihm ein Mahl einnahm, unterstützt eine solche Voraussetzung, auch daß sie wenigstens auf Hofrecht gut mit einander standen, und Minister und Beichtvater einander über die ganze Sache mehr in's Ohr zu sagen gehabt, als das Publikum jemals erfuhr. (I Die Anekdote von der Erklärung, welche Lobkowiz dem um eine wichtige Sache einst supplizirenden Jesuiten über die Worte : 5. M K. 7. auf dem Kruzifixe gab, nämlich : lum Mbit Reportabunt Iesuit!>z, ist bekannt; eben so auch sein ge- gemülhlicheS Spruchwort: Drei bringen den Kaiser um seine Güter: Türken, Ungarn und Jcsuilcr. Eine dritte Möglichkeit liegt in der raschen und unvorsichtigen Handlungsweise des Fürsten Lobkowiz. Überwältigt von widerstreitenden Gefühlen in seinem Innern, überzeugt von den verhängnißreichen Folgen einer That, wie die Hinrichtung eines so berühmten Mannes, wie Fürstenberg, der zugleich Minister des mächtigen Ludwig XIV., sowohl für die Ehre des Kaisers, als für das Wohl der Monarchie, endlich den patriotischen Rücksichten mehr, als der diplomatischen Klugheit in diesem Augenblick hingegeben, (') trat er vielleicht aus freiem Antrieb vor den Nuntius mit seinem Geheimniß, und bedachte nicht, daß er, indem er einen Andern retten wollte, sich selbst eine Grube graben würde; oder auch, er wähnte, so groß würde der Nachtheil denn doch zuletzt für seine Person nicht seyn, wenn der Kaiser selbst in Erfahrung bringen sollte, daß die Entdeckung des Beschlusses durch ihn geschehen. Wie dem nun scy, der fürstenberg'schc Handel brachte dem Fürsten Lobkowiz einen bedeutenden Stoß, aber keineswegs den wirklichen Sturz, wie mehrere Gcschicht- schrciber geradezu angenommen haben. Dieser Sturz kam, in Folge ganz anderer Machinationen und ganz vorzüglich als Wirkung der Rache einer beleidigten hohen Frau. Die gesammte anti-französische Partei, d. h. diejenige, welche nicht einsah, daß das Hans Österreich bei allen seinen Kriegen mit Frankreich im Ganzen nichts gewinne, das teutsche Reich aber sehr viel dabei verliere, das spanische Kabinct, und die Eifersucht vieler Reichsfürsten (') Auch die Motive der Verwandtschaft und Freundschaft zum fürstenberg'schen Hause, die bestürmenden Bitten der Maria Francisca, die Briefe Franz Egons u. s. w. mochten mächtig mitgewirkt haben; Umstände, die Moser nicht wisse» konnte. 22g hatte» planmäßig seit langer Zeit auf die Entfernung des mächtigen Ministers vom Ruder gearbeitet, und alle Unfälle, welche man erlitten, ganz vorzüglich auf seine Rechnung gebracht. Die Jesuiten waren die Seele und das Hauptorgan dieses Komplottes. Aber alle ihre Künste scheiterten an Leopolds angemessenem Vertrauen zu dem trefflichen Staatsmann, bis, bei Anlaß der zweiten Vermählung des Kaisers, ein bitterer Scherz Lobkowiz's die Stütze seiner Macht endlich untergrub und seinen Fall bewirkte. Leopold schwankte in seiner Wahl zwischen der tugendhaften und schönen Prinzessin Leonore Magdalcne von Pfalz-Neuburg und der mit Reizen weniger begabten, aber sehr verständigen Erzherzogin Klaudia Felicitas von Östcrrcich-Tyrol. Der Fürst, zum Schiedsrichter über die Bildnisse der Beiden aufgerufen, gab, in ziemlich starken Ausdrücken, gegen die Nebenbuhlerin, der crstcrn den Vorzug. Der Kaiser huldigte seinem Geschmack. Gleichwohl fügten es seltsame Umstände, daß die Vermählung mit der Letzten: zu Stande kam, und Leonore von Neuburg erst die dritte Gemahlin des Kaisers wurde. Klaudia Felicitas, von Lobkowiz's Spöttereien über ihre Figur in Kcuntniß gesetzt und tief verwundet, beschloß Rache, (') und führte dieselbe, zumal mit Hülfe der Jesuiten, auch aus. Das Schicksal des Ministers ist bekannt; aber eben so auch, daß die Kaiserin Leonore nachmals der Familie des Gestürzten auf alle Weise eine Dankbarkeit zu erweisen suchte, die sie dem Vcrthcidiger ihrer Person und Wahl, wegen seines inzwischen erfolgten Todes, nicht mehr zu bezeigen im Stande war. l') — — ruanet alla »reute repestuin üuäioiuiu ?arin»ie> einst durch ein Mißvcr- stäuduiß eine Ohrfeige gab. Mau lasse den guten Emanucl lieber nach Malta reisen, statt ihn zum Edelknaben zu machen. Ich bitte Euer Lieb.dcn zum Höchsten, Sie wolle doch, weil nunmehr große Hoffunng zum Frieden, dergleichen Narrethei nicht gestatten, sondern diese wunderliche Frau z» einem Andern pcrsnadircn, auch die jungen Leute ihre Studia persequircn lassen, koste es, was es wolle. Ich wollte in Wahrheit — schließt Franz Egon — lieber für sie Vrod betteln, als daß ich sie Pagen sehen sollte. Der Herr Dauphin fragt fleißig nach ihrem Befinden; er bemerkte vor einiger Zeit: man habe ihm gesagt, sie würden nach Italien gehen, er wisse aber wohl, daß sie noch in Teutschland waren. Wenn man erst nun hören sollte, daß sie zu Pagen Ihrer kaiserlichen Majestät bestimmt, was würde man da nicht Schande und Spott davon tragen.« Es scheint nicht, daß seinem Wunsche wegen der Studien der jungen Prinzen sogleich Genüge geschehen, denn im Julius 1677 schrieb er darüber von neuem an Froben, und drang sehr auf Anstalten für die endliche Reise nach Parma. Es scheint, sie seycn wahrend dieser Zeit wieder in Paris gewesen, denn in dem Briefe räumt der Bischof die Notwendigkeit ein, daß sie von da aus (er selbst schreibt von Paris) fortgeschickt würden, »damit nicht auch wegen ihnen neuer Prätcrt sich nehmen lasse.» Als Subsi- stcnzmittel für sie weist er die Jntraden zu Weitra an; dagegen werde der Kaiser wohl nichts einzuwenden haben. Hinsichtlich Anton Egons räumte er selbst ein : dieser würde am besten thun, sich bei kaiserl. Majestät zu sisti- rcn, und audurch au den Tag geben, daß er sich einigen Eriminis nicht bewußt. Er hofft, der Kaiser werde diese Sache in allergrößte Konsidcration ziehen, indem leicht- llch zu erachten, daß man sich über diese Violenz beschwer reu und bei dem Friedcnskonvent die Sache anbringen werden müsse; sintemal es gar zu hart. Ehr, Reputation, Hab' und Güter sich entsetzen zu lassen. »In Summa — ruft der Prälat aus — die Verfolgung ist groß; der gütige Gott wird hoffentlich unsere Unschuld einst an den Tag geben.» Am Schlüsse des Briefes stellt Franz Egon noch fernere Betrachtungen über die gemeinsame Lage der in das Schicksal des Gefangeneu verwickelten Familicn- glicder an, und erklart unter andern, : »Wenn man gehörig eraminire, so werde erfunden werden, daß man weder gegen ihn, noch seine Vettern dergleichen 8u--pe,i5io s Vota et 8e8sione, ^livstiono bonorum et eorunclem -all- rmmsiraii'ons verfahren könne; ferner, daß es des Reichs Satzungen, dem teutschen Friedensschluß (zu Münster), sa den Rechten selbst schnurstracks entgegen laufe. Mir ist — seufzt er — von Herzen leid, daß wir dadurch endlich gezwungen seyn werden, diese unerhörte und zugefügte Violenz und Unfug der ganzen Welt zu erkennen zu geben. Wenn man aber nicht anders kann, so muß man's wohl, obgleich ungern) geschehen lassen, und seine Unschuld, so gut möglich, an den Tag bringen.« Der Bischof hielt auch Wort; er erschien nunmehr mit schriftlichen Klagen gegen die harten verfassungswidrigen Maßregeln des Kaisers vor dem Publikum, und suchte durch den Friedenskongreß zu Nymwegcn sich Erleichterung zu verschaffen. Obgleich Franz Egon mehr in seinem Verhältnisse als Vasall zum Kaiser und zum Reichstag betrachtet werden mußte, so fand doch Ludwig XIV., an dessen Hof er während seines freiwilligen Erils zum größten Verdrusse Leopolds I. — wie man oben ersehen — die meiste Zeit über sich aufhielt, Mittel, der Sache eine andere Gestalt zum Dortheil des Prälaten und zu Erhe- — 2S5 ' — bnng eines neuen Hindernisses bei den Negoziationen zn verschaffen. Er foderte den Bischof auf, eine eigene Denkschrift an den Kongreß einzureichen, sich darin als Rcichs- fürst und Mitiutercssent bei den Unterhandlungen geltend zn machen, und die Minister sowohl, als die Gesandten hatten gemessenen Auftrag, in asten seinen Schritten ihn bestens zu unterstützen. Der Bischof fertigte in der Thal den gewandten Duckcr, welcher schon früher zu diplomatischen Sendungen gebraucht worden, noch im Julius 1477 nach Nymwegcn. Er hatte für denselben wohl Passe vom Kaiser unterzeichnet, znr persönlichen Sicherheit, aber keine solche erhalten, welche seine Zulassung als Geschäftsträger in den Augen der kaiserlichen Gesandtschaft begründen konnten. Letztere stritt ihm auch diesen Charakter beharrlich ab, und da Ducker, um den Zorn Leopolds nicht noch mehr zu reizen, seine Aufwartung bei den Abgeordneten der verschiedenen Machte verschieben mußte, so sah er sich zu peinlicher und dcmü- thigender Unthätigkeit verdammt. Dieser Umstand gab Anlaß zu einem lebhaften Notenwechsel. Der englische Botschafter, Sir Jenkins, unterstützte Duckcrn gemeinschaftlich mit dem französischen in seinem Begehren, daß die kaiserliche Gesandtschaft ihn doch empfangen sollte. Diese wich gar fein mit der Bemerkung aus : Sie seyen nach Nymwegen geschickt worden, um mit den Feinden Ihrer k. k. Majestät und deren Verbündeten zu unterhandeln; nun werde aber der Bischof von Straßburg nicht als Feind des Kaisers, noch als Verbündeter irgend eines solchen Feindes, sondern als Vasall und Reichssürst betrachtet, welcher zu Negensbnrg bei dem Reichstag einen noch nicht entschiedenen Handel anhängig habe; dorthin müsse der Prälat sich wenden, zu Nymwegen habe er we- der etwas zu schassen, noch die Gesandtschaft des Kaisers daselbst mit ihm zu unterhandeln. Diese Erklärung verursachte heftige Erörterungen zwischen den englischen, französischen und kaiserlichen Minister»; ersterer behauptete: der Bischof müsse durchaus zugelassen werden, und stehe unter seines Königs besonder!» Schutz; die Sache sey auch gleich anfangs so verstanden worden; der zweite: die Frage, wer unter der Rubrik »Verbündete des allcrchristlichstcn Königs« begriffen werden müsse, sey ebenfalls in den Präliminar-Unterhaud- luugen dahin gelöst worden, daß nicht nur die unmittelbar im Kriege mit dem Kaiser begriffenen, sondern auch alle übrigen, welche irgend eine Art Zerwürfniß mit demselben gehabt, und in bcsondcrn Verhältnissen zu Frankreich gestanden, zugelassen werden müßten, und von diesem Grundsatz ausgehend, habe man für Ducker Pässe begehrt und ausgestellt. Der Nuntius, welcher damals kranklag, schien dieser Ansicht ebenfalls sich anzuschließen. Inzwischen griff Dnckcr die Behauptung der kaiserlichen Gesandten : »Franz Egon werde nicht als Feind des Kaisers betrachtet,« auf, und erklärte : darin liege gerade eine feierliche Rechtfertigung für seinen Herrn. Derselbe habe niemals in dieser Eigenschaft gelten wollen, und trotz des besondern, von der Krone Frankreichs genossenen Schutzes niemals aufgehört, seiner Pflicht gegen die Majestät des Reichs nachzukommen. Die französische Botschaft fuhr fort, die Zulassung Ducker's emsig zu betreiben, und legte ihre Verwunderung an den Tag, daß man diesem Abgeordneten Pässe ausgestellt und ihn nun doch nicht erkennen wolle, daß man den von Lothringen angenommen, und den von Straßburg verweigere. Beide Fürsten befänden sich in gleichem Verhältnisse, und es liege in der Art, wie man hier verfahre, — 297 — ein auffallender Widerspruch. Die kaiserliche Botschaft dagegen erklärte (unterm 27. Oktober) man hatte ihrer Seits geglaubt, die für Nichtzulassung des Abgeordneten Franz Egon mitgctheiltcn Gründe hätten die Herren Gesandten und Vermittler hinreichend beruhigen sollen. Da der Bischof selbst sich nicht als Feind des Kaisers betrachte, wofür er denn nach Npmwegen einen Gesandten zu schicken habe? Seine Irrungen müßten zu Negensburg, als vor dem allein zuständigen Forum, gelost werden. Wenn er. als Partei auf dem Konvent auftrete, so verrathc er selbst, daß er in der Reihe der Feinde Sr. Majestät und des Reichs gestanden, und zugleich damit seine eigene Schande; denn ein Unterthan der Beiden könne niemals ohne Makel als Verbündeter der Feinde derselben austreten. Da überdies die französischen Gesandten öffentlich erklärt, zwischen ihrem Monarchen und dem Bischof von Straß- bnrg bestehe keinerlei Vertrag, noch Bündniß, so falle ja die Eigenschaft eines Alliirten von selber weg. Dieser Ansicht pflichteten auch die Botschafter der Gcneralstaaten bei, doch meinten sie, der Bischof müsse unter der Rubrik: «Freunde und Anhängern begriffen werden. Nach diesem Hin- und Hcrreden und Unterhandeln von verschiedener Seite übergab endlich Ducker, unter letztem Oktober, dem Kongreß nachstehende Erklärung seines Herrn, welche sowohl die Grundsätze und Gefühle, die ihn geleitet, aussprach, als eine Übersicht des Standes der Sache und der vorhergegangenen Ereignisse enthielt. »Es ist notorisch, daß Sc. Durchlaucht, der Fürstbischof von Straßbnrg, in dem letzten blutigen Kriege gar keinen Thcil genommen, nicht einmal gegen die vereinigten Provinzen, obgleich dieselben eigentlich nicht als Bundesgenossen Sr. kaiserl. Majestät und des Reichs, sondern vielmehr als Usurpatoren mehrerer, dem Reiche gehörender Orte, zumal der so wichtigen und von Ehurköln abhängenden Grcnzfeste Rheinbcrgen zn betrachten gewesen wären; und daß somit kein Vorwurf jenes Büudniß des Erz- bischofs mit Sr. allerchristlichsten Majestät treffen könne, dessen Hauptzweck blos dahin gegangen sey, ein Hauptbollwerk des Landes und des Reichs wieder zu gewinnen, und eben so wenig den Krieg, welcher darüber mit den vereinigten Provinzen sich entsponnen. Der Bischof von Straßburg that in seiner Lage, was jeder erste Minister eines Churfürsten und Erzbischofs, und jeder für das Wohl der Kirche und des Reichs eifrige Staatsmann in ähnlicher Lage thun mußte; gestützt auf die Vorschriften des nach so mörderischem Streit und mit so schweren Opfern begründeten Friedens von Wcstphalen und auf den Inhalt der darauf ruhenden kaiserlichen Wahlkapitulation, nahm er kein Bedenken, seinem Herrn, dem Erz- bischof, anzurathen, daß er eines notwendigen und keinem Rechte widersprechenden, ja durch wiederholte Jnter- positionen des Kaisers und der Reichsfürsten erlaubten Mittels sich bediene, um so mehr, da nicht leicht voraus zu sehen war, daß der Kaiser oder irgend ein Stand des heiligen Reichs mit Fug in einen Krieg sich einmischen und sogar gegen einen getreuen Fürsten des Reichs auftreten würde, bei dessen Erklärung alle bestehenden Verhältnisse zu dem Kaiser ausdrücklich vorbehalten worden. Die Beziehungen Sr. Durchlaucht zum Könige von Frankreich sind — wie man schon einmal öffentlich erklart hat — keine andern, als daß letzterer dem Bischof von Straßburg dieselbe Garantie leistet, welche ihm der westphälische Friede hinsichtlich aller Neichsfürsten auferlegt. Die bei Anlaß jenes Krieges geschlossene Allianz enthält keine andern Bestimmungen, sondern blos eine besondere und wiederholte Übernahme einer schon bestehenden Verbindlichkeit --- SS9 -- und die Zusicherung des Schirmes für die Person Sr. Durchlaucht und deren Familie, in Fällen, wo sie desselben bedürftig seyn könnten. Die Allianz selbst legt keinem der beiden Theilc irgend eine spezielle Leistung auf. »Allein Jedermann weiß, wie wenig ans diesen Standpunkt der Tinge Rücksicht genommen, wie der mit Sr. allerchristlichstcn Majestät geschlossene Vertrag für nichtig erklärt, und wie, in Folge der gewaltsamen Verhaftung seines Bruders Wilhelm, am Friedcnsorte selbst vorgenommen, (ein Attentat, über welches die öffentliche Meinung sich hinreichend ausgesprochen) der Bischof — wie wenn er alS Neichsfcind sich dargestellt — mit ähnlichem Schicksale bedroht worden ist; ferner, wie man kaiserlicher Seits sogar gegen Minister des Churfürstcn und Abgeordnete des Domkapitels die dürren Worte gebraucht : «Der Bischof soll sich nach Frankreich packen!« endlich, wie man, als Se. Durchlaucht zu Lüttich die Entscheidung des Kai- scrhofcs ruhig abzuwarten sich erklärt, die Versicherung ertheiltc: weder Frcigclcite werde hiezn bewilligt werden, noch der Bischof selbst an geheiligten Stellen vor der Ungnade des Monarchen sicher seyn. «Se. Durchlaucht, von gerechter Entrüstung ergriffen und außer Stande, für seine Sicherheit durch ei» anderes Mittel, als das der Flucht, zu sorgen, mußte den Weg nach Frankreich nehmen, welcher allein Ihr offen stand. Sie begab sich also vorerst nach Rheims und sodann nach Rcmy, in die Abtei Ihres gefangenen Bruders, wo Sie so lange verblieb, bis Se. allcrchristlichste Majestät, sowohl aus eigener Bewegung, als im Namen Ihrer Mit- verbündeten, Sie unter besonder» Schutz nahm, und den eigenen Pallast zur Wohnung Ihr einräumte. «Dieser Umstand hinderte jedoch keineswegs, daß nicht der Bischof bei gllcn Gelegenheiten dem wiener Hof spre- — 300 — chende Merkmale tiefer Unterthänigkeit gegen die Person des Kaisers und aufrichtigen Eifers für das Reich gab, namentlich aber dadurch, daß er seinen Geschäftsträger eigens nach Wien abordnete, daselbst das Gezwungene seiner Flucht und zugleich die Absicht erklären ließ, in das Reich und in seine Staaten zurückkehren zu wollen, von demselben Augenblick an, wo man ihm hinlängliche Sicherheit gewahrt haben würde. Allein, statt hierauf ihm genügende Antwort zu erthcilen, welche mit so großer Sehnsucht erharrt wurde, warf man vielmehr den Abgeordneten in's Gefängniß, und behielt ihn länger als ein Jahr darin, ohne irgend einen Beweggrund mitzuthcilcn, und ohne irgend ein Verhör mit ihm anzustellen, ja vielmehr mit der förmlichen Versicherung : man werde ihn so leicht nicht wieder frei lassen. »Inzwischen gewannen die Angelegenheiten Sr. Durchlaucht täglich eine schlimmere Gestalt, und auf eine, in den Annalen des Reichs unerhörte Weise, und unter dem schaalen Titel: »Kaiserlicher Widerrufungen» entbandman Sie nicht nur von Sitz und Stimme, so auf den Reichstagen Ihr zugestanden, sondern beraubte Sie sogar Ihres Bisthums und des' Besitzes anderer Fürstenthümer im Reiche, verweigerte Ihr jedes Mittel, sich zu rechtfertigen, sowohl bei dem Kaiserhof, als auf dem Reichstag; nud all dieses geschah mit unziemlicher Hast, in Folge eines einfachen Dekrets Sr. k. k. Majestät; die Unterthancn wurden vom Eid der Treue losgesprochen, Zehnten, Gefälle und andere Einkünfte geradezu eingezogen, und sogar diejenigen der Abtei Stablo in Beschlag genommen, einer Besitzung, die der Hoheit des Kaisers doch gar nicht unterworfen ist, sondern einen Bestandtheil des spanischen Herzogthums Luxemburg bildet, gemäß einer Ordonnanz vom 19. Februar 1674. — 301 — »Gleich gewaltthätige Verfolgung erlaubte der Kaiser sich auch gegen des Bischofs Neffen, den Prinzen Anton von Fürstenberg, welcher nach eingegangenem Verlöbuiß nach Frankreich reiste, um daselbst seine Heirath zu vollziehen — eine Sache, welche das Völkerrecht allen Menschen gestattet — und fünf Monate später nach Teutschland zurückkehrte. Auch dies geschah unter dem Titel von ».Revokationen,« wiewohl diese auf vorliegenden Fall ganz nnanwendbar waren. Man nahm ihm auch nicht nur Sitz und Stimme zu Regensburg, sondern selbst Land nnd Güter, und zwar so vollständig, daß er sogar von dem Nöthigsten zu seinem Lebensunterhalt cnt- blöst ist. »Bei solchem Verhalt der Dinge, welche der Bischof, laut früherer feierlicher Erklärung, nur zur Vertheidigung seines Rechts und seiner Ehre nachgedrungen angeführt, finden sowohl er als seine übrige Familie sich auf eine Weise mißhandelt, die im Reiche kein Beispiel und auch nicht den mindesten Grund im Rechte für sich hat, und er glaubt daher ganz billig die Forderungen stellen zu dürfen : daß sein Bruder, der gefangene Prinz Wilhelm, auf freien Fuß und in Genuß aller seiner Würden, Pfründen, Stellen, Rechte und Gefälle gesetzt werde; zweitens: daß das Gleiche bei ihm und zwar in der ganzen Ausdehnung und auch in Bezug auf Land und Leute, Vasallen und 'Besitzungen Statt finde, wie er es vor dem letzten Kriege inne gehabt; endlich drittens: daß der eingeleitete Fiskalprozeß wider seinen Neffen, Prinz Anton, niedergeschlagen, der verhängte Sequester aufgehoben und für die erlittenen Einbußen Ersatz geleistet werde. Überdies soll die dem Prinzen Wilhelm und der übrigen fürsten- berg'schen Familie zu gewährende Garantie einen beson- — 202 — dem Artikel des Friedensvertrags und zwar in bestimmten Worten bilden.« (') Der, nach unsäglichen Schwierigkeiten und Hemmungen endlich zu Stande gekommene Fricdenstraktat von Nym- wegen erhörte die Wünsche des Bischofs und öffnete die Pforten des Gefängnisses zu Neustadt. Den drei Fürsten- bergeru ward vollkommene Amnestie für alles Geschehene und Wiedereinsetzung in ihre Güter und Würden verbürgt, und diese Bestimmung bildete den 23. Artikel des Gcsammt- 2nstrumcntes.<7) Am 4. August 1679 sah Wilhelm den König persönlich wieder, und erstattete ihm seinen wärmsten Dank für alle, zu Erwirkung seiner Freiheit unternommenen (') Französisch in den G^- PLUS NoviomgAsnsis« nennt, die Urkunde des Königs Ludwig XlV., welcher alle etwa zwischen ihnen bestandenen Verhältnisse aufhob, und das angebliche Vollmachtmandat des Markgrafen Hermann von Baden, welches der Gesandte, als wider ihn zeugend, gelten machen gewollt. Der wiener Hof hatte bei Zeiten mit Rom, dessen Verhältnisse zu Ludwig XIV. bekannt waren, auf den vorkommenden Fall sich verstandigt, und Jnnocenz dem Kaiser das bestimmte Versprechen ertheilt, den verhaßten Fürstenberg nicht bestätigen zu wollen. Schon bei der Koadjntor- wahl hatte es Schwierigkeiten gesetzt und der Pabst seine Zustimmung verzögert. Ans die Nachricht von Marimilian Heinrichs Tode beeilte er sich, dem Kapitel durch ein Brcve einzuschärfen, daß es ja einen Mann wähle, «welchen hervorstechende Eigenschaften zu der hohen Stelle fähig und zu rühmlicher Erfüllung aller Theile seines Hir- tenbernfes würdig machten, auch welchen der heilige Geist ihnen eingäbe.« In gleichem Sinne redete der Nuntius, Marco de Cpinola, welcher das Brcve übermachte; er empfahl ja vor allem eine strengkanonische Wahl, Dieses Brcve war eigentlich die Antwort auf ein Schreiben des Kardinals an Se. Heiligkeit, worin er ans die frömmste und dcmüthigste Weise die Beweggründe der Annahme des ihm bestimmten Amtes entwickelt, und seinen Eifer für den apostolischen Stuhl, so wie für das kölner — Z32 — Erzstift (') versichert, des PabstcS Segen und seine Genehmigung für den Fall seiner Postnlation sich erbeten, und schließlich noch den sehnsüchtigen Wunsch seines Herzens ausgedrückt hatte, noch einmal vor seinem Lebensende die Füße des heiligen Vaters küssen zn können; und eben so auf das andere, worin das Kapitel seine Absicht niitgcthcilt, den Kardinal, seiner überwiegenden Verdienste um die Kirche wegen, postuliren zu wollen. Gleichwohl hatte der Pabst nicht unterlassen, durch ein freundliches Trostschreibcn die Pille, so süß als immer möglich, zu verzuckern, und dem Kardinal für die entnommene Hoffnung eine ansehnliche Zahl von Privilegien und Rcchtsamen für seine Person und Lcbczcit anzutragen. Sowohl in diesem, als in dem Begleitschreiben Spinola's wird von der "Größe der Tugenden und Verdienste Wilhelm Egons« gesprochen; um dafür — seltsamer Widerspruch — einen minderjährigen Jüngling auf den wichtigsten Kirchcnstuhl Teutschlands zn setzen. Am 19. Julius ging der Akt endlich vor sich; die anwesenden Glieder des Kapitels waren, außer dem Dom- dechant, Kardinal W. Egon, und dem Range nach: der Fürst Philipp Eberhard von Crop, (H der Graf F. G. von Aspermont und Reckum, der Graf F. A. W. von Ostfriesland und Rittberg, der Graf F. R. von Fürstcn- bcrg, der Graf A. von Salm.Neifferschcidt, der Fürst F. B. von Nassau, der Prinz A. L. von Ncuburg, Tcutsch- Ordcnsmeistcr, der Graf K. G. von Aspermont, der (') Fürstcnberg stellte eS, fein genug, als Gcwissensdrang bin, waS ihn bestimme, der kölner Kirche vor allen übrigen, seiner Sorgfalt anvertrauten, den Vorzug zu schenken und hinfüro mit ihrem Wohl ausschließlich sich zu beschäftigen. (') So muthmaßen wir. Im Dokumente fehlt der Familienname. - 3ZZ - Graf E. D. von Manderscheit-Falkenstein, der Graf H. F. von Königsegg, der Graf G. F. von Hoheuzollcrn, der Graf M. PH. von Manderscheid der Prinz F. L. von Neuburg, Bischof zu Breslau, der Fürst PH. H. von Croy, Heinrich Mehring, Thomas Quantel, Christoph Geyer, I. P. von Quentel, I. F. Anethan, Bischof von Hicrapolis, A. Wormbs, I. G. Belker, A. Dahmcn. Der Domdcchant eröffnete die Sitzung auf die übliche Art, in Gegenwart der gcschworncn Notariell und Syn- dikcn, und das Ergcbuiß der Vorladungen wurde bekannt gemacht, eben so auch die gewöhnliche Nachfrage gehalten, ob keiner der Anwesenden eine Vollmacht für irgend einen Abwesenden habe? Blvs der Markgraf von Baden fehlte; gegen seine Vollmacht, als in Form und Styl ungewöhnlich, wurde zwar clo jurs Einsprache gemacht, jedoch sts 5-iclo dieselbe zugelassen. Der Kardinal erklärte, daß alle Kapitnlarcn somit anwesend und die Erklärung in ccmlumllciam überflüssig scy. Sofort hieß er, vermöge seines Amtes, alle etwa mit den Strafen des Bannes, des Interdikts, der Suspension, der Irregularität u. f. w. Belasteten sich freiwillig angeben. Nach diesem übergab der Domherr I. G. Beqnercr dem Sckrctair des Kapitels eine Verwahrung, unterzeichnet von dem Herzog und Pfalzgrafcn Franz Ludwig, vom Prinzen Croy und vom Grafen Königsegg. Diese begehrten, daß die Schrift öffentlich verlesen würde, und diejenigen Herren, welche ihnen beipflichteten, ihre Ansicht ohne Scheu durch Beifügung ihrer Unterschrift bezeugten. Die Protestation sprach von einigen »Erkommunicirten,« welche im Kapitel sich befänden, von der Notwendigkeit geheimer Abstimmung, und dergleichen mehr. Trotz anfänglichen Widerspruchs, den der Aufsehen erregende Schritt von Seiten der fürsteuberg'schcn Partei erlitt, las man den Inhalt wirklich vor; doch erhob sich der Kardinal mit Heftigkeit gegen diese ungewöhnliche und unförmliche Weise zu protcstiren, und erklärte die Schrift für einen Versuch, Parteigcist im Kollegium anzufachen, das Wahlgcschäft zu unterbrechen, und ihn, den Dcchauten selbst, in Vollzug seines Amtes zu stören. Diejenigen, welche solcher Handlung sich unterstanden, hatten ihres Stimmrechts sich gleichsam unwürdig gemacht. Die Bezeichnung der angeblich Erkommunicirtcn, mit Namen und ohne Umschwcif, hatte gleich anfänglich geschehen sollen, als der Domde- chant deshalb die Frage gestellt. Die übrigen Punkte wurden dem Kapitel zur Entscheidung überlassen. Diese fiel, durch Mehrheit, dahin aus : Die Verwahrung gedachter Domherren könne zwar bei dem Protonotar zur Bewahrung niedergelegt werden, doch übe sie, da von keinem wirklich Erkommunicirtcn unter den hier Anwesenden etwas bekannt, ans das Schicksal der Vcrathungen keinen Einfluß mehr aus. Hinsichtlich der Form bei der Abstimmung soll das gleiche Verfahren Statt finden, wie bei der letzten Koadjntorwahl, nämlich, jeder Kapitular soll aufgefordert werden, sein Votum mündlich ablegen. Nun trat auch noch Herr Christoph Friedrich Geyer auf, und behielt sich in seinem und anderer Metropolitan-Dompriestcr von Köln Namen das aktive und passive Recht vor, das sie sonst genossen, und welches durch diesen neuer» Wahl- oder Postulations-Akt ihnen nicht entzogen werden könne. Der Kardinal crwiederte: wenn sie dies Recht historisch zu erhärten im Stande waren, so würde es ihnen nicht entzogen werden können; aber die Beweisführung liege ihnen ob. Damit hatte es sein Bewenden. Die Abstimmung ging nach dem Gesänge: »Komm, heiliger Geist!« vor sich; doch entstand bald ein heftiger Zwci- spalt, da die Mehrheit, aus dreizehn Stimmen bestehend, — 335 — postulirt, die Minorität, von neun, jedoch gewählt hatte. Letztere wich durchaus nicht; der Postulirte war Wilhelm Egon von Fürstenberg, der Gewählte Prinz Joseph Klemens von Baicrn, wie schon bemerkt, noch nicht einmal zur Großjährigkcit gelangt. (') Nach langwierigen, Kit« tcrn und nutzlosen Debatten feierte die Minderheit endlich ihren Sieg und verkündigte feierlich Klerus und Volk von Köln die Ernennung des Kardinals zum Nachfolger Maximilian Hcinrich's, empfahlen Beiden Treue und Gehorsam, dem neuen Fürsten aber Vertrauen in das Kapitel und Milde gegen seine Uuterthanen. Allein es fehlte viel, daß die Sachen dabei geblieben wären, vielmehr erhob sich darüber ein hartnäckiger und wcitberüchtigter Handel, welcher abermals die Leidenschaften nach verschiedenen Seiten hin entflammte und verhäng- nißvoll in das öffentliche Leben von Europa eingriff, da machtige Schützer und beredte Federn für beide Thcile auftraten und die Politik sich eines Gegenstandes bemächtigte, welcher, seiner eigentlichen Natur nach, ein rein kirchlicher Akt gewesen seyn sollte. Der Kaiser, der Pabst, Frankreich, das Haus Beuern ließen alle Minen springen, um den einen oder andern der beiden Kandidaten durchzusetzen oder zu verdrängen. Der Kardinal hatte nicht gesäumt, seine Postnlation, noch ehe die pabstliche Entscheidung eingetroffen, den benachbarten Churfürsten und Fürsten, sammtlichen fremden Kabinetten und auch dem Reichökonvent überhaupt, unter dem Siegel des Domstiftcö und durch das Organ des Ll- ccutiateu Holzem mitzutbcilen; sodann Jnnocenz X. um gnädigste Bestätigung und die protestantischen, bei der (') Zwei Stimmen waren auf den Prinzen L. A. von Neuburg und auf den Grafen von Neckheim gefallen. — 536 — Churwahl interessirten Stände, Fürsten sowohl, als Stifter, namentlich aber Sachsen und Brandenburg um Beschützung des Aktes anzugehen. In mehrcrn dieser Schreiben waren heftige Ausfalle auf die Absichten der Minderheit und bittere Spöttereien auf diejenigen enthalten, welche in verhängnißvollen Zcitlagcn dem wichtigsten teut- schen Kirchcnsprcugel einen Knaben zum Beherrscher aufzudringen gedachten, da doch durchaus ein Mann von Kopf und Muth erfordert würde. Daß weder das österreichische Kabinet, noch das baierische Haus darin verschont blieben, ließ sich nach den Vorfällen von 1674 und den Versuchen des Grafen Kaunitz, unmittelbar vor der Churwahl, leicht denken. Die Minderheit sah sich genöthigt, sowohl zu Rettung ihrer Ehre, als zu Anfrcchthaltung ihrer Wahl, eine feierliche Verwahrung dem Druck zu übergeben und Kaiser tlnd Pabst um Beistand anzugehen. Die neuen Domherren erklärten alle die unter dem Stiftsiegel ausgegebenen Schreiben für Akte einer Partei, welche großcntheils gegen Ihren ausdrücklichen Widerspruch ausgefertigt worden; die Gründe wegen der Unfähigkeit des Prinzen von Vaicrn, namentlich wegen allzu großer Jugend und Un- crfahreuheit (nach empfangenem Indulte des Pabstes) für unerheblich und unzureichend; die Behauptungen, daß des Kaisers Drohungen zu ihrer Wahl sie bestimmt, für unwahr und ehrenrührisch; im Gcgentheil behaupteten sie, daß jene ihrer Kollegen, welche den Kardinal postulirt, vorher sich ihm eidlich hiezu verpflichtet, somit ihr Stimmrecht verscherzt und ihren Akt an und für sich schon nichtig gemacht hätten. Nach diesem wurde als ein fernerer, verfassungs- und kirchcnrcchtwidriger Schritt des Koad- jutors angeführt, daß er sämmtlichc Civil-und Militair- Behördcn des Churstiftö zu einem neuen Eid an denjenigen — 337 — im Voraus genöthigt, welchen die Mehrheit des Kapitels zum Erzbischof ernennen würde; damit habe er auch zu? gleich einen Mangel an Ehrfurcht gegen den heiligen Stuhl und dessen Entscheidung an den Tag gelegt. Sie verwahrten schließlich sich gegen alle Handlungen, Befehle und Maßregeln, welche der Herr Kardinal in der Eigenschaft als Erzbischof und Ehurfürst als in einer Würde, die ihm nicht zukomme, seit dem Wahltag vorgenommen und getroffen. Beide Theile übergaben in ausführlichen Abhandlungen ihre Ansprüche und deren Rechtstitel dem Publikum zur Bcurthcilung, während Satyren und Pamphlete mannigfacher Art, die Hanptangriffc unterstützend, von verschiedenen Punkten her den kleinen Krieg organisirten. Es ist weder des Geschichtschrcibers Wille, noch Aufgabe, in diese bogcnrcichcn Traktate ausführlich einzugehen, wozu das Staats- und Kirchcurccht, die Geschichte und die Politik Geschütz in Menge darlicfcrte, und eben so wenig in die Spielereien geistvollen Muthwillcns, denen die Leidenschaft des Herzens als Grundtriebfeder auf den ersten Blick vom ruhigen Beschauer angemerkt wird. (') (') D>e Hauplschrift für den Kardinal führt den Titel: Auckl Speeles, cum »oliüa remonstratioue nnn existentis pra?» tensie Dlectionis Lersuissimi ?rincip!s, ^os. Llementls Aauar. Auels / juncta resolutione cliversarum gmrstionum pro Nr» mainla Di»inei>t!s»!mi Lkretlna/ls DunctAraull cte AursisnierF etc. i» ^rcliiepiscopum et l'rincipem INectvrem ttolouieosom, solcmni postulativne a majori ei saniori parte illnstr. (iap!- tnli kietropol. Lolon. clie ig. Kiens, iul. iö83. (ium aüjuuctis Lummariis. ii.. iliög. (ohne Druckorl). Die Hauplschrifc für den Prinzen von Baier» : , sen ite/lu?» , cjuo Diectiu t-nuinica üv Uevsvna Lere- mi?s. et. UeversnUiss. D"' L/smentis, ntr. Lavar. as III. 22 — 3Z8 — In einer der gelehrten, historisch-staatsrechtlichen Abhandlungen findet man vorzüglich heftige Ausfälle gegen die Vcrrätherci einer gewissen Partei, an der teutschen Nationalität und zu Gunsten der Franzosen, eingewebt. Als Hauptgrund, warum der Pabst die Postulation Für- stenberg's nicht zugelassen, wird die Furcht vor einem Schisma zwischen Kirche und Reich hingestellt, welches Schisma, bei der großen Erbitterung des Kaisers gegen den Kardinal, die unausbleibliche Folge einer Churwahl des Letztem gewesen seyn würde. Als ein Hauptgrund der Unzweckmäßigkcit derselben: das Bestreben Fürstenbcrg's, seine Sache durch französische Hülfsvölker durchzusetzen, und, zum allgemeinen Ärgerniß aller Patrioten, das kaum aus Kriegsflammen errettete Köln denselben abermals z» überliefern, ja die Wahlherrcn selbst der Gefahr preis zu chalatiuat. Ducis etc. in ^rcliiepiscnpum et Urincipsirr DIectn- rem Oolvriionseru celebrata, per Zatz-rar» (zuauclairr anonz^inain iiriprabe impuxnata ete. cpue iäeo contra tain irnprubos insul- tus in lioo scripta optimis ac soliüissilnis iunUaineutis Iuris Lauouici propuguatur et äekeiniitur. Ltuüio et Opera siuceri lustiti»! cultoris D. IN. L. L. kl. t). L. It. V. O. I. dt. ?. rsSg, 4°. Auch hier sind Urkunden beigefügt und mehrere, die in ersterer Schrift fehlen. Noch eine Apologie für den Baiern erschien unter dem Titel : vecas vubioruin eiank , nata ex ?acti Lpecie et stoliüa remonstra- tione non existent!» Llectionis Z. Ur. ae O, D, /os. tl/emen/is Lsr. Ouc. etc. fAbgedruckt in ibün-A. dkeg. pulil. Lz?IIoge p. ioi5 — roZK. Vienu«. H°), herausgegeben, wie das Ganze vermuthen läßt, auf höhcrn Antrieb. Auch hierin ist der Ton nicht feiner und der Styl nicht edler, als in der erster». Diese drei Schriften, mit den Dokumenten bei und ^un-A» entHallen die wichtigsten Materialien für diesen berufenen Handel. -> 339 — geben, die seiner Postulat!»« Widerstreitenden mit Haß zu verfolgen und zu seiner Partei mit Gewalt hinüber zu zwingen. Der Übermuth, mit welchem Fürstenberg gleich bei Erledigung des erzbischöflichen Stuhles sich bereits als Herrscher gebchrdet, die Ankunft der fremden Truppen im Lande und die furchtbaren Kriegsrüstungcn, welche aus den alleinigen Kräften des Erzstifts nicht bestritten werden könnten, deuteten auf eine fremde, größere Macht und auf ein Verhältniß mit derselben. Die ganze Tendenz des Kardinals liege klar vor Augen; man wolle hinsichtlich Kölns das Beispiel von Metz, Toul und Verdun wiederholen. Jener habe gut sprechen : die Unterthancn des Erzstifts hätten von den französischen Truppen nichts zn besorgen; der Werth solcher Versicherungen sey hinlänglich bekannt. Den meisten der von Fürstenberg mißbrauchten Domherren schwebte blos die eine, annehmbarere Seite ihres Schrittes vor; doch habe gerade das ganze Gewicht der so sehr hervorstechenden Gcgengründe die andere Partei um so beharrlicher für die Wahl des Vairrn und desto gleichgültiger gegen die sonst schätzcnswerthcn Eigenschaften des Kardinals gemacht. Demselben widerstritt auch, außer jenen Gründen, der größere Glanz des Geschlechts bei seinem Nebenbuhler; dieser Umstand entging seinem Scharfsinn nicht, und darum suchte er seine Hülfe in den Waffen der Fremden. Dem Kardinal kann eine große Keuntniß der Geschäfte und ein durchdringender Blick in die politischen Verhältnisse nicht abgestritten werden, und eben so wenig die Fähigkeit, an der Spitze einer Regierung zu stehen. Aber auch der Prinz von Baiern besitze viele treffliche Eigenschaften, natürliche Früchte der ange- borncn Würde, Klugheit und Weisheit seiner Familie, und was Andere von minderm Glanz des Geschlechts durch langes Ringen und Streben, durch kostspielige Reisen und - 340 — harte Erfahrungen erst sich erwerben müssen, das besitzt ein solcher Fürst schon von Haus aus. Auch die Tugend der Müßigung ist bei geboruen Herrschern mehr, als bei bloßen Emporkömmlingen zu treffen, und nur selten wissen diese ihr Glück zu ertragen. Wie anerkannt nun auch die Verdienste und Vorzüge des Hauses Fürstcnberg, so kann es doch keinen Vergleich mit dem Hause Baiern ans- dalrcu. Doch gesetzt, dieser könne auch Statt finden, so war doch das Veuehmcu der beiden Prinzen von einander sehr verschieden. Der Kardinal, nach dem Beispiel seiner Vorfahren anfänglich in kaiserlichen Kriegsdienst getreten, verließ diesen bald wieder, auf den ersten Verdacht gegen seine Verdienste, fiel von Kaiser und Reich ab, und trat in die Reihen des Feindes über; dagegen gehören die Verdienste Klemens Josephs und seiner Familie ganz Teutschland an, besonders aber diejenigen Marimilian Emanucls, des Herkules der tcutschen Nation. Von einem solchen Vater kann der Stamm nur trefflich ausfallen. (') Die Behauptung, daß Fürstenberg's Postulation der Preis der vieljährigen, um das Erzstift erworbenen Verdienste sey, klingt lächerlich, denn er empfing mehr Wohlthaten von demselben zurück, als er selbst ihm erzeigt. Das Gleiche kann von dem baier'schen Prinzen nicht gesagt werden. Unter den scherzhaften und witzigen Streitschriften über den merkwürdigen Handel, welche hinter einander sich drängten, »ich Europa thcils belustigten, thcils ärgerten, (') Es ist interessant zu leben, wie bei der biSber völligen Passs- vilcit des Prinzen, der in seinem bisherigen Leben noch gar nichts, weder gutes, noch böses, gethan, außer daß er als Knabe schon zu RegenSburg Bischof geworden, die Verdienste der Familie als Supplement künstlich mit eingeschoben werde». (') Dettro ü'nn ZentillittMine ile klnelilre? ü nn stv ses am!«, sur las allalro« rle Lolngne et ük k,!eze. (!l>l»gne >t>83. tj". (') Dieser zweiten Satyre, von welcher wir nur Auszuge gesellen, wurde enie andere entgegengesetzt : »Entdeckung der listigen Kunststücke, womit die Franzosen die katholischen »nd protesiirenden Stände an einander zu Hetzen gedenken, auff daß Sie durch ihre Trennung endlich alleine herrschen und in gantz Europa die Meisterschafft und Oberband behalten mögen. Bon Hi'ncera (latllnlicn.» Auch die s.l'tti^ ils HI»„»!enr her, zur Bezeichnung der französischen Politik hmstchtltch der Verhältnisse zu W- E. von Furstenberg uns zu Teutjchiand. — Zstl — müssen besonders die Briefe eines geldrischen (') nnd eines lütticher Edelmannes angcfübrt werden, von welchen die letztere nachmals, ans Betrieb der siegreichen Partei zu Lüttich, auf öffentlichem Markte und durch Henkcrshand, verbrannt worden ist. (') Fünfzehntes Kapitel. Fortsetzung. — Folge der köl »er Affaires« rTent schlank und Europa. — Die lütticher Bischofs wähl. — NyswykerFriede. — Wilhelm Egon zu St. Germain. ( ) ^)ie Bemühungen der bezahlten Schriftsteller dienten nur dazu, die ohnehin große Erbitterung der Kabinette noch mehr zu verstärken. Der Pabst hatte, gleich unterm 15. Herbstmond, wie Jedermann voraus wußte, die Wahl des Prinzen von Vaiern bestätigt, und an diesen selbst drei Tage später das erforderliche Brcve erlassen. Zu Wien herrschte darüber außerordentlicher Jubel, und die Gesandten zu Rcgensburg arbeiteten kräftig an Aufrechthaltung der Wahl, während man von München aus, durch den gewandten Karg, welcher schon früher alle erdenklichen Jntriguen und Zudringlichkeiten zu Gunsten Klemens Josephs verschwendet hatte, unausgesetzt für diesen fortarbcitcte. Auch von Brandenburg und Holland aus (') Die Hauptquellen zur Geschickte des merkwürdigen Churwahl« sireiteS sind oben angegeben; sonst aber handeln fast alle Berichterstatter über jene Zeit mehr oder minder ausführlich darüber; ihre Namen und Werke anzuführen, wäre hier überflüssig. — 343 — zeigten sich die Rückwirkungen alter Empfindlichkeit. Die Zufriedenheit der Letztem, znmal über die Niederlage eines Gegners, in welchem sie bereits einen furchtbaren Nachbar von früherer Zeit her kennen gelernt, laßt sich nicht wohl beschreiben. Allein nun trat ein furchtbarer Alliirtcr für den Kardinal in der Person des französischen Königs auf. Ludwig XlV. sah das Ganze für einen Sieg an, welchen das wiener Kabiuct über seine Diplomatik davon getragen, ein Sieg, der eben so schimpflich für den überwundenen Theil, als manche langbercchnctc Plane durchkreuzend erscheinen mußte. Persönliche Empfindungen (') und politische Rücksichten trieben daher gleich sehr ihn an, alles aufzubieten, um den Vollzug der Wahl des baicrischcn Prinzen zu verhindern. Alsbald brachen Truppen gegen das Erzstift auf, und besetzten, laut Abrede mit dem Kardinal, die festen Platze. Darauf trug der König, als Garant der münster'- schcn und nymweg'schcn Friedensschlüsse und in Kraft des bekannten, von den Publizisten der Gegenpartei mit so vieler Bitterkeit angezogenen lurcmburgcr Traktats von 1687, dem Domkapitel seinen Beistand zu Aufrcchtbaltnng der Wahlfrciheit gegen jeden Angriff von Außen an. Zu gleicher Zeit übergab auch der Gesandte, Versus Graf Erccy, zu Regensburg eine sebr feste Erklärung des Hauptinhalts : Nachdem Se. Majestät der allerchnstlichste König alle die Parteinmtriebc und die kirchcnvcrfassnngswi- l') Der König und die Frau von Maintenon zeigten einige Zeit hindurch die übelste Laune von der Welt über das Geschobene; verschiedene Personen, welche sich Spöttereien oder Freuden- äußerung' N über Fürstenbergs Zurücksetzung erlaubten, fiele» in Ungnade. Vergleiche auch darüber die IcksinoirLs Nr- lilaN. rle lilaiutenoil. — 344 — drigcn Mittel manigfachcr Art in Erfahrung gebracht, wodurch man die Erhebung des Kardinals von Fürsteuberg auf den erzbischöflichen Stuhl zu hindern suchte, und nachdem gegen ebendenselben in voller Kapitelsttzung und in Folge direkter Mitteilungen Sr. kaiserl. Majestät eine Ausschließung von der Wahl vorgeschlagen worden, eine Ausschließung, die eben so sehr im Widerspruch mit den bestehenden Friedensverträgen, als höchst beleidigend für die Ehre Sr. allerchristlichsten Majestät scy; so erkläre Letztere anmit : Sie würde nie und nimmermehr es dulden, daß Personen, welche mft so uncrmüdctcr und ängstlicher Sorgfalt zu Erhaltung des Friedens und wechselseitiger Freundschaft zwischen Frankreich und Teutschland beigetragen, und deshalb ein unbestrittenes Recht auf Zuneigung und Achtung von Seiten Ihrer Majestät sich erworben, solcher Neigungen und Gcstnnungen willen, unbilliger Weise gekränkt und unterdrückt werden sollten. Der König scy zu sicherer Kcnutniß gekommen, daß man damit umgehe, die Zahl der in Köln, der Stadt, vorhandenen Truppen beträchtlich zu verstärken, unö unter irgend einem Borwand, welchen eine angebliche Wahl des Prinzen von Baiern darreiche, das Churstift in fremde Hände zu bringen, blos zu dem Ende, damit der Kaiserhof, wenn er seinen Frieden mit dem Türken geschlossen, desto bequemer den Wassenstillstand brechen und in Frankreich eindringen könne. Solches habe den Einmarsch von Truppen in das Gebiet von Kol», bestehenden Verträgen gemäß, veranlaßt. Nichtsdestoweniger macht Sc. Majestät sich anheischig, diese Ihre Truppen wieder herauszuziehen, sobald der Kardinal seine Bestätigung, als Erzbischof, erhalten, und derselbe gemeinsam mit dem Kapitel die inner» und äußern Verhältnisse des Landes und Stiftes geregelt haben werde. Tcs Königs beharrlicher Sinn und risiziges Trachten sey auf festen Frieden mit dem Reiche gerichtet; diesen wolle er durch alle ihm zu Gebot stehenden Mittel erhalten. Die Drohungen hatten zur Folge, daß auch der Kaiser sich zur Wehre setzte, das Reich zu Abwehr fremder Ungebühr aufforderte, und daß von mehrern Seiten her, namentlich aber aus Holland, bedeutende Heermasscn sich sammelten. Ludwig XIV. mit orientalischem Stolze, erklärte immer entschiedener, daß es nicht so fast mehr um eine einzelne Bischofswahl, als um Bcschützung der Untschen Libertät sich handele. Der Pabst Innocenz suchte inzwischen seine, in Folge des Gutachtens einer Kommission von Kardinälen und Rcchtsgelehrtcn gefällte Entscheidung in Köln wirksam zu machen. Was am meisten gegen den Kardinal gesprochen, war vielleicht der Artikel des kanonischen Rechtes, nach welchem eine Postulation der Mehrheit einer Wahl der Minorität jedesmal weichen müsse; was am meisten gegen den Nebenbuhler zeugte, war: daß der Pabst selbst für nöthig fand, dem Prinzen Klemens einen Mitbischof beizuordnen, welcher, bis daß der Gewählte das nöthigc Alter erreicht, die geistliche und weltliche Regierung über das Erzstift führe. Man räumte also dadurch selbst ein, wie unanständig und unschicklich die Besctznng einer so wichtigen Prälatur mit einem kanm dem Knabenalter entwachsenen Jüngling ohne alle Kcnutniß (') und Erfahrung in der öffentlichen Meinung seyn müßte. Der außerordentliche Gesandte Ehurbaierns besorgte die Fa- milien-Affairc und überbrachte selbst die pabstlichen Schreiben nach Kol». Der Herzog von Eroy ergriff vom Chor Diese besonders wurde dem begünsti.ten Prinzen sc viel als gänzlich abgesprochen. — 346 — und von der Hofburg, im Namen des Prinzen, Besitz. Allein Fnrstcnberg hatte zur Zeit noch die Schatze und die materielle Macht des verstorbenen Churfürsten in Beschlag genommen, und war entschlossen, bloß der Gewalt zu weiche». Die Feindseligkeiten zwischen dem Kaiser und Ludwig XIV. nahmen demnach ihren Anfang, besonders, da auch noch schwere Irrungen mit der Pfalz hinzugekommen. Das als Veranlassung des Krieges von französischer Seite erschienene Manifest gab die Verdrängung des Kardinals als dritten Hauptgrund an. In der halboffiziellcn Schrift eines Anhängers desselben und des Königs wurde auch geradezu behauptet, Leopold I. habe, der machiavclischcn Staatskunst des Hauses Habsburg getreu, durch seine Einmischungen in die kölnische Ehurwahl, nicht nur dieses Erzstift, sondern das baierische Haus selbst zu Grunde richten wollen, indem er es in Verwickelungen gestürzt, welche dessen beste Kräfte ihm kosten würden. Das Manifest des Kaisers und die Schriften der öster- reichisch-baicrischcn Partei suchten dagegen in den heftigsten Ausdrücken, ja in einer, von der Diplomatik jener Zeit bisher nie erhörten Sprache, alles Übel auf den König, den Kardinal, ihre Anhänger, und deren schlimme Künste und Intrigen zu schieben. Die schwärzesten Gemälde wurden gemacht von der Habsucht, Eroberungs- wuth und Tyrannei des französischen Hofes, und von dein seit vielen Jahren entwickelten Systeme : die teutschcn Fürsten wider einander aufzureizen und die Einheit und Kraft des Reiches zu zerstören. Man traut kaum den Augen, wenn man die Worte und Beschuldigungen liest, die dem, auf Ehrfurcht gegen fürstliche Personen sonst so streng haltenden, und selbst beim Feinde niemals sie verletzenden Leopold entschlüpft. Albe teutschcn Patrioten hätten wohl kiner so energischen Sprache im Munde des Rcichsober- Hauptes warmen Beifall gezollt, wenn nicht das Bewußt- scyn sie zurückgehalten, daß es weniger um die Interessen des Vaterlandes, als um die Leidenschaften zweier Kabinette sich handele, davon das eine bloß den moralischen Vortheil vor dem andern hatte, daß es ein teutsches von Geburt war. So brach denn, — da alle Vermittlungsvorschlage von den erbitterten Parteien verworfen worden, das Kriegsgewitter von verschiedenen Seiten furchtbarer als jemals los, und Teutschland und die Niederlande — von wo aus man gegen die Wahl Fürstcnbergs ebenfalls nicht wenig gearbeitet (') — wurden der Schauplatz unerhörter Gräuel, welche bei Mit- und Nachwelt die Politik und Zivilisation dieses Jahrhunderts verklagten. Doch hatte erstcres Land, wie natürlich und gewöhnlich, den Vorzug, und die Trümmer der mit kannibalischer Wuth verheerten Pfalz bildeten den vorzüglichsten Denkstein jener Libertät, welche das Kabinet von St. Germain den Tcntschcn zu geben beschlossen. Von Zeitgenossen sowohl, als in spätcrn Darstellungen hat man die ganze moralische Verantwortlichkeit der namenlosen Leiden jenes barbarischen Krieges — über welchen jeder bessere Franzose noch heutiges Tages crröthcn muß. (') So sehte und stellte wenigstens Ludewig XlV. immer voraus, als er mit Wildelm III. von Oranien brechen wollte und wirklich brach. Der Graf d'Avaur besonders hatte den Generalstaaten rundum erklärt: alles, waS ihrerseits gegen Für- stenberg geschähe, würde von dem Könige aufgenommen werden, als geschähe es wider ihn selbst. Der Zusammcnzug der Truppen unter Befehl des Prinzen von Waldeck gab den erwünschtesten Grund für die Behauptung, daß die Republik Plane zu Unterstützung des Baiern wider den Kardinal gehegt. — 343 — sobald er es dahin bringt, sich über den Franzosen zu erheben — auf den Kardinal von Fürstcnbcrg zn walzen gesucht, dessen Ehrgeiz und persönliches Interesse das Ganze veranlaßt. Allerdings mochte sein Gcmüth oftmals mit schwarzen Bildern beim Anblick des Geschehenen sich erfüllt haben; allein war das zufällige Ergebniß einer menschlichen Handlung, des Anstrchens einer Würde, wozu dem Einen und dem Andern ein gleiches Recht blieb, und welcher ein Dritter, zn Befriedigung eigener Leidenschaften, in der Folge sich bemächtigte, die Schuld desjenigen, welcher von den Versuchungen des Ruhmes so wenig als Andere sich frei fühlte? Und mußte er auf den schlimmsten Fall auch mittelbar als Urheber des Kampfes gelten, war eö der Kardinal, welcher den Plan desselben entworfen und die entsetzliche Art der Ausführung gut hieß? War zn vermuthcn, daß ein tcntschcr Fürst mit Gedanken der Verwüstung seines Vaterlandes jemals im Ernste sich beschäftigt, eine Verwüstung, welche seine eigene Familie und deren Besitzungen schwer genug getroffen? Die Leidenschaften allein sind in der Menschen Brust; die Ereignisse stehen in Gottcö Hand. Eine höhere Nothwendigkeit, deren Gesetze, dem Auge des Sterblichen unsichtbar, in jene der moralischen Freiheit zu wunderbarem Knänl in einander sich verlieren, und deren Ausdruck die Weltgeschichte ist, hat die Berechnungen des Verstandes mehr als einmal zu Schanden gemacht und den Gefühlen des Herzens eine schreckbare Richtung wider dessen bessern Willen gegeben. Die ruchlose Grundrichtung der Politik und des Lebens jener Zeit im Allgemeinen muß den großcrn Theil einer Blutschuld tragen, welche in dem einzelnen Faktum sich dargestellt. Es wurde hiebci wiederum mehr, als bei irgend einem frühcrn Ereigniß klar, wie die ewige Nemesis verwegenes Spiel mit Grundsätzen treibt und die Erpe- rimente der Staatskünstler mit den Schicksalen der Völker rächt. Noch kommen hier die letzten Versuche mit Lüttich nachzutragen , wobei Fürstenberg nicht minder Schiffbruch, als zu Köln, litt. Noch zu der Zeit, wo an letzterm Ort nicht alles verloren war, jedoch bereits die Wahlgeschäfte einen schiefen Ausgang zu nehmen Miene machten, beschloß der Kardinal in Lüttich für die anderwärts schwindende Hoffnung sich zu entschädigen, und Ludwig XIV. war sehr bemüht, auch hier seinen mächtigen Einfluß zum Besten seines Günstlings geltend zu machen. Die Hauptabrcden unter der sürstenbcrg'schen Partei zu Lüttich wurden schon einige Zeit vor Marimilian Heinrichs Hinschcid bei Anlaß der Vermählung einer der Nichten Wilhelms mit dem Prinzen von Nassau, Statthalter von Geldern, getroffen. Der Kardinal selbst war von Paris um die Charwoche, in Gesellschaft seiner Schwägerin, der Gemahlin Anton Egons, herbeigeeilt, und traf bereits auch seine beiden Neffen, Ferdinand (') und Emanuel von Fürstenberg, wirksam. Die Hochzeit, deren Kosten Wilhelm übernahm, wurde mit außerordentlicher Pracht gefeiert. Der alte Nassau selbst verherrlichte das Fest durch seine Gegenwart, nachdem er durch ein glänzendes Cortege von Edlen und Damen, dessen Führer die beiden jungen Prinzen von Fürstenberg, vor der Stadt war eingeholt worden. Der Fürst unter Kanonendonner und rauschender Musik in das Palais begleitet, empfing daselbst den Willkomm der Stadt und einer großen Zahl der schönsten Frauen; darauf begab er sich zum Kardinal und ward von diesem zu einem (') kii-st nie »xuU Lervi»»lls ^»cwritatiz, sagt Foulon, IN. 4!6. — 350 — großen Mahl von mehr als 60 Gedecken eingeladen. Die Festlichkeiten aber dauerten über drei Tage fort. Diese Hochzeit bildete zugleich die Folie der ernsten Angelegenheit, nämlich der Bischofswahl, und mitten unter ihren Freuden wurden die Staatsaffairen nicht vergessen. Der Kardinal hatte übrigens den Verdruß, daß man mitten bei einem Bankct ihm von Außen die Fenster einwarf, ohne daß der Thätcr entdeckt werden konnte. Es war ein böseö Omen für reiche Hoffnungen, welche so zerbrechlich sind, wie das Glas, und wobei das Schicksal gern den Muthwillen spielt. Bald darauf traten mit Wilhelm und einigen andern Minister» Kölns Gcvollmächtigte der Republik zusammen, um die seit längerer Zeit bestandenen Zostirrungen zwischen Lüttich und den Holländern zu schlichten. Allein man konnte durchaus sich über nichts verstehen, und der Kardinal erklärte dem Kapitel, welches er wegen dieser Sache eigens einberufen, seinen bestimmten Entschluß, den habsüchtigen und anmaßenden Fodcrungen der Bataver auf keinen Fall weichen zu wollen. Nachdem er die (Zitadelle noch zum Uberfluß verstärkt, reiste Wilhelm nach Köln und von da nach Bonn zurück. Sein vorzüglichster Mitbewerber nm Lüttich war der Kardinal von Bouillon. Ludwig XIV. bearbeitete das Kapitel mit vielem Nachdruck, während die fürstcuberg'schen Anhänger auf den Beistand von Truppen rechneten, über die sie verfügten. Der König drohete sogar mit Einzug von Gebietsteilen, auf welche er alte Rcchtstitel besäße, falls man den Kardinal nicht wählen werde. Allein, als die Partei Bouillons schon ganz eingeschüchtert und ihre Gegnerin völlig siegcssichcr geworden war, vereitelte die plötzliche Ankunft des Prinzen von Neuburg, Großmeisters vom Tcutschordcn, den Plan wiederum we- scntlich. Es hatte nämlich derselbe ebenfalls zahlreiche Haufen Kriegsvvlk und zugleich die Hoffnung kraftigen Beistandes von Wien aus mitgebracht. Beide Theile schienen mit Waffengewalt ihre Ansprüche stutzen zu wollen. Als aber der Kardinal die entschiedene Abneigung der Mehrzahl unter den Domherren und den eben so großen Haß der Mehrzahl des Volkes wider sich (') ersah, verzichtete er selbst von freien Stücken auf die Wahl, dagegen auch der Kardinal von Bouillon, auf ausdrückliches Geheiß des Königs, zurückstehen mußte. Der Dechant Baron von Eldcren wurde der Glückliche, welcher die Braut heimführte. (17. August 1688.) Es ergaben sich übrigens noch allerlei feindselige Berührungen zwischen Lüttich und Fürstenberg, und noch einmal erschien dieser (1694) nach Eldercns Tod als Be- > Werber, jedoch ohne günstigern Erfolg. Doch erlebte er die Gcnugthuung, daß das Kapitel zuletzt auf französische Seite sich neigte, und des Königs Einfluß eine Weile in den Geschäften desselben vorherrschend ward. (°) Als wechselseitige Erschöpfung auf dem politischen Theater endlich zu Gedanken des Friedens getrieben, und im Haag und zu Ryswick ein großer Theil der bluterworbe- ncn Lorbeeren für die Alliirten, in Folge des unter sie gekommenen Zwiespalts, über alles Erwarten leichtsinnig verscherzt worden, sorgte Ludwig XIV. auch für seinen getreuen Kardinal, welchen die Wechsel des Krieges und die Macht der Verhältnisse endlich um seine Hoffnung auf (') Dieser Haß rührte von seinem strengen Benehmen in den bürgerlichen Unruhen her. (') Auch über diese lütticher Verhältnisse vergleiche Do-ckon I. c. Rubrik : ÄlaximlI. Ileuricuz. Uez Dürstsllüergioruur. Duüov. »k Llclereu, Llem. ste. — 352 — die Chur unwiderruflich gebracht, wenigstens zum.Behuf einer anständigen Entschädigung. Man suchte zwischen ihm und dein wiener Hof eine Versöhnung zu bewirken und Fürstenberg, durch vorgerücktes Alter vielleicht geschmeidiger hiezu gemacht, that den ersten Schritt, indem er über die Verscherzung der Gnade Sr. Majestät Bedauern zu bezeigen schien und seine Treue und Ergebenheit für die Zukunft bcthcucrtc. Er theilte Leopold I. mit : der König von Frankreich wehre ihm, von seinem im Elsaß gelegenen Gütern zu den gemeinen Ausgaben des Reiches beizusteuern und die übrigen Pflichten eines tcutschcn Fürsten zu erfüllen; doch willige er ein, daß die vier auf dem rechten Rheinufer gelegenen Ämter die Gerichtsbarkeit des Neichshofrathes und des kaiserlichen Kammcrgcrichtes anerkennten, auch daß der Landvogt, gemcinlich der weltliche Bischof genannt, dem Reich den Eitz der Treue schwöre. Bis dieses ibm selbst zu thun vcrwilligt, werde er sein Recht auf Sitz und Stimme beim Reichstage nicht ausüben, auch desselben jedesmal sich enthalten, wenn Gegenstände, welche Frankreich beträfen, darin zur Verhandlung gebracht würden. «Nach dieser Äußerung — bemerkt ein österreichischer Historiograph — und seinem folgenden Betragen zu schließen, mag wohl ein starker Zwang von Seite Ludwigs mehr dazu beigetragen haben, daß er ehemals dem Interesse des Kaisers und Reiches so sehr entgegen handelte, als sein eigener Wille; wenn aber auch der Kaiser sich zur Aussöhnung mit ihm geneigt finden ließ, wie er denn wirklich zugab, daß derselbe in alle seine Rechte, Lehen und Allodialgütcr, Pfründen, Würden und Vorzüge, welche den Fürsten und Gliedern des heiligen römischen Reiches gebührten, sowohl in Ansehung des Bisthums Straßburg auf der rechten Seite des RheinS, als in Ansehung seiner Abtei Stablo und andrer Besitzungen, wieder eingesetzt werde; und wenn auch Leopold geschehen ließ, daß gedachter Kardinal mit allen seinen Anverwandten und Anhängern eine vollkoinmne Amnestie und Sicherheit in Ansehung dessen, was immer gethan, gesprochen oder wider ihn und sie verhängt worden, genießen sollte: so halte er doch von einer andern Seite her eine große Schwierigkeit zu überwinden. Die Churfütsten von Köln und Baiern hatten gerechte Forderungen an ihn wegen der Verlasscnschafk des vorigen Churfürstcn von Köln, deren er sich sogleich nach seiner Erwählung bemächtigt hatte. So überzeugend aber auch die Gründe seyn mochten, womit sie ihre Ansprüche unterstützten, so wenig fruchteten sie, da einmal die hinterlasscncn Schätze des vorigen Churfürstcn zum Besten Ludwigs, nämlich zur bessern Befestigung der kölnischen Platze und zur Unterhaltung französischer Garnisonen in denselben vcrsplittert waren. Da bereits der Kaiser und das Reich überhaupt, um den Frieden zu erhalten, dem Könige von Frankreich so große Opfer gebracht hatten, so mußten wohl auch die Churfürstcn von Köln und Baiern auf das, was sie mit Recht fodern zu können glaubten, Verzicht thun. Dieser Verzicht wurde ausdrücklich in die Friedensurkunde eingerückt.« (') Mit dem ryßwyker Frieden verschwindet Wilhelm von Fürstenberg von der politischen Bühne. Nur einmal noch, bei Anlaß der Pabstwahl Alexanders Vlil., sehen wir ihn mit im Kollegium der Kardinäle zu Rom. Den Rest seiner Tage verbrachte er in seiner Abtei zü St. Germain, abwechselnd zwischen dem Besuche geräuschvoller Hoffeste und stillen Betrachtungen über den launenhaften Weltlauf und das Verschwinden aller irdischen Größe. Er genoß, wie- (') Schmidt, IX. B. IS. Kax, III. 23 — ^54 — wohl seine diplomatische Wirksamkeit völlig aufgehört, das Vertrauen Ludwigs XIV. bis an seinen Tod, und ein Schreiben des Königs noch vom Jahre 1702, (') mit Nachrichten über allerlei NenigkcitcA des Tages, widerlegt Nun cousiu, il / avait deja c^uelizue tems, izuo daus 1a vn« de kaire passer uu corps de troupes cvusidcradle de l autre eilte du ltdin , j'avais kalt avancer Iv Klarc^uis de Villars ä Ha» ningue, aveo UN detacdcuiellt d'inlauterie et de cavalerie ds wen »I'iiii'e d'Vlleinsgue, vounnaudee par won consin le inare» vdal de Latinst. , l.es euneinis ont perdu en cette ocoasion plus de trois inilla liowures snr 1a place, outre leS dlessc» et cinc> ceats prisou- niers; et paruii les uns et les autres plusieurs olllciers de inar^ue; ils nnt aussi perdu neu! piecvs de vauun, trois pairc» de tiindalles, st plus de trsnte-ciuurcpiis de VlIIars, cpie pai eteve pour reconnaitre Is Service Signale l^n'il vient de nie rendre ä la dignitv de inarcclial de druncc je ine sen» adlige de rendre a Dien de trcz- Iiuuidlcs activus de graees, cj^ui lui sont ducs .... et je vous ecri» cette lettre pour vous dire lege seiner Rechtfertigung wider die über ihn, hinsichtlich seines Venehmens bei dies scr Affaire erhobenen Beschuldigungen» Der Graf von der Wahl an Friedrich Rudolf von Fürstenberg. Hochwolgeborner H. Graff Hochgeehrter H. Bruder. Aessen schreiben habe ich endtfangen, mache demselben zu wissen das die römische keiscrliche maiestett den H. Ob. von der Artelcria so zu schwebisch Halle ligt an mich zu weisen zu welchem ich den Haubtman rauschert von meiner arteleria geschicket, vnt die kcsignation begertt, waß vberall vorhanden, welches er ohne weigeren gethan, mir auch kleine stückle, xe. taeäe» pferdt vnd schantzzeig volgen lass, innnitioiT wer nicht so vil zu schwebisch Halle, dass ich etwass danon solte begeret haben, vermeine sonst das Disficulteten gemacht werden, ans der Vestung schorndorf etwas volgen zu lassen, wass aber Geschehen nachdem H. Veltmarschelk graff Götz kommen davon weis ich nicht, es will mir in der Eil so nicht Einfallen, wann aber die pas->nwn werden, wil ich gerne drauf andtwvrttcn, Verbleib damit meines Hochgeehrten H. Brüdern Dienstwilliger Knecht Graff v. der Wählt, I. Niklaus von der Leyen an Friedrich Rudolph von Fürstenberg. Hochgebohrener Herr Graue, HochgeEhrter Herr vnd Patrohn, E. Ercell. verbleiben mein gehorsahme Dienst Jederzeit bereit:c. ^^elchermassen von der Generalitet, aller orthen mit proui- ant zu versehen, und der Keys. Armada biß gegen Bondorff nachzuführen Befehl cinkhommen, Hab auß E. Ercell. vom 25, diß zuentlauffenden Monats Febr. mir heut vmb fünf vhren vormitag, eingeliifertcm Schreiben, Ich vernohmen; Auch kahn E. Ercell. nicht verhalten, daß weder von Ihr Fr. G» z vuc cle Sauello, noch Ihr Erccl. Johan Fronherrn von Werth !c. prouiandts halber Ich einige Ordre nicht empfangen, vihl weniger Wisscnschafft habe, wie uihl dessen begehrt werde, also ferneren Berichts vonnöthen. Die Mannschaffr will Ich begehrtermassen vbersenden, daß Eye auf mittag zuc Newstat ankhommen vnd alda ferner Ordre erwarten khönnen. So Hab zn Volzichung dieser Ordonanz Ich alsobalt dem Zlbbten von St. Georgen, disen Befelch insinniren lassen, wessen Er sich nnhn hierüber crklähren wirdt, E. Ercell. bc- richt werden sollen. Vnnd seitemahlen gesteren morgents, vor meiner ahnherckhuufft, von einer starckhen streiffenden parthey, etlich stnckh viel) vnd pferdt, den meinigen entfuehrt, vnd da- hero vbrige pferdt gcflehnt worden, ist auf dißmahlen vnmüg- lich die begehrte Saum Roß hcrbey zn pringen. Welches E. Ercell. Ich hicmit ihn eyl vnuerhalte, beneben Dieselbe Gütlichen Schutz, Dero aber mich zn beharlicher larmo gehorsamb cmpfehlendt. Tryberg den 26. Febr. 16Z3. E. Ercell. Dienstgeflissener Diener P hilipp Niclans Freyh. von Leye». Der Duca di Savelli an Friedrich Rudolf von Fürstcnber g. Aemnach Jhro Rom. Kay. May. KriegstDienst erfordern, daß die nachfolgende, vnnd vff dem Schwartzwaldt sich annoch befindende Negimenther zu Roß, vnndt Fucß, zusammen gezogen, vnndt in gutem behalten werden. Alß hat der Hochwolgeborne Graff vnndt Herr, Herr Friderichen, Graue zu Fürstcnberg rc. Rom. Kay. May. «Z-mei-al Vcldtwachtmeister vnndt Obrister ic. Vollmacht vnndt Befehl, selbiger biß vff wcithere Verordnung sich anzunehmen, vnndt meiner Abrcdt (') Urkunde vom Z, Oktober 1612, im F. H.-A. Der Vater, G. Friedrich, und der Bruder, Szon (VIII.), sind mit dabei un» terschrieben. (') Urkunde ». <1. 16. August, F. H..A. Nro 602>>. brachte sie dem Bräutigam zu, welcher nach Kräften aus seinen verfügbaren Mitteln die Widerlage ihr sicherte. (I Leider blieb der neue Besitz für das Haus Fürstcuberg nur imaginair; denn, trotz mehrfacher Versuche des gemeinschaftlichen Sohnes der Beiden, löste nachmals Österreich, welchem an Wiedergewinn desselben gelegen war, die Pfandschaft wieder ein, und die dafür erhaltene Summe war nur eine geringe Entschädigung für die vereitelte reiche Hoffnung. Bei der, in Egons VIII. Geschichte angeführten Güter- theilung entschied sich Jakob Ludcwig, welchem, vermöge Herkömmlicher Rechte, die Wahl gelassen worden, für die Hälfte der Landgrafschaft Baar, wartenberger Antheil, als Erbrata; doch empfing er, wozu Billigkeit aufforderte, von Jenem noch eine vcrhältnißmäßige Aufbesserung, bestehend in einer Summe von 80,475 Gulden. Die Familienpakten hat er im Jahre 1621 beschworen. (') In kaiserlichen Kriegsdienst getreten, machte er sich bald durch vorzügliche Talente und löbliche Anstrengungen bekannt, und Ferdinand II. bezeigte ihm sein Vertrauen durch die Ernennung zum Kämmerer, Maximilian von Baiern aber durch diejenige zum Rath und General der Artillerie. Die Periode seiner Hauptthätigkeit im Kampfe wider die Protestanten umfaßt die Jahre 1621 — 1627. Jakob Ludewig hatte Theil an dem thcuer errungenen Lorbeer von Wimpfen (1622), wo verzweiflungsvolle Begeisterung dem überlegenen Kriegsgenie Tillys und noch «lehr der Macht eines unerforschlichen Geschickes unterlag. Er entwickelte in dieser Schlacht ungewöhnliche Tapferkeit und Großmuth zugleich; denn es war Fürstenberg, welcher, geiührt von dem Schicksal des jugendlichen Helden, Herzcg Magnus von Würtcmberg, Georg Friedrichs von Baden treuen Genossen, wiederholt ihm Pardon angeboten, bei dessen leidenschaftlicher Gegenwehr aber zuletzt, um das eigene Leben zu schirmen, das Haupt ihm gespaltet. ES hat auch der Graf solcher That, so wie der begleitenden Umstände selbst sich später gerühmt. (') Jakob Ludewigs feruern Bemühungen für des Kaisers Dienst und Interesse schildert sehr anziehend ein noch vorhandener Brief an seinen Vetter ('), darin er ihn um Verwendung bei Seiner Majestät angeht: »Hoch und wohlgeborner, freundlicher, herzlieber Herr Vetter und Bruder! Da ich Ihm ein hcrzgetreucr Diener bin und bis an mein End verbleibe, und jederzeit zu De- roselben, als meinem lieben Patron, Vertrauen getragen, ohne um etwas ihn anzusprechen oder für mich zu gebrauchen , ob es gleich sehr möglich, daß er mir es nicht abgeschlagen — so komme ich doch diesmal, Deroselben zu bemühen und ingleichen zu berichten, daß unser Kreis hierobcn (I Willens scp, das Volk, so er zu Roß und Fuß eine Zeit lang auf den Beinen gehalten, abzudanken. Nun aber hätte ich vcrhofft, es möchte vielleicht in Italien, wie die Sage gewesen, der Krieg angehen, so gleichwohl noch in ziemlicher a xaroas steht, zu welch Ende ich mich an verschieblichen Orten angemeldet, um zu vernehmen, ob die königliche Majestät in Hispania gewillt, teut- schcs Volk weitcrs werben zu lassen, mich auch auerboten. (') Hdschftl. Nachrichten im F. H.-A. (') Bratislaus den Altern. D. h. in Schwaben. Warauff E. Fürst. Dhlt. mit warheit onderthäntgsten zue- berichtcn, vimd falsches Vorgeben ombznestoßen Ich nit verhalten will, daß obwohlen Ich dazncmahlcn bei der nichts zne schaffen noch zne comm-oicliren gehabt, sondern allein gegen Ihr Kay. May. mein aller Vnderthvnigiste getrew vnnd schuldigscit zne temonstricrn, anch mir deß Landtsgele- genheit bcßcr als; andern bckant, vnnd vom Feindt durch die meinigen tätlich guetc Kundschafft haben kuudtc, Ich icdcrzeit dem Hertzog von 8->uLU», vnnd Veldtmarschall Leutenanthen von Werth beygcwonth, vnnd vff baider obgemeltcr Herrn begehren mein r«th vnnd thatt aller trewisten so gnth ich gemißt niitgethailt, auch da ich durch verträumte Leuth deß Feindts Beschaffenheit, wohl anskundtschafft, Hab ich solches erstermeltem Hertzog von Sauall», vnnd Herrn Veldtmarschall Leutenanthen durch einen meiner Diener uatiLciert, darauff den 25. vor Villingen, der Vffbruch beschehcn, weilen nun bey Löffingen die dlunKIon uit wohl auff den Wagen hatt senden forth gebracht werden, hatt man an mich saumroß vnnd Prouianth begerth, daß ich nit allein nit gewaigerth, sondern also balden mei>,er Vuterthoucn Roß zne Itiuincion, auch einen Verordneten Prouianth Verwalthcru, Hauuß Con- radt Gemne gcnauth, ein anzahl Brodts gelifferth, vnnd von den meinigen vnnd der meinigen Vihl 1000. r->r!->u bey tag vund nacht bachen, auch all die weil mchrers frucht samlen laßen, so alles zue Ihr Kay. May. Kriegsdiensten, vnnd allgemeinen Weßens nutzen vnd Prouiantierung der hatt sollen angewendt werden. Daß aber die üluuitlon, zueglcich daß Prouianth, wie E. Dhlt. auß beygelcgtcr vi
  • n!rter dc>- xi» gnädigsten zu ersehen haben, von flichtigM Wohlbelandten Partcyen abwendig gemacht vnd verhinderth, auch zue Newen- statt widerumben abgestoßen, vnnd hernach thails nacher Freyburg Herrn Obristen Eschcr thails den Bawern vff dem Schwartzwaldt außgethailt worden, sihe ich nicht wie ich einiger schnldt oder saumseeligkcit koude beclagt werden. Bewer- the Bawerschafft bctreffendt, Hab ich in selbiger stundt do wans von mir begerth, alßbalden mciiicn Secreiarinm, der ein geraume Zeit im Krieg mit geloffen, vnndt sowohl die Lanndts. als Bawren arth Ihme wohl bekandt, mit 500. Manu Onn- m^inüerth, der ist am 27. an, abendts bis den 4. St-ntz' zwischen Waldtshueth vnud Lanffcnburg vor dem Vor- waldt verbliben, auch ein halbe stuudt von Ihme der Bläse- mische Hoffmaister Clementh Weiß, so vor diße» auch ein Soldath gcweßcu, mit so vihl oder mehr Bawren gelegen, ohne den so mau Bawren Kayßer uenth, welcher ebnerniaßcn die Paß besetzt, sondern auch seine Mauuschafft beisamen gehabt, vnud allein off ordre gewartet, Wann man sich ihrer bedienen werde, Weilen es aber nit beschehcn, vnud mein ybcrige zue Ncwenstatt vnnd Lentzkirch ligende Prouianth, dann thails daruon mit 10. Roß gleich den 26. Ivdru-u-x ua- cher Löffingen gcfürth, welche Roß also balden mit Nnnitiair beladen worden, vnud der /Lrn»-s nachgesürth, nit abgesordt, der zumahl am Svntag Löblich erhaltene Obsig den Mittwoch hernach wider verschertzt worden, kan ich nit wißen, wer die schuldt deßen tragen mag. Ich Hab hoffendtlich gnadigste Ertz- herzogin noch allcnmahl crwißen, vnnd will noch fcrrnerö er- zaigen, waß einen getrcwistcn Diener deß Kayßers gebiirth, maßen ich biß zue meinem eudt nit anders gcnaigt, alß für Ihr Kay. May. vnnd Dero gantzcn Ertzfiirst. Hauß mein Leib gucth vnnd Bluedt vffzuesetzcn. Allerdnrchleuchtigster Großmächtigster, ohnvberwindtlicher Rom. Kay., allergenedigster Herr :c. werden Ew. Kay. Maytt. Zweifels ohne von andern aller vnderthenigster berichtet worden sein, waßgestaltenJnngst hin den Jten Marty Dero Kriegs Völckher neben Churbayerischcn Rgmtcr., bey Rheinfelden vom Feundtwaß gelitten, vud hcifftig zertrent worden; daherv zu Befiederung Ew. Kay. Maytt. Kriegs Diensten, vnd r->c»Ui°ivrnng alles vberigen nachen Laudts Wir- senbcrg retvrlßrtcn Volckhs Ich mich von Rheinfelden auß nach 8 Breysach, dan »eben dem stlen. Veldtzeugmeister Freyherrn von Rheinach vff Tibingen begeben, widernmb sowohl von Bayerischen alß Ew. Kay. Maytt. sechs thails gelitenen Rgmtcrn. General llanderons gehalten; Scitemahlcn dan kein Qeneral» persohn biß mahl mehr bei der stell alß Ich allein; vnd von erst bemeltem Ken. Veldtzeugmeister H. von Nheinach :c. bei vberigen Völckhern zuuerbleiben vnd selbe biß vff fernere order llommüliNiern bcfelcht bin. Hingegen die Bay. Troppen keinem alß allein dem Churbay. Obristen Bcling zn pariern auch nit zu fechten, sondern vmb etwaß gegen Landts Bayern sich zu rctcrirn rstuluiert sein, Ich aber vff all begebende Fähl mit dißen Ew. Kay. Maytt. 6. Ngmtern. die sehr schwach dem Feündt zn begegnen keineswegs mich postant befinde. Zllß gelangt ahn Ew. Kay. Maytt. mein allervnderthenigstes pitten zu discm Corps ein hvhern Officier etwa» Veldtmarschalkhen, deme meniglich oda- llienen micsste, zuuerordnen oder wenigsten mir wo anders Ew. Kay. Maytt. meinen geringen persohn sonil ahnverthrawen wölben abers Lxxressv Befclch aller gcnedigsi erthailten, vnd alle negst gelegene Kay. Volckher vordcrst daß Jn.Vurgundt noch anwesendes Fueß Volckh mardiicni gegen Vnß wenden vnd cauiuiiAisni »lachten, damit dem Fenndt wie es die höchste nothnrfft erfordert, möglichster Widerstandt beschehen möchte. Interim will Ich Ew. Kayß. Maytt. allergenedigsten Befclch erwarten, bei den Troppcn verbleiben, denselben mit allem ernst vnd ensserstem Vermögen dcrgestalten vorstchen, d. Ew. Kay. Maytt. spiren vnd erkhennen werden, d. Deroselben vnd Hochlobl. Hanß Ich icder Zeit allervnderthenigst getrewister Diener gewesen, vnd noch sein mit Darsezung Leib, ehr, guet, vnd Bluedt, auch Berlassung Weib, kleinen Khünder, vnd allem den, meinigen zu conti nuiern begere. Ew. Kay. Maytt. damit lang glückhlichster Regierung, Dero zu Kay. Ed. mich allervnderthenigsten befohlen. Stuetgart den . . . Marty 16Z3. »^err Rittmaistcr Hans Caspar voll Leye dcß Geilingischcn Rcgts. kombt den 6. Marty an vnd berichtet wie volgt, Sagt daß vergangen Sontag die Kayserl. Waffen viowrisieinr, vnd daß velt erhalten, dem fcindt seine» (la»on abgenommen, viel »Maii- gefangen, vndt 7 Standarten genommen haben, vndt die gesambte Herrn Generalcs mit allem fucßvolkh vnd der verblieben Laualwria ans Reinseiden angezogen sindt, wie dann der Eeneralstab in selbiger Stadt, die Rrgter. aber von e-maller!». vndt Infanterie ans den negft gelegenen torfschaften logiert haben, Seyen also verbliben biß auf den mitwochen, da sich der feindt gleiches tags in völliger dmtalia gleich vor die Stadt gesczt, darauf der Herr General Veltmarschalkh lentcnandt all sein Volkh auch vcrsamblet, vnd gegen dem feindt sich xrwseuticrt, darauf der feindt mit seiner ^,-iilIeria groß gewalt gebraucht vnd mit der großen menge seines Volkhs glcichsamb vmbriugt, weilen man June dann mit keiner LaniUsria begegnen khönd- tcn, in der Statt auch kein Pnluer mehr gewesen, wehren dise Völker ctwaß erschrökt worden, vnd ieder sich zn salum»-«?» gesnecht, thcilß auf Neubnrg, thails auf Freybnrg gelauffen, Den General Wachtmeister Sperreuttcr hette Er vor einem Schweizerischen dorff geschossen vnd gefangen hinfuhren sehen, sonst wust er aigentlich von keiner Generals Person nichts zu sagen, Sagt weitters er vcrmaine die -»-ma-!a sey ganz zu grundt gerichtet bei dem Gcyling. Regt seye noch der obriste Lcut. Er Rittmeister von der Leycn, Rittmeister Kolb der aber hartt verwandt, in Rcinfelden vnd nun sonill alß gefangner daselbst erlige, zwen Cornct. vier Corporal vnd vngcfcbr bv. Pfcrdt vbrig, wissen nicht wo vnd wie sie sich gegen denu feindt halten vnd stellen sollen, ein Rcformirtcr Corpora! nah- rncns Ebiß auß Boln von dcß Rittmeisters Kolb Compag. ser vast ain stundt vnbekannter vntcr dem fcindt geritten, gehört, daß sie insgemein glorim-r, sie hetten nun gnts fucß volkh be- komben, wollten nur den Schwarzwaldt anßblündcrn, vnd dann dem Thonawstromb nach gehen, vnd gewiß ober 14. Tag zu Vlm sein, der habe auch vnser Generald vuca äi SanetU A «i a 10 Hr. Veldtmarschalken Lcut. von Wörth, Sperrcutter, Obristcn lle Lalves vnd Obristen Leutenandt lio^er gefang führen sehen von dem General Wachtmeister Enkforth habe er nichts gehört» Aussag Ihrer Lx. Herrn Veldtmarschal Leite- uant Freyherrn von Wörths Cammerdien- ncrs, waßderselbvander vergangnen sch lacht mündlich rstörttt hat, in Tübingen den 6. Marty 1638 :c. ^aß nemblichcn am verwichncn Sontag den 23. Febr. nach deine der linkhe flügel von den vnserigen gewichen, vnd Se. Er. gesehen, daß demselben der feindt biß in den Waldt nach- geuolgt, sey dasyenige Volkh so sie am rechten sligcl gehabt, so guet alß möglich znsamben gebracht, vnd alßbald dem feindt nachgesezt, vnd vnser beraits vmbgeben geweste Fueß volkh selbigen Abent noch die vicwri sambt 4 deß feindts Stukhen erhalten, darbey dann Vnterschiedliche deß feindts hoche otlZcier Todt gcbliben, vnd andere gefangen gcnomben worden, alß die speciticarwn hiebcy mehrers weißen solle, daß also der feindt dazumahien das Veldt ganz völlig hat räumen müssen, worauf sich selbigen tags Ihr Er. neben andern Herrn Geueraln, mit deß feindts gefangenen in Rheinfelden begeben, dero Völkher aber in die vmbligendte dorfschafteu Ingttr haben, dasselbsten rast gehalten, In mitels aller Ortten vff Kundtschaften auß- geschikt haben, von denen saunen khainer zurükhkhomben seye, biß erst Mitwochen frühe vmb 8 Uhr, Helten zwecn Croaten sutsttr, das der feindt widerumben einen starckhen Succaurz bckhvmben vnd im völligen anzug^vf Rheinfelden begriffen seye daranf dan die sambtliche «Zonerats Persohnen alß Kay. Veldzeugmaifter vnca >Zi Sa^IIl Velotmarschalkh Leut. von Wörth, becde Lener-tt wachtmaister von Lnckeuort vnd Spcr- reithcr, samt allen Höchen VRi-iern, vnd denen noch verhande» ncn Völkhern vor guet angeschen, das sie vom feindt nicht in 1Z. Rheinfclden eingeschlossen werden, weilcns von dessen ftarkhen wacht noch ganz nichts gewnst habe», dem feindt vor der Prukhen Rheinfclden z» puriiu So bald sie sich nun aldar gesiezt, auch so stükhlcin planUri., habe d. feindt mit solcher tnei» vf becden seitten also bald angesezt, d. die Tragoncr nnd fueß- volkh biß in den Rhein sich gewöhrt, darbey dann endlich mch- rern theilS nider gehauend oder gefangen, vnd die Rcutterey nach starkhen fechten in die flucht getriben worden, vndcr welchen der Weldtmarschal Leutenandt vmbringt, vnd wie angeregter Cammerdiener vermeldt, gefangen genombcn worden, der vuca cll LaneUi vnd Enkhcnvrt sein auch beim wolfsischen Regt, in ai- nem klainen Pusch vmbringt gewesen, aber wie es denselben wciters ergangen, khvnnte er Cammerdiener vcrners auch nit- wissen, So sein vnnserc Reutter von dem feindt biß bey Paaßl. stettigs vernolgt, wie aber verlauttet, in demselben reger von den Schweizerischen Paurn der »>">!. wachtmaifter Sperrenter erschossen worden, Vff welches der feindt die Statt Nheinfelden starkh widerumben solle haben anfangen zu beschießen, benebens aber vill vnterschidliche Osterreichische Orrh vnd flekh in Prandt stvkhrn lassen, wie es aber ferners damit abgeloffen, lhann er Cammerdicncr daruon mehrers nit wissen, Tübingen den 6 Marc^ 1633. :c. ^en 6.te» m?>rt^ 1638. kombt von der ^rnnnla deß Rittmeister Kolbs, Cornett Peter Wcickhardt deß Behiingischen Ngts., vnd gibt kundtschafft wie volgt. Erstlich daß verwichenen Sontags alß 28. Febr. die Vnseri- gcn daß Vclt haben erhalten, vnd Reinfclden entsezt, auch alle General Pcrsonnen damahlen Ihre Quarttir in Reinfclden genomcn, vnd daß volckh alles in die vmbligende Dorffschafften logiert gewesen, seie der Feindt am Mittwochen alß Z. Martium hernach vnuerhoffter mit allermacht vor Reinfel- den gernckht. So Hab Er Cvrnet gesehen, daß nach langen siechten der seindt die Obcrhandt gcnomben darunder Ihr Fr, ! 12 gn. vuoa äi SaueUi sollen todt gebliben sein, so Er aber tckk gar gewiß wissen köndte. Veldtmarschalckh Leutenand von Wörth vnd General Wachtmeister Enckeforth, wie anch Obrist von Ncuckh, Obristcr Vallo^s, der Obriste Leutcnandt Laron 6^ Celles samht seinen Obristen Wachtmeister, Obrist Leutenandt von Nenckhischcn Rgt., auch vil Nittmaister vnd andere OMoir gefangen. Dem Fueß Volckh hat der Feindt allen quarttir geben also d. daruon wenig Nidergehaw worden sein. Darbei dan Obriste Galdt, Obriste Leutcnandt Rarthansen vnd Obriste Leut. Itoxr, alß welche bei dem Fueß Volckh gewesen ver- mucthlich auch gefangen sein worden. So Hab der Feindt Reinseiden noch nit einbekomben gehabt, Eß sein dan erst gestect, weil man nichts mehr hat hören schicssen, vnd sein gewiß, daß der Herzog von Weimmar auf verwichenen Mitwochen auf die 20. Rgter zu Roß vnd Fueß bei sich gehabt, darbei dan der Tegenfeldt vnd andern neu ankhombcue Obristen sich in aigcner Person befunden haben sollen, also daß vom feindt alzcitcn 10. man gegen der Unserigen einen haben seyn khönnen. Verzaichnus Der Gefangenen so Inn beedett Treffen den 13. und 21. Febr. 1638 vor Rhein- felden gefangen 4 deiwraln Dnc Lauelli, Johann v. Werth, Enckcnfort, Sperreither. 4 Oberste Neuneg, Boldt, hcntersohn, Wolf 3 Oberst Leuthenant Laron v. Jehll, Schadeneßel, 4. Oberst Wachtmeister. IVirwrisees, Anton v. Werth, Johan v. Werth ülchor Haust Pilber Jonas 17 Rittmeister, 14 Capiten, 22 Leutcnampt, 32 Cornet, 4 Fenderich, 2 -VchuNant, 1 Wachtmeister, 39 Corpvraln, 36 Standarden, 13 Fendli», 1 par herpauckhcn. 1809 zuo fuoß 12V0 Einspeunicr. tobte so man erfahren kan. Obcristsr Walliß Oberster Leutenant Eger Oberster Leuth. Stubenfoll Ob. L. Benthaußen Ob. Wachtmeister Eber Capiten Müller Auf hcrtzog Weimarß Seiten Lnrat Lcuthenant Rheingraff tobt im ersten Treffe» Rittmeister Bärstcttcr im ersten Treffen bot Rittmeister Jckhum Im 1. bot Hertzog Roan dotlich verwuudt Im andern treffen sciudt bot gebliben. Oberster Badeudorf Rittmeister Vorbringer Rittmstr. Kleperer Gefangene so In Rheinfelden gebracht worden. H. ttiirsl Lmnmiss. Schaffalit^khi Ob. Leutheu. Danneberg Ob. Leuth. Erdman Ob. Ehrlach 2 Standardcn vnd Ob. Ohm Seindt Im ersten treffen bckhomnicn worden Vcschedigte Ob. Leuth. Keller Rittmstr. Beck Item andere Officier, so man nit erfahren kan» Summa Aller gefangnen 4951. So viel man In eyll wissen kan, ohne was gepliben. III. 24 14 Verzaichnuö der Gefangenen so Inn breden Treffen vor Rheinfelden gefangen. 4. s?ener-itn. Duo Sanetli, loaun tt. iVvrt!>, Enckhenforth, Sperreither. 4. Oberste. Nenncg, Boldt. Heiitersohii. Wolff 3. Oberst Lenthcnant. Lara» <1. Zehtt, Schateneßett. ltiiuyar. 4. Oberst Wachtmeister. IViuarlces cl. Werth. Imnii» ct. WerthI. Itlaiar Hanß Pilbcr lunas. 17. Ritmeistcr. 14. Capiten. 22. Lcuthenampt. 32. Cvrnet. 4. Fenderich. 2. ^-Un-1-nit. 1. Wachtmeister. 39. Corporaln. 35. Standarden. 18. Fendiin. 1. par Hcrpanckhcn. 18ö0. zue Fueß. 12V0. Einspennier. Tobte so man erfahren kau. Oberistcr Wallis?. Oberster Lentenant Eger. Oberster Leuth. Stubenfoll. Ob. L. Renthaußen. Ob. Wachtmstr. Eder. Gapi- ten Mutter. Ans Hertzog ZLeiumarß Seiten. QurnI Leuthe>?ant Nhcingraff tobt im ersten treffen. Ritmeister Bärstetter im ersten treffen bot. Rittmeister Jckhnm im 1. bot. Hertzog Roa» dvtlich verwundt. Im andern treffen scindt bot gebliben. Oberster Badenborff. Rittmeister Vorbringer. Rittmeister Rceperer. Gefangene so in Rheinfelden gebracht worden. H. Lni-al. t^nmrni-5. Schafflatzig. Ob. Lenthe». Danneberg. Ob. Leuth. Erdman. Ob. Ehrlach. 2. Standard, vnd Ob. Ohm. Seindt in> ersten treffen bekhommen worden. Beschedigte Ob. Leuth. Ketter. Rittmeistr. Beckh. Item andere atttei,- so man nit erfahren karr. LS Summa aller gefangnen 49S1. So viel mau l'n cyll wißcn kau, ohne der geplibcnen. Hista deren am Sontag den 18. Februar 1638 bei Rein selben beder'seits gefangen vnd todt gcbliben, souil man wissen khvnnen. Übelster Sauolissehy Ein Schweizer Obrister von Basel, so Herzog Bernhardt aufgewarttet. Ein Rein Grass, so Ober. lent. Rein Grass Philips Vcldmarschalkh todt Grass von Nassau todt Duealli R.0K11 todt Hauptman Weiler gefangen 1 diese 2 hat der wörtische Ein Hauptman so ein Schwedt ! Cammerdiener gefangen. Herzog Bernhardts Reidtschmidt sambt 4 Stucken vnd 3 handtpferdt, hatt der Mcttcrnichische Obr. Wachtmeister be- kombcn vnd in Reiufelden gebracht. Von Vns ist gefangen, Herr Obriste Wolf so auch vcrlezt Zwcn Rittmeister von Ihr Erc. Lobelot und Gam Obriste Lent. von Ncuekhischen Regt. Zwen Rittmeister verletzt vnnd der Junge Graf v. Fürsten» bcrg, so haubtman gewesen, gefangen A>n Mittwochen den 3 Marty Daß wolfische Regt. Tragoncrn ist am Rhein vnderhalb der Reinfelder Prucken geschlagen sambt einem Regt, zu fness vnd 3 Lgnaclroll Reuttcr 4 Lguarlron seindt durchgangen ohne fechten. Darnach seindt Ihr Lxo. benebenst etlichen Hohen villeirn allein gewesen vnd gefangen worden seindt verlezt am Backhcn. Der vuoa ili Lavella vnd Emlheforth scind bei dem Wölfischen Regt, in einem büschlcinvm bringt vnd ohne allen Zweifel gefangen. 16 General Wachtmeister Sperreutter ist mit thcils vnseten Renttereocn biß geh» Basel vom feiudt verfolgt, vnd der Endts von den schweizerischen Banren erschossen worden. Lista Dcr kayl. officicrn, pcrsoncn Fähnlen vnd standartcn, so den 3. Marth Im dreffen bcy Rhcinfeldcn gefangen worden. (^enerat Veldtzeugmeister Fürst von Sanollo. Veldmarschalkh Leut. Johan von Werth. Q?». Wachtmeister von Enckforth c-?n. Wachtmeister Sperrcithcr. Graf Zllbrecht von Fnrstenbcrg Obrist von Ncincckh Obrist Wolff Obrist Goldt Obrist Hcndersohn Ob. Leut. Baron r>« Lecls Ob. Lent. Voycr. Ob. Wacht. Viuai-i Ob. Wacht. von wert 9 Rittmeister 12 Capitain 12 Lent. 20 Cornct 14 Fcndcrich 2 uilaiit. 2 Quartiermeistcr. 21 Corporal. 42 stantardcn. 22 Fahnlcn 3 Veldtstnckhcn, so zuvor dem Herzog bernhardt gehört. 800 Gemaine Reither 1200 znc fneß 17 Vf d. kayßl. Seiten seint todt gcblibcn. Obrist keines Ob. Leut. stubenvoll Ob. Leut. Barthhansen st Ob. Wachtmeister , 7 Rittmeister. 6 Capitän 12 Lcutenant 9 Fendcrich 500 gemeine khnccht Auf der schwedischen Seiten todt gcbiiben am sontag zuvor Herzog von Johann philip wildt Rhcingraff Oberst bodcndorf Ob. Leut. Ertman. Ritmeistcr beirstcttcr Nitmeistcr Forbringer 20 gemeine khnccht 150 vcrwnndt Von schwedischen gefangen Leu. Low. Schafsalizkhi Ob. Erlach Ob. bcrnhalt Ob. Leut. Dannenberg bcrnhalt ist blos entruncn Lista bayß vnd bayerische Regmtcr. Ob. Lent. ist entrnnen Metcrnich Crösten nit vil seint durchgangen Johan von werth I'aUnes. Ist sechsten todt Villisch. Ob. Leut. Baron öe Levis ist gefangen Väling. Ob. Leut. wundt zu Tibingen gestorben Neineckh Horst 13 Welff , Wohl Boldt Pappenheimb. Ob. Wachtmeister Eder soll tvdt sei» hendersohn. Friedrich Rudolf von Fürsten borg an den Grafen von Trautmannsdorf. Hochwohlgebohrncr Grass, Hochgeehrter gebietender Herr, Gnade» seint mein gehorfamb schuldtwilligsteDienst beuoran, Daß von Ihr Kay. May. yber Dero diszer enden ligende Kay. Troppen mir daß ^oinnianso ybcrlaßen, vnnd allergna- digstcn anvertrawt, thne ich vorderst weile» Ihr Mayst. meiner Wenigen doch getrewestc» Persvhn sich widerumb begehren bedicnth zn machen, solches für ein große Kayßcrliche gnadt erkennen, vnnd weilen ich waiß, daß dieses allein durch E. Gnaden Vorschub vnd Beförderung beschehen, thne ich mich gegen Deroselben Dienst freundtlich bedanckhen, mit hoch- fleißiger pitt, mich ferrners bester maßen laßen benollen sein, vnnd mein pateon wie iederzeit noch weitcrs verbleiben, maßen zue E. Gnaden ich all mein Vertrawen, setze, in all meinem anligen vnnd neßation am Kayß. Hoff an Deroselben einen Vatter vnnd großen patran zu habe», Wie es svnsten der Zeit Hey Vnß dißer enden beschaffen, Hab ich Ihr Kay. May. et- waß wcitläuffige eelatio» gethan, vnnd werden E. Gd. von meinem Vruedern V-»tiis?l>c> Grauen zue Furstenbcrg alles mundtlich vernehmen, Bcfihle mich E. Gd. gantz gchorsamb vnnd verbleib ich :e. Frid. Rudolph Gr. v. F. Schwäbisch Gemündr d. ZV. dtart/ 16Z3. doncept Ahn H. Graffen von Trautmansdorff. IS Der Rom. Khay. Maytt. Bestellter General Veldt Zenz- mcister, Commandanth. V. O. Landen, Gubcrnattor in Brey- sach, vndt Obrister zn Rofi vndt Fucß, Ich Hanß Heinrich Freyherr von Reinach 8. > Maria vndt Stoppach gebe denen Jcnigen, welche mit disem Patent angelangt werden, hiemit znnsrncmmen. Wicwoln zu mehrer Beförderung aller höchst gedachter, Rom. Kay. May. vndt dcß allgemeinen Wesens diensten Haiben, ich mich nachcr Tübingen erhebt, der mainung, die bcy Reinseiden in die Flucht gebrachte Völckher dasclbsten zue reeoligircn vnd in ein Lorxu» zncsamen zu fiehrcu, Wcyln aber vß allerhant vorgefallenen Angelegenheiten ich Key den Kayserischcn Volckh, dessen in allen theyls vff dem i^nä»nn,iz thils in den Quartier,, nur Sechs Regimenter zue Pferdt ge- weßt, lenger uit verpleibcn mögen, Sonderen zn meinem an- ticrtrauten Posten der Vcstung Preysach den rückhwcg nemmen müssen. Alß Hab ich in bedenckhen kein anderer Leneru! von Ihrer May. bcy der Stell mehr wehr, vff ein Inwri»,, vndt biß mehr Aller Höchst gedachte Rom. Kay. May. ein ander- wcrttige, Allergenedigiste Verordnung aler cU^n-nUm, geben möchten; Weil ohne daß von dem vac-, ->°,igt!» zu Breysach oder sonsten an einen andern sichern ortt zu finden, vnnd zuerfrggen, werden angreiffen, vnnd entweder zu crlhauffung mehrer Proniant anß der Schweiz, oder hincinbringung mch- 22 rcrn Volcks, vnnd ?tlui>ition in die Vestung, oder wohin Sie eß sonnsten am nottwcndigisten befinden würden, die nvttnrfft daruon anwenden khönnen, darbci Er dan auch den ihenigen Vnnß von dem von Reinach rreominensttrtcn Handelßman, der erst den verwichnen Monatt Febrnary, gegen Versprechung d. Er eine gewisse anzal Traidts anß der Sfizweiz in Breysach sicher bringen wolle, Fünfzehentausend gulde» empfangen, vnnd noch sonst gegen endt dises Monats erlegen zu lassen, ac-cur- cliert, stcißig nachfragen , vnnd denselben zu Lvmpstrung deß geschlossenen OiNi-aew anhalten würdt. Da Nhcinfeldcn noch nit in des feindts Händen, vnnd eine viiiglichkeit sich crzaigcn würdt selbige dapfcre leutt z» retten, so solle Ers nit Vnterlassen, doch aber mit ermcltem von Reinach, vnnd andern anwesenden KhriegS Officirn darüber fleissig eonsultchi'ett. Auch solle Er sich aller ortten wvl erlhinidigen, wie die üeeruwngcldcr, so theils Officirn, sonderlich aber dem Obrist.n Vcldwachtmaisier von Sperrenth gegeben worden, angelegt, vnnd was darnmben geworben worden, oder von ermeltcn gclttcrn noch vorhanden, dasselbe gleichfalß znsambbringen, vnnd zn für- fallendten nottwendigken Außgabcn gebrauchen, vnnd fieissig ver- raiten lassen, warüber Ihme Vnnser Ober Q-wustsskirin» Bernhard von Heucl, laut hicmit von Vnnß empfangenden Befelchs, beste anlaittung zugeben wissen wirdt. Denen Ochsenfnhren, wie auch der hin- vnd wider in den Statten Nidergelcgten Prouiandt, Artillerci, vnd deren Train solle Er fieissig nachfragen, vnnd allen fieiß ankhern, damit dieselben, da Sie in gefahr wcren, in genugsambe sichcrheit gestelt, vnnd zur vorfallenden nott gebraucht werden mögen. Die sierck- vnnd veeruUrnngen der Regimenter solle Er fieissig fortsczen lassen, vnd in Summa alleß waß Vnnsere Kay. Khriegs- dicnste erforderen, vnnd seinem Larico anhengig ist, bei tag vnnd nacht mit angelegener sorgfalt bedencken, vnnd in ellect zn bringen sich bemühen, auch vber alles mit denen andern darobcn anwesendten Grals. Personen mit erweißung allemal LZ denen Jenkgen, die eines höchern tlai-ieo sein, des gebnhreudten Rcspects, vnnd Vermeidung aller schödtlichcn Lom^oteni?en fleißig coioiien. nit weniger auch mit dem Obristen Veldtwacht- maistern Graffeu von Nassau Dillenburg, den Wür auch mit etlichen treppen hinauf commamtirt, vcrtreuliche guette Lnri-e». ponNeim Pflegen, vnnd mit demselben coniunotiin ) vnnd sex». vatim wie eß Vunser Dienst erfordern wiird, aufs beste sich vergleichen. Zum Bchucff dessen allen hat Er hiebei Vnnsere Kay. Beuelch an den Vcldmarschalckcn Graffeu Gezcn, vud Obristen Veldzeugmaistern Graffcn von der Wahl, wie auch den gewöhnlichen Gehorsambbrief an alle Obristen, vnnd Ni- dere Officir sambt denen gemeinen soldaten z» Roß vnnd Fueß zu cmpfanngen, vnnd wollen Wür auf alles vnnd iedes seiner fürdcrlichsten Rotation gewcrttig sein, Bleiben Ihme auch sonsten mit Kay. gnaden wolgewogen. Geben in Vusercr Khvnigl. Statt Preßburg den Scchzehentcn Marty, im Sechzehenhnu- dert Acht vnndt Dreüssigisten, Vnnserer Reiche des Römischen im Anderten, des Hungarischen im Dreizehenten, vnnd des Böheimbischen im Aylfften Jahr. Ferdinan d. (I.. S.) /»ct manclatum Lac.^' Nattis. proprium. Questcnberg. Jo. Georg Pucher. 28ir Ferdinand der Dritte von Gottes genaden Erwöhlter Rom. Khayßcr, zn allen Zeiten Mehrcr des Reichs, in Germanien, zn hnngarn, Böhaimb, Dalmatien, Croatien, vnd Sclauvnien Khöuig, Erzherzog zn Oesterreich, Herzog zu Bur- gundt, Steyr, Kärndte, Craiu, vnd Württeuberg, in Ober- vnd Nider Schlesien, Marggraff zu Mähren, in Ober- vnd Nider Laußniz, Graff zn Tyroll vnd Görz :c. Entbicttcn N. allen vnd Jeden Vnsern Obristen, zu Roß vnd Fues, Obristen Leuteuanten, Nittmaistern, hauptleutheu, Leutenantcu, Fenderi? 24 che», Wachtmeistern, Bcuelchshabern, vnd in gemein asten Khriegs-Lcuthen, was? lVativu, Staudts oder wesens die fcindt, so sich in Vnnsern Khriegs-Diensten befinden, Vnnser gnadt, vnd alles guets, Vnd geben Euch gdiglich. zunernemben. Demnach wir dem hoch- vnd Wollgeborne, Vnnsern Obristen Veldt- wachtmaistern, bestellen Obristen, vnd Lieben getreuen, Fride- rich Rudolphen, Grauen za Fürstcnberg, Heiligenberg, vnd Werdcnberg, gdist. abgefertigt, seinen Veidtwachtmaister La, iec, ober alle sich in den Obigen Reichs Craisen zwischen dem Rhein, vnd Thonau befindende iniiitiuin zu ex?uei>wn. Als benclchcn wir allen vnd Jeden ebnermclte, insonderheit gdig. vnd ernstlich, daß Ihr abgedachten Grauen zu Fnrstcnberg nicht allst» für Vnnsern Obristen Veldtwachtmaistcr vber all Vnnser Khriegs Volkh zu Roß vnd Fnes crkhennen, Ehren, vnd respeeliecn, auch diseS seines anuertrauten BcnclchL vnd Ambts erscheinenden nottnrfft nachzuleben, vnd dcniselben gebührlichen, vnd schuldigen gchorsamb erzeigen, sondern auch in Verrichtung seines anbenolchenen Ambts, ans sheinerlcy weiß vnd wecg, Irrung vnd cintrag thnen, wie nicht weniger auf sein ansin- nen vnd Vcrvrdtnnng, Euch Jederzeit schuldig vnd willigist erzaigen, auch wan vnd so offt es vonnötten, allen bcystaudt, Vorschub, vnd assisw»? laisten, vnd Jeder Zeit daS Jenige, was Er im Beuelch hat, ohne allen anfzng, widerredt, vnd vnuerhindert verrichten sollet. Daran beschicht vnd wirbt vollzogen Vnnser ernstlicher Veuelch, willen, vnd mainung. Geben in Vnnserer Khvnigl. Statt Preßburg den Sibenzchcndcn Mo? natstag Marty im Sechzehenhundert Acht vnd Dreisigisten, Vnnserer Reiche deS Römischen im Andern, des hnngarischen im drevzchendcn, vnd des Bohaimbischen im Aylfften Jahr. F e r d i n a n d. (st. 5.) Ouestenberg. ^cl rnanclatlim staos." Iilaieslaii» zuozo-iiiin. Jr. Georg Puchcr. Der Graf von der Wahl au Friedrich Rudolph von Fürsten derg. (5Z wolle Herr vsnei-alwachtmeister vnndt Grast von Fnrsten- bcrg belieben, seine Regimenter bis auf weittere uiiler zu? Un-lren, wie in bey Liegenden verzeichnet. Solches erfordert der Rom. Kayscrl. May. vnndt des gemeinen Wesens dienst. Vnndt hat man einen weg alß den anderen Ihr Kayserl. May. KallM Qnarsien der Allervnterthenigsten Schuldigkeit nach, in der grösten obacht, Dicweill auf dißmahl bey so gestalten fachen, vnndt feindes gcfahr halber wie Er selber ficht, keine andere mittel verbanden. Kgl. Schwebischen Gemändt den l. ^>rlls 1LZ8. Abcnts vmb 8. Uhr. Grass v. der Wahll, Kay. Quartier, welche vor selbige 6. Regimenter assignimr werden. Statt Eislingen, Constatt, Mary ach, Winedach, / Darzne sollen dann cc>nwil>uiern, Statt vnd Ambt Stnttgardt, Nellingen, Dinckhendorf, Statt vnnd Ambt Beßckhaiin, Statt vnd Ambt Lausten, Mundlßheim , Ncustatt, Meckhmähl, Statt vnd Ambt Weinsperg, Statt Wimpffcn, In welchen 4. Orthen, dise Regimenter »vthwendig logiert werden mästen. N. von Nenenstein an Friedrich Rudolf von Fürstenberg. Hochgcborner G. Graf vnd Herr. o >^5ch bin gestern in Bopffingen gewesen, vnnd nachdem Ich befunden, daß weder frncht noch Meel daselbst, Hab Ich mich vollendts anhero begeben, bereits solche anstatt gemacht, daß alsobaldt ein ergnbigeS ahn Prouiandt, gelifert werden khan, es werden aber iedoch E. Ercll. solches in bereitschafft zue behalten, biß man dessen vonnötten, von sechsten gnedig bedacht sein. Ich befinde, daß hiesige Statt, für den Kenoralstaat, Quartier zue geben, schlechten Lust haben werden, anß allerhandt vmbstendcn. Welches dicsclb zue berichten; darbey mich vndth. zu befelchen, nicht vnderlaßen wollen. Dt. Nördlingen den 5. ttpi'ils ^ 1633. E. Grell. Vndcrtcnig getreycr Diener k. v. Neyenstein. An brott wirt cß nit manglen, wan man nur gesparsam damit hanßet. Daniel Beigott und Joh. Cdi an Fr. Nud. v. F ü r st e n b e r g. »Lhr. Lx. Hochgeborner Graff, gebietender Herr, deroselben sein mein willigste Dienst, anß Ihr Lx. msrs Hab ich vernommen, ob ich, vnnd man Spargiert, alß daß ich were auß nachlössigrait zueruekhgcbliben, vnnd demnegstcn am Sontag üeffen nicht zueruekh kommen bin, wie auch, vnnd wo die Sperreüttischen gcblibcn sein, wie auch, vnnd wo die inunlticm gcbliben, an Belangt, dann obrift Vi-agl wahr noch nicht Hey mir, sondern in 2. oder 3. Tag zueenekh, meine Persohn an Belanget mit den, Regiment, will ich hoffen, daß mir sollichcS kein Erlicher tlauallwr sey Er wer er will, daß ich auß nachlvssigkeit dahin- den gebliben, Sondren Bcweißlich allenthalben ^auß mein quartier zue 4. 5. vnnd 6. vnnd 7. ineilwegs marschiert, alß dem Spcrrenttcrisch Regiment, noch welches vngefohr in 2. stundt vor mir gewcß, alß ich tag vnnd nacht marschiert, vnnd alß ich ans Guettcnbnrg kommen, vnnd Becde denselben abcndt hctte zeitlich kommen khönen, so kombt daß Sperreüt- terisch Regiment mir entgegen, welches allernögst nach Jrem aussagen bey der rtiwa geweßen, vnnd wider zueruekh marschiert kommen, auch mir in .-Nlm-ma gemacht, als ich i^co°»o- siei-u laßen, werde Bericht, es were baß Sperrenttische Regiment nach in ich gefragt, warnmb sie zueruekh kommen vcr- melt mir der tlapiten der das Regiment cornwunNiert vnnd i-eseriei-r sich ans die 4. Fcnderich von fneß Volckh, vnnd ein Wachtmeister vom Jssellanschen Regiments, Alß ich mit Inen gcredt, vnnd gefragt, wie sie gcschickht hete, vermelden sie, die «mwi-alitet het zncrnckh geschickht, das sie alles Volckh so sie vnderwcgs antreffen, sollen aufhalten machen, vnnd biß weiter »räar sich sicher gciarticren, welches auch geschehen, vnnd 10V. Mustgaticrer von dem Mettcrnischcn Regiments, neben der dlunitiim so theils mit dem Sperreüttischen zncrnckh kommen, vnnd theils bei dem l00> Mann zne fneß gewest, ich alles beysammen behalten, biß mir etwann weitere arller khom- men möchte, Alß ich Montag gantzen Tag gehalten, gegen den Abendt khammen etliche kleine Parthcy, so am Sontag vom Treffen zncrnckh khammen, so verwundt vnnd nicht verwnndt gewest, Alß aber Je lenger Je mehr Zersiröende kämmen, hat ein Jetwedcr vermvlt, Vnßer Volckh were geschlagen worden, weilen ich aber kein glauben geben wollen, bin ich denn Montag negst nach an daß orth bey Guetenburg mit allen verbli- ben, nach deine ich aber ein Parthci zue recvgix-scirsn geschickht, kombt ei» Wachtmeister mit etlichen Pferdten, welcher ver- W wnndt gewest gegen dem Tag an, Dienstag welcher such das bcricht wie andere, dieweii aber die ^.ränloria neben dem Met- tcrnischen Regiment hinter mir bei Löffingen gcwest, vnnd auf solliche ich achtung geben wollen, dormit solliche nicht in tla». tusioir gcrathen möchte, vnnd ein Paß hinter mir gewest, Hab ich mich an denn Paß legen wollen, vnnd gelegt Hab, vnnd weitere onler gcwartt vnnd noch von nichts Aigentlichs ge- wnße, so kam vngeföhr nach mittag bey. Z. oder 4. Uhren den weg von Nendorfs auß dem waldt vngeföhr bey. 3. oder mehrers Hundert, der dcneral von Lörchenfcldt, vnnd bericht es were nicht anders, Alß wie die vorigen angezeigt haben, welches aber alles nichts gcwest, mit Vermeidung es were alles geschlagen vnnd gefangen worden, vnnd mich ermanth ich solte mich dißcr Troppcn vnnd der ^rllollaria an- nemmen, damit solliche rowriin werde, welches ich auch gcthan, vnnd solliche auf sein des (General Lummissar/ Bericht bis nach Millingen gehen laßen, vnnd fr.) mit meim Regiment, vnnd Sperreiitterischcn bey Neilingen verbliben, auf dem fcindt Achtung geben, vnnd Partieen laßen, welche aber am Mitwoch andere Zeitungen eingebracht, daß am Sontag Viawil, vnnd am Mitwoch der Verlucst geschehen, so sein die 20. Samb Klunirioii nach dem Neüstättlin geschickht worden, weilen die Pferdt nicht weiter khönnen, ich Hab mich aber noch biß dato Alß Ihr Lx. noch woll wissent hinter der aufgehalten, will ich derowegcn nicht hoffen alß vorgemelt ein einiger Mensch darthnen würdt, daß ich were nachlößig gewest, es wnrdt auch Herr Obrist. Wachtmeister vann Lambry wie auch ein Laxtteir van Neüneckh, so bey mir gewest, vnnd solche zus Ihren Regiments» auch gehen wollen, alles auch wissen werden, vnnd neben meiner anzog, alß ich vermelt, Im vbrigen E. Er. mich zehorsambst Bcnchlendt. Datum Corfingcn den 13. Aprilis 1633. E. Lx. Dienstwilligster Knecht: > Daniel Peygott, Ob, Johann Eli. Rul, SS Ihr L«. Dem Hochgebornen Graffcn vnnd Herrn, Herrn Friederich Eraffen zne Fürstenberg, sttöm. Kay. May. sionoeal llLachtmei- fier, vnnd Obrist. zue Roß vnnd Fucß. Meinem g. Herrn, Hochgebornet Landtgraff Genediger Herr haben Ew. Ed. Erdell. den 26. des Verwichnen monaths ?syru->r!i do Sie vff abfordernng Herr Gen. Vcldt-Zeugmei- sters Fürsten Von Sauello vnd Veldtmarschast Lent. Freyherr Von Werth Zn denselben nacher löffingen verreisst, mir gl. ahn- bcfohlen mich zn bewerther Baurschafft Zu Begeben; deine Ich alßbald gehorsambst nachkhommen, die baurcn Znsammen gefielt, anss 500 starkh mit Mnßqnethen, kranth vnd loth auch arten, bikhel, hakhen, vnd schauffel für acht tag prouiant wohl Verschen, den geraden weeg Vber waldt vff molzhneth Zue also marchiert, daz Ich den 28. i'eb. Normitag Vor dem Vorwaldt ahnkhommen, alba Zwischen crmelten walzhneth vnd Lauffen- burg Im kleinen dörffel RömerSschweyv mih logiert, bei deine vff ein halbe stnndt die Blcsamische Banren auch bei 500, man, die der Blcsamische Hoffmeister Clemcnz weiß Onuinun. dierte in der alten Mühl genandt lagen vnd rings hernmber alle gewöhnliche Wachte» von den Banren kayßer starkh besezt waren. Weylen aber weeder Ich noch besagter hvffmeister kein or- donanz Helen, wo anß wür maeot>icren sollen, vnd alle meine vff order anßgeschikhte Polen theilS nit gchawt vnd anßbliben theils mit meinen schreiben ohne Verrichtung znrnkh khommen, auch vnd dcme Vnderschidliche parlhayen, so beim rothenhauß gelegen, bei mir Vorvber, die anßgabcn, das wür svntags dm 28. geschlagen, sonderlich auch der van Lerchenfeldt bei St. Bläsy Closter große forcht gemacht, wessen Ich alß baldm auisicrt worden mich In obacht Zn nemmen, damit Ich nit ohnnersehcns schaden leiden möchte, bin Ich doh biß den 2, dlm-tx aldorthen Vcrbliben, da» widernmb Znrnkh gangen, III. 25 80 Vber dm Vnd Zum Vberfluß wcylen mir den Z. »i3rtv erllt- ner Verlust vhnbewnsst nohmohlen außgeschilht mein Znrnkh w^rclie Vud wo Ich Vff begeren ohnzetreffen anistert, Ist aber weder Vff eins oder das ander nichts erfolgt. So Ew. Ed. Ercell. mit meiner handt alß schrifftlichen, aydt bezeugen Vud sonsten mit meniglichen erweisen will. Datum Ossenberg den 25. Zlprilis 1638. Ew. Ed. Ercell. Vnderthenig ganz gehorsamb threwwilligster dicner Saloinon Reime r. Bartholomä Heinibwich an Fried. Rud. v. Fürsteilberg. ^ochwohlgebohrner Graff, 1?. Lxl-vII. seind mein vndcrthe- m'gste Jederzeit bereitwilligste dinste znnor, Gnedigster Graf vnd Herr, L. LxceU. berichte Ich vnderthenigst, daß mihr Dc- roselben ahn mich haltendes schreiben der gniige noch geliefert worden, habe vff gedachtes schreiben von den mihr anver- traucten Regiments VMcieern deße» Inhalt Ihnen vorgehalten, Es weiß aber der Wenigste deßen Wissenschafft, daß mann Herrn Lenm-i»! Veldtzengmeistern, Herrn Grafse» von der Wahls nicht x-crcren solle, Wie Ich dann mich meines theylß eintzigcr einßmahlß ertheplter vud abgangener Ordre, oder vielmehr mündtlichen Znredenß oder Vcrbiethcns, ganz nicht znentsinnen, weiß, Vmb deßen Ich der gentzlichen Hoffnung leben vnd gantz vnderthenigst gebeten haben will, L. LxceU. werden die gefaste Vngnaden vnd vnglcichen angebrachten Bericht wieder mich vnd dieses Regiments »Roli-en, weiln Ihnen hl'erinncn vngüttig beschicht, in gep. stucken vnd fallen laßen, vnd dieses Regiments in gep. tccvoilsiiter Graff vnd Herr sein vnd verbleiben, E, blxeell. Göttlicher ?rovlllentzs gantz Vnder- AI thenigst empfehlende, Datum Qnartir nechst Kintzingen den 28, Juny ao. 16Z8. D. Dvcoll. Vnderthenkgster bereitwilligster Diener vnd Knecht. Bartholomeus Hcinibwich. Johann von Horst an Friedrich Rudolph von Fürstenberg. Hochwolgeporncr insonderß Hochgeerter Herr Graff, 3)?eincß Hvchgecrten Herrn vom heutigen clat» abgangenes schreiben habe Ich zue recht erhalten, vnnd daranßenn ersehen, Alß solle derselbe etzlicher außgabcn nach, Herrn Deneralt Feldtzeughmeistern Grauen von Wählt, vnnd mich znentzwayen vnterstanden haben, welches mich ganz vnd gahr nicht znentstn- ncn weiß, sondern vielmehr wan Hochgemelter Hr. Deneralt Feldtzeugmeister vnd Ich bey einander, d. wir inmahlen deren fachen gedacht, sondern Jedeßmahls etwas anders zue thnen vnd zue redden gehabt, welches Ich meinem Hochgcerten Herrn Granen in wiederandtwort anfiicgen wollen, negst empfchlung Gottes. Geben Herbelßheim den 23. Jnny 1W8. Deß Herrn Grauen Dienstwilliger vndt gehorsamer Mein lieber Her graf Knecht, vndt bruder, ich weis nicht stolmn v. Horst, das wihr dreimal von graff whal geredt. Der Graf (Gencrallicutcnant) Hans Götz an Friedrich Rudolf von Fürstenberg. ^ochwohlgeborncr Herr Graf, hochgeehrter Herr Brucd., Enr Ld. schreiben vom gestrigen dato, habe ich durch Dero Trvm- 5^ ^ 3Z peter wohl empfange», vnd inhalts nit ohne veruoudcrung vernommen, daß sich ezlichc finden, welche außgeben dörfften, olß wann Eur. Ld. meine vi-ciivavm'en nicht xariren wollen, zu- mahlen auch vndcr den nKoirn Zwitracht vnd mißverstandt ver- vrsacht haben solle; Gleich wie nnhn Eur. Ld. von der Rom. Kays. Mayst. vnßerm allergnedisten Herrn an mich vcrwisen worden, vnd ich dahero, wan sie meinen <„iUn!>u?.!en nit hetten nachgelcben wollen, tragenden carlvo nach den fachen wohl hctte reineä)ien können. Alß khon, da Vonnöthen, vor allerhöchst geda. Kay. May. vnd der ganzen weit, Eur Ld. ich daß guete gezeugnuß geben, d >ß sie nit allein meinen ovitinanmeu iedcs- mahls vnweigerlich xarirt vnd folg geleist, sondern auch ein yiehrers, vnd was zu allerhöchstgcda. Kay. Mayt. Kriegsdiensten, befnrderlich zu sein, sie immer erachtet, alß ei» Derselben getreuer, vud vuverdroßcncr minislee, vngeschafft, gethan vnd verrichtet; dahero dann, welche dergleichen außzugeben sich vnderstehe, sowohl mir : als Eur Ld. baß größte wrw vnd vnrecht, zumahlen auch in deine thuen, daß sie einigen Zwitracht oder mißverstandt, vnder osticien vervrsacht haben sollen. Seitemahlen ich niemal anders verspürt, bau daß Sie sich mit menigelich wohl cowiiurtird, vnd Key allen ciikicii-n ein guete -itkection haben. So Enr Lb. in widerautwortt dienstfr. pnuerhalten wollen, vnd verbleibe Ew. Licbden Dat. Hquartier Herbelshcim Treuster Diener den ZV. Juny 1638, Hanß Götz. Friedrich Rudolf von Fürstenberg an Kaiser Ferdinand III. Zlllerdurchleuchtigster großmächtigster vnnd vuüberwiudt- lichster Römischer Kayser, auch zue Hungaren vnnd Bohemb König, Ullergnedigster Herr, Ew. K. M. habe Ich bey erlangter al- lergnedigster Audienz Vuderthenuigst gcbetten, einem oder an- 33 derem auß Dero Hochansehnlichcn Kriegs Rathen allergnedig- sten Vefelch zne crthailcn, etwelche schriftliche v»cuure»re von mir aufzuuemmcn, vlindt Deroselhcn dauon gehorsambste rela. tio» zu thuen. Seitemahlen von E. K. M. mir die allcrgne- digste Vertröstung geben, solches Dero gchaimen Rath vnndt Kriegs Rath?^siäeuten Herrn Grauen von Schlickh ahnzne- befhelen, Solches aber bißhero uit erfolgt; alß mahn E. K. M. mein aller ^nderthenigst Bitten, Die geruhen Dero Kriegs Raths ?i-»?siäenteu dieses allergnedigst anzubefhelcn. Bund thue Deroselbeu zue allergnedigster Bewahrung, mich allcrunderthe- nigst Befhelen tc. Friderich Rudolph G. Z. F. Cwzzia Khay. Schreibens an Ihr Churfr. Dhrl. in Bayern ;c. Ferdinaudt der Dritte :c. »c. ^!inß hat Vnnser Dbr. Veldtwachtmaister, bestelter Obr.tc. Friderich Rudolph Graff zu Fürstenberg :c. gehörst zuernem- ben geben, welcher gestalt Er von etlichen seiner Müßgünstigen so wol bcy Vnnß alß E. Ld. scye angegeben worden, alß wen Er zu der- Zeit, wie der Veldtmarschalckh Oiwa SaueUi vnd Veldtmarschalckhen Leut. 7ol>->nn Ns WertN ans Lanffenburg zuegangen, seinen «srivo nit wol versehen, noch sonsten seine schuldigkheit erwisen haben solte, gehörst bittcndt, weil Ihme mit dergleichen --nxutaii-xi an seinen ehren, vnd von seinen VorEltern anercrbten rühm Ihrer alle Zeit ohne Tadel Treu gelaisten aufrichtig dienstcn vil zu khnrz geschcche, wir zu Ver- ncmbnng seiner Verantworttnng aine Verhör gdist anordten, vnd nach befnndt seiner Vnschnldt alle Vngnaud vnd vnwillen so wir ctwoh wtder Ihne auf solche relationes geschöpft haben möchten, sinckhen lassen, vnd Ihme zu ferneren DienslÄr gebrauchen wollen. So wie nun solche seine denen rechten vnd hillichkheit gemäß befunden, Alß haben wir alsobcstdl Vnnserm Khay. Hoff KhricgZ Rath befolchen, seine gegen Beweiß vnd ^ustiüc-itinnes znnernemben, so dan auch beschechcn, vnd Er darauf die Jme imputii-w Elag Puuctcn mit genneg- samhen scheu original schreibe» , deren -villiniirte ab- schrifften Hiekey befindtlich, widerlegt hat. Vnd wie nun darauß zu sehen, das Key so gestalten fachen Zhms gar zu vngnetlich beschechen, vnd maß dißfahls wider Ihme geclagt vnd angegeben worden, mchrers anß einem n-as- sionirten alß genuegsamb beweißlichen Inmtaiusnt herrühret. So haben wir auch aus erkhantnus deo gründtlichen wahren Verlaufs nit vorbei) gekhönt, Ihne von dergleichen beznchtigung gdist zu adsoluisrn, vnd loß zu sprechen, nit zweiflent wau E. Ld. auch der Rechten Beschaffenheit inlvrn-ation erlangen, Sie gleichsah!» darauß urteilen vnd crkhennen werden, daß Ihme Granen von Fnrstenberg hierinnen vi! zu khnrz geschechen, vnd seine Mnßgünstige so etwoh dergleichen wider Ihme inveu- tirt haben mochten, chcnder abzuweisen alß zu hören sein, habe demnach erwchnte seine gegen Beweiß Deroselben hicmit einschliessen wollen, des fr. Vetterlichcn Vertrauens vnd er- snchens, daß wie allezeit dises vorncmbe ReichSgeschlecht, sonderlich auch ermelter Graff Friderich selbsten dem Hl. Rom. Reich vil anschenlichc gnette dicnste gclaistet haben, also auch dieselbe Ihme fnrthin in bester recomuionNariun erhalten, vnd Ihrer gnaden vnd guctten beförderung bey vorfallenden oocasiousn wiircklich gcnnessen lassen werdpn. Solches wirbt vnns alle Zeit lieb seiu.zuusrnemben, vnd wir sein vnd bleiben E. Ld. :c. -Prag den 16. ^uZ. 16Z8. ^^ir Ferdürand der Dritte von Gottes gnaden Erwählter Rom. Kayßer, zu allen Zeiten Mehrcr deß Reichs, in Germanien, zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, vnd Schlauonien, :c. Khönig, Erzherzog zu Österreich, Herzog zus Burgundt, Steyr, Kärndtcn, Crain, vnnd Württcnberg, in Ober vnnd Nider Schießten, Marggraffe zu Mährern, in Ober vnd Nider Laußm'z, Graff zu Habspurg, Tyrol, vnud Görz :c. Entbietten N. allen, vnnd yeden Vnnsern vnnd des Heys. Rom. Reichs, Churfürsten, Fürsten, Geist- vnnd Weltlichen, Praela- ten, Graffen, Freyen, Herren, Rittern, Hanbtlcnten, Lentenand- ten, Landtrichtern, Vizdomben, Pstegern, Verwesern, Ambtleu- then, Landtvogten, Schultheisen, Bnrgermaistern, Richtern, Rathen, Burgern, Gemaindtcn, vnnd sonst allen andern Vnnsern, vnnd des Hcyl. Röm. Reichs Landtsäßcn, Vntcrthonen, vnnd getreuen, alß auch allen vnnd yeden soldaten zu Roß vnnd Fues, was nation, Würden, Standts, oder Weesens die seind, Vnnsern grues, in fr. wille>i, gnad, vnnd alles guets, vnnd geben Eur L. L. A. A. vnnd Euch sanibt vnnd sonders freindt. vnnd gnediglich zu vernemben, das Wür Vnnsern Obr. Veldt- wachtmaistcrn, den Hoch, vnd Wolgebornen Vnnsern, vnnd des Reichs lieben getreuen Friderichen Rudolphen Graffen zu Fürstenbcrg :c. in Vnnsern angelegenen Geschafften, vnnd Verrichtungen, zu Vnnserm Obr. Veldzeugmaistern Frcyherrn von der Golz w. abgcferttiget, vnnd verschicken ihnen. Disemnach an Eur L. L. vnnd A. A. freindt. gnediglich gesunnet, den andern nachgesezten, vnnd Vnnsern aber ernstlich bcuelchent, das Sye gedachten Graffen von Fnrstcnberg, sambt bey sich ha- bendten Leüthen, Roßen, wägen, vnnd fachen, nicht allem aller, vnnd yeder ortten zu wasser, vnnd land srey, sicher, vngehiindert, vnnd vnauffgehaltener dnrchkomben, vnnd paßicr» lassen, einige Angelegenheit, Beschwerd, oder Verhündcrnns nicht znefnegcn, weniger solches von andern zn beschehen verstatten , sondern vilmcr allen guetten besürdersamen willen, Vorschub, vnnd .assiston!-., mit dargebung ans begehr» behuef- siger cnn>i->^, Worspan, auch frischer Post- vnnd Lehen Nossen crzaigen vnnd beweisen wollen, vnnd sollen, Allermassen Wür Vnns gegen E. L. L. vnnd A. A. eines solchen versehen, die andern nachgesezten, vnnd Vnnsern aber volzichen daran Vnnsern ernnstlichen Benclch, willen, vnnd mainung. Geben anff Vnnserm Khonigl. Schloß zu Prag den Zwölfften Monatstaz yawwi» im Sechzehenhundert Acht vnnd drenßigisten, Vnnfts 36 rer Reiche des Römischen im Anderten, des Hungarischen im Dreizehenten, vnnd des Böheimischen im Aylfften Jahr. Ferdinand. (I,. S.) Fridrich Schlick Eraff zu Passaw. Ziel mnnstntum 8ao.°° iVlaioslalis ^>ro^>riuin. V. Son der Rom. Kay. auch zu Hungarn vnd Böhaimb Khvnigl. May. Vnscrs Allergndsten. Herrn wegen Deroselben Camerer, General Veldtwachtmaistcr, vndt bcstolten Obr. Herrn Rudolph Friederichen Grauen zne Fürstenbcrg, in ge. anzuzeigen, was gestalt Allerhvchsternant Ihr Kay. May. Ihm Herrn Grauen in güdster. ansehung seiner Deroselben vndt Dero Hochlöblichsten Erzhauß treu gclaister, ersprißlicher, nuzbahrer, vndt ansehnlicher Dienst zu Dero Khriegs Naht gndst. an- vndt aufgenommen, dergestalt das Er hinfuhr» von yeder meniglich also genant, darfnr gehalten, geehrt, vndt respeetn-b werden solle, vndt Verbleiben Allcrhöchstcrncnt Ihr Kay. May. Ihme Herren Grauen benebens mit Kay. gnaden wollgcwogen. ?oo Iju^oratoosm. üx Lonsilio stsllioo. l. Dlarlzr igZ^. Fo. Fridcrich Bischer. Georg Breuwer an Graf Fridrich Rudolph von F ü r s t e n b e r g. Hochwollgeborener Graue, Gnädig Hochgepiettender Herr. Ercelleutz berichte ich hiemit gehorsamblich, daß Dero Lagay den24. dis zne endt gehenden Monats Marty alhier 37 «nkhommen, die Schreiben so er mit gebracht vnndt auch auf der post khommen seindt, habe ich alle gehörigen Orthen zue recht bestellet :c. wie E. Erellentia Vohrige i>i-tllla anßgcschia- gen, das Sye nemblich mit dem ersten zue gednlt gewißcn werden, den ander aber allß deß Hoff Keiegß Rats ^r-rcücat erhalten haben, werden Sye aus meinem negsten abgaugeuen Vnderthänigen Bericht Guedig verstanden haben, wegen des Letsteren die Reichs Lehen betrefeudt bekhomme ich zwahr ober all guete Vertröstung, wirdt aber khciu resalncio» erfollgen, biß die von Jhro Mayistett hinauf zue Besichtigung deren abgeordnete (loimnissar)' wider zue rnckh khommcu, mvrbey E, Ercelleutia Gnädig zue L-zusillmiren, daß vill Zeits daraufgehen wirdt, vnd ob Sye mich so lang allster verbleiben lassen vdcr meine Reiß wider zue rnckh zue nemmen Gnädig anbe- Nehlen wollen, was ich dem Lagayen au Geltt geben miesen, vnd sousten alhier wenig Newes, wird E. Ercellentia der Laloinon vuderthänig berichten. Sounsten Hab ich verstauuden d« der Hertzog von rim-entT, welcher Sich alhier befindet bei dem Ober Reiuischeu Lorxo für einen Veldt Marschalckhen vnd der von Hoffkürchen alls ein Veldt Marschalckh Lentenandt llom' manäieien sollen, Ihre Maytt. lassen 5V. Wegen Stcurische Wägen mii Wein auf Prag füehrcn zue was Inwnt, vndt ob dise jnns Reich forth gehen solle weiß man nicht. Gestern hatt ein Türcklstscher dlaxla bei Ihr Maytt. ^ullienr gehabt, seine Verrichtigung solle fein d. Man Sich wegen der mit den xcr-iisriersv vom Türckhen erlangten Vicwria vnd ein- nemung Labil.in mit Ihnen erfrewen soll:c. So dann bcg'hren Sye ain Kayßerlichen zue Ihrem Suldaun den Ariden auf das New zue cmNirniWren ic. Mich zue Erauelichen Gnaden. Wien den 30. Marty 1639. Ewr. Ercellz. Vnderthanger Gehorsamber Georg Prower, Quartier May,