243 —
Mit Witheball wieder in Freundschaft zu kommen, bewirk-ten den Abschluß eines Separatfriedens unter spanischerVermittlung. Münster war durch allerlei persönliche Ge-fahren und durch das Unglück seiner kriegerischen Unter-nehmungen anders gestimmt worden.
Aber auch selbst der Churfürst von Köln trat noch imFrühjahr 1674 von dem Bunde mit Frankreich ab. «Esscheint — berichtet Schmidt — es habe sich dieser Fürstseiner bisherigen Abhängigkeit von dem Prinzen von Für-stenberg geschämt und selbige dadurch verleugnen wollen,daß er sich jetzt standhafter bewies, als man es wegen desEindrucks vermuthen konnte, den die Eroberung seinerResidenzstadt Bonn auf ihn gemacht hatte.« Der schimpf-liche Friede, welchen Marimilian Heinrich einging, undwelcher für den Wiederbcsitz des einzigen Rheinbergensaller Eroberungen des vorangegangenen Feldzugs ihn be-raubte, zeigte jedoch am deutlichsten, wie sehr er der Lei-tung eines verständigen und charakterfesten Mannes be-durfte, und der vom Jahre 1679 bis 1638 fortgenosseneEinfluß Wilhelms auf den Erzbischof bewies, daß dasGefühl der erlangten Unabhängigkeit von jenem seinemMinister eben nicht sehr lange gedauert hat.
Der Verlust seiner drei Verbündeten war für LudwigXIV. in den damaligen Verhältnissen bedeutsam, um somehr, da auch bald darauf Brandenburg und Pfalz derRepublik sich anschlössen. Diese letztere, vor Kurzem nochin Gefahr des gänzlichen Untergangs, war jetzt gleichsamwieder das Haupt oder doch der Einigungspuukt dergroßen Partei wider St. Germain und die Schiedsrich-tern! der europäischen Ereignisse, je nachdem sie in demeinen oder andern Sinn sich aussprach. Sie hatte in denunerschöpflichen Hülfsquelleu ihres Handels- und Kolonial-systems neue Kräfte, in der unverwüstlichen Tugend ihrer