Druckschrift 
3 (1832)
Entstehung
Seite
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Unter den tcutschen Fürsten behauptete, durch physischeund moralische Macht, der Churfürst von Brandenburgden ersten Rang, aber eine Art steifer und pedantischerEhrlichkeit, welche mit dem schlangenglatten Genius derdamaligen Politik schlecht sich vertrug, durchkreuzte häu-fig die durchdachtesten Entwürfe seines Kabincts, undNichte seine Tugend, wie seine Tapferkeit nutzlos; ander Spitze der katholischen standen Mainz und Köln;Münster und Neuburg waren durch Jntriguen oderSchwache nicht unwichtige Werkzeuge. Sachsen hing vor-zugsweise an Österreich, nachdem es durch ein charakter-loses und zweideutiges System die Stelle längst schon ein-gebüßt, welche es einst als Haupt der Protestanten be-sessen. Baiern war zweifelhaft, hing aber meist, durch dieBetriebsamkeit seiner Minister, mit den geistlichen Ehur-fürstcn und somit zugleich auch mit der französischen Par-tei zusammen. Der Pfalzgraf, einzig durch die beredsameSchlauheit seiner geistreichen Schwägerin mächtig, dienteebenfalls blindlings dieser letztern.

In solcher Stimmung und Stellung überraschte dasJahr 1657, in welchem die wichtige Frage der neuenKaiserwahl entschieden werden sollte, den teutschen Staats-körper.

Der französische Hof, dessen fire Idee war, die Kaiser-krone auf das Haupt des jugendlichen Königs LndewigsXIV. zu setzen, ließ alle Mienen springen, um diesen selt-samen Zweck zu erreichen. Mazarin benutzte jede Leiden-schaft, durch die er zu wirken hoffte, und niemals arbei-tete die Partei Frankreichs in Teutschland thätiger, alsdamals. Dem Churfürsten von Brandenburg ward aller-wegen geschmeichelt, um das gcfürchtete Annähern anÖsterreich zu verhindern. Das sichtbare und auch allerdingssehr thatige Oberhaupt seiner zahlreichen Anhänger war