Druckschrift 
3 (1832)
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

Dies würde wohl schwerlich Jemanden eingefallen seyn;aber merkwürdig genug und bezeichnend für die Charakte-ristik des Geistes und Geschäftsganges der damaligenStaatskanzleien, bleibt es, daß Jakob Ludewig die Urkundeüber die im Jahre 1624 für eine Kriegsthat vom Jahre1623 erhaltene Auszeichnung, selbst im Jahre 1626 nochnicht erhalten hatte und daher zu Ende jenes letzter»,vom Lager aus, an den Kaiser erst schreiben mußte, umden patriotischen Eifer des Hofkriegsrathes oder der Histo-riographen, welche die diplomatisch-genealogischen Schnör-kel zu besorgen hatten, etwas zu stacheln. (')

Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Tilly, welcher denHanptbcricht über das Treffen bei Lahn nach Wien gemachtnnd Ferdinand zu Belohnung des wackcrn Kriegers auf-gefordert hatte, auch die endliche Ausfertigung des Di-plomes ihm erwirkt. Wir wiederholen gern eine frühergemachte Bemerkung über den edlen Zug im Gcmüthe desfurchtbaren Fcldherrn, bei jedem Anlaß seiner Waffen-brüder Verdienste hervorzuheben und deren Belohnung wieeine eigene Sache zu betreiben. Hierin stand der Wallonehoch über manchen Teutschen jener Periode, welche nichtselten die eigene Mittelmäßigkeit durch Heruntersetzungfremder Vorzüge zu decken gesucht; der Landsmann Tilly's,Johann von Werth, liefert gerade in umgekehrtem Ver-hältnisse den Beweis hiefür.

Auch im Sommer des Jahres 1626 rechtfertigte JakobLudewig den ihm vorangehenden Ruf; unter Tilly's Augenbeinahe führte er das Regiment an, welches bei Mindenmit zur Entscheidung vom 6. Juni gewirkt.

In der abgebrannten Vorstadt gelagert, stürmte Fürstcn-berg die Stadt nach drei Tagen der Bedrängniß, welcher

k') Schreiben Z. Ludewigs, 6. ä. 23. September. (F. H.-A.)