Druckschrift 
Festschrift zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Vereins für Wappen-, Siegel- und Familienkunde "Herold"
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

Konkurrenz eine befruchtende Rückwirkung aus die italienischeHeraldik der Gegenwart äußern.

Schließlich noch eine Bemerkung. So erforderlich und an-regend für den Heraldiker ein gründliches Studium der Zeit desursprünglichen praktischen Wappenwesens ist, so bleibt doch dieunmittelbare Uebertragung seiner ältesten Formen auf die Gegen-wart ein alterthümelndes Spiel der wandelbaren Mode und er-scheint mir nur da gerechtfertigt, wo es sich um dekorative Aus-schmückung im Styl jener Zeit gehaltener Architekturen und allen-falls um Siegel der dem Uradel angehangen Familien undPersonen handelt.

Meines Trachtens steht dem Bewußtsein der Gegenwartdie Renaissancezeit mit ihren klaren und doch so reichen, lebens-vollen Gestaltungen sympathischer gegenüber.

Ganz abgesehen davon, daß es der größeren Mehrzahlunserer Künstler sehr viel besser gelingen wird, ein Wappen imStyle der deutschen Renaissance zu bilden, als im Style derGothik. Wo wir moderne Arbeiten letzterer Art sehen, läßt einVergleich mit wirklich alten Stücken des ^3. und Jahrhundertsoft nur zu sehr erkennen, wie schwer es heutzutage ist, sich inden Styl jener Zeit vollkommen hineinzuleben.

Auch den italienischen Freunden des Wappenwesens, welchegewiß von dem Wunsche beseelt sind, dasselbe in verjüngter undverschönter Form bei sich erstehen zu sehen, möchte ich vor Allemempfehlen, auf die in Italien so reichlich vorhandenen herrlichenVorbilder der Renaissancezeit zurückzugreifen und diese, untermaßvollem Festhalten der charakteristischen und organischen Grund-formen, dem Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen.

Möge besonders der Helm mit seinem Schmuck und schönenDecken wieder die Bedeutung einnehmen, wie zu jener Zeit,kehre man ferner wieder zurück zu dem feinstylisirten Natura-lismus der Thiergestalten und stelle diese, wie überhaupt alleWappenbilder, in ein richtiges Verhältniß zum Schilde, dessenForm unter den nationell charakteristischen Typen zu wählen unddem Wesen des darzustellenden Wapxenbildes auch entsprechendzu modificiren sein dürfte.

l95