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in seinem Tempel angestrebt, was die geheime Offenbarung als höchstes Musterhingestellt, das bestimmte das Streben des ganzen Mittelalters hindurch. Nir-gendwo entfaltete es sich, wie in der Hauptstadt des byzantinischen Reiches.Die innere Pracht der Sophienkirche war unvergleichbar, und ihre Schätze anGold, Perlen und Edelgestein aller Art waren wahrhaft unermesslick *).
Die bildlichen Darstellungen in den Sanktuarien, zu denen die beiden vonuns besprochenen gehören, reichen bis ins fünfte Jahrhundert zurück. DieGegenstände der Darstellung sind vornehmlich aus der Apokalypse entnommen.Aber daraus, dass diese Bilder nicht älter sind als das fünfte Jahrhundert, folgtnicht dass dieselben Gegenstände nicht früher dargestellt worden. Mehre dieserBilder können als Erneuerungen alter Bilder nachgewiesen werden. Die Ideedie uns hier zunächst beschäftigt, die Idee von dem neuen Jerusalem war eineweit verbreitete, lebendig im Bewusstsein des christlichen Volks gehegte undgepflegte. Möge man von der Dunkelheit der Apokalypse sagen was man wolle,das Buch war den Christen der ersten Jahrhunderte nicht so räthselhaft, als esuns scheinen mag. Für jene Jahrhunderte war es ein Trostbuch, eine.Theodicevon unvergleichlichem Werthe, und so paradox die Behauptung klingen mag, eswar gemeinfasslicher als irgend ein anderes Buch. Das neue Jerusalem war dieSehnsucht der damaligen Welt; den Völkern, welche einer religiösen und poli-tischen Wiedergeburt entgegenharrten, war es in einer Zeit, wo alle Verbrechen,wie wenn die Unterwelt ihre Schaaren entfesselt und herauf auf die Erde ge-sandt hätte, frei umherwandelten durch die Gesellschaft, und überall wo ihreiserner Fuss hintrat, Wehklagen, Thränen und Ströme von Blut erpressten,Trost gegen Verzweiflung und Leitstern der Hoffnung. Wie der Schiff-brüchige der mit den Wellen und dem Tode ringt, seine ermattende Hand nachdem Rettungsboote ausstreckt, so hing der Blick der bekümmerten und zertretenenMenschheit an dem neuen Hoffnungsstern! Mehr als alle Anderen verstanden siedie Worte: „Ich komme bald und mache Alles neu 2 )!" Mehr als alle Andernverstanden sie die Worte des Propheten des neuen Testamentes: „Ich sah einenneuen Himmel und eine neue Erde!"
so lautet das Gebet, wir beschwören dich, zu machen, dass wir erlangen glänzenden Schmuck und kost-bare Edelsteine 1"
1) S. Hinter, Innocenz III. Bd. I- S. 547. Ein Gang durch Constantinopel.
2) Isaias 34, 18. 19. Apok. 21, 5.