Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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reinsten byzantinischen Styl des tl. Jahrhunderts in allen seinen charakteri-stischen Einzelnheiten zu erkennen, wohin besonders die glatten Mauern ausQuadern, die Fenster von geringer Hohe mit halbkreisrunder Bedeckung, diegleiche einfache Verzierung der Pforte, ferner die Reihe halbkreisrundcr Bo-gen unter den Gesimsen, die Würfelknäufe mehrerer Säulen der Gallerien,und endlich diese Säulenumgänge selbst zu zählen sind. Treten wir in dasInnere dieses majestätischen Gebäudes, so erhalten wir hier ganz denselbenTotaleindruck, welchen das Aeußere auf uns machte; denn überall erblickenwir hier die nämliche edle Einfachheit und Ruhe, dieselbe Festigkeit undZweckmäßigkeit, wie im Aeußern, wozu der Anblick der rein ohne Ueberstrichgelassenen Quadersteine nicht wenig beiträgt. Eilf mächtige viereckige Pfeiler,welche mit Halbsäulen nach altrömischer Art verziert sind, halten auf jederSeite die kühngesprengten Bogen empor, auf welchen das leichte mit bloßemTufstein bedeckte Gewölbe der Kirche ruht. Einfach groß ist die Hinsicht voneinem Chöre zum andern, kühn und erhebend der Aufblick zu den dieselbenbegränzenden Kuppeln, von welchen die östliche die höchste ist und IZ7 Schuhin der Höhe beträgt» Selbst der gänzliche Mangel aller eigentlichen statua-rischen Monumente an den Pfeilern und Wänden der Kirche trägt nicht we-nig dazu bei, den einfach großartigen Grundbau derselben um so ungestörterund wirksamer hervortreten zu lassen, so sehr übrigens dieser hauptsächlichdurch die Verwüstungen der Franzosen im Jahr 1689 herbeigeführte Verlustfür die bildende Kunst zu bedauern ist. Von allen ursprünglich dem Domangehörenden Merkwürdigkeiten dieser Art hat sich nichts erhalten, als diein einer Seitcnkapelle eingemauerten uralten Hautrclicfs, Daniel in der Lö-wengrube darstellend. Außerdem erblickt man hier und da noch ein Wand-gemälde im altbyzantinischen Style, von welchen ehedem eine große Anzahldiesen Tempel geziert zu haben scheinen. Besondere Auszeichnung verdienendarunter die kolossalen Gestalten der beiden Schutzpatrone der Kirche, derengroßartige, edle Haltung und geistvolle Miene noch aus dem fast ganz er-bleichten Gemälde durchscheint. In noch kolossalerer Größe ist an der denöstlichen Chor begränzenden Kirchenwand das Brustbrld der heil. Jungfraunebst dem Muttergotteskinde angebracht mit der (nicht ganz zu entziffernden)

Unterschrift! Der. te. »tre»». «lilt'II'. ,»<>rl>i. sxeaus. »ine. ^ ?»g!»t>ir. ffaura. lames. pestis. «llii.ti cllri-to tare te II. Höchst merkwürdig sindauch die in dem genannten Chor einander gegenüber aufgehängten Holztakelnmit den auf Goldgrund gemalten beiden Schutzheiligen der Kirche im ältestenbyzantinischen Style. Die übrigen Denkmäler dieser Kirche sind mitAusnahme eines Grabsteins aus dem vorigen Jahrhundert sämmtlich erst inden neuesten Zeiten hier aufgestellt worden; so in der Kirche selbst: der sehrzierlich in gothischem Style ausgchauene Grabstein der drei fränkischen Kö-nigstöchter St. Embede, St. Warbede und St. Willibede, welcher aus derzerstörten Kirche des ehemaligen Frauenklosters auf dem Andreasberge (dessogenannten Bergklosters) herstammt; in der südlichen Seitenkapelle: dieKreuzabnahme Christi, gleichsam ein Gemälde in Stein von wahrhaft er-greifendem Ausdruck, die Geburt unsers Heilands, der Stammbaum derMaria ?c., sämmtlich sowie die vielen kleinen Wappenschilder aus dem zer-störten Kreuzgange des Doms, der Taufstein aus der abgebrochenen Johan-niskirche. Von dem Krcuzgange hat sich übrigens noch ein sehr sehens-werther Chor im byzantinischen Style erhalten. Offenbar stand also ander Stelle des nunmehr völlig abgerissenen Kreuzgangs, welcher den Bau-styl des 15. Jahrhunderts an sich trug, ein älterer im byzantinischen Styl,welcher, jenem Thore nach zu urtheilen, vielleicht in gleicher Zeit mit derDomkirche entstanden ist. Unter die Borzüge der Domkirche gehört nochdas herrliche Geläute, welches, besonders in seiner vollständigen Harmoniean hohen Festtagen, einen wahrhast imposanten, ganz des erhabenen Gebäu-des würdigen Eindruck gewährt.

Zwischen dem Dom und der Liebfrauenkirche blicken die beiden modernenThürme der St. Äiidreaskirche hervor, von deren älterem byzantinischenBau (um das Jahr 1020) sich außer dem Hauptportale nur der untere Theildes östlichen Thurmes erhalten hat. In der neueren Zeit wurde ein Theildieser Kirche zur Errichtung der Mehlwage verwendet und der übrige als

Magazin vermiethet. (Ganz in der Nähe liegt die (im Bilde nicht sicht-bare) St. Magnuskirche, welche ehemals dem Andreasstifte gehörte, späteraber (urkundlich schon im Jahr 1524) der lutherischen (jetzt evangelischen)Kirche eingeräumt wurde.) Mitten vor dem Dom sehen wir die Thurm-spitze der St. Martin-Kirche sich erheben, von deren frühcrem altbyzanti-nischem Bau (aus unbestimmter Zeit; denn das gewöhnlich angeführte Jahr1265 kann nur auf eine Renovation desselben gehen) sich die ganze Außen-seite des Schiffes nebst den dahin führenden Thüren, der eine Thurm bis anden Aufsatz und das schöne Hauptportal erhalten hat. Schon im 9. Jahr-hundert wurde hier auf der Stelle, wo ehedem der heil. Martinus, als ernoch in dem Kriegsheere des Kaisers Julian diente, wegen seines öffentlichbekannten Christenthums um das Jahr Z55 gefangen gehalten und gemartertworden sein soll, von den frommen Bewohnern von Worms ein Bethaus er-richtet, welches Kaiser Otto III. später in eine Kollegiatstistskirche verwan-delte, dem er sodann durch eine feierliche Urkunde vom Jahr 991 alle seineBesitzungen, Rechte und Gefälle zu Boppard schenkte. Noch mehrere undbeträchtlichere Schenkungen erhielt dieselbe in der Folge durch mancherleiWohlthäter (worunter die Kämmerer von Worms den ersten Platz einneh-men), so daß sie sich in den blühendsten Verhältnissen befand. Im Jahr1265 wurde die Kirche, wie es gewöhnlich heißt, von Grund aus (?) neu er-baut, und erhielt sich seitdem in stattlichem Zustande bis zur Zeit der fran-zösischen Invasion, wo sie durch das Feuer bis auf die äußeren Mauern (indem oben angegebenen Umfange) zerstört wurde. Später richtete man sie wiederzum Gebrauche ein, und gegenwärtig ist sie nebst dem Dom die einzige Kirchein Worms, in welcher regelmäßig katholischer Gottesdienst gehalten wird.In geringer Entfernung von dem Dom steigt die an dem Marktplatze derStadt gelegene Dreis-ltigkeitskirchc empor. An diesem Platze war es,wo schon seit Kaiser Dagoberts Zeit (um 622) eine Reichspfalz stand, welcheKarl der Große sehr oft besuchte, bevor sie im I. 790 ein Raub deß FeuerSwurde. Die leere Stätte wurde 1264 den Augustinermönchen eingeräumt,die hier ein Kloster errichteten, welches 1567 gleichfalls abbrannte. Jetzosiel der Platz an den Rath der Stadt, der ihn im Jahr 1586 zum Baueines stattlichen und geräumigen Rathhauses, gewöhnlich die Münze genannt,benutzte. Nachdem leider auch dieses Gebäude im Jahr 1689 völlig zu Grundegegangen war, wurde vom I. 17091725 die gegenwärtige freundliche undgeräumige Dreisaltigkeitskirche im Geschmack der damaligen Zeit aufgeführt.Gewöhnlich aber durchaus irrig wird hier die Stätte gesucht, wo der evange-lische Glaubensheld Luther (im Saale des alten Rathhauses) im Jahr 1521^vor Karl V. stand, indem, wenn anders die damalige Reichsversammlung ineinem der Säle des Rathhauses Statt fand, dieser unmöglich in dem erst1586 erbauten vorderen Theile desselben, der sogenannten Münze, zu suchenist, sondern jedenfalls nur in dem vom Marktplatze ganz abgelegenen älterenTheile des Rathhauses, dem sogenannten Bürgerhofe (wovon auch wirklicheinige Nachrichten melden); allein wenn auch hier manche frühere und spä-tere Reichsversammlungen gehalten wurden, so bemerkt doch der wohlunter-richtete Friedr. Zorn (geb. 15Z8, gest. I6>0) in seiner Chronik der StadtWorms ausdrücklich, daß jene Reichsversammlung von 1521 in des BischefsHofe (neben der Domkirche) nicht auf dem Bürgerhofe,wie der gemeineMann meint", gehalten worden sei. Dadurch verliert deyn auch das überder Orgel der Dreifaltigkeitskirche angebrachte, Luthern vor Karl V. vorstel-lende Freskogemälde, welches ohnedies keinen künstlerischen Werth hat, völligalle historische Bedeutung. (Der hier erwähnte bischöfliche Hos oder Palastwurde 1504 aufgeführt und brannte im Jahr 1689 mit der übrigen Stadtab. Der seit 1717 errichtete neue prächtige Bischofshof, welcher an innererund äußerer Schönheit den vormaligen bei weitem übertraf, stand bis zumJahr 1794, wo er von den Franzosen zum zweitenmal abgebrannt wurde.Noch haben sich die Substructionen des Gebäudes erhalten. Es befindet sichgegenwärtig ein Weinberg darauf, der sowi? der angränzende Garten imBesitz der Heylschen Familie ist.) In einiger Entfernung, mehr demRheins zugewandt, erblicken wir die Frildrichskirche, welche die refor-mirte Gemeinde 1765 mit reicher Unterstützung des großen Friedrichs von