7 ZU'. W A M V « uTA C. KZr A A v nac!) öerEUi^enoMMLU VS« -k Desisrllzko <»» . ^VS- ST7§^- ^SS- " Sk7§^' ^ ^>A?77'Z7^c'ÄD^ ^ " ")Nit emem artistisc!) tovofMP!?isc!ien ö «i -l7 VS« «?- N?K«NK t4SZA-> 1SS7. LS^ZT-«^ «M Wk//^S Vorwort. Aie Städte Deutschlands sind es, welchen wir die größten Verdienste um die Aufklärung und ganze' geistige Wohlfahrt unserer Nation verdanken. Sie haben den eigentlichen Pfleger und Bewahrer aller aufstrebenden Bildung, den Burgerstand, ins Leben gerufen; sie haben ihm unter dem Schutz ihrer Mauern und Privilegien Freiheit gegen innere und äußere Bedruckungen und eigenmächtige Eingriffe jeder Art gewährt; sie haben dem Handel und allen Gewerben eine Bedeuttmg, eine Ausdehnung gegeben, welche nicht nur ihren Reichthum, ihre äußere Macht unglaublich erhöhten, sondern es auch möglich machten, daß Kunst und Wissenschaft auf ihrem freien Boden auf das herrlichste gediehen. Sie sind es daher auch, welche wir noch jetzo und für alle Zeiten als die wahren Mittelpunkte der Freiheit und Aufklärung, des Reichthums und der materiellen Kraft unseres gemeinsamen Vaterlandes?n betrachten haben. Es war daher gewiß ein ebenso zeitgemäßes als patriotisches Unternehmen, als wir uns die Aufgabe setzten, in unsern Original-Ansichten die historisch merkwürdigsten Städte Deutschlands in ihrem gegenwärtigen Zustande, der noch so manche — vielleicht schon in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr vorhandenen — Erinnerungen an die frühere mittelalterliche Zeit darbietet, mit ihrem ganzen Reichthum an öffentlichen und privaten Bauwerken bildlich darzustellen und mit Hilfe der diesen Abbildungen beigegebenen Beschreibung ein treues und möglichst vollständiges Bild derselben zu gewähren. Wenn man früher bei ähnlichen Unternehmungen sich gewöhnlich damit begnügte, die von einzelnen Städtm gerade vorhandenen, besseren oder schlechteren, Ansichten nothdürftig zu einem Ganzen zusammen zu stellen, und die Beschreibung dazu nur aus der Ferne, nach den allgemeinsten darüber verbreiteten Nachrichten, zu entwerfen; so wurden hier dagegen die Zeichnungen, selbst mit großen Aufopferungen von Zeit und Geld, an Ort und Stelle aufgenommen und die artistisch-topographische Beschreibung, wo eS möglich war, aus eigener Anschauung, stets aber nur aus geläuterter Quelle, geschöpft. Der Zeichner, Architekt Ludwig Lange, schon von Jugend auf der deutschen Art und Kunst mit patriotischem Enthusiasmus zugethan, verstand es nicht nur, seinen Standpunkt jedesmal ebenso historisch bedeutsam, als malerisch günstig zu wählen, sondern er ließ es auch stets sein höchstes Bestreben sein, die malerische Auffassung mit architectonischer und selbst historischer Genauigkeit zu vereinigen; ein Bestreben, worin die Künstler, besonders Ernst und Karl Rauch, Poppel, Müller, Snell u. s. w., so rühmlich mit ihm wetteiferten, daß das Werk selbst sich wol mit vollem Rechte den ehrenvollen Namen eines neuen Merian verdient hat. In ähnlicher Weise bemühte sich der Verfasser der artistisch-topographischen Beschreibung, Dr, Georg Lange, an die Erklärung der Ansichten nicht nur die interessantesten Erinnerungen aus der frühern Geschichte jeder Stadt anzuknüpfen, sondern auch alle übrigen zum Totalbilde einer Stadt nöthigen Bemerkungen in einem lebendigen und anschaulichen Ganzen zusammen zu stellen. Auf diese Art in gleichem Geiste zusammenwirkend, ward es uns möglich, einen jeden Beschauer und Leser mit den einzelnen deutschen Städten, die wir zum Gegenstande unserer Darstellung machten, auf das vollkommenste vertraut zu machen, und ihm so bei späterer Selbstanschauung das Geständziiß abzulocken, er fühle sich zu seinem freudigen Erstaunen hier überall schon einheimisch, und erblicke die früheren seiner Seele eingeprägten kleineren Bilder jetzo gleichsam nur in ihrer natürlichen Größe und Gestalt. Auf diese Weise haben wir unsere schöne gemeinsame Aufgabe, unter fortdauerndem Beifalle des ge- sammten deutschen Publikums, nach Kräften zu lösen gesucht; aber bei dem großen Reichthum? unsers Vaterlands an den herrlichsten Denkmälern dieser Art ist das uns vorgesteckte Ziel möglichster Vollständigkeit noch lange nicht erreicht. Mögen deßhalb die Freunde und Beförderer unsers Werks, zumal bei dem Rückblicke auf die bisherige Gediegenheit unserer Leistungen, auch der weitern Fortsetzung ihre beifällige Theilnahme nicht entziehen! Um die reiche und anziehende Fülle der bis dahin, von 183S—1837, erschienenen Städte-Ansichten besser überschauen zu können, schicken wir hier ein Verzeichniß derselben voraus, und zwar in der Ordnung, in der sie hier nun im großen Ganzen auf einander folgen; wobei wir jedoch nicht unterlassen wollen, zugleich die Angabe der ursprünglichen Eintheilung nach Heften beizufügen, in so weit im beschreibenden Tcrte Beziehung darauf genommen wurde: VII. Heft enthielt Nro. S5--S8, VIII. Heft Nro. 36 — 38, IX. Heft Nro. 39 — 41 und X. Heft Nro. 48 — 50. 1. Das Titelblatt mit der Ansicht von der Burg Frankenstein nach Darmstadt. Frankfurt a. M. s. Frankfurt von der unteren Seite des Mains. 3. Die Zeile in Frankfurt von der Hauptwache. 4. Der Römerberg in Frankfurt, von der Gegend des Fahrthors. 5. Der Dom und ein Theil der Altstadt von Frankfurt, von dem Barfüßer Kirchthurm. 6. Ein Theil der Fahrgasse in Frankfurt. 7. Die Sachsenhäuser Warte bei Frankfurt. W ü r z b u r g. 8. Würzburg vom Steinberg aus. 9. Fürstbischöfliche Residenz in Würzburg. 10. Die Liebfrauenkapelle in Würzburg. 11. Die Domstraße in Würzburg. Nur n b e r g. IS. Nürnberg von der Nordvstseite. 13. Aussicht nach der Burg von Nürnberg, von der Lorenz-Kirche. 14. Das Wohnhaus Albrecht Dürers in Nürnberg. 15. Das sogenannte Haus Nassau in Nürnberg. 16. Der Marktplatz in Nürnberg mit dem schönen Brunnen und der Frauenkirche. 17. Die St. Lorenz-Kirche in Nürnberg. 18. Der schöne Erker am Pfarrhof zu St. Sebald in Nürnberg. 19. Der sogenannte Heidenthurm auf der Burg in Nürnberg. 20. Die St. Sebaldus-Kirche in Nürnberg. 21. Weg nach der Burg zu Nürnberg. 22. Das Frauenthor zu Nürnberg. 23. Ansicht der Burg zu Nürnberg vom St. Johanniskirchhof. 24. Der Henkersteeg. Bamberg. 25. Ansicht von Bamberg. 26. Der Marktplatz und die Pfarrkirche zu St. Martin in Bamberg. 27. Der Dom zu Bamberg (kleine Ansicht). 28. Die obere Pfarrkirche zu Bamberg. 29. Die Kloster-Kirche von Ebrach bei Bamberg. 30. Die Ludwigsbrücke in Bamberg. 31. Der Dom zu Bamberg (große Ansicht). P a s s a u. 32. Passau von der Donau-Seite. 33. Totalansicht von Passau. 31. Die Festung Ober- und Niederhaus und ein Theil der Jlzstadt in Passau. 35. Passau von der Jnn-Seite. München. 36. Glyptothek und Pinakothek in München. 37. Ansicht von München. 38. Die Metropolitan- und Stadtpfarr-Kirche zu U. L. Frau in München. 39. Der Königsbau und das königliche Hof- und Nationaltheater in München. 40. Der Schrannenplatz in München. 41. Das Jsar-Thor in München. 42. München von der Südwest-Seite. 43. Die Ludwigskirche, Bibliothek und Ludwigsstraße zu München. 44. Die neue Pfarrkirche der Vorstadt Au in München. 45. Die Allerheiligenkirche in München. 46. Das Rathhaus und ein Theil des Schrannenplatzes in München. 47. Das Carlsthor in München. Augsburg. 48. Das Rathhaus und die Börse in Augsburg. 49. Die Carolinenstraße in Augsburg. 50. Die Domkirche zu Augsburg. 51. Ansicht von Augsburg. 52. Das neue Jmhoffische Haus am Obstmarkt in Augsburg. 53. Das Wertach-Brückenthor in Augsburg. 54. Das Jacober-Thor in Augsburg. Regeusburg. 55. Totalansicht von Regensburg. 56. Das Rathhaus in Regensburg. 57. Die Goliath-Straße. 58. Das Schottische Benedictiner-Stift und Kloster St. Jacob. 59. Der Dom zu Regensburg. Landshut. 60. Die St. Jodokskirche in Landshut. 61. Das Schloß Trausnitz in Landshut. 62. Totalansicht von Landshut. 63. Die St. Martins-Kirche in Landshut. Worms. 64. Worms von der Rheinseite. 65. Die St. Paulus-Kirche. 66. Der Dom zu Worms nebst einem Theil des Marktplatzes. Darmstadt, im December 1837. Die Herausgeber: Ludwig, Georg und Gustav Lange. I I« I N k L » Wichtigsten vomc. Mirchen II n v H G W A W 2 A H N w ^ W 2) IZ N M ^ 2» ^ M ^ I. I L It tl ZV 0 ZV IZ tl L N 5 L I !>^cn I)LK V t> IV F n h tN t g Fangt/ Archltec. und Zeichner, IZV Sr^UI. KLSrvOIILIV , V o ic Ernst Nauch, Kupferstecher. IM VLNLIIV INI^ n^vcn llZVV ^ZVVLNV »LD^sciiLiv kcÜZVS^ILNZV, !»I1' LMLIN 4KIl8I18<:ii It)l-Ul-!K.fI'fII8ciI^>t I fiX^ von D' Gearg Fange. o L »l ^118 lIVZVI«8rLN VLNLNNlIN<^ IIZVV I.ILNL l!K>VIV!NL^. Darmstadt» II» VLKI^K vo^ ons^^v «LOK« I.^ZV«L. 1 8 3 2. ^frankkurt am Main. ^ ie Freie Stadt Frankfurt a. M. — die altehrwürdigeWechl- stadt der deutschen Könige und römischen Kaiser, an die sich soviel bedeutukigs- volle geschichtliche Erinnerungen knüpfen, schon frühe die blühende Wohnstätte des Handels und Reichthums, der Kunst und Wissenschaft, der Aufklärung und Freisinnigkeit, gleichsam im Herz des großen deutschen Vaterlandes, überhaupt aber in einer der gesegnetsten Gegenden desselben gelegen — war wohl unter allen Städten Deutschlands die würdigste, ihre glänzende Reihe in diesem deutschen Nationalwerke zu eröffnen. Wir hoffen von dieser herrlichen Stadt in den vorliegenden vier Ansichten — ohne Zweifel den schönsten und inhaltreichsten, die sich geben ließen — ein des Gegenstandes würdiges, getreues und vollständiges Bild gewährt zu haben. Möchte es mir auf ähnliche Weise gelingen, auf diesen wenigen Blättern in der Erklärung dieser vier so Vieles enthaltenden Ansichten gewissermaßen die Schilderung der ganzen Stadt in ihren hervorragendsten Glanzpuncten zusammenzudrängen. Bon welcher Seite man sich auch der F. St. Frankfurt nähern mag, gewährt sie einen ihrer ehmaligen und jetzigen Bedeutung würdigen' Gesammtanblick, den würdigsten und umfassendsten jedoch, wenn man von der Höhe der Sachsenyäuser Warte in die herrliche, von dem Taunusgebirge umkränzte Thalebene, worin Frankfurt sich weithin ausdehnt, hinabsteigt, oder wenn man sich auf dem sanften Mainstrome der in einer majestätischen Linie aufwärts steigenden Uferstadt nähert. Die Wahl schwebte lange zwischen diesen fast gleich schönen und inhaltreichen Gesichtspuncten, und man entschied sich zuletzt nur für den letzteren, weil sich hier die einzelnen Gegenstände dem Auge deutlicher und vollständiger darbieten. In der That kein Bild vermag in höherem Grade die ganze Bedeutung und Eigenthümlichkeit der F. St. Frankfurt zu enthüllen, als diese an Einzelnhciten unendlich reiche Main ansieht. (Mo. 4.) Kein Bild ist zugleich mehr geeignet, um daran einen historisch-topographischen Ueberblick der ganzen Stadt anzuschließen. Die Fülle des Gegenstandes erlaubt hier indeß natürlicherweise nur wenige und kurze Andeutungen. Lassen wir zunächst den überraschten Blick, auf dem Bilde, gleich wie in der Wirklichkeit, über die sanften lichten Wellen des Mains durch die lebhafte Regsamkeit in den vielen Schiffen und Schiffchen im Fluß und am Strande, durch das Gewühl der thätigen Menge an dem Gestade und um die beiden Krahnen, die lange und bunte Reihe stattlicher Wohnungen, von den altehrwürdigen Häuptern der Kirchen und andern großen Gebäude übcr- So freundlich an des Meines schönem Strand», So groß in Deines Alterthumes Glanz, Im guten lieben deutschen Vaterlande, Koch strahlst Du in der Städte edlem Kranz; Die Freiheit schirmet Deines Handels Blüthe, Der Handel hält des Reichthums alten Bau, Die Religion, die Sittlichkeit, die Elite, Sie wohnen noch in Frankfurts fteiß'gem Gau. Und rings herum, ein Echooßkind der Natur, Bcgränzl die freie Stadt die freie Flur! ragt, — mit der Schnelligkeit des Blitzes hinauffliegen, um endlich in der ernst und fest über den Strom gewölbten Brücke einen kleinen Ruhepunct, keineswegs eine Gränze zu finden; denn noch oberhalb der Brücke drängt sich ein schönes Gebäude an das andere, gleichsam begierig, auf gleiche Weise der herrlichen Lage zu genießen und ihres Namens: die schöne Aussicht würdig zu seyn. So endlich von seiner reichen und belohnenden Wanderung zurückkehrend, streift das Auge wie im Fluge über die weniger anziehende linke Seite des Mains hin, wo ihm die ersten Gebäude von Sachsenhausen, Frankfurts kleinerer Hälfte, entgegentreten. Es stellt sich hier Frankfurts älteste, ehrwürdigste Vorzeit und zugleich seine jüngste und glänzendste Gegenwart in zauberhafter Mischung dar. Denn in jenem Theile der Uferstadt, der, noch etwas weiter unten, als es hier aufzunehmen möglich war, beginnend, sich mit geringer Tiefe nach der Landseite hin längs des Mains bis auf wenige Schritte oberhalb der Brücke hinzieht, war die erste Anlage der Stadt Frankfurt — die uralte Franconoford — (allem Vermuthen nach, aus den Zeiten der ersten Karolinger stammend) enthalten, an die sich erst späterhin in verschiedenen Zeiten die bedeutendsten Erweiterungen anschlössen; die erste, nicht wie man früher glaubte, gleich unter dem ersten deutschen König Ludwig dem Deutschen (reg. von 84o — 87g), sondern erst im II. Jahrhundert in den Zeiten des ersten Aufblühens der deutschen Städte, die zweite und letzte Haupterweiterung aber im 74. Jahrhundert unter dem deutschen Kaiser Ludwig von Baicrn. Seitdem blieb, wenn auch die Stadt späterhin noch in verschiedenen Zeiten im Innern und an den äußern Grenzlinien die bedeutendsten Veränderungen erlitt, der damals mit Mauern, Thürmen, Wällen und Gräben bezeichnete Umkreis im Ganzen immer derselbe. Innerhalb dieses Umkreises war lange Zeit der ältere Theil der Stadt, die sogenannte Altstadt, von der ziemlich weitläustig auseinander gebauten und öden Vor- oder Neustadt durch Mauern und Thore geschieden, bis endlich diese Ueberreste der Zweitältesten befestigten Umfangslinie der Stadt um die Mitte und gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts vollkommen entfernt wurden; so daß jetzo die freien Straßen durch keine Spur mehr ihre ehmalige Bestimmung verrathen, wenn sie auch (wie die Bornheimer und die Katharinenpforte) noch bis auf den heutigen Tag den Namen Pforten führen. Seitdem entstanden, besonders in der Neustadt, durch eine Menge neu aufgeführter Gebäude mehrere ausgezeichnet schöne Straßen, wie vor allen die Zeile ro. 3 und 4 sind vornehmlich reich daran, und verlangen daher auch eine etwas ausführlichere Erklärung. 5iro. 3 stellt den ansehnlichen freien Platz, dcrkömerbcrg genannt, mit den um denselben herumliegenden Gebäuden vor. Aus der einen Seite des Bilds reihen sich hier von dem unteren Ende des Platzes an, welcher durch das Fahrthor nach dem Landungsplatze am Main zuführt, in sanft aufsteigender Linie verschiedene alterthümliche Gebäude, unter welchen das ungefähr in der Mitte liegende Rathhaus, der kömer genannt, dem ganzen Platze seine Bedeutung und seinen Namen verleiht; die daran stoßende Straße (die neuen Kräme) führt nach einem ähnlichen freien Platze, der Liebfrauenberg genannt. Auf der andern Seite setzt sich das Bild in einer Reihe der besuchtesten Kauf- und Gewerbsläden bis zu dem Anfang einer Straße fort, die nach dem Markt und der Domkirche führt. In buntem Gewühle drängt sich hier beständig, mehr wie auf irgend einem andern Puncte in Frankfurt, die Volksmenge zusammen. Ein Brunnen, mit der Bildsäule der Gerechtigkeit geziert, gewährt mit seinen vielen springenden und laufenden Quellen dem Ganzen noch mehr Leben und Abwechslung. Das zierliche Bild erhält sodann durch die hier etwas hervortretende Ecke der Ricolaikirche einen genügenden Schluß. In der Mitte des Platzes erblickt man die verschiedensten Figuren und Gruppen unter einander gemischt. Der Bürgermeister fährt zur Sitzung am Rathhause an z Leute vom Lande begegnen sich ; Elegants zu Fuß und zu Pferde, Frachtfuhrleute, Reffträger, Passagiere, die nach dem Marktschiffe zueilen, und welche Gattung von Menschen sonst noch zu dem stehenden Cha- racterzuge einer reichen Handels - und Industriestadt gehören, — alles eilt durcheinander hin. Es ist ein treues Bild aus dem jetzigen täglichen Leben und Verkehre Frankfurts. An diesen Platz und die ihn umgebenden Gebäude knüpfen sich viele bedeutungsvolle Erinnerungen. Hier pflegte vor Zeiten, wenn der Wahltag herankam, die sämmtliche Bürgerschaft nach ihren verschiedenen Graden, Abstufungen und Quartieren dem Haupt und den Gliedern des Reichs bei dem bevorstehenden großen Werke Sicherheit und unverbrüchliche Ruhe eidlich anzugeloben. Von hier aus begaben sich am Wahltage selbst die Churfürsten und ihre Gesandten, die zuerst in Prachtkutschen herangefahren, und sich auf dem Römer versammelt hatten, nunmehr zu Pferde in feierlichem Aufzuge nach der Domkirche, um daselbst nach vollendeter Messe iu der Wahlkapellc den künftigen Kaiser zu wählen. Hier drängte sich später am Krönungstage das versammelte Volk in stürmischem Gewühle, um den neugekrönten Kaiser mit ungestümem Vivatrufen zu begrüßen, wenn er mit Scepter und Krone in feierlich prächtigem Zuge über die mit buntfarbigem Tuch belegte Brücke aus der Domkirche zu Fuße daherschritt, oder sich während der Tafel an den Fenstern des Kaisersaales in seinem Ornate zeigte. Hier lag der Hafer aufgeschüttet, aus welchem der Erbmarschall sein silbernes Gemäß anzufüllen daherritt. Hier lag auch ein Handbecken nebst Gießsaß und Handquele bereit, welche der Erbkämmerer nunmehr dem Kaiser zu überbringen hatte. Hier stand die große Bretterküche mit dem Tage lang gebratenen Ochsen, von welchem der Erbtruchscß dem Kaiser ein Stück in einer silbernen Schüssel überbrachte. Dort war der Springbrunnen mit 2 großen Kufen, rechts und links, errichtet, in welche der Doppeladler auf dem Ständer weißen und rothen Wein aus seinen 2 Schnäbeln ausgoß, bis auch der Erbschenk daherritt, von dem Weine für den Kaiser zu holen. Hier endlich streute der Erbschatzmeister aus reich gestickten Beuteln rechts und links Gold - und Silbermünzen vom hochgcbäumten Rosse über das jubelnde Volk hin, dem zuletzt doch Alles Preis gegeben wurde. Um den gebratenen Ochsen entstand dann vor allem ein ernster Kampf zwischen den Innungen der Metzger und Weinschröter, welche letztere in den späteren Zeiten öfters den Sieg davon trugen. Noch sind aus dem Platze aus dem vergitterten Gicbelfenstcr ihres dicht an der Ricolaikirche gelegenen Zunsthäuschens 2 gehörnte Stierhäupter als Siegeszeichen hervorstarrend zu sehen. — Auf diesem Platze huldigten früher die Bürger dem Kaiser; und hier schwuren sie, der Freiheit beraubt und vom Feinde unterjocht, dem ersten und letzten Fürsten der Stadt Gehorsam. Hier endlich gelobten sie am 3. Jahrcsfeste der Leipziger Rettungsschlacht (1816) der neuen Versassung ewige Treue. — In den Meßzeiten ist der ganze Berg, dessen Gegend zu den besten Meßlagen geHort, mit hölzernen Buden bedeckt, und gewährt mit den gleichfalls reich mit Waaren angefüllten unteren Hallen des Römers das Bild Eines großen und weitläustigen Waarenmagazins. Unter den verschiedenen Gebäuden, welche den Römerberg umgeben, verdient vor allen der Kömer unsere Aufmerksamkeit. Ueber die ursprüngliche Bedeutung und Benennung dieses Gebäudes gibt es verschiedene Meinungen, deren Darlegung wir der Geschichte von Frankfurt vorbehalten. Soviel ist gewiß, daß der Rath von Frankfurt erst 44os das mittlere Hauptgebäude von der Familie Kölner, genannt zum Römer, ankaufte und zum Rathhause einrichten ließ. Wie in der Folge das Bedürfniß einen größeren Raum erheischte, wurden mehrere daran stoßende Nachbarhäuser, wie vor allen das zunächst rechts in der Fronte liegende Haus Löwenstein, dazu erkaust und mit geringen Veränderungen damit verbunden. So kam es denn, daß das jetzige Rathhaus weder von außen eigentlich symmetrische Formen und noch viel weniger im Innern die nöthige Bequemlichkeit darbietet, und daher auch in dieser Beziehung mit den Rathhäusern zu Nürnberg, Augsburg zc. in keinen Vergleich zu setzen ist. Das Ganze mit seinen 2 Border - und seinen vielen Mittel - und Hintergebäuden nimmt freilich einen großen Raum ein, allein im Innern dieses weitläuftigen Gebäudes durchkreuzen sich, besonders nach dem Hinteren Theile zu, wo sich die verschiedenen Aemter der Stadt befinden, Treppen, Vorplätze, Säle und Zimmer in ziemlich labyrinthischer Mischung, so daß man sich aus den vielen Gängen, wo man bald eine Treppe hinauf, bald eine andere hinuntersteigt, kaum wieder herausfinden kann. — Der vordere Theil des Römers mit seinen 2 alterthümlichen Treppengiebeln enthält im Erdgeschoß gewölbte, auf Pfeilern ruhende, Hallen, welche zur Mcßzeit mit Kaufläden besetzt werden, im obern Stockwerk aber den großen Kaisersaal. Es ist dies ein langer, ziemlich schmaler und dunkler Saal mit gewölbter hölzerner Decke, dessen Hauptmerkwürdigkeit jetzo darin besteht, daß an den Wänden herum in zugespitzten Nischen die Bildnisse der deutschen Könige und römischen Kaiser von Konrad I. an gemalt sind, und zufälligerweise für den letzten deutschen Kaiser keine ganze Nische mehr übrig blieb» In diesem Saale pflegten vor Zeiten die neugckrönten Kaiser, von 3» Reichsgrafen bedient, auf Thronstufen erhöht, unter Baldachinen in ihren Ornaten zu speisen, während die Erzbeamten des Reichs ehrfurchtsvoll ihre Dienste verrichteten. — Auch wurde hier jährlich in der Herbstmesse das uralte Pfeiffergericht gehalten, das ist, eine öffentliche Sitzung des Schöffengerichts, während welcher plötzlich Abgeordnete aus mehreren vom Meßzoll befreiten Städten, welchen sogenannte Pfeiffer, das ist, Musikanten vorausgingen, in feierlich komischem Aufzug erschienen, und nach Ueberreichung seltsamer symbolischer Geschenke den Schultheißen um Erneuerung ihrer Zollfreiheit ersuch-! ten. — Reben diesem Saale befindet sich das stattliche Wahlconferenzzimmer, das die Fürsten und ihre Botschafter aufnahm, wenn sie zur Kaiserwahl nach Frankfurt kamen. Die Decke ist von Colomba, demselben Künstler, von welchem auch die Malerei an der Haupttreppe, im Vorsaal vor dem Wahlzimmer und im Rondell herrührt, mit Göttern und Genien mit kaiserlichen und kurfürstlichen Wappen künstlich geschmückt. Jetzt wird dieses reich verzierte Zimmer zu den Versammlungen des Senats gebraucht. — Noch gehört zu den Merkwürdigkeiten des Römers, daß in dem darin befindlichen, durch Bau und Einrichtung musterhasten, Stadtarchive außer vielen andern Kaiserurkunden die berühmte goldene Bulle aufbewahrt wird. Dieß ist bekanntlich jenes erst mit der Auflösung des deutschen Reichs erloschene Reichsgrundgesetz, wodurch im I. 43SK, auf Veranlassung Kaisers Karl IV., Frankfurt, zum großen Vortheil seiner Bürger, welche den Zwiespalt der Wahlen oft theuer genug zu bezahlen hatten, für die Wahlstadt des Reichs erklärt, und zugleich vorgeschrieben wurde, wie es künftig bei streitigen Wahlen gehalten werden sollte» Es besteht diese merkwürdige Urkunde aus 43 Pergamentblättern, welche mit seidnen Fäden zusammengeheftet sind, an welchen in einer Kapsel das mit Goldblech überzogene Majestäts- siegel Kaisers Karl IV. oder die (vorzugsweise) so genannte goldene Bulle (bulln auron), wovon das Ganze seinen Namen führt, angehängt ist. Sie fängt mit den bedeutungsvollen Worten an: Oinnv ro^nuin !n so llivi5»i!i «losolnlütur, das ist: Jedes in sich zerfallene Reich wird zu Grunde gehen. — Zur Rechten und Linken des eigentlichen Römers, der, wie bemerkt, nach der Fronte zu, aus dem mittleren Hauptgebäude und aus dem ehmaligen Hause Löwenstein besteht, liegen die geschichtlich merkwürdigen Häuser L i md u rg (links) und Frauenstcin (rechts), worin die denselben Namen führenden adeligen Stubengesellschasten theils zu politischen, theils zu geselligen Zwecken vor Zeiten ihre Zusammenkünfte zu halten pflegten. Roch jetzo gehört ersteres der Gesellschaft Limburg, während letzteres für öffentliche Zwecke von der Stadt angekauft wurde; zur Mcßzeit aber werden die unteren gewölbten Räume beider zu Kaufläden verwendet. Die am untern Ende des Platzes liegende Uicolaikirche mit ihrem stattlichen Thurme verdient ihrer höchst originellen Bauart wegen alle Aufmerksamkeit. Was das aus dem >3. Jahrhundert stammende Hauptgebäude besonders auszeichnet) ist die obere (wahrscheinlich einer späteren Zeit angehörende) gesimsartig hervorstehende Einfassung, hinter welcher sich auf den beiden Hauptseiten ein Umgang nebst 3 Thürmchen an den 3 verschiedenen Ecken befindet. Die Einfassung, sowie das mittlere Eckthürmchen, sind von rothem Sandstein in gothischem Style zierlich ausgearbeitet. Das Ganze, wenn auch unsymmetrisch, ist doch nicht ungefällig fürs Auge, und hat viele Aehnlichkeit mit dem ehmaligen, nunmehr abgerissenen, Kaufhause zu Mainz, so daß man selbst einen und denselben Baumeister für beide Gebäude glaubte annehmen zu müssen. Zunächst hinter der äußern Einfassung ist der nöthige Raum für den Umgang um die Kirche freigelassen. Gleich daran erhebt sich das spitze Dach der Kirche, dessen innerer Raum zur Wohnung des Thürmers eingerichtet ist. Der untere viereckige Theil des Thurms, sowie der untere Theil der Kirche überhaupt, scheint dem Style nach, von der älreren ehmals hier befindlichen Kapelle (aus dem 12. Jahrhundert) herzurühren. Dagegen wurde der obere achteckige Theil des Thurms, welcher von einer Plattform mit durchbrochenem Geländer umgeben ist, erst um das Jahr 13S0 gebaut, und trägt auch das Gepräge des damals herrschenden Kirchenbaustyls. Die hölzerne, von außen mit Blei belegte, und aus einem kleinen Octogon ruhende, Aufsatzspitze des Thurms rührt aus späterer Zeit her. Diese Kirche, die schon seit IS70 längere Zeit als Waarenlager gedient hatte, dann 4724 wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zurück gegeben worden, wurde 4843 von neuem in ein Lagerhaus verwandelt. Ifiro. 4. stellt den größten und interessantesten Theil der Altstadt vor, so weit dieselbe nämlich von der östlichen Seite des Barfüßerkirchthums — dem Standpuncte unsers Bildes — zu ersehen ist. Hier entfaltet sich in überraschender Mannigfaltigkeit der ganze Reichthum der Stadt an jenen alterthümlichen Gebäuden, die zum Theil weit in die Vorzeit hinauf reichen, und ihren ursprünglichen Character noch unverwischt erhalten haben. Gleich links am Rande des Bildes erblickt man noch die oberen Spitzen mehrerer Häuser am Römerberg. Unweit davon, ragt eine der ältesten Privatwohnungen Frankfurts, das sogenannte steinerne Haus, mit seinem gothisch verzierten Gesimse, seinem auf der Seite liegenden Treppengiebel und seinen vielen rings umher befindlichen Mauerzinnen hervor. Daran reihen sich in buntem Gemisch regellose wunderliche Massen, dicht auf einander gehäufte Häuser und enge Winkelgäßchen, in die sich selten ein Sonnenstrahl verirrt. Doch wird jetzt manche Straße, die vor einem Jahrzehend noch ein finsteres Ansehen hatte, durch freundlichere Gebäude erheitert. Und täglich steigen aus den Trümmern der alten neue schönere Häuser empor. Weiterhin fast am Ende der malerisch dunkeln Dächerpartie, der Domkirche gegenüber, ragt das alte Kaufhaus der Stadt, das sogenannte Lcinwand sha » s, mit seinem von 4 Eckthürmchen umgränzten Spitzdache, und neben demselben die Stadtwazc mit ihrem Giebeldache hervor. Vor allen übrigen Gebäuden aber erhebt sich in kolossaler Form das Gebäude des Herrn, der Oom, und glbt mit den Aussichen zu beiden Seiten, besonders auf die glänzenden und belebten Fluten des Mains mit der Brücke und auf seine mit der freundlichen Stadt Offenbach und verschiedenen Dörfern reich geschmückten Ufer hin, dem Bilde einen höchst großartigen und zugleich gefälligen Schluß. Frankkurt am Ml a i »r. Ergänzungsblatt. I?ro. t. stellt einen Theil der Fahrzasse mit dem Haus Filrftenek in Frankfurt dar. Die F-Hrgasse entstand bereits, seitdem zum bequemeren Wasserübergang, d. i. Fahre, die erste Brücke hier angelegt wurde, indem sich die damaligen Einwohner Frankfurts, leibeigene Banern und Handwerker, durch Befriedigung der Bedürfnisse der häufig über den Main hin und her wandernden Fremden ihren Lebensunterhalt zu verschaffen suchten, und daher für ihre häuslichen Niederlassungen keinen vortheilhafteren Platz wählen konnten, als den vor der Fahre, wo Alles bei ihren Wohnungen vorüberziehen mußte. Sie ist somit eine der ältesten Straßen Frankfurts, und wurde endlich die Hauptstraße der alten Stadt. So lange sich noch Frankfurt in seinen ersten Mauern eingeschlossen sah, reichte sie übrigens nicht weiter, als von der Brücke bis in die Gegend des Hauses zum Lindwurm (rit. H,. IV>-o. ISO), wo sich die erste Stadtpsorte befand. Bei der, wahrscheinlich in der Zeit Heinrichs IV. vorgenommenen, Erweiterung der Stadt aber wurde die Hufschmiedstraße (vicns kabrorum) damit verbunden und ihr somit eine größere Ausdehnung gegeben. Bon ihren alterthümlichen Gebäuden hat sich allein das nicht weit von der Brücke gelegene Haus Flirsteneck, jedoch leider nicht einmal mehr in seinem rein antiken Ansehen, erhalten. Es ist ein großes, hohes, ganz von Stein aufgeführtes Gebäude, das sich durch seine Bauart vor allen übrigen in der Nachbarschaft auffallend unterscheidet und gegenwärtig der Familie Zickwolf angehört. Erst in den neueren Zeiten erlitt es mehrere Veränderungen, wodurch es einen Theil seines antiken Ansehens einbüßte. Dahin gehört namentlich, daß die hohen Spitzbögen über den Thüren zugemauert und das Dach bis an die vier Eckthürmchen und die Zinnen vorgebaut wurde. Desto sorgfältiger wurde das alterthümliche Ansehen im Innern des Hauses zu erhalten und selbst zu erhöhen gesucht. Der große Saal behielt sein altes Getäfel von Holz mit seinen vielen bizarren Verzierungen, die Decken ihre veraltete Stukkaturarbeit, die Thüren ihre künstlichen Schlösser; ja, um die Harmonie des Ganzen um so vollkommener zu machen, wurden selbst alle Möbel in antikem Geschmack verfertigt. Ueber die Entstehung dieses Gebäudes wissen wir nichts Zuverläßiges zu sagen. Eine frühere Volkssage eignet seine erste Gründung sogar einem heidnischen Fürsten zu, der es bewohnt und dadurch den Namen Fürsteneck veranlaßt habe. Wahrscheinlich sollte aber der Name Fürsteneck im Munde des Volkes ursprünglich nichts anders bedeuten, als ein schönes, fürstenmäßiges, am Eck gelegenes Haus. Urkundlich kommt es zuerst in dem Schöffengerichtsprotocoll von 1424 vor. i>ro. 2. stellt die Lachfenhäufer Warte bei Frankfurt a. M. dar, welche sich auf der Höhe des Sachsenhäuser Berges an der nach Süden führenden Straße befindet. Die Stadt Frankfurt besitzt gegenwärtig noch vier solche Warten oder Wartthürme, welche ursprünglich mit der etwa ^ Stunde, rings um die ganze Stadt führenden Landwehr, d. i. Wällen und Gräben, die möglichst dicht mit Hecken und Bäumen bepflanzt waren, in Verbindung standen, und auch zu gleicher Zeit mit derselben in den Jahren 1470—7K, nach langem Streite und deßhalb gepflogenen Unterhandlungen, insbesondere mit ihren Nachbarn von Falkenstein und Jsenburg, zu Stande gebracht wurde. Als hohe und feste, mit Gräben umgebene Thürme, welche sämmtlich auf den nächsten Anhöhen standen, dienten sie nämlich als Thore der Landwehr auf den sie durchschneidenden Landstraßen; ihre Hauptbestimmung jedoch war, von da eine bedeutende Strecke der Umgegend übersehen und das etwaige Herannahen des Feindes bemerken zu können. Es befanden sich nämlich stets Wächter auf denselben, welche angewiesen waren, durch einen Schuß anzuzeigen', wann fremdes Kriegsvolk anrückte. Auf dieses Signal gab der Wächter des Pfarrthurms durch Trompetenstöße oder auch wol mit dem Sprachrohr zu erkennen, ob es Fußvolk oder Reiterei war, und hängte eine rothe Fahne nach der Seite aus, von welcher die Fremden kamen. Die hier vorgestellte Sachfenhäufer Warte besteht aus einem großen runden Thurme, von dem man ringsum die weiteste Aussicht hat, und einem Gehöft, dessen UmgebungSmauern mit Schießscharten versehen sind. Das hölzerne Dach auf dem Thurme ist neu; das ältere war wahrscheinlich ringsum mit kleinen Thurmspitzen verziert; wie wir dasselbe in der Abbildung einer andern frankfurter Warte auf einem ältern Holzschnitte dargestellt finden. TN ü r 5 b u r g. Auf BergeSböben tbront im alten Frankenlande Aus ferner Zeit so kiibn und stolz Dein festes Schloß; Du rudst so freundlich-milde an des Maines Strande, Ein edler Bischofssitz, in Deines Thales Schooß, Und anmuthsvoll umgibt in lieblichem Verbände Der Schmuck der Fluren Deine Bauren, hehr und groß. Sey herzlich uns gegrüßt in deutscher Städte Reihe, Empfah' auch Du durch deutscher Künstler Hand die Weihe! L»^iirzb»rg ehmals die Hauptstadt des Fürstbisthums gleichen Namens, jetzt die Hauptstadt des Untermainkreises und der Sitz eines unter dem Erzbischofe von Bamberg stehenden Bischofes, der königlich Bayerischen Krcisregierung und verschiedener andern Stellen und Behörden, sowie einer berühmten Universität und zahlreichen Garnison — liegt am Mainflusse, der die Stadt in zwei ungleiche Hälften theilt, in einem angenehmen und fruchtbaren Thale, und ist auf beiden Seiten von hohen Weinbergen dergestalt eingeschlossen, daß, mit Ausnahme der auf einem vorspringenden Berge am linken Mainufer liegenden Festung Marienberg, das ganze Bild der Stadt erst in einer Entfernung von einer halben oder Biertelstunde von den verschiedenen Landstraßen her sichtbar wird. Um so stärker und überraschender ist der Eindruck, welchen der plötzliche Anblick der vielen schönen Kirchthürme und großartigen Gebäude gewährt. Man kann zwar von jedem der nächstumliegenden Berge Würzburg übersehen, und jeder gibt davon eine eigne interessante, den italienischen Städten ähnliche Physiognomie z die vollständigste und eigentlich malerische Ansicht aber erhält man aus dem nördlich liegenden, seines köstlichen Weines wegen berühmten Stcinberge, den wir darum auch zum Standpunkt unseres Bildes wählten Mo. i). Diese herrliche Totalansicht vor Augen, machen wir nun auf die vorzüglichsten und wichtigsten Punkte der Stadt in ihrer Lage und Stellung zu einander aufmerksam und mit deren Merkwürdigkeiten in kurzen Umrissen bekannt. Ueber mannigfaltig abwechselnde malerische Partien von Wein-, Gemüse- und Obst-Gärten, größern und kleinern Lusthäusern, öffentlichen Vergnü- gungsorten, Getreidefeldern, Alleen und englischen Anlagen hin, sieht man die durch ihr Alterthum ehrwürdige, von hohen baumbesetztcn Wällen umschlossene Stadt mit ihren zahlreichen Kirchen und Hauptgebäuden dem Main entlang vor sich liegen, wie ein plastisches Bild in einem Rahmen. Links beginnt die Ansicht der Stadt, von der sächsischen Landstraße her, mit der ehemaligen Ztifis- jetzigen Pfarrkirche zu Haug, welche diesen Beinamen daher führt, weil das Stift bis zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts außerhalb der Stadt unweit des Steinberges auf einer kleinen Anhöhe (alt! Houch, Haug, Hoch, in inonte) lag. Ihre frühere hohe Lage ersetzt gegenwärtig in der Ebene ihre imposante Erhabenheit über fast alle andern Kirchen der Stadt, vor welchen sie sich, in ihrer neurömischen Bauart, durch zwei schöne und große Thürme nächst dem Portal, eine ungeheure Steinmasse des Langhauses und eine kühne Kuppel ganz besonders auszeichnet und bcmerklich macht. — Das nächste Hauptgebäude im fernen Hintergrunde, welches sich mit vielen Pavillons und Kuppeln stolz erhebt und ausbreitet, ist die ehemalige fürs tb isch ökt i ch c Nesidcnz (Mo. s). - Mit dieser, in fast scheinbar gleichlaufender Linie, prangt im Vordergrunde die zweite Hauptzierde der Stadt, das große Z ul in sh osp ital „für Arme, Preßhafte und Kranke.» Diese menschenfreundliche Bestimmung des unvergeßlichen Bischofs Julius Echter bezeichnet die über dem Haupteingang des Gebäudes unter einem kunst- und sinnreichen Hautrelief befindliche Inschrift, ohne welche es der fremde Beschauer wahrlich eher für den Palast eines ansehnlichen Fürsten, als für die Wohnung der leidenden Menschheit ansehen würde: so ausgezeichnet ist dasselbe sowohl durch Umfang und Größe, als durch prächtiges Aeußcre. Dieses ungemein sehenswerthe und berühmte Gebäude liegt nahe an dem nördlichen Stadtwalle, und besteht aus zwei 300 Schritte langen Hauptflügeln, die durch niedrigere Seitengebäude zu einem länglichen Bierecke verbunden sind. Es ist nicht mehr das ursprüngliche Bauwerk, wie es von seinem Stifter im Jahre 1570 begonnen und 1579 vollendet worden, sondern der innere Hauptbau ward im Jahre 1701, nach erlittener Zerstörung durch Feuersbrunst, der vordere aber gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, seiner Baufälligkeit wegen, jener stattlicher als dieser, von Neuem aufgeführt. Unter den mancherlei einzelnen Bestandtheilen des Hospitals, in welchen durchaus die größte Reinlichkeit und Freundlichkeit herrschet, verdient besonders die in dem imposanten Mittelgefchoß des innern Hauptflügels befindliche Kapelle erwähnt und gesehen zu werden, welche durch ihre einfache ! und denaoch ungcmein geschmackvolle und zweckmäßige Einrichtung sich aus- i zeichnet, und worin die eignen Seelsorger des Hauses, ein Pfarrer und zwei Kapläne, täglich den Gottesdienst verrichten. — Die S Millionen Gulden reiche Dotation dieser allgemeinen Kranken - und Versorgungsanstalt gestattet, daß jährlich eine große Anzahl armer Kranken zur Verpflegung und Kur, und gebrechlicher Alten beiderlei Geschlechts auf Lebensdauer unentgeltlich dahin aufgenommen wird. Mit ihr sind, zum Theil in eigenen schönen Häusern mit Gärten, noch andere Institute vereinigt, nämlich das eigentliche Krankenhaus, die Heilanstalt für Wahnsinnige, Epileptiker, kranke Handlungsdiener, Handwerksgesellen und Dienst- i boten, das Entbindungshaus, der botanische Garten, und das anatomische ! Gebäude. Für medizinische, chirurgische und geburtshülfliche Klinik bietet die ^ Gcsammtanstalt die vortrefflichste Gelegenheit dar, und sie ist in dieser Hinsicht ^ als eine der ersten in Deutschland dem In- und Auslande bekannt, auch ^ darum stets von jungen Aerzten aus nahen und fernen Gegenden stark besucht. Gleich gegen das untere Ende des Juliushospitals, in kleiner südlicher ! Entfernung, zeigt sich auf unserm Bilde die ehemalige Ä o m i n i k a nc r- ! jetzt Zl ug u s t i n e r-K l o s I c rk i r cl> c. Im 73. Jahrhundert nach alt- > deutschem Style mit Spitzbogen erbaut, ward deren Langhaus 1743 erneuert und mit einem schönen einfachen Portale geziert, so daß von ihrem ursprünglichen Zustande lediglich noch eine kleine Kapelle und der Chor belassen wurden, dessen Decke von G. A. Urlaub meisterhaft schön al kresan gemalt ist, und zu dem von I. G. Ermeltraut gefertigten bizarren Deckengemälde des Langhauses einen auffallenden Kontrast bildet. Das Klostcrgcbä'ude ist theils zur Wohnung weniger Geistlichen, theils zu eiücr königl. Salzniederlage, vornehmlich aber zum Lokale des von einer zahlreichen Gesellschaft unterhaltenen polytechnischen Institute verwendet, welches seit dem I. 4899 besteht, und, zu immer größerer Ausdehnung und Vollkommenheit fortschreitend, bereits sehr vielfachen Nutzen bewährt hat. — Die zunächst bemerkliche Kirche mit einer großen Kuppel und einem byzantinischen Thurme ist das Ne» Münster, und als die Wiege des ersten christlichen Glaubens und Bischofssitzes in Franken höchst merkwürdig. Auf ihrer Stätte sielen um 988 die Häupter der aus Irland gekommenen Hcidenbekehrer, St. Kilian und seiner Gefährten, Kolonat und Totean, unter dem von der rachesüchtigen thüringisch-fränkijchen Herzogin Gailana gedungenen Mordbeile, und dort erbaute Würzburgs erster Bischof, St. Bur- kard, um 749 seine Kathedrale nebst einem Münster (Kloster), welche beide, am St. Bonifaztage 844 vom Sturmblitz entzündet, ein Raub der Flammen geworden sind. Ueber der Brandstätte ließ Reinhard, Graf v. Rothenburg, gegen das Ende des 19. Jahrhunderts eine Kapelle errichten, .welche B. Heinrich I-, Graf von Rothenburg, im I. 4999 in eine große neue Kirche nebst einem neuen Münster als geschickter Baumeister verwandelte. Von dieser Kirche aber, deren Bauart genau den Ucbergang d'es byzantinischen zum s. g. gothischen Styl bezeichnete, ist mit Ausnahme der Ausscnseiten des Chors und des Kreuzes, sowie des Thurms ein anderes Ueberbleibsel nicht mehr vorhanden, da zu Anfang des 48. Jahrhunderts große Veränderungen im nicht sehr glücklichen Geschmack damaliger Zeit daran geschahen, und dadurch ein barokkes Gemisch von Altem und Neuem entstand. — Die neben daran in düsterem Gewand stehende jetzige bischöfliche Oom Kirche (>ro. 4) erlitt gleiches Schicksal, indem auch der ihrige von B. Arno 8S2 errichtete Bau im Jahre 922 abbrannte, und nachher von B. Dietho 923 wieder von Neuem im damals herrschenden byzantinischen Styl aufgeführt wurde. Im Laufe der Folgezeit erwuchs diese Haupt- und Mutterkirche des Bisthums durch vielfältige Ansätze zu einem ungeheuren Umfang. Das Aeußere trägt die unverdeckten Spuren von namhaften Veränderungen an sich, und das Innere ist ein wahrer Spiegel und Maßstab von der Kunst eines Jahrtausends. Die Bischöse Bruno, der Heilige, Gottfried I., Graf von Pisenbcrg, Hermann von Lobdenburg, Julius Echter, Johann Gottfried v. Guttenberg, Johann Philipp v. Greisenklau und Johann Philipp Franz v. Schönborn bemühten sich vorzüglich um die Vergrößerung und Verschönerung des Tempels. Derselbe bildet die Kreuzform, und ist mit vier Thürmen versehen, davon 2 oben neben dem Chor und 2 unten am Haupteingange angebracht sind. Der rechten Seite des Kreuzes ist die gothische Begräbnißkapelle und darüber das ehemalige Kapitelhaus, der Rathssaal der Domherren, der linken Seite aber die s. g. Schönborn'sche Todtenkapelle, ein Werk neurömischen Styls von I. B. Ncumann, angebaut. Durch zwei andere moderne Anhängsel (rechts und links der Tribune in den Winkeln des Kreuzes), welche zur Sakristei und Ornatkammer dienen, hat 4 749 der ebengenannte Baumeister das vorher freigestanden? Alterthum verhöhnt. Dem Langhause wurden 1334 gelegenheitlich seiner Erhöhung und Verlängerung zwei Abseilen angesetzt, wovon nur die nördliche mehrere Strebepfeiler, beide aber Spitzbogenfenster erhielten. An das südliche Nebenschiff stößt der gleichfalls 1334 erbaute Theil des Kreuzganges, welcher erst 1424 durch M. Wolffram von Königsberg vollends ausgebaut wurde. Von da gelangt man unmittelbar in den Bruderhof, den in aller Zeit das St. Kiliansmünster mit den Wohnungen des Bischofs und seiner Geistlichkeit bildete. Das grandiose Mittelschiff des Tempels wird zu beiden Seiten von 41 Pfeilern getragen, und hat eine treffliche Erhellung. Au Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde das ganze Innere von dem Stukkator I. P. Magno aus Mailand mit massiven Figuren und Dekorationen bekleidet. Dem Kunstfreunde bieten 29 Altargemäldc von guten Meistern (von Onghcrs, de Rül, Sandrart ?c.), die marmornen und erzenen Epitaphien von 27 Bischöfen, vielen Domprälaten :c., das erzene Baptisterium von 4279, sowie die Kanzel mit Reliefs und Figuren von Alabaster einen interessanten Anblick dar. Nicht zu übersehen sind nebst- dem die unten in der rechten Abseite aufgestellten 2 alten Säulen, deren eine am Deckel des Kapitäls den Namen Jaqin und die andere Booz enthält, und welche in neuern Schriften als die ältesten deutschen Denkmäler des Freimaurer-Ordens angegeben und abgebildet worden sind. — Der Domkirche zur Rechten erheben sich, in aufsteigender Linie und scheinbar gleichweit von einander entfernt, die noch übrigen bedeutenden Punkte auf der rechten Stadtseite: die pleichachcr Pfarrkirche (im Vordergründe), die Lie b tra uenk a p eIlc (in der Mitte) und die Universitätskirche (im Hintergrunde). Davon hat erstere außer einem hohen Altar wenig Bemerkenswerthes; dagegen gehört die zweite mit Recht unter die sehenswürdigsten Denkmäler des schönsten altdeutschen Baustyls (lXr». z), und die dritte ist besonders wegen ihres hohen, prächtigen Thurms eine vorzügliche Zierde der Stadt. Gleichzeitig mit dem weitschichrigen Universitätsbaue 4584 begonnen und zehn Jahre darnach vom Baumeister A. Kal vollendet, ward diese herrliche Kirche 4591 vom Bischöfe Julius, im Bci- scyn Herzogs Wilhelm von Bayern und seiner Prinzen, mit größtem Pomp eingeweiht, kam aber im Schwcdenkriege ganz in Verfall, und wurde erst unter den Bischösen Joh Gottsried von Guttenberg und Joh. Philipp von Greifenklau von 459« bis 4704 prachtvoll wiederhergestellt und vergrößert. Der Thurm enthält eine gut eingerichtete Sternwarte, und das von Altären entblößte Langhaus dient nun mit seinen doppelten Gallerten zu einem Aktendepot der königl. Kreisregierung. — Der minder hohe, zunächst der Mainbrücke stehende, sogenannte Dhurm zum Hraten- Eckart gehört zum Rathhause (kWo. 4.) Indem wir die sonst noch etwa auf unserem Bilde sichtbaren kleineren Kirchen übergehen, bemerken wir im Allgemeinen nur, daß Würzburg gegenwärtig noch 29 Kirchen (darunter 4 evangelische) besitzt, während es deren 7 seit der Säkularisation verloren hat. Wir nähern uns jctzo den glänzenden Fluthen des Mains. Hier verdient unsere nähere Betrachtung vor Allem die Main brücke, wohl die schönste dem ganzen Laufe des Flusses entlang. Sie ist 549 Schritte lang, angemessen breit und nach dem Muster der Brücke zu Frankfurt (im 45. Jahrhundert) massiv von Steinen auf Felsengrund gebaut. Von ihren 8 Bögen, deren ein jeder von 4 starken Strebepfeilern gegen die Wuth des Hochwassers und das Anprellen der Eismassen dauerhaft geschützt ist, sind auf unserem Bilde mehrere verdeckt. Die Pfeiler bilden auf der horizontalen Oberfläche zu beiden Seiten 42 Nischen, in welchen ebensoviel kolossale steinerne Staluen, die Schutzheiligen Frankens und Deutschlands vorstellend, und Sitze an der Brustmauer angebracht sind. Als Verbindungsweg zwischen beiden Stadttheilen ist die Brücke stets von Menschen, Wagen, Pferden zc. ungemein belebt, und bildet wegen der dort zu genießenden reinen Luft und erheiternden Aussicht einen beliebten Spaziergang. Auf derselben wurde bis in das 47. Jahrhundert unter dem Namen Brückgericht öffentliche Gerichtsbarkeit mit merkwürdigen Formen ausgeübt. Auf der linken Seite des Mains, dem kleinsten und ursprünglichen Theile der Stadt, sind die wichtigsten Punkte: die St. Burkardskirche (westwärts zunächst am Main), das Deutschordenhaus nebst Kirche (in der Mitte), die ehemalige Schottenklostcr-Kirchc (links im Vordergründe) und endlich die Festung oder das Bergschloß Marienberg. — Die St. Surk- hardskirche gehört, ihrer ersten vom heiligen Burkard herrührenden Entstehung nach und unter dem älteren Namen: St. Andreaskloster, dem 8. Jahrhundert an, ward 4933 unter ihrer jetzigen, schon 989 angenommenen, Benennung von Neuem erbaut, und 4 492 in eine Nilterstiftskirche verwandelt. Sie hat noch manches Altcrthümliche, und namentlich ist ein Theil des alten Langhauses mit kurzen starken Säulen, welche Würfelknäufe tragen, und die Seitcnpforte bei späteren Veränderungen übrig geblieben. Hauptsächliche Erneuerungen erhielt diese jetzige Pfarrkirche 4584, 1923 und 1991, sowohl innen als aussen, und insbesondere sind der Chor und die 2 Seitenflügel neue Bauten. Die beiden Thürme sind bis zur höchsten Spitze ganz von Steinen aufgeführt und ihre Dächer geplattet. Merkwürdig ist, daß der mit einem schönen Gemälde von O. Onghcrs gezierte Hochaltar im Chor auf einem Bogengewölbe steht, durch welches die Straße zum nahen Stadtthore führt, ein Umstand, welchem eins der sogenannten beiden Wahrzeichen Würzburgs, das nämlich: .daß man hier mit einer Fuhre Heu durch den Hochaltar fahren könne," seine Entstehung verdankt. — Die 1288 erbaute Ocutsohhausliirche mit einer äußerst zierlichen Hauptthürc im schönen mittelalterlichen Style, sehr hohen Fenstern und Strebepfeilern, wird zum Gottesdienst nicht mehrverwendet, enthält viele, zum Theil aus der demolirten Johannitcrkirche dahin gebrachte, Epitaphien, und ist sammt dem daran stoßenden Deutschhause dem königl. Militär zur Benützung überlassen. Ein unter dem Kirchthurme hinziehender Schwibbogen unterhält die Verbindung der Gassen und somit des Wegs zur — Ächot- tcnklosterkirche. Wie Trithem, der berühmte Abt dieses Klosters, niederschrieb, wurde Kirche und Kloster vom Bischof Embrich 1134 „für die schottische Nation und geistliche Pilgrime" erbaut, offenbar aus Dankbarkeit für die Wohlthaten, welche die aus Schottland gekommenen ersten christlichen Glaubenslehrer der Stadt und dem Lande Würzburg erwiesen haben. Im I. 1594 war das Kloster gänzlich eingegangen, und erhielt sodann eine Restauration, 1994 ward das Langhaus erneuert, und nach weiteren Schicksalen ist nun das Kloster mit der Kirche zum Militärhospitale verwendet. Einen der wichtigsten und sehenswcrthesten Punkte bildet unstreitig das feste Bergschloß Marienberg. Um diesen etwas mehr als 499 Fuß hohen, gleich einer Erdzunge sich erhebenden Berg und dessen von den thüringsich-fränkischen Herzögen bewohntes Kastell war, wie die Geschichte Würzburgs ausführlich melden wird, die ursprüngliche Anlage der Stadt befindlich, an die sich später auf dem rechten Mainufer weitere Anpflanzungen anschlössen, besonders nachdem daselbst auf dem Platze des jetzigen Ncumünsters die.pben erwähnte erste Kathedralkirche errichtet war. Des letzten thüringisch-fränkischen Herzogs Hcttan II. Erbtochter Jrmina überließ dieses ihr eigenthümliche Kastell 742 dem Bischöfe Burkard, und der h. Bonifaz verwandelte den dortigen heidnischen Tempel der Diana in eine zur Ehre der h. Mutter Maria geweihte christliche Kirche. Vom lg. bis ins 18. Jahrhundert war es die gewöhnliche Residenz der Fürstbischöfe, und die Zeiten des Fausirechts verschafften ihm erweiterte Schutzmauern. Unter Bischof Rudolph v. Scherenberg (1499 — 99) wurden daran bedeutende Umbauungen vorgenommen, 1512 brannte es größtenteils ab, und wurde von B. Julius wiederhergestellt, der es nach einer abermaligen Brandverheerung im I. 1999 auch abermals erbaute. Gustav Adolph erstürmte diese Burg 1931, und 1935 kam sie wieder in Besitz des Fürstbischofs. B. Joh. Philipp v. Schönborn ließ sie 1959 durch seinen Mainzer Oberst Choquet nach Vaubans Theorie von aussen befestigen, sein zweiter Nachfolger diese Werke fortsetzen, und spätere Fürsten vollendeten sie. Seit 1988 ward die stark befestigte Citadelle Marienberg öfters belagert und erobert» Auf dem nördlichen Bergabhange verblutete 1558, vom Mordgewehr eines Reisigen Wilh. v. Grumbachs getroffen, Bischof Melchior v. Zobel sein Leben. Zu den vorzüglichsten Sehenswürdigkeiten gehören nebst den Bcfestigungswerken: das 1711 erbaute Zeughaus, ein unter demselben in Felsen gehauener Keller, die Roßmühle, der mittlere hohe Wartthurm, die Kirche (eine aus der heidnischen Zeit herstammende Rotunda mit einem erst von B. Julius angebauten Chor), die ehemalige Wohnung der Fürstbischöfe, der 388 Schuh tiefe Brunnen, die zwei Springbrunnen mit dem 599 Schuh hoch durch Druckwerk aus dem Mainflusse heraufgeleiteten Springwasser, und der feste sogenannte Massiculithurm. Die Industrie hat endlich noch allen Raum außerhalb der Festungswerke auf der Ost- und Südseite des Berges mit Weinreben bepflanzt, die den köstlichen und berühmten Leistenwein liefern. Ueberblicken wir nun nochmals das ganze Bild und suchen die einzelnen Punkte aus, — kaum möchte unsere Beschreibung irgend einen wichtigen übergangen haben : so vollständig ist die Aussicht auf unserem gewählten Standpunkte, ja noch in die weite Ferne, auf das Städtchen Hcidingsfeld und andere Oerter, dehnt sich der Blick aus. Doch wir müssen hier abbrechen, da uns im Innern der Stadt noch Manches zu bemerken und zu bewundern übrig ist. ?Irc>. 2 stellt die ehemalige kürstbischöklichc Ilesidenz dar. Dieses schönste und vorzüglichste Gebäude Würzburgs, welches selbst mit den prächtigsten Königspalästen Europas um den Vorrang buhlt, sich im Osten der Stadt auf einem großen freien Platze majestälisch ausbreitet und erhebt, und von allen seinen Seiten dem Auge großartige Züge darbietet, verdankt seine Entstehung dem Fürstbischöfe Joh. Phil. Franz v. Schönborn, der es 1729 zu bauen anfing, und dessen zweiter Nachfolger Friedr. Karl v. Schönborn es 1744 vollendete. Den Bauplan hierzu entwarf und dessen Ausführung leitete der damalige würzb. Artilleriehauptmann und geschickte Architekt Joh. Balth. Neumann, nachdem er für diesen Zweck 'die schönsten Paläste in Frankreich, Italien, Holland, Oestreich rc. besucht und eingesehen hatte. Im neu italienisch-französischen Styl erbaut, bildet dieser Palast ein längliches Viereck, dessen vordere der Stadt zugekehrte Fayade mit der dem Stadtwalle entgegengesetzten eine gleiche Länge von 571 Fuß hat, während jede der 2 Ncbenseiten 319 Fuß mißt. Die vordere Fa^ade ist durch Zurücksetzung ihres mittleren Theils unterbrochen. Die beiden Flügel derselben, jeder 199 Fuß lang, stehen in gleicher Linie, und betragen zusammen nicht ganz ^/z der ganzen Länge der Fayadc. In der Mitte eines jeden Flügels führt unter einer auf 2 Säulen ruhenden Altane eine Einfahrt in die Hofräume z das große Portal aber bildet inmitten des zurückgezogenen mittleren Theils 3 nebeneinander gestellte und mit Säulen dorischer Ordnung verzierte Thore, welche in die Vorhalle und zur großen Haupttreppe führen. Durch einen geringen Vorsprung auf jeder Ecke der Flügel bilden sich Pavillons, die das Ansehen sehr verschönern. Die entgegengesetzte, dem vom Stadtwalle begrenzten Hofgarten zugekehrte Fayade ist in ganz gleichem Style wie die vordere erbaut, unterscheidet sich aber von dieser wesentlich durch ihre ununterbrochen fortlaufende Linie, welche eine sehr gute Wirkung machtz und in ihrer von einem Pavillon gebildeten Mitte, so wie an ihren beiden Enden sind Altanen auf freistehenden Säulen dorischer Ordnung angebracht. Die 2 Nebenseiten haben in der Mitte große runde Pavillons. Das ganze Prachtgebäude besteht aus einem Erdgeschoß und 3 Stockwerken, welche im schönsten Verhältnisse zu einander stehen. Eine steinerne mit Trophäen, Urnen und Statuen besetzte Gallerie zieht auf dem obersten Gesimse um den ganzen Palast herum, verdeckt einen Theil des Daches und erhöht, gleich einer Krone, das schöne Ansehen des Ganzen, welches, ohne den mehrere Fuß hohen abgeschrägten Sockel, 78 Fuß Höhe hat, und durchgängig aus grünlich-gelben Quadersandsteinen erbaut ist. — An das königl. Schloß schließen sich, rechts und links in rechten Winkeln, 2 herrschaftliche ansehnliche Gebäude von gleicher Größe und Fayade an, welchen sich Bogenstellungen, deren Pfeiler mit 18 gekuppelten Säulen dorischer Ordnung geziert sind, anreihen, und an deren Ende sich 2 freistehende, innen mit einer Wendeltreppe und oben mit einer Gallerie versehenen Säulen von 193 Fuß Höhe erheben, und den schönen freien Platz vor der königl. Residenz, der eine Fläche von 299811 IHschuh hat, begrenzen. — Treten wir nun durch das große Portal in die Vorhalle des Palastes, welche bei 79>/z Fuß Länge, 54 F. Breite und 31 F. Höhe durch eine zweifache Säulenstellung und flache Wölbung den ästhetischen Forderungen der Baukunst entspricht, so gelangen wir an die Hauptstiege, die, ein wahres Meisterstück, zwischen Säulen und Pfeilern, auf denen die Wölbungen der freistehenden Stiege ruhen, und umgeben von einem mit vielen marmornen Statuen, Genien nnd Urnen gezierten Steingeländer, zum Hauptstocke führt, und in der Hälfte ihrer Höhe sich verdoppelt. Die große Decken- wölbung des Stiegcnhauses hat herrliche Frcskogemälde von I. B. Tie- polo, in deren Mitte der Olymp, auf den 4 Seilen aber die vier Wclt- theile dargestellt sind. In den großen Sälen und den langen Reihen von Prachtgemächern des Hauptstockes findet die ohnehin schon von dem großartigen Aeußern angeregte Neugierde eine an Ueberfüllung grenzende Befriedigung; man ist nach dem Anblick der vielen und kostbaren Decken- und Wandgemälde, Tapeten, Mcubeln, Parquetböden zc., von der höchsten Bewunderung hingerissen, und glaubt ein Feenschloß gesehen zu haben. — Unter den Sälen ist der auf der Ostseite in der Mitte des Schlosses befindliche sogenannte Kaisersaal der größte, schönste und imposanteste; er mißt 88 Sch. K Z. in der Länge und SK Sch. in der Breite, und seine Höhe ist jener der 2 oberen Stockwerke gleich; 2» cannelirte Säulen dorischer Ordnung von Gypsmarmor mit vergoldeten Kapitälen tragen das ringsumziehende mit Vergoldung geschmückte Gesims, über welchem die Decke emporsteigt. An den Freskogcmäldcn der Decke, die sich auf die zu Würzburg stattgefundene Vermählung K. Friedrichs Barbarossa mit Beatrix, Prinzessin von Burgund, beziehen, hat I. B. Tiepolo das Höchste geleistet, was dieser Art die Kunstwelt von ihm kennt. Von diesem berühmten Venetiancr finden wir in der Hofkirche, die am Ende des vorderen linken Schloßflügels eingebaut ist und an den Hofgarten grenzt, auch zwei herrliche Altarblätter in Oel, davon das eine die Himmelfahrt Mariä, das andere den Erzengel Michael darstellet. Das Innere dieser Kirche hat überaus reiche Verzierungen, drei herrliche Altäre mit marmornen Säulen und einige schöne Heiligen-Statuen, Gallcrien u. s. w. — So weit das große Gebäude der Residenz reichet, ist es, mit Ausnahme des östlichen Theils, mit den schönsten Kellern von 33 Sch. Breite und an 3« Sch. Höhe versehen, deren 228 Fässer 2101; Fuder Wein aufnehmen können. — In ganz unregelmäßiger Figur umgibt endlich die Residenz von der Ost- und Südseite der etwa 40 Morgen große Hofgarten, welcher einen Reichthum der schönsten in- und ausländischen Pflanzen und sehr anmuthige Anlagen, jedoch nach verschiedenem Geschmack, enthält, und dem Publikum zum angenehmsten Spaziergang geöffnet ist. >ro. 3 stellt die Licbkrauc»-Kapelle dar. Auf der Stelle, wo früher die Synagoge der Juden und später ein zu Ehren der h. Maria geweihtes Kirchlein gestanden, wurde 1377, bei dem Andränge zahlreicher Gläubigen von nah und fern zu diesem berühmt gewordenen Wallfahrtsorte, der Grundstein zu der jetzigen herrlichen Kirche gelegt, welche nebst dem 1441 angefangenen Thurm endlich 147!>, also nach 102 Jahren, ihre Vollendung erhielt. Als Baumeister, oder, nach damaliger Benennung, als Werkmeister haben sich an diesem Kirchenbau verewigt: der sogenannte Werkmann der Stadt Meister Weltz, der Steinmetz; Ebcrh. Friedeberger, der Steinmetzmcister von Frankfurt (von 1441 — 14««); Linh. Strohmaier, Hans Dietrich und noch viele andere aus nahen und fernen Gegenden. Der damalige fromme Sinn der Zeit that sich durch die reichlichen Stiftungen und Gaben kund, welche die Bewohner der Stadt für diese Kirche spendeten. Der alterthümliche Bau derselben erlitt eine unpassende Veränderung, indem 2 Jahre vorher statt des 1713 vom Blitze getroffenen und abgebrannten, spitzigen blcigedeckten Thurmdaches eine schwerfällige, mit steinernen Statuen verzierte Laterne und ein italienisches Dach aufgesetzt wurden, auf dessen Gipfel das kolossale Bildniß der h. Maria, ein treffliches, reich vergoldetes und bewegliches Kunstwerk von Kupfer, steht und die schon von Bonisaz ihrem Schutze gewidmete Stadt überstrahlet. — Man kann diese Liebfrauen- Kapelle , sagt Scharold in seiner ausführlichen Baugeschichte und Beschreibung derselben, mit Recht als eines der herrlichsten und ehrwürdigsten Denkmäler ansehen, mit denen unsere Altvordern ihre innige reine Frömmigkeit und ihre kräftige Kunst an den Tag gelegt haben. Noch ist sie unter den vielen hiesigen Kirchen das alleinige schönste Ueberbleibsel aus jener Blüthenzeit des Mittelaltcrs, in der die sogenannte gothische, eigentliche altdeutsche Baukunst den höchsten Höhepunkt und mit diesem also einen geläuterten Geschmack völlig eigenthümlicher Art erreicht hatte. Sie trägt alle die mannigfaltigen Eigenthümlichkeiten und Schönheiten an sich, welche die altdeutsche Baukunst in jener Glanzperiode entfaltet hat, theils durch die Spitzbögen der Thüren, Fenster und Gewölbe, durch hohe, kühne Pfeiler, welche oben nach allen Richtungen gleich den Baumästen sich trennen und die Rippen oder Gurten der Gcwölbefelder bilden, theils auch durch die abwechselnden, aus Blätterbüscheln, Ranken, Stabgcwinden, kunstreich durchbrochenen Thürmlein, Postamenten u. s. w. bestehenden Zierrathen. Bei einem dem Charakter einer Kapelle angemessenen, weder zu großen noch zu kleinen Umsange, zeigt das Langhaus auf beiden Seiten eine auffallende Ungleichheit. Es zieren nämlich die Südseite desselben und des Chors 12 mit vortrefflichen Standbildern von Tilman Riemenschneidcr gezierte, weit über den Dachstuhl pyramidenförmig auslaufende Strebepfeiler und eine längs dem Dachstuhle bis an den Ohor gehende, schön durchbrochene Gallerte, während die Nordseite eines solchen Schmuckes entbehrt, und keine andere Verzierung besitzt, als blos ein über dem Eingang angebrachtes Hautrclief, die Empfängniß Mariä auf eine gar materielle Weise darstellend. Der Grund dieser Ungleichheit liegt in dem Bedacht, den der Baumeister auf die Umgebung genommen. Südlich ein großer freier Raum (einst der sog. Juden- jetzt seit 174« der Marktplatz), nördlich dagegen eine fast unmittelbare Anlehnung an bürgerliche Wohnhäuser; auf jener Seite also alle Gelegenheit und Schicklichkeit, um Schmuck und Zierde anzubringen, auf dieser hingegen das gerade Gegentheil. Oben in der tiefen, zwischen den mittleren 2 Strebepfeilern des Langhauses portalartig gebauten Südseitcnthüre stellet ein Steinbild die Krönung Mariä in fast ältester christlicher Weise dar; an diesen Pfeilern selbst sind Adam und Eva, an den übrigen aber die lebensgroßen Bildnisse der 12 Apostel aufgestellt, und geben dem «ordern Bauwerke einen ganz eignen Zauber. Am Hauptportal auf der Westseite hat der Baumeister alle Kunst in schönen Verhältnissen zusammengedrängt und hauptsächlich auf den Eingang geworfen. Ein weiter Spitzbogen verjüngt sich nach Innen in immer kleiner werdende Bögen, an denen viele zierliche stumpfe Thürmlein oder Thronhimmel angebracht sind, und enthält oben auf einem Hautrelicf eine sehr bizarre Darstellung des jüngsten Gerichts. Dieß vielfach staffirte Bild ist in 2 Abschnitte getheilt; oberhalb der Himmel, darunter Erde und Hölle zugleich. Am letztern ist besonders merkwürdig, wie der Papst, Bischöfe, Mönche, Klosterfrauen, Ritter u. f. w. vom Satan . mit aller Gewalt in den Höllenrachen gezogen werden; ein nicht seltenes Sittcngemälde damaliger Zeit. Bevor wir in die Kapelle treten, wollen wir erst dem Thurm unsere Aufmerksamkeit schenken. Angebaut an der Nordseire des Langhauses, erhebt sich derselbe bis zum Dachstuhl des Langhauses ohne allen Schmuck, blos viermal begurtet. Bis da hinaus führt innen eine hölzerne Treppe von 97 Staffeln. Erst hier, wo, nun von allen 4 Seiten frei abstehend, das schön durchbrochene rein altdeutsche Bauwerk aus rothen Steinen emporsteigt, fängt zugleich auch eine vortreffliche steinerne Wendeltreppe von 91 Tritten an. Aufder Höhe von S4 Tritten dieser Treppe gelangt man ins Glockenhaus, und nach weiteren 37 Tritten aufwärts steht man in einem anziehend schönen gothischen Gewölbe. Weiter aufwärts hat nun das Alterthümliche ein Ende, indem, wie schon oben erwähnt, der oberste Theil des Thurms 1711 modcrnisirt wurde. Soweit sich die altdeutsche Bauart des Thurms erstreckt, bemerkt man an dem Gestein 27 verschiedene Steinmetzenzeichen und eine dem Erze ähnliche Bindung und Festigkeit. Vom erwähnten gothischen Gewölbe gelangt man auf 9 hölzernen Lcitertritten zur äußern Gallerie, welche 4 Sch. 0 Z. Höhe . hat, und eine bezaubernd schöne Aussicht über die ganze Stadt und hinaus aus ihre Umgebungen gewährt. Beim Herabsteigen vom Thurme, welcher mit dem auf dessen Gipfel befindlichen 18 Sch. K A. großen Mariäbiid beiläufig 2K« Sch. Höhe mißt, treten wir in den Dachboden des Langhauses, und kommen vorn auf einer 88 Tritte hohen, aussen am Chor angebauten, steinernen Wendeltreppe hinab in den Chor, auf einen Standpunkt, von welchem aus das Auge, von den üblen Eindrücken geschmackloser Altäre weniger gestört, die ganze innere Architektur in ihrer sinnvollen Schönheit besser betrachten kann, als vom Haupteingange aus. Auf jeder Seite des Langhauses ist dessen gewölbte Decke durch 4 achteckige, schlank und kühn emporstrebende Pfeiler getragen; jeder derselben ist in der Mitte mit 4 aus Holz geschnitzten Heiligenbildnissen geziert, welche auf einem von Blätterbüscheln gebildeten Postamente stehen, und oben mit einem stumpfen Baldachin bedeckt sind. Hohe schmale Fenster erhellen sehr freundlich den Tempel, und mehrere Epitaphien und Dcnktafeln übertreffen den Werth der Altargemälde. Der etwa 5vo Schritte große viereckige Raum, auf dessen einer Seite die Kirche und in geringer Entfernung davon die Hauptwache steht, ist der Hauptmarktplats der Stadt, ziemlich in deren Mittelpunkt gelegen und von großen schönen Häusern umgeben, deren Zusammenhang durch 7 auf diesen Platz führende Gassen unterbrochen ist. In der Mitte des schönen Platzes steht ein Springbrunnen mit einem hohen Obelisk, in dessen Postament nach einer Originalzeichnung des aus Würzburg gebürtigen berühmten Malers, Professors Wagner in Rom, auf zwei Seiten weibliche, allerlei Nahrungsprodukte tragende Figuren in antikem Geschmack eingchauen sind. Stets sitzen auf diesem Platze eine Menge Stadt- und Landleute mit Obst zu Markt; ganz besondere Lebhaftigkeit aber erfüllt ihn in der Regel Mittwochs und Samstags des Morgens, sowie an den Vorabenden dieser Tage, wo die sogenannten Wochenmärktc gehalten, und die stets in reichen Vorräthen aus der Nachbarschaft ankommenden Küchenwaaren der mannig- saltigsten Art, wie sie die fruchtbare Gegend nur liesern kann, in bestimmten Reihen und Abtheilungen zum Verkaufe ausgestellt werden. Auch die städtischen Gewerbsleute benutzen diese Märkte, um der zuströmenden Menge die verschiedensten Hausbedürfnisse in beweglichen Buden und Ständen anzubieten; und vorzüglich rege Kauflust zeigt sich in den der Liebfrauenkapelle angebauten kleinen Kramläden mit gothischen Glasthüren, die unwillkürlich an das ähnliche Marktgewühl am Straßburger Münster und an der St. Stephanskirche in Wien erinnern. Oft recht lustig anzusehen ist auch bei heiteren Sommernächten der Bivouak von Landleuten, die mit ihren Wagen, Karren und Körben auf diesem Platze unter Gottes freiem Himmel ruhen, oftmals Gesänge anstimmen und freudig der Morgenstunde entgegenharren, in der sie ihre Produkte verkaufen. Kro. 4 ist die von der Mainbrücke her sich darstellende, durch eine aus der Kathedrale kommende Prozession und mit festtäglich gekleideten Personen belebte Dom strasse, welche unter den wenigen, durch Breite, Länge und eine lichte, gradlinige Häuserreihe einigermaßen ansehnlichen Straßen Würzburgs unstreitig den Vorzug hat. Sie erstreckt sich in einer ziemlichen Ausdehnung von der Brücke aufwärts bis zu dem in hohen grauen Massen sich erhebenden Dom, der auf eine höchst originelle Weise den Schluß dieser Straße macht, so daß alle einigermaßen schwere Wagen rechts und links durch schmale Seitengassen abfahren müssen, und nur für Chaisen, Reiter und Fußgänger links des Doms durch einen Bogen eine Durchfahrt bleibt. Es ist diese Hemmung ein um so größerer Mangel in der Bauanlage der Stadt, als hier gerade durch ihre Mitte vom Rennwegthore her die Hauptstraße über die Mitte zum Zellerthore hinzieht. Da in die Domstraße hinein 11 Seitengassen auslaufen, und unten aus dem großen freien Platze vor dem Rathhause, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, eine große bunte Menge von Kutschern, Bedienten, Schiebkärnern, Tag- löhnern, Schacherjuden, Gaffern -c. herumtreibt, weßhalb dieser Platz den alten Namen Jaufertsmarkt führt; so ist hier natürlich das regeste Leben in der ganzen Stadt. Dazu kömmt noch das unaufhörliche Hin- und Hergehen der Wasserholcnden am großen, mit der Frankonia, Sinnbildern, Wappen und Inschriften verzierten sogenannten Bierröhrenbrunnen, das Wogen und Drängen der Spaziergänger, Reiter und Fuhrwerke, die ganze ziemlich lange und breite Straße entlang, welche in Verbindung mit der unmittelbar darauf stoßenden Mainbrücke eine der beliebtesten und unterhaltendsten Promenaden Würzburgs bildet. Die Häuserreihen rechts und links sind fast zumeist älterer, mitunter aber auch neuerer schöner Bauart, reinlich aufgeputzt, und enthalten ohne Ausnahme schöne Kaufläden und Kaffeehäuser. Gleich links unten beim Ausgange der Brücke steht das altehrwürdige Nathhaus mit seinem hohen Thurme, „zum Grafen-Eckard- genannt, in spießbürgerlicher Einfachheit. Zeugen mehrerer Jahrhunderte, haben beide der Zeiten und Menschen Wechsel überlebt, und stehen noch jetzt heldenmüthig fest, während die meisten gleichzeitigen Gebäude der Stadt bereits eine mehrmalige Wiedererbauung erlebten. Im Jahr 1310, erzählt die Chronik, erkauften die Bürgermeister Arnold von Sand und Eckard von Större, im Namen der Stadt den Hof, Grafen-Eckard genannt, nebst zwei dabei liegenden Häusern und den Hof zum Scharb. Der Thurm zum Kraken-Erhard ward erst 1453 erbaut und bald nachher mit einer Glocke und Uhr (der ersten Thurmuhr in Würzburg) versehen. Er ist von einem Thürmer bewohnt, der durch Hammcrschläge an die Glocke bei Tag und Nacht die Stunden anzeigen und auf Feuer und andere Gefahr Acht haben muß. Noch heutzutage führt er den Namen „zum Grafen-Eckard-, der vordere alte Bau des Rathhauses aber den Namen „zum grünen Baum-, der an dessen Gemäuer nur noch wenig sichtbar abgemahlt ist, und vermuthlich die einst an diesem Platz gestandene Linde, unter der sich die Bürger versammelten, im Andenken erhalten soll. Rückwärts der Vorderseite hat das Rathhaus oder Magistratsgebäude durch den Ankauf des aufgelösten Karmelitenklosters eine bedeutende Erweiterung und Verschönerung gewonnen. — Gehen wir nun auf der linken Seite die Domstraße hinaus, so bieten die vielen unregelmäßig und fast sämmtlich von Holz gebauten mehrstöckigen schmalen Wohnhäuser kein besonderes Interesse dar. Selbst das letzte unmittelbar an den Dom stoßende bereis- und Stadtgcrichtsgebäude (einst die bischöfliche Kanzlei) enthält weiter nichts Merkwürdiges, als etwa den hoch über die benachbarten Häuser emporragenden Trcppengiebel und einen durch das Erdgeschoß auf den Kürschnershof führenden, mit einigen Läden versehenen, Bogen- Durchgang, welcher seine seltsame Benennung „die Gräben oder Graden- wahrscheinlich den Staffeln (xrackus) verdankt, die ehemals zu den vielleicht von den ältesten Zeiten her bis in das 18. Jahrhundert in größerer Anzahl hier befindlich gewesenen öffentlichen Läden führten. Eine frühere unvergleichliche Zierde, welche i» einem links neben diesem Bogen-Durchgang erbauten, zwei Stockwerke hohen gothischen Erker mit einem spitzigen hohen Schieferdache und spitzigen Fundamente bestand, büßte jenes Gebäude erst vor wenigen Jahren ein, und damit ging das zweite jener sogenannten beiden Wahrzeichen der Stadt, das nämlich: „Würzburg hat einen Thurm, der auf der Spitze steht-, zu Grunde. An merk. Vorstehende Beschreibung verdankt Herrn Legationsrath vr. Scharold in Würzburg viele wesentliche Beiträge, wofür wir demselben hiermit verbindlichst danken. N ii r n b e r g. ie Stadt Nürnberg — vordem durch Handel, Gewerb- und Kunstfleiß «ine der mächtigsten und berühmtesten unter den freien Reichsstädten Deutschlands, nunmehr aber (seit 1806), durch jene, ihr, wenn auch in minderem Grade noch immer eigenthümlichen Vorzüge, eine der angesehensten Städte des Königreichs Bayern, und zugleich Sitz verschiedener Stellen und Behörden, sowie einer beträchtlichen Garnison — liegt, von dem Flusse Pegnitz in 2 fast gleiche, nach den 2 größten Kirchen der Stadt, die Sebalder und Lorcnzo-Ieite genannte Hälften getheilt, in einer ziemlich flachen Umgebung, in der sich blos nordöstlich einige Anhöhen erheben, auf deren äußerstem steil gegen den Fluß abfallenden End« das ehemalige Kaiserschloß von Nürnberg steht und mit seinen verschiedenen weit ausgedehnten und stattlichen Gebäuden die tiefer liegende Stadt mit einer eignen Würde und Bedeutung in die weite Ferne hin ankündigt. Zwar ist die Stadt selbst auf verschiedenen kleinere» Hügeln erbaut, was man, in den theils hohen, theils niedrigen Straßen derselben umherwandelnd, bald wahrnimmt z allein von außen ist, der Schloßberg ausgenommen, keine besondere Erhöhung und Auszeichnung unter den einzelnen Theilen der Stadt sichtbar. In einer ziemlich ausgedehnten, einförmig flachen Linie, über welche sich nur die Spitzen der äußeren Befcstigungs- und Maucrthürme, der Kirchen und übrigen Hauptgebäude der Stadt erheben, erscheint daher Nürnberg fast von allen Standpunkten, und bietet somit der künstlerischen Aufgabe, eine malerisch zusammengedrängte Ansicht der ganzen Stadt zu gewinnen, eigenthümliche Schwierigkeiten dar. Doch glückte es unserm Zeichner, eine ungemein vortheilhafte Totalansicht l?i. 1.) zu gewinnen, in der sich die Hauptzüge der äußern Physiognomie der Stadt von ihrer schmälstcn Seite darbieten und gleichsam wie im Profile bestimmt und scharf hervortreten. Dieser Standpunkt, der sich nordöstlich von der Stadt befindet, gewährt außerdem den großen Vortheil, daß hier die auf den übrigen Ansichten von Nürnberg, die wir kennen, ziemlich einförmig flache nächste Umgebung der Stadt eine leis aufsteigende Ebene bildet, welche auf eine für das Auge höchst angenehme Weise mit fruchtbarem Gartenland und Wicscngrund ausgestattet und mit vielen Bäumen und Häusergruppen unterbrochen ist. Der sanfte Hügel, welcher zunächst dem Schlosse durch eine Reihe Bäume sich kenntlich macht, heißt der Juben-Dühl d. i. der Juden-Hügel, weileinst mit dem Bauschutt cingerissener Judenhäuser ein früher dort befindlicher Sumpf ausgefüllt wurde. Die weiterhin daranstoßendcn Felder und Häuscr- gruppen gehören meist schon zu der großen Vorstadt Wöhrd, welche auf unserm Bilde links beginnt, und weit hinaus sich ausdehnt. Der Fahrweg, welcher, vom Lauferthor kommend, bis zum Vorgrunde sich hinzieht, führt nach Baireuth; nicht weit von demselben liegt, eine Viertelstunde von der der Stadt, auf dem, der v- Pellerifchcn Familie in Nürnberg gehörigen, Gute Ein täuschoid Ir-U«s Bild aus längst intschwundnen Ztltoi, Ergreifst Du uns mit eigenthümlicher Gewalt; Das Auge ruht auf Deinen stattlichen Gebäuden, Auf Deinen Kirchen, Deine« Brunnens Prachtgestalt, Und möchte hochentjück-t nimmer van Dir scheiden — So zauberhaft vermählt in Dir sich Neu und Alt! Wir denken Deiner stets mit inn'gem Wohlgefallen, Und grüßen freundlich Dich, Du deutsche Stadt vor allen. Schoppcrshof, die alte ritterliche Gartenwvhnung derselben, aus deren oberstem Stockwerke dieses Bild gezeichnet ist. Dieser Standpunkt liegt daher auch hoch genug, um jenseits der Stadt auf der westlichen Seite die zum Theil ziemlich hohen, mehrere Stunden weit entfernten Gebirgsreihcn, welche in blauer Ferne, über die Waldungen emporragend, den Horizont einschließen , erblicken zu lassen. Auf demselben befindet sich (in der Gegend der Lorenzkirche) die berühmte Alten-Neste, wo 1S32 Wallenstein sich verschanzt hatte und Gustav Adolphs stürmische Angriffe zurückschlug Wir wollen jetzo dieses Gcsammtbild der Stadt, soviel es möglich ist, dazu benutzen, um eine allgemeine topographische Schilderung derselben daran anzuschließen. Auf dem höchsten Punkte zeigt sich das Schloss, dessen einzelne, hier etwas versteckte und verschränkte Theile am deutlichsten auf dem folgenden Bilde f>r. 2.) zu ersehen sind; daher wir auch die Geschichte und Beschreibung desselben bei diesem erst geben wollen, — An die ehemaligen Befcsti- gungiwerkc des Schlosses, welche außen vor demselben mit Spitzen und Winkeln nach der Befestigungsweise, wie sie Albrecht Dürer gelehrt halte, im IS. Jahrhundert aufgeführt worden sind, schließen sich auf beiden Seiten die in doppelter Reihe rings um die ganze Stadt führenden Mauern an, welche mit zahlreichen Thürmen, einem Zwinger im innern Awischenraume und einem Stadtgraben nach außen hin versehen und bereits in den Jahren 1350 — 1425 entstanden sind. Die innere Stadtmauer, welche aus Quadersteinen mit Bogen und Strebepfeilern, 30 — 4t) Fuß hoch, aufgeführt ist, und theilweise mit Epheu und Gesträuch bewachsen, besonders nach der Außenseite der Stadt hin, manche malerische Partie darbietet, ist zwar noch immer fest und stark, jedoch zu ernstlicher Vertheidigung keineswegs mehr tauglich. Rings um dieselbe läuft ein Gang, aus dem in früheren Zeiten eigne Wächter die Runde machten, mit Hörnern einander das Zeichen gaben, und die Stunden ausriefen. Das mit vielen Absätzen fortlaufende Dach derselben hat man seit den letztern Jahren mehrere Streiken weil weggenommen. Ueber den Ein - und Ausgang der Pegnitz sind zur Mauerverbindung hohe Bögen gebaut, die sonst sorgfältig mit Ketten ver» wahrt und vergattert waren, jetzt aber frei und offen sind, und eine heitere Durchsicht gewähren. Zu großer Zierde gereichen dieser innern Stadtmauer die vielen viereckigen Thürme, welche mit verschiedenartigen, höchst pittoresken Dächern und mancherlei Anbauen versehen sind, und unwillkürlich an ähnliche Darstellungen in den Bildern Albrecht Dürers und anderer alten Meister erinnern. Sie sind jetzo zu geringen Mielhswohnungen eingerichtet, und lassen sich in unserm Bilde, rechts von dem runden dicken Thurme bis zum Schlosse hin, deutlich verfolgen; links find sie meist von niederer Gestalt, uni> verlieren sich so in die Gesammtmasse. Für den Fremden fast noch auffallender sind die neben den 4 Hauptthorer. der Stadt, dem Lau- fer-, Frauen-, Spittler- und Neuen-Thore, befindlichen zirkelrunden hohen und stattlichen Thürme gleichen Namens, von welchen die beiden ersten aus unserm Bilde ziemlich deutlich zu sehen sind. Gleich den übrigen eigentlich viereckig gebaut, verdanken sie ihre sonderbare äußere Gestalt, in Form eines aufgerichteten Mörsers, den runden Umfassungsmauern, welche in den Jahren 1552 — 1557 durch Georg Unger um dieselben aufgeführt wurden. Im Durchmesser haben sie SV Schuh, in der Höhe 145 Schuh. Die übrigen Thore der Stadt sind das Thiergärtncr-, Vestner-, Hallcr- und Wöhrder- thor. An dem ersteren, wo sonst der Burggrafen Park war, steht noch der alte viereckige Thurm, das Thor selbst hat einen langen, in die Krümme herumgebeugten, hoch und breit gewölbten Thorweg. Enger und niedriger gewölbt ist der Thorweg am Vcstncrthor, das, in unmittelbarer Verbindung mit der Rcichsveste stehend , sonst nur dem Castcllan als geheime Pforte überlassen war und übrigens blos für Fußgänger offen stand. Der Thurm bei diesem Thore gleicht den übrigen an Gestalt. Ausschließlich für Fußgänger bestimmt sind das Haller- und Wöhrderthor, welche ebenfalls gemauerte Thorwege haben, und ehemals die einzigen waren, durch welche man des Nachts in die Stadt kommen konnte. — Die (zweite) äussere Stadt- mauer, welche, parallel mit der innern laufend, in den Stadtgraben hinabreicht, hat ebenfalls wieder ihre niedrigen festen Thürme, welche von jeher zu Kasematten und zur Aufbewahrung von Kriegsvorräthen dienten. Wegen der oftmaligen Ausbesserungen ist diese äußere Mauer von verschiedener Güte und verschiedenem Alter, zum Theil wohlbesckiaffen, zum Theil vcr-' wittert. Hohe Brustwehren sind am Wöhrder-, Thicrgärtner- und Neuen- Thor, runde Basteien am Spittler - und Lauferthor, sowie auch beim Ein- und Ausfluß der Pegnitz. — Der Raum zwischen den beiden Mauern, der sogenannte Zwinger (an mehreren Plätzen führt er noch andere Benennungen) ist meist in Gartenland umgcschaffcn, und an Private vermiethet, von denen er theils zu gesellschaftlichen Bcrgnügungsorten, theils zur Aufbewahrung von Holz zc. gebraucht wird. — Auf eine ähnliche Weise wird jctzo auch der Stadtgraben benutzt, welcher fast durchaus 100 Fuß breit und im Durchschnitt 50 Fuß tief ist. Kehren wir nun von der äußern Umfassung zur innern Stadt zurück, so erblicken wir nächst dem Schlosse eine Masse Häuser in amphithcatrali- scher Lage bis zur Seba ldus Kirche hin, deren beide Thürme mit ihren schlanken Spitzen hoch emporragen, während das Schiff und Ehor dieser Kirche, so wie das gegenüber liegende Rathhaus kaum sichtbar sind. — Etwas deutlicher erhebt sich dagegen nicht weit davon das zierlich schmale Thürmchen der /rauen Kirche. — Gleich daraus folgen die beiden, mit ausgeschweiften Kuppeldächern versehenen, Thürme der Ggydienkirchc, welcher wir, da sie weiterhin nicht mehr vorkommt, hier einige Bemerkungen widmen wollen. Schon 1140 stiftete und erbaute K. Konrad III, auf dieser Stelle eine Kirche zu St. Egydien, nebst einem reich dotirten Kloster, in welchem schottische Benediclinermönche lebten, deren jedesmaliger Abt unmittelbarer Reichsfürst war und sich als solcher .Wir von Gottes Gnaden» schrieb. Im Jahr 1696 brannte diese Kirche nebst dem Kloster, welches unterdessen schon seit 1526 ausgehoben und dem Gymnasium eingeräumt worden war, nieder, und beide Gebäude wurden nun unter der Leitung der Architekten Trost, Vaters und Sohns, in den Jahren 1711 — 13 in dem damals herrschenden französischen Style, und zwar die Kirche außen nach dorischer, innen nach korinthischer Säulenordnung, wieder aufgeführt. Zugleich wurde die Kirche im Innern mit einer überaus großen Menge von Gewinden, Blättern und Zicrrathen, sowie mit verschiedenen Gemälden, besonders einem ausgezeichneten Altarblatt von van Dyk ausgestattet. Nur die 3 tiefer liegenden, verschiedener alten Gemälde, Bildwerke und anderer Altcrthümlichkeiten wegen schenswerthen, Seitenkapellcn haben sich aus dem Brande in ihrer ursprünglichen byzantinischen Form erhalten. — Weiterhin ragt auf unserm Bilde in ziemlich gleicher Höhe mit der Egydienkirche die Neulsch Hauskirche mit ihrer majestätischen Kuppel, auf der ein Goldkreuz prangt, über die Stadt empor. Sie wurde, an der Stelle der 17S4 abgerissenen Elisabethcnkirche in den Jahren 1784 — 1802 unter der Leitung verschiedener Architekten mit großem Kostenaufwand in neurömischem Style in kolossalen Verhältnissen aufgeführt, blieb aber seit der Aufhebung des deutschen Ordens im Innern unvollendet und bis aus den heutigen Tag ungenützt stehen, während das daran stoßende deutsche Haus gegenwärtig dem Militär zur Kaserne dient. — Der ganz nahe dabei sichtbare sogenannte weisse Thurm ist einer der noch erhaltenen alten Stadtthorthürme, welcher, an dem alten Graben stehend, die ehemaligen Gränzen der Stadt vor ihrer zweiten Erweiterung im 14. Jahrhundert auf dieser Seiter bezeichnet.— Noch ragt auch in derselben Gegend die Spitze der alten, bereits 1283 erbauten und von außen höchst unansehnlichen, Jakob-kirche hervor, welch« in den Jahren 1824 und 25 unter der Leitung des rühmlichst bekannten Architekten Hcidcloff, besonders im Innern, auf die würdigste Weise die längst schon gewünschte Umschaffung erhielt. — Nach einem zur Stadtmauer gehörigen Thurme erblicken wir den, unserm Standpunkte ziemlich nahe liegenden, Laukerschlagthurm, ehemals gleich dem weißen Thurme ein altes Stadtthor, unter welchem die Straße nach Lauf, einem Landstädtchen, und von da nach Böhmen führt. — Nun folgt, kaum aus der Tiefe hervorragend, die Kirche und das Spital gum heil. Geist, welche beiden Gebäude dem Reichsschultheiß Konrad Hainz, genannt Groß, im 14. Jahrhundert ihre Entstehung verdanken. Die Kirche, wiewohl sie schon 1341 vollendet war, entbehrt doch fast gänzlich der charakteristischen Iierralhcn der damals herrschenden schönen alldeutschen Baukunst, der schlanken Pfeiler ?c.; 1481 wurde sie erweitert, 1564 renovirt und endlich 1663 im Innern durch den Italiener Carl Brentano ganz zu einer modernen Kirche umgeschaffcn; noch erhielt sie 1827 im Innern einen frischen Anstrich und wurde dabei gänzlich wieder hergestellt. Das über einem Arm der Pegnitz auf zwei sehr solidm Bögen ruhende Spitalgebäude, welches in seiner ersten Gestalt bereits 133g vollendet war, wurde in den Jahren 1487 bis 1521 in seine gegenwärtig« Gestalt umgcschaffen, trägt jedoch neben so manchen Erneuerungen den Charakter alter Zeit noch immer unverkennbar an sich. Es besteht eigentlich aus 2 großen, an einander stoßenden Gebäuden, zwischen welchen sich ein breiler, mit Steinplatten belegter Platz befindet, wo die im Hospital Verpflegten (gegenwärtig etwa 225 an der Zahl) sich sonnen und lustwandeln können. Kühl und gesund im Ganzen, ist es nur bei Uebe schwemmungea mancher Gefahr ausgesetzt; übrigens ist es mit einer Menge von Zimmern und allen Anstalten zur Bequemlichkeit versehen. — Gleich darauf folgt in unserm Bilde der hohe runde Laukerthorihurm, der als das am nächsten liegende Hauptgebäude der Stadt in seiner ganzen Eigenthümlichkeit am kräftigsten hervortritt. — Weiterhin erhebt sich die La reng Kirche mit ihrem hohen Chöre und ihren beiden schlanken Thürmen, dem Hauptglanzstcrne der Stadt vergleichbar, hoch empor. — Daran schließt sich eine Reihe Häuser, unter welchen die beiden Hall- und Maulhgebäude durch ihre beträchtliche Höhe, Breite und Länge vor allen übrigen hervorragen. Dr« vordere Halle, ursprünglich ein Salz- und Kornhaus, womit 1572 ein Waagamt verbunden ward, steht in der Königs- oder Fraucnthorstraße auf dem alten Stadtgraben, wo einst der innere Frauenthorthurm war. Es wurde 149g von Hans Behaim dem ältern aus gehauenen Steinen mächtig und fest aufgeführt, und bietet im Innern auf seinen mehrere Stockwerke hohen Böden und in den darunter befindlichen Gewölben weile Räume zur Aufbewahrung der Güter dar, welche auf dem Lager des Hallamts bleiben. Zwischen diesen führt durch zwei massive Pseilerrcihcn eine ziemlich breite Durchfahrt, und gewährt überall hin einen bequemen Zugang. Das sehr hohe Dachwerk des Gebäudes ist an der Vorderseite mit einer netzförmigen verzierten Giebelwand versehen, und darunter befindet sich ein schönes, mit dem Stadtwappen verziertes Portal. In gleicher Richtung fortlausend, nur durch eine Straße getrennt, zeigt sich die Hintere Halle, aus 3 Gebäuden und 2 Iwischenhösen von 324 Fuß Länge bestehend. Hier befand sich einst das nicht unberühmte reichsstädtische Zeughaus , welches ehedem mit allen alten Waffengattungen reichlich versehen war, bis endlich die Reste von dem, was plündernde Feinde und Freunde übrig gelassen hatten, verkauft und eingeschmolzen wurden. Am Eingange stehen 2 feste, runde, 1588 erbaute Thürme. Noch ist der unter dem vorderen Hallgebäudc befindliche große Raths- oder Herrcnkellcr zu merken, welcher gegenwärtig zur Haupt-Wein- Niederlage der Stadt dient und als solcher gleichfalls zum Hallamt geHort. 26 Pfeiler tragen das massive Gewölbe desselben, auf welchem die ganze gewaltige Last des vorderen Hallgebäudes ruht. Seine Länge, den Vorkcller eingeschlossen, beläuft sich auf 475 Fuß, seine Breite auf 57. In der Periode, in welcher die meisten öffentlichen Gebäude Nürnbergs entstanden sind , wurde auch dieser Keller von Hans Bchaim dem ältern, in den Jahren 1493 — 99 erbaut, und ein Theil des ehemaligen Stadtgrabens dazu angewendet. — Nicht weit davon zeigt sich links das kleine Claraklosler nebst Kirche, wovon ersteres gegenwärtig theilweise zu Wohnungen und zum Leihhause eingerichtet ist, letztere aber, die bereits 1278 vollendet war, jctzo zurMauth- viedcrlage und zum Lokal des hiesigen Wollmarkts dient. — Noch erblicken wir auf unserm Bilde, außer verschiedenen Häuscrgruppen und mehreren Spitzen kleinerer Stadtthürme, ein großes Gebäude, welches zu dem sogenannten Peunt (Beint d. i. ein umschlossener Platz) oder dem ZZauhoke gehört. Es ist dies ein weiter Hofraum, welcher eine Anzahl von Häusern, Magazinen, Böden zc. umschließt und in denselben reich mit allen zu dem Bauwesen erforderlichen Vorräthen versehen ist. Unter den verschiedenen dazu gehörigen Gebäuden ist das aus unserm Bilde sichtbare, welches 1615 massiv und solid aufgeführt wurde, das größte, diente vordem zur Wohnung des jedesmaligen Stadtbaumeisters , späterhin zum Sitz des königlichen Rentamts, gegenwärtig aber zum Lokal für die erweiterte polytechnische Schule. — Den Schluß unserer Ansicht bildet der Frauenthorthurm. 5ir. 2. stellt uns den interessantesten und zugleich den ältesten Theil der Stadt in einem überraschenden Ueberblickc dar. Der zu diesem Zwecke sehr glücklich gewählte Standpunkt befindet sich auf dem geräumigen Umgange des nördlichen Thurms der Lorcnzkirche, welcher mit seinem alterthümlichen Geländer den Vorgrund unserer Ansicht bildet. Von dieser beträchtlichen Höhe herab läßt uns der Künstler, welcher, den Anforderungen einer malerischen Auffassung und Anordnung zu genügen, das in der Wirklichkeit in noch größerer Ausdehnung sich darbietende Bild der Stadt mehr in seine interessanteste End - und Grcnzpunkte zusammendrängte, über die zunächst unten an die Kirche gränzenden Straßen und Häusergruppen hinweg, sogleich den Haupt Marktplatz der Stadt und die denselben umgebenden alterthümlichen Gebäude erblicken. Ueberall, wohin wir die Augen wenden, tritt uns eine Fülle von Erkern, Giebeln, Thürmen und Thürmchen mit jenem unvergleichlichen Reize der Alterthümlichkeit entgegen, welcher Nürnberg vor allen andern Städten Deutschlands so anziehend macht. Doch während uns das vorliegende Bild diesen Theil der Stadt, in welchem sich mehr als in irgend einem andern die ganze Eigenthümlichkeit Nürnbergs, das innerste Leben, gleichsam die geistige Physiognomie dieser Stadt, vor unsern erstaunten Blicken aufschließt, nur aus ferner Höhe herab erschauen läßt, versetzt uns Xr. 9- ganz eigentlich mitten in die Fülle der mannigfaltigen alterthümlichen Schönheiten, welche den interessantesten Theil des Hauptmarktplatzcs zieren, und gewährt uns zugleich durch die demselben, von allen Seiten, aus verschiedenen angrenzenden Straßen zuströmende Menschenmenge einen überraschenden Blick in das lebhafte Menschengewühls, welches diesen Platz fast stets anzufüllen pflegt. Verbinden wir daher in der Anschauung und Beschreibung beide sich einander innigst ergänzende Bilder. Rechts beginnen beide mit der Frauenkirche. Diese mehr zierliche als großartige, jedoch eben so schön gedachte als ausgeführte Kirche verdankt ihre Entstehung Kaiser Karl IV., der 1349 dem Rath der Stadt erlaubte, die vordem hier befindliche Synagoge der Juden abzubrechen, und an deren Stelle eine Kirche zu Ehren der heil. Maria zu erbauen. So wurde sie denn in den Jahren 1355 — 61, mithin in der Blüthezeit der gothischen Architektur, durch die Baumeister Georg und Fritz Rupprccht und den Bildhauer Sebald Schonhofer aufgeführt und noch in dem Vollendungsjahre 1361 unter dem Namen: »Unserer lieben Frauen Saal' in Gegenwart des Kaisers eingeweiht, welcher bei dieser Gelegenheit die von Prag deßhalb hierher gebrachten Heilig- thümer von dem Gange der Vorhalle herab dem Volke zeigen ließ. Diese Kirche führte auch den ihrer äußeren und inneren Gestalt angemesseneren Namen : »Kaiserliche Kapelle.' Den ganzen Reichthum altdeutscher Formen finden wir aus ihrer Vorderseite in fast zu üppiger und bunter Fülle ausgegasten. Stolz erhebt sich eine mit vielen nieschenförmigen Abtheilungen geschmückte Giebclwand mit einem zierlichen Thürmchcn in der Mitte; daran schließt sich eine niedlich kleine Kapelle, welche gleichfalls mit einem reich verzierten Giebel und einem Glockenthürmchen verschen ist, und auf der mit Kupfer gedeckten Plattform einer Vorhalle ruht, die wiederum innen und außen aus das reichste mit vielen kleinen Figuren geziert und oben mit einem kunstreich durchbrochenen, wappengeschmückten Geländer versehen ist. Von da herab pflegten vordem die Kaiscrwahlen unter Trompetenschall verkündet zu werden. Diese Vorhalle wurde zugleich mit der Kirche, deren Hauptschmuck sie bildet, von den oben genannten Künstlern aufgeführt; nicht so das Kapcll- chcn über derselben, welches erst 1462 unter Adam Krafts Leitung in einem schon etwas verschiedenen Styl übergebaut wurde. Die Hauptmerkwürdigkeit des letzter» besteht in dem künstlichen Uhrwerk, welches 1509 in die von Kraft schön verzierte Nische hineingesetzt wurde. Noch ist von den 9, aus Kupfer getriebenen und vergoldeten, 2-/z Fuß hohen Figuren, welche vordem zu dieser Uhr gehörten, Kaiser Karl IV. auf einem Throne sitzend und sein Reichsherold, geharnischt vor ihm stehend, vorhanden; die Figuren der 7 Kurfürsten dagegen sind verschwunden, und neuerdings durch hölzerne Figuren ersetzt worden, welche sich, gleichwie die früheren von Metall, sobald das wiederhergestellte Uhrwerk ausgezogen ist, um den Kaiser hcrumbewegen, während der Herold in die Posaune stößt. Daher führt auch das ganze Uhrwerk den Namen: »das Männleinlausen.' Leider sind aus dieser Kirche, gegenwärtig der einzigen katholischen in Nürnberg, alle vordem darin befindlich gewesenen alten Kunstwerke, Gemälde und übrigen Alterthümer verschwunden. Zum Ersatz dafür hat man zwar Manches dieser Art aus andern Kirchen dahin zusammengebracht, und überhaupt Vieles in derselben im alten Style wiederhergestellt; allein zu gleicher Zeit wurde die ganze Kirche viel zu bunt übermalt, wodurch der frühere Reiz der Alterthümlichkeit im Innern fast gänzlich verschwand. Doch enthalten die Fenster im Chor noch schöne Glasgcmälde. Die zweite Hauptzierde des Marktplatzes bildet der mit vollem Recht sogenannte schöne Krunnen, unstreitig eins der seltensten Denkmale dieser Art, welches die deutsche Kunst auszuweisen hat, ein Denkmal, welches durch seine, von dem gediegensten Kunstsinn zeugende, schöne Anordnung und herrlich entwickelte Composition nicht weniger unsere hohe Bewunderung zu erregen fähig ist, als die Kirchcnbauten aus derselben Blüthezeit der deutschen Baukunst, in der sie sich gleichsam in ihrer jungfräulichen Glorie zeigte; nur daß die letztem zugleich ein so sehr erhebendes Zeugniß für den kindlich religiösen Sinn ihres Zeitalters ablegen. Die Idee dieses prachtvollen Brunnengebäudes, welches dieselben Künstler, denen wir die Frauenkirche verdanken, und in denselben Jahren mit dieser erbaut haben, ist eben so einfach als sinnig. Das Ganze bildet eine etwa 60 bis 62 Schuh hohe, von unten bis oben kunstreich durchbrochene Pyramide, welche in drei verschiedenen Abtheilungen aus dem Achteck emporsteigt, so daß jedesmal die Kanten des oberen Achtecks aus die flache Seite des untern zu stehen kommen. So baut sich das Ganze, die reichste Zierde und einen schönen Wechsel des Lichts gewährend, leicht und frei in die Höhe, wo es sich endlich in eine mit vielen Blumenknospen geschmückte, überaus zierliche Spitze vereinigt, welche 2 Lilien krönen und eine Helmstange und Fahne beschließen. Dem herrlichen Kunstgebäude gleichsam eine höhere Bedeutung zu geben, stehen an den 3 Pfeilern der untern Abtheilung 16 vier Fuß hohe Figuren, welche die 7 Churfürsten, die 3 vornehmsten christlichen, jüdischen und heidnischen Helden (nämlich: Gottsr. v. Bouillon, Klodwig von Frankreich, Karl den Großen; Judas Makkabäus, Josua, David; Julius Cäsar, Alexander, Hcktor) darstellen; an denen der oberen Abtheilung dagegen nur 8 drei Fuß hohe Figuren, Moses und die 7 Propheten vorstellend. Untadelhast und rein ist die Zeichnung und Ausführung aller dieser in Stein gehauenen Bilder. Einst war dieser Brunnen, welcher von 1447 — 1586 wenigstens fünfmal restau- rirt wurde, bemalt uud vergoldet, jetzo aber ist derselbe, nachdem er bereits gänzlichem Einsturz gedroht, in den Jahren 1822 - 24 unter Reindels Leitung durch einheimische Künstler so vollkommen nach Geist, Zeichnung und Ausführung dem alten gleich wiederhergestellt worden, daß er, obschon jetzt über fünf Sechscheile daran neu gearbeitet sind, in jeder Hinsicht für das ursprüngliche Werk Schonhofers und feiner Kunstgenosscn gelten könnte, und eben fo sehr denen, welche diese Aufgabe lößten, als unserer Aeit und der Stadt zu Ehren gereicht. Das zierliche Eisengitter, welche« diesen Brunnen umgibt, hat 1586 Paul Kön, ein Schlosser von Augsburg, gefertigt; doch wurden neuerdings die obern unpassenden Schnörkel an demselben weggenommen und mit einem Aufsatze im Style des Brunnens vertauscht. Der Brunnen selbst hat 2 reiche Zuflüsse vortrefflichen Wassers, mit dessen Abfall alle Pumpen und laufende Brunnen in der Nachbarschaft verschen werden Noch sind auf unsern beiden Bildern (Sir. 2. und ?.) verschiedene alterthümlichen Gebäude nicht zu übersehen. Das eine, ein Privatgebä lde, mit einer hohen Giebelwand und einem kleinen Erker geziert, steht auf der Ostseite der Frauenkirche und ist nur durch eine Straße von derselben getrennt; da« andere, ein großes Eckhaus, welches sich links vom schönen Brunnen m beträchtlicher Länge und Höhe hinzieht, istdas Voschersche, jetzt Kam- merbachersche Hau». Leider ist es in neueren Zeiten vielfach verändert worden, wodurch eS außer so manchen andern alterthümlichen Reizen auch die großen ehemals auf seiner Außenseite befindlichen Gemälde von Turnieren einbüßte. Damit verschwand auch die letzte Erinnerung daran, daß der Markt in alten Zeiten al« Stechbahn benutzt und gar manches Schars- rennen innerhalb der im Viereck auf demselben errichteten Schranken gehalten wurde. Das erste Gebäude rechts von der Frauenkirche auf dem Bilde Kr. 2. heißt der Ploben hok. Diese« bewohnte einst um 1331 der Reichsschultheiß Konrad Hainz, genannt Groß; l/»28 aber kam es an die Ploben, von welchen es seine jetzige Benennung erhielt. Zwischen dem Plobenhof und der Frauenkirche liegt auf beiden Bildern, kaum sichtbar, das Kürsch- »erhau», ein 1499 errichtetes und mit vielen Gewölben und Buden versehenes Gebäude, in welchem sonst die Rauch - (Pelz-) Händler ihre Waaren feil hatten, jetzt aber, in den oberen Gängen und Räumen, Handelsleute andere Gegenstände, z. B. Leinentuch und Garn, verkaufen. Ferner sind rings um den Marktplatz her in den Erdgeschossen der Häuser viele Magazine und Läden, außerdem auch noch eine Reihe derselben an dem tauf unsern Bildern nicht mehr sichtbaren) Holzschuherischen Hau^e hin festzebaut, die sogenannten langen Kräme. Ueberhaupt aber sind die, wie auf fast allen Punkten der Stadt, so ganz besonders auch hier vorhandenen, ohne Ausnahme aus massivem Steine aufgeführten Häuser der Patrizischen Familien und der übrigen Kaufleute einer besonderen Beachtung werth. Bei weitem der größere Theil dieser Gebäude zeigt eine Höhe von 3 — 5 Stockwerken und eine beschränkte Breite gegen die Straße; aber tief reichen sie in daS Innere; nach dem Hosraume folgt ein zweites Gebäude, dann ein zweiter Hof und noch ein Gebäude, hinausreichend in eine andere Straße. Diese ganze Vereinigung bildet Ein Haus und bedeckt einen bedeutenden Raum. In diesen Häusern ist das Erdgeschoß einzig bestimmt zu Kaufmannsgewölben und Magazinen. In den höheren Stockwerken begegnet man geräumigen Sälen, die auf italienische Weise gepflastert sind; dann Trepp- chcn auf, Trcppchcn nieder erreicht man einige Zimmer, aber immer sind die unhe-zbaren Kammern in größerer Zahl. Die Zimmer selbst sind meist groß und dunkel, haben schwere gefirnißte Decken und Bertäfelungen von antiker, mitunter sehr schöner Bildhauerarbcit. Große Hausfluren befinden sich vor denselben, oft geräumiger, als diese selbst, weiterhin Treppen mit gothisch durchbrochenen Steingeländern und um den Hof herum lange Cor- ridors oder offene Gänge. Fast nirgends finden sich Abtheilungen für mehrere Haushaltungen; nur für eine Familie mit ihren vielen Hausgenossen war der große Raum zur Wohnung bestimmt; der Kaufmann gestattete keiner zweiten ihm fremden den Zugang zu seinen Magazinen. Die Menge solcher großen steinernen Privathäuser erregte schon frühe die Bewunderung des Fremden; «inen solchen Anblick fand er in Deutschland so leicht nicht wieder, und nicht übertrieben ist wohl für die damalige Zeit die Versicherung des AeneaS Sylvius, nachherigen Papstes Pius II., daß Nürnbergs Bürger bessere Wohnungen besäßen, als die Könige von Schottland. Oef- tcrS war er in der Stadt, kannte sie genau, und nur über sie verbreitet sich in vielen Stellen sein Lob vor allen Städten Deutschlands. Bon den noch jetzt vorhandenen Privatgebäuden dieser Art erwähnen wir vor Allen nur: das Haus der Viatis von.... (dem Museum gegenüber), das von Pcllcrische HauS von 1605 (auf dem Egydienplatze), das Tucherische HauS von 1480 (in der Hirschgasse) zc. Im Innern des Marktes selbst, wo sonst eine Menge ungleicher und zum Theil sehr schlechter Buden aller Art standen, wurden in der neueren Aeit 3 Reihen feststehender Buden, mit Arkaden versehen und von einem im Ganzen nicht ungefälligen Aeußern, al« Z Seiten eines gegen Süden offenen Vierecks, gebaut, und den Bürgern zu Feilschaften aller Art käuflich überlassen. Nur Schade, daß sie den Ucberblick des Marktes und der denselben umgebenden Gebäude ungemein hemmen und stören, so daß sich auch unser Künstler, um eine freiere Aussicht nach der Frauenkirche zu gewinnen, genöthigt sah, sie auf dem Bilde Kr. 2. ganz weg zu lassen. — Von dem Hauptmarkt aus führt die zwischen der Frauenkirche und dem gegenüber liegenden Eckhause befindliche Straße nach dem stets mit reichen Vorräthen versehenen Vbsimarkt, welchem die auf einem Röhrbrunncn befindliche, von Pet.r Bischer gegossene, niedliche Bronzcfigur eines Bauers, der Gänse unterm Arm trägt, das sogenannte Gänscmännchen, zur großen Zierde gereicht und gewissermaßen zum Symbol und Wahrzeichen dient. Verfolgen wir nun aus dem Bilde Kr. 2. linker Hand die Straße, welche nach dem Schlosse führt, so erblicken wir zunächst auf der einen Seite d'c Scbaldu-Kirche mit ihrem reichen Chor und schlanken Thürmen, auf der andern das Noth hau», wovon jedoch nur der obere Theil sichtbar ist. Im Styl der großen Paläste von Italien in den Jahren I6ik —IS von dem Baumeister Eucharius Karl Holzschuher aufgeführt, gehört es zu den ansehnlichsten Gebäuden dieser Art in Deutschland. Es ist auf der Vorderseite 275 Fuß lang und mit einer Reihe von 36 Fenstern und 2 Stockwerken versehen. Drei hohe Thüren mit Figuren über den Portalen führen in das Innere desselben, und eine Galleric nebst 3 kleinen Pavillons, aus welchen in der Mitte und an den beiden Enden Thürmchen stehen, zieren das Dach. Doch nur die Vorderseite, so wie die beiden Flüzelgcbäude sind in diesem Style ausgeführt; dagegen blieb das noch von dem älteren Rathhausc aus dem 14. Jahrhundert stammende Hintergebäude, wegen des entstandenen gnjährigen Kriegs, unverändert stehen; weshalb auch an diesem, welches aus mehreren nach und nach zusammen gekauften Häusern bestand, ein so sehr verschiedener Baustyl bemerkbar ist. Der innere Hof bildet ein regelmäßiges Viereck, welches, in Verbindung mit dem Hintergebäude, die 3 neuerbauten Seiten des Rathhauscs mit ihren hohen offenen Bogenhallen nach italienischer Weise umschließen. In der obern Gallerie ist an der Decke das Gcsellenstcchen, welches 1456 auf dem hiesigen Marimillansplatz gehalten wurde, in erhabener Arbeit abgebildet. Die Gestalte» sind alle in Lebensgröße, und führen in fortschreitender Handlung die Eigenthümlichkeiten eines solchen ritterlichen Spiels an uns vorüber. Das Ganze ist interessant, voll Wahrheit und Leben. Die untere Gallerie ist an der Decke in halberhabener Stuccatur-Arbeit mit 12 mythologischen Vorstellungen geziert, welche Abraham Graß aus Schlesien 1619 verfertigte. Doch das Sehcnswürdigstc in dem ganzen Gebäude ist unstreitig der große Saal, welcher, noch von dem älteren Rathhause herstammcnd, durch 2 Stockwerke reicht, 80 Fuß lang und 30 Fuß breit ist, zwei größere Thüren und eine kleinere hat, zu welchen man auf der steinernen Haupttreppe gelangt. Oben über den beiden Seiteneingängcn ist außen der Streit der Centauren und Lapithen abgebildet , und daran das Nackte vortrefflich ausgearbeitet. Ueber dem Haupteingang ist oben im Fronton Gott der Vater nebst Engelköpfen abgebildet. Inwendig werden die Stadlwappen von gutgezeichneten Figuren gehalten. Hier war vordem durch ein vortreffliches Bronzegittcr, von Peter Bischer gegossen und von Pankratz Labenwolf mit Wappen und andern Zierrathen in halberhabener Arbeit geschmückt, der vordere Theil von dem eigentlichen Saale abgesondert. Leider hat man aber dies seltene Kunstwerk vor etwa 2 Decennien weggenommen, verkauft und — eingeschmolzen. Die rundgewölbte Decke des Saals ist mit kunstreicher Schrcinerarbeit von Hans Wilh. Behaim 1613 ausgeschmückt, auch von demselben Künstler mit einem Kronleuchter versehen. An der Morgenseite findet man noch vollkommen den Charakter eines alten Rittersaales, 3 hohe Bogenfenster und unter dem mittlern einen kleinen Chor, mehrere Gemälde und Wappen von Veit Hirschvogel (1521), sinnreiche Sprüche und Bilder, allegorische Figuren nl fre.sco, die, gleich den Wandgemälden zwischen den übrigen Fenstern von Gabriel Weyer, im Jahr 1824 durch Pereira und Rohrig die Restauration, die sie schon lange bedurft hatten, auf eine ihre ehemalige, beinahe schon verloren geglaubte Schönheit mit vielem Glück wiederherstellende Weise erhielten. Au beiden Seiten des Chors sind einige Basreliefs und Inschriften zum Andenken an erhaltene Aollfreiheiten zu München, Antwerpen und an andern Orten. Auf der nördlichen Seitenwand befindet sich der berühmte Triumphwagen, welchen Wilibald Pirkheimer zu Ehren Kaisers Maximilians I. 1518 erfunden und Albrecht Dürer in Oel gemalt hat. Awölf Pferde, von einzelnen Tugenden geleitet, ziehen den Wagen, worin der Kaiser sitzt. Dieses Gemälde trat ebenfalls erst 182/» aus seiner Beschädigung und Verdunkelung wieder in volles Licht; (o auch die übrigen, die Länge der ganzen Wand einnehmenden, trefflichen Figuren des Angeklagten, der vom Neid, von der Bosheit zc. vor den Richter geführt wird; so ferner der herrliche Chor von Musikern zwischen den beiden Saalthüren, der Theil des Gemäldes, der beinahe noch mehr, als der Triumphwagen, Dürers hohes Talent beurkundet. In diesem Saale ward nach dem geschlossenen Ereku- tionsrezeß des westphälischen Friedens am 25. Sept. 1S49 das große Frie- denSmahl gehalten, von welchem man in der Gemäldegallerie auf dem Schlosse ein, von Sandrart verfertigtes, sehr gelungenes, großes Gemälde sieht. Jetzt dient der Saal zu Versammlungen bei feierlichen Gelegenheiten, Preisrcrtheilungen ic>, besonders aber zu Musikaufführungen, welche, zum Besten der hiesigen Gesangschulc und unter ihrer Mitwirkung, mehrmals im Jahre veranstaltet werden, weswegen auch im untern Theile des Saals ein großes, schön dccorirtes Orchester errichtet wurde. — Die alte Rathsstube, in welcher sich der Magistrat seit 1340 versammelte, hat eine kleine Thüre mit der Uebcrschrift: .Eins manns red ist eine halbe red, man muß die tcyl verhören bcd." Im Innern ist sie ganz schmucklos, und hat blos über dem Eingang eine allegorische Bildschnitzerarbeit. In dieser Stube befindet sich auch eine verborgene Thüre, welche in das ehemals gebrauchte unterirdische Gefängniß, das Loch genannt, und in die Folterkammer führt. Von hier aus lausen zugleich eine Menge unterirdischer Gänge, welche man sonst sehr geheim hielt, in mehreren Richtungen aus. Einige davon dienen zu Wasserleitungen, die mehrestcn aber scheinen deswegen angelegt worden zu seyn, um den Magistrat bei einem sich ereignenden Aufstande der Bürgerschaft zu retten. Einige davon gehen unter dem Stadtgraben weg, und öffnen sich erst in einer ziemlichen Entfernung von der Stadt. Manche derselben sind noch sehr gut erhalten, mit Fallthüren, Schlössern und scheinbaren Thüren sehr sinnreich versehen; sehr viele sind aber verfallen und verschüttet, so daß sie bis zu ihrem Ausgang nicht mehr verfolgt werden können. — Noch sind in dem eigentlichen Rathhause viele andere Zimmer befindlich, welche zu verschiedenen städtischen Zwecken verwendet werden. Den kleinen Rathhaussaal im zweiten Stock, sonst die Sternstube genannt, an dessen Decke zwischen den überaus zierlich vertäfelten Feldern, Rosetten und Vergoldungen 3 größere und 10 kleinere Gemälde von Juvenell, einem Schüler Elshei- mers, angebracht sind, ließ 1825 der Magistrat zu einem Ehrentempel für ausgezeichnete Bürger Nürnbergs, welche sich durch reiche Stiftungen um die Stadt verdient gemacht haben, einrichten; bei welcher Gelegenheit die Bilder von y der ausgezeichnetsten Stifter in eben so viel Feldern zwischen Mastern von Gipsmarmor, in Oel von Funs gemalt, in Lebensgröße angebracht wurden. Eine Zierde des Zimmers bilden außerdem noch das lebensgroße Portrait König Maximilians und die in der polytechnischen Anstalt gegossene Büste König Ludwigs, so wie Tafeln mit Abschnitten aus der Constitution, der Gemeinde-Ordnung und mit den Namen von 71 Stiftern. — In dem zum ehemaligen Ralhhause gehörigen Hintergebäude befindet sich das seiner vielen seltenen Dokumente wegen schätzbare Archiv. — Im Hofe des Rathhauses steht ein von Pankratz Labenwolf 1S18 aus Bronze gegossener Brunnen, dessen Zeichnung und Ausführung von vielem Geschmack und Fleiße zeugt. Von dem Rathhause und der Sebalduekirche aus setzt sich das Bild in den mannigfaltigsten Häuserreihen fort, die, durch verschiedene Straßen unterbrochen, in einzelnen Hauptmassen vor- und zurücktreten. Schön gebaut liegt hier überall Nürnberg vor uns, mit geraden Hauptstraßen im Ganzen, obgleich sie nicht nach der Schnur gezogen sind, wie in manchen Städten von neuer Anlage, wo immer eine Straße der andern ähnlich sieht, und der Beobachter des ewig wiederkehrenden Anblickes bald überdrüßig wird. Zwar wird der alterthümlichcn Stadt dunkles Ansehen zum Vorwurf gemacht; doch geht dies nicht, wie anderwärts, aus der Enge der Straßen, sondern hauptsächlich aus den hohen steinernen, durch den Fortgang der Zeiten schwärzlich gewordenen, Gebäuden hervor. Bloßes Abreiben bringt indeß diese schon zur ursprünglichen Schönheit zurück, und seit mehreren Jahren erhielten viele auch einen geschmackvollen Anstrich. — Links von der Scbal- duskirche sieht man den Thiergärlnerl hurm und das nahe dabei, dem Albrecht Dürers Hause gegenüber liegende, sogenannte Pilalushaus mit seinen Erkcrthürmchen hervorragen. Hier wohnte einst der Ritter Martin Kctzel, welcher 1477, in das heilige Land zog, um die Entfernung aller der Orte, wo sich bei der Hinausführung Christi zum Kreuzestode vom Hause des Pilatus an bis zur Richtstätle Merkwürdiges ereignet hatte, nach Schritten abzumessen und sodann in der Nähe seiner Vaterstadt Erinnerungsbilder an diese Vorfälle errichten zu lassen. Als er heimgekehrt war, hatte er den Zettel, auf dem er sich die Entfernungen bemerkt hatte, verloren, und trat daher, weder Beschwerden noch Kosten scheuend, 1433 nochmals jene weite Reise an. Wieder zurückgekehrt, übertrug er die Ausführung seines Vorhabens dem Steinhauer Adam Kraft, der nunmehr 7 in Stein gehauene Wandsäulen, mit Figuren und Unterschristen, verfertigte, und dieselben im I. 1490 von Ketzels Hause an, welches damals wohl den obigen Namen erhielt und noch jctzo mit einer Rittcrstatue an der Vorderseite geschmückt ist, auf dem Wege nach dem Kirchhose zu St. Johannes nach Ketzels Abmessung aufrichtete. Die Hautreliefs an diesen Stationen sind herrlich gezeichnet und trefflich gehauen; nur haben manche durch Uebertünchcn, manche durch Verwitterung gelitten; sie werden daher gegenwärtig durch den geschickten Bildhauer Burgschmidt rcstaurirt. Den Endpunkt dieser frommen Wcgbezeichnung bildet der Calvarienberg, von welchem weiter unten die Rede sein wird. Den würdigsten Schluß und gleichsam die Krone der ganzen Ansicht Xr. 2. bildet das ehemalige Neichs schloss von Nürnberg mit seinen mancherlei höchst verschiedenartigen größeren und kleineren Gebäuden, von welchen man hier einen ziemlich vollständigen llcberblick gewinnt- Dieses Schloß hat in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit, von welcher Seite man es auch betrachten mag, ein überaus malerisches Ansehen, welchem gerade die, aus seinen einzelnen, nach Entstehung, Bedürfniß, Lage und andern vorwaltenden Umständen, verschiedenartig gebildeten, Theilen hervorgehende Unregelmäßigkeit den eigenthümlichsten Reiz verleiht. Nicht wenig tragen auch zum erhöhten Schmuck des Ganzen die verschiedenen Baumgruppen bei, welche, besonders nach dem Stadttheile hin, zwischen dem altergrauen, ehrwürdigen Gemäuer sreudiggrün hervorragen. Versuchen wir jetzo die einzelnen Theile des Schlosses näher zu bezeichnen. — Links liegt das eigentliche ehemalige Reichsschloß, welches sich auf der hier dargestellten, der Stadt zugewandten Seite mit dem alten einfachen viereckigen sogenannten Hcidcnthurme abschließt. Gegen Westen stößt dieses vordere Gebäude, welches sich südwestlich in einem stumpfen Winkel herumbiegt und in seinen Fenstern und ihrer in jeglicher Gestaltung bunt wechselnden Reihe ein recht sprechendes Bild der Jahrhundert um Jahrhundert hier stattgefundenen Veränderungen darstellt, mit einem zweiten Schloßgebäude zusammen, an welchem ein schmaler Thurm mit schlanker Spitze emporsteigt; gegen Norden läuft eine an letzteres stoßende lange Mauer hin, welche zur Einfriedigung des innern Hofes dient; gegen Osten endlich schließen sich verschiedene kleinere Gebäude und der mit einem großen gemalten Reichsadler geschmückte Thorbau an, welcher unmittelbar an die östliche Seite des Heidenthurms stoßend, durch eine hölzerne Pforte in das Innere des Schlosses oder den eigentlichen Schloßhof führt und in seiner jetzigen Gestalt (nebst dem Glockenthürmchen) I5b2 erbaut wurde. Im Schloßhofe befindet sich eine uralte Linde, von der die Sage versichert, die heilige Kunigunde habe sie mit eigner Hand gepflanzt Unter den bezeichneten Gebäuden des Schlosses ist das merkwürdigste und zugleich das älteste der sogenannte Heitenthurm Xr.s., welcher zum wenigsten aus dem Uten Jahrhundert stammt und noch außerhalb in den auf Tragsteinen ruhenden Thiergestalten und menschlichen Halbkörpcrn die rohen Spuren uralter Steinbildnerci trägt. Diese Figuren hielt man sonst für heidnische Götzenbilder; daher der Name des Thurms, welchen man irrigerweise für einen ehemaligen Dianentempcl hielt. Ehedem befanden sich an demselben noch mehrere Bildwerke, Vögel und Thierköpfe, welche aber schon 1SS0 abgebrochen wurden; der Thurm selbst ward 1566 niedriger gemacht und ausgebessert; das Dach desselben wurde in seiner jetzigen Gestalt erst später aufgeführt. Im Innern desselben, sowie in dem daran stoßenden Seitengebäude befinden sich 2 über einander liegende Kapellen. Die untere oder St. Margarethenka pelle, von welcher das Fenster des Chors durch das Gebüsche sichtbar ist, wurde im Uten Jahrhundert erbaut, nach und nach bis zum Jahr l37S erweitert und späterhin mehrmals erneuert. Sie ist gleichwohl sehr finster, niedrig und klein; stumpfe Säulen mit verschiedenartigen, höchst phantastisch geformten schweren Capitälern stützen das kreisförmige Gewölbe derselben, und legen ein unverkennbares Zeugniß von dem sehr hohen Alter dieser Kirche ab. Einige Treppen führen vom Innern des Schlosses aus in die darüber befind! che KaiserlichePrivatkapelle, welche man irrigerweise St. Johanneskapelle zu nennen pflegt. Sie ruhtauf4 schlanken, fast dünnen Säulen, welche, im reinsten byzantinischen Style leicht und zierlich gearbeitet, die hohen Gewölbe tragen und einen heitern Anblick gewähren. Zu dieler Kapelle gehören die andern im Thurm und in dem daran stoßenden Seitengebäude befindlichen Fenster. — In den ältesten Zeiten diente das bis dahin beschriebene eigentliche Reichsschloß, welches, in seiner ersten Anlage bereits im toten Jahrhundert wahrscheinlich unter Kaiser Konrad I., in seiner gegenwärtigen, im Ganzen noch wohl erhaltenen Gestalt aber erst unter Friedrich I. erbaut und unter den folgenden Kaisern erweitert wurde, zur Wohnung der deutschen Kaiser, wenn sie auf ihren Wanderungen durch das Reich zu Nürnberg auf kürzere oder längere Zeit Hoflager hielten. Albrecht l., Ludwig IV,, Karl IV., kamen auf diese Art fast alljährlich hierher. Kaiser Friedrich III. weilte 1437 fast ein ganzes Jahr darin und krönte in demselben den berühmten Dichter Konrad Cel- tes. Als es aber um diese Zeit ganz außer Gebrauch kam, daß die Kaiser an verschiedenen Orten ihr Hoflager ausschlugen, wurde das Schloß zur Wohnung der ältesten Magistratsperson, welche den Titel Castellan führte, bestimmt, und demselben eine Reihe Zimmer zu ebener Erde, die, von der Stadt aus gesehen, das erste Stockwerk ausmachen, eingeräumt. Dieselben Zimmer wurden in der letzten Zeit zum Lokal der Malerakademie eingerichtet, so wie zu Wohnungen und Ateliers für die Jn'pcctorcn der in dem zweiten Stocke aufgestellten Gemäldegallerie, welche besonders aus der altdeutschen Schule viel Vorzügliches enthält.— Ganz neuerdings wurden diese und andere Zimmer des Schlosses zur Wohnung des Königs und der Königin von Baiern eingerichtet, die Malcrschule und Gemäldegallerie aber in die Burghut der Burggrafen, gegen das Land hinaus, verlegt. Mit einem Theil der Gemälde soll der große Kaisersaal, in Zukunft Speisesaal des Königs, geschmückt werden. — Die bereits oben erwähnten auf der nordwestlichen Seite des Schlosses ehemals befindlichen Basteien, welche 153« erbaut und 1631 erneuert worden, sind neuerdings in eine angenehme Gartenanlage, den sogenannten Schloßzwinger, umgewandelt worden, und bieten eine anziehende Aussicht in die weite und freundliche, wenn auch ziemlich flache und einförmige Umgegend Nürnbergs auf dieser Seite dar. Wir treten nun aus dem Bezirk des Reichcschlosscs auf den rings, theilweise von Mauern und einzelnen Gebäuden, umschlossenen Lorhof desselben oder in die eigentliche ZZurz. Hier berühren wir zunächst den vor der St. Walpurgiskirche gelegenen freien Platz, der gegenwärtig mit Linden besetzt ist und eine weite Aussicht in die Umgegend darbietet. Aus einem Steine der denselben nach dem Lande zu begränzendcn Brüstung zeigt man noch 2 große Pferdehufe cingehauen, welche als Spuren von dem Rosse des Ritters Eppo von Gailingen das Andenken an den kühnen Sprung erhalten sollen, durch welchen sich dieser Slegreifrittcr, der Sage nach, aus der Gefangenschaft der Nürnberger befreite, in welche er einst gerathen war. — Die St. W alpurgiskirche, welche ehemals St. Othmarskapelle hieß, und unter diesem Namen wahrscheinlich schon von Kaiser Konrad I. im loten Jahrhundert erbaut wurde, erhielt erst seit ihrer Erweiterung im Jahr 1,27 den Namen der heiligen Walpurgis. Gegenwärtig ist sie zu einem städtischen Conservatorium bestimmt. Sie ist auf unserm Bilde leicht erkennbar durch das thurmähnlichc Haus, welches in Verbindung mit mehreren Anbauen mit zur äußern Umschließung des Burgraums dient. — Den Vorhof des alten Kaiserschlosses beschützten ehemals einige, den Namen Durghuten führende, Gebäude, welche einzelnen adeligen Familien zum Besitze und zur Bewahrung von 4 besondern Thoren übergeben waren, bis sie sämmtlich um das Jahr 1430 der Rath der Stadt durch Kauf an sich brachte. Die eine dieser Burghuten, welche zwischen der Walpurgiskirche und dem Vestnerthurm gegen das Feld hinaus liegt, gehörte seit 1273 den Burggrafen von Aollern, über deren Verhältnisse zum Kaiserschloß, zur Stadt und zur Umgegend die Geschichte von Nürnberg ausführlich berichten wird; heutzutage dient sie zur Wohnung des Burgamtmanns. An sie stößt das sonst den Burggrafen zur Hut anvertraute Vestncrthor (ouiloäia por- tse prope caslrum). Die zweite Burghut, welche gegen die Stadt zu, da wo man den Vestnerberg hinaufgeht, lag, war anfangs die Hofraith und Behausung der Familie von Brauneck aus dem Hause Hohenlohe, darauf kam sie nach Erlöschung derselben 13S0 durch die Belchnung Kaiser Wenzels an die Burggrafen von Zollern, bis 1427 die Stadt dieselbe käuflich an sich brachte. D.e dritte Burghut, welche noch jctzo, ebenfalls gegen die Stadt zu, gerade abwärts oder doch nur wenig zur Seite vom Vestner- thurme liegt, gehörte zuerst der Familie von Lischbeck oder Vischbach. Weil diese Familie sich aber in die Empörung 1349 zu den aufrührerischen Bürgern der Stadt hielt, so zog Kaiser Karl IV. ihr Lehen, das sie von dieser Burghut trugen, ein, und ertheilte es 1355 den Hasen von Hasenburg, von denen noch jetzo diese Burgwohnung den Namen der Hascnburg führt. Im Jahr 142s verkauften diese ihre Burghut und deren Gerechtsame an die Waldstromer, welche sie. wieder 1432 der Stadt käuflich überließen. Das tief unter der Hasenburg befindliche Thor, welches mit dem ehemals reichsstäd- tischcn Wappen geziert ist, hat den eigenthümlichen Namen Himmelsthor, der Weg aber, welcher durch dasselbe hinaus zum Schlosse führt, den Namen Him- mclsweg, vermuthlich seiner Steilheit wegen, erhalten. Die vierte Burghut endlich lag zwischen der Margarethenkirche und dem Himmclsthor. Die letzten und unbekannten Besitzer derselben , welchen die Aufsicht über den Thurm an der Margarethenkirche und den an dem Himmclslhore anvertraut war, waren die von Colditz, welche sie 1430 an die Stadt verkauften. In späterer Zeit diente sie zum Aufenthalt für die ehemalige Schloßwache, jetzt aber ist das Zimmer der untern Etage zu den für Künstler bestimmten anatomischen Demonstrationen eingerichtet. Die auf einem Geschiebe von Sandsteinfclsen ruhende Mauer, welche sich von dieser Burghut aus im stumpfen Winkel herumzieht, bezeichnet den Umfang der sogenannten Freyung, welche in früheren Zeiten flüchtig gewordenen Verbrechern ein sicheres Asyl darbot, gegenwärtig aber eine reizende Umsicht über die ganze Stadt und bis auf eine weite Ferne hinaus gewährt. Von hier führt neben dem alten cylinderförmig runden Bestnerthorthurm ein, auch auf unserm Bilde sichtbares, Thor ebenfalls in den Vorhof der alten Kaiserburg. Auch diese Frcyung und der daran stoßende freie Platz ist wiederum theils von verschiedenen Gebäuden, theils von einer Mauer eingeschlossen, und hat auf der Ostseite nach der Stadt zu einen besondern Thorausgang. Nach einem kleinen Iwischenraum, welchen längs dem hier steil abfallenden AbHange des Schloßberges dichte Baumgruppen mit lebhaftem Grün beleben, folgt nun, in gleicher Höhe wiederum mit der Burg und dem Schlosse, die sogenannte Kaiscrstallung, ein großes Gebäude, welches an den beiden Enden 2 stattliche Thürme schützend zu hallen scheinen. Der eine davon, der sogenannte künkeckige Lhurm, hat an 3 Seiten eine regelmäßige Form, nur die vierte, an die Kaiserstallung anlehnende, ist ge- btochen; daher der Rame des Thurms, der, unstreitig das Ätcste Gebäude Nürnbergs, wahrscheinlich aus dem 9ten oder ivlen Jahrhundert ist, und vielleicht einst zur Warte diente; daher die vergrößernd« Sage daraus einen nach dem Bruder des Kaiser Tiberius, Nerv Claudius Drusus, genannten Nerothurm machte, und wohl auch den Namen der Stadt davon herleitete. Auf Felsen gegründet, unten von fast unbehauenenlLerkstücken, oben in späteren Zeiten abgetragen und von Backsteinen ausgeführt, bildet derselbe eins der malerischsten alten Gebäude Nürnbergs, Der andere, 1372 erbaute Thurm Luginsland hat /»kleine Eckthürmchen und außer seiner festen Bauart, durch welche er sich zu den darin befindlichen Gefängnissen eignet, nichts Ausgezeichnetes. Beide Thürme standen ursprünglich einzeln, bis die Burggrafen von Aollern sich im I- .... zwischen dieselben eine Wohnung bauen ließen, welche ihnen im Jahr 1-124 von dem Pfälzischen Pfleger zu Lauf, Christoph von Lciningen, den der Herzog Ludwig der Bärtige zu Jngolstadt dazu beredete, des Nachts unvermuthet abgebrannt wurde. Aus den 1127 an die Stadt verkauften Ruinen führte Hans Behaim der ältere 1191 in Jahresfrist ein großes Kornhaus auf, in dessen unterem Raume bei der Anwesenheit der Kaiser deren Pferde untergebracht wurden; daher der Name: Kai- serstallung. Xr. 3. stellt das sogenannte Hauslllassau dar, welches das linke Eck der Karolinenstraße, da wo dieselbe an die Königsstraße stößt, bildet, und der St. Lorenzkirche gegenüber liegt. Seiner schönen alterthümlichen Architektur wegen verdiente dieses Gebäude, welches ehemals den Pröbsten der St. Lorenzkirche zur Wohnung dient«, seit löbl aber zurSchlüffelfelderschen Stiftung gehört, eine besondere Berücksichtigung in unserm Werke. Ganz von Steinen aufgeführt, gibt ihm sein thurmartig aussteigender Bau, welchen oben 3 Eckthürmchen mit dazwischen befindlichen Zinnen nebst Umgang und Spitzdach auf eine höchst anziehende Weise beschließen, das Aussehen eines wohlbefestigten Riltersitzes. Dasselbe wird noch erhöht durch die an dem steinernen Zinnenkränze angebrachte Wappen, welche die 3 Nürnberger Stadtwappen , das zweiköpfige Adlerwappen, die Wappen der 7 Kurfürsten, das Gräflich Erbachische Wappen und noch einige andere v- rstellen. Zur besonderen Zierde des Ganzen gereicht auch der ander Morgenseite befindliche zierliche Erker, an welchem gleichfalls Sculpturen angebracht sind; ebenso die an der Ecke des Hauses angebrachte Bildsäule der Maria. Man erzählt gewöhnlich , Kaiser Adolph habe noch als Graf von Nassau um das Jahr 1233 dies stattliche Haus bewohnt oder erbaut, und deshalb sei auch oben an dem steinernen Gange das Rassauische Wappen angefügt; allein nirgends ist dies letztere zu erblicken, und eben so ungegründet ist die erstere Behauptung. Dennoch hat man erst vor einigen Jahren einen zierlich in gothischem Styl unten an diesem Gebäude erbauten Brunnen mit der in Stein gehauenen Figur jenes Kaisers geschmückt. Links erblickt man noch im Hintergrunde ein ziemlich hohes, hellangestrichenes Giebelhaus, an welchem die Karolinenstraße hinzieht. Xr. 1. Das Wohnhaus Albrecht purer«. Nahe am Thiergärtnerthore bildet es die Ecke der jetzt nach demselben genannten Dürersstraße, welche sich, hier in einen freien Platz endigt. Schon als Erinnerung an den berühmtesten Künstler Nürnbergs verdiente dieses Bild aufgenommen zu werden; doch ist es auch an sich nicht uninteressant, indem es uns in seiner alte» wohlcrhaltenen Gestalt den eigenthümlichen Charakter der bürgerlichen Wohngebäude des ibtcn Jahrhunderts getreu wiedergibt; nur ward leider der auf dem noch am Eck des Hauses vorstehenden Pfeller ruhende Erker, in welchem, der Ueberlieferung nach, der große Mann seine Arbeitsstube hatte, bereits vor längerer Zeit abgetragen. Um so erfreulicher ist es, daß es nunmehr als städtisches Besitzthum allen weiteren Entstellungen entzogen ist. Tuch ließ es der Stadtmagistrat im Inneren dem Styl der früheren Zeit gemäß durch den Architekten Heideloff wiederherstellen, und räumte es dem Albrecht-Dürers-Verein zur Benutzung ein, welcher seine größeren Versammlungen in einem von dem genannten Künstler antik dekorirtcn Zimmer zu halten pflegt. Xr. ö., der Hauptmarktplat) von Nürnberg mit der Frauen- Kirche und dem schonen Brunnen, wurde oben schon Zugleich mit Xr. 2. beschrieben. Xr. 6. ist die Kt. Loren;kirche, die größte und schönste Kirche Nürnbergs, welche, in der Blüthezeit der deutschen Baukunst errichtet, und wennauch nicht nachdem großartigen Plane und in dem Umfange, wie andere zu derselben Zeit aufgeführte Kirchenbauten, so doch in seiner Art nicht minder kunst- und sinnvoll angelegt, und was vorzüglich bcmer- kenswcrth — vollendet ist. Doch wie all« Bauwerke dieser Art, ist auch unsere Kirche theilwcise entstanden, und während das ursprüngliche Langhaus den deutschen Styl in seiner Einfachheit darbietet, erscheint das Portal mit der darüber befindlichen Fensterrose und dem hohen Giebeldache in allem Schmucke der Kunst, und prangt endlich im verlängerten Langhause und Chor der reiche Styl, ja fängt schon an, an das Uebcrladcne und Gekünstelte zu gränzen, was sich hauptsächlich an der Halle der Brautthüre, an dem Eingange der Sacristci und am Gewölb« des Ehors zeigt. Ehe wir die kunstreiche Structur dieser Kirche im Einzelnen weiter verfolgen, wollen wir die wichtigsten Momente aus der Geschichte derselben hervorheben. — Ungewiß, zum Theil fabelhast, wie di« frühere Geschichte von Nürnberg überhaupt, ist die gewöhnliche Erzählung von der Gründung unserer Kirche; doch ist so viel gewiß, daß bereits vor der ersten Erweiterung Nürnbergs s im Jahr 111«, als sich hier noch auf der linken Seite der Pegnitz außer- >! halb der Ringmauern der ältesten Stadt nur verschiedene Häuser und Hof- > anlagen nebst Gärten befanden, an der Stelle unserer jetzigen Kirche oder > auch neben daran — ungewiß, seit wie lange — ein« Kapelle, zum heili- - gen Grab genannt, gestanden habe. Als nun aber in dem genannten Jahre zur S«it Kaiser Konrads III. die Stadt erweitert und die ganze Gegend um St. Lorenz bis an den weißen Thurm in die Ringmauern aufgenommen wurde „ entstand wohl das Bedürfniß nach einer größern Kirche an dieser Stelle; und die Nachrichten stimmen auch darin überein, daß um das Jahr 111V eine größere Kirche mit einem Thurm erbaut worden sei. Mag nun hiezu die ehemalige Kapelle zum heiligen Grab benutzt und dieselbe erweitert, oder eine neue Kirche neben der alten Kapelle gegründet worden sein, — gewiß ist, daß die neue Kirche um das Jahr llt>2 bereits den Name» des heiligen Lorenz geführt hat. Offenbar unrichtig ist es aber, wenn die Chroniken erzählen, die Grasen von Nassau hätten ll-jv die Kirche erweitern oder bauen lassen. Ebenso ungcgründet ist auch die bis in unsere Tage fortgepflanzte Erzählung der meisten Chroniken, die Grasen von Nassau, namentlich Rudolph, hätten späterhin, im Jahre 1271 die kleinere Kirche abbrechen und eine größere bauen lasst», das Portal mit dem Stern sei 1280 vollendet, und der ältere, gegen die Pegnitz stehende, Thurm von Adolph von Nassau, dem nachherigen Kaiser, 1283 erbaut worden- Es ist nämlich schon längst außer Zweifel gesetzt, daß vor dem Ende des l,!tcn Jahrhunderts die Grafen von Nassau weder hier, noch in der Umgegend ansäßig waren, und daß der nachherize Kaiser Adolph von Rassau eben so wenig hier seinen Wohnsitz hatte. Diese ganze Erzählung ist wohl auf folgende Weise entstanden: Vom Jahre 132S an wohnte ein Graf Emich von Nassau, dessen Gemahlin Anna eine Tochter des Burggrasen von Nürnberg, Friedrich IN., war, bei St. Lorenzen in dem jetzt von Schwarzischen Hause. Wahrscheinlich hat dieser zum Bau der Kirche mitgewirkt. AIs man sich daher später von einem Grafen von Nassau erzählte, und in der Geschichte Adolph aus diesem Geschlechte vor allen andern bekannt war, so schrieb man ihm bald den ganzen Bau, dessen eigentlichen Urheber man nicht kannte, zu, und weil die Sage ging, dieser Graf von Nassau habe bei St. Lorenzen gewohnt, so hielt man das, der Kirche gegenüber befindliche , stattliche Haus für seinen Wohnsitz, wozu wohl auch die auf demselben angebrachten Wappen der Kurfürsten nebst dem kaiserlichen Wappen Veranlassung gaben. Uebrigens entdecken wir in unserer ganzen Kirche keine Spur von dem Geschlechte der Nassauer; weder finden wir hier ihre Wappen, noch daß sie Jahrtage gehabt. — Sonach bleibt es unbestimmt, in welchem Jahre unsere Kirche erbaut wurde. Doch geht es wohl aus dem Charakter des Baus hinlänglich hervor, daß der vordere Theil desselben gegen Ende des I3ten oder zu Anfang des Uten Jahrhunderts erbaut worden sein müsse. Der Spitzbogen ist hier überall durchgeführt, mit Ausnahme der beiden mittleren Thüren an dem Langhause und eines Fensters an dein älteren Thurme, welche den Halbkreisbogen haben, und wohl auch noch von dem ältesten Gebäude herrühren. Einige Nachrichten lassen den Bau des Portals 1332 vollenden, und nach einer Chronik soll der ältere nördliche Thurm auf Kosten einer Wittwe, deren Namen nicht bekannt ist, gebaut oder zu erbauen angefangen worden sein. Der andere, gegen das Frauenthor zustehende, Thurm wurde 14M) fl. mit vergoldetem Blech belegt. Herrlich strahlt noch immer das schone Dach mit den vergoldeten Rauten im Sonnenglanze, zum Beweise dienend, wie gut und solid man vordem arbeitete. Nach einigen Nachrichten wurde damals zugleich das Dach erweitert, wahrscheinlich die Haube erhöht, um da, wo die obere Schallöffnung sichtbar ist, die in demselben Jahre aufgerichtete Viertelstundenglocke anbringen zu können. Die Stundenglocke war bereits 1447 gegossen und hinler der untern Schallöffnung des Daches aufgehängt worden. Der jüngere Thurm wurde 163«? gerüstet und ausis Neue mit zinnernen Platten belegt. — Uebrigens wurde unsere Kirche im Laufe der Zeit mehrere Male reparirt und gereinigt: 1514, 1568, 1659. Im Jahre 169» wurde sie außen herum am Fuße, so wie auch der Stern, ausgebessert und mit Eisensarbe angestrichen, dann oben mit Siegeln bedeckt, „so vorhin nie gewesen," wie eine Chronik hinzufügt. Wahrscheinlich sind damit die platten Ziegel gemeint, weil man ehedem Hohlziegel hatte. Im Jahre 1727 wurde sie abermals außen angestrichen. Gegenwartig bedarf die ganze Kirche, vorzüglich was die Fenster betrifft, nichts so sehr, als des Rcinigens vom Schmutze und Staube, der schon seit mehr als hundert Jahren sich wiederum darauf angesetzt hat. Wie ungcmcin würde dadurch die Kirche an äußerer Glorie gewinnen, wenn ihre kunstreich verzierte Struktur aus dieser Verunstaltung gleichsam in jungfräulicher Reinheit wieder hervorträte. Wir wollen diese jetzo mehr im Einzelnen kennen lernen. — Vor Allem zeichnet sich hier der Vorderbau der Kirche durch seine schöne, zierdevolle Anordnung aus. Zwei schlanke,in »Stockwerke abgetheilte, Thürme schließen die von dem Mittelschiff hervortretende Vorderseite ein, welche unten mit einem prachtvollen Portale prangt und sich oben durch eine reich verzierte Giebelwand, in deren Mitte ein schmales Thürmchen emporsteigt, abschließt; dazwischen befindet sich die 32 Fuß hohe und breite, zirkelrunde Fensterrose, gewöhnlich der Stern genannt. Am meisten aber fällt nicht nur wegen des reichen Schmuckes und der künstlerischen Arbeit, sondern auch wegen der schonen Verhältnisse die Hauptpforte, mit der darüber befindlichen Rose in das Auge. Ein zierlicher Pfeiler, an welchem die Jungfrau Maria mit dem Kinde steht, trennt die beiden Thüröffnungen. Die zwei großen, mit schönen Bildschnitzerarbeiten im gothischen Styl verzierten, Thüren wurden erst 1824 statt der alten Dielen, mit denen sonst der Haupteingang seit Jahrhunderten verschlossen war, durch den geschickten Bildhauer Gottfried Rotermund (ff 1824) nach Heidcloffs Zeichnung gefertigt. Ueber den beiden Thüröffnungen befindet sich ein spitz zulaufendes Feld, in dessen einzelnen Abtheilungen als Basreliefs dargestellt ist: die Geburt des Weltheilandes, die Beschcnkung desselben durch die »Weisen, der Bethlehemitische Kindermord, die Flucht nach Aegyp- ten, die verschiedenen Scenen der Leidensgeschichte bis zur Auferstehung Christi, die Auferweckung der Todten, das jüngste Gericht, zu oberst in des Bogens Spitze Christus, das Gericht haltend. Die ganze Thüre erhält durch die beiden Reihen des Spitzbogens, die neben derselben hallenartig hervortreten, und in vielen einzelnen Nischen bis in die Spitze des Bogens mit den Figuren der Apostel und anderer Heiligen geschmückt sind, einen wahrhaft prachtvollen Umschluß. Aus der Wand zu beiden Seiten der Thüre sind noch verschiedene, theils auf Pfeilern, theils auf Tragsteinen ruhende, beinahe lebensgroße Figuren angebracht. Kleinere Figuren befanden sich und befinden sich zum Theil noch an den vier Eckpfeilern der beiden Thürme. Links und rechts oberhalb des Portals sind zwei Wappen angebracht. — Zunächst über dem Portal befindet sich ein schön durchbrochenes Geländer, welches in seiner gegenwärtigen Gestalt von dem Steinhauermeister Capeller unter Heidcloffs Leitung verfertigt wurde. Daran schließt sich ein viereckiges Feld, welches fast ganz eine »2 Fuß im Durchmesser habende Fensterrose einnimmt. Die Rose selbst ist im Achteck construirt und besteht aus 8 sich stets in wechselnder Lage wiederholenden spitzbogenfensterartigen Durchbrechungen, welche zwischen sich an ihrem obern Ende acht kleinere Rosen nnd in der Mitte eine größere, den eigentlichen Stern, bilden. Eine reiche und ziemlich breite Randverzierung schließt wiederum die Rose ein. Noch ist oberhalb des Feldes Sonne und Mond in ziemlicher Größe eingehauen. — Gleich darauf, nur durch ein niederes Gesimse getrennt, erhebt sich der Giebel, in dessen Mitte ein Thürmchen sich hcrvorbaut, mit einer kleinen Treppe, welche zu den in drei Abtheilungen gallerienartig über einander gebauten und im gothischen Styl reich geschmückten Logen führt. An der Stelle der aus späterer Zeit herrührenden, durchbrochenen Verzierung, welche die beiden schrägen Seiten des Giebels einschließt, befanden sich ursprünglich zwei Thürmchen, welche der ganzen Construction weit mehr entsprachen. Auch das Thürm- chen in der Mitte des Giebels, in dessen Spitze sich die sogenannte silberne Glocke, gestiftet von Konrad Jmhos (ff 1519), befindet, war ehedem geschmackvoller- — Die beiden Thürme der Kirche steigen zwar nicht, gleich andern altdeutschen Kirchenthiirmcn, aus einer Menge von Pfeilern pyramidenförmig zu einer schwindelnden Höhe empor; vielmehr stehen diese dünnen schlanken Thürme, gleichwie die sehr ähnlichen der Sebalduskirche, einfach und ziemlich schmucklos da, ohne jedoch darum im Verhältniß zum Ganzen weniger anzusprechen- Ihre Höhe beträgt bis zur obersten Spitze ... Fuß; sie haben vier Eckpfeiler, welche bis zur halben Höhe reichen und daselbst mit Spitzsäulen gekrönt sind. Beide sind bis zum Umgänge in sieben Stockwerken ausgebaut, welche durch eben so viele, zum Theil unten mit einer Reihe von Halbkreisbögen gezierte, Gesimse von einander abgetheilt sind. Bis zur halben Höhe derselben steigen an den Ecken massive Pfeiler empor, welche oben mit Spitzsäulen gekrönt sind. Das Erdgeschoß ausgenommen, befindet sich in allen übrigen Abtheilungen jedesmal ein Spitzbogenfenster; nur in der obersten zunächst unter der Schlußgallcrie sind in den großen und weiten Schallöffnungcn, hinter welchen die Glocken hängen, zwei solcher Fenster, nur etwas zurückgesetzt, vor und neben welchen neun schlanke Pfeilerchen angebracht sind, welcbe dem Ganzen eine eigenthümliche Zierlichkeit gewähren, und dadurch, daß sie oben mit einer zusammenhängenden Reihe von Halbkreisbögen schließen, mit den ähnlichen Verzierungen der untern Abtheilungen übereinstimmen, und gewissermaßen nur eine reichere Fortbildung derselben sind. Den Schluß des Ganzen bildet ein achteckiger, zurückgesetzter Aufbau, welcher mit S spitzigen Giebeln geschmückt ist, und die pyramidenförmig zulaufende Dachspitze trägt. — Das unmittelbar an die Vorderseite stoßende ursprüngliche Langhaus mit seinen beiden niedern Seitenschiffen zeichnet sich besonders durch die einwärts in letztern gebauten Strebepfeiler aus, welche oberhalb des Dachs der Abseiten mit Spitzsäu- len geschmückt sind und sich in leichten Bogen hinüber bis an den oberen Theil des Mittelschiffes wölben. Daran schließen sich sodann das verlängerte Langhaus und der Chor, beide zu gleicher Zeit miteinander und in gleicher Höhe ausgeführt, und mit Strebepfeilern versehen, welche erst in halber Höhe über den untern Fenstern hervortreten und von da an, zierlich geschmückt, die obere weiter zurückstehende Wand mit der oberen Fensterrcihe halten. — In der Ecke, wo das ältere und jüngere Langhaus zusammenstoßen, befindet sich der mit eisernen Stäbe» eingefaßte Oclbcrg, welcher, 1822 wieder hergestellt, besonders durch die schönen Säulcnkapi- täler interessant ist. — Eine noch anziehendere Partie des Ganzen, bildet gleich neben daran die Vorhalle zur Brautthüre durch die schön gehauenen Verzierungen über ihren 3 Bögen und durch die darunter befindlichen, wahrscheinlich erst kurz vor Anfang der Reformation gefertigten, steinernen Bildsäulen der Jungfrau Maria mit dem Kinde und der drei Weisen aus dem Morgcnlande. Aehnliche Verzierungen hat die auf der entgegengesetzten Seite befindliche Sacristei, an deren äußeren Wand das von Konrad Horn im Anfang des 1<>. Jahrhunderts gestiftete marmorne Hautre- lies, die heilige Dreifaltigkeit, von mittelmäßigem Kunstwerthe ist. Einige Häuschen, die sonst an die Kirche angebaut waren, sind glücklicher Weise, zum Theil schon in früherer Zeit, abgebrochen worden; und so steht die Kirche, frei und nicht mehr entwürdigt durch solche störende Au- ßcnwerke, als eine herrliche Zierde für die ganze Umgegend da. — Noch ist hier crwähncnswerth der schöne 1S83, zur Seite der Kirche, gebaute Brunnen mit seinen zierlichen Springwerken und seinen ehernen, im Geschmack der Schule des Golzius gezeichneten, vorzüglich gut gegossenen Statüen, welche 1Z8» von Bencdict Wurzclbauer verfertigt wurden. Auch befindet sich noch am Fuße des älteren Thurms ein 1822 nach Heideloffs Zeichnung von Capellcr zierlich in gothischem Styl aus Stein gehauenes Brünnchcn. Ilro. z. ist der Heidenthlirm mit dem Eingang in den Schloßhof, dessen Beschreibung wir bereits oben gaben. ?r». 0. Die L». Sebiildus Kirche. Diese Kirche steht zwar in Hin sich t ihrer harmonischen Bollendung und Schönheit, besonders was das Aeußere betrifft, der Lorenzkirche nach, doch gewährt sie dem kunstsinnigen Freund und Forscher des Alterthums ein sehr hohes Interesse, weil sie unter allen hiesigen Bauwerken das einzige ist, an welchem sich dcrStusen- gang der altdeutschen Baukunst von den früheren byzantinischen Ansängen an bis zu ihrer höchsten Blüthe am Schlüsse des II. Jahrh, verfolgen läßt. Dies zu versuchen, verbinden wir am besten die wenigen geschichtlichen Daten, welche uns über diese Kirche überliefert sind, mit der näheren Beschreibung und Bezeichnung der einzelnen Bestandtheile derselben. In der Nähe des Schlosses aufgeführt, liegt die Sebalduskirche so ziemlich in der Mitte des ältesten Theils der Stadt, und mag wohl zugleich mit dem letztern im 10. Jahrhundert entstanden sein. Unbekannt, zum Theil fabelhaft, ist der Ursprung, sowie die frühesten Schicksale dieser Kirche und ihres Schutzpatrons, des heiligen Scbaldus. Zwar lassen die geschriebenen nürnberger Chroniken im Jahr IIS den heiligen Boni- facius unten am Berg, darauf das Schloß stehet, an einem bequemen Ort eine Kapelle, zu St. Peter genannt, erbauen, die Inwohner von der Abgötterei abzuhalten und zum christlichen Glauben zu gewöhnen, zugleich aber auch damit anzuzeigen, daß diese Kirche und Gemeinde St. Peter und dem Stuhle zu Rom unterworfen sey. Als um die Mitte des S. Jahrhunderts der heilige Sebald sich diese Kapelle zur Ruhestätte erwählt hatte unv bei seinem Grabe viele Wunder geschahen, soll dieselbe wegen der Menge derer, welche dahin wallfahrtcten, abgebrochen und eine größere Kirche an deren Stelle erbaut worden sein, welche zur Ehre des heiligen Sebalds eingeweiht wurde. Dem sei nun wie ihm wolle, so ist doch so viel gewiß, daß der zwischen den beiden Thürmen gelegene vordere Theil der Kirche, welchen man die Peters- oder Löffelholzische Kapelle oder auch das Engelschörlein nennt, der älteste ist, und wie aus der byzantinischen Bauart desselben fast mit Gewißheit geschlossen werden kann, aus dem 10. Jahrhundert stammt. Diesem mögen sich nicht lange darauf, vielleicht selbst schon zur nämlichen Zeit, die untersten zwei oder drei Stockwerke der beiden zur Seite stehenden Thürme als die Vorderseiten der beiden niedern Nebenschiffe der Kirche angeschlossen haben. Wenigstens geben die beiden, noch gegenwärtig zum Eingang dienenden Thur.n unter den Thürmen durch die byzantinischen Rundbögen und die schönen, aus Lokosblättern zierlich gebildeten Capitälcr der sechs zur Seite stehenden Säulen, einen Beweis ihres hohen Alters. Ebenso finden wir aus den übrigen oben bezeichneten Theilen der Kirche noch manche auffallende Spuren von demselben Rundbogenstyl. Auf und neben dem schon vorhandenen Gebäude wurde im Jahr 1300 der südlich stehende Thurm gebaut. Als 1300 die eine (vielleicht nördliche) Seite dieser Kirche baufällig wurde, ließ man dieselbe wieder herstellen. Im Jahr 1343 wurde der nördlich stehende Thurm gebaut, und als 1301 die Gemeinde in der Stadt sehr zugenommen hatte, wurde der Chor der alten Kirche abgebrochen, und von dem genannten Jahre bis 1377 das Langhaus vergrößert und in gleicher Höhe mit demselben ein neuer Chor aufgeführt. Vierzig und hunderttägiger Ablaß sollte die Kosten des Baues, welche mehr als 24voo sl. betrugen, bezahlen, aber diese Quelle scheint nicht sehr ergiebig geflossen zu sein (was wohl auch die vielen leeren Bilderstuhle an den Pfeiler» beweisen könnte»), da Cardinäle und Bischöse, Almosen zu diesem ehemaligen Kirchcnbau zu geben, wiederholt ermuntern mußten, und der Bau auch zuweilen nicht fortgesetzt werden konnte. Dieser Chor — wie man gewöhnlich diese eigentlich aus eimm vergrößerten Langhause und Chöre bestehende Erweiterung der Kirche zu bezeichnen pflegt — bietet in allen Theilen jene Zierlichkeit und Zartheit der Formen dar, welche der altdeutschen Baukunst zur Zeit ihrer schönsten Blüthe am Schlüsse des 14. Jahrhunderts eigenthümlich war. Nur Schade, daß isvi der schön durchbrochene Gang, welcher um das Dach des Chores lief und nicht wenig zur Schönheit desselben beigetragen haben mag, weil er baufällig geworden war, abgebrochen und das Dach, wie ein weiter plumper Deckmantel, darüber geführt wurde. Diese Veränderung ist um so mehr zu bedauern, als zu gleicher Zeit die reich mit zierlichen Knäufen besetzten Giebel der Fenster abgebrochen wurden, und nunmehr neben den noch stehenden Spitzsäulen der Strebepfeiler, welche in verschiedenen Absätzen und Uebcrgän- gen von Formen auf das zierlichste emporsteigen, einen traurigen abgestumpften Anblick gewähren. In den Jahren 1482 und 83 erhielten die beiden einfachen schlanken Thürme ihre gegenwärtigen, in hohe Dachspitzen auslaufendcn, Aufsätze und damit eine Höhe von 204 Fuß. Im Jahr I4SN wurden die beiden zierlich durchbrochenen Gänge hinzugefügt, diese mußten aber bereits I5II wieder ausgebessert werden. Auf dem südlichen Thurme, dessen Spitze früher, gleich wie die des andern noch jetzo, mit Zinn belegt war und erst 1047 mit Kupfer gedeckt ward, befindet sich die Wohnung des Thürmers, über welcher in dem doppelt durchbrochenen Dach die Stunden- und Viertelstundenglocke hängt. Sonst wurden die Stunden hier sowohl, als aus den andern Schlagthurmen, nämlich dem einen Thurm an der Lorenzkirche, dem Laufcrschlagcthurm und dem weißen Thurm, wegen der vielen vordem in Nürnberg sich aufhaltenden italienischen Kaufleute, nach der alten Uhr iyres Landes angeschlagen, welche die Zeit von Aufgang bis Untergang der Sonne rechneten; erst als Nürnberg an Baiern überging, wurde diese unbequeme und für Deutschland nur zu Nürnberg noch üblich gewesene Uhr abgeschafft. Wir gehen nun zunächst zu der Betrachtung der vielen Merkwürdigkeiten über, welche sich ausserhalb an dieser Kirche befinden. Zwischen den beiden Thürmen hoch an dem Mittelfcnster der alten Löffelholzischen Kapelle hängt ein kolossales, über 18 Zentner schweres Crucifix von Messing, welches von Johann und Georg Stark 1482 gestiftet und 102S sowie 1080 wieder erneuert worden. Dieses noch trefflich erhaltene Crucifix, dessen Meister leider unbekannt ist, ist eines der ältesten noch vorhandenen Werke der Nürnberger Kunstgießer. Zeichnung und Ausführung des Christusbildes sind gelungen zu nennen; nur möchte zu tadeln sein, daß es etwas zu muskulös gehalten ist. Die beiden Füße sind besonders angenagelt, wie dies bei den Crucifixen der ältesten Zeit der Fall ist. An der Nordseite dieser Kapelle befinden sich noch drei Grabdenkmäler alter Nürnberger Familien, der Maurer, Psinzing und Ketzel, in Stein gehauen und zum Theil mir Basreliefs geziert. An dem vordern Pfeiler des südlich stehenden Thurmes steht unter einer Bedachung ein ziemlich mittelmäßiges, 1447 von Hans Decker gefertigtes Steinhild, St. Christoph vorstellend. Ueber der Thüre dieses Thurmes in der Wölbung des alten Bogens befindet sich die Kreuzprobe der Kaiserin Helena; unten knieen Personen beiderlei Geschlechts; rechts sind die Wappen der Oertel und Groß. Daselbst ist auch ein Basrelief, den englischen Gruß vorstellend, welches sehr schön und auch gut erhalten ist. — Wenden wir uns nun nach der nördlichen Seite dieser Kirche, so erblicken wir hier überall mancherlei Bildhaucrarbeiten, wovon wir aber die nächsten, als minder bedeutend und zum Theil sehr beschädigt, übergehen. In dem Spitzbogen der ersten Thüre, welche von dem dritten und vierten Pfeiler des Schiffes der Kirche eingeschlossen ist, befindet sich ein Hautrelies, Scenen aus dem Leben der Maria darstellend, welches noch gut erhalten ist und ganz deutliche Spuren einer ehemaligen Bcnialung an sich trägt. Am meisten Beachtung jedoch verdienen bei dieser Thüre die niedlichen weiblichen Figuren an den Capitälcrn. Die nächstfolgenden, meist sehr stark beschädigten Bildwerke wiederum übergehend, wenden wir uns der Braut- oder Ehcthüre zu, welche von dem ersten und zweiten Pfeiler des Chors begränzt wird und ein wahres Meisterstück alldeutscher Baukunst ist. Wie ein kunstlich von Stein geflochtenes Netz deckt der äussere Spitzbogen ihrer Vorhalle den innern, an der eigentlichen Thüre befindlichen, welcher mit Blältcrgewindcn verziert ist und in der Mitte die Vermählung Adams und Evas durch Gott Vater, welcher die Rechte zum Segen erhebt, darstellt. An den Säulen der Halle stehen rechts die fünf thörichten und links die fünf klugen Jungfrauen, von denen aber eine fehlt. Aussen an den beiden Seiten der Halle befindet sich rechts der heilze Se- bald und links Maria; letzlere ist stark beschädigt. Zu bedauern ist, daß auf die Erhaltung dieses Meisterwerks nicht mehr Sorgfalt verwendet, sowie auch, daß nicht eine dem Ganzen mehr anpassende Thüre statt der gegenwärtigen hinzugefügt wird. Die nächsten Bildwerke übergehen wir wieder, aus demselben Grunde wie oben. — Allein gegen dem Ralhhause über fesselt Plötzlich ein seltenes Kunstwerk unsere Blicke. An der Wund der Kirche und den beiden Pfeilern befindet sich hier ein Hautrelies, unter den Arbeiten des SteinhaucrS Adam Kraft unstreitig eins der größten und vollendetsten, zugleich auch vortrefflich erhalten, da es durch ei» kupfernes Dach und ein eisernes Gitter vor der Witterung und jeder muthwilligen Beschädigung geschützt ist. Nach einem Theil der Darstellung nennt man dies Hautrelies in Nürnberg gewöhnlich die Grablegung Christi, obschon es ausser dieser ebenso meisterhaft gedachten, als ausgeführten Gruppe, auch die Krcuztragung, Kreuzigung und Auferstehung des Heilandes darstellte. Unten sieht man viele knieende Personen beiderlei Geschlechts, die Glieder der Familie Schreyer und Landauer und anderer mit diesen verwandten vorstellend, auch eine Menge dahin bezüglicher Wappen. In der Mitte steht auf einem weit aus der Wand herausragenden Tragsteine ein viereckiges Thürchen, von zierlich durchbrochener Arbeit, welches sonst, wie eine Laterne, immer mit Gläsern versehen war, und in dem ein „ewig ymmerliechr tag und nacht prannte." Au der Stirnseite dieses Tragsteins steht die Jahrzahl 11S2 in deutlichen, obschon etwas ungewöhnlichen Zügen. Der Hintere Theil dieses Kunstwerks ist der größte und mißt 18 Fuß in der Länge, die beiden Scitenwände an den Pfeilern, jede 8 Fuß; die Höhe des Ganzen beträgt !> Fuß. Die Hauptfiguren des Hautreliess haben durchgehends eine Höhe von 3 — 4 Fuß, und sind mit der größten Zartheit und Sorgfalt behandelt. Man glaubt einen Israel von Mecheln in Stein vor sich zu sehen. Die Köpfe sind durchaus vorzüglich und voll Ausdruck, besonders die der Frauen am Grabe: an Bart und Haaren ist großer Fleiß in der Ausführung, die Hände sind richtig und wahr; etliche weibliche Körper aber, sowie besonders die in viele kleine Falten gebrochene Gewänder, tragen auch wieder die Schwäche» und Eigenheiten jener Kunstepoche an sich. — Scbald Schreyer, der ehrwürdige Kirchenmeistcr zu St. Scbald, welcher als der letzte seines Geschlechts 1520 starb, ließ dieses Kunstwerk 11!>2 durch Adam Kraft ausführen und mit seinem, seiner Vorfahren und Verwandten Wappen ausschmücken. Vor demselben befinden sich die Gräber der Familien Schreyer und Landauer, auf welche unter dem Hautrelief, von dem Gitter eingeschlossen, zwei mit den bronzenen Wappen beider Familien versehene Wappen hindeuten. — An den nächsten Pfeilern sind gleichfalls Vorstellungen der letzten Begebenheiten aus dem Leben des Heilandes bald besser, bald schlechter ausgeführt. Darauf folgt die kleine niedrige Schauthüre, welche ihren Namen von dem Schauamre hat, das sonst in einem Gebäude, auf dessen Stelle nun die Hauptwache steht, seinen Sitz hatte und in dem das Gold, Silber und Geld geschaut (probirt) und gewechselt wurde. Ueber dieser Thüre befindet sich ein von dem berühmten Hartmann Schedcl, dem Verfasser der bekannten Nürnberger Chronik, gestiftetes Hautrelies, das jüngste Gericht, angeblich von A. Kraft gefertigt. Es ist reich an Figuren und überaus fleißig behandelt; an den Figuren, besonders an den Haaren, ist eine ehemalige Vergoldung zu bemerken. Im Jahr 1SKS, als des Stifters Frau starb, wurde es wieder erneuert. Die zwei nächsten reich verzierten Strebepfeiler, die letzten des Chors, schließen eine Sacriikei ein, welche von außen, besorlkers an, neben und über den in das Innere führenden Thüren, mit vielen Figuren und Wappen versehen ist. — Noch hat sich an diesem Chor in manchen Bildwerken auch der Witz und die Laune der Steinhaucr in der bekannten satyrischen Weise gezeigt. So sieht man an einigen Bilderstühlen deutliche Anspielungen auf die Sittenvcrderbthcit der Geistlichen, die sich indeß, da die Zeit uns zu fern liegt, nicht mehr enträthscln lassen. Das gemeine Volk hielt solche Dinge für seltsame Einfälle der Steinmetzen, und zeigte sie den Fremden als ein Wahrzeichen der Stadt. — Zunächst an der Wand des Schiffs der Kirche, am Fenster rechts, befindet sich ein gut ausgeführtes und auch ziemlich gut erhaltenes Hautrelies, die Krönung der Maria vorstellend. An dem Pfeiler sind verschiedene, mehr oder minder stark beschädigte HautreliefS. In dem Spitzbogen der Thüre, zunächst dem Thurme, befindet sich ein Hautrelief, welches noch Spuren einer ehemaligen theilwcisen Vergoldung trägt, und das jüngste Gericht vorstellt. Besonders aber möchten hier die Copitälcr der Säulen zu beiden Seiten der Thüre zu erwähnen sein, da sie wundersame Thiergestaltcn und schöne Laubgcwinde enthalten. Auch über denselben befinden sich Thicrgestalten, welche einst zu Rinnsteinen dienten. Noch folgen weiter hin an der übrigen Außenseite des Kirchenschiffs mehrere kleinere und größere Figuren, Hautreliefs und viele Wappen. >r«. io. stellt den vordersten Theil der flurg zu Nürnberg mit dem auf dieselbe führenden sogenannten Hinimclswcgc dar, wovon die weitere Beschreibung bereits in dem Vorhergehenden gegeben wurde. Neben letzterem am Fuße des Schloßberges liegt der Oclbcrg, welcher seiner Entstehung und seinem Gegenstande nach mit dem Pilatushause und den Ketzelischen Stationen zusammenhängt und auch von demselben Kunstler Adam Kraft errichtet und mit Figuren ausgestattet wurde. Leider ist nichts mehr davon vorhanden; denn die jetzt daselbst befindlichen Figuren wurden aus dem Carthäuscrkloster dorthin gebrecht, und können von einem Geyülfen Krafts herrühren. Die Straße, welche linker Hand nach dem Thiergärtnerthor führt, trägt davon den Namen auf dem Oelbcrg. lVr». ii. stellt das F,auciitlsor mit dem runden Thurme gl. Ns. dar. Der oben nachzusehenden allgem. Beschreibung von der Beschaffenheit der Hauptthore Nürnbergs, wozu auch das hier dargestellte gehört, fügen wir nur noch die Bemerkung bei, daß bei einem jeden derselben zunächst an dem runden Thurm ein kleiner viereckiger Vorplatz stößt, über welchen man zu dem eigentlichen Stadtthore gelangt. Dieses selbst aber befindet sich, wie vorliegendes Bild zeigt, in einem viereckigen mit der äußc:,» Stadtmauer zusammenhängenden kleineren Thurme, und steht unmittelbar mit einer über dem Stadtgraben auf steinernen Pfeilern ruhenden hölzernen Brücke in Verbindung, welche in das Freie führt. ?tra. 12. stellt den Kirchhof zu St. Johannes in einer Morgenbeleuchtung dar, welche eine feierlich ernste Glorie über dieses durch seinen Gegenstand und seine tiefgefühlte Auffassung und Ausführung innigst ergreifende Bild verbreitet. Stein drängt sich hier an Stein, die darunter ruhenden Tobten zu bezeichnen, aber nicht ausrecht stehend, wie auf andern Kirchhöfen, sondern alle liegend, und meist versehen mit einem messingenen Wappen oder einem auf das Gewerbe oder auch die Todesart der Verstorbenen deutenden Sinnbilde, in kunstreicher Arbeit. Diesen überraschenden Anblick noch zu erhöhen, ihm gleichsam eine erhabenere Bedeutung, einen höheren Schwung zu geben, hat der Künstler den in geringer Entfernung von der Ringmauer des Kirchhofs etwas weiter links zurückstehenden Calvarienberg, welcher den Endpunct der Kraftischen Stationen Christi bezeichnet, innerhalb desselben versetzt; eine Freiheit, für die ihm gewiß jeder kunstsinnige und gefühlvolle Beschauer danken wird. Denn welch' unendlichen Reiz hat dadurch das Bildchen gewonnen! Wie überaus ergreifend ist der Contrast dargestellt, welchen die krampfhaften Bewegungen der mit dem Tode ringenden Schächer im Vergleich zu der verklärten Ruhe bildet, mit welcher der Heiland dem Ende seiner irdischen Qualen entgegen harrt. Kraft hat hier seine ganze Meisterschaft bewährt. Auch sind an allen drei Figuren die Adern und Muskeln auf das lebhafteste ausgedrückt; ja selbst die Stricke, mit welchen sie an den Kreuze» gefesselt, sind auf das täuschendste in Stein gehauen. Sonst standen noch unter dem Kreuze der römische Hauptman» nebst einigen Juden und Kriegskncchten, welche nach dem Gottessohne am Kreuze hinaufschauten; und dem Calva- rienberge gegenüber, neben der Kirchhosmauer, stand eine Gruppe Frauen nebst Johannes um die in Schmerz gesunkene Mutter Gottes versammelt. Alle diese Figuren sind gegenwärtig bis auf zwei, welche man vor kurzem erst unter dem Kreuze in die Erde pflanzte, leider verschwunden. Noch sieht man auf unserem Bilde die siebente und letzte Station, welche wenige Schritte von dem Haupteingange des Kirchhofs frei dasteht und den vom Kreuze abgenommenen Leichnam Jesu vor seiner Mutter und andern gottseligen Matronen und Männern auf einem Leintuche im Schooß seines gcliebtesten Jüngers liegend darstellt. Links schließt das Bildchen mit der Hauptpfortc des Kirchhofs, welche zwei schöne Wandsäulcn schmücken.— Einen unvergleichlichen Reiz gewährt demselben endlich noch die Aussicht in die nächsten schönen Umgebungen des Kirchhofs, die sogenannten Jo- hanncöfclder, den Schießplatz, die angränzende Stadt und ganz besonders der bezaubernde Fernblick auf das im silbernen Morgenduft liegende Schloß. — Doch wir sind unsern Lesern noch einige Bemerkungen über den Hauptgegenstand unseres Bildes, den Kirchhof zu St. Johannes, schuldig. Obgleich derselbe bereits im Jahr 1437 angelegt worden war, wurden dennoch fast ein ganzes Jahrhundert die meisten Todten in der Stadt auf den bei den Kirchen befindlichen Friedhöfen beerdigt. Endlich aber im Jahr 1Z1V brachte es die Obrigkeit dahin, daß dieß forthin unter keiner Bedingung mehr geschehen dürfte. In dieser Absicht hatte man bereits ein Jahr zuvor einen neuen Kirchhof, den zu St. Rochus, welcher deßwegen auch gewöhnlich der neue genannt wird, vor dem Spittlcrthore angelegt. Doch der Hauptkirchhof blieb vor wie nach der ältere zu St. Johannes; man sah sich daher genöthigt, im Verlaufe der Zeit vom Jahr 1437 bis zum Jahr 7714 denselben neunmal zu erweitern. Gleichwohl liegen, besonders zunächst dem Haupteingange, die Leichensteine so dicht bei einander, daß man aus Mangel an Raum beim Weitergehen oft von einem Stein auf den andern treten muß. „Es war, sagt eine gemüthvolle Reisende, ein eignes Gefühl, das, als müßt' ich ihn um Vergebung bitten, in meinem Herzen aufquoll, als mein Fuß unwillkürlich Albrecht Dürers mir geheiligte Ruhestätte berührte." Das Grab dieses unsterblichen Mannes ist mit kßuin. 04g bezeichnet. Auf dem Grabsteine liest man an den 4 Kanten unten folgende Worte cingehauen: ?Ietiun. Soulpturn. lieno. A. AIIiDI.XXXI. Oben zu den Häupten ist ein aus Stein gehauener Pult, auf welchem eine messingene Tafel mit Dürers gewöhnlichen Zeichen und mit folgender Aufschrift befestigt ist: All) , VI., VI1, (AZuinoriue Vlborti Ilurcri) Hlictjl lN VI.UDIII'I 111111)111 4111111.41.1) k illt', 8VI1 lioc lxi .xmviii V14IV1.(1, i)4iiciii.4Vl'i' Vlll, 1141)8 ,4I>IiII.I8 4I.V. XXVIII. Die darunter liegende große messingene Tafel mit der lateinischen Inschrift zur rechten, und den deutschen Versen zur linken Seite ließ 1S8I Joachim von Sandrart verfertigen. Nicht weit von Dürers Grab, fast mitten auf dem Kirchhof, ist dem Ritter Alexius Münzer, der sich durch eine milde Stiftung verdient gemacht hatte, ein schönes hohes Denkmal errichtet. Noch andere merkwürdige Gräber auf diesem Kirchhofe sind: >uin. 1414 Wilibald Pirkhcimcr's Ruhestätte, IXum. KV4 Wenzel Jamnitzcrs, AI»iii. 334 Johann Müllner's, lXum. iis Gottfried Thomasius', Kuiu. .... Sand- rarts Grab ic. Auch Hanns Sachs (ch 21. Januar IS7K), ist unfehlbar hier begraben; nur kennen wir seinen Grabstein nicht mehr; denn der mit Aiuiii. soll bezeichnete, welcher neuerdings dafür ausgegeben wird, trägt die messingene Aufschrift: „II. 8. des Ersamen Hannß Sachsen, Zuckcr- machers vnd Anna seiner liben Ehwirtin vnd Jrcr beidersceligen Erben Begrcbtnus. Anno Domini I58S." Wahrscheinlich war dieser Zuckerbäcker ein Anverwandter unsers Dichters, der keine Kinder hinterließ. — Sehr viele schöne messingene Epitaphien auf diesem Kirchhofe habe» Sebastian Denner (st Ivoi), Hinterheusel und Ramsteck, berühmte Kunstgießer, verfertigt. — Ueber der Familiengruft der Holzschuherischen Familie befindet sich eine 1374 errichtete Bezräbnißkapelle, in welcher auf dem Altar eine Bildschnitzerarbeit, die eines Veit Stoß würdig ist, und in einer Nische eine schöne Grablegung von Adam Kraft und seinen Schülern 1Z08 in Stein gehauen zu sehen ist, welche letztere viel Ausdruck, sowie eine edle Anordnung der Gruppirung und Stellungen hat. In der Nische, worin sie steht, erblickt man als Hintergrund derselben, von der Zeit verdüstert und von Feuchtigkeit theilweise verdorben, die Abbildung Jerusalems von Michael Wohlgemuth auf Kalk gemalt. Außen zur linken Seite des Eingangs in diese Kapelle ist in der Wand ein 7 Schuh langes und 22 Zoll breites Eisen eingemauert, nach dessen Länge die Gräber bereitet und die Leichensteine gehauen werden müssen. — Auch die bereits 1323 erbaute Kirche zu St. Johannes, von welcher der um dieselbe liegende Kirchhof seinen Namen erhielt, hat manches alte Gemälde, sowie auch einige Glasmalereien, jedoch nichts von ausgezeichnetem Kunstwerth. Am Altare sind doppelte Flügel mit Gemälden unbekannter Meister von mittelmäßiger Arbeit; ein Bild Luthers, Philipps von Mannsfeld, ein jüngstes Gericht, Christus in den Feldern bei St. Johannes vor Nürnberg wandelnd, von Wittich gemalt, und noch mehrere andere Gemälde hängen zerstreut umher; an einem Rebenaltar ist eine Arbeit Albrecht Altorfers, mit seinen Aeichen, sehr nett auf Holz gemalt. Die Kirche hat auch mehrere Grabmonumente von Stein. I>'ro. 13. stellt den sogenannten He II li erlieg dar, welcher von dem Unschlitthausc über einen Arm der Pcgnitz nach dem, auf einer von diesem Flusse gebildeten Insel liegenden, Trödelmarkt hinüberführt und an dem einen Ende mit einem alten runden Vorbau zusammenstößt, der durch 2 über den andern Arm der Pegnitz gewölbte Bogen mit dem sogenannten Wasserthurmc zusammenhängt. Letzterer gehörte ehedem zur alten Stadtmauer, welche bei der ersten Erweiterung der Stadt gegen die Mitte des 12. Jahrhunderts aufgeführt wurde, und deren Lauf sich nach den noch vorhandenen Ueberrcsten von Mauern, Thürmen und Gräben mit ziemlicher Zuverlässigkeit bestimmen läßt. Die seltsame Benennung Henkersteg rührt von dem Umstände her, daß vormals der Henker auf dem zum Wasserthurm führenden bedeckten Gange seine Wohnung hatte. Wir wählten dieses höchst originelle Bild, um wenigstens eine der vielen überaus mahlerischen Partien auszunehmen, welche die mit 7 größeren und kleineren Brücken und 6 Stegen versehene Pegnitz und die sie in ihrem Laufe durch die Stadt umgebenden alterthümlichen Häuscrgruppcn darbieten; Partien, die uns oft sehr lebhaft nach den Wasserstraßen Venedigs versetzen. Und so sollen wir denn endlich im Ernste uns trennen von der lieben deutschen Stadt Nürnberg, die uns in diesen wenigen Blättern einen solchen Reichthum der herrlichsten Genüsse für Auge, Herz und Gemüth darbot und die in ihrem Schooße noch so viel Vorzügliches enthält, welches uns leider die engen Gränzen unseres Werkes aufzunehmen nicht gestatten. Möge ein gütiges Schicksal über der altehrwürdigen Stadt wachen, und sie niemals ihres alterehümlichen Schmuckes entkleiden! Möchten auch ihre freundlich biedern herzlichen Bewohner den sie so sehr zierenden Sinn für deutsche Art und Kunst in ewig jugendlicher Frische bewahren, und so noch unsern spätesten Enkeln den hehre» Anblick jener bezaubernden Sympathie gewähren, in der sie mit ihrer alterthümlichen Stadt, gleichsam ein Abbild längst entschwundener Zeiten und Zustände, fortzuleben scheinen. W Ä m b e r g. Aambe-rg — ehemals dir Hauptstadt des Fürstbisthums gleichen Namens, jetzt die Residenz des Herzogs Wilhelm von Bayern Kon. Höh., der Sitz des Erzbisthums und verschiedener Stellen und Behörden — liegt an dem ziemlich reißenden Flusse Regnitz, welcher in zwei Hauptarmen die Stadt der Länge nach durchströmt und in drei besondere Abschnitte theilt, in einer der angenehmsten und schönsten Gegenden Deutschlands. Der weite Thalgrund, in dessen Mitte Bamberg, gleichwie im Schooße der Fruchtbarkeit und der reichsten ergiebigsten Fülle, gelegen ist, wird von der Regnitz und dem Main, welche beiden Flüsse sich eine Stunde unterhalb der Stadt bei Bischberg vereinigen, durchschnitten, und bildet eine» großen Halbkreis, der von malerischen Bergen begränzt wird. Die etwas entferntere Umgebung bietet alles dar, was eine schöne, liebliche Landschaft nur immer gewähren kann. Die angenehmsten Berge und Wälder wechseln ab mit den fruchtrcichsten, bald engern, bald sich erweiternden Thälern, mit vielen Dörfern, einzelnen Höfen und Schlössern. Die Stadt selbst liegt zwar ihrem größcrn Theile nach in der Thalebcne, ein großer Theil derselben aber zieht sich in mehreren Armen über sanft ansteigende Berge hinan/ was ihr von der Ferne eine überaus malerische Mannigfaltigkeit und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem siebenhügclichten Rom verleiht. Was übrigens ganz besonders, zumal von der Nord- und Ostscite, der Stadt jenes schöne pittoreske Ansehen gewährt, ist der günstige Umstand, daß gerade die vorzüglichsten und wichtigsten Gebäude, vor allen die Kirchen mit ihren stattlichen und zum Theil sehr schönen Thürmen, größtentheils auf den Anhöhen liegen, und sich somit die Stadt von selbst, auf eine für das Auge höchst angenehme Weise in verschiedenen Partie?» aufbaut. Und so bietet die herrlich gelegene Stadt fast von allen Seilen her, besonders aber von den vielen kegelförmigen Hügeln der Umgegend, die vorzüglichsten Ansichten dar; und man steht oft an, welcher man den Vorzug geben soll. Doch sagte uns vor allen der für unsere Totalansicht (>r. i.) gewählte Standpunkt zu, der sich ganz in der Nähe der Stadt, rechts abwärts von der Würzburger Straße, bei einem Gartenhause in einem Weinberge findet. Diese herrliche Ansicht vor Augen, machen wir nun auf die vorzüglichsten und wichtigsten Punkte der Stadt in ihrer Lage und Stellung zu einander aufmerksam und mit deren Merkwürdigkeiten in kurzen Umrissen bekannt. Ueberall, wohin wir hier blicken, zeigt sich Bamberg freundlich und heiter, und zum ländlichen Genuß, den die schöne Gegend so reichlich darbietet, von allen Seiten offen. Nirgends sieht man große Thore, Mauern, Basteien, welche an den älteren Zwang des Städtischen erinnern» Da die Bewohner von jeher Gärten und freie Plätze um ihre Häuser liebten, so erhielt die Stadt dadurch eine sehr weite Ausdehnung, so daß man dieselbe nicht leicht in I Stunde umgehen und noch weniger, wenn man nicht ein Panorama geben will, in Ein malerisch schönes Bild zusammendrängen kann. Unser Zeichner sah sich daher genöthigt, Wo ist die» Stadt in Fvantenlandes weiten Auen Dir gleich an Schönheit/ Pracht und Würde zu erschauen? auf der linken Seite seines Bildes die ohnedies weniger interessant« östliche Hälfte der Stadt wegzulassen. Aus demselben Grunde war es ihm auch nicht möglich, auf der rechten Seite die Aussicht auf die, eine kleine halbe Stunde von der Stadt westwärts gelegene, Schloßruinc Altenburg zu gewähren, so sehr auch dieser, seiner geschichtlichen Bedeutung, sowie seiner herrlichen Lage und vortrefflichen Aussicht wegen, weitbe- rühmtc Punkt verdient hätte, in unseren malerischen Darstellungen Bam- bergs und seiner Umgebung mit aufgenommen zu werden. Vielleicht daß es uns in der Folge vergönnt ist, diese für jetzt unvermeidliche Lücke nebst andern in einem besondern Ergänzungsheft« auszufüllen. Den äußersten Punkt, mit welchem unsere Ansicht von Bamberg beginnt, bezeichnet die kleine Kirche St. Setrcu, welche nebst den anstoßende» Gebäuden, dem ehemaligen Probsteibau, der jetzigen Irrenanstalt, 1727 —I7Z0 wahrscheinlich nach Diezenhofers Angabe, im römischen Styl neu aufgeführt wurde. Im Innern ist sie in der französischen Schnörkclmanier sehr geschmacklos verziert, und besitzt außerdem von älteren Bildwerken nur sehr Weniges und Unbedeutendes. Bereits Bischof Otto l, der Heilige, erbaute diese Kirche und schenkte sie 1124 dem Kloster Michclsbcrgdarauf ließ er neben derselben noch andere Gebäude aufführen, gründete darin 112k die Probstei, stattete sie mit Gütern aus, und übergab sie ZI27 dem Kloster Michelsberg zur Besetzung mit 7 Priestern und 2 Brüdern. Diese Stiftung wurde nachher völlig mit dem Kloster vereinigt, und ging dadurch in spätern Zeiten ein. Der Michclsbcrger Abt Anselm Gcisscndorser wollte sie um I7so wieder herstellen, und ein Priorat mit 12 Priestern und s Brüdern daraus bilden, allein sein Vorhaben wurde vom Kloster vereitelt, nachdem er bereits an die Stelle der sämmtlich niedergerissenen älteren Gebäude die jetzigen mit einem Aufwand von beinahe 40000 fl. aufgeführt hatte. In dem Gebäude wohnten bis zur Säkularisation im Jahr I80Z ein Probst und einige Klostcrindividucn; nach derselben wurde es sehr zweckmäßig zu einer Irrenanstalt eingerichtet. Die Verehrung eines kleinen hölzernen Gnadenbildes der Maria, welche schon um iZso statt fand, veranlaßt, daß bis aus die neuesten Zeiten diese Kirche sehr besucht und durch Opfer reichlich beschenkt wird. , Den nächsten merkwürdigen Punkt bildet die aus einem Berge sehr schön gelegene ehemalige Bencdictiner - Abtei Michclsberg, eine Stiftung des um Bamberg so hoch verdienten Kaisers Heinrich II. Im Jahr ivo» ward der Grund zur Kirche gelegt, 1021 war sie vollendet und am Z. November desselben Jahres weihte sie Bischof Eberhard I. feierlich ein. Bereits 1107 beschädigte ein Erdbeben die Gebäude dergestalt, daß die Kirche einzustürzen drohte; weßwegen Bischof Otto der Heilige, der berühmte Apostel der Pommern, sie neu erbauen ließ und am I. September Il2l einweihte. Aus dieser Zeit mag das Querschiff, welches ganz den byzantinischen Styl trägt, herrühren. Otto, der größte Wohlthäter dieses Klosters, in welchem er auch öfters verweilte, vergrößerte 44 30 nicht nur die Gebäude desselben, sondern vereinigte auch mit dem Kloster die von ihm gestiftete nah gelegene Probstci St. Getreu, sowie die am Fuße des Berges 1120 von ihm erbaute Egidicn-Kapclle, deren Wohnzimmer zur Ausnahme armer Reisender bestimmt waren. lins starb Bischof Otto und wurde, nach seinem Wunsche, in der Klosterkirche Michclsberg begraben. Noch verwahrt der sogenannte Otto-Altar in derselben mehrere Gebeine dieses Heiligen, während seine übrigen irdischen Ueberrcste in einem steinernen, mit Hautreliess gezierten Sarkophag aus dem 44. Jahrhundert, welcher hinter jenem Altar unter einem Gewölbe steht, aufbewahrt werden. Ferner zeigt man noch in der Sakristei das von ihm täglich gebrauchte Meßgewand, welches jedoch nach neuerer Art zugeschnitten ist, seine Insel und seinen gewöhnlichen Spazierstock. — S» blühend das Kloster unter Bischof Otto war, so sehr nahm doch dessen Wohlstand bereits im 43., noch mehr aber im 45. Jahrhundert ab, als dasselbe 1420 und 4 435, bei Gelegenheit in der Stadt ausgcbrochener Bürgerunruhen, völlig ausgeplündert und zuletzt sogar in Brand gesteckt worden war. Erst 447» sing der Abt Eberhard III. an, die Klostergebäude zweckmäßig wieder herzustellen, sein Nachfolger Ulrich 411. (ff 4483 ) fuhr damit fort, und der nach diesem gewählte, sehr geehrte Abt Andreas Lang vollendete nicht nur die Kirche und die Klostergebäude, sondern befestigte sie auch 4488, da vom Markgras Albrecht ein Einfall zu befürchten war. Aus dieser Zeit mag das Schiff der Kirche mit den beiden Abseiten und dem Chor herrühren, welche Theile sämmtlich, vorzüglich an den Fenstern, den deutschen Baustyl an sich tragen. Nach den Verwüstungen des Bauernkriegs (4525) stellte der Abt Georg Ziegler (reg. von 45Z»- 4549), das Kloster wieder in seiner vorigen Blüthe her, und vergrößerte es durch zweckdienliche Gebäude. Im Jahr 4 583 wurde auch die Kirche erneuert, wie die Wappen oben am Chor zeigen. Der 8. April 4 040 war der unglückliche Tag, an welchem durch Vernachlässigung eines Schieferdeckers Feuer auskam, und die Kirche mit mehreren Gebäuden größtentheils abbrannte. Die Wiederherstellung betrieb man indeß sehr schnell, denn schon 4«44 wölbte der Würzburger Baumeister Lazarus Augustinus die Kirche wieder zu. Die Herstellung der übrigen Gebäude, besonders der zwei spitzigen Tkürme, übernahm der aus München gebürtige Baumeister Georg Niedermaier. Doch da§ vollständige Ansehen, welches noch gegenwärtig das Kloster MichclSberg hat, bekam es unter dem kunstsinnigen Abt Christoph Gutlenberg (reg. von 4r. 4 und 4.) jedoch nur zum Theile, sichtbare, neue llcsidriis. Mannigfach wechselten die Bischöfe von Bawberz ihre Wobnstätte. Nachdem Kaijer Heinrich II. das Bisthum gegründet und die Domkirche erbaut Halle, wurde wahrscheinlich auch der erste Grund zur bischöflichen Wohnung gelegt. Diese soll neben der Domkirche gestanden und sich in gerader Richtung bergabwärts gezogen haben, da wo sich jctzo die Wohnung des Domprobstcs und ein Domhcrrnhos befindet. Diese mit dem Namen „Burg" bezeichnete Wohnstätte soll zuerst 4197 der Bischof Thicmo mit Mauern umgeben haben, welche den ganzen Berg mit den Wohnungen der Georgcnbrüder (Domherren) und mir der Calhedralkirche umfaßten und mit verschiedenen Thoren versehen waren, die jeden Abend geschlossen wurden. Um das Jahr 4330 beschloß der Bischof und das Kapitel, die Burg in einen besseren Stand zu setzen und mehrere anstoßende Gebäude niederzureißen. Dadurch soll die jetzige alte Hoshaltung in ihrer ältesten und ur prünglichcn Gestalt entstanden sein. Das Hauptgebäude ging auf den Domplatz hinaus und war vornen mkt zwei Kapellen verschen, die eine — die Andreaskapelle — stand unten am linken Ecke gegen die Domkirche zu, die andere — zur heil. Catharina — steht noch oberhalb im Ecke an einem Thurme zwischen dem Haupt- und Rcbenein- gang, wird aber nicht mehr zur Andacht benutzt. Die erste förmliche Umbauung dieser Burg wurde unter der Regierung der Fürstbischöse Philipp v. Hcnneberg und Heinrich Groß v. Trockau vorgenommen. Der Erstere ließ die Hinteren Gebäude mit Fachwerken erbauen; weshalb auch daselbst sein sehr schön gehauenes Wappen mit der Jahrszahl 4479 angebracht ist. Unter dem Letzteren entstanden dagegen die oberen Gebäude nebst den übrigen, daher sich sein Wappen mit der Jahrszahl 4498 über dem Eingangsthor rechts neben dem Catharinenlhurm befindet. Schon im Jahr 4504 faßte indeß der kunstliebende Fürstbischof Voit von Würzburg den Entschluß, statt des Hauptgebäudes der alten Hofhaltung ein neues zu errichten, welches auch, von dem Jahr 4574 an durch den Steinmetzen Erasmus Braun ausgeführt, jetzo noch größtentheils steht und den vorderen Theil der alten Hofhaltung ausmacht. An dem vorspringenden Erker find dle Wappen der damaligen Domherren sehr schön in Stein gehauen. Auch das Elngangsthor ist wegen seiner fleißigen Bildhauerarbeit merkwürdig, wenn auch mir zu vielen Verzierungen überladen. Noch ließ derselbe Fürstbischof 4575 die an diesen Bau stoßende Andreaskapelle fast ganz durch E. Braun umbauen und manches Andere der Art aussühren. Und doch fand man nach so vielen Veränderungen, daß ein so unregelmäßiges und unbequemes Gebäude nicht für die Wohnung eines geistlichen Fürsten passe. Ueber 400 Jahre lang verlegten daher die folgenden Fürstbischöfe ihren gewöhnlichen Aufenthalt nach Geyers- wörth, welchen Namen noch jetzo ein Theil der kleinen, in der Mitte der Stadt zwischen zwei Armen der Regnitz gelegenen, Insel führt, auf welchem sich ehedem ein in seiner Art ausgezeichneter Lustgarten nebst Schloß befand. Unterdessen wurden auf dem Domberge zu verschiedenen Malen neue Gebäude zu einer Hofhaltung ausgeführt und wegen ihres schlechten Ansehens wieder niedergerissen, bis endlich der kunstliebcnde und baulustige Fürstbischof Lothar Franz v. Schönborn in den Jahren 1005-1708 im französisch-italienischen Styl die jetzige neue Residenz unter der Leitung seines geschickten Baumeisters Johann Lconh. Dinzenhofer aufführen ließ; ein Gebäude, das sich übrigens, sa, imposant es auch an sich ist, doch weder im Aeußern noch im Innern mit der fürstbischöflichen Residenz in Würzburz vergleichen läßt. Es ist indeß auch nur zur Hälfte vollendet: denn es sollte ursprünglich aus einem Hauplbau, zwei hervortretenden Seitenflügeln und mehreren Hintergebäuden bestehen. Davon ist indeß nur der eine Seitenflügel gegen die Stadt, die Hälfte des Hauptbaucs und ein großer Theil der Hintergebäude ausgeführt, zu welchen jedoch einige der alten schon vorhandenen Gebäude benutzt wurden. Der Hauptbau mit dem Flügel ist drei Stockwerke hoch und die äußere Fayade ist geschmackvoll verziert; nur haben die Fenster zu stark hervorspringende Ausladungen. Der Seitenflügel hat wegen der ziemlich jäh bergabwärts fallenden Fläche, auf welcher er ruht, am untern Theil mehrere Gewölbe über einander. Uebrigens macht die sehr zweckmäßige innere Einrichtung dieses Gebäudes dem Baumeister ungemein viel Ehre, indem er die Aufgabe recht gut zu lösen verstand, eine Residenz herzustellen, welche zugleich die Bureaus von mehreren Behörden in sich aufnehmen sollte. Das großartige Gebäude dient gegenwärtig zur Residenz des Herzogs Wilhelm von Bayern. Außerdem befindet sich in fünf Zimmern des oberen Stockes im Seitenflügel die königl. Gemäldegalleric, und im untersten Stocke desselben Baues das königl. Archiv zc. Aus einem Fenster im dritten Stocke stürzte sich im Jahre 1815 am 1. Juni Nachmittags, gerade als eine Colonnc russischer, gegen die französischen Grenzen ziehender Truppen mit ihrer Fcldmusik in Bamberg einzog, der französische Marschall Alexander Berthier, wie noch jetzo an der verhängnisvollen Stelle ein stets aufgefrischtes schwarzes Kreuz bezeugt. Gleich unter dem neueren Rcsidenzgebäude ragt in unserm Bilde s>r. 1.) die obere Pfarrkirche, eigentlich Marienkirche oder zu Unserer Lieben Frauen genannt, hervor. Wir widmen ihr, als dem schönsten Ueberreste des sogenannten gothischen Baustyls in Bamberg, gleichwie dem Dom, eine zweite besondere Darstellung (Xr. 4.), auf die wir in der hier folgenden Beschreibung und Geschichte hauptsächlich Rücksicht nehmen. Diese Kirche, an deren Stelle schon im 12. Jahrhundert eine Kapelle zur heil. Maria gestanden haben soll, wurde in den Jahren 1520— 1587, mithin während der Blüthczeit der deutschen Baukunst, von der Bürgerschaft von Bamberg aus eigenen Mitteln erbaut. Sie bildet ein längliches Viereck, hat drei Eingangsthüren und nur einen Thurm mit fünf Stockwerken, deren Abtheilungen mit Fenster und schönen Verzierungen geschmückt sind, in welchen meistens Weinlaub angebracht ist. Eine herrliche Zierde dieser Kirche im Aeußern ist der schone Chor, welcher sich mit seinen schlanken Fenstern und seinen reichen und dennoch nicht überladenen Zierathen, ganz in seiner ursprünglichen Gestalt erhielt und im Innern auf zehn Pfeilern ruht. Eben so wohl erhalten ist die sogenannte Ehethüre, welche gegen Norden gerichtet ist, und einen steinernen auf zwei Säulen ruhenden Baldachin hat. In der Nische sind die fünf thörichten und die fünf weisen Jungfrauen, und oberhalb der Thür die Vermählung Christi mit der Kirche dargestellt. Es scheint, daß an dieser Kirche bis zum Jahre 1007 keine wesentliche Veränderung vorgenommen worden ist, und sie also bis dahin den schönen reinen Baustyl, in welchem sie erbaut war, durchaus unversehrt behalten hatte. Allein bereits in dem genannten Jahre ließ sie Bischof Johann von Gebsattel im Verein mit der Bürgerschaft im Innern und Aeußern erneuern, jedoch die wesentlichste und geschmackloseste Umänderung im Innern, besonders im Hauptschiff und den beiden Abseiten, erlitt die Kirche erst in den Jahren 1711—15, Damals geschah es nämlich, daß die zehn Pfeiler, welche das Langhaus mit den beiden Ncbenschiffcn tragen und sonst rund waren, in viereckige verwandelt wurden, während man an der Decke und an den Ncbenwän- dcn schwerfällige Stukkatur anbrachte. Nur die Nebenseiten des Chors behielten ihre ursprüngliche Decke, an deren Schlußsteinen Wappen von Adeligen aus Bamberg sich befinden. Endlich wurde die Kirche in den Jibren 1810 — >0 von innen und außen angestrichen und die Altäre hergestellt. — Zu den Merkwürdigkeiten im Innern gehören: zwei sehr große Holzschnitzarbeiten von Veit Stoß, von welchen die eine die Geburt Christi, die andere saus vier Tafeln) Scenen aus dem Leben Jesu und der Maria vorstellen, mit der Jahrezahl 1525; ein steinernes Sacrarium von 1502, welches aus drei, reich mit Figuren verzierten Hauptabteilungen, sowohl in der Höye, als in der Quer, besteht; ein altes, schön in Holz gearbeitetes Gnadcnbild, Maria mit dem Kinde vorstellend, die aber auf sonderbare Weise mit Kleidern aus verschiedenen Stoffen geschmückt ist; die übrigens nicht lobenswerten Alsresco - Gemälde an der Decke von Jakob Gebhard. Auch sind in der Kirche, sowie außenher an derselben mehrere Grabmonumcnte, unter welchen nur das marmorenc Grabmal des Johann Fuchs von Limbach vom Jahr 1582 besonders bemerkt zu werden verdient. — Diese Pfarrei war immer sehr begütert, und hatte viele Benesicicn, deren sie selbst jetzo noch 15 besitzt. Unter die merkwürdigsten in historischer Beziehung mag wohl jenes zu den zwölf Aposteln gehören, welches 1508 die fränkische Ritterschaft, Fürspanger genannt, stiftete. Eine andere Abtheilung dieser Ritterschaft, die Einhörner genannt, hatte im 15. und 10. Jahrhundert in Kiefer Kirche ihre geistlichen Zusammenkünste. Zunächst der Oberpfarr liegt auf dem obern Stcphansberg die ehemalige Tollcgiatstikls-, jetzige protestantische Pfarrkirche su St. Stephan. Der Bau dieser Kirche wurde wahrscheinlich schon im Jahr 1008 auf Anordnung Kaiser Heinrichs und Kunigundens, welche schon 1000 ein Col- legiatstifl dabei gründeten, angefangen, 1010 vollendet und 1020 bei Anwesenheit des Pabstes Benedict Vm und in Gegenwart von 75 Bischöfen und Prälaten feierlich eingeweiht. Allein aus dieser Zeit hat sich nur der Thurm dieser Kirche mit seinen rundbogigen Verzierungen erhalten; die ganze übrige Kirche war bereits 1000 so baufällig geworden, daß man sie von Grund aus neu zu erbauen beschloß. Mit verschiedenen Unterbrechungen geschah dieses auch in den Jahren 1028 — 1080, ja noch 100» erhielt selbst der alte Thurm eine neue Bedachung. So wurde denn die Kirche im ncurömischen Styl in Form eines Kreuzes nach den Planen und unter der Leitung der Baumeister Bonalino und Pctrino ziemlich geschmackvoll wieder aufgeführt, namentlich ist die äußere Architektur der Kirche, in welcher man dorische Säulen anbrachte, nicht ohne Geschmack angeordnet und bietet, besonders von der Stadtscite, einen anziehenden Anblick dar. Uebrigens ist die Kirche inwendig sehr hoch, geräumig und hell, und die Decke wie die Scitenwände sind mit Stukkatur verziert. 1805 wurde das Collegiatstift aufgehoben und die Kirche geschlossen, bis sie 1807 der protestantischen Gemeinde übergeben und 1808 wieder zu dem Gottesdienste eröffnet wurde. Weiter unten ragen noch'auf unserm Bilde (» i) aus dem zwischen den beiden Armen der Regnitz gelegenen mittleren Theile der Stadt außer mehreren kleineren Thurmspitzen, besonders die Martinskirche mit dem hintern Thurme hervor. Wir knüpfen unsere Bemerkungen über diese Kirche vorzugsweise an das Bild (5ir. 2)5 weil uns dieses nicht nur ein sehr deutliches Nähebild derselben, sondern auch den sogenannten Markt von Bamberg nebst seinen Umgebungen darstellt. Markt oder auch der grüne Markt wird die Hauptstraße von der langen Gasse bis zum Maximiliansplatz genannt, weil hier die Gärtner ihre Produkte verkaufen. Sie ist sehr breit und hat meistens schöne Häuser. In der Mitte dieser Straße (am Ende unseres Bildes) liegt das Gasthaus zum Bam- bcrgerhof, welches sich eben so sehr durch seine schöne Bauart und Lage, als durch seine zweckmäßige und bequeme Einrichtung im Innern auszeichnet. In geringer Entfernung steht die ehemalige 2es»i>cn- jetzige Pfarrkirche zu St. Marti», die schönste im neurömischcn Styl aufgeführte Kirche der Stadt. Auf dem Platze, wo jetzt die Kirche steht, befanden sich früher bürgerliche Wohnungen, welcke die Jesuiten kauften und einreißen ließen, um dahin in den Jahren 7686 — 7720 nach der Angabe des geschickten Malers und Baumeisters, des Jesuiten Andreas Pozzo, ihre Kirche zu bauen. Nachdem sie selbst 7775 aufgehoben wurden, bestimmte man diese Kirche für die Universität, und 7805 setzte man dahin die Pfarrei zum heiligen Martin, weil man um jene Zeit die alte auf dem jetzigen Moximiliansplatz gestandene MartinsVrchc einriß. Die jetzige St. Martinskirche hat im Ganzen ein grandioses Aeußere, besonders was die vordere Fayade betrifft, welche mir einem Hauptportale und zwei Nebenthüren verschen und mit korinthischen und dorischen Säulen, sowie mit Heiligen, die in Nischen stehen, in einem freilich etwas schwerfälligen Style verziert ist. Ziemlich imposant ist das Innere dieser Kirche, welches durch keine Säulen unterbrochen ist, und die Form eines länglichten Kreuzes hat. Das 7 56 Schuh lange und 55 Schuh breite Schiff besteht aus einem großen Tonnengewölbe, und hat an den Sciten- nischcn sechs Altäre. Zwischen dem Schiff und dem 58 Schuh langen Chor befindet sich die 77 Fuß hohe Kuppel, welche mit einem herrlichen von Franz Marcolini nach Pozzo's Zeichnung 1716 verfertigten Alfresco- gcmälde geziert ist. Die zahlreichen Altarblätter sind von Oswald Ong- hcrs, Steudel und Reinhard. Am Chor dieser Kirche ist ein viereckiger, 77b Schuh hoher Thurm angebaut, auf dessen Kranz man eine sehr schöne Uebersicht der Stadt und Umgegend genießt. — Hinten an die Kirche stößt das sogenannte Zcsuitcn-Hcdäudc, auch das Collcgium oder der plarrhokzu St. Martin genannt, welches sich durch seine schöne einfache und solide Bauart auszeichnet. Auf diesem Platze stand sonst, jedoch in einer andern Richtung, das Carmeliterkloster nebst Kirche. Dieses Gebäude bestimmte der sehr gelehrte junge Fürstbischof Ernst von Mcngersdvrf, welcher die Carmeliten in das Nonnenkloster St. Theodor auf dem Kaulberg versetzt hatte, zu einem geistlichen Seminarium und Gymnasium, welches letztere er zu einer Akademie erheben wollte. Bereits sein Nachfolger, Neidhard von Tüngcn, wollte ein neues passendes Collc- gicngcbäudc errichten lassen: allein er starb 7 598 vor der Ausführung, vermachte jedoch eine ansehnliche Summe zur Ausführung dieses Plans. Indeß erst seinem zweiten Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen, der 7609 zum Bischof erwählt wurde, gelang es mit Hilfe der Jesuiten, welche er 7670 nach Bamberg berufen hatte, ein neues Collcgien - oder Gymnasialgcbäude zu errichten, an welchem sodann die Jesuiten sämmtliche Lehrstühle übernahmen. Mit diesem Gebäude waren Letztere zwar bis zu Ende des 77. Jahrhunderts zufrieden, doch Hegren sie schon längere Zeit den Plan, das Ganze in einem schönern Styl umzubauen. Sie erkauften deswegen einige daran stoßende Häuser, und singen zuerst mit der Kirche an. Nachdem diese größtenthcils beendigt war, ließen sie das ehemalige Carmelitenkloster abbrechen, um von 7696— 771!» das ihrige in der ihren Gebäuden eigenthümlichen Großartigkeit und Solidität aufzuführen. Nach der Auflösung des Jesuitenordens wurde das ganze Gebäude der, schon seit dem Jahre 7« 18 bestehenden, Universität eingeräumt. In den Jahren 7797 — 95 wurde daselbst die Bibliothek mit der Wohnung des Bibliothekars, das Naturalienkabinet mit der Wohnung des Inspektors eingerichtet. Diese beiden Anstalten blieben auch daselbst, als 7805 zufolge der Säcularisation die Universität einging und deren Hör- säls nunmehr für das Lyceum, der übrige Raum aber zur Wohnung des Lyceums - Directors, des Pfarrers bei St. Martin mit seinen Kaplä- nen ?c. bestimmt wurden. — Noch ist unter den am Markt liegenden Gebäuden das Königliche M a u» h z c l-a u d c zu bemerken , welches sich durch seine schwerfällige alte Bauart auszeichnet. Es war ehemals das Rathhaus,, und wurde vom 75. bis zum 76. Jahrhundert nur das alte Rathhaus genannt. 7 695 verkaufte es der Magistrat an die fürstliche Regierung, welche es im nämlichen Jahre in seiner jetzigen Gestalt erneuern ließ und zu einem Kauf- und Waghause bestimmte. 7870 wurde es der Mauth angewiesen. Das Gebäude steht frei zwischen zwei Gäßchen, und in seinen beiden Ncbcnseite» sind Fleischbänke angebaut. — Zur linken Seite ziert den Marktplatz besonders der Ncp t u n s br u »n c n, gewöhnlich der Gabelmann genannt; sonst heißt er auck der Friedrichsbrunncn und in älteren Zeiten der steinerne Brunnen. Seine jetzige Gestalt erhielt er 698. In einem steinernen Bassin steht die eben nicht schön gearbeitete Statue des Neptun, unter welcher auf der Säulcnschast an den vier Seiten Wasser herausspringt. Ehedem war statt des Neptuns ein steinener Ritter als Stadtwappen angebracht. — So wie sich übrigens Bamberg auf diesem Bilde (»- 2) im Innern zeigt, so erscheint es im Ganzen fast überall. Bon dem Charakter einer älteren Sladt hat es sehr wenig mehr; nur am Burgplatz findet man noch alterthümliche Gebäude. Die meisten Straßen sind gerad, breit und deßwegen auch hell; nur wenige sind eng und winkelig. Die Bauart der meisten Häuser im Innern der Stadt trägt das Gepräge des 77. und 7 8. Jahrhunderts an sich; sie sind bequeme, bürgerliche Wohnungen, und an gangbaren Straßen im untersten Stockwerk meistens zu Kaufläden eingerichtet. Grö'ßtentheils bestehen sie aus drei Stockwerken, und sind, dir älteren ausgenoinmen, welche fast durchgängig aus Fachwerken bestehen, von Steinen aufgeführt. In den äußern Theilen der Stadt wohnt größtenthcils die fcldarbeitende Classe, deren Häuser gewöhnlich nur einen Stock hoch und zur Oekonomie eingerichtet sind. Mehrere derselben, welche meistens mit Hohlziegeln und schweren Kalkdächern versehen sind, rühren noch aus dem Anfang des 77. Jahrhunderts her. Derjenige Stadtdistrikt, welcher jenseits des alten Flußbettes der Regnitz liegt, heißt ganz eigentlich die Gärrnerei; in dieser ist die Königsstraßc, der vormalige Steinweg, die größte und schönste und zugleich auch die lebhafteste Straße, indem durch sie die Fahrwege von Koburg, Baircuth und Nürnberg führen. Sie hat meistens stattliche Häuser, und wird an beiden Enden mit steinernen Thoren begränzt. Eine ungemein schöne Kettenbrücke, welche 78^/zg innerhalb 78 Monaten mit einem Kostenaufwand von mehr als 58,000 fl. errichtet wurde und dem jetzigen König von Baicrn zu Ehren die Ludwigsbrücke genannt wird, verbindet die Gärtnerei mit der Stadt. Unter den sechs übrigen Brücken, welche über die Regnitz führen, ist die in der Mitte der Stadt liegende obere Brücke, auch die hohe Brücke genannt, wegen ihrer haltbaren Bauart besonders beachtenswert!», indem sie bereits in den Jahren 7452 — 56 von dem Künstler Hans Forchheimer errichtet wurde und seitdem so viele starke Wasserfluthcn unverwüstlich ausgehalten hat. Sie besteht aus drei hochgewölbten steinernen Bögen, welche zwei Hauptpfeiler zwischen sich haben. Auf einem derselben erhebt sich ein schwerfälliges Crucifix mit mehreren Figuren, 7715 von dem Bildhauer Leonhard Goldwitzcr gefertigt; auf dem andern steht das zum Rathhaus gehörige thurmartige Gebäude mit einem Durchgangsbogen, unter welchem man über diese Brücke gelangt.. Das Rathhaus selbst, welches auf einer künstlichen Insel zwischen der obern und untern Brücke liegt, ist ein alles ziemlich morsches Gebäude in einem sehr gewöhnlichen Styl, dessen zweckmäßig eingerichtete Zimmer der Magistrat zu seinen Geschäften benutzt. Es entstand zwar schon fast zu gleicher Zeit mit der obern Brücke, in den Jahren 1455 — 67, wurde jedoch 7 744 — 56 förmlich umgebaut. Damals wurden auch die beiden langen Seiten dieses Gebäudes mit Frescogemäiden von Anwander geziert; eben so auch jener dazu gehörige Thurm, welcher außerdem mehrere, in einem höchst überladenen Styl ausgeführte Altane erhielt, und überhaupt nur wenig noch von seiner ältern Bauart bewahrte. Die Klosterkirche von Ebrach. — — Der Glaube truz zum Leben uns'rc Ahnen; Ein sichtbarer Gebank' der Ewigkeit. Will uns ihr Werk an ihre Größe mahnen; Dem Höchsten ist der hohe Bau geweiht. Sie schwangen im Triumph des Glaubens Fahnen Und wirkten gläubig für Unsterblichkeit; Die spätesten Geschlechter zu erheben. Sollt' ihrer Kirchen Pracht zum Himmel streben. ^iner der interessantesten Puncte auf dem Wege zwischen Würzburg und Bamberg ist unstreitig die Klosterkirche von Gbrach, welche nebst der schönen romantischen Umgebung eines fruchtbaren Thales Xro. 1 darstellt. Es war bereits im Jahr 1119, als 12 Cisterzienser-Mönche von dem französischen Kloster Morimonde im Steigerwalde, dem Gebiete der Dynasten von Ebrau, einwanderten. Diesen Ankömmlingen überließen bald nachher (1126) die Grundherren, Richwinus, Berno und ihre Schwester Ber- thrada, das Schloß Ebrach mit einem nicht unbedeutenden Grundbesitz zur Errichtung einer Abtei ihres Ordens, und legten auf diese Weise den ersten Anfang zu ihrer einstigen Größe. Zu gleicher Zeit gelangte sie durch die Verbindung derer von Ebrau mit dem hohenstaufischen Hause in die besondere Gunst des letzteren; insbesondere aber hielten sich König Konrad III., und seine Gemahlin Gertrudis oft und gern hier auf. Das Andenken an diese verschiedenen Beschützer und Wohlthäter des Klosters erhält noch gegenwärtig ein gemeinsames Monument, welches, nach den Zügen der Buchstaben zu urtheilen, aus dem vierzehnten Jahrhundert herrührt. Die zwei ersten Stifter von Ebrau, so wie auch König Konrad III. halten mit ihren Händen die Figur einer kleinen Kirche vor sich. Umher steht unter den einzelnen betreffenden Figuren: Hiell,v!nus. Iterno. !>!»»orum. Lertbi »lli». I Ilusuü. monasteri!. Ül>raccn5i5. MOXXVI Uebrigens wurde, weil der erste Bau des Münsters zu Ebrach im I. I 152 noch nicht vollendet war, König Konrad III. nach seinem am is. Februar d. I. erfolgten Tode im Dome zu Bamberg vor dem heil. Kunigunden-Altar beigesetzt, wie folgendes Gedicht des Ebrachcr Abtes, Peter XXVIII., vom Jahr IS59 angibt. Wer diese schrifft hört oder list, Der wiß, daß hie (Kloster Ebrach) begraben ist, Gertrud ein Römische Küngein, Bon thugent als ein spiegel rein, König Conrad vest recht als stael Was ihr Herr vnd ihr gemahel. Dieß Closter hat er erhaben, Vnd leit zu Bamberg begraben. Vor St Kunigund Altar leit er, Des will ich dich sürwar wolgwer. Dann es was dennoch nicht gemacht Diß Münster hie, vnd gantz vollbracht. Besondere Monumente sind außerdem dem Andenken der Königin Gertrudis frucht weit vom Hochaltare, mit einer Inschrift von 1269) und dem Herzoge Friedrich von Schwaben (mit einer Inschrift, welche wie die dargestellte Figur die Züge des fünfzehnten Jahrhunderts an sich trägt,) geweiht. Seitdem war diese Abtei in fortdauerndem Zunehmen begriffen, bis sie beim Ausbruche des hauptsächlich Franken heimsuchenden Bauernkrieges im Jahr 152S von den Aufrührern belagert, eingenommen, geplündert und theilweise verwüstet wurde. Kaum war hierauf der unter Abt Johann III. begonnene Neubau unter Hieronymus (st 1615) vollendet worden, so führte der dreißigjährige Krieg neue Unglücksfälle herbei; das Kloster verlor seinen Schatz, wurde verwüstet, mußte schwedische Besatzung einnehmen und außerdem noch bedeutende Contribution zahlen. Gleichwol war es dem noch bis zu seiner Aufhebung mit reichem Grundbesitz (8 Aemtern und 54 Ortschaften) ausgestatteten Kloster möglich, sich in den nächstfolgenden Zeiten wieder zu seinem früheren Wohlstande zu erheben, so daß sich der Abt Ludwig in den Stand gesetzt sah, im I. 1683 den letzten Neubau zu beginnen, welchen darauf Candidus Pfister und Baumann vollendete». Seitdem blieb das Gebäude im Wesentlichen unverändert; dagegen wurde das Innere der Kirche in der letzten Hälfte des vorige» Jahrhunderts mit neuer Stuccaturarbeit und starker Vergoldung auf eine verschwenderische Weise verziert, welche, so prachtvoll sie an sich ist, doch den Eindruck des alterthümlichen Gebäudes vielfach stört. Die sehr solid aus gelblichen Quadersteinen aufgeführte Kirche gehört dem dreizehnten Jahrhundert an. Ihr Bau währte von 1290 bis 128S. Sie hat in der Breite des Kreuzes 261 und in der Länge 294 Fuß, und ruht auf 39 starken Pfeilern. Noch hat sich aus der ältesten Zeit die ursprüngliche kleine Kirche unter dem Namen der Michaels-Kapelle erhalten; sie erscheint auf unserem Bilde als ein Seiten- oder Anbau der Hauptkirche. Ueberdieß enthält diese Kirche noch viele Monumente von solchen Gliedern gräflicher oder adlicher Familien, die sich während ihres Lebens als Wohlthäter gegen dieselbe bezeigt haben. Vroz>x!us hat sie zum Theil in Kupfer stechen und erläutern lassen, in: Zlonument» ««^»lelirsli» eecle»i»e rbi-scensis, Wirceburgi 175g. 6. Eins der merkwürdigsten ist das Se- pulchralmonument, worauf Konrad und Mathildis aus dem edlen Würzburgischen Geschlecht der --Zeuffel-- (Teufel) abgebildet sind, indem daher das Sprächwort entstanden ist: --Zu Kloster Ebrach liegt der Teufel und seine Mutter begraben.-- Eine andere Kuriosität ist, daß seitdem Sigfrid, der achtundzwanzigste Bischof von Würzburg, der von ihm besonders geliebten Kirche zu Ebrach sein Herz, als ein ewiges Zeichen seiner Gewogenheit, vermacht hatte, auch die Herzen aller folgenden Bischöfe (37 an der Zahl) von 1143 bis 1617, wo Bischof Julius Echter diesen Gebrauch abstellte, hier begraben wurden. Dabei fand folgende Anordnung Statt» Das Herz ward in einem Glase verwahrt, auf einem mit schwarzem Tuche behangenen Leichenwagen unter einer Begleitung zu Pferde nach Ebrach geführt; demjenigen aber, der es überbrachte, mußte das Kloster eine Laienpräbende geben, wogegen es Wagen und Pferde behielt. Gegenwärtig wird diese prachtvolle Kirche als Pfarrkirche für das Dorf Burgebrach verwandt, die klösterlichen Gebäue aber dienen theils zur Wohnung des Pfarrherrn, theils zu ökonomischen Zwecken. Die Ludwigstirücke )u Oamöerg. I?r«. 2 stellt die neue jsudwizsbrllcke dar, welche über das ursprüng- Uche 2Z0 Fuß breite Hauptflußbett der Regnitz führt, und die Stadt mit der Gärtnerei verbindet. Diese schöne Kettenbrücke, welche unter Bambergs vorzüglichste Bauwerke zu zählen ist, wurde nach dem Plan und unter der Leitung des königlich bayerischen Ingenieurs Franz Schierlinger 18'°/, innerhalb 18 Monaten errichtet, und kostete mehr als 58,000 fl. Ueber 2 massiven Stützmauern auf beiden Ufern erheben sich je 2 Pylonen (Pfeiler), nach der Zeichnung des Ritters Leo v. Klenze, jeder 24'/ Fuß hoch und mit einem dorischen Hauptgesims geschmückt, woran der Maurermeister Iahnleiter von Burgebrach die fleißige Steinhauerarbeit besorgte. Hinter den Pylonen sind die Anhaltsmauern, durch welche die Spannketten der Brücke in die Trefe gehen. 4 Ketten, welche die Brücke tragen, sind unten im Gewölbe dieser Mauern befestigt, und gehen natürlicher Weise über die Pylonen. Die Ketten bestehen aus verschiedenen Gliedern, deren jedes aus 4 Eisenschienen zusammengesetzt ist. Sie schweben frei und haben von dem einen Befestigungspunct bis zum andern die Länge von Z25 Fuß. Durch 246 Hängeschienen von verschiedener Länge, wovon immer Z aus einem Kettenwir- belblatte herabgehen, ist die Kettenbahn an die 4 Tragketten gehängt. Diese Hängschienen tragen auf den in Einschnitten an ihre untere Enden eingepaßten Sätteln wieder doppelte, 4 Zoll starke Eisenschienen, welche mit der Brückenbahn gleichlauftn und den 41 eichenen Tragschwellen zur Auflage dienen. Ueber dieselbe sind 7 Reihen Straßenträger gestreckt, und die Deckhölzer darauf gelegt. Die Fahrbahn mißt 216'/ Fuß. Das dazu verwendete Eisen, welches der Hammcrbesitzer Georg Ludwig Rexroth auf dem Hellhammer bei Aschaffenburg lieferte, beträgt an Gewicht 750 Ztr., das Holzwerk 1956 Ztr. Das ganze Gewicht der frei hängenden Brücke beträgt 2706 Ztr. Auf dem Platze der jetzigen Kettenbrücke, sowie auch etwas weiter oben, haben schon früher mehrere Brücken gestanden, deren Schicksal aber wegen Mangel an Nachrichten nicht vollständig anzugeben ist. Das erste Entstehen einer Brücke an diesem Orte ist wahrscheinlich in der Zeit zu suchen, in welcher die Gegend urbar gemacht wurde. Eine sehr haltbare und schöne Brücke von Holz soll unter dem Fürstbischof Friedrich v. Aufseß erbaut und nach ihm Aufseß- abgekürzt Seesbrücke genannt worden seyn. Verschiedene bedeutende Wiederherstellungen dieser Brücke lassen sich in den Jahren 1464, 1492, 1504, 1529 und 1SZZ nachweisen. 157Z wurde sie durch das große Wasser weggerissen, und eine Floßbrücke kam an ihre Stelle; 1594, 1595 und 1686 erbaute man sie wieder von Holz. Endlich wurde, da die hölzerne Brücke immer viel zu unterhalten kostete, 1752 unter der Regierung des Fürstbischofs Anton v. Frankenstein eine steinerne erbaut, welche aus drei Bogen bestand und mit Bildwerken, von Dietz in Stein gehauen, geziert war. Obwohl man glaubte, keine Stürme der Zeit und der Fluthen könnten diese Zierde Bambergs, welche über 90,000 fl. kostete, zerstören, so überwältigte sie doch das bekannte Hochwasser von 1784, und am 27. Febr. dieses Jahrs stürzte sie in das Flußbett. Auf ihren Trümmern wurden nunmehr steinerne Pfeiler und auf diesen eine hölzerne Hängbrücke aufgeführt; in einiger Entfernung aber flußaufwärts baute man eine zweite hölzern» Brücke. Beide verschwanden, als es 1809 Wiebeking unternahm, über dieses breite Flußbett eine Brücke aus einem einzigen Bogen zu führen, dessen Senne 215 Schuh maß. Im Mai 1809 wurde mit der Arbeit angefangen und dieselbe schon am 8. Decembel beendigt. So großartig die Idee, so schön die Ausführung war, so konnte doch das der Zerstörung so sehr unterworfen« Material keine lang» Dauer versprechen. Reibung und Fäulniß hoben nach wenigen Jahren die Spaunung auf, und stets waren kostspielige Reparaturen nothwendig, bis am Ende diese Brücke in einem so Übeln Zustande sich befand, daß sie 1826 ganz eingelegt werden mußte, worauf dann schon 2 Jahre nachher die jetzige Kettenbrücke vollendet da stand. Oer Oom von öamlicrg. Ehrwürd'geS Denkmal rlescnkräfl'ger Zeiten, Noch thronest du in hoher Majestät! Jahrhunderte sahst du oorüdcr schreiten. Und mancher Sturm hat deine Stirn' umweht. Des Donners Macht bricht sich an deinen Tbürmcn, Sie schauen ruhig aus den Wolken her: Denn deines Meisters Geist will dich beschirmen. Sein Riescnplan ist deiner Mauern Wehr; Mit Felsen wußt' er Felsen zu verbinden. Dem cw'gen Gott ein ew'gcs Haus »u gründen. ^?er vom von Samberg, unstreitig eins der vorzüglichsten und großartigsten Bauwerke im byzantinischen Styl, welche Deutschland aufzuweisen hat, prangt noch jetzo wie aus einem Gusse geschaffen fast ganz in seiner ursprünglichen Gestalt. Wir haben ihm daher auch außer der Abbildung im 6. Heft noch diese besondere Darstellung l>ro. Z gewidmet, und verbinden nunmehr beide in der hier folgenden Beschreibung und Geschichte. (Beschreibung.) (Das Aeußere.) Der Dom hat ein sehr langes Hauptschiff und zwei Abseiten, welche viel niedriger und halb so breit sind als das erstere. Die Länge beträgt ZZ5 Schuh 10 Zoll, die Breite 97 Schuh 7 Zoll. Die äußern aus glattbehauenen gelblichgrünen Sandsteinquadern bestehenden Mauern sind ganz einfach und massiv, haben kleine halbkreisrunde Fenster, keine Strebepfeiler und nur oben am Dachfriesen läuft die byzantinische Bogenverzierung und das gothische Band herum. An den beide» Enden des Hauptschiffes schließen sich zwei Chöre an, der Georgenchor gegen Morgen und der Peterschor gegen Abend. Jener zeigt sich bei dem ersten Zutritt zu dem Dome. Sein unteres Drittel hat glatte Mauern, und nur die Ecken seines Schlusses haben Pfeiler mit vorspringenden Säulen. In der zweiten Abtheilung sieht man halbkreisrund bedeckte, nicht hohe Fenster, ihre Ge- ^ wände sind mit vielen Gliedern verziert, und darüber zieht sich eine Gallerie von Säulen hin, welche mit halbkreisrunden Bögen bedeckt ist. Der Abendchor hat im Ganzen dieselbe Einrichtung, nur trägt er hohe Spitzbogenfenster in der zweiten Abtheilung, und in der dritten anstatt jenes Säulengangs kleinere Spitzbogenfenster. Diesen Chor umschließt zugleich auch noch das Querschiff der Kirche, welches gleiche Höhe mit dem Hauptschiff und zwei große schöne Radfenster hat. Unter dem Morgsnchore liegt eine große unterirdische auf herrlichen Säulen ruhende Kapelle (Krypta), in welcher noch im vorigen Jahrhundert am Charfreitaa und bei andern Trauerfeierlichkeiten Gottesdienst gehalten wurde; jetzt dient sie zur Aufbewahrung alter Kirchengeräthe. Dieser Chor ist außerdem noch auf der Außenseite mit einem, weit auf den Domplatz hinausreichenden, erhöhten Borbau oder Kranz umgeben, auf welchem man ehemals die Heiligthümer zeigte. Auf diesem, mit einer gothisch durchbrochenen Brustwehre umgebenen Vorbau, dicht an den Außenwänden des Chors stehen zwei große, unförmig in Stein gehauene Thiere, welche, wahrscheinlich in Bezug auf das Bamberger Landeswappen, Löwen vorstellen sollen. Die Hauptzierde des Doms sind dessen 4 Thürme, von denen je 2 sich neben den Chören erheben. Sie sind von viereckiger Gestalt, in mehrere Stockwerke abgetheilt, und tragen ganz den soliden Baucharakter des it. Jahrhunderts. Sie haben hohe, spitzige Dächer im gothischen Styl, welche früher mit Zinn belegt waren und I76K mit Kupfer gedeckt worden sind. Ihre Fensteröffnungen sind rundbdgig und nicht sehr hoch. In einem zierlicheren Styl sind die Hinteren Thürme am Peterschor gebaut, indem an ihren 4 Ecken Borlagen mit Säulen hervorspringen, welche Spitzbögen tragen, wodurch die Thürme von allen Seiten durchbrochen erscheinen, und somit ein sehr leichtes Ansehen gewinnen. Die Kirche hat 4 Haupteingänge, von welchen Z mit Bildhauerarbeit verziert sind. Am reichsten ist das Portal gegen Norden, die sogenannte Fürstenthüre, an der rechten Ab- seitd der Kirche, mit Stäben, Wandsäulen und Figuren ausgestattet; ein vorzügliches Werk byzantinischer Kunst. Oben im Halbrundbogen ist das jüngste Gericht als Füllung angebracht, und außenher an der Seite des Portals das Juden- und Christenthum dargestellt. Auf ersteres deutet eine, vom Volke gewöhnlich irrig die blinde Gerechtigkeit genannte Figur, mit verbundenen Augen, mit den Gesetztafeln und dem zerbrochenen Stäbe Mosis. Die beiden andern verzierten Eingänge ziehen sich unten durch die Thürme zu beiden Seiten des Georgenchors. Sie sind halbkreisrund bedeckt, und haben in ihrem obersten Bogen die Aickzackfigur. An der Pforte zur Linken stehen auf Säulen 6 in Stein gehauene lebensgroße Figuren, welche jedoch, den künstlichen Bedachungen nach zu urtheilen, aus späterer Zeit, als die Erbauung der Kirche zu seyn scheinen. Sie stelle» Kaiser Heinrich und Ku- nigunde, König Stephan, Adam und Eva, und St. Andreas oder Petrus vor. Die Pforte zur Rechten ist mit Säulen und oben mit einem Basre- relief, ganz im byzantinischen Style, verziert. — (Das Innere.) Eben so ausgezeichnet wie im Aeußern ist diese Kirche im Innern. 19 massive, viereckige Hauptpfeiler, S auf jeder Seite, tragen das majestätische Gewölbe des Schiffes, und zwischen jedem dieser Pfeiler stehen kleinere Pfeiler mit Spitzbögen verbunden, in der Höhe der Abseiten. Eine Menge mit manchen guten Gemälden gezierter Altäre und eine noch größere zum Theil vortrefflicher plastischer Arbeiten vom tl. bis zum 19. Jahrhundert erfüllen das Innere dieser Kirche nach allen Seiten und Richtungen. Besonders reich ist dieselbe an älteren und neueren, zum Theil sehr merkwürdigen Grabmälern der verschiedenen Bischöfe und Domherren BambergS. Unter allen aber verdient das Grabmal der Stifter dieser Kirche, Kaiser Heinrich U. und seiner Gemahlin Kunigunde, die größte Auszeichnung. Von dem ersten und zweiten Grabmal derselben, welche früher diese Kirche geziert, sind keine Spuren mehr übrig. Das zweite, welches der Bischof Eberhard um l l40 aus pari- schem Marmor hatte errichten lassen, schien dem Bischof Heinrich Groß von Trockau nicht schön genug. Er ließ daher das noch jetzt vorhandene durch den damals berühmten Würzburger Bildhauer Thielemann Ricmenschneider ausarbeiten, und I51Z im Schiff der Kirche vor dem Georgenchor aufstellen, von wo es der Fürstbischof Melchior Otto von Salzburg lk4l an den Eingang des Georgenchors versetzte. Es ist mit vielem Fleiße schön und zierlich aus weißem salzburger Marmor gearbeitet, und hat die Gestalt eines Sarges, auf dessen Deckel in ganzer Figur Kaiser Heinrich und Kunigunde in ihrem Ornate stark erhaben abgebildet sind. Die Basreliefs an den Seiten zeigen außer einem allegorischen Bilde, auf welchem ein Engel, in Begleitung eines zweiten, auf den Kaiser hindeutend, in einer zerbrochene» Wagschale einen Kelch und vier böse Geister wiegt, einzelne Scenen aus der Geschichte der beiden Heiligen; nämlich: wie Kaiserin Kunigunde, um ihre Unschuld zu beweisen, in Gegenwart ihres Gemahls und sechs anderer Personen auf glühenden Pflugschaaren geht, wie dieselbe, von ihren Hofleuten umgeben, die Ar- beitsleute aus einer Schale bezahlt, wie ferner Kaiser Heinrich durch den heiligen Benedikt im Kloster auf Monte Cassino vom Stein geheilt wird, und wie derselbe endlich bei seinem Sterben (am 14. Juli 1024) zu Grona in Sachsen von seiner Umgebung beweint wird. Unter den übrigen Grabmälern verdienen noch folgende eine besondere Erwähnung: Der vorzüglich seiner altitalienischen Bildhauerarbeit wegen sehr merkwürdige marmorne Sarkophag des zweiten Bischofs dieser Kirche, Suidger von Maiendorf, der als nachheriger Papst Clemens II. 1047 zu Pesaro starb und seiner Anordnung nach in der Domkirche begraben wurde (das älteste Monument dieser Kirche, ohne Zweifel in Rom verfertigt), das in der linken Abseite an der Seitenwand befindliche Monument des Fürstbischofs Valentin Voit v. Rineck (ch 1672), welcher in einer Nische stehend abgebildet ist (es ist von vortrefflichem Gusse und das ausgezeichnetste Kunstwerk dieser Art in dem Dom); das, neben dem Marmoraltar an der Seite der kleinern hintern Thüre befindliche, vortrefflich gegossene Grabmal des Fürstbischofs Franz Konrad v. Stadion v. I. 1655 (er ist in ganzer Figur im Chorkleide knieend dargestellt, sein Kopf ist vortrefflich behandelt, ebenso die technische Ausführung des Gusses?c.); ferner die Z von Peter Bischer sehr schön gearbeiteten Grabmäler des Fürstbischofs Heinrich III. v. Trockau von 1501, des Truchseßen Voit I. v. Pom- mersfelden von 1501 und des Fürstbischofs Georg Marschalks v. Ebnet von 1505. — Auch an den äußern Seitenwänden des Georgenchors gegen die Abseiten der Kirche hin sind in den Nischen und an den Pfeilern sehr ausgezeichnete Bildhauerarbeiten aus Stein angebracht, welche ganz im byzantinischen Style gedacht und herrlich ausgeführt sind. In den Nischen stehen immer zwei Figuren mit Spruchbändern. Die Reihe beginnt auf der linken Seite mit der Verkündigung der Maria mit den 12 Aposteln, und endigt mit den 12 Propheten und dem Erzengel Michael mit dem Drachen. Der neue Altar, welcher nach vollendeter Restauration des Doms vor den Georgenchor zu stehen kommen wird, soll diesen christlichen Cyklus noch mehr vervollständigen. Ueber dem Altar an dem Pfeiler rechts erblickt man die schön gearbeitete, jugendlich ideale Reiterstatue Königs Konrad III. (s-1152 zu Bamberg); über seinem Haupte ist ein schöner Baldachin im byzantinischen Style angebracht. Auch die äußern Seitenwände des Peters chors sind mit herrlichen Säulen und Nischen geziert. Die Säulen der Seitenwand links waren vergoldet, die Nischen mit Figuren von Heiligen mit Wasserfarben gemalt, welche beim Abreiben der Kirche zum Vorschein kamen; an der Seitenwand rechts fand man keine Spur von Malereien. Unter den Gemälden dieser Kirche sind mehrere schöne Altarblätter von Sandrart, Schönfeld, Merian ?c., so wie eine Folge von 16 Gemälden aus dem Leben des heiligen Georg von Jacob Aiegleu 1575 zc. Besonders anziehend ist (unten am Eingang in den Peterschor) ein sehr fleißig gemaltes Altarblatt in Burgkmaiers Geschmack, welches den Rosenkranz mit allen Heiligen vorstellt. — An der Kirche sind auch zwei Kapellen angebaut: die (nicht weiter bemerkenswerthe) St. Gertruden-, jetzige Antons-Kapelle, in welche man am Ende der linken Abseite gelangt, und die dem heiligen Andreas gewidmete Kapelle zum heiligen Nagel, welche ihren Eingang von dem linken Querschiff her hat, und früher zum Begräbnißplatz der Domherrn diente. Sie ist daher auch noch jetzo durch die vielen meistens aus Metall gegossenen Monumente der Domherren, weiche, mitunter in bloßen Umrissen, im geistlichen Ornat in Lebensgröße dargestellt sind, merkwürdig. Sie belaufen sich auf 64 und sind sämmtlich nebst 20 Wappen mit Grabinschriften in Metall und 12 aus Stein, an den Seitenwänden und Pfeilern eingemauert. Der Erbauer dieser Kapelle ist der Fürstbischof Anton v. Rotenhan. — Von dem ehemaligen bedeutenden Domschatz und den kostbaren Reliquien ist nur Weniges noch übrig. Besonders merkwürdig ist darunter ein aus Elfenbein, 19'X Pfund schweres, von einem griechischen Künstler gefertigtes Crucifix, welches gegenwärtig den im linken Querschiff befindlichen Mariä-Himmelfahrts-Altar ziert. Es ist ganz nach dem griechischen Typus geformt. Der Heiland trägt ein kleines Gewand, und seine beiden Füße sind nicht über, sondern neben einander angenagelt. Der König Heinrich II. soll 1008 dieses Kunstwerk der Domkirche geschenkt haben. Es hing sonst frei an einer Säule im Peterschor, und wurde 1507 und 1640 durch den Blitz sehr beschädigt; 1517 stellte es der Bildhauer Hans Nußbaum wieder her, und 1825 reparirte es Beyl, ein hiesiger Arbeiter in Bein. (Geschichte.) Es war im 1.1004, als Kaiser Heinrich II., derGrün» der des Bisthums Bamberg, den Grundstein zu diesem Dom legte. 1007 war er schon größtentheils vollendet, wurde aber erst im Mai 1012, bei einer sehr ansehnlichen Versammlung von geistlichen und weltlichen Regenten Deutschlands, von dem Patriarchen Johann von Aquileja zu Ehren der heiligen Maria, des heiligen Peter und Georg feierlich eingeweiht. Am Oster- samstage 1081 gerieth dieses Gebäude in Brand, doch der Wuth der Flammen trotzten die massiven Mauern und ihre zweckmäßige Verbindung mit einander, und nur der Hintere Theil mit dem Peterschor scheint nach dem jüngeren Baustyl, .den er verräth, sehr gelitten zu haben, und daher neu aufgeführt worden zu sein. Auch wurde der Gottesdienst in der wiederhergestellten Kirche .bald wieder von neuem fortgesetzt, wie darin gehaltene Kirchenfeste dies bezeugen. Es war Bischof Otto der Heilige, welcher 1110 die Kirche in ihrer ursprünglichen Pracht völlig wieder herstellen ließ, und es scheint, nach der Bauart zu urtheilen, daß die Hinteren Thürme mit dem Chor aus diesem Zeitalter herrühren, im stand sie wieder ganz vollendet da, und wurde von Bischof Otto noch einmal eingeweiht. Mehrere Jahrhunderte giengen nun vorüber, bis an ihr wieder bedeutende Veränderungen vorgenommen wurden. Größere Arbeiten an derselben mögen wohl 1274 stattgefunden haben, weil der Bischof Konrad v. Freisingen denjenigen, welche dazu beitrugen, einen Ablaß ertheilte. Unter der Regierung des Bischofs Georg v. Limburg fügte man 1507 außenher an dem Georgenchor den oben erwähnten Vorbau an, welcher, wie das daran befindliche Familienwappen zeigt, von einem Freiherrn von Redwitz herrührt. Auch wurde zu derselben Zeit die kleine Nische angebaut, unter welcher sonst die Reiterstatuen der 3 fränkischen Fürsten standen. Von 1543 bis zu Ende des 16. Jahrhunderts fanden noch manche Ausbesserungen und Veränderungen, besonders an den Thürmen, statt. Die Hauptveränderung aber erlitt die Kirche nach dem dreißigjährigen Kriege unter dem Fürstbischof Melchior Otto, der sie aus seinem Privatvcrmögen, wahrscheinlich unter der Leitung des Malers Joachim v. Sandrart, herstellen ließ. Wiewohl bereits 1630 die ganze Kirche etwas bunt mit Farbe» überstrichen worden war, so wurde sie jetzt nochmals übertüncht, und bekam zugleich mehrere Altäre, besonders jenen aus Erz gegossenen im Chor, welcher zu Forchheim gefertigt wurde. Nach dieser Hauptveränderung unterlag die Kirche erst i. 1. 1766 einer weiteren von Bedeutung im Innern und Aeußern. Nunmehr wurden nämlich die 4 großen Thürme ganz abgedeckt, und das oberste Stockwerk "im altfränkischen Styl", wie es in den Rechnungen heißt, wieder ergänzt. Der kleine fünfte, schön durchbrochene, Thurm, welcher sich sonst in der Mitte über dem Hauptschiffe befand, ward ganz eingelegt. Auch sollte im Innern fast Alles, und zwar in einem sehr tadelnswerthen Plane, verändert werden; zum Glücke unterblieb aber dieses Vorhaben. Doch schien es, als sollte die Kirche ihrem Schicksal nicht entrinnen: denn noch i. I. 1814 wurde sie im Innern angestrichen, und Manches darin errichtet, was nicht zum Baustyl derselben paßte. Aber der jetzige kunstliebendc König von Baiern, die wahre Bedeutung und Schönheit dieses Bauwerks vollkommen würdigend, verordnete durch ein Rescript vom 7. August 1828, daß man es so viel wie möglich in seinem reinen ursprüngliche» Styl wieder herstellen sollte, was denn auch unter der Leitung des Architecturmalers Rupprecht größtentheils schon geschehen ist. a s s a «. E» fireb» die Kunst da wahrlich nicht vergeben«, Wo die Natur in solcher Schöne prang», Und Blüthen haucht sie auf den Pfad des Leben«, Voll Duft und Glanj, wie sie da« Herz verlangt. Wenn auch in keinem Bilde da« zu finden, Was Berg und Flur dem Irunkncn Auge beut. Doch kann die Kunst mit Schönheit Kraft verbinden, Die das Gemüth gleich der Natur erfreut. Ist dieses Ziel, nach dem wir kühn gerungen. Nun hier erreich», dann ist das Bild gelungen! — assau — ehemals die Hauptstadt des Fürstbisthums gl. N., jetzt die Hauptstadt des Unter'donaukreises, der Sitz der k. b. Kreisregierung, eines Bischofs und Domkapitels und vieler andern untergeordneten Behörden—liegt in einem tiefen Thale, das, auf beiden Seiten von Gebirgen eingeschlossen, einen sehr malerischen Anblick gewährt, und besonders durch die sich hier vereinigenden bedeutenden Ströme, die Donau und den Jnn, welche noch einen dritten kleinern, die Jlz, brüderlich in sich aufnehmen, ungemcin belebt wird. Hier war es, wo die Römer bei ihrem Bordringen nach Deutschland im ersten Jahre n. Ch. G., am rechten Ufer des Jnn bereits eine Wohnstätte der Bojer, voj<«Iii»iui>, (die heutige Jnnstadt) vorfanden. Alsbald die günstige Lage dieses Thals zu größeren Unternehmungen erkennend, erbauten sie auf dem Hügel der Landspitze, welche sich zwischen beiden Flüssen bis zu ihrer Vereinigung hinzog, zur Station einer Kohorte batavischer Krieger, ein Kastell — Lastr» butsv». Bald siedelten sich auch Kolonisten unter dem Schutze der Mauern und Schanzen hier an, und die werdende Stadt führte fortwährend den Namen der Bataverstadt, v-»tavi», woraus nach und nach der deutsche Name Paßau entstand. Die Stadt Paßau besteht gegenwärtig aus der innern oder eigentlichen Stadt, und den Vorstädten: Jnnstadt (am jenseitigen Ufer des Jnn), Anger (am jenseitigen Ufer der Donau) und 2I;stadt (am Flüßchen Jlz, gleichfalls jenseits der Donau). Alle diese einzelnen Theile der Stadt Paßau läßt uns, freilich sehr zusammengedrängt und gleichsam nur im Profile, die Totalansicht !>v, 2. (in einer Nachmittags-Beleuchtung) überschauen. Der Standpunkt derselben befindet sich am rechten Jnnufer etwa eine kleine halbe Stunde von der Jnnstadt auf dem Wege nach der österreichischen Mauth, einer Lieblingspromenade der Einwohner von Paßau. Besonders imposant ist von hier der Rückblick auf die innere Stadt, die mit ihren schönen Kirchen, hohen Thürmen und vielen ansehnlichen Gebäuden auf der glänzenden Wasserfläche der sich hier vereinigenden Flüsse, wie ein majestätisches Schiff daher zu schwimmen scheint. Sie bildet in ihrer ganzen Ausdehnung von Westen nach Osten ein Dreieck, dessen Spitze, --Ort" genannt, den Punkt einnimmt, wo die nur langsam und schwach daher fließende Donau sich mit dem weil stärkern Jnn vereinigt, der mit reißendem Laufe daherströmend, durch seine Vereinigung der Donau erst jenes Ansehen eines Hauptstromes von Deutschland verleiht, und daher auch wol eher als die Donau verdient hätte, seinen Namen forthin zum gemeinsamen zu erheben. Die Basis jenes Dreiecks, die sich in gerader Linie von dem Jnn zur Donau an der Westseite hinzieht, und somit die größte Breite der Stadt darbietet, beträgt Lic> Schritte, seine Höhe oder die Längen-Ausdehnung der Stadt lyoo Schritte. Fast in der Mitte der Stadt und in der erhabensten Gegend derselben,— einem größtentheils auf Felsen angeschwemmten Hügel, der sich nach dem Jnn hin ziemlich steil herabsenkt, nach allen andern Seiten aber allmählig sich verliert, — ragt die, dem Schutzheiligen des Bisthums, dem Erzmärtyrer Stephan geweihte, vomkirche empor, ein ansehnliches, von Quadersteinen sehr solid aufgeführtes Gebäude, welches seine gegenwärtige Gestalt dem Kardinal Joh. Phil. Graf von Lamberg verdankt, der sie während seiner Regierung als Bischof von Passau (tftLY-1712) aus der fast gänzlichen Zerstörung, in welche sie die Einäscherung der Stadt im Jahre 1662 und der zweite fast gleich furchtbare Brand im Jahre i6«o versetzt hatte, mit seltener Pracht, besonders im Innern, im italienischen Style wieder herstellen ließ. Der hohe Kuppelthurm auf der Hinter- sowie die zwei massiven viereckigen Thürme nebst dem Hauptportale auf der Vorderseite geben dieser Kirche ein stattliches Ansehen. Nur der Chor, das untere Mauerwerk des Kuppelthurms und ein Kreuzgang sind noch Ueberreste des älteren Doms, welcher von dem Bischof Georg v. Ho- henlohe und seinem Nachfolger Leonh. v. Layming von lll07 bis l«5o mit großen Kosten im gothischen Styl erbaut wurde. Die Anlagen des Innern, besonders die des Chors, sind eben so großartig als prachtvoll. Die Länge der Kirche beträgt 7o Klafter, die Breite ohne die Seitenaltäre ly; die Höhe mißt ZI Klafter. Die Decke im Innern ist mit einem Alfresco- Gemälde von einem italienischen Meister geziert, und nimmt sich bei der außerordentlichen Höhe des Gewölbes, welches von zwei Reihen Pfeilern getragen wird, sehr gut aus; dagegen sind die Altargemälde größtentheils sehr mittelmäßig. Alle Arten von Verzierungen sind übrigens fast bis zur Ueberladung angebracht; selbst das Pflaster der Kirche besteht aus schönen Marmorplatten. — Zunächst dem Dom in l>ro. 2, in !>>><,. «, so wie in der Wirklichkeit, weiter zurück, liegt die stattliche Michaels-, jetzt Studien. Kirche, welche durch einen Gang mit dem weitläuftigen Jesuiten Kollegium in Verbindung steht. Beide Gebäude wurden gleichfalls unter und durch Bischof Lamberg aus ihrer Zerstörung wieder hergestellt. In letzterem befinden sich gegenwärtig sowohl die deutschen Knaben- und männlichen Feiertagsschulen, als auch eine Zeichnungsanstalt und die lateinischen Gymnastalklassen. Auch versammelt sich hier der musikalische Verein, und endlich wurde seit Ostern tSZll ein protestantischer Betsaal, der erste in Paßau, daselbst eingerichtet. — Die in l>ro. 2. zwischen den beiden Thürmen der Michaelskirche hervorblickende Thurmspitze bezeichnet die seit 180z aufgehobene Franziskanerkirche, erbaut I5L7, welche in iVro. I sammt dem Kloster am rechten Rande des Bildes deutlicher hervortritt.—In lVro.2 in ziemlicher Entfernung rechts, in ysr«. l hingegen ganz nahe bei der Domkirche links, liegt die einfach erbaute Stadt- Pfarrkirche zu St. Paul, zu welcher man vom Neumarkte aus, einem neuern Theile der Stadt, auf einer hohen steinernen Treppe gelangt, die vor dem Borplatze als Terrasse endigt. — Fast ganz auf der Spitze der Halbinsel liegt das uralte Frauenstift Ni-d-rnburg, welches an den beiden kurzen Spitz-Thürmen kenntlich ist. Die Entstehung desselben ist folgende. Die Avaren, ein wildes Nomadenvolk, hatten nach wiederholten Einfällen das schon vön den Römern erbaute glänzende Lauriacum (Lorch) gänzlich zerstört. Der dortige Erzbischof Vivilo flüchtete nun im Jahre 7Z? mit der ganzen Geistlichkeit und den Gott - geweihten Jungfrauen nach Paßau, wo sie unter dem frommen baierischen Herzoge Odilo Schutz und gütige Behandlung fanden. Letztere sollen zuerst das am linken Donauufer liegende, uralte Schloß Niederhaus bewohnt haben, bis für sie bereits im Jahre 772 das Frauenkloster Niedernburg als eine königlich fränkische Abtei gegründet wurde, welche indeß schon im Laufe des tc>. Jahrhunderts von König Otto III. dem Bischof Pili- grin und dem Hochstifte mit allen dazu gehörigen Gütern als Eigenthum geschenkt wurde. Dieß hinderte gleichwol nicht, daß Niedernburg auch noch in der Folge großes Besitzthum und wichtige Vorrechte erwarb, auf den Paßaui- schen Landtagen abstimmte, und überhaupt mit Recht zu den ansehnlichsten Stiftern gezählt ward. Unter der Aebtissin Kunigunde von Buchberg (chibyll) wurde das alte Kloster erweitert, und für die Kanzleien ein eignes Gebäude aufgeführt. Aber der schreckliche Brand im Jahre lbbz zerstörte auch alle diese Gebäulichkeiten gänzlich. DaS späterhin wieder aufgeführte geräumige Frauenkloster dient gegenwärtig zum Lokal der weiblichen Werk- und Feiertagsschulen so wie einer Industrieschule. Auch befindet sich die vor einigen Jahren errichtete Correctionsanstalt daselbst. Die Kirche aber ist leider größtenteils zerstört, und ein Theil derselben ist schon in den letzten Kriegsjahren von den Franzosen, die eine große Bäckerei für das Militär hier errichteten, demolirt worden. Ein byzantinisches Portal nebst einem Kreuzgang, beide wol aus dem 10. Jahrhundert, find die einzigen Ueberreste des früheren Klostergebäudes» Noch weitere bemerkenswcrthe Punkte in Bezug auf die eigentliche Stadt Passau bietet uns vorzugsweise IVro, dar, welches zunächst ober- und unterhalb der Jnnbrücke eine dicht gedrängte Reihe schöner und geschmackvoller Häuser darstellt, die uns durch die eigenthümliche Form ihres Dachwerks (Stirnmauern mit Schindeldächern) unwillkürlich an Italien erinnern. Die dicht belaubten Bäume, welche sich links bis zur Brücke hinziehen, bezeichnen die sogenannte Promenade, es ist dies ein schöner, von hohen Kastanienbäumen beschatteter Weg, welcher von dem Bischof Jos. Franz Graf von Auersberg (regierte von I7LZ— l7Y5) angelegt wurde, und in neuerer Zeit dadurch noch besonders gewonnen hat, daß man von da im Jahre 1816 durch den sogenannten fünfeckigen Thurm einen Durchgang nach den Lindenalleen in der Borstadt St. Nikola eröffnete. Aber nicht bloß für eine angenehme Promenade sorgte jener liberale Fürst) er ließ auch gleich hinter demselben mit großem Kostenaufwande ein artiges Schauspielhaus (in Gestalt eines länglichen Vierecks) aufführen, welches zwei Gallerten hat, und bequem Soo Menschen faßt. Der zunächst an die Jnnbrücke stoßende und auf unserm Bilde iXro.ll sichtbare Theil desselben enthält eine Lesegesellschaft nebst Traiteurie und Kaffeewirthschaft und einen ziemlich geräumigen Redoutensaal. Es ist in unserem Bilde das niedrigste von den die Promenade begränzenden Gebäuden. — Gleich daneben erhebt sich, mit der Fronte nach der Seite des Doms zugekehrt, das Nczic- rungszcböudc oder sogenannte Oi k astcri-I h au s. Diesem benachbart am Residenzplatze liegt die bischöfliche Residenz, welche von Bischof Leopold Ernst Graf v. Firmian Kardinal (regierte von 17SZ —17Y5) mit fürstlicher Pracht aufgeführt wurde. Den Eingang derselben zieren vom Platze aus zwei große marmorne Portale, und eine prächtige Marmortreppe führt in die freundlichen und geschmackvoll verzierten Gemächer. — Die beiden großen Gebäude zunächst links der Domkirche bezeichnen die Wohnung des Ncgierungspriisi- deuten und das Nentamtsgebäude. Beide liegen mit der Fronte nach dem Parade- oder Domplatze zu, einem Vierecke, das von drei Seiten mit schönen Gebäuden umgeben ist, und dessen östliche Seite die in einem grandiosen Styl erbaute Fayade der Domkirche einnimmt. Der mit einer sanften Senkung gegen Westen versehene Platz, welcher gegenwärtig hauptsächlich zu militärischen Paraden dient (daher auch sein neuer Name: Paradeplatz), hat I7ä Schritte in der Länge und 72 in der Breite. Die Mitte desselben ziert die schöne kolossale Bronze-Slawe Maximilian Josephs. Beinahe sämmtliche Gebäude, welche diesen Platz umschließen, waren ehemals von Domherren bewohnt; woher auch der ältere Name desselben: Domherrenplatz herrührt, der indeß nur selten noch gehört wird. Das könizl. Pastamtszebäude, welches gerade der Fronte des Doms gegenüber liegt, ist noch besonders dadurch merkwürdig, daß hier im Jahre 1552 der berühmte Paßauer Vertrag abgeschlossen wurde, wie noch jetzo eine Inschrift an der Vorderseite des Gebäudes bezeugt. — Von den beiden sehr massiven Gebäuden am entgegengesetzten Ende unsers Bildes stellt das eine die Lra h nfcste, ein Stadtgefängniß, vor, das andere die Oo- naukascrne. Aeltere Gebäude, ja auch nur Ueberreste derselben, finden sich außer den wenigen angegebenen fast keine mehr in Passau, was wir hauptsächlich den häufigen furchtbaren Bränden zu verdanken haben. Nur hier und da erblickt man noch alte Thürme und Ueberreste der alten Stadtmauern, welche indeß kein weiteres geschichtliches oder architektonisches Interesse darbieten. Einige Erwähnung verdient indeß in dieser Beziehung das (auf unserm Bilde nirgends sichtbare) Rathhaus, welches, ungeachtet vieler und bedeutender Veränderungen, gleichwol besonders durch seine Fenster, seine Thüren und seinen zierlich gewölbten Eingang an den Baustyl des 15. Jahrhunderts erinnert.— Die Straßen der Stadt sind gut gepflastert, reinlich und zum Theil, wie namentlich die durch die ganze Länge der Stadt ziehende Hauptstraße, ziemlich breit. Die Straßen, welche nach der Donauseite hinuntergehen, sind schmal, und da sie an den oben schon erwähnten Hügelrücken anlehnen, sehr abhängig; welches auch die Ursache ist, daß sowol auf der Donau- als der Jnn-Ansicht (i>ro. I u. ?lro. n) selbst die Kirchen und höheren Gebäude auf der entgegengesetzten Seite nicht sichtbar sind. Wir verlassen nun die innere Stadt, und wenden uns links der 2nn- drucke zu, um über dieselbe zur Jnnstadt (Mro. 2.) zu gelangen. Diese Brücke, welche des Eises und Hochwassers wegen in einer Krümmung erbaut ist, hat in der'Länge zao Schritte, und ist auf 12 Pfeiler oder Joche gestützt. Sie wurde im Jahr UM, mithin fast in demselben Zeitraume wie die Regensburger Brücke, errichtet, und wird, wenn auch nicht in dem nämlichen Grade wie diese, als ein merkwürdiges Bauwerk des Mittelalters bettachtet. Aus dieser Zeit rühren übrigens nur jene Pfeiler her, auf welchen vermittelst hölzerner Kammern die eigentliche Brücke ruht. Nahe an der Brücke befinden sich Schiffmühlen, die schon viele Jahrhunderte an Ort und Stelle sind. — Ein Thurm mit einem Bogen, worin einst Gefängnisse waren, führt in die Jnnstadt, von der wir, da sie in unserm Bilde ganz in dunkler Ferne liegt, hier nur eine allgemeine Schilderung ohne bestimmte Beziehung auf die bildliche Darstellung geben können. Rechts an jenem Thurme begegnen wir zunächst der neuen St. Gertraud-Kirche; die ältere wurde, bis auf ein schönes Altarblatt, die Geburt Christi vorstellend, mit dem größten Theile der Jnnstadt, im Jahre iflttz, gleichfalls ein Raub der Flammen. Der Kirche gegenüber fängt die Lederergasse an, welche ehedem von vielen Lederern bewohnt wurde, und daher noch heute diesen Namen führt. Durch diese, welch« sich von der Kirche an bis zum Ende der Jnnstadt gegen Westen erstreckt, kommt man zum Sevcrinthor, das einen Thurm, vordem der Bcichtigcrlhurm genannt, hat, welcher im Jahre illill in it» Wochen aufgeführt wurde. Einige Schritte vor demselben liegt an dem Gestade des Jnn die altehrwürdige Scvcrin-Kirche, von dem Kirchhofe der Einwohner der Jnnstadt umgeben. Hier ist die denkwürdige Stelle, wo im 5. Jahrhundert der h. S-»e- rin sich und seinen Schülern ein kleines Kloster erbaut habe» soll, an dessen Stelle in der Folg- die ihm zu Ehren seinen Namen führende Severinskirche erbaut wurde. So alt dieselbe auch sein mag, so ist es doch mehr als zweifelhaft, daß es, wie behauptet wird, dieselben Mauern seien, welche einst von dem Heiligen, seinen Freunden und Schülern bewohnt worden sind. Als Weihwasserkessel befindet sich übrigens in dieser Kirche ein römisches Denkmal mit einer Inschrift. — In der Mitte des ziemlich hohen Berges, an dessen Fuße die Jnnstadt zum Theile sich hinzieht, liegt das nunmehr seit IMZ aufgehobene Sapuzinerklostcr. Die Kirche, sowie der größte Theil des Klosters, welche im Jahre 1610 von einem Grafen von Sinzendorf erbaut und gestiftet worden, sind bereits Ruinen, und nur den gegen Osten liegenden Flügel benutzt man seit löoy als Aufbewahrungsort für Wahnsinnige. — Ganz oben auf der Bergeshöhe, welche über die Stadt und ganze Umgegend einen überaus schönen Anblick gewährt, steht die berühmte Wallfahrtskirche Maria-Hilf, wohin von dem Kapuzinerthor an eine bedeckte Stiege mit 26t! Stufen emporführt. Der Bischof Erzherzog Leopold von Oesterreich war es, der hier in Folge einer wunderbaren Erscheinung im Jahre 1622 eine kleine Kapelle erbaute, und in dieselbe ein auf Holz gemaltes Marienbild mit dem Jesuskinde auf dem Arme, ein Geschenk des Kurfürsten Georg von Sachsen, stiftete. Einige Jahre später ließ er die Kirche nebst einem ansehnlichen Nebengebäude für die dieselbe besorgenden Kapuziner erbauen. Diese Kirche erhielt bald einen solchen Ruhm, selbst im fernsten Auslande, daß von allen Gegenden andächtige Waller herbeiströmten, welche das heil. Abendmahl dort empfingen und den Kirchenschatz durch unermeßliche Geschenke vergrößerten. Für die Gewerbe überhaupt, besonders in der Jnnstadt, entstand hieraus eine reichliche Quelle des Gewinns, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Abnahme der Wallfahrten nächst der Aufhebung der Klöster auf das Sinken der Gewerbe in der Stadt Paßau sehr bedeutend eingewirkt hat. Gleichwol birgt die Kapelle noch immer einen unermeßlichen Reichthum. Man sieht hier silberne Arme, Beine und dergl. in Masse, und ganz neuerdings wurde der Hochaltar mit großen stark übersilberten Säulen, vergoldeten Kapitalen und schweren silbernen Leuchtern, wovon einer 6oo Gulden kostete, geschmückt. Von der Kirche aus führt die Hauptstraße auf einem angenehmen Wege den Berg hinunter in die Jnnstadt zurück. Wir wandern jetzt der Oonaubriicke zu, um auch die jenseits dieses Flusses gelegenen Stadttheile Anger und Jlzstadt (5sr<>. 2 und Z) näher kennen zu lernen. Diese 677 Fuß lange Brücke, welche früher ganz von Holz aufgeführt war, und daher fast alljährlich von dem heftigen Eisgange wenigstens theilweise zerstört ward, wurde deßhalb in den Jahren lölS—I82Z auf 7 Granitpfeilern errichtet, welche man neuerdings nochmals erhöhte, und mit einer solideren Holzüberdeckung versah. Von der Brücke aus gelangen wir unmittelbar rechts (s>ro. il.) zu einer Reihe von etwa Z7 meist kleinen und unansehnlichen Häusern, welche sich gegenwärtig ganz nahe am linken Donauufer, dem Reumarkte gegenüber, befinden, und, weil sich ehedem vor denselben ein Anger zum Ufer hinabzog, der aber durch die Gewalt des Wassers, besonders bei starken Eisgängen, nach und nach sortgeschwemmt wurde, noch jetzo den Namen Anger führen. Der größere Theil der Einwohner besteht aus Fischern und Schiffern. Der steile Berg, an dessem Fuße Anger liegt, ist mit Gärten angebaut, und in früheren Zeiten auch mit Reben bepflanzt gewesen. Besonders bemerkenswerth ist hier der sogenannte Park mit schönen schattigen Spaziergängen, der sich von Eggendobel an, einem dicht hinter den großen Bäumen links auf der Anhöhe (in l>ro. a) liegenden Schlößchen und sehr besuchtem Gasthofe, eine halbe Stunde weit den Berg hinaufzieht, und mit dem gegen die Stadt hin auf der Höhe liegenden stattlichen Schlosse Freudenheim schließt. Gegen Osten neben dem breiten Fahrwege längs des Donaugestades, zieht sich der sogenannte Hol? garten hin, längs welchem das Brennholz aufgeschichtet ist, welches im Frühlinge auf dem Jlzflusse, oft tScxzo Klafter an der Zahl, hieher geflößt wird. (Auch an dem untern Donaugestade, auf der Seite von Eggendobcl sieht man in unserm Bilde dergleichen Flößholz aufgestellt). — Am Ende des Holzgartens steht das alte Schloß Uiederhaus, welches gegenwärtig durch künstliche Fortisicationswerke mit der auf der Spitze des Berges liegenden Festung in Verbindung steht. Zwar ist es ungewiß, wann das Schloß Rie- derhaus erbaut worden ist; daß es indeß schon in den ältesten Zeiten vorhan- handen war, läßt uns die bereits erwähnte Sage von den im Jahre 7Z7 hierher geflüchteten Kloster-Jungfrauen aus Lorch vermuthen. Späterhin diente es, sowie das Oberhaus, bei den sich ewig wiederholenden Fehden der Bischöfe mit den Bürgern zur sichern Iufluchts- und Vertheidigungsstätte der ersteren. Aus der Beschreibung, welche der bekannte Geheimschreiber K. Friedrich 11. Aeneas Sylvius, nachmaliger Pabst Pius II., von der Lage und Einrichtung dieses Gebäudes im IS. Jahrhundert macht, ersieht man, wie stattlich dasselbe damals beschaffen gewesen sein muß. „Gewölbte Zimmer, mehrere Säle und Betten, zum Empfang eines Königs bereit, erregten meine ganze Bewunderung." Hier wurden auch in alter Zeit die paßauischen Landtage gehalten, auf welchen die Bischöfe mit dem Kapitel bei wichtigen Angelegenheiten des Landes die Edelleute, die zu Paßau gehörigen Prälaten, die Aebtissin des Frauenstiftes Niedernburg nebst einem Ausschusse der Bürgerschaft zu unbestimmten Zeiten um sich versammelten. Sie hörten auf, als am Ende des 17. Jahrhunderts die vielen Güter der alten Familien an das Hochstift gekauft wurden. Seiner großen Feuchtigkeit wegen ist dieses ansehnliche Gebäude schon seit längerer Zeit nicht mehr bewohnt. Die Felsen, auf denen das Niederhaus steht, und die mit dem Berge des Oberhauses zusammenhängen, ließen zwei Fürstbischöfe neuerer Zeit (reg. in den Jahren I?6t—l?8Z) durchgraben, und zur ungehinderten Communication zu Lande zwischen der Stadt, dem Oberhause und dem ganzen Jlzthale eine fahrbare Straße hier anlegen. Treten wir nun durch diesen staunenswerthen Felsendurchbruch, so ändert sich plötzlich die Scene (s>r<>. z.); die eigentliche Stadt Paßau verschwindet, die ruhige dunkelbraune Jlz fließt einige Schritte vor unsern Blicken in die Donau, und am jenseitigen Gestade derselben stehen die kleinen unansehnlichen Gebäude der Zl stobt, wohin weiter oberhalb eine (auf unserm Bilde nicht mehr sichtbare) solide Brücke führt. Noch liegt am diesseitigen Ufer der Jlz, dicht am Fuße des Oberhausberges, die nunmehr in ein Privatmagazin verwandelte Kirche St. Soloator mit dem daranstoßenden Prvbsteigebäude. Sie wurde im Jahre ia?y von dem Bischof Ulrich von Nußdorf zu erbauen angefangen (voll, erst 1U8Z), nachdem er vorher die an derselben Stelle befindliche jüdische Synagoge hatte abreißen und sämmtliche Juden aus Paßau vertreiben lassen, weil sich einige derselben zu Jlzstadt des Verbrechens der Hostienmißhandlung schuldig gemacht hatten, wie man denn noch heute in der Jlzstadt das Messer, den Stein und die Pfrieme zeigt, welche ihnen als Werkzeuge dazu dienten. Die gegenwärtige Verödung dieser Kirche ist für die Einwohner der ohnehin gewerblosen Jlzstadt ein großer Verlust, indem früher jährlich um Michaeliszeit viele Tausende von Menschen zur Andacht hierher wanderten, und den Geldumlauf bedeutend beförderten, während sich jetzo die Einwohner ziemlich kümmerlich vom Schiffbau nähren. Die Zeit der Entstehung der Jlzstadt ist unbekannt, aber wahrscheinlich ist es, daß sich schon bei Erbauung des Niederhauses Leute hier ansiedelten, um unter dem Schutze desselben Fischerei und Handel zu treiben. Schon seit dem Anfange des 12. Jahrhunderts zog es eben dadurch auch die Aufmerksamkeit der Jude» auf sich, welche sich zu verschiedenen Malen anderwärts verfolgt, hier niederließen, von wo sie indeß bei der eben erwähnten Veranlassung im Jahre 1»7ö gleichfalls vertrieben wurden; worauf sich späterhin keine Spuren weiterer Ansässigmachung mehr finden. Die Jlzstadt zählt etwa l2Y meistens kleine Häuser, welche beinahe sämmtlich in zwei Reihen an der Jlz und am AbHange eines Berges angebaut sind, und somit nur eine einzige Straße bilden, welche die Mittelstraße heißt, und so enge ist, daß an einigen Stellen das Ausweichen beladener Wagen sehr erschwert ist. Beinahe in der Mitte der Stadt führt eine steinerne Treppe ziemlich hoch zu der (nicht mehr sichtbaren) Pfarrkirche St. L-irtholomäus, einem alten Gebäude, dessen Boden mit vielen Grabsteinen, zum Theil aus dem >Z. Jahrhundert, bedeckt ist. Sie ist von einem Kirchhofe umgeben, dessen Mauer sich die Bürger in ihren Fehden mit den Bischöfen, besonders mit Bischof Albrecht III. (reg. von 1Z62 —1ZS0) und Bischof Georg Hasler (reg. von 1»?9—IUS2) als eines Bollwerkes gegen das Schloß Oberhaus bedienten. Die Bürger hatten hier unter dem letztgenannten Bischof mehrere große Stücke aufgeführt, womit sie zentnerschwere steinerne Kugeln auf das Niederhaus schössen, und dasselbe auch stark beschädigten. — Unweit der Kirche steht eine kleine Kapelle, welche zwei Brüder, wovon der eine Pfarrer zu Jlz und der andere Jlzrichter war, im Jahre lSI2 erbauten. Weiter oben liegt das Kloster- oder Frauengütchen, welches eine sehr schöne Aussicht auf Paßau und die drei Flüsse darbietet. — Wir steigen jetzo zum Schlosse Oberhaus empor. Auf dem kürzesten Weg dahin führt vom Anger aus eine steinerne Treppe durch eine enge Bergschlucht, welche ein von der Höhe stürzendes Bächlein zum angenehmen Spaziergang macht. Doch kann man auch auf breiter Straße über den Holzgarten und auf einem bei der Salvatorskirche und Jlzbrücke vorbeiführenden Fahrwege dahin gelangen. Die Schicksale dieses Bergschlosses, das in neuester Zeit zu einer bedeutenden Festung hergestellt wurde, sind denkwürdig. B. Ulrich II., Graf von Diessen, war es, der auf dem hoch über die ganze Gegend gebietenden Felsberge, wo schon aus früherer Zeit dem heil. Georg zu Ehren ein Kirchlein stand, das dem Frauenstifte Niedern- burg angehörte, in den I. 12IS — 1Y mehr zu seinem und seiner Nachfolger Schutz gegen die Bürger der Stadt, als um die letztere gegen äußere Feinde zu schirmen, ein Schloß mit Mauern umgeben, und durch Thürme und feste Thore gesichert, aufführen ließ. Ein Schloßhauptmann, der zugleich Landrichter auf dem Oberhaus war, wurde als Commandant bestellt. Bald nach Ulrichs Tode in Palästina lehrte die Erfahrung den großen Werth dieses Schlosses kennen. Denn als unter B. Bernhard im I. 12Y8 die bürgerlichen Unruhen ausbrachen, und lang unterdrückter geheimer Groll gegen die fürstbischöfliche Oberherrschaft zur offnen Fehde ward, da flüchtete sich der Bischof mit der Geistlichkeit hinter die festen Schutzwehren des Oberhauses; die Bürger der Jlzstadt und des Landes tapferste Ritter, sowie der Graf zu Hals, der die Marschallwürde zu Passau trug, kamen ihm zu Hilfe. Großes Elend herrschte seitdem in den Straßen der inneren Stadt, wohin der Bischof Feuerbrände und große steinerne Kugeln werfen ließ. Im I. IZ6? kam es zu noch heftigeren Auftritten, und das Schloß Oberhaus, welches B. Gottfried von Weis- seneck im I. IZllZ mit dem Niederhause in Verbindung gesetzt hatte, mußte eine förmliche Belagerung aushalten, was sich in der Folge noch öfter ereignete. Der Bischof Christoph Schachner (reg. von laflo—1500), einbaulustiger Herr, verschönerte die Wohnzimmer des Schlosses und erweiterte den sogenannten Rittersaal. Die Bischöfe wohnten lieber in dieser Burg, als in der Residenz der Stadt. Späterhin wurden daselbst angenehme Gärten angelegt und noch vieles Geld zur Aufführung neuer Gebäude verwendet. Die Schloßkapelle ließ Bischof Urban von Trcnnbach i. I. 1586 in ihrer gegenwärtigen Form herstellen. Am meisten aber verwendete der Kardinal Joh. Phil. Lamberg (reg. 168Y—1712) auf die Vergrößerung der Festungsswerke, sowie er überhaupt dieses Fort nach den neueren Grundsätzen in besseren Vertheidigungszustand setzen ließ. Er legte unter andern das sogenannte Philippswerk an, womit mehrere andere Bauten in Verbindung standen. Das sogenannte neue Werk, wo die Feuer- lärm-Kanonen gelöset werden, wurde erst später errichtet. Seit dem I. I806 hat das Schloß Oberhaus manche Erweiterung und Veränderung und überhaupt erst wahre militärische Bedeutung erhalten. In Friedenszeiten befinden sich hier stets IZ0 Mann nebst dem commandirten Major, welcher ausser den Festungswerken auch die Militärarrestanten, etwa Z0 an der Zahl, sowie einige stets daselbst befindliche Staatsgefangene, zu überwachen hat. Der Fremde versäume nicht, sich von demselben die Erlaubniß zum Besuch der äusserenj Werke zu verschaffen. Wie ein Panorama liegt von denselben, und zwar besonders vom Neuwerke aus Paßau, mit seinen Straßen, Kirchen und übrigen Gebäuden, enge umschlungen von den beiden Strömen, der Donau und dem Jnn, ausgebreitet in der Tiefe des freundlichen Thales. LU ü n e h e n. Wie einst Athen im schönen Griechenlantc Die Kunst in höchster Blüthe prangen sah. So steht nun München an der Jsar Strande Durch seiner Künstler Hand verherrlicht da; Was sie hier schuf in innigem Verbände, Wird lau» und hoch gepriesen fern und nah. Und jeder wiu die hcil'ge Statte schauen. Wo stch die Musen selbst den Sitz erbauen. München — die Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Baicrn — liegt in einer großen und wenig fruchtbaren Ebene an der Jsar, gegen Osten und Westen von zwei mäßigen Anhöhe» begränzt, welche, — die eine, der Gasteigberg, 8V Fuß hoch, die andere, der Galgenberg, weit über die Hälfte niedriger, — in der Entfernung von ungefähr einer halben Stunde beinahe in paralleler Richtung hinlaufen, und die ehemalige» Ufer jenes wilden Gebirg- stromes gebildet zu haben scheinen. Der beßte Standpunct für die Ansicht von München ist unstreitig der östliche Gränzrand der Jsar, der sogenannte Gasteigberg. Rauschend strömt hier dieser Fluß zu des Beschauers Füßen, während sich jenseits desselben die Stadt mit ihren weitläuftigen Vorstädten ausbreitet; in weiter Ferne zieht sich westlich die Fläche des Dachauer Mooses hin; im Süden schaut die hohe Gebirgswand des baierischen Hochlands und Tirols mit schneeigem Gipfel in feierlichem Ernste herüber, malerisch schön in der Vergoldung des frühen Morgenlichts, wie der späten Abendsonne; nach Norden zu endlich verliert sich das Auge in das freundliche Grün des großen englischen Gartens, aus dem hier und da die durchfluthenden Jsararme Herausblicken. Auch unser Zeichner wählte seinen Standpunct für die Totalansicht von München (5lr. 2) auf dieser Seite, jedoch etwas tiefer, um über der landschaftlichen Einfassung den eigentlichen Gegenstand des Bildes, die Stadt, nicht zu sehr aus dem Auge zu verlieren. Es ist ganz derselbe Standpunct, welchen auch der berühmte Prospectenmaler vcr»!>rI Iregen gemalte Säle, welche keine antiken Bildwerke enthalten. Die sämmtlichen Gemälde der beiden Hauptsäle (VII. des Götter- und VIII. des Trojaner-Saales), sowie der dazwischen befindlichen Vorhalle sind von Peter von Cornelius erfunden und gezeichnet, und theils von ihm selbst, theils unter seiner Leitung von seinen Gehülfen und Schülern auf eine Weise ausgeführt, wodurch die monumentale Malerei wieder in ihre vollen Rechte gesetzt wurde. Die Aufgabe war, die griechische Götter- und Heldensage in einer cyklischen Folge von Gemälden darzustellen, um uns auf diese Art die Götter und Heroen, welche man bereits ihrer individuellen Gestalt und Charac- teristik nach kennen gelernt, nun auch in ihrem mythologischen und poetischen Wechselwirken und Handeln erblicken zu lasse». Jener große Meister bestimmte demnach die Eingangshalle zur Andeutung einiger hesiodischen Mythen, und die beiden Säle für den homerischen Götter- und Heldenkreis. In diesen enthalten die großen Gewölbspiegel jedesmal die Hauptvorstellung und die Decken die Einleitung dazu, so daß der Gedanke am Gipfel der Decke beginnt, und mit dem letzten Gewölbspiegel endigt. Auf diese Festsäle folgt der erste Saal der zweiten Hälfte der Sammlung (IX. der Heroen-Saal), welcher die Bildnisse griechischer Heroen, Philosophen und Herrscher in sich faßt, und uns damit den besten Uebergang zur römischen Kunst darzubieten scheint, indem die letztere dem Wesen nach nichts Eigenthümliches als den Porträt-Character hat. Die Werke der römischen Kunst selbst füllen einen großen, 139 Fuß langen und einen kleineren runden Saal, welcher letztere die Abtheilung der Bildwerke aus farbigem Stoff enthält (X. der Römer-Saal und XI. der Saal der farbigen Bildwerke). Der letzte Saal endlich (XII. der Saal der Neueren) enthält ausnahmsweise nur Werke derjenigen neueren Bildhauer (Canova, Thorwaldsen, Schadow?c.), welche vorzüglich dazu beitrugen, die Kunst wieder auf den einzigen richtigen Weg der Antike zurückzuführen.— Die Beleuchtung geschieht, mit Ausnahme von den vier Ecksälen, wovon die zwei vorderen runden Oberlicht und die zwei Hinteren viereckigen gewöhnliches Seitenlicht haben, in allen übrigen Sälen durch hochliegende, halbrunde Fenster, wie sie in den römischen Thermen zu gleichem Zwecke gebraucht wurden. Das System der Decoration ist bei großer Mannigfaltigkeit des Einzelnen doch gleichförmig und einfach. Die Wände sind fast durchaus glatt und mit Stuckmarmor bekleidet, welcher durch abwechselnde aber kräftige und belebende Färbung die Bildwerke in warmen Reflexlichtern deutlich hervortreten läßt. Die Fußböden sind in stets abwechselnder Zeichnung mit den verschiedenartigsten Marmorgattungen, nach Art des antiken «,,»8 tessellsl»,», belegt. Die Decken der Säle, alle nach vollen Halbzirkeln, aber in den mannigfaltigsten Formen und Verbindungen gewölbt, sind reich mit Casettirungen erhabener Stuckarbeite» und rauhen Vergoldungen, oft auf ganz weißen, oft auf gefärbten Gründen verziert. Diese gut angewandte Pracht der Umgebungen regt nicht nur das Auge an, und gibt dem Beschauer die passendste Stimmung, sondern es tritt auch durch die lebendige Farbe des Grundes selbst das unscheinbarste antike Bildwerk rein und frisch hervor, wiewol darüber die Urtheile verschieden sind. Noch großartiger und prachtvoller in der ganzen Anlage sowie in der innern und äußern Ausführung ist die Pinakothek oder die neue Gemäldegalerie Münchens, ohne Zweifel eines der imposantesten und herrlichsten Gebäude der neueren Zeit, welches nach seiner Vollendung im Innern in jeder Beziehung wohl den ersten Rang unter allen Gemäldesammlungen verdienen wird. Bereits um das Jahr 182 l hatte die neue Administration und Cata- logisirung der königl. baierischen Gemäldesammlungen (in München, Schleißheim, Lustheim ?c.) gezeigt, daß dieser über 9000 Nummern zählende Kunstschatz in jeder Beziehung unsicher, ungenügend und unzweckmäßig aufgestellt, sowie auch, daß es unmöglich wäre, die jetzige Galerie durch Vergrößerung und Veränderung für den beabsichtigten Zweck brauchbar zu machen. Es ward daher beschlossen, ein neues Gebäude aufzuführen, von der ganzen Sammlung jedoch nur etwa 1999 der auserlesensten Bilder darin aufzunehmen, und darnach auch die Größe desselben zu bestimmen. Mancherlei Umstände machten es indeß erst am 7. April 1829, als dem Geburtstage Rafael Sanzio's von Urbino, möglich, den Grundstein zu diesem Gebäude zu legen. Der Bau schritt aber so schnell vorwärts, daß das Aeußere bereits im Sommer 1832 ganz vollendet war. Das Innere ist nunmehr gleichfalls soweit gefertigt, daß der Galeriedirector Dillis in diesem Jahre mit dem Ueberziehsn der Seitentapeten, sowie mit der Anordnung der Plätze für die Bilder selbst den Anfang machen kann, und im nächsten Jahre die Aufstellung derselben sicher bewerkstelligt sein wird. — (Das Gebäude an sich.) Die Stellung des Gebäudes ist auf einem großen, freien Platze gewählt, der als regelmäßiger Garten mit Alleen, Bosquets, Vasen, Blumenbeeten und Springbrunnen angelegt werden soll, und von vier Straßen eingeschlossen ist. Die Richtung desselben geht von Osten nach Westen, so daß die eine Hauptlängen-Fa^ade rein gegen Mittag, die andere rein gegen Mitternacht liegt. Das Ganze bildet eine S29 Fuß lange, 92 Fuß breite und eben so hohe Fronte, an welche zwei nur wenig hervortretende Flügel anlehnen, von denen jeder 42 Fuß breit und lang, und 72 Fuß hoch ist. Am Acußern ist alles, was architektonische Form betrifft, Stylobat, Fenster, Thüren, Säulen, Gesimse ?c. von schönem Quaderstein aufgeführt; alle geraden Flächen hingegen sind aus Ziegeln von hellgelber Farbe ohne Bewurf und in der Art des römischen Mauerwerks » Lorllone construirt. Im Souterrain liegen, nebst den 14 zur Heizung des Ganzen mit gewärmter Luft dienenden Oefen, die Holzmagazine. Das Erdgeschoß enthält sodann, außer dem großen und kleinen Vestibüle nebst der Haupttreppe und der Wohnung des Thürstehers, mehrere große, zur Aufbewahrung verschiedenartiger Gegenstände bestimmte Magazine, sowie die zur Aufstellung der Nebensammlungen (als: der antiken Malereien auf Gefäßen, Mosaiken und Wandgemälden, der Handzeichnungcn, der Holz- und Kupferstiche, der Bibliothek und Registratur) bestimmten Räume. Im ersten Stock haben die einzelnen Räume folgende Bestimmung. Von der Haupttreppe aus gelangt man zunächst zu einem Vorplatze, wo sich die Galeriediener aufhalten. An diesen stößt auf der einen Seite ein großes, unmittelbar in die Gemäldesammlung führendes Vestibüle, welches sehr reich decorirt, mit rothem Damast bespannt, und mit den Bildern der sechs Stifter dieser Sammlung (Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz, Maximilian Emmerich, Kurfürst von Baiern, Karl Herzog von Zweibrücken, Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, Maximilian Joseph I., König von Baiern und Ludwig I. König von Baiern) verziert ist; aus der andern Seite aber gegen Mittag eine große offene 409 Fuß lange Galerie oder Loggia, durch welche man zu jeder Abtheilung der Sammlung unmittelbar und ohne zuvor durch den Anblick anderer Bilder gestört oder ermüdet worden zu sein, gelangen kann. Dwse für den Gebrauch des Gebäudes so wesentlich nöthige Galerie dient zugleich, sowie gewöhnlich in der Architektur das wesentlich Nützliche, dem Aeußer» als charakteristische Zierde. Aber auch im Innern bietet sie dem Auge eine angenehme Abwechslung dar, indem sie ganz im Arabeskenstyl nach Zeichnungen des Direktors von Cornelius durch einige seiner Schüler und den Professor Iimmermann »I kresc» mit einer poetischen Darstellung der Geschichte der Malerei in der Weise ausgeschmückt wird, daß die historischen Gegenstände eines jeden der darin enthaltenen kleinen Bilder sich in einem geschlossenen Cyklus auf einen bestimmten Lebensmoment eines der berühmtesten Maler beziehen. — (Die Bildersäle nebst den Cabineten.) Von der Erfahrung ausgehend, daß große und kleine Bilder, in einem Raume aufgehängt, einander schade», indem die großen die kleinen erdrücken, und die letzteren dagegen den Effect der ersteren verwirren, hat man beide in getrennten Räumen aufgestellt, und zwar um so mehr, als große historische Bilder nur von oben, kleine aber nur von der Nordseite ganz vollkommen günstig zu beleuchten sind. Demnach sind zunächst acht Säle von verschiedener Länge dazu bestimmt, die großen historischen Bilder der verschiedenen Schulen aufzunehmen. Ihr Maß ist 49 Fuß in der Breite, 99 F. in der Höhe und SO—89 F. in der Länge. Die Fußböden sind in venetianischem Terazzo ausgeführt, die Thürgewände und Lambois von schönem grünem Muschelmarmor, die Wände mit purpurrothen und grünen gewässerten Damasten bespannt. Die Gesimse und Decken, alle nach vollem Cirkel gewölbt, werden mit Stuckatur - Arbeiten und Vergoldungen verziert. Was die Beleuchtung betrifft, so sind mit Ausnahme des achten Saals, welcher Fensterlicht hat, alle übrigen dergestalt durch Oberlichter erhellt, daß der Architekt die photometrischen Vortheile, welche diese Beleuchtungsart darbietet, erreichte, ohne sich den in einem kalten Klima damit verbundenen konstruktiven Nachtheilen bloß zu stellen. Au diesem Ende ward nämlich das Verhältniß der Säle und Lichtöffnungen so bestimmt, daß bei der angenommenen Höhe der Bilderwände von 27—39 Fuß, und bei der für diese Höhe nöthigen Entfernung des Standpunctes, worin der Zuschauer, um die Bilder dieser Wände zu betrachten, steht, jedes Spiegellicht auf der glänzenden Oberfläche der Gemälde vermieden ist. Ferner wurden die oberen Laternen mit schrägen und durch Spiegelglas geschlossenen Seitenwänden versehen, während ihr oberes Dach mit Kupferblech gedeckt ist. Es sind also hier alle die Gefahren, welche Schnee, Eis und Regen wagerecht oder fast wagerecht liegenden Glasbedeckungen drohen, völlig vermieden, und der Vortheil einer feierlichen, gleichmäßigen, und für große Bilder so schönen und günstigen Beleuchtung erreicht. — Neben diesen großen Sälen nun ist eine Reihe von 23 Cabineten angebracht, bestimmt, die Bilder kleiner Dimensionen, als: Cabinetsstücke, Landschaften, Gradini, Genrebilder ?c. aufzunehmen. Ihr Maß ist 19 F. in der Tiefe, lg F. in der Breite und eben so viel in der Höhe. Mit Ausnahme des mit dem mittlern Saale in Verbindung stehenden Cabinets, welches gewölbt und gegen den Saal zu mit einer großen Arkade geöffnet ist, haben alle übrigen flache Plafonds, und jedes wird durch ein 3'/. Fuß breites und l l Fuß hohes Fenster beleuchtet. Rücksichtlich der Decoration sind diese Cabinete den großen Sälen gleich behandelt; nur das mittlere Cabinet ist etwas reicher geziert. — Die Gemälde selbst sollen nach dem einzigen, historisch festbegründeten System der Schulen angeordnet und aufgestellt werden, und zwar nach folgender Ordnung der Säle: l. Saal: der neuern Schule; 2. Saal: der altdeutschen Schule; Z. — 5. Saal: der niederländischen Schule, nebst 9 Cabineten; 6. Saal: der französischen Schule; 7. Saal: der spanischen Schule; 8.— 9. Saal: der italienischen Schule nebst drei Cabineten. — Die noch übrigen Räume im ersten Stock sind theils für das Restauriren und Copiren der Bilder, theils für die einstweilige Aufstellung neu angekaufter Gemälde, theils auch für den Director der Sammlungen und den dienstthuenden Jnspector bestimmt. Endlich befinden sich im zweiten Stock- der beiden Flügeln noch einige Zimmer, die theils zu Werkstatten der bei der Galerie angestellten Künstler, theils zu Magazinen benutzt werden sollen. — Die Dächer sind mit Kupfer gedeckt. Z>r. 3 stellt die Metropolitan- und Stadtpfarrkirche zu kl. ls. Frau dar. Auf dem Platze, wo diese Kirche steht, befand sich schon vor dem Jahre l27l eine der h. Jungfrau geweihte Kapelle, welche von einem Geistlichen der St. Peterspfarre, damals der einzigen in München, versehen wurde. Als aber die steigende Volksmenge die Eiutheilung in zwei Pfarreien und die Nothwendigkeit einer größeren Kirche veranlaßte, legte Herzog Sigmund, nach Abtretung der Regierung an seinen Bruder Albert IV., genannt der Weise, am 9. Febr. 1463 den Grundstein zu der jetzigen Frauenkirche, welche unter der Leitung des trefflichen Baumeisters Jörg Gankoffen von Halspach in einem einfachen gothischen Style innerhalb 20 Jahre aufgeführt, und den 14. April 1494 zu Ehren der heil. Jungfrau eingeweiht wurde, nachdem einige Seitenkapellen die Weihe schon früher empfangen hatten. Die Länge der Kirche mißt 336 F., die Breite 128, die Höhe bis an die Deckenwölbung 115. Ihre Form ist länglich viereckig bis an die Gegend des Presbyteriums gegen Osten, wo sie sich in eine Runlung schließt. An beiden westlichen Seiten der Kirche stehen zwei viereckige Thürme, 333 Fuß hoch, mit sechseckigen Kuppeln, welche in die Rundung mit Kupfer gedeckt sind, und oben in der Mitte Knöpfe von Messing haben. Unter den Gesimsen, worauf die Kuppeln ruhen, sind nach gothischer Bauart Reihen von Fensterähnlichen hohen Oeffnungen. Das ganze Gebäude ist aus Backsteinen sehr fest zusammengefügt; seine Hauptmauern haben die Dicke von 5 Werkschuhen, die der Thürme gar von 11 Fuß. Das Gewölbe der Kirche ruht auf 24 achteckigen 7 Fuß dicken Säulen, welche das Schiff dreifach theilen, doch so, daß die Mitte des Schiffes sehr beträchtlich breiter ist. Die Kirche hat 5 hohe, schöne Thüren von Eichenholz und 30, gegen 70 Fuß hohe Fenster mit eingeschmolzsnen Mahlereien, biblische Geschichten vorstellend. Das Pflaster ist von Marmor; die Stühle sind von Eichenholz mit Blech beschlagen. — Ehe man den Chor betritt, erhebt sich eine 1603 von Maximilian I. errichtete zierliche Arkade, unter einer korinthischen Säulenreihe, welche meist mit Gold gemalt ist, sich über 4 Seitenaltäre und einen kleinen, in der Mitte stehenden, ausbreitet, und dann nach Außen die Fortsetzung um das ganze Prosbytsrium und den Choraltar hat. Nach allen Seiten ist sie mit durchbrochener Arbeit, Geländerchcn, Spitzsäulen, Statuen und Gemälden (von Peter Candid) geziert; in der Mitte aber ruht eine Kuppel auf einer Laterne, und mitten über ihr ein Crucifix. Man steigt über einige Stufen von Marmor empor, und erblickt dann hinter einem nicht sehr hohen Gitter von Eisen das prächtige Grabmal Kaiser Ludwigs des Baiers, ein tl»st>un> «loloci» aus Marmor und Erz, welches Maximilian I. im Jahre 1622 nach Candid's großartiger Erfindung aufführen ließ. Das Ganze ist >6'/ F. lang, ll breit und 13 hoch. Die Unterlage und der ganze Bau des Sarges ist von dunkelrothem Marmor; von Erz dagegen sind alle, auch die kleinsten Verzierungen und Statuen. Zwei Stufen machen die Abtheilungen des Sockels. Auf den vier Ecken der untersten Stufe sieht man vier geharnischte Männer von Erz, das eine Knie zur Erde gebeugt, mit schweren Standarten, ächten Panieren des deutschen Reichs, woraus in Wappenvierecken die Namen der vier karolingischen Kaiser und ihrer Gemahlinnen eingestickt sind. In der Mitte zwischen den Geharnischten, eine Stufe höher, stehen zur Rechten Albert V. in altdeutscher Herzogstracht, zur Linken Wilhelm V. im Ritterkleide des goldenen Vließes, das entblößte Schwert in der Hand. Diese zweite Stufe hat ein schönes Gitter, das aus kleinen Mastern zusammengesetzt ist, und auf dessen vier Ecken Fackelleuchter befestigt sind. Oberhalb dieses Gitters erblickt man durch in Marmor ausgehauene, viereckige Oeffnungen die erhaben gearbeitete Statue Ludwigs im kaiserlichen Ornate aus einem Thronsessel, dessen Baldachin von Engeln ausgebreitet wird; an der Stufe des Throns lehnen 3 Schilde, zwei mit den baierischen Wappen und Löwen und der mittlere mit dem' kaiserlichen Adler, der das baierischc Wappen auf der Brust trägt. In der untern zweiten Abtheilung des Steines erblickt man die Kaiserin Maria Beatrix und ihren Sohn Stephan, zwischen denen ein junger Löwe, dem Prinzen schmeichelnd, vorgestellt ist; alle drei Figuren sind aus rothgesprenkeltem Marmor erhaben ausgehauen. Die Marmor-Unterlage, worauf sie ruhen, sowie der Rand des Steines sind mit einer Inschrift versehen, die zum Theil unleserlich ist. Oben über dem Ganzen liegt der länglich gevierte Leichenstein, der mit geflügelten Engelsköpfen geziert ist. Aus einem Kissen in der Mitte des Leichensteins liegt die Reichskrone; vor- und rückwärts sitzen allegorische weibliche Statuen, wovon eine den Scepter und Reichsapfel, die zweite ein Schwert und den kaiserlichen Wappenschild trägt. Die Gesimse des Grabmals sind mit Genien besetzt, welche Wappenschilde tragen. Ueberall sind, als Sinnbilder der Vergänglichkeit, Todtenköpfe und Todtenlampen angebracht. Aus dem obern Friese des Leichensteines steht die Inschrift: I.VVOVIOO YV VKVO I5II>IäkXrOIiI -4IlOV8rO. II VXII1II.I VXII8 ItVVIl.IVIl VVtz 8-40 IIOll IIII» Ill VllVOIi iiiti >i litV8 . Vi lti ^mo . 14IIIXIO . ovii illi llo . yvixro. I>X»IlXVIä I 08IA V . VXAO 8 VI. . Zl v e XXII. - Unmittelbar hinter diesem Monument tritt man in den Chor, der im neuesten Geschmack, weiß mit Gold, auf beiden Seiten mit großen Stühlen von Rußbaumholz und mit 80 Statuen von Propheten, Aposteln und Kirchenlehrern geziert ist; oberhalb sind Galerieen. Der Choraltar, welcher in seiner gegenwärtigen Gestalt mit Säulen im corinthischen Style und vielen Verzierungen in Gold von Maximilian I. im Jahre 1820 neu hergestellt worden, mißt bei 30 F. Breite 90F. iy der Höhe, und reicht beinahe bis an das Gewölbe der Kirche. Das Altarblatt stellt die Himmelfahrt Mariens vor, von Peter Candid auf Holz gemalt. Auf der Rückseite des Choraltars ist ein anderes Gemälde desselben Meistere, die Auferstehung vorstellend. Auf den beiden Seiten sind zwei Nebenaltäre mit Bildern von Rottenhammer und Kagerer. — Von den übrigen Altären, deren die Kirche im Ganzen 30 zählt, sind besonders die 5 Altäre innerhalb des schönen Bogengewölbes bemerkenswerth. Der mittlere vor dem Monumente Ludwigs oder der Kreuzaltar soll im Jahre 1443 im alten Kirchlein der sogenannte Kaiseraltar gewesen sein. Hier sind die reich geschmückten Gebeine des heil. Bischofs Achatius anfbewahrt, welche im Jahre >495 vom Jllmünster hierher gebracht wurden. Auf der rechten Seite ist der dem heil. Benno geweihte Altar mit dessen Bildniß von Silber und drei Gemälden von Rottenhammer, Hans von Achen und Christ. Schwarz. Die übrigen im Umfange der Kirche befindlichen Altäre sind mit Bildern von Cosmas Damian (Kapuziner), Rottenhammer, Candid, Sandrat, Michael Angela, Caravaggio zc. geschmückt; von zwei Gemälden sind die für die Bildergallerie gewählten Originale mit Copiee» ersetzt worden. — In den Kapellen der Kirche, deren im Ganzen 24, jede 14 Fuß tief und 2l breit sind, befinden sich viele gestiftete Begräbnisse von adeligen und andern alten Familien, z. B. der Preising, Füll, Mandel, Mayer, Ridler?c. Viele Epitaphien sind wahre Kunstwerke. Besonders sehenswürdig ist auch der aus einem schönen Marmorstück gehauene Taufstein. Bis auf das Jahr 1774 war die Kirche mit einem Friedhofe und dieser mit einer Mauer umgeben. Nachdem er aber zugepflastert worden war, mauerte man die vorzüglichsten Grabsteine in die äußern Wände der Kirche zum Andenken ein. Auf der äußern Kirchenwand gegen Süden erblickt man auch eine sehr künstliche Sonnenuhr vom Jahr I5l4, welche nicht nur in einem weitern und einem engern Iahlenzirkel die Veränderungen des Sommers und Winters, sondern auch selbst die Monate, den Thierkreis, den Lauf der Planeten ?c. anzeigt. l>r. 4. stellt den sogenannten Äönigsbau oder die neue Ncsiden; und das k. Hof- und lilotionaltheater an dem Ma»imi>ian-2o- fephs-Platzc dar. Schon seit zwei Jahrhunderten besitzt München außer dem Alten-Hofe, dem ältesten Wohnsitze der baierischen Regenten in München aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, eine Residenz, welche der Kurfürst Maximilian I. nach dem Grundrisse des Pater Candid, eines Schülers des berühmten Basar! in Italien, im Geschmack der damaligen Zeit, mit solcher Pracht im Äußern und Innern aufführen ließ, daß sie Gustav Adolf von Schweden, als er sie 1632 besichtigte, zu dem Wunsche veranlaßte, „sie auf Walzen nach Stockholm führen zu können." Dies ist die jetzt sogenannte alte Residenz, deren Hauptfacade, im Style des 17. Jahrhunderts geschmückt, gegen Westen der Theatinerkirche gegenüber liegt. Von hier aus betritt man durch zwei große Portale und unter hohen, von starken Pfeilern getragenen Wölbungen die verschiedenen Hofräume; den Kurfürsten- oder Kapellenhof, den Kaiser-, den Brunnen- und Küchenhof. Bon den vielen im Innern dieses Palais sehenswerthen Merkwürdigkeiten führen wir hier nur an: das auf Marmorstufen ruhende Bassin im Brunncnhof mit einer malerischen Gruppe von Statuen verziert, die Kaisersticge mit den Bildsäulen Karls des Großen, Otto's von Wittelsbach und Ludwig IV., die Kaiserzimmer, welche Kaiser Karl VII. bewohnte und schon als Kurfürst mit außerordentlicher Pracht geschmückt hatte, die sogenannte reiche Kapelle mit ihren anserlesenen Kostbarkeiten, ganz vorzüglich aber die Schatzkammer, an Brillanten und Perlen einen Werth von mehreren Millionen Gulden enthaltend, und das an Statüen, Vasen und Büsten reiche Antiquarium. Dieses königl. Residenzschloß erhielt in den neuesten Zeiten durch den kunstsinnigen König Ludwig mehrere neue Anbaue, welche durch ihre höchst geschmackvolle Ausführung im Aeußeren und Innern jenen älteren Theil gänzlich in Schatten setzen. Wir meinen den neuen südlichen Flügel der Residenz oder den sogenannten Königsbau, den (noch im Bau begriffenen) zweiten großen Flügel der neuen Residenz nach dem Hofgarten zu, und endlich die neue Schloßkapelle oder die Aller- heiiigenkirche. Was zunächst den sogenannten Lönizsbau betrifft, der zur Privatwohnung des Königs und seiner Familie bestimmt ist, so ist dieses «60 Fuß lange und 150 Fuß hohe Prachtgebäude von Klenze nach dem Muster des Palazzo Pitti in Florenz, in einem einfach-edlen Style ganz aus Quadern von grünlichem kellheimer Sandstein aufgeführt und mit flachen Terrassendächern bedeckt, welche in der Folge Orangenbäume zieren werden. Auf einem mit Stufen und einer Sitzbank umgebenen hohen Stylobate in Lossagen >11 Fries des Tanzsaals schmückten G. Hiltensperger und H. Anschütz mit tan- zenden und musicirenden Gestalten, die Wände mit Apollo und den neun Musen; Rottmann lieferte zehn Landschaften in antikem Charakter, die von Schilling in Leimfarbe ausgeführt wurden; Schwanthaler endlich schmückte den Fries des Spielzimmers mit einem Relief aus leicht gefärbtem Gyps, dessen Inhalt der Mythus der Aphrodite in seinen wichtigsten Momenten ist. Ehe wir dieses Gebäude verlassen, wollen wir es nochmals an der Hand eines neuern Reisenden Zikmer für Zimmer durchwandern, um mit demselben, die zweckmäßige Anwendung des reichen künstlerischenSchmucks, je nach der Bestimmung der einzelnen Räume, zu betrachten. "Ich befand mich, sagte derselbe, unter einem prächtigen Porticus, dessen Wände mit gelbem Stuck belegt und dessen Kuppel mit Basreliefs von weißem Marmor geziert sind. Eine breite Treppe, gleichfalls von derselben edeln Steinart, führt zu einem hohen Portal, welchem zwei herrliche Caryatiden zur Stütze dienen. Die Inschrift des Architravs "Gerecht und beharrlich" verkündete mir, daß ich in der Wohnung des Königs von Baiern war. Bon einer ehrfurchtsvollen Empfindung durchdrungen, stieg ich die Treppe hinan, und befand mich alsbald in dem ersten Borzimmer, dessen Wände enkaustische Gemälde im reinsten etrurischen Styl schmücken. Es sind antike Malereien, welche nur mit zwei Farben ausgeführt sind. Das zweite Borzimmer ist mit ähnlichen Gemälden geziert, nur daß die Farben, wenn auch keine Mitteltöne, doch mehr Mannigfaltigkeit darbieten. Wir wollen nun die mehr oder minder geräumigen Zimmer selbst durchgehen. Unter diesen zeichnet sich vor allen das Dienstzimmer aus, welches für die Adjutanten des Königs und die Hofdicnerschast bestimmt ist. Bon da treten wir in den Thronsaal, welcher ganz vergoldet ist. Wohin man sich wendet, verblenden die reichsten Arabesken das Auge; und nur die in anmuthiger Leichtigkeit gehaltenen Basreliefs, welche die olympischen Spiele darstellen, mildern auf eine gefällige Weise den blendenden Glanz. — Hinter dem Thronsaale befindet sich der Speisesaal, in welchem das Leben Anakreons in reizenden Arabesken »I kresco dargestellt ist. Bon hier gelangt man in verschiedene Zimmer, wovon das eine für die Audienzen und das unmittelbar daran stoßende zum Cabinet des Königs bestimmt ist. Letzteres ist mit Freskomalereien aus den Tragödien des Sophokles geschmückt und stößt unmittelbar an das Schlafzimmer, welches mit einer edeln Einfachheit gemalt ist und auf dieser Seite die Wohnung des Königs beschließt. — Wir treten nun in die Zimmer der Königinn. Arzs der Bibliothek Ihrer Majestät gelangt man zunächst in ein Schrcibkabinet, wo man Freskogemälde nach den Dichtungen Schillers findet. Nun folgt eine Reihe von Zimmern, auf deren Wänden die Phantasiegemälde unserer neueren Dichter durch die Hand genialer Künstler dargestellt sind; den Schluß derselben bildet der Tyronsaal der Königinn, welcher mit trefflich ausgeführten Darstellungen aus der Hermannschlacht von Klopstock in enkaustischer Manier dscorirt ist. Bon da treten wir in zwei für dicHofdamcn der Königin und dieAudienzen bestimmte Zimmer, welche mit nicht minder ausgezeichneten Gemälden versehen sind. Eine prächtige Stiege führt auf dieser Seite zu den Zimmern der Königinn, und stößt an ihrem untern Ausgange an eine Reihe herrlicher Gemächer, zu deren malerischer Verzierung das Heldengedicht der Nibelungen den Stoff hergegeben hat. I» dem Pavillon in der Mitte des Königsbaus befindet sich der Saal, in welchem die Concerte gehalten werden, sowie der runde Saal für die Hofbälle, welcher von den nöthigen Nebenzimmern umgeben ist.— Ueberall verbreiten große gewölbte Fensterstöcke, die mit französischem Spiegelglas versehen sind, die höchste Helle, und alles verkündigt in diesem Gebäude den Reichthum, die Pracht und die Majestät. Man fühlt, daß man sich in der Wohnung eines Königs befindet. Ich habe noch keine Residenz gesehen, welche dem Ideale des Schönen so sehr entspräche, als diese. In dem ganzen Gebäude bemerkt man nichts, was blos dem Mvdegeschmack huldigte und was daher auch in unsern Augen nur einen vorübergehenden Reiz haben könnte. Der König Ludwig l. soll gleich im Anfange zu v. Klsnze gesagt haben: Bauen Sie mir einen Palast, wo nichts weder im Äußern noch im Innern ein dem Wechsel unterworfenes Interesse darbiete, einen Palast, der ebensowohl für meine Nachfolger und mein Volk, als für mich bestimmt sei und dessen ebenso dauerhafte als glänzende Verzierungen noch nach zwei Jahrhunderten ebenso sehr gefallen wie heute. Es sei mir jetzo noch vergönnt, einiger Künstler zu erwähnen, von deren Werken ich oben sprach. Der Professor Schnorr malt die Nibelungen nach eignen Cartons; Gassen und Hermann die altdeutschen Dichter, Kaulbach die Hermannschlacht, Foltz und Lindenschmitt Schiller; gleichfalls nach eigenen Skizzen; Röckel malt Sophokles, Anschütz Anakreon nach den Zeichnungen des Professor Aimmer- mann; Hiltenperger und Streida führen die etrurischen Gemälde nach den Cartons von Schwanthalcr aus. Bon demselben Künstler rühren die Darstellungen aus der Theogonie des Hesiod und der Argvnautenfahrt her; auch sind die herrlichen Basreliefs des Thronsaals und die Caryatiden der Gerechtigkeit und der Beständigkeit am Eingang sein Werk." Wer würde nicht nicht bei dem Anblick dieser vielen genialen Kunsterzeugnisse von Bewunderung für die Schöpfer derselben hingerissen, die mit unermüdlichem Wetteifer dem hohen Ziele einer ächtdeutschen ltunstblüthe entgegenstreben? und wer gäbe sich nicht gerne der angenehmen Hoffnung hin, daß diese jugendlich strebsame Künstlerwelt um so sicherer jenes Ziel wirklich erreichen werde, als sie in allen ihren Schöpfungen die mit künstlerischem Sinne aufgefaßte Natur zu ihrem einzigen Vorbilde nehmen? Der zweite neue Anbau, dessen wir oben erwähnten, befindet sich in nördlicher Richtung von dem Königsbau gegen den Hosgarten hin, und wird hier nach seiner Bollendung in etwa Z Jahre» eine der prächtigsten Faca- den bilden, welche bei einer Länge von 900 Schuh in der Mitte eine große Säulenvorhalle auf massivem Unterbau erhalten wird. Der Styl dieses Gebäudes, dessen Anlage zum Theil durch die Benutzung der bereits an dieser Stelle vorhandenen Gebäulichkeiten wesentlich bedingt wurde, soll im Geschmack des Palladio gehalten werden. Die vier großen, zu den feierlichen Audienzen und größeren Hoffesten bestimmten Prunksäle werden mit Darstellungen aus den homerischen Gedichten ausgeschmückt, sämmtliche übrigen Säle dagegen mit Tapeten und andern Ornamenten im Geschmack der Zeit. Außerdem werden im großen Thronsaale vierzehn 9'/, Fuß hohe Statuen von Vorfahren des königl. Hauses Wittelsbach (darunter Kurfürst Mar I.) nach Schwanthalers Modellen von Stiglmaier in Erz gegossen und vergoldet zwischen den Säulen aufgestellt werden. Endlich sollen auch auf die Zinne der Säulenvorhalle acht 9'/- Fuß hohe Statuen, die acht Kreise des Königreichs in männlichen und weiblichen stehenden Figuren darstellend, zu stehen kommen, und die beiden Ecksäulen noch besonders durch zwei große Kronen (Alles nach Schwanthaier durch Stiglmaier in Erz gegossen) geziert werden. Der vor diesem Gebäude befindliche Hofgarten ist besonders merkwürdig durch die denselben auf zwei Seiten in einer Länge von 2300' einschließenden Arkaden des Bazars, welche mit einer Reihe von historischen und landschaftlichen Freskobildern verziert sind. Davon sind die ili historischen Darstellungen aus der Geschichte Baierns von Förster, Zimmermann, Röckel, Stürmer, Hermann, Stielke, Hiltensperger, Lindenschmitt; Schilgen, Gassen, Eberle, Monten, Foltz; mehrere allegorischen Figuren von Kaulbach u. a.; pompe- janische Verzierungen »I «>weu und eine Reihe, geistvoll aufgefaßter italienischer Landschaften -.1 ki-o«co von Rottmann, der nunmehr nach seiner Rückkehr aus Griechenland die noch übrige große Reihe mit griechischen Scenen und Landschaften verzieren wird. I» östlicher Richtung vom Königsbau steht die in den Jahren I82S — 32 im byzantinischen Style aufgeführte Allcrhliligtnkirche, welche gegenwärtig zwar von dem neuen Wohnpalaste durch einige alte Gebäude getrennt ist, aber später dem Ganzen aufs Engste verbunden werden soll. Die Beschreibung dieses merkwürdigen Gebäudes behalte» wir für ein Supplementheft von München vor, in welchem wir eine Abbildung von dieser, sowie von der neuen Auerkirche zu geben gedenken. Dem Königsbau zur Seite erhebt sich nicht unwürdig in 4. das l-dnizl. Hof- und Nati-nalthe-trr, durch die Gesammtheit seiner Borzüge wol eins der besten in ganz Europa. Im Wesentlichen wurde dieß Ge- bände ganz nach dem Plane des am 14. Januar 1823 durch Brand zerstörten wieder aufgebaut und bereits am 2. Januar 1825 eröffnet; nur rücksichtlich der Größe blieb es hinter dem ersten Plane des verstorbenen Baumeisters von Fischer etwas zurück, wiewol es, bei einer Breite von ungefähr 190 baier. Fuß und einer Länge von 340, gegenwärtig noch immer gegen 2500 Zuschauer fassen kann. Es ist im neurömischen Style aufgeführt, und mit einem Peristil von 8 korinthischen Säulen von Marmor nebst Frontispiz versehen. Durch die drei Eingänge, die sich nach dem Platze öffnen, tritt man in die Vorhalls ein, welche vier korinthische Säulen zieren. Bon dieser Vorhalle führen nach beiden Seiten imposante Marmortreppen zu den Sälen, die an die große Hofloge anstoßen. Die drei Flügelthüren, die wir erblicken, führen nach den verschiedenen Plätzen. Sowie dieses Theater hauptsächlich für größere Darstellungen bestimmt ist, so diente das durch einen Schwibbogen damit in Verbindung stehende alte Residenztheater, welches Maximilian Joseph III. im Jahr 1700 ursprünglich für die italienische Oper erbaute, bis auf die letzten Zeiten, wo, weil es den Einsturz droht, nicht mehr darin gespielt wird, hauptsächlich zu diesem Zwecke, sowie zur Aufführung von kleineren Lustspielen, Vaudevilles und Possen. (Das ehemalige königl. Hoftheater am Jsarthor.wird gegenwärtig für die polytechnische Schule und zur Aufbewahrung der Modelle von Maschinen des königl. polytechnischen Instituts verwendet.) Bald wird sich auf der andern Seite des Maximilian-Josephs- Platzes nach v. Klenze's grandiosem Plane ein neues, für die königl. Gcne- ralpostdirection bestimmtes, Gebäude erheben und parallel mit der Facade des Königsbaus nach der ganzen Länge des Platzes mit einer Colonnade prangen. Bereits im vorigen Jahre begann man zu diesem Zwecke mit dem Niederreißen des an dieser Stelle befindlichen gräflich Törxing'schen Palais. Wir entlehnen darüber eine größere Stelle aus dem Kunstblatt vom 10. December 1835. Ißr. 99. »Das neue Postgebäude ist zum Theil auf, zum Theil an einen alten Palast, (das gräfl. Törring'sche Palais) der Vorderseite der neuen Residenz gegenüber, gebaut! Zu seiner Rechten hat es das Theater, und mußte daher in Uebereinstimmung mit diesen beiden Prachtgebäuden aufgeführt werden, ohne dieselben zu beeinträchtigen oder gar zu wiederholen. Die vordere Fronte ist 309 Füß breit, 00 Fuß hoch; der Unterbau, der das Erdgeschoß und die Entresols faßt, ist 43 Fuß hoch, und somit beträchtlich höher, als das Gebäude, das er zu tragen bestimmt ist. Der obere Stock bietet im Verhältniß zu den kleinen, nach oben halbkreisrunden Fenstern eine bedeutende Mauerfläche. Die eigentliche Zierde des Hauses ist eine offene Säulenhalle, die in der Höhe des Unterbaues an der Vorderseite des Hauses hinläuft und einen Theil des oberen Stockwerks trägt. Ihr Piano ist um 4 Fuß über dem Piano des Platzes; die Säulen, dorischer Ordnung, jedoch mit römischem Ring, sind 2t Fuß hoch und tragen halbkreisförmige Bogen, auf denen die Vorderwand des oberen Stockwerks ruht; ihr Durchmesser beträgt unten 3 Fuß. Die Decke der Halle ist in der Horizontale construirt, da mit Recht der Architekt die eisernen Querstangen, die etwaige Wölbungen halten könnten, verschmäht.» Im Spätjahr 1835 ist auch die 12 Fuß hohe Statue des verstorbenen Königs Maximilian Joseph I., in sitzender Stellung auf einer Unterlage von zwei reich verzierten Würfeln ruhend, von Professor Rauch in Berlin modellirt und von Stieglmaier in München in Erz gegossen, vor dem Theater aufgestellt worden und hat München nicht nur um eins seiner herrlichsten, sondern auch bedeutungsvollsten Kunstdenkmäler bereichert. Das ganze Monument hat eine Höhe von 34 Fuß. Auf einer Unterlage von zwei reichverzierten Würfeln steht der Thronsessel, worauf in vollem Ornate die kolossale Gestalt des Königs ruht, der mit der linken Hand in segnender Stellung die Constitution hält. An den vier Ecken des untern länglichen Würfels sind in halbliegender Stellung vier Löwen angebracht, deren Bezug zunächst im Wappen der baierische» Krone zu suchen sind. In der Mitte der beiden längern Seitenfelder sieht man links die Bavaria, rechts die Abundantia, letztere mit dem Füllhorn in bekannter antiker Weise, erstere mehr modern nationell, ja man kann sagen individuell, amazonenmäßig geschürzt, kurz, rundlich, voll und rüstig. Zwischen diesen Figuren und den Löwen, die im Ganzrelief gehalten sind, befinden sich im flachsten Basrelief Waffenbündel. Ueber dem Gesims dieses Würfels erhebt sich die zweite niedrigere, mit Darstellungen in Relief aus dem Leben des Königs geschmückt. Zur Bezeichnung seiner religiösen Duldsamkeit sehen wir den Genius der Toleranz, zu seiner Rechten einen evangelischen, zu seiner Linken einen katholischen Geistlichen. Daneben ist die unter seiner Regierung auflebende Kunstthätigkeit in frappanter Weise dargestellt. Vor einer Gruppe von Frauen und Kindern steht ein Maler in leinenem Kittel—Cornelius —und malt an einer Mauer ->I kresc«; daneben nimmt ein Baumeister in gleichem Handwerkskleid — Klenze — Maaße auf Steinplatten, und ein Bildhauer dahinter— das Monogramm des ganzen Werks—ist mit Modcllircn beschäftigt. Nun folgt die Verleihung der Constitution an das baierische Volk, serner die Gerechtigkeit mit Weisheit und Stärke (Herkules), endlich die Beförderung und das Gedeihen von Ackerbau und Viehzucht. Sämmtliche Bilder sind im stärksten Hochrelief gleich den spätrömischen Sarkophagen ausgeführt. Auf der «ordern Seite des Würfels steht: HI»x. -losopbo Itegi L»r»ri»e. Oives Zlloiiaceasos 4ZI5111W1V Die gegenwärtig den Hintergrund des Platzes bildende Häuserreihe wird, dem Vernehmen nach, um eins Million zum Abbruch angekauft. I». 5. gewährt uns einen Blick in den interessantesten Theil der Altstadt; es stellt uns nämlich den im Mittelpunkt desselben gelegenen Hauptmarktplatz von München dar, welcher gewöhnlich den Namen Schrannen- plat; (von Schranne, althochd. scan»-», die Bank) fährt. Hier befanden sich nämlich in der ältesten Zeit Münchens die Fleisch- und Brodbänke, sowie die Garküchen und das Trinkhaus, bis Kaiser Ludwig im Jahr 1315 befahl, diesen regsam belebten Platz, auf welchen er die Marktfreiheit der Stadt übertrug, zu diesem Zwecke zu räumen. Gegenwärtig bildet derselbe ein ansehnlich längliches Biereck, welches nach allen Seiten von schönen breiten Straßen durchschnitten und von 4 — 5stöckigen, meist alterthümlichen Häusern eingeschlossen wird. Hier wird jede Woche Freitags Nachmittags und Sonnabends Schranne d. i. Getraidemarkt gehalten, — ein ebenso geräuschvolles, als durch seine Lebendigkeit anziehendes Schauspiel! Zu dieser Zeit herrscht nämlich in dem hier ausgebreiteten Fruchtmeere ein ununterbrochenes Getöse von Käufern und Verkäufern, von ab- und zufahrenden Wagen, von hin- und herwogenden Landlsuten in ihren verschiedenen Trachten, vom Geschrei der Sackträger und Schrannenknechte, mit dem gällenden Rufe der Kornmesser: Streich' ab! vermischt. (Das Messen selbst besorgen in der Regel eigene alte Weiber, die mit großer Geschicklichkeit hin- und herlaufen und mit dem Streichholz über den Scheffel fahren.) Kommt unverhofft ein Regen, so rennt Alles, um die Früchte mit Säcken und Brettern zuzudecken. Samstags Nachmittags wird aufgeräumt, und Abends um 0 Uhr muß Alles wieder in der schönsten Ordnung sein. An den andern Wochentagen sind hier vorzugsweise die Fiakers der Stadt in bunter Reihe bis tief in die Nacht hinein aufgepflanzt. In älteren Zeiten, z. B. bei der Hochzeit der Maria Renata im Jahr 1508, diente dieser geräumige Platz zu Turnieren mit "Ringelrennen und Kübelgestäch" und andern feierlichen Aufzügen. Die Häuser, welche zur Rechten und Linken den Schranncnplatz umgeben, sind, nach der Bauart der meisten alten Städte, mit Bogengängen versehen, und tragen auch sonst noch manche andere Spuren alter Bauart an sich, wie die (theilweise durch eine spätere Bauordnung abgeschafften) Erker. Ehedem waren die meisten derselben mit Schlachtstücken und sonstigen historischen Gemälden bis an die Dachrinnen verziert, wovon auf einem rechts gelegenen Hause noch ein Ucberrest zu sehen ist. Das ansehnlichste unter den Gebäuden auf der linken Seite, welchem sein hohes, mit Ziegeln gedecktes Spitzdach ein seltsames Aussehen verleiht, diente seit dem Jahr 1514, wo es aus mehreren erkauften Häusern entstanden war, zu den Versammlungen der Landstände und hieß davon das Landschaftsgebäude, sowie die darunter befindlichen Bogengänge die Landschaftsbögen. Vor mehreren Jahren wurde es erneuert und dient gegenwärtig zum Sitze mehrerer königlichen Behörden, unter andern des Generalkommissariats und der Schul- d-ntilgungscommission. Die Bogengänge dagegen enthalten gegenwärtig eine Menge Kauf- und Kramläden. Dicht daran stößt die ehemalige Stadt-Trinkstube, vor Alters auch Bürgerstube genannt; eine Anstalt, die man in den meisten deutschen Städten findet, indem die Trinkgelage ursprünglich unter städtischer Aufsicht und ausschließlich in einem solchen öffentlichen Lokale gehalten wurden. An dem unteren End- des Platzes liegt das unförmliche Rathhaus, dessen Hinterer Flügel noch der Burg angehört haben soll, die Heinrich der Löwe hier erbaute. Das Rathhaus selbst hat einen unbedeutenden Thurm, ehemals ein Stadtthor, das untere oder Thalbrückerthor genannt, aber der stattliche Thurm von St. Peter, sowie der von der heiligen Geistkirche schauen von Südost über die Häuser des Platzes, und nach Nordwest erblickt man das hohe Zwillingspaar der Frauenkirche. Am Ende der weithin sich ausdehnenden Kauffingerstraße und am Eingange in die Weinstraße befindet sich die Hauptwache, welche in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundert aufgeführt wurde. Jeden Mittag, zuweilen auch Abends, spielt hier die Militärmusik, wobei sich stets viele Menschen versammeln. Noch befinden sich an diesem Platze eins Menge Kaffeehäuser, welche eigentlich mehr Speise- und Bierhäuser sind. Die Mitte des Platzes ziert die Statue der heiligen Maria, als putronu «!>v->ri»e, welche Maximilian I. 1638 zum Andenken an seinen Sieg in der Pragerschlacht (1620) errichtete. Sie ist nach einer Zeichnung Candids von Peter König aus Erz gegossen und stark vergoldet, und steht, das Jesuskind auf dem Arm und das Scepter in der Hand, zwischen den Hörnern eines Halbmondes auf einer 20 Fuß hohen, nach korinthischer Ordnung erbauten Säule von rothem Marmor, und zwar unmittelbar auf dem schönen Kapitäle derselben. Auf dem Piedestal, welches aus doppelten gevierten Aufsätzen nach aufsteigender Größe besteht, und zwar auf dessen unterer und breiterer Unterlage, erblickt man an den vier Ecken vier mit Helmen, Schilden und Schwertern bewaffnete Genien von Metall, welche vier Ungeheuer, die Pest, den Krieg, die Hungersnoth und große Sterblichkeit darstellend, erlegen. Das Ganze, dem es keineswegs an schöner Anordnung und guter technischer Behandlung fehlt, ruht auf einer breiten Plattform und ist mit einem schönen steinernen Gitter umgeben, worauf vier zur Nachtzeit erleuchtete Laternen angebracht sind. Diese Slawe steht in großer Verehrung bei dem Volke und wird nicht selten an den Vorabenden einiger Marienfeste öffentlich von demselben angebetet. Ebenso pflegen die Züge von Wallfahrern, welche zu bestimmten Zeiten hieher kommen, dieselbe zu umziehen und hier auf den Knieen liegend ihre Andacht zu verrichten. In ihrer ganzen Glorie aber erscheint sie am Frohnleichnamsta- ^ ge, welcher in München auf eine sehr feierliche Weise begangen wird. Von der Frauenkirche aus geht dann der Zug, an welchem in der Regel der König selbst, die ersten Beamten des Staats, die katholischen Professoren der vier Facultäten in mittelalterlicher Tracht, die Zünfte mit ihren Fahnen, die Knaben- und Mädchenschulen ?c. in bunten Schaaren Theil nehmen. Vor dem Marienbild wird sodann Halt gemacht und eine Messe gelesen, wobei Alle in verschiedenen Reihen im Umkreise sich aufstellen, überragt von den Zunftfahnen und einer Menge von Bäumen, welche bei dieser Gelegenheit zur Belebung des Schauspiels aufgestellt werden. l>r. 6. stellt das neue Asarthor dar. Dieses durch sein Alterthum ehrwürdige Denkmal altdeutscher Baukunst, welchem bereits gänzlicher Verfall drohte, wurde — Dank dem vaterländischen Kunstsinne des epeln Baiern- königs — in neuester Zeit unter Leitung des Professors Gärtner in sehr zweckmäßiger Weise restaurirt und auf der mittleren Fronte mit Freskogemälden von Bernhard Rehcr verziert. Das größte derselben, ein Fries von 73 Fuß Länge und 8 Fuß Höhe, stellt Kaiser Ludwig des Baiern Einzug in München dar, welchen er nach dem Sieg bei Ampsing über Friedrich den Schönen, seinen Nebenbuhler um die deutsche Kaiserkrone, hielt. (Es wurde am 12. October vorigen Jahrs enthüllt.) Die Supporten der beiden «ordern Thürme sind mit den Wappen (48) jener edeln Geschlechter ausgefüllt, deren Söhne in jener Sieges-Schlacht tapfer mitgekämpft hatten. Die zwei kolossalen, in Sandstein ausgeführten Statuen, den Erzengel Michael mit dem Satan sowie den Ritter Georg mit dem erlegten Drachen zu den Füßen desselben (Gerechtigkeit und Tapferkeit) darstellend, sind unter dem Meißel des Professors K. Eberhard hervorgegangen. Das Ganze stellt eine festlich geschmückte mittelälterliche Burgfacade dar. Ml ü n rh e n. Erstes Ergänz «ngsheft. ^^Unchen bereichert sich alljährlich mit so vielen und auegezeichneten Schöpfungen der Baukunst, daß wir der Darstellung derselben, sobald sie, wenigstens im Aeußern, vollständig ausgeführt sind, von Zeit zu Zeit ein Ergänzungsheft zu widmen gedenken. Wir glauben die Reihe derselben am beßten durch eine zweite Totalansicht (Ysr. l) einzuleiten, um unsern Kunstfreunden, welche in einem frühern Heft (VIII »n. l) München rein in seiner städtischen Eigenthümlichkeit kennen lernten, nun auch die landschaftliche Umgebung der königlichen Residenz vor Augen zu führen. Unser Aeich- - ner wählte zu diesem Zwecke seinen Standpunct abermals auf der Seite des Gasteigberges, aber in einer Entfernung von etwa einer Stunde von der Stadt. Man erblickt hier München in ziemlich weiter Ferne mit der hohen Gebirgswand des baierischen Hochlands und Tirols im Hintergrunde. Den Vordergrund bildet die ziemlich lebhaft grüne Ebene von Haidhausen, durch welche sich die freundlich blinkende Jsar wie ein silberner Faden hinzieht. Ueber das ganze Bildchen ist eine warme, wohlthuende Beleuchtung ausgegossen, wie sie in den milden Frühlings- oder Sommertagen diese Gegend oft darzubieten pflegt. lX,'<>. 2 stellt die neue Ludwizskirche und die königliche tZiblio- thek in der Ludwigsstraße vor, welche beide zu den herrlichsten Kunstschöpfungen des Professors Gärtner in München gehören. "Nicht leicht wol, heißt es im Kunstblatte (December, 1833. lXro. 99. S. 410 ff.), welchem wir unsere Nachrichten über diese und die andern Bauten des genannten Architekten entlehnen wollen, ist ein Baumeister mit mehr Recht als Künstler zu beneiden gewesen, als Meister Bernhard von Florenz, dem Papst Pius II. eine ganze Stadt (Pienza) und zwar mit Kirchen, Palästen und sonstigen öffentlichen Gebäuden, aufzuführen übertragen. Wir, die wir nicht mehr in jenen bevorzugten Zeiten des IS. Jahrhunderts leben, dürfen wol mit gleichem Recht einen Baumeister glücklich preisen, dem der Ausgang einer großen, breiten Straße (der Ludwigsstraße) als Bauplatz für eine Reihe umfassender öffentlicher Gebäude angewiesen und deren Ausführung übertragen ist; denn es wird ihm dadurch möglich, dem Gemüth des Beschauers nicht nur eine Stimmung zu geben, sondern ihn auch darin zu erhalten; er kann zugleich aus der Reihenfolge von Kunstwerken, die in den meisten Fällen dem Zufall überlassen bleibt, selbst ein Kunstwerk bilden. Professor Gärtner hat diese seine Aufgabe vollkommen verstanden, und wir sagen in Uebereinstimmung mit der allgemein ausgesprochenen Ansicht, daß er bereits mit den (zum Theil) vollendeten Gebäuden der Stadt München ein neues, festliches und doch ernstes Gepräge gegeben." Bon den sieben großen Bauten am Ausgange der Ludwigsstraß?, welchen Professor Gärtner im Augenblicke vorsteht (das Priesterseminar, das Universitätsgebäude, das Damenstift, das Erziehungsinstitut für adliche Fräulein, das Blindeninstitut, die Bibliothek und die Ludwigskirche) hebt der Verfasser nur die drei letztgenannten Gebäude hervor, von welchen das Blindeninstitut und die Bibliothek bereits ganz vollendet sind, die Ludwigskirche aber ihrer Vollendung nahe ist, während die übrigen entweder nur zum Theil erst aufgeführt, oder noch aus ihrem Fundamente aufzumauern sind. tVgl. übrigens ?iro. 49 des Kunstblattes v. Jahre 1834.) Wir lassen nun die Bemerkungen desselben folgen, indem wir uns nur hier und da dem Zwecke unserer Darstellung gemäß einen Zusatz oder eine sonstige Abänderung erlauben. "Das Llinden insiitut ist das Eckhaus der Löwen- und Ludwigsstraße. Die (220') lange Seite des Oblongums, in dem es gebaut, ist nach der letztern gerichtet. Die Höhe des Gebäudes bis unter's Dach beträgt 73', wovon 28' 4" auf den Unterbau und Sockel bis an's Brustgesims, und 21' 2" von da bis an den obern Gurt kommen. Der niedrigste Theil des Gebäudes scheint das obere zu Schlafgemächern bestimmte Stockwerk zu seyn; und so täuschen die Gurte, wenn man nach ihnen die Höhe der Zimmer von außen zu erkennen meint, da der oberste, auf dem die Fenster aufsitzen, wenigstens 5' über dem Piano des Zimmers angebracht ist. Das Dach sitzt nicht unmittelbar auf der Hauptmauer auf, sondern es läuft über derselben und dem obersten Stocke eine 3' hohe, gleich starke Mauer hin, an deren Rückseite Fenster angebracht sind, durch die das Licht für den Boden gewonnen wird, und welche an der Vorder- und Rebenseite als ein reich mit Laubwerk und dem sogenannten deutschen Band geschmückter Fries erscheint, der das Dachgesims trägt. Der Dachstuhl indeß ist natürlich so construirt, daß die Hauptlast auf die Hauptmauer trifft. Die Fenster, von denen an der Fronte 13, an der Seite 6 neben einander stehen, schließen nach oben im Halbkreis, vertiefen sich mit Hohlkehlen und Wülsten, und im ersten Stockwerke mit Säulen, wodurch diele Fenster, obschon nicht höher, als die untern (9' 8"), ein reicheres und höheres Ansehen gewinnen. Die Fenster des zweiten Stockwerks (?/<' 2" hoch) enden im flachen Bogen. Besonderer Schmuck ist auf die beiden Eingänge verwendet, von denen jedoch der eine (vielleicht als inte- grirender Theil der Anstalt) blind ist. Auch sie sind in Bogen gewölbt, vorspringend, mit Giebelverdachung, deren Schenkel auf Sockeln ruhen, die, von reich geschmückten Pilastern gehalten, die Postamente von 4 Statuen bilden, deren Ausführung dem Professor Eberhard übertragen ist. Die Mauern des ganzen Gebäudes sind mit hydraulischem Cement bekleidet und in Quadern abgetheilt; die Portale sind von grünlichem Sandstein, mit Ausnahme der Kapitäle, welche von weißem Kalkstein sind." "Las Gebäude der königlichen Libliothek. Auf überraschende Weise trat dieser Riesenbau aus seinem Gerüst hervor. Eines so gewaltigen Eindrucks war Keiner gewärtig. Auf einer Längenausdehnung von 320' erhebt sich das Gebäude 84' hoch über den Plan der Straße, in 2 Stockwerken über dem erhöhten Erdgeschoß. Der Unterbau bis zum (diamantirten) Brustgesims, auf welchem die Fenster des Hauptstocks ruhe», ist mit dem Sockel (6') 38' hoch; von da bis zum Gurt des obern Stockwerks, der in Form des sogenannten deutschen Bandes an der Fronte unter den viel kleinern Fenstern hingezogen ist, sind es 27', von da bis zum Dachgesims 21' Z". Letzteres bildet mit seinen durch kleine Bogen verbundenen Tragsteinen und den blattartig geformten, roth eingefaßten gelblichen Dachziegelfortsätzen einen glänzenden, kronenartige» Schmuck des Gebäudes, der um so mehr wirkt, als er frei gegen die Luft steht, da das Dach, wenigstens in der Nähe, nicht sichtbar ist. 23 Fenster neben einander in jedem Stockwerk, und Z große Portale, zu denen man über eine breite, 12 Stufen hohe Doppelstiege kömmt, zieren die Fronte. Die Fenster des unteren Stockwerkes, in welchem das königliche Haus- und Staatsarchiv aufgenommen wird, sind 7' hoch und 3' breit. Sie sind, wie sämmtliche Fenster des Baues, im Halbkreis nach oben geschlossen, mit Wulste,, und Hohlkehlen vertieft und mit im gleichen Style gefügten Eisengittern geschlossen. Die Fenster des ersten Stockwerks sind dagegen 10' 3" hoch und 7' 8" breit, also viel beträchtlicher, die (hölzernen) Fensterstöcke theilen die Bogenfenster in zwei kleinere Bogen und nehmen zwischen denselben vier kleine Rosetten auf. Ihre Säulen sind mit Kapitälen von Laubwerk verziert. Die Fensterverdachungen sind spitzbogig, flach und von rothgebrannten Ziegeln, während an den Wänden die lichtgebrannten Ziegel unverputzt stehen geblieben, und das Erdgeschoß, in mäßiges Rustico abgetheilt, mit hydraulischem Zement überzogen ist. Da nun auch die Ziegelfortsätze des Daches roth eingefaßt und die Bogen der Tragsteine von rothen Ziegel», die Tragsteine selbst von Sandstein sind, so ergibt sich am ganzen Bau ein zwar einfaches, aber höchst angenehmes Farbenspiel. — Unserer Ansicht nach ist es um die Anwendung der Farbe zu architektonischen Zwecken ein sehr mißliches Ding; denn selten weiß eine Kunst, wie weit sie über ihre eigentlichen Grenzen gehen darf; wie denn im italienischen Mittelalter die Beweise vorliegen an den schwarz und weiß gestreiften Domen zu Siena, Pisa, an dem bunt ausgelegten Florenzer Dom und Glockenthurm ec. Hier jedoch wirkt der Farbenwechsel außerordentlich angenehm, was wohl seinen Grund in der Mäßigkeit und Einfachheit in der Anwendung, sowie auch darin hat, daß er sich genau der Construction anpaßt. — Die einzige Unterbrechung an der sehr langen Vorderwand macht die oben erwähnte Stiege, die mit ihrem, die ganze Breite der 3 Portale einnehmenden (30' langen und 8' breiten) Treppenplatz, ihrem schönen, aus Säulchen und Bogen gebildeten Geländer einen um so eindruckvolleren Schmuck des Ganzen machen wird, als sie auf den 4 obern Postamenten des Geländers 4 kolossale Statuen (des Aristoteles, Hippokrates, Homer und Phidias), auf den 2 untern 2 Kandelaber von weißem, marmorartigem Kalkstein erhält." Unter allen Bauten Gärtners nimmt die im I. 182g angefangene Ludwigskirche, welche nach ihrer gänzlichen Vollendung das Prototyp des gereinigten florentinisch-byzantinischen Kirchenstyls darstellen wird, als ein wahrhaft classisches Werk den ersten Rang ein. Sie erhält 2 Thürme und hat drei Thore hinter einer Vorhalle. Die Breite der Hauptfayade zählt 160', die Länge des Schiffes 260 und die Höhe der bis auf die zwei obersten Absätze aufgeführten Thürme wird 220 baierische Schuh betragen. Ueber diese Kirche bemerkt der Verfasser obiger Nachrichten a. a. O. Folgendes: »sie vordere Lacade der Ludwig-Kirche. So oft wir an diesen Bau treten, der fast einstimmig für den schönsten der neuern in München erklärt wird, bedauern wir, ihn ohne die mindeste räumliche Auszeichnung wie ein anderes Haus in die Reihe gestellt zu sehen; ja sogar den freien Platz gegenüber in der Löwenstraße hat man ihm nicht gegönnt, sondern Bauplätze daraus gemacht; und so bleibt denn nirgends ein rechter Standpunct zur Uebersicht desselben. Vor allen sind es die liturgischen Gebäude, denen vor den zu bürgerlichen Zwecken bestimmten die Auszeichnug bleibt, daß sie Kunstwerke seyn können; als solche aber müßten sie von dem gewöhnlichen menschlichen Treiben entfernt sein, wie es auch in alten Zeiten so gehalten worden. Aber auch ihre religiöse Bestimmung verlangt eine Absonderung, und wir halten es sowohl für die Würde der Anstalt, als für die Kunstfreunde unerläßlich, daß eine Kirche einen freien Platz um sich oder wenigstens vor sich habe. Selbst die mögliche Einwendung, daß es für die Ludwigskirche nicht vortheilhaft wäre, wenn man sie, die bis zum Giebelkreuz nur 1l0' hat, mit der 48' hohen und eben so langen Bibliothek zugleich übersehen würde und daß ihr ikre Wirkung nur durch Emporsehen gesichert werden könnte, würde uns nicht zu anderer Ansicht bringen, da wir, durch vielfältige Erfahrungen belehrt, gerade die Lage des Gebäudes mit zu den wesentlichsten und wirksamsten Theilen desselben rechnen und den Platz vor der Kirche dieser selbst an ihrer Größe ansetzen müssen; (auch ist es leider nur zu fühlbar, wie sehr die kolossale Größe der nebenan liegenden Bibliothek den Totaleindruck der Ludwigskirche schwächt, und ihr fast ganz das Imposante benimmt, was dem altdeutschen Kirchenstyl eigen ist). Dieses nun abgerechnet, bleibt dem Gebäude an sich sein hoher Werth als Kunstwerk.» „Von außen betrachtet, theilt sich die Fa?ade nach der Breite in 6 Theile, das Mittelschiff, die Seitenkapellen und die beiden Thürme; nach der Höhe aber (mit Ausnahme der Thürme) in 3, wovon den untern die Säulenvorhalle, den obern die Nischen mit den Statuen Christi und der Evangelisten, und den obersten der rechtwinkelige Giebel mit der 27—30' hohen, ihn tragenden Mauerfläche, der Rosette darin und den beiden -Aposteln Paulus und Petrus (auf den Streben) und dem Kreuz (auf der Spitze des Giebels) schmückt. Die beiden durch die ganze Fa^ade fortlaufenden und die genannten Abtheilungen bezeichneten Friese, sowie die Bogen über den Nischen des mittlern Feldes sind mit architektonischen Arabesken (im Style des Giotto), die aus der Fläche des Steins an Ort und Stelle herausgearbeitet sind, auf das Reizendste verziert. Neu und ganz vortrefflich ist der Schmuck des Giebel», der sich in convex und concav gebildeten Blumen wie ein Kranz an dessne Gesims ansetzt und so gearbeitet ist, daß Luft und Licht durchspielen. Die gleichen Blumen zieren auch Säulen und Pilaster der Vorhalle, bei der uns als constructive Merkwürdigkeit auffällt, daß die beiden mittleren Säulen die Bogen des Kreuzgewölbes tragen, daß mithin die Stärke derselben und der Druck der obern Masse eine Widerlage unnöthig macht.» „Die ganze Fa?ade selbst, sammt den Thürmen und mit Einschluß der Ornamente und Statuen, ist ganz aus Quadern von weißem, marmorartigem Kalkstein erbaut; die Seitenwände erhalten einen gleichartigen Ueberzug; das Dach hingegen ist bereits mit bunten Ziegeln gedeckt, und zwar nach einer in architektonischer Verzicrungsweise gehaltenen Zeichnung, so daß es wie ein bunter, gewirkter Teppich über die Kirche sich hinbreitet. - Man hat mehrfach den Wunsch ausgesprochen, es möchten an der Fapade auch einige Farbenspiele angebracht sein, namentlich an den Arabesken; die Nischen sollten zur bessern Verdeutlichung der Statuen einen Ton haben, diesen selbst dürsten Goldfäume an den Gewändern und dergleichen gute Dienste thun. Wir wissen wol, daß zur Zeit, als der Styl dieser Kirche herrschend war, dergleichen Beihilfe von der Malerei in Anspruch genommen worden; allein so wie unser Architect sich erlaubt hat, von jenem Style abzuweichen, wo er offenbar willkührlich wird, z. B. in Anwendung antiker Formen, und daran vollkommen Recht gethan hat, so und noch viel mehr Recht hatte er, von dem Gebrauch der Farben, wie wir ihn an den Domen von Siena, Or- vieto ec. wahrnehmen, gänzlich abzustehen und die Formen allein wirken zu lassen, was offenbar der Würde der Architektur gemäß ist." »Sollten wir nun noch den Eindruck des Ganzen näher bezeichnen, so finden wir zwar darin nicht jene Gemüth und Phantasie bewegende Erhebung, welche die altdeutsche Baukunst (des Spitzbogenstyls) auszeichnet, aber eine durch Verhältniß und Maß herbeigeführte Seelcnberuhigung, die bei richtiger Anwendung immer durch die Horizontale und den Halbkreis gewonnen werden wird.» So wie das Aeußere, so wird auch das Innere dieser Kirche vollendete Kunstschöpfungen darbieten. Namentlich wird Meister Cornelius darin Z Colossalbilder, die Anbetung der Hirten, die Kreuzigung Christi und daS jüngste Gericht, al Fresko ausführen. Bereits in dem Frühling 1836 hat Cornelius mit dem letztgenannten Bilde, welches er selbst für das beachtens- wertheste Ergebniß seines Lebens erklärt, den Anfang gemacht, und wird nun ununterbrochen und ohne Gehülfen daran bis zur Vollendung arbeiten. Die höchste Bedeutung der Lehre vom jüngsten Gerichte, wie es die Kunst, im Dienste der Kirche, auffassen kann, liegt in seiner Darstellung; und wenn Dante die Wirkungen des Einzel-Gerichts, Michel-Angela das allgemeine und letzte Gericht geschildert, so hat Cornelius die Summe von beiden — das ewige Gericht — uns vor Augen gestellt. Wir hoffen daher des Beifalls unserer Leser gewiß zu sein, wenn wir über dieses höchst interessante Bild einen ausführlichen Bericht im Kunstblatte vom Dec. 1836 iXro. 9ti—99, jedoch nur insoweit er die bildliche Darstellung des großen Meisters selbst betrifft, in gedrängtem Auszugs mittheilen. „Treten wir nun vor den Carton, heißt es hier S. 403, so sehen wir im Allgemeinen die uns bekannte Anordnung beibehalten, Christus als Richter in der Mitte von Engeln und Heiligen umgeben, unter ihm die Posaunenengel und das Buch des Lebens und Todes, links die Verdammten nebst Hölle und Teufel und dem obersten der Teufel, rechts die Seligen, zwischen beiden der Erzengel Michael und zuletzt die Auferstehenden. Gehen wir sodann von der allgemeinen Uebersicht des mit reinstem plastischem Sinne geordneten Reichthums von Gedanken und Anschauungen zu dem Einzelnen über, so fesselt unsern Blick zunächst die mächtige, hoch auf Wolken thronende Gestalt des Weltenrichters. Mit erhobener, nach oben geöffneter Rechten spricht er die Annahme der Frommen, mit vorgewandter Linken das Verdam- mungsurtheil der Bösen aus. DaS angezogene rechte und ausgestreckte linke Bein, die nur verneinende links Hand, die in einzelnen Partieen fliegenden Haare, der bewegte Ausdruck des Gesichts, zeigen, daß der Künstler ihn zwar nicht in den Sturmbewegungen des Michel Angela, aber weit entfernt von der leidenschaftlosen Ruhe des sogenannten Danziger Bildes sich gedacht, sondern das aufgefaßt hat, was Johannes von ihm schreibt, „daß ihm Gott das Gericht übergeben habe, darum, daß er des Menschen Sohn sei," d. h. (nach dem Briefe der Ebräer 2, 17), daß „er seinen Brüdern gleich geworden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vor Gott, zu versöhnen die Sünde des Volkes; denn darinnen er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden." Unverkennbar spricht sich im Christus des vorliegenden Bildes, trotz der Majestät, vor der sich Alles beugt, trotz der Macht, die Alles durchschaut und richtet, jene tiefe Bewegung aus, die der Mensch Jesus (l. Tim. 2, S.) bei der Verur- theilung seiner Brüder zur ewigen Berdammniß empfinden muß." „Ueber Christus schweben, je drei zu jeder Seite, die Passionsengel mit Kreuz, Schweißtuch, Nägeln, Schandsäule, Dornenkrone, Schwamm und Lanze, als Zeuge dessen, was Christus gethan, der Menschheit zur Seligkeit zu verhelfen. — Neben Christus zu beiden Seiten knieen, ganz in Anbetung versunken, zu seiner Rechten Maria, zur Linken der Täufer Johannes. Ihre gefalteten Hände und seine gekreuzten Arms sprechen nicht, wie Einige wollen, Fürbitte aus; kein Zug des Gesichts, keine Bewegung des Körpers unterstützt diese Annahme; sie sind die ersten Gläubigen, und nun hat sich ihr Glaube in Schauen verwandelt und die Folge davon ist Entzückung, Anbetung. Nun sehen wir zu beiden Seiten nebst einigen weniger charac- terisirten Männern, rechts Petrus, Jakobus und Johannes, und nach einem kleinen Awischenraume Paulus; links Abraham, Noah, Moses und David, — als die würdigsten Repräsentanten des alten und neuen Testaments. Alle diese Gestalten sind in übermenschlicher Größe gehalten (die Höhe des sitzenden Christus wird 12^ betragen), so daß auch von dieser äußern Seite ihre Wirkung gesichert ist." „Unter der obern Mittelgruppe, in gleicher Größe, sehen wir die vier Engel, die, nach den vier Winden mit ihren Posaunen gerichtet, die Lebenden und Todten zum Gericht rufen. Die Bilder, deren die heilige Schrift sich in Bezug auf diesen Ruf bedient, erlauben, ja bedingen in der Darstellung eine heftige, stürmische Bewegung, mit welcher denn auch diese Engel! — im scharfen Gegensatz der Ruhe des Himmels über ihnen — ihr Amt verrichten. In ihrer Mitte sitzt, das Haupt, wie in heiliger, aber furchtbarer Entzückung erhoben, mit wild fliegendem Haar, Flammen-sprühendem Blick, geschlossenem Munds, die Füße übereinander geschlagen, der Engel mit dem aufgeschlagenen Buche des Lebens und Todes. So weit unsere Kenntniß im Gebiete der bildenden Kunst reicht, hat diese eins ähnliche Aufgabe auf gleiche Weise nicht gelöst; diese Gestalt ist dem Cornelius ganz eigen und gehört zu den gewaltigsten, die seine Hand gezeichnet." „Die Auferstehung hat der Künstler durch eine Scene bezeichnet, die tief durch jedes Herz dringen muß, das ein zweites unter die Erde gelegt. Liebende finden sich im Erwachen wieder, und der Engel Gottes krönt sie mit Unsterblichkeit. Daneben steht eine Gruppe Männer, die wir zu den Lebenden rechnen; mit Sicherheit erkennen wir den König, dessen Name mit allem Größten, was die neue deutsche Kunst hervorgebracht, in innigster Verbindung stehen muß; ihr entzückter Blick sagt uns, daß sie die Umwandlung bereits erfahren." „In dem Höllenraum sitzt Satanas, halb in einen Mantel gehüllt, recht in der Finsterniß auf einem Thron, der über dem Felsensingang zur Hölle steht; statt des Scepters hält er einen Doppelhaken in der Linken, die Rechte saßt ein Schlangenbündel; zum Schemel seiner Füße dienen ihm zwei Verbrecher, von denen der Eine am Strick um den Hals und dem Beutel mit den Zst Silberlingen in der Hand als der Verräther Christi kenntlich, der Andere der Verräther seines Vaterlandes, Segest, ist, die wir Beide, da wir über ihr persönliches Schicksal nicht so genau unterrichtet sind, als allgemeine Bilder des schändlichsten Verraths betrachten, dem kein besserer Platz gebührt. Satanas ist ziemlich menschenähnlich; die Züge des Gesichts jedoch sind katzenartig zusammengezogen; der Mund geht in einen Hunderachen über; krumme Hörner legen sich um die spitzen Ohren; das Fleisch hängt ihm um die Knochen; die Finger werden zu Klauen. Die Wendung ist scharf und bestimmt; wir sehen das Gesicht fast im Profil, und zwar nach einer Gruppe Verdammter, die auf den Knieen vor ihm liegt, gerichtet. Unter diesen erkennen wir zuerst einen Schlemmer, sodann einen Geizigen, der sich besorgt um den Geldsack, den er an sich drückt, nach einem verfolgenden Teufel umsteht, einen Gewaltthätigen oder Jähzornigen, der festgebunden herbeigeschleppt wird, eine Kindesmörderin und eine Buhlerin, an der bereits des Satanas Urtheil von einem Teufel vollzogen wird, der ihr den Doppelhaken in den Leib setzt, um sie rückwärts hinabzuziehen» Außerdem naht sich dem Richtvrstuhl mit scheinheiligem Tritt das Gezücht der Heuchler, unter denen wir einen Mönch und einen evangelischen Geistlichen erkennen. — Die Gruppe, als solche, ist von höchster Wirkung; die Charaktere sind durchaus allgemein gültig, obschon ganz individuell; über keinen bleibt ein Zweifel." — — „Treten wir nun vor die Pforten der Hölle, so sehen wir davor drei Gestalten, gebrochen und in sich gefallen, abgewendet von allem dem, was Außen ist — es sind die Neidischen, deren Strafe die Fortsetzung ihres ge- nußloscn Lasters ist. Weiter nach vorn reißt mit unsanfter Umarmung ein Teufel ein Weib, das vergebens sich loszuwinden und an einem Mann anzuklammern strebt, von Letzterem, um die Strafe für das Verbrechen des Ehebruchs zu empfangen; daß der »eben dieser Scene die Fäuste ballende, von einem Diener des Satanas geschleifte Mann auch für Laster sinnlicher Ausschweifungen zu büßen hat, sieht man den schmerzvoll verzerrten Zügen des Gesichts und der ganzen Körperbewegung an." „In dem Raume zwischen Himmel und Hölle ist der Sturz der Bösm vorgestellt. Gemeinschaftlich arbeiten Engel und Teufel gegen die heftig auf- und widerstrebenden Sünder, um sie ihrem ewigen Verderben zu überantworten. Vergebens würde die Feder versuchen, den wunderbaren Knäuel heftiger Verwirrung der Steigenden, Stürzenden, Geschleuderten, Gerissenen, ihren Kampf, ihre Wuth, Schmerz und Kampf der Gequälten dem Künstler nachzuschildern." „Ehe wir nun zu den Seligen hinübergehen, verweilen wir vor dem Hüter des Reiches Gottes, dem Erzengel Michael, der in römischer Rüstung, mit dem Diademe geschmückt, mit erhobenem Schwert und erhobenem Schild Wache hält. Weder zur Rechten, noch zur Linken gewendet, bildet er die eigentliche Scheidewand zwischen Guten und Bösen." - — „Die Seligen bilden einen Reigen, von Engeln durchwoben; sie halten sich an den Händen gefaßt, umarmt, umschlungen und, wie sonst, zart und innig vereinigt; die Richtung ihres Flugs ist eine doppelte, aufwärts und einwärts, so daß sie sich in die Tiefe der Hölle verlieren; Aller Blicke sind in seliger Entzückung nach oben gerichtet, und doch sind sie schon Genossen des Glücks, das sie erwartet; Anbetung und Gottesfriede ist der Hauch, der sie Alle trägt; und wo unser Blick nur ruhen mag, wird er selbst beseligt. Wie von heiliger Musik gehoben, ja gebildet, erscheinen die Theile dieses himmlischen Kranzes, und die Linien dringen wie Wohllaut in unser Auge. Wir betrachten sie als den Kanon alles Schöne». Es ist kein Unterschied unter ihnen; kein Verdienst hat sie selig gemacht; was sie sind, sind sie durch die freie Gnade Gottes, und wie viele Beziehungen auch die Schrift erlaubte, der eine große Gedanke göttlicher Erbarmung blieb das einzige Motiv. Dem entgegen ist es durchaus nicht, daß wir Dante's von dem Bilde des Himmels unzertrennlicher Gestalt begegnen, daß wir Papst und Bischof —welche wunderbare, in höchster Begeisterung geschaffene Gruppe! — aufgehoben erblicken, daß ein König (oder Kaiser) die Palme des ewigen Lebens empfängt, wir erkennen darin den Schmuck eines mächtigen, Alles umschlingenden Gedankens. Ueberhaupt aber ist die ganze Seite der Seligen nicht nur das Schönste im ganzen großen Werk, nicht nur das Vorzüglichste, was die reich begabte Hand des Cornelius geschaffen, sondern sie gehört zu dem Herrlichsten, was überhaupt je die Kunst hervorgebracht." lXro. Z stellt die neue St. M a ri a-Hi ls-Kirch c in der Vorstadt Au dar. Dieser in beständiger Bevölkerungszunahme begriffene Stadttheil fühlte schon längst das Bedürfniß einer neuen Kirche, da die ältere Maria- Hilf-K'rche (erbaut von 1632—35) für ihre Seelenzahl, die sich gegenwärtig auf etwa >0,000 beläuft, durchaus nicht mehr hinreicht. Sobald daher der König Ludwig nebst dem Versprechen kräftigster Unterstützung seine Einwilligung zum Bau einer neuen Kirche ertheilt hatte, wurde dieselbe nach dem Plane des Architekten Ohlmüller aus Bamberg, welcher unter mehreren eingereichten Entwürfen den Beifall des Königs erhalten hatte, am 28. Nov. I8ZI, dem Tags der Grundsteinlegung, unverzüglich begonnen und so rasch damit fortgefahren, daß man den äußern Bau gegenwärtig als vollendet ansehen darf. Diese im reinsten deutschen Style aufgeführte Kirche macht dem Kunstsinne des Königs Ludwig um so größere Ehre, als sie auf das Ueberzeugendste beweift, wie dieser erhabene Kenner und Freund der Kunst das wahrhaft Schöne in jedem Style, in dem antiken, wie in dem mittelalterlichen und modernen, zu schätzen und anzuwenden weiß. Der höchst einfache Grundriß derselben theilt sich in 3 gleich hohe Schiffe, in welchen runde Pfeiler in Verbindung mit kleinern Rundsäulen die durch einfache Gräten gebildeten Kreuzgewölbe tragen. Der aus demAehneck construirte erhöhte Chor baut sich nach außen in der ganzen Breite der Kirche vor. Im Innern ruht das mittlere Gewölbe auf 16 Säulen, wovon 6 von stärkerem Umfang und reicherer Verzierung als die übrigen bei dem inneren Chorabschluß stehen und durch eine Mauer verbunden sind. Sehr zweckmäßig ist dem Mißstande eines äußern Anbaues, welcher die schönsten deutschen Dome zu entstellen pflegt, dadurch abgeholfen, daß der Raum hinter dem Chöre zu einzelnen Gemächern, Sacristeien und dergleichen bestimmt ist. Der Thurm, der sich über dem Giebel der Farads zu einer Höhe von 270 Fuß erhebt, ist in Gestalt einer durchbrochenen Pyramide aufgeführt. In dem unteren Raume befindet sich der Haupteingang in die Kirche; links und rechts auf den beiden Nebenseiten zunächst des Thurmes führen 2 Seiteneingänge in Vorhallen, welche sowohl in Verbindung mit dem Thurme als mit der Kirche stehen. In der Mitte zwischen beiden liegen rechts und links 2 kleinere Thürmchen, worin sich die Treppen befinden. Eine Rosette an der Vorderseite und 19 Fenster, wovon die am Chor 11 Fuß breit und 40 Fuß hoch, die am Schiff hingegen nur 9 Fuß breit und 45 Fuß hoch sind, geben der Kirche ein reichliches Licht. Letztere werden mit Glasgemälden geziert, welche nach den eben so gemüthlich als großartig aufgefaßten Zeichnungen des Malers Rüben aus Trier unter der Leitung des Professors Heinrich Heß in der Münchener Porzellan-Manufactur in größter Vollendung ausgeführt werden. Der Gegenstand derselben ist aus dem Leben der heiligen Maria gewählt, und gibt jedesmal ein Hauptbild, das mit der darauf Bezug habenden Umschließung ein Ganzes bildet. — Auch in seinem Innern wird dieser Kirchenbau der Kunstliebe und Pietät des Königs noch anderweitige schöne Zierden zu verdanken haben. — Der vordere Theil nebst den 3 Portalen ist ganz aus Sandstein construirt, der Thurm von Back- und Sandstein, die Kirche dagegen nebst ihren Pfeilern nur von Backstein, jedoch mit einer so bewundernswürdigen Schönheit und Reinheit, daß sie jede andere äußerliche architektonische Verzierung überflüssig macht. Wir glauben, den noch übrigen Raum nicht besser benützen zu können, als indem wir nun noch einige andere merkwürdige Gebäude Münchens, welche theils schon vollendet, theils erst im Entstehen begriffen sind, und deren Abbildung wir uns für spätere Zeiten vorbehalten, der Vollständigkeit wegen hier wenigstens mit einigen Worten berühren. Vor allem zählen wir dahin die in den I. 1828—32 im byzantinischen Style aufgeführte Allerheiligen-Kirche, welche als neue Hofkapelle in unmittelbare Verbindung mit dem Residenzbaue zu stehen kömmt. Der König wünschte sie eigentlich ganz getreu nach einer Zeichnung ausgeführt, die er von einer byzantinischen Kapelle in der Nähe von Palermo hatte nehmen lassen; Klenze jedoch, dem die Ausführung dieses Bauwerks übertragen ward, erlaubte sich manche Abweichungen davon. Die Fronte der Kirche hat im Erdgeschosse 4, im ersten Stockwerke zwei große Fensterstöcke, und zwischen den letztern noch ein großes Rundsenster, welches nicht wenig zu der Eleganz der Farads beiträgt. Besondere Aufmerksamkeit verdient das herrliche byzantinische Portal, über welchem sich ein herrliches Basrelief von Eberhard, Jesus, Maria und St. Johannes darstellend, befindet. Neben den reinen Verhältnissen, in welchen das Ganze gehalten ist, macht auch der schöne Stein, woraus Portal und Fayade gebaut sind, so wie die feine vollendete Arbeit des Ganzen den angenehmsten Eindruck auf das Auge. Das Innere der Kirche, welches 3 große Tribünen für den Hof und ein beträchtliches Parterre für das Publicum enthält, wird theils von Heß selbst, theils unter seiner Leitung im strengen ersten Style der byzantinischen Schule auf Goldgrund mit Freskomalereien geschmückt. In das Awickelfeld der Kuppel des alten Testaments kommen nämlich: Roah, Abraham, Jsaak und Jacob, sämmtlich von Heinrich Heß selbst ausgeführt; in das Awickelfeld der Kuppel des neuen Testaments: die Evangelisten St. Johannes, St. Matthäus, St. Lukas (unter Leitung des Prof. H. Heß, von Joh. Schraudolph); außerdem St. Jacobus der ältere, St. Simon, St. Jacobus der jüngere, Noah's Weinbau, Noah's Schlaf, Noah's Fluch und der Thurm zu Babel (alle sieben Stücke unter Leitung desselben Künstlers, von Joh. Binder). Ueber den Altar kommen: das Sacrament der Taufe, der Firmung, der Beichte und der Ehe unter derselben Leitung von Max Seitz). — Uebrigens beträgt die Länge des ganzen Baues 165, die Breite 100 Fuß. Dieser Kirche gegenüber befindet sich die kiiniglichc Kcitbahn, welche gleichfalls nach dem Plane des Herrn v. Klenze (1822) aufgeführt wurde. Sie ist 300 Fuß lang und 83 Fuß breit. Die dorischen Säulen des Hauptthors tragen die kolossalen Büsten von Castor und Pollux; außerdem zieren noch große in Kupfer getiebene Pferdeköpfe und eine lateinische Inschrift die Farads. Das Dach ist mit Platten aus Gußeisen, nach der Construction des Hofbauinspectors Thurn, gedeckt. Unmöglich können wir schließen, ohne nun noch der drei großen Gebäude zu erwähnen, welche nach den Plänen und unter der Leitung des Architecten Ziebland in der neuen Karlsstraße und zwar in der Gegend der Glyptothek, in einem mit derselben harmonirenden Style aufgeführt werden. Das eine dieser Gebäude ist die dem heilige» lZanisacius geweihte Kirche oder Üasilica im altitalienische» Basilikenstyle, welche, nach dem Entwurf zu urtheilen, eine der größten und prächtigsten der ganzen Hauptstadt wird, indem sie im Innern 3 Schiffs mit 99 marmornen Säulen (jede aus Einem Stück mit Capitälen aus weißem Marmor) erhalten und durchaus mit Freskomalereien geziert werden wird. Das zweite Gebäude ist das mit der Basilika unmittelbar verbundene L-nedictinerKloster, welches der Glyptothek gerade gegenüber zu stehen kömmt. Das dritte Gebäude ist zur Ausstellung baier i scher Industriegegenständc bestimmt. Beide letztgenannte Gebäude werden im korinthischen Tempelstyl aufgeführt. Der Versasser obiger Mittheilungen im Kunstblatt verspricht auch über diese höchst interessanten Bauten nähere Nachricht, worauf wir deßhalb einstweilen unsere Leser aufmerksam machen. FW ü n t h e n. Ergänz,» I stellt das Rathhall- und den untern Theil des Schron- uenplatzcs in München dar. Da wir bereits zu der in Heft IX. Xr», ü. gegebenen Ansicht des obern Theils des genannten Platzes auf die Hauptmerkwürdigkeiten desselben im Allgemeinen aufmerksam gemacht haben; so fügen wir hier, mit Verweisung auf das dort Angemerkte, nur noch das hinzu, was gerade der hier dargestellte Theil des Schrannenplatzes darbietet. Dahin gehört vor Allem das Rath Haus, besten Hauptjeite freilich gegen Abend nach dem ehemaligen Marktplatze gerichtet ist. Das Rathhaus ist ein durch sein Alter merkwürdiges Gebäude, indem der Hintere Flügel desselben noch der Burg angehört haben soll, die Heinrich der Löwe erbaute. Der 105 Schritt lange und 58 Schritt breite Saal des Rathhauses hat eine hohe gewölbte Decke, an deren Gesimse ringsum 100 Wappen europäischer Herrscherfamilien und Städte abgebildet sind. In diesem Saale wird alljährlich die Preisvertheilung an die Schüler der deutschen Stadtschulen vorgenommen; auch werden hier immer die Preisfahnen aufgehängt, welche bei dem Octoberfest vertheilt werden. Hier wird ferner der Wollmarkt gehalten, und zur Zeit der beiden Messen oder Dulten verkaufen hier die Tuchmacher, aber nur in ganzen Stücken. Das Rathhaus hat auch noch einen kleineren Saal, in welchem, sowie im Vorsaale, die Geräthschaftcn und die ganze Einrichtung noch dieselben sind, wie sie in den ältesten Zeiten waren; auch sieht man in demselben die vier Thore des alten Münchens abgebildet. Der neben dem Rathhause stehende und jetzt dazu gehörige Thurm war ehemals ein Stadtthor, das untere oder Thalbrückenthor genannt. n g s b a l t t. Rechts von demselben schaut die Spitze der heiligen Geistkirche hervor, welche im Jahr 1730 verschönert und mit einem Thurm versehen und darauf im Jahr 1731 neu eingeweiht wurde. Das zweite Haus rechts von dem Rathbause soll zur Wohnung des edlen Schwedenkönigs Gustav Adolf, bei seinem hiesigen Aufenthalte im Jahr 1032, gedient haben; wenigstens sind noch jetzt zur Erinnerung dieser ehrenvollen Auszeichnung drei gemalte Kronen an demselben zu schauen. Noch ist als Merkwürdigkeit dieses Platzes der links befindliche Fisch- l>run neu zu bemerken, in welchen alljährlich am Fastnachtsmontag unter vielen altherkömmlichen Feierlichkeiten von den jungen Metzgerburschen der sogenannte Metzgersprung geschieht. Xr», 2. stellt das A-rlsthor in München dar, welches zu den alterthümlichen Theilen der Stadt zu zählen ist. Es trägt den Nomen des unvergeßlichen Karl Theodor; auch sieht man an demselben das Reichsvica- riatswappen zum Zeichen, daß Karl Theodor zweimal Reichsverweser war. Der schöne Halbkreis von Häusern, der sich rechts und links an das Karlsthor anschließt, das sogenannte Rondell, wurde 1700 zu bauen angefangen und 1802 vollendet. Vor dem Karlsthor befindet sich, sowie vor den übrigen Thoren, ein freier Platz, der sogenannte Karlsplatz, der sich würdig an die freien Plätze in der Stadt anschließt. Auf demselben werden während der zwei alljährlichen Messen Buden mancherlei Art aufgeschlagen, als! für die Kunstreiter, die Menagerie wilder Thiere, die Wachsfiguren, Tischlerwaaren u. s. w.; auch befindet stich vor dem Karlsthore der Hafcnmarkt, zu welchem die Verkäufer fast alle von den Provinzialstädten, selbst bis von Passau her, kommen. Augsburg. Wo deutscher Fleiß mit deutschem Geist sich paaret. Da prangt des Bürgcrwohlcs höchste Blüth'; Es wird der cinz'lne Bürger selbst zum König, Sein Handel reicht i» ferne Länder hin; Es steigt der Häuser stolze Zahl empor. Es blüh'» Gewerbflciß, Kunst und Wissenschaft — So glänzte Augsburg einst in alter Zeit, So strahl' es jetzt in schönerm Glänze wieder. uzsburz — ursprünglich der Hauptwohnplatz eines deutschen Volkes, der Vindelicier, sodann eine, durch Kaiser Aügustus gegründete, blühende und mächtige Colonie (^u^usta Vinllelieorui») und Hauptstadt der Provinz Vindelicien (später Rhätien), in der Folge eine der ansehnlichsten und durch Handel und Industrie blühendsten Reichsstädte und Bischofssitze Deutschlands, gegenwärtig Hauptstadt des königl. baierischen Oberdonaukreises und Sitz der königl. Regierung dieses Kreises, einer Kammer des Innern und der Finanzen, sowie eines noch immer sehr bedeutenden Handels und Gewerbfleißes mit etwa 37000 Einwohnern in fast 4000 Häusern, — liegt auf einem Hügel zwischen den beiden Flüssen, dem Sech und der Wertach, in einer zwar ziemlich flachen und einförmigen, aber in sehr üppiger Vegetation prangenden Landschaft, aus welcher nur gegen Süden in bläulicher Ferne die schneebedeckten Gipfel der Tyroler Berge bei heiterem Wetter emporragen. Dieses höchst anmuthige Landschaftsgemälde von etwa 4—5 Stunden im Umkreise und mit der Stadt im Hintergrunde überblickt man am schönsten von dem im Osten von Augsburg eine gute Stunde entfernten alten Städtchen Friedberg, welches gleich einer Mauerkrone die Stirn einer nicht unbedeutenden Anhöhe bekränzt. Es ist der Standpunkt unserer Totalansicht von Augsburg (Ergänzungsheft Issro. 4.), an welche wir, wie gewöhnlich, unsere artistisch-topographische Beschreibung dieser höchst merkwürdigen Stadt, jedoch mit besonderer Hervorhebung der in den Specialansichten dargestellten wichtigsten Punkte derselben, anreihen wollen. Unsere nächsten Bemerkungen sind daher auch den beiden Hauptgebäuden und Zierden der Stadt, der Domkirche und dem Rathhause, gewidmet. Die der heiligen Jungfrau geweihte Dom Kirche (Fro. 3.) ist ohne Zweifel das älteste der jetzt noch vorhandenen Gebäude Augsburgs, und der Platz, auf dem sie steht, einer der historisch merkwürdigsten. Denn hier, und zwar auf der Stelle, welche der obere Theil derselben einnimmt, war das Forum der römischen Colonie, wo in öffentlichen Verhandlungen Recht gesprochen wurde. Hier stand auch die Basilika oder die mit Bogengängen versehene, bedeckte Gerichtsstätte; und noch haben sich von dem Ponticus oder bedeckten Gang des Forums Säulenüberreste und Benennungen bis auf die gegenwärtige Zeit erhalten. In ihrer ersten Anlage, wahrscheinlich bereits im sechsten Jahrhundert, wo nicht früher, unterlag die an dieser Stätte errichtete Kirche den Stürmen der Zeit, besonders den verheerenden Einfällen der Ungarn. Erst 994 ließ sie Bischof Luithold mit Unterstützung Adelheids, der Gemahlin Kaiser Otto's, wieder herstellen, Bischof Ulrich erhob sie darauf zur Cathedrale, Bischof Bruno ließ sie bereits zu Anfang des eilften Jahrhunderts erweitern und Bischof Heinrich 1037 mit Kreuzgängen versehen. Unter Bischof Embriko (1004 — 1077) kamen die zwei spitzen Glcckenthürme hinzu, und im Jahr 1072 goßen die zwölf Hausgenossen (Gehülfen des hiesigen Münzmeisters) die noch jetzt vorhandenen bronzenen Thürflügel des (zweiten) vorderen Portals, welche auf mehreren Feldern mit vielen sowohl christlichen als heidnischen Figuren und Gegenständen (als: der Erschaffung der ersten Menschen, einem Centaur ?c.) in erhabener Arbeit verziert sind. Bischof Siboto ließ 1229 den gegen Abend gelegenen unteren Chor über der Gruft mit sehr starken Mauern aufführen. Unter dem Bischof Friedrich Späth von Thurnegg wurde darauf der Dom innerhalb 10 Jahren erhöht. Im Jahr 1356 ließ der Bischof Marquard den östlichen Chor neu erbauen, welcher darauf erst im Jahr 1410 gewölbt und 1435 nach Abbrechung der St. Johanniskapelle unter Bischof Peter nochmals erweitert wurde. Die beiden Pforten der Kirche gegen das Frauenthor und gegen die Stadt zu, welche mit trefflichen Umstellungen von Heiligenbildern geziert sind, entstanden, die erste im Jahr 1344, die zweite im Jahr 1356. Im 16. Jahrhundert gab der berühmte Augsburger Baumeister, Eiias Holl, (geb. in Augsburg 1573, gest. 1656) dem einen der Thürme, der auf einem mißlichen Grunde ruhte, durch eine äußerst künstliche Vorrichtung mehr Festigkeit, und Bischof Heinrich von Möringen ließ sofort den einen derselben im Jahr 1599, den andern aber 1609 mit Kupfer decken. In beiden befinden sich die Glocken, von welchen die größte, im Jahr 1467 gegossen, 95 Centner wiegt. Der neueren Zeit entstammt endlich die an der Kirche angebaute Sakristei. So verschieden demnach die Zeiten sind, in welchen die einzelnen Theile dieser Kirche entstanden, so verschieden ist auch der Styl derselben; nur das Hintere Schiff nebst den Thürmen trägt den byzantinischen, alles übrige hingegen den altdeutschen Styl. Das Ganze macht daher auch keinen harmonischen oder besonders erhebenden Eindruck auf den Beschauer, so sehr ihn sonst dieses Gebäude als historisches Denkmal anzieht. Treten wir nun in das Innere, so finden wir uns in künstlerischer Hinsicht mehr befriedigt. Ganz im altdeutschen Baustyl ausgeführt, stützt sich dasselbe auf 56 hohe, in zwei Reihen aufgestellte Säulen, von welchen 14 königl. Gemäldegallerie aufgestellt, unstreitig eine der vorzüglichsten Zierden und Merkwürdigkeiten Augsburgs. Von Rubens befindet sich hier das Portrait seiner Mutter; eine allegorische Darstellung des Sieges der Tugend über das Laster und eine Anbetung der Hirten. Von Titians Meisterpinsel sind: Venus und Amor; die Gemahlin Karls V., Jsabella von Portugal; eine Magdalena; die Vermählung der heiligen Katharina, und sein eignes, von ihm selbst gemaltes Abbild. Die Bewunderung der Kunstfreunde verdienen das schöne große und kräftige Gemälde, die verklärte Maria mit des Malers Jasper Crayers von Antwerpen Portrait im Vordergrunde, sowie Marias Himmelfahrt von Karl Cignani; serner fünf Gemälde von Schlachten, welche unter der Regierung Karls V. verfertigt wurden; dann eine Martha und Maria von Tintoretto; eine bereuende Magdalena von Leonardo da Vinzi; eine Beschneidung Ckristi von Rembrand; die Verspottung des leidenden Erlösers von Gottfried Schalk; eine andächtige Maria und eine Madonna mit dem heiligen Kinde, beide von Albrecht Dürer, ersteres im Jahr 140!, letzteres im Jahr !5lk gemalt; dann ein Christus am Kreuz von Dürers Schüler, Georg Benz. Herrlich ausgeführt sind auch die Thierkämpfe von Franz Snyders, und merkwürdig zwei ganz ähnliche Naturgegenstände, nämlich zwei Wölfe, von welchen jeder ein Lamm zerfleischt. Joh. Paul Roßenhofer rang in dem einen dieser Gemälde um den Preis mit dem Maler Paudiz, und da dem ersteren der Vorzug zuerkannt wurde, so artete das beleidigte Ehrgefühl des Letzteren in Wahnsinn aus. Außer diesen sind noch Werke, welche aus Paul Veroneses, van Dyk, Rik, Poußins, Hans Holbein des ältern, Meisterhand hervorgiengen, und werthvolle Bilder von andern zum Theil unbekannten Malern. Ebenso befinden sich viele schöne Gemälde hier, welche aus den aufgehobenen Klöstern und Klosterkirchen hieher versetzt wurden. Aus der ehemaligen Dominikanerkirche prangt hier das schöne Altarblatt von Lanfranko, die Himmelfahrt Marias, sowie Sebastians Märtyrertod von Holbei» dem jüngern gemalt. Aus der St. Salvatorskir- che kam Christus am Kreuz zwischen den beiden Uebelthätern und die heilige Ursula hierher, beide von Burgmair, ersteres !5l0, letzteres 1504 gemalt. Die nun geschlossene Catharina-Klosterkirche lieferte für diese Gallerie Darstellungen aus dem Leben des heiligen Apostels Paulus, seine Enthauptung und seine Beerdigung von Holbein dem jüngern. Endlich befinden sich auch werthvolle Gemälde von neueren Künstlern, als von: Wagenbauer, Quaglio, Koch, Wagner, Aimmermann ?c. hier. Ein großes Lokal unter dem Dache enthält als Modellkammer viele künstliche und sehenswerthe Modelle, unter welchen das bereits erwähnte des bei Erhöhung des Perlachthurms angebrachten Gelüstes sowie das des alten Rathhauses besonders merkwürdig sind. Zwölf Treppen mit 220 Stufen führen zur höchsten Höhe des Ratbhausgebäudes. Verdient Elias Holl wegen des Plans und der Ausführung dieses merkwürdigen Gebäudes Ehre und Ruhm, so sind die Namen der übrigen Gehilfen, welche bei diesem Bau ihre Meisterschaft bewährt haben, gleichfalls würdig, der Vergessenheit entrissen zu werden. Als Zimmermeister arbeite hier Hans Müller. Die Schreinerarbeit besorgte Lorenz Bair und Bonacker, die Bildhauerei Christoph Murman. Der städtische Stück- und Glockengießer Wolfgang Neid- hard goß die metallenen Brustbilder, Wandleuchter, Schilde zc. und Wilh. Vogt von Landsberg lieferte die künstlichen Oefen in den untern Gewölben, von welchen durch eine in der ehemaligen Raths- und Stadtgerichtsstube angebrachten, mit einem Bronzegitter verkleideten Lcffnung die Wärme aufwärts steigt. Alle schien nur ein Geist, nämlich der, etwas Vollendetes und Ausgezeichnetes zu leisten, beseelt zu haben. (Fortsetzung folgt.) Augsburg. (Fortsetzung.) achdem wir im 10. Heft die beiden vornehmsten Gebäude der Stadt, die Domkirche und das Rathhaus, hervorgehoben haben, fahren wir fort, nunmehr auch die übrigen merkwürdigen Puncte derselben, soweit sie zunächst unsere Totalanficht (ysr. 6) darbietet, erklärend durchzugehen, indem wir dabei, von der linken zur rechten Seite fortschreitend, hauptsächlich nur die innere Stadt berücksichtigen. Der erste hier einigermaßen am Horizonte bemerkbare Höhepunct bezeichnet das rothe Thor, welches auf die Heerstraßen über München nach Tyrol und über Landsberg nach Italien führt. Schon im Jahr 1428 ließ der Rath, den Besuch der Hussiten fürchtend, hier einen starken Thurm erbauen. Einen neuen errichtete 1022 Elias Holl. Die schöne dabei befindliche Thorbrücke und der Doppelkanal wurden erst im Jahr 1777 von Joh. Christ. Singer errichtet. Seine gegenwärtige Benennung erhielt das Thor von seinem äußern rothen Anstrich; früher hieß es das Spital- auch Haun- stätter und Huchstätterthor. — Zunächst diesem Thor ragt die S«. kllr ichs- Kirche wegen ihres erhabnen Standpuncts auf einer Anhöhe höchst ansehnlich und gleichsam über die übrige» Gebäude der Stadt thronend empor. Diesem Umstände verdankte auch wol zur Zeit der Römer diesen Platz seine Bestimmung zum Capitol der nach den Gebräuchen jenes Volkes eingerichteten vindelicischen Pflanzstadt. An die Stelle desselben trat, wol zu gleicher Zeit mit der auf dem unteren Forum der Stadt erbauten Kirche (der nach- herigen Domkirche), d. i. bereits im 0. Jahrhundert, eine Capelle für die in Augsburgs christlicher Borzeit hochberühmte Glaubenszeugin, die heilige Afra. In dieser ersten Anlage aber erlag sie gleich der so eben genannten unteren Kirche den verheerenden Einfällen der Ungarn, bis der um die Stadt vielfach verdiente Bischof Ulrich (geb. 800) die später auch nach ihm genannte Kirche zu St. Ulrich und Afra von neuem wieder ausführte. Als auch diese schon nach 100 Jahren baufällig wurde, stellte sie Bischof Em- briko wieder her. Bischof Luitolf ließ in derselben eine Capelle für den unterdeß geheiligten Ulrich bauen und seine Gebeine dahin versetzen. Die Ehre einer Hauptkirche wurde ihr darauf durch Bischof Bruno zu Theil, der zugleich das Stift statt der früheren Kanoniker mit 12 Benediktinern besetzte. Im Jahr 1407 legte Bischof Peter den ersten Grundstein zu einer neuen Kirche, welche indeß nicht lange nachher durch die Gewalt eines Orkans umgestürzt wurde. Run endlich begann im Jahr 1477 der Bau des gegenwärtigen Gotteshauses, welcher aber so langsam vorangieng, daß im Jahr ISO» erst der Hintere Theil des Gebäudes eingeweiht werden konnte (bei welcher Gelegenheit Kaiser Maximilian mit großem Gepränge selbst den Grundstein zum Thor legte), und das Ganze erst seit dem 20. Aug. 1007 in seiner gegenwärtigen Gestalt (Zlv Schuh lang und 94 Schuh breit) vollkommen ausgeführt dastand. Der 300 Schuh hohe stattliche Thurm, zu welchem am 1. Juli 1500 der Grundstein eingesenkt wurde, hatte seine Bollendung nur einige Jahre früher (1594) erhalten. Die Merkwürdigkeiten dieser Kirche bestehen hauptsächlich in Folgendem. Der Hochaltar, sowie die beiden Nebenaltäre, unter welchem rechts die Gebeine des heil. Ulrich, links die der heil. Afra ruhen, sind von Joh. Degler auf das meisterhafteste in Holz ausgearbeitet. Verschiedene Gemälde, unter andern von Rottenhammer, Christoph Schwarz, Peter de Witte u. f. w. zieren die Altäre; auch sind an dem einen Theil der Orgeldecken zwei schätzbare Gemälde im altdeutschen Style angebracht. Auszeichnung verdienen ferner die von Placidus Berhelst mit Marmor ausgelegte Gruft des heil. Ulrich, das kunstreiche me- tallne Crucifix mit den Bildern der Mutter Gottes und des Apostels Johannes von Reiche!, der Taufstein von Marmor, welchen zwei schön in Metall gegossene Kinder tragen, verschiedene in Holz geschnitzte Büste» von Heiligen über den schön gearbeiteten Sitzen im Chor und mehrere Glasmalereien. — In unmittelbarer Verbindung mit der eben angeführten katholischen St. Ulrichskirche steht die evangelische gleiches Namens, welche erst 1520 an die Stelle des früher hier vorhandenen, 1474 zusammengestürzten katholischen Predigthauses trat. Das Aeußere, wie das Innere dieser Kirche hat nichts ausgezeichnetes. Das Merkwürdigste in derselben sind außer dem in der Sakristei aufgehängten Portrait vr. Martin Luthers von Cranach, die von Gaop verfertigten Silberarbeiten am Altar un-d an der Kanzel, wovon die ersteren die Taufe Christi und die letzteren die Bergpredigt darstellen. — Der nächste deutlich unterscheidbare Höhepunct bezeichnet das Schwibbogen- thor, eins der kleineren Nebenthore Augsburgs. Dieses war ehedem ein bloßer Schwibbogen, welcher in die nunmehr verschwundene Vorstadt Wagehals führte, die sich im 14. Jahrh, außerhalb desselben befand und sich bis an die jenseits dem Rothen Thor gelegene, jetzt gleichfalls nicht mehr vorhandene St. Servatiuskirche erstreckte. — Wir erreichen jetzt die ehemalige slrcdigerkirchc, welche seit 1808 nebst andern Kirchen und Klöstern geschlossen ist und nunmehr als Waarenmagazin benutzt wird. Die ihr vordem ungehörige Himmelfahrt Mariä von Lanfranko befindet sich gegenwärtig in der königl. Bildergallerie der Stadt. — Hierauf folgt die katholische Kirche zu St. Moritz, welche nur im Innern einiges Sehenswerthe (einige Gemälde von Joh. Heiß, einen Schüler Schönfelds, von Joh. Rottenhammer, Matthias Kager u. s. w. besitzt. — Zwischen dieser Kirche und dem Rathhaus sehen wir jetzt die Hauptpfarrkirche der Protestanten, die St. Anna Kirche, emporragen. An ihrer Stelle befand sich seit IZ21 ein aus den gesammelten Beiträgen der hiesigen Bürgerschaft erbautes Karmeliterkloster. Als aber im Anfang des 10. Jahrhunderts die Lehre des Evangeliums sich immer weiter ausgebreitet halte, traten die Karmelitermönche zur protestantischen Kirche über, verließen im Jahr 1534 ihr Kloster und nach mancherlei Schicksalen kam dieses Gotteshaus, welches bereits im Jahr 1006 gänzlich erneuert wurde, in Gemäßheit des westphälischen Friedensschlusses 1649 in den Besitz der Evangelischen. Seine gegenwärtige Gestalt erhielt dasselbe erst bei der Renovation im Jahr 1747. Wenn diese auch eben keinen besondern Eindruck auf den Schönheitssinn macht, so ist das Innere der Kirche desto reicher an sehenswerthen Kunstgegenständen. Zehn Säulen stützen das Kirchenschiff, dessen Decke drei schöne Gemälde von Joh. Georg Bergmüller, die Bergpredigt, Christi Kreuzestod und das jüngste Gericht, schmücken. Die von Hcinr. Eichler gearbeitete Kanzel ist ein Meisterstück in ihrer Art zu nennen. Eine wahre und sinnige Zierde der Kirche ist ferner das über dem Taufaltar angebrachte Meisterbild Cranichs, Christus unter den Kindern, mit der Ueberschrift: „Ein Vater über uns Alle." An der Emporkirche sind 12 Vorstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu von Johann Spielbergs und Jak. Fischers kräftigen Pinsel. Hinter der Kanzel hängen zwei schöne große Gemälde von Joh. Heiß, die Geburt und Auferstehung Christi; dann eine Auferweckung des Lazarus und die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande. Ueber der Emporkirche zieht das Gemälde von Franz Friedr. Frank, eines gebornen Augsburgers, Jakobs und Josephs Ankunft in Aegypten vorstellend, den Blick des Kunstfreundes auf sich. Einiges Andere von Werth malten Andr. Schwarz, Heinr. Schönfeld, Joh. Ulrich Mayer, Christoph Amberger, Anton Mozart?c. Andere, zum Theil ihres Alters wegen merkwürdigen Gemälde, wie das altdeutsche Bild in der Sakristei, Christi Himmelfahrt, sind von unbekannten Meistern. Diese Kirche ist außerdem wegen der vielen in ihr errichteten Grabstätten und Trauerdenkmälern von Marmor und Metall mit verschiedenen Inschriften merkwürdig; in ihnen schlummern zum Theil Männer, welche sich, wie unter andern der berühmte Philolog Hieronymus Wolf, durch ihre Verdienste einen bleibenden Ruhm in der Geschichte Augsburgs erworben haben. — Jenseits des Perlachthurms erblicken wir die Katholische und ganz nahe dabei auch die evangelische Kirche zum heil. Kreuz. Die erstere, ehedem zu dem nunmehr aufgelösten Kloster gleichen Namens gehörig, ist schön, geräumig und für die gläubigen katholischen Christen besonders durch das in derselben aufbewahrte wunderbarliche Gut, eine vorgeblich in eine Fleischfascr verwandelte Hostie, höchst wichtig. Ihre gegenwärtige Gestalt verdankt sie dem Kloster-Prälaten Fackler, der sie 1502 von Grund aus neu erbauen ließ; ihre Einweihung erfolgte im Jahr 1508, und nach und nach wurde ihr Inneres mit schätzbaren Gemälden (darunter von Rottenhammer, Joh. G. Bergmäller, Joh. Mayer, angeblich sogar von Pet. Paul Rubens geschmückt und bereichert. Das Gotteshaus selbst ist gegenwärtig die Garnisonskirche, und das vormalige Augustinerkloster wurde einer Bestimmung von 1807 zu Folge in eine Militärkaserne umgewandelt. Die evangelische Filialkirche zum heiligen Kreuz, welche nach Außen hin die unangenehme Form eines geschobenen Bierecks bildet, erhielt ihre gegenwärtige Gestalt erst bei ihrer Wiederaufbauung nach dem westphälischen Frieden. Schon im t2. Jahrhundert stand hier nämlich die St. Ottmarskapelle, welche 1323 den Evangelischen zu ihrem Gottesdienste eingeräumt wurde. Als darauf im Jahr 1360 durch das fromme Vermächtniß eines Gliedes des geheimen Raths, Anton v. Ru- dolph, die Mittel zur Erbauung einer Kirche gegeben waren, so wurde dieselbe bereits zwei Jahre nachher unter Dach gebracht, und erhielt den Namen Kreuzkirche. Aus Fanatismus aber zerstörte sie während des Zvjährigen Krieges der katholische Prälat vom heiligen Kreuze, für welchen Gewaltstreich das Kloster später auf Gustav Adolpfs Befehl eine Geldbuße von 2500 Gulden zahlen mußte. Die Wiederaufbauung erfolgte dann, wie bereits bemerkt, nach dem westphälischen Frieden durch mannigfache und reichliche Beiträge aus der Nähe und Ferne. Im Innern ist dieser Tempel heiter und freundlich und mit mehreren werthvollen Gemälden von Heinrich Schönfeld, Joh. Werner, Joh. Heiß, Joh. Ulrich Mayer, Matthias Gun- delach ?c. geschmückt. Die Decke, welche auf keinen Pfeilern ruht, ist nach dem Geschmack der frühern Zeit von Holzwerk künstlich zusammengesetzt; die zierliche Kanzel, welcher die Taufe Christi von Tintoretto zur Seite hängt, ist von Wilhelm Ignatz Verhelft gefertigt. — Das zunächst emporsteigende Thürmchen gehört der ehemaligen bischöflichen Residenz an, auf deren linken Seite sich die St. Lambrechts- oder Hofkapelle befindet. Seine gegenwärtige Gestalt erhielt das Gebäude im Wesentlichen schon bei seiner Renovation durch den Bischof Joseph, aus dem Hause Hessen-Darmstadt, im Jahr 1743; doch hat es in der letzten Zeit, seitdem dasselbe anfänglich zum Sitz des königl. Stadtgerichts diente, späterhin aber der Sitz der königl. Regierung für den Oberdonaukreis, der Kammern des Innern und der Finanzen geworden ist, noch mannigfache Veränderungen erfahren. Nur die im Hauptgebäude über dem Haupteingange befindlichen Zimmer sind nebst dem Speisesaale und der Wohnung des Schloßverwalters in dem Seitengebäude zur königl. Residenz bestimmt. Bergmüller schmückte sowol den Platfond über der schönen Haupttrepve, als auch die im Speisesaal, sowie die Seitcnccken mit angemessenen Malereien. Dieses Gebäude, sowie der davor befindliche freie Platz, der Frohnhof oder Paradeplatz genannt, war von jeher der Schauplatz und Zeuge von mancherlei theils blos für die Annalen der Stadt, theils aber auch für die Weltgeschichte selbst wichtigen Ereignissen. Der Platz diente ehedem zu Ritterturnieren, deren große und bedeutende hier abgehalten wurden, sowie auch zu andern Feier- und Festlichkeiten der alten Zeit. So hielt hier der Erzherzog von Oestreich, Philipp, Kaiser Maximilians Sohn erster Ehe, im Jahr 140k am Abend vor dem Tage Johannis des Täufers, um ei» sogenanntes Veitsfeuer einen Tanz, zu welchem er zum großen Neid der mißgünstigen Augsburgerinnen die schöne Ulmerin Susanna Neidharti» führte. Gegenwärtig wird der Frohnhof bei den großen Festparaden des Linienmilitärs und der Landwehr gebraucht, wozu ihn sein freier Umfang vorzüglich eignet. Auch wird hier am Frohnleichnamsfeste das vierte Evangelium gelesen. Roch merkwürdigere historische Erinnerungen knüpfen sich an das Residenzgebäude selbst. Das große Eckzimmer desselben war es, in welchem am 23. Juni 1530 Nachmittags Z Uhr, in Gegenwart Kaiser Karls V., des Königs Ferdinand, aller übrigen Churfürsten, Fürsten und Stände des Reichs, der sächsische Kanzler Bauer das protestantische Glaubensbekenntniß in deutscher Sprache mit so vernehmlicher Stimme ablas, daß dessen Inhalt nicht nur von den im Saale Anwesenden, sondern auch von einer großen im Hofe stehenden Menschenmenge vernommen werden konnte. In den Gemächern des Residenzgebäudes ruhte Marien Theresiens von Oestreich erlauchte Tochter, die nachmalige unglückliche Königin von Frankreich, als Braut des Dauphins am 28. April 1700, von den Beschwerlichkeiten der Reise aus, und betrachtete mit hohem Wohlgefallen die herrliche, ihr zu Ehren auf dem Frohnhof veranstaltete Beleuchtung. Von einem über dem Haupteingang der Residenz errichteten hölzernen, nachher (178k) in Marmor aufgeführten Balkon ertheilte Pabst Pius VI. im Jahr 1782, am 3. Mai, im festlichen Pontisi- catschmucke einer ungeheuern auf den Knieen liegenden Menschenmenge unter dem Geläute aller Glocken und dem Donner der Kanonen den großen Segen und einen vollkommnen Ablaß. Ebenso weilte hier im Jahr 1805 Napoleon und dessen erste Gemahlin Josephine, sowie bald darauf auch ihre Nachfolgerin, Marie Louise. Augsburgs Bewohnern war aber auch das hohe Glück vergönnt, nicht blos den allgelieblen König Max im Kreise seiner Familie 1824 zwei Tage hier verweilen zu sehen, sondern auch früher schon den gegenwärtigen gleich hochgeschätzten König Ludwig als Kronprinzen mit seiner erlauchten Gemahlin eine Zeitlang in diesen Mauern zu verehren. Hier wurde am 31. Aug. 1812 die Prinzessin Mathilde geboren und am 10. October in der Domkirche feierlich getauft. — Die noch übrigen Puncte jenseits der Domkirche sind die ehemalige Jesuitenkirche, das Frauenthor und die Kirche zu St. Georg. Nur die zwei letzten verdienen hier eine nähere Erwähnung. Das Frouenihor ist allein noch übrig von den drei innern mit Thürmen versehenen Pforten, welche ehedem die eigentliche Stadt von den Vorstädten schieden. Die beiden andern, welche in neuern Zeiten der Straßenerweiterung wegen abgetragen wurden, hießen das heil. Kreuzthor und das Barfüßerthor. Das Frauenthor wurde bereits im Jahr 127k erbaut, und erhielt seinen Namen, welchen es noch bis auf den heutigen Tag führt, wahrscheinlich von der Nähe der Frauen- oder Domkirche. Der Zahn der Zeit, sowie der nachtheilige Einfluß der Witterung haben den äußern Schmuck dieses Bauwerks verwischt, welcher in Mauergemälden von Kagers kräftigem Pinsel bestand. Das Hauptbild stellte die Kaiserwahl Karls V. vor, bei welcher sich Mattheus Lang, ein Augsburgischer Geschlechter, Cardinal und Erzbischof zu Salzburg hervorgethan, wie dieses auch die nunmehr gleichfalls nicht mehr erkennbare lateinische Inschrift andeutete. — Massiv, aber ganz nach alter Bauart ist die 1133 gegründete und 114Z eingeweihte St. Veorzenbirche ausgeführt. Sie ist im Innern mit einem schönen Chor und Beihause, sowie mit 2 Seitengängen, versehen. Man findet darin ein Altarblatt von Joh. Rottenhammer und ein anderes von Joh. Huber. Der jetzt vermauerte Kreuzgang enthielt ehedem außer einer heil. Magdalene von Guido Reni eine Kreuzigung von Schmittner, eines gebornen Augsburgers, einen barmherzigen Samariter und Christus mit der Samariterin am Brunnen von Joh. Holzer, ein Schüler Bergmüllers, welche Bilder sämmtlich in die Wohnung des pensionirten Herrn Prälaten wanderten. Das ehemals von Augustiner Mönchen bewohnte Kloster dient jetzt der Garnison zum Militärspital, und auf dem Kirchenthurme befindet sich gegenwärtig eine Feuerwache. — Noch haben wir über die auf den Z folgenden Rummern dargestellten merkwürdigen Puncte der Stadt Einiges zu bemerken. Wir heben darunter vor Allen das größere Bild (l>r. 3) hervor, weil es uns eine jener jetzo immer seltner werdenden stattlichen Patricierwohnungen aus alter Zeit darstellt. Es ist dies das auf einer kleinen Anhöhe am Obstmarkt stehende G-biiude des Freiherr» von Im Hof, welches in seinem Aeußern das vollkommene Ansehen einer stattlichen Ritterburg hat. Sein Erbauer war Balthasar Eggenberger aus einer altadligen , aus fürstlichem Geblüt entsprossenen Geschlecht, welches seit dem Anfang des IK. Jahrhunderts in Augsburg lebte, wo 1S27 das genannte Glied desselben die Augsburgische Geschlechten» Marie Walter freite. Dem v. Jmhofschen Gebäude gegenüber befindet sich das sogenannte Schwalbeneck, wo in der Vorzeit das Burgthor stand. Von den 4 Hauptthoren Augsburgs, dem Rothen Thor, dem Göppin- ger-, Wertachbrücker- und Jakoberthor haben unserm Zeichner vorzugsweise die beiden letztern (l>r. k und 7) einer mahlerischen Darstellung würdig geschienen. Das lvertachbrUckerthor, durch welches man auf die über Ulm nach Frankreich und den Niederlanden und über Nürnberg nach den nördlichen Gegenden führenden Hauptstraßen gelangt, prangt mit einem ansehnlichen festgemauerten Thurme, welcher im Jahr 1KI3 um 2 Stockwerke erhöht wurde. Ehedem hieß es von dem zunächst gelegenen Dorfe Oberhausen das Oberhauserthor; seine gegenwärtige Benennung verdankt es der Nähe der Wertachbrücke. Das Jokobcrthor, sonst auch Bleicherthor genannt, durch welches man über die Lechhauser Brücke nach Altbaiern kömmt, zeigt wegen des beständigen Hin- und Herwogens der ein- und auspassirenden Landleute eine besonders rege Lebendigkeit des Verkehrs. Einen angenehmen Eindruck macht auf den hier Eintretenden die schöne breite Jakobsstraße. Ueber dem Thore selbst erhebt sich ein nicht unansehnlicher Thurm mit einem pyramidal zugespitzten Dache, dessen glassirte Ziegel den Wiederschein der Sonne blendend zurückstrahlen. ZT e a e n s b u r g. A-ztnsburg, — die Oastr» reg!»» der Römer, nachher die Hauptstadt der Bojer und erste Residenz ihrer Beherrscher, der Agilolfinger, später eine freie deutsche Reichsstadt (eigentlich: Freistadt), und seit 1003 bis zur Auflösung des deutschen Reichsverbands (1800) der immerwährende Sitz des Reichstags, seit 1803 zugleich auch Residenz des deutschen Kurfürst-Erz- kanzlers, nunmehr aber (seit 1800) Hauptstadt und Regierungssitz des k. b. Regenkreises, — liegt zwischen mäßig hohen Bergen in einer angenehmen und fruchtbaren Thalebene an der Südseite des großen schiffbaren Donaustroms, welcher es von der gegenüber liegenden Vorstadt Stadt -am-Haf, dem Standpunkte unserer Totalansicht l>r. l, trennt. Dieser letztere Theil der Stadt, — das Riparia der Römer, im zehnten Jahrhundert eine St. Em- meram'sche Besitzung, und später dem Burggrafen von Regensburg unterwürfig, — wurde im baierischen Fürsten- und Städte-Krieg von 1388 gänzlich zerstört, 1704 von den Oestreichern und Engländern mit Sturm erobert, sowie 1809 von den Oestreichern zur Deckung ihres Rückzuges nach Cham niedergebrannt, erhob sich aber jedesmal wieder verschönert und vergrößert aus dem Schütte und bildet jetzo am Einflüsse des Regen in die Donau eine durch Handel, Schifffahrt und Gewerksamkeit ungemein belebte Stadt. Beide Stadttheile verbindet eine große steinerne Lr ticke, welche als ein sehr merkwürdiges Bauwerk des Mittelalters hier eine nähere Betrachtung verdient. — (Geschichte). So sehr wir auch bis jetzt der umständlichen Nachrichten über diesen Brückenbau ermangeln, so ist doch so viel gewiß, daß man, als im I. II35, bei der damals herrschenden außerordentlichen Dürre, Flüsse eintrockneten, Wälder sich entzündeten und die Donau bis in die Tiefe seicht wurde, an Statt der von Karl dem Gr. 792 hier angelegten Schiffbrücke eine steinerne Brücke über den Donaustrom zu bauen anfing und im I. 1140 damit zu Stande kam. Höchst wahrscheinlich ist es auch, daß sich in Rücksicht auf die damit verbundenen gemeinsamen Vortheile die Regensburger Bürgerschaft und der damalige Herzog von Baiern, Heinrich der Stolze (auch der Großmüthige genannt) zu diesem kostspieligen Unternehmen vereinigt hatten; was auch noch jetzo die schiefe Linie, welche die Brücke bildet, anzudeuten scheint, indem man wahrscheinlich, von beiden Seiten anfangend, mit der Linie aus der Richtung schritt und dadurch jene Beugung verursachte. Nach einer 1821 zu Stadtamhvf herausgekommenen Beschreibung dieser Brücke bildet sie einen stumpfen Winkel, dessen gegen einander neigende Flächen sich von Regensburg gegen Stadtamhos hin, in der Mitte des 7. Es prahlt in deutscher Städte Reihe Dein Name, Regensburg, so hell und klar. Dich schmückt des Alterthumes Weihe, Du beutst dem Aug' und Geiste Manches dar. Des Doms, der Brücke kühnen Bau, Den stolzen Fluß, die üpp'gc Au —! Sei uns gegrüßt, du alte bicd're Stadt, Die einst das deutsche Reich gczicret hat! Bogens, berühren und wovon der kürzere Schenkel von 18 Werkschuh Höhe bis zu 38 hinauf steigt, der längere aber aus dieser Höhe sich in eine Tiefe von 19 Werkschuhen hinabsenket. Auch dürfte das in Stein gehauene Bild eines Löwen, welches beim Abbruch des Jollhäuschens auf der großen Brücke am Abgang in den obern Wörth 1827 auf der westlichen Seite entdeckt worden, wol andeuten können, wieweit der herzogliche Bau gegangen, während vermuthlich der ehemals an derselben Stelle befindliche mittlere Brückenthurm die Stadtgränze hinsichtlich des Stroms hat darthun sollen. Wenn man der zu damaliger Ieit bestandenen Gesellschaft der Brückenbrüder, welche Brücken, Fähren, Hospize und beßere Wege anlegten und unterhielten, auch an dieser mit solcher Meisterschaft aufgeführten Brücke einen Antheil zuschreiben darf, so würden wir vielleicht in den Mönchen der auf der linken Donauseite gelegenen JohanniS- kapelle, woraus nachher das Katharinen-Spital entstand, die eigentlichen Urheber dieser Brücke, sowie die späteren Aufseher derselben erblicken können, welches um so wahrscheinlicher erscheint, da solche Vereine damals an den Heerstraßen zugleich zum Schutz der Reisenden und Kranken existirten, und man auch 1829 auf der Stadtseite gleichfalls noch die Ueberreste einer achteckigen Kapelle gefunden, in welcher noch gut erhaltene Freskogemälde von Heiligen vorhanden waren; vermuthlich dienten auch diese auf beiden Uferseiten errichteten Kapellen, die Reisenden zum Dank für die glückliche Uebcr- fahrt über den gefahrvollen Strom aufzufordern. Schon gleich vom Anfang war außerdem über, diese Brücke ein Brückenmeister gesetzt worden, welcher die Aufsicht über die Brücke und über ihre Gefälle, Gilten und Zinsen, sowie über die Zöllner hatte. Es war dies ein Ehrenamt, welches gewöhnlich einem Raths-Mitglied übertragen ward. Die Brücke besaß übrigens nicht blos ihr eigenes Siegel mit der Umschrift! 8!-x. xloriosi pontis kstispa- neiisis, sondern auch ein ihr eigenes von K. Friedrich I. 1182 auf hiesigem Reichstag ertheiltes Privilegium, wornach Niemanden erlaubt sein sollte, von den darüber Gehenden etwas als Schuldigkeit zu verlangen und abzunehmen, was man nicht etwa aus freiem Willen zur Erhaltung und Unterhaltung der Brücke geben möchte; und wornach zweitens verboten war, in der Entfernung von 12 Schritten etwas an- oder aufzubauen. Dieser kaiserl. Freiheitsbrief wurde aber hinsichtlich der Jollfreiheit und der Anbauten nur so lange gehalten, als die Umstände es gestatteten. Ein zweiter kaiserl. Gnaden- brief, den die Brücke im I. IS 14 von K. Maximilian I. aus Jnspruck erhielt, gestattete bis auf Widerruf von einem Wagen zwei und von einem Karrn einen schwarzen Pfennig zusammt dem alten Zoll zu erheben. Was die gegen K. Friedrichs Willen geschehenen Anbauten betrifft, so ist es der jetzigen k. Regierung endlich gelungen, durch Aufhebung des Brückenzolls und Anlegung einer heitern mit zierlichen Gewerbslade» besetzten Terrasse auf der nördlichen Seite den Geist Friedrichs wenigstens zur Hälfte zu versöhnen, wogegen freilich der südliche Fuß der Brücke noch den alten Höhlen-Aus- gang bewahrt und sich nach gleicher Freiheit sehnt. — (Beschreibung). Diese Brücke hat 16 zirkelrunde Bögen, wovon aber nur 15 sichtbar sind, und der I6te erst im I. 1829 beim Graben eines Brunnens hart an der Brücke auf der Stadtseite entdeckt wurde. Der von denselben getragene und mit großen Quadersteinen gepflasterte Steindamm oder die eigentliche Brücke hat 1000 Schuh Länge und 24 Schuh Breite. Bon den Bögen bestehen nur - die Kopfbögen und das Aeußere aus Werkstücken, der übrige Theil der Gewölbe aber aus roh gehauenen Bruchsteinen. Die Weite derselben beträgt bei den engsten Z5 Schuh 6 Zoll, bei den weitesten 57 Schuh. Die nicht ganz vollendeten Pfeiler, welche der Brücke zur unentbehrlichen Stütze dienen, sind spitzig zugerundet, und mit ungeheueren Vorbauen versehen, wovon einige die Länge von 192 Schuh und eine Breite von 64 Schuh haben. Die Umgebungen der Pfeiler liegen 5 Schuh höher als der niedrigste Wasserstand, und eine ihrer Oessnungen zwischen je zwei Umgebungen der Pfeiler mißt nur 13 —18 Schuh, so daß eine Schifffahrt stromaufwärts wegen dieser Enge und der fürchterlichen Wirbel, die am untern Ende derselben statt haben, kaum möglich ist. Wenn aber auch dieses bewundernswürdige Riesenwerk sowol - in dieser Hinsicht, als auch hinsichtlich der Passage auf der Brücke durch ein gähcs Aufsteigen auf der einen und den oben so gähen Abhang auf der andern Seite noch Manches zu wünschen übrig läßt; so ist doch unsere Brücke allgemein als das vorzüglichste Meisterwerk der Art, besonders hinsichtlich der Solidität, anerkannt, indem sie letztere nun beinahe volle 796 Jahre bewährt hat. Gewöhnlich heißt es: von deutschen Brücken ist die Regensburger die stärkste, die Dresdner die schönste, und die Prager die längste. In neuerer Zeit (1732) wurde unsere Brücke mit neuen Quadersteinen belegt, und mit Geländern von viereckigen Sandsteinplatten eingefaßt, an denen zu beiden Seiten eine kleine schmale Erhöhung für Fußgänger zum Ausweichen und zur bequemern Ansicht des Stromes angebracht ist; gewiß würde sie aber noch weit mehr gewinnen, wenn nach v. Wiebekings Plan, durch Erhöhung der Pfeiler Ruheplätze angebracht und die Brückenbahn durch an den Seiten anzubringende Kragsteine und durch eine Schränkung erweitert würde. Diese Bequemlichkeit und Eleganz würde gegenwärtig um so statthafter sein, da die Brücke von den drei Thürmen, welche sie früher an beiden Enden und in der Mitte zierten, nur noch den am nördlichen Ende erhalten hat, indem die beiden andern, der mittlere im I. 1785, der nördliche im I. 1809, abgebrochen worden sind. An dem noch stehenden Thorthurm, durch welchen man von der Stadt aus die offne Brücke betritt, befand sich früher das Reichswappen nebst einer Inschrift, welche der Regensburger Magistrat K. Rudolf II. hatte setzen lassen, als er 1595 auf seinem ersten Reichstag hier einzog; beides aber verschwand, als 1648 dieser Thurm überweißt wurde; seitdem erhielt er auch die noch daselbst vorhandene Schlaguhr. Dieser Thurm hieß früher auch der Schuldthurm, weil sich darin ein Gefängniß für böse Schuldner befand, welche so lange darin sitzen mußten, bis sie die Summe ihrer Schuld von den Vorübergehenden zusammengebettelt hatten. Ueber der Thüre der Schleifmühle beim Austritt von der Stadt auf die Brücke hieng eine Tafel, worauf eine Hand und ein Beil abgebildet war, um anzuzeigen, daß jeder Angriff oder Raufhandel auf der Brücke mit dem Verlust dex Hand bestraft werden sollte. Auch war in älteren Zeiten, in der Mitte der Brücke eine Vorrichtung, wodurch diejenigen, die zum Wassertod verurtheilt oder als Wucherer blos zum Untertauchen bestimmt waren, ins Wasser geschnellt werden konnten. Diese Brücke hatte auch nach dem Herkommen jenkb Zeit ihre zum Theil noch jetzt erhaltenen Wahrzeichen, als welche hauptsächlich folgende angegeben werden: I) Eine Eidechse, an einem Pfeiler auf der östlichen Seite heraufkriechend, wahrscheinlich ein bloßer Scherz des Steinhauers. 2) Ein Hund ohne Kopf, oder wie einige glauben, ein verstümmelter Löwe. 3) Ein nacktes Männchen, welches früher auf einer Mühlthüre stand und nach dem Dome hinsah, indem es die eine Hand vor die Augen hielt, wie wenn es die Sonne blendete, und in der andern einen Zettel zeigte, worauf die Worte standen: „Schuck wie haiß." Offenbar sollte diese Figur nichts anders, als die Hitze andeuten, welche zur Zeit des Brückenbaues herrschte. Gleichwol knüpfte die mährchen- liebende Vorzeit die schon chronologisch ganz unrichtige Sage daran, es wäre die Brücke mit dem Dom zu gleicher Zeit erbaut worden (während doch der Dom erst 100 Jahre später angefangen ward), und beide Baumeister hätten eine Wette eingegangen, wer mit seinem Werke früher fertig würde; als daher der Brückenbaumeister lange vor dem Dombaumeister vollendet, hätte er nach dem Dom gesehen, von dem sich nun der letztere aus Verzweiflung herabgestürzt, wie denn noch die Figur eines Männchens an einem Thurm des Domes vorhanden, welches einen Hafen über den Kopf haltend sich herabstürze (es ist dies aber ein in Gestalt einer hohlen Figur angemachter Rinnenkopf, der das Regenwasser ausgießt). 4) Der größte und kleinste Stein auf der Brücke d. i. ein langer und breiter Stein, in dessen Mitte ein kleines viereckiges eine Hand breites Steinchen eingelegt und mit Blei festgeschränkt war. Als man bei Abbrechung des mittlern Thurms (1785) auch diesen im daranstoßenden Steingeländer angebrachten Stein erheben mußte, fand sich unter dem kleinen Stein eine blecherne Kapsel mit einer leider verwitterten Schrift, worin höchst wahrscheinlich eine genaue Nachricht über den Baumeister und den Bau der Brücke enthalten war. Dieser kleine Stein, welcher demnach kein Wahr- sondern ein bloßes Merkzeiche» sein sollte, daß darunter etwas verborgen sei, ist nun noch am Geländer zu sehen. 5) Die Brücke auf einem einzigen Steine stehend, d. i. ein Stein, auf welchem die mit 3 Thürmen gezierte Brücke abgebildet ist. 6) Ein Geländerstein, worauf ein Hahnenkampf abgebildet ist, mit der Jahrzahl 1582, welcher, wenn er nicht einen wirklichen auf der Brücke statt gehabten merkwürdigen Hahnenkampf darstellen soll, die Streitlust beider Nachbarn und ihre Wachsamkeit auf ihre Gränzen in den beiden stets zum Sprung bereiten Hahnen darstellen könnte. Die Sage aber, welche diese beiden Figuren mit dem oben genannten Hunde in Verbindung setzte, wußte davon folgendes Mährchen zu erzählen. Der Brückenbaumeister hatte die Wette nur mit Hilfe des Teufels gewonnen, welchem er dafür zum Lohne die Seelen der drei ersten Geschöpfe versprach, die über die Brücke gehen würden. Wie es nun an ihm war, sein Wort zu halten, so ließ er zllerst über die neugefertigte Brücke einen Hund, einen Hahn und eine Henne laufen, welche drei Geschöpfe alsbald von dem über diese Täuschung ergrimmten Teufel zerrissen wurden. 7) Ein nichtssagender Kopf eines Jünglings mit einem Knebelbart und herabhängenden Haaren, am siebenten Pfeiler tief unter der Geiändcrlinie. 8) Drei Köpfe verschiedenen Alters, welche man für Meister, Gesellen und Lehrling ausgeben will, und wovon der erste nach Abend, die beiden andern nach Morgen zu sehen. 9) Ein unbekanntes vierfüßiges Thier mit einem Vogelkopf, krummem Schnabel und einem Schwanenhalse, am äußern östlichen Geländer des 6. Bogens von Stadtamhof her. Dieß- und jenseits der Brücke ziehe» sich mitten im Donaustrom zwei kleine Inseln hin, der obere und untere ivorth, welche beide, zum Weichbilde Regensburgs gehörig, durch einen unter dem fünften Brückenbogen durchlaufenden Steindamm zusammenhängen. Der untere Wörth ist außerdem durch eine hölzerne Brücke mit der Stadt verbunden; der obere Wörth aber, von welchem ehedem bis 1500 eine hölzerne Brücke nach Stadtainhof führte, ist gegenwärtig durch eine auf hölzernen Pfählen ruhende Seitenbrücke mit der großen steinernen verbunden. Beide Inseln, besonders aber die obere, sind mit Gärten, Mühlen, Waffen- und Kupferhämmern, Schiffer-, Fischer- Bade- und Gartenhäusern besetzt, und werden wegen ihrer schattigen Baumgänge und reizenden Aussichten viel von Spaziergängern besucht. Wir beginnen nun unsere Wanderung durch die vielbethürmte Stadt, indem wir nach Anleitung des Totalbildes i>r. I der örtlichen Lage der einzelen merkwürdigsten Gebäude derselben möglichst zu folgen suchen. Wenden wir uns demnach von dem sogenannten Bruckthor links nach der Domkirche zu, so erblicken wir zunächst dicht vor derselben die Thurmspitze der kleinen Galleziat- stifts-Kirche St. Johannes. Die schon im I. 1128 gestiftete Kirche gl. N. lag etwas weiter zurück dem jetzigen Dome zu und wurde 1380 zur Erweiterung des letztern'abgebrochen; die in dem nämlichen Jahre weiter vornen neu erbaute Kirche machte endlich 1786 der gegenwärtigen Platz; dieselbe enthält ein sehenswerthes Gemälde Johannes des Täufers von I. N. Schöpf. — Auf diese Kirche folgt in ihrer ganzen kolossalen Ausdehnung die hohe gothische Lomkirche, deren Beschreibung und Geschichte nebst Abbildung wir einem besonderen Hefte vorbehalten. — Dicht hinter der Domkirche zeigen sich die Kirchthürme des Collegiatstifts U. F. Fr. zur alten Kapelle, gegenwärtig der Garnisonskirche. Ursprünglich von Herzog Theodo Süll für den heidnischen Götzendienst erbaut, wurde dieselbe 816 durch den heil. Rupert in eine christliche Kirche umgewandelt und von K. Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde 1018 durch neue Anbaue ansehnlich erweitert. Noch befindet sich in der alten kleinen, in runden Bögen gebauten ehemaligen, Heiden-Kapelle ein nunmehr zum Taufstein umgewandelter Götzenaltar. Auch besitzt diese Kirche zwei alte merkwürdige Marienbilder, welche der Evangelist Lukas gemalt haben soll. — Das zunächst stehende massive Gebäude ist der sogenannte viereckige Heiden- oder Römcrthurm, welcher durch einen Schwibbogen mit der jetzigen Mauth, dem vormaligen Herzogspalast, zusammenhängt und daher auch ursprünglich bis zur Einweihung der alten Kapelle eine Zeit lang die Hofkirche vertrat, wie denn der Herzog Theodo in dessen unterirdischem Gemach vom heil. Rupert getauft worden sein soll. — Gleich daneben befindet sich die ehemalige Pfarr- nun (geschloßene) St. Ulrichs- kirche von hohem Alter und besonderer Bauart, die schon 127Z einen Chronisten fand; sie wurde li>88 renovirt, so wie auch das Portal aus neuerer Zeit ist. — Weiterhin erheben sich die beiden Kirchthürme des ehemaligen kaiserlichen gefürsteten Reichs stifts, nunmehr der Pfarrkirche Nieder- Münster. Das Kloster Niedermünster, auf dessen Platze schon 742 eineIelle andächtiger Jungfrauen und frommer Wittwen bei einem Kirchlein und Grabe des wunderthätigen heil. Erhard stand, wurde im I. 900 von der Herzogin Judith Gisila für adeliche Benedictiner-Nonnen errichtet und 1002 vom K. Heinrich zum Reichsstiste erhoben; seine jetzige Gestalt erhielt indeß das Stiftsgebäude, gegenwärtig die Wohnung des Regensburgischen Bischofs, sowie der vordere Theil der Kirche im I. 1720. — Fast am Rande unseres Bildes erblicken wir noch die ehemalige Minoriten- oder St. Salratorskirchc nebst Kloster, wovon die erstere (erb. 1089) in eine Mauthhalle, die letztere aber (erb. 1220) in eine Caserne umgewandelt wurde. Wenden wir uns nun zu den Gebäuden rechts von der Donaubrücke, so erkennen wir in den nächsten Thurmspitzen die zwei ungleichen Thürme der im Innern wie im Aeußern gleich unansehnlichen Reuen Pfarrkirche, der ersten lutherischen Pfarrkirche in Regensburg, die schon 1542 dem neuen Gottesdienst gewidmet, jedoch erst 1586 in den gehörigen Stand gesetzt wurde. — Das darauf folgende massive Gebäude stellt das sogenannte Goliath Haus dar, eins der merkwürdigsten unter jenen großen burgähnlichen Häusern oder sogenannten Ritterthürmen, dergleichen sich in Regensburg aus den fehdereichen Zeiten des Mittelalters noch mehrere erhalten haben. Xr. 3 giebt uns eine besondere Abbildung davon, in der sich der Zeichner die Freiheit nahm, die auf dem genannten Gebäude abgemalten Figuren des Riesen Goliath und des kleinen David im Geiste des Mittelalters in ritterlichem Costüms erscheinen zu lassen. Die Annahme, daß dieses Haus, gewöhnlich der Goliath genannt, der gegen die Donau hinab gelegene Palast K. Heinrichs des Heiligen gewesen sei, ist falsch, indem aus den alten Hausbriefen dieses Gebäudes ersichtlich ist, daß dasselbe aus drei Hofstätten erbaut wurde und im 14. Jahrhundert den Auers von Stefling gehörte, nach diesen aber von einem Bürger zum andern übergieng. — Die drei zunächst folgenden Thurmspitzen bezeichnen den tvadmarktthurm, den (1Z73) bis aus die höchste Spitze aus lauter Quaderstücken aufgeführten Thurm der Auzustinerkirche (erb. 137z), und den lv allerthurm. — Neben letzterm erhebt sich sodann der (1575—79) ganz aus Quadern erbaute Thurm des ehemaligen Reichs stifts St. Gm- meran. Die jetzige St. Emmeranskirche, welche erst 1642 erbaut wurde, ist sehr helle, hoch, geräumig und mit vielen Freskomalereien und sonstigen Gemälden verziert. Auch befinden sich darin eine Menge der merkwürdigsten Grabmäler. In unmittelbarer Verbindung mit derselben steht die ehemalige Pfarrkirche zum heil. Rupert. In beide Kirchen führt eine ehrwürdige Halle, in welcher sich ein steinerner Sessel befindet, in dem K. Heinrich, wenn er von dem benachbarten Abbach zur Mette der Mönche kam und die Thüre noch verschlossen fand, auszuruhen pflegte; ferner sieht man daselbst das Epitaphium des Baierischen Geschichtschreibers Aventin mit seinem in Stein gehauenen Bildniße. — In weitcrm Zwischenraum folgt nun der Rath Haus- thurm, welcher im I. 1721 an der Stelle des 1700 abgebrannten schönen Marktthurmes aufgeführt wurde. Das Rathhaus selbst, von welchem Xr. 2 eine größere Abbildung giebt, theilt sich in das alte und das neue. Das ältere (aus dem 16. Jahrhundert), welches, außer dem mit den Sinnbildern des Schutzes und Trutzes geschmückten gothischen Portale, einem zierlichen Erker in gleichem Style und einem in der Höhe des zweiten Stockwerks angebrachten Engel mit dem Regensburgischen Stadtwappen, im Aeußern nichts bemerkenswerthes darbietet, enthält noch die ehemaligen Sitzungssäle des deutschen Reichstages. Gleich beim Eingang befindet sich gegen den Platz hin der große Re- und Correlationssaal, in welchem sich die Kaiser mit den Kurfürsten, Fürsten und übrigen Ständen des Reichs oder deren bevollmächtigten Gesandten zu versammeln pflegten, --da die Wände, heißt es in Merians baierischen Topographie S. 81, vmb vnnd vmb mit herrlichen Tapezereyen vnnd gestickter Arbeit vmbhänget, die Stül vnnd Bänck mit gülden, silbern, sammeten vnd seidenen Stücken vberlcgt, vnnd alles auffs herrlichst vnnd prächtigst pflegt gezieret zu seyn.-- Weiter oben befinden sich die kurfürstlichen, fürstlichen und reichsstädtischen Collegialzimmer sammt den Rebenzimmern zu den beiden ersteren. Zu den Merkwürdigkeiten des ältern Rathhauses gehören auch die unterirdischen Marter- und Folterkammern Grausen erregenden Andenkens. Das neuere Rathhaus, zu welchem der Thurm gehört, wurde 1660 neu angelegt und enthält die Rathsstube nebst sämmtlichen Amtsstuben. Sehenswerth sind hier einige größere Gemälde und eine Sammlung kleinerer Portraits reichsstädtischer Beamten in ihren wechselnden Costümen. Das in Xr. 2 linker Hand hervortretende Haus am Rathhausplatze gehörte ehedem dem altadelichen Geschlecht der Dollinger, aus deren Mitte sich Hanns Dollinger im Kampfe mit dem riesenmäßigen Hunnenoberst Craco in Gegenwart K» Heinrich I. auf dem sogenannten Haidplatz in Regensburg einen solchen Ruhm erwarb, daß das Andenken seiner Heldenthat sich noch bis auf unsere Tage in einer Menge von Gemälden, Medaillen, Basreliefs, Gedichten, Schauspielen und Geschichten erhalten hat. Bereits Hanns Dollinger ließ seinen siegreichen Kampf künstlich in Stein hauen und an seinem Hause aufstellen, wovon aber nichts mehr zusehen ist; wahrscheinlich aber sind an die Stelle der steinernen Denkmale später die zwei Gemälde getreten, welche noch jetzt an dem Hause angebracht sind, und im I. 1813 wieder in Oel neu hergestellt wurden. Das Haus, welches seitdem seine Besitzer öfters gewechselt, gehört nun einem Maurermeister. In einem großen Saale, eine Treppe hoch, befinden sich aus älterer Zeit die mit lateinischen Unterschriften versehenen, kolossalen Figuren der beiden Kämpfer zu Pferde; daselbst werden auch noch heut zu Tage Cracos und Dollingers Lanzen gezeigt; auch geht an den jedesmaligen Besitzer ein hölzernes Kästchen über, welches zwei, mit einem Namenszug und der Jahreszahl 1552 versehene Pergamentblätter bewahrt, wovon das eine eine kurze Angabe von Heinrichs I. Regententhaten, das andere aber ein Lied über den ritterlichen Kampf unsers Dollingers enthält. — Weiterhin erblicken wir noch die Spitzen des Deutsch-rdens- Hauses (theilweise 1683 und 1720 — 26 erbaut), der Reuen Kirche, der St. LIasii-, ehemaligen La mini kau er- jetzt Studien-Kirche (erb. 1277; merkwürdig durch die im Kreuzgang befindliche Kapelle des berühmten Scholastikers Albertus Magnus, Bischofs von Regensburg, mit dem Lehrstuhle und den Banken seiner Schüler), des Oefnerthurms, der Gasthöfe zum goldenen Sre«) und zum Hecht. Den äußersten Rand des Bildes begränzt aus dieser Seite das Schot- tische L-nedictiner-Stist »ndSloster St. Äakob, ohne Zweifel unter allen kirchlichen Gebäuden Regensburg nächst dem Dom das einzige, welches, und zwar besonders durch sein merkwürdiges Portal, in architektonischer Hinsicht interessiren kann. Da dieses Portal höchst wahrscheinlich von dem früher bestandenen Schottenkloster Weih St. Peter eonsecrstum 8»uctum ti-iim") herrührt, so müssen wir nothwendig die Geschichte des letztern voraus schicken. Es geschah im I. 107S, daß die uralte, zu Obermünster gehörige Kapelle in Wihen oder Weih St. Peter, welche von Karl dem Großen oder seinem Sohne Ludwig erbaut worden sein soll, schottischen Benedictinermönchen eingeräumt wurde. Dieses Kloster stand da, wo jetzt der evangelische Kirchhof zu Weih St. Peter sich befindet, und wurde auch später St. Peter auf dem Graben genannt. Die ausgezeichnete Aufnahme, in welche dasselbe bald darauf kam, führte nach und nach so viele schottische Benedictiner herbei, daß das kleine Kloster nicht Raum genug für sie hatte. Ihre Frömmigkeit, Wohlthätigkeit und Geschicklichkeit in Unterweisung der Jugend hatte sie aber bereits so beliebt gemacht, daß um das I. 1109 der damalige Regensburgische Burggraf Otto, dessen Bruder Heinrich und mehrere andere Freunde der Kirche am entgegengesetzten Ende der Stadt eine geräumige Hofstatt kauften und daselbst dem heil. Jacob und der heil. Gertrud zu Ehren für die schottischen Benedictiner eine größere Kirche nebst Kloster auferbauten, wobei die Bürger von Regensburg den Handwerksleuten freie Speise und die Aebtissinn von Niedermünster den Trank reichten. Im I. 1120 wurde dasselbe bereits eingeweiht, von K. Heinrich v. durch eine besondere Urkunde in seinen und des Reiches Schutz genommen und mit ausnehmenden Freiheiten begabt. In der Folge aber, als die in Deutschland befindlichen 12 Schottenklöster in eine Con- gregation vereinigt wurden, erhielt der Prälat des Jakobsklosters die Würde eines Vorstehers oder Präses derselben. Auch das Kloster Weih St. Peter verlor seitdem seine Selbständigkeit und galt nunmehr nur als ein bloßes Priorat von St. Jakob, bis im I. 15S2 der Graf Philipp von Eberstain, der in Folge damaliger Kriegsunruhen mit seinem Kriegsvolke hier lag, dasselbe nebst der Kirche und dem Thurme abbrechen ließ. Die Steine verwendete der Magistrat theils zur Erbauung von Basteien, theils zum evangelischen Friedhof. Der damalige Abt Alexander von St. Jakob aber nahm aus St. Peter nicht blos die Glocken, den Altar und die Kirchengeräthe, sondern ließ auch das überaus kunstreich gearbeitete Portal derselben an die St. Jakobskirche anbauen, wie dies der Umstand höchst wahrscheinlich macht, daß es unter einer eignen Dachbedeckung vor der Kirche hervorstehet. 4 zeigt uns dasselbe in seiner echt byzantinischen Eigenthümlichkeit. Drei Säulen auf jeder Seite zieren die schräg einlaufenden Anschlagsmauern, welche durch Aushölungen von einander getrennt sind; darüber wölben sich halbkreisrunde Bögen, welche über der gerad geschlossenen Bedeckung der Thüröffnung ein Feld lassen, auf dem Christus mit 2 Figuren in Sculpturarbeit erscheint. Unmittelbar über dem äußersten Bogenschluße der Pforte in einem Friese sind (in der Mitte) Christus und ''auf jeder Seite) 6 Apostel in erhabener Arbeit ! dargestellt. Die Seitenmauern nächst der Pforte sind außerdem auf das j mannigfachste durch Fenster und Bogenstellungen verziert, in denen ganz im Character des ältesten byzantinischen Styls, Sculpturen von Menschen und Thieren, oft von wunderbarer Gestalt und räthselhafter Deutung, sich zeigen. , Am wahrscheinlichsten ist es, daß das Gebilde den Sieg des Christenthums über das hier in den buntesten Emblemen von Thierungeheuern, Löwen und Crocodilen dargestellte Heidenthum vorstellen solle. Was die Kirche St. Jakob selbst betrifft, so hat auch sie im Lause der Zeit bedeutende Veränderungen erlitten. Bereits um das I. 1200 hatte Georg, der dritte Abt, die erste Kirche nebst Nebengebäuden außer den beiden Thürmen abbrechen, dieselbe darauf ganz von Quadersteinen wieder aufbauen und mit Blei bedecken lassen. Ebenso ließ im I. 1089 der Abt Placidius Flemming die sehr veraltete und öfters durch Feuersbrunst heimgesuchte Kirche im Ganzen wieder herstellen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die alten Grabmäler weggebracht, an deren Stelle sich jetzt neuere befinden. Das Schiff der Kirche tragen kolossale runde Säulen, deren jede ein verschiedenes Capitäl und auf dem Fußgestell manchmal Köpfe oder Kugeln von ähnlicher Art, wie die an dem großen äußern Portal haben; wiewol dieselben von der zarten schlanken Behandlung des letztern bedeutend abweichen und überhaupt mehr mit den dicken Säulen im alten Dom oder in der Vorhalle von der St. Emmeranskirche zu vergleichen sind. Von den andern bemerkenswerthen Gebäuden Regensburgs, die in unsern Ansichten keinen Raum fanden, nennen wir hauptsächlich folgende: das Mauth- gebäude, den Palast des Fürsten von Thurn und Taxis mit schöner Bibliothek, sehenswerthem botanischem Garten und ausgezeichneten Stallungen, das schöne Gesellschaftshaus mit dem freundlichen geräumigen Lokale der Harmonie und dem Theater. Herrliche Anlagen und schöne Alleen umgeben außerdem die alterthümliche Stadt, die sich wie ein bekränzter Jubilar mit ihren Thürmen zwischen ihnen erhebt. Hier findet man die Denkmäler des Fürsten Primas, des Fürsten Anselm von Thurn und Taxis, des Grasen von Görtz, k. preuß. Ministers am Reichstage, des Freiherrn von Gleichen und des Polizei-Directors Gruber, welche sich sämmtl:ch um die Verschönerung Regensburgs und insbesondere um diese Promenade verdient gemacht haben. Auch steht hier ein Denkmal zu ehrenvoller Erinnerung an den im I. 1030 hier verstorbenen berühmten Astronomen Keppler. Endlich befindet sich noch in der Nähe des Weih St. Peters Thors eine etwas schadhafte Säule, die in ihrer ganzen Arbeit, sowie insbesondere in den Emblemen, welche an derselben von Bildhauerarbeit sich befinden, einen gleichzeitigen Meißel mit dem großen Portal der Schottenkirche verräth und auch von letzterm herrühren soll. In der näheren Umgebung gehören zu den Vergnügungsorten der Stadt die ehemalige Karthause Prüll, das Pürkelgut, das Dorf Graß mit einer Burgruine, das ehemalige Kloster Prüfening, die Colonie Aeigersdorf, die Dörfer Winzer, Weichs, Hohenbraching und Kumpfmühl, der Dreifaltigkeitsberg mit der ansehnlichen Zieglerschen Maulbeer-Plantage, der Marktflecken Donaustauf mit der Burgruine gl. N. und in der Nähe desselben auf einem mäßig hohen, schmalen Bergrücken (etwa 2 Stunden von Regensburg) das neue, den Heroen und großen Männern der deutschen Nation gewidmete, kolossale Pantheon, --die Walhalla--. Der Dom zu Megensburg. O Glaube, heil'gcr Sngel Gottes du! Dein Flügel ist's, der leise mich umweht; Du füllst das Herz mit jener Himmclsruh', Die auf des Grabes Stufen noch besteht! Du flüsterst uns aus Bild und Liedern zu. Daß etwas sei, das nimmermehr vergeht — Und daß das Licht des Himmels und der Erde Am schönsten durch die Kunst verherrlicht werde. er vom van vegensburg kann mit vollem Rechte zu den größten und schönsten der nach deutscher Bauart aufgeführten Kirchen gezählt werden. Seine Vorzüge bestehen hauptsächlich in der edle», großartigen und dennoch einfachen Anordnung seines Innern und in der trefflichen Maffirung seines Neußern. (Beschreibung.) Schon auf den ersten Anblick flößt dieses kolossale Gebäude, und zwar vor allem die in den edelsten Verhältnissen dargestellte Fa?ade desselben, Ehrfurcht und Bewunderung ein. Das ganze Gebäude steht wie auf einem Fußgestelle von Treppen, auf denen man zu offnen Hallen rings um die Kirche gelangt. Die in großen Horizontal- und Verticallinien die ganze Vordermasse durchziehenden Bänder und Stützpfeiler der Thürme gewähren durch die dadurch abgetheilten geräumigen Felder dem Auge ebenso zweckmäßige Ruhepuncte, als die Wände selbst wiederum durch eine Menge Pyramiden, Säulen, Statuen, Galerien und Fensterrosen auf das mannig- saltigste und angemessenste verziert sind. Wie bei diesem Dome alles im höchsten Reichthum prangt, so zeigt sich derselbe besonders auch in der mittleren Hauptpforte. Schon der Grundplan weicht von dem alten gewöhnlichen ab. Die Pforte dehnt sich nicht in einer geraden Linie aus, sondern sie schwingt sich in einem Dreieck vor, das eine Vorhalle bildet und von einem reich mit Tabernakeln, Slawen und Spitzsäulen verzierten Pfeiler an der vorderen Spitze begrenzt wird. Die innern Wände dieser Halle sind gleichfalls mit Figuren besetzt, welche bis in die Spitzen der die beiden Eingänge derselben deckenden Bogen neben und über einander stehen. Begrenzt wird diese Halle und Pforte auf jeder Seite von einem mit Standbildern und andern Zierden versehenen Felde, das oben mit einem hohen Giebel versehen ist. Dieser Hauptpforte zur Seite stehen zwei minder reich geschmückte Nebenthüren, über welchen unmittelbar die in die Seitengänge führenden Doppelfenster sich befinden. In gerader Richtung über der Hauptpforte ragt im Mittelpuncte der ganzen Fahade ein kolossales Christuskreuz hervor, unter welchem Petrus im Schiffe als Wappen des Capitäls angebracht ist. Unmittelbar zu beiden Seiten desselben befinden sich die zwei Hauptfenster der Kirche, welche mit den von Frank in München gefertigten und von Professor Gärtner eingerichteten neuen Glasmalereien versehen sind. Ueber dem Kreuze erhebt sich in der dritten Hauptabtheilung der Vorderseite ein reich verzierter I Giebel, und in der Mitte desselben steigt, einer Säulenkanzel gleich, ein kleiner Thurm, der Eichelthurm genannt, empor, zu dessen Seiten Maria und Johannes stehen. Den übrigen Theil der Vorderseite nehmen die in den beiden leider unvollendet gebliebenen Thürmen angebrachten großen Fensteröffnungen nebst Verzierungen ein. Sehen wir an der Fa^ade so mannichfachen Schmuck, so entsprechen ihr auch darin die übrigen Theile des Doms. Die beiden Rebenseiten nach Süden und Norden haben nicht nur gleichfalls in der Mitte große Portale nebst kleineren Eingängen an den äußersten Enden der Wand, sondern auch große mit Spitzböge» geschlossene Fenster, wovon besonders das südliche Rundfenster mit sehenswerthen Ornamenten versehen ist. Außerdem gehen, dem Ganzen ein mannichfaltiges und zugleich festes Ansehen verleihend, von den mit pyramidalförmigen Aufsätzen versehenen Stützpfeilern der Abseiten mächtige Stützbögen bis zu den hohen Wänden des mittlern Schiffes hinauf. Ueber letzteren läuft sodann längs des Dachs rund um die Kirche ein Gang mit durchbrochener Einfassung, von welchem man die schönste Aussicht hat. Treten wir nun durch die vordere Thüre in das Innere, so stellt sich dem Auge ein dreifaches majestätisches Spitzbogengewölbe dar, welches von 6 mächtigen Säulenstämmen auf jeder Seite getragen und durch die prachtvollen Glasmalereien milde erleuchtet wird. Die Länge des mittleren Schiffes (nebst dem Chor) beträgt 300 Schuh, die Höhe 120 Fuß. Die dasselbe tragenden 12 Bündelpfeiler haben 7 Fuß im Durchmesser, sind 00 Fuß hoch und unter einander mit Spitzbögen überwölbt. Auf diesen und den Pfeilern ruhen die 2 hohen Seitenmauern des mittlern Schiffes, worin sich 20 große Fenster mit bemalten Scheiben befinden. Längs der Mitte eines jeden Pfeilers gehen dünne Wandsäulen bis zum Anfange des aus netzförmigen Rippen bestehenden Kreuzgewölbes hinauf, und die Zwischenfelder sind mit 6 Zoll dünnen Ziegelgewölben ausgefüllt. Im Hintergrunde stellt sich der 103 Fuß lange, 40 Fuß breite und 120 Fuß hohe Chor dar, dessen netzförmig angeordnete Gewölbrippen auf K Pfeilern und den Umfassungswänden der Kirche ruhen. IS große, mit alten Glasmalereien geschmückte Fenster geben demselben bei der Morgensonne eine wunderschöne Beleuchtung, und vollenden zugleich die perspectivische Ansicht des Ganzen. Er enthält außerdem in seinem weiten Raume einen altdeutschen Choraltar von Metall, die Chorstähle und darüber zwei Tribünen, wovon die eine für die Musikanten, die andere für die Orgel bestimmt ist. Die an das mittlere Schiff in Kreuzesform stoßenden beiden Seitenschiffe ruhen mit ihren Gewölben auf den Pfeilern desselben und auf den Scitenmauern der Kirche; jedes davon ist 35 Schuh breit und wird von 10 großen Fenstern mit Glasmalerei sanft beleuchtet. Was die sonstigen Sehenswürdigkeiten der Kirche betrifft, so bemerken wir darüber Folgendes. Von den 16 Altaren, welche außer dem Hochaltare das Innere derselben zieren, ist der Hieronymus-Altar (gleich rechts beim Eintritt vom Markte her) seines Allers wegen (1440) der merkwürdigste. Unter den Epitaphien, wovon die Kirche mehrere ältere wie neuere enthält, verdienen als Kunstwerke genannt zu werden: das des Grafen von Herberstein (ch 1663), welches auf einer Steinplatte die Speisung der 5000 Mann darstellt, und sowie das in der Ecke gegenüber stehende den Weinberg des Herrn vorstellende wegen der überaus weichen und geschmeidigen Darstellungsart mehr einem Steinguß als einer Meißelarbeit gleicht; das des Fürstbischofs Anton, Grafen von Fugger; das große prächtige Grabmal von Bronze und Marmor, Bischof Philipp Herzog von Baiern vorstellend, und (aus neuester Zeit) das dem Erzkanzler und Primas Karl Dalberg von seinem Neffen errichtete Monument aus Alabaster, das in Venedig verfertigt wurde. Die merkwürdigsten Gemälde unserer Kirche sind: das Leben des Apostels Petrus (sehr groß) von Martin Speer (1756); der heil. Thomas von Aquino von Carl Maratti; der heil. Joseph von Andreas Wolf; der heil. Petrus, wie er von Christus die zwei Schlüssel empfängt; der im Schiffe schlafende Jesus, ein sehr schönes großes Gemälde von dem berühmten Holländer van Bleme»; eine Geburt Christi mit dem Eugelchor, die man Albrecht Dürer zuschreibt. Sehenswerth ist auch der an die Domkirchs anstoßende geräumige Kreuzgang, welcher ehedem den Domherren und andern angesehenen Personen zum Begräbnißplatze diente, und daher sehr viele, ihrer Kunst und ihres Alterthums wegen sehenswürdige, Epitaphien enthält; außerdem sind hier noch viele in der Umgegend entdeckte Denksteine der Römer, Sarkophage, Büsten und Statuen römischen und mittelalterlichen Ursprungs aufgestellt. Von diesem Kreuzgange führt eine kleine Thüre in den sogenannten alten Dom, eine nunmehr versperrte und ganz entleerte Kirche, welche nichts mehr enthält, als einen sehr merkwürdigen Steinaltar aus einem Stücke, welcher, nach seiner ganzen Construction und innern Aushölung zu urtheilen, ein Ueberbleibsel aus den Zeiten der Heiden sein und zu ihren Orakelsprüchen gedient haben dürfte. Aus dem Kreuzgang gelangt man auf den ehemaligen Domfreithof, jetzt ein Garten, in dessen Mitte sich ein Thürmchen mit dem ewigen, nun aber schon lange erloschenen, Lichte befindet. (Geschichte.) Wie fast den meisten gothischen Cathedralkirchen, so giengen auch der zu Regensburg mehrere frühere voraus, welche sämmtlich aus derselben Stelle standen. Schon im 7. Jahrhundert, berichtet man, habe der fränkisch-agilolsingische Herzog Theodo, welcher sich mit seinem ganzen Hof und Vielen aus seinem Volke taufen ließ, an dem Orte, wo bereits eine christliche Kirche gestanden, eins dem heil. Stephan geweihte Domkirche von Holz aufrichten lassen, in der Größe, daß sie die Menge des Volks besser fassen konnte; diese Domkirche sei nachher abgebrannt, und vom Bischof Garibald (740—52) durch eine kleinere Kirche an demselben Platze ersetzt worden. Dieses Stephanskirchlein ist noch jetzt unter der Benennung: „der alte Dom" vorhanden, und besonders seiner Bauart und mannigfachen Fensterverzierungen wegen merkwürdig. Als aber dasselbe im Jahr 1273 durch den Blitz sehr Noth gelitten hatte, faßte Bischof Leo Dundorfer, ein Geschlechter von Regensburg, den Entschluß, von Grund aus eine neue Cathedrale zu erbauen und sie dem heil. Peter umzuweihen. Er reiste selbst deßwegen nach Rom, wo er von dem Pabste nebst einer reichlichen Beisteuer viele Jndul- genzen dazu erhielt; auch unterstützten Geistliche und Laien auf alle mögliche Weise durch Vermächtnisse und Schenkungen das große Unternehmen. Am Gcorgi Abend des Jahrs 1275 legte der Bischof selbst den ersten Stein zu dem Dome, als dessen Baumeister der Thumbmeister Andre Egl genannt wird. Die St. Siephanskirche sowie eine gleichfalls früher hier vorhandene St. Michaels- und Allerheiligen-Capelle wurden mit in den Bau geschlossen und mit einem großen Kreuzgang umgeben. Nach Bischof Leo's Tod (1277) waren desselben beide Nachfolger Heinrich und Conrad nicht minder eifrig für den Fortbau besorgt; ebenso der Bischof Ricolaus, welchem die Domkirche unter andern die schönen Glasfenster verdankt. Im Jahr 1508 überließ das Collegiatstist St. Johann dem Domcapitel gegen eine» jährlichen Zins vier Häuser und Hofstcllen, welche, um den Dombau weiter gegen Westen zu führen, weggerissen werden mußten; zu gleichem Zwecke fügte sie im Jahr 1341 die St. Nicolai-Capelle dazu; ja der Eifer dieses Stifts für die Vollendung des Dombaus gieng zuletzt so weit, daß es im Jahr 1380 sogar seine eigne Kirche demselben opferte, welche sodann unter Bischof Konrad V., Grafen von Henneberg, abgebrochen wurde. Im Jahr 1404 legte Bischof Johann der Moosburger den ersten Stein zum alten Thurm, welches noch jetzt drei Rosen gegen Abend in dem Johannisthürmchen bezeichnen. Während die Oberaufsicht über diesen Bau stets ein Domherr unter der Benennung: oberster Baumeister hatte, folgten sich im Laufe der Zeit verschiedene Werk- oder Thumbmeister; 1380 war es Heinrich Jehenter, später Heinrich Durnstetter, 1451 Friedr. Spies, 1459 Thomas Rorizer, welchem bis zum Jahr 1514 Konrad und Wolfgang Rorizer in gleicher Würde folgten. Wiewol nack einer Aufschrift am Frontispice der Dombau bereits 1482 großcntheils vollendet war, so gab es doch bis zum Jahr 1634 noch immer manches Neue daran zu fertigen, wie sie denn Bischof Albert IV., Graf von Thöring, erst 1618 u. a. wölben ließ. Erst nachdem der Bau über fünft- halbhur.dert Jahre gedauert hatte, blieben die beiden Thürme gleichwol unvollendet und so die Domkirche desjenigen Schmuckes beraubt, welcher dem Ganzen eigentlich erst die Krone aufgesetzt hätte. A a n d s h n t. O Stadt am schönen Zsarstrand', Begränzt von schattenreichen Höhen, Wie freut es uns, im Bilde dich zu sehen! Dich pries das alte Baierland, Als seinen Hort und seine Hut! Sey uns gegrüßt darum, du schönes Landes-Hut, andshut, — die ehemalige Hauptstadt von ganz Baiern, dann der Sitz der Herzoge von Niederbaiern (insbesondere von Baiern-Landshut), in der Folge eine kurfürstliche Haupt- und Regierungsstadt, dann Sitz der Landes- Universität, gegenwärtig nur der Sitz eines Appellations-Gerichts, einer ansehnlichen Garnison, eines Gymnasiums, Lyceums ?e. mit etwa StXX) Einwohnern, — liegt in einer der freundlichsten und fruchtbarsten Gegenden an der Jsar, welche die Stadt in zwei ungleiche Hälften theilt, deren kleinere die Vorstadt Awischenbrücken mit den Häusern um Seligenthal bildet. Die ausgedehnteste und schönste Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung genießt man von unserm Standpunkte !>r«. 8., dem Prülfelde (besser: Prülberge) aus. Rechts reihen sich die Hügel an Hügel, bewaldet und angebaut und von lieblichen Thalfluren getrennt; links breiten sich an dem in zwei Arme getheilten Jsarstrome üppige Wiesen aus, von Bächen durchzogen und begränzt durch die Marken der benachbarten Dorfschaften; in der Mitte lagert sich heiter und freundlich die Stadt mit ihren stattlichen Gebäuden und Thürmen; das Ganze überragt der himmelanstrebende Martinsthurm und fast in gleicher Höhe die freundlich über die Stadt emporsteigende Burg Trausnitz. Wir wenden uns nun zur genaueren Beschreibung der einzelnen Punkte, und beginnen demnach mit dem zuletzt genannten ehemaligen herzoglichen Residenzschlosse Trausnitz, welches sich in l>ro. 8. mit seiner ganzen, gegen die Stadt hin gerichteten Fronte zeigt und in der davon abgewendeten Seite einen bedeutenden Hofraum einschließt. Vor allem bemerken wir den hohen massiven Wartthurm, die eigentliche Trausnitz (Traunicht?), der mit seinen vier Seitenthürmchen und der ihn mit dem Schlosse verbindenden Ringmauer allein eine kleine mittelalterliche Burgfeste bildet. Eine besondere Ansicht davon gewährt l>ro. 2, Wie eine Riesengestalt der Vorwelt steht er da und trotzt in der ungeheuern Stärke seiner Fundamente allen Stürme» der Zeit. Seinen Ursprung verdankt derselbe höchst wahrscheinlich dem ersten Gründer Landshuts, dem Herzog Otto, mit dem Beinamen: der Größere (aus dem Hause Wittelsbach) um das Jahr 1183. Aus seinem Mauerringe heraus tritt man über die breiten Fürstentreppen in eine Reihe prachtvoller Zimmer und Säle mit der herrlichsten Aussicht gegen Norden und Westen, zum Theil auch mit Gemählden geschmückt. Von da gelangt man durch die Narrenstiege, — so genannt von den auf den Seitenwänden in verschiedenen Kostümen gemalten Schalksnarren, — in den kleinen Zwinger, an dessen Vorsprung gegen die obere Stadt hin der sogenannte Wasserthurm (einst Wasserkünste zeigend) sich erhebt. Noch enthält das eigentliche Schloßgebäude außer dem Landes-Archive als besondere Merkwürdigkeit die Lurgkapelle zum heiligen Georg, welche, ohne Zweifel nebst jenem Thurme eine der ältesten Bauten in Landshut, ihrem Style nach dem ilten, spätestens dem l2ten Jahrhundert angehört. Wenn auch von außen mit den übrigen meist aus jüngerer Zeit nach und nach entstandenen Theilen des Schlosses völlig verwachsen und kaum davon zu unterscheiden, hat sie in ihrem Innern desto mehr den altbyzantinischen Styl, in dem sie erbaut ist, bewahrt, und gewährt in ihrer niedlichen, mit uralten Statuen geschmückten Gestalt einen sehr anziehenden traulichen Anblick. Ehemals war das ganze Schloßgebäude mit einer sehr hohen Ringmauer, mit Wachtthürmen ?c. versehen; in neuerer Zeit aber trug man sie zur Hälfte ab. Eben so verschwanden einzelne Gebäude im äußeren Hose. Sehenswerth ist hier der 260 Schuh tiefe Brunnen, welcher mit seinen ungeheuern Metall-Eimern sein Wasser aus der Jsar schöpfen soll. Den äußern Wall gegen Süden und Osten schmücken ansehnliche Weingeländer, als Ueberreste der vielen Weinberge, welche ehedem Schloß und Stadt umgaben und ihre Anlegung dem Herzog Friedrich dem Landshu- ter (um das Jahr t392) verdankten. Eben so ist auch der herrliche Hofgarten seit der Zeit, da Herzog Bernhard von Weimar seine Batterien darin aufgeworfen hatte, gänzlich in Verfall gerathen; die östliche Bastei ist zerstört und rings umher im äußern Burgumfang erblickt man Ruinen! Welch ein Leben herrschte einst in den Tagen des reichen Ludwig und Georg innerhalb dieser Mauern! Und wie ist jetzt alles so öde, so todt! — An die Trausnitz schließt sich zunächst die ehemals landesfürstliche, nun herrschaftliche Hofmark Berg mit ihrer Pfarrkirche zum heiligen Blut, deren fast bis zur Spitze zugerundeten Thürmen einen sestungsartigen Anblick gewähren. Ihr Alter läßt sich nicht bestimmen; die Pfarrei selbst entstand im Jahr 1392 auf Verwendung Herzog Friedrichs; auch war damals ein Siechenhaus damit verbunden. Hart wurde dieses Gotteshaus im Schwedenkriege mitgenommen. Noch erblickt man aus dem Kirchhofe viele alte Grabmäler von Ziegeln erbaut. Die Umgebung von heiligen Blut, der sogenannte Hofberg mit dem nahen Hagrain, bildet einen wahren Garten; rein ist die Lust; Fruchtbäume aller Art blühen und erquickend sprudeln die Quellen, worunter besonders das sogenannte Brunnerl, eine Quelle, an welcher ein liebliches Kirchlein erbaut wurde, an heilsamen Kräften obenan steht. — Auf beiden Seiten stand übrigens ehedem das Schloß mit der um die ganze Stadt zie- henden Befestigungsmauer in Verbindung, welche nunmehr aber bis auf einzelne Stellen größtenteils abgetragen und ihrer vielen stattlichen Thürme beraubt worden ist. Unter den noch stehenden ist der an der Jsar unfern dem Landthore gleich in die Augen fallende ehemalige Rägkl- (später Fischmeister-) Thurm dadurch besonders merkwürdig, weil sich darin im Jahr 1610 mehrere Bürger gegen die Räthe Herzog Heinrichs verschworen hatten; was jedoch entdeckt und sehr hart bestraft wurde. Das in der Totalansicht in dunkeln Massen die Stadt begränzende bethürmte Gebäude ist das nach München führende Hauptthor von Landshut. Treten wir nun von hier aus in das Innere der Stadt, so erblicken wir zunächst die, Landshut in seiner ganzen Länge durchziehende, Hauptstraße mit der Martinskirche in der Mitte, wovon l>ro. 6, eine besondere Ansicht darbietst. Die dicht zusammengedrängten Häuser im Anfange dieser Straße zeichnen sich durch ihre mannigfach gestalteten Giebel, sowie durch die in ihrem unteren Theile angebrachten Kaufhallen aus. Die größte Zierde derselben, so wie der ganzen Stadt ist indeß die -Kirche von St. Martin mit ihbem wegen seiner Höhe (448 Fuß) in ganz Deutschland berühmten Thurme. Letzterer, welcher beinahe die ganze Facade der Kirche ausfüllt, ist mit einem großen Portale verziert, das von einem Streibepfeiler zum andern die Breite des Thurmes einnimmt und dadurch nicht wenig zu dem kühnen Aussehen desselben beiträgt. Er zerfällt in vier Hauptabtheilungen. Von diesen ist die untere und größere im Viereck ausgeführt und mit einfach vortretenden Streibepfeilern versehen, die sich weiter oben in vier Eckthürmchen umwandeln, in denen die Treppen liegen. Da, wo diese bis auf eins, welches die Treppe noch um ein Stockwerk höher führt, ihr Ende erreichen, schließt sich die mittlere Abtheilung im Achteck an. Die dritte und letzte Abtheilung bildet die Spitze mit ihren zwei künstlich aus Stein zusammengefügten Kränzen, deren Säulen mit vergoldeten Kugeln geschmückt sind. Auf dem obersten Kranze herumzugehen, ist gefährlich; dagegen kann man auf dem unteren bequem umherwandeln und sich der schönen Aussicht erfreuen. Ueber dem Pförtchen, das auf diesen Kranz führt, ist das sogenannte Wahrzeichen der Stadt, ein in Stein gehauener Todtenkopf mit der gothischen Umschrift: "ich sag niemand sterben frei." Erst seit 1804 hat der Thurm einen Blitzableiter; Glocken trägt er 11, deren größte 140 Centner wiegt. Weniger merkwürdig in-architektonischer Hinsicht als der Thurm, ist die geräumige, helle Kirche, welche in der Länge 254 Fuß, in die Breite 78 Fuß, in die Höhe 99j/z Fuß hat und in ihrem Innern von 16 schlanke» hohen Säulen getragen wird, deren Durchmesser 3 Schuhe beträgt. Sie zählt 21 Altäre (darunter einen künstlich in Stein gehauenen gothischen Altar, hinter dem neuen Hochaltar) und besitzt einige sehenswerthe Altargemälde, auch ist die große Orgel, sowie die aus eipem Stein gearbeitete Kanzel merkwürdig. Außerdem erblickt man inner und außer der Kirche mehrere Grabmäler. Was die Geschichte dieser Kirche betrifft, so faßte schon im Jahr 1407 die wohlhabende Bürgerschaft von Landshuc den Entschluß, statt der alten unansehnlichen Martinskirche ein neues schöneres Gotteshaus mit einem wektaussehenden Thurme zu bauen, und sämmtliche Zünfte boten sich an, jede für sich den Bau einer Kapelle zu übernehmen. Im Jahr 1432 muß darauf der Bau schon begonnen haben, wenigstens der Entwurf gemacht und das Rothwendigste vorbereitet gewesen sein. Nicht nur beweiset dieß die über dem Portal des Glockenhauses befindliche Inschrift mit der Jahrzahl 1432, sondern auch der Grabstein des Baumeisters Hanns Steinmetz von eben diesem Jahre. Ganz bestimmt läßt sich indeß das Jahr, in welchem der eigentliche Bau ansing, aus den geschriebenen Quellen nicht ausmitteln; gewiß ist dagegen, daß Thurm und Kirche im Jahr 1478 in ihrer Vollendung darstanden, — ein bewundrungswürdiges Denkmal bis in die fernsten Jahrhunderte! Unter der Dachung sind zur Urkunde davon die Jahreszahlen: 1477 und 1478 zu lesen, und unter der Glockenstube im Treppenthürmlein 1472 (so hoch baute man also in diesem Jahre). Zwischen dem ersten und zweiten Kranze, und innerhalb des ersten wird durch die Zahl 1580 und den Namen: „Hanns Vallmüllcr, Kupferschmied,« das Jahr der Eindeckung mit Kupfer angezeigt. Außer dem Meister sieht man noch seine zwei Gesellen und zwei Handwerksleute mit der Benennung „Mar- tesknechre« angezeichnet. In den Jahren 1596—99 wurde das Chorstift St. Castulus von Moosburg hierher versetzt und dadurch der Glanz der Kirche erhöhet, wie sie denn auch diesem Stifte ungemein Vieles verdankt; im Jahr 1803 wurde jedoch dieses Stift wieder aufgehoben und St. Martin blieb nach wie vor bloße Pfarrkirche. — Rechts von St. Martin erhebt sich, von unserm Standpunkte aus gesehen, der stattliche Thurm der zweiten Pfarrkirche der Stadt, St. Jodok oder Jakob, von deren Hinteren Seite Nro. 1 eine besondere Ansicht darbietet. Die gegenwärtige, in neuern Zeiten sehr verschönerte, Kirche, entstand im Jahr 1404, nachdem die frühere, bereits im Jahr 1338 erbaute, Jakobskirche um jene Zeit abgebrannt war. Sehenswerth ist auch die große unterirdische Kapelle, worüber sich das Presbyterium erhebt, durch ein schönes altritterliches Grabmal. Was dieser Kirche einen besondern Vorzug verleiht, ist ihre schöne freie Lage in der sogenannten Freiung, dem alten Asyle und Dultplatze, in einer angenehmen, mit Baumgängen gezierten Gegend der Stadt (Paradeplatz). — Dicht vor der Jodokskirche und hart am Fuße des Schloßberges, wo einst, vor Erbauung der Reustadt, ein Arm der Jsar vorbeifloß, und Mühlen gestanden haben sollen, zeigt sich die in einem großartigen und reichen Style (1640) erbaute ehemalige Jesuiten- nun Hofkirche zum heiligen Ignatz, (ohne Thurm), an welche sich, am Anfange der Neustadt, das nun in eine Infanterie-Caserne verwandelte stattliche ehemalige Jesuiten-Collegium anreihet. — Von da gelangt man durch die gerade, breite Neustadt zu dem niedlichen Gebäude der Kirche und des Klosters der llrsuli n er-11 onuen, welches indeß auf unserm Bilde nicht sichtbar ist. Im Jahr 1668 erbaut, wurde es 1809 als Kloster aufgehoben, 1827 jedoch wieder hergestellt und für den weiblicher, Jugendunterricht bestimmt. — Dagegen erblickt man, etwa in der Mitte zwischen der Jodoks- nnd Martinskirche, die ehemalige llnivcrsitäts- nun Studien Kirche mit dem frühern Univsrsitätsgebäude, worin sich gegenwärtig das königliche Appellations-Gericht für den Jsarkreis, die chirurgische Schule, das Lyceum und das Gymnasium befinden. Ursprünglich gehörten beide Gebäude als Kirche und Kloster den Dominikaner- oder Prediger-Mönchen, welche sie bereits im Jahr 1271 errichteten und im Jahr 1699 das Kloster, sowie 1747 — 52 die Kirche erweitern und von Grund aus neu erbauen ließen. Im Jahr 1802 wurde das Kloster aufgehoben; die große und schöne Kirche wird auch noch fortwährend zu geistlichen Zwecken benutzt; sehenswerth ist darin auch das Grabmal des Geographen G. B. Finkh. Die mit der Kirche nun verbundene Thomas- einst Magdalenen-Kapelle ist wahrscheinlich das älteste Gotteshaus der Stadt. Wenden wir uns nun der linken Seite der Martinskirche oder der großen, breiten Altstadt zu, so bemerken wir hier zunächst, St. Martin fast gegenüber, das alte Fandschaftszcbäude, auf welchem die baierischen Regenten von Otto von Wittelsbach bis Maximilian I. in Lebensgröße »I Lresco abgebildet sind. — In der Mitte der Altstadt ist der große Marktplatz, auf welchem, besonders an den wöchentlichen Markttagen, sich ein äußerst reges Leben zeigt. Zur Zierde desselben gereicht das stattliche, weitläuftige llathhaus, (auf unserm Bilde durch ein Thürmchen kenntlich) welches seit dem Jahr 1446 besteht und einen großen Saal enthält, worin einst viele Landtage und andere Festlichkeiten Statt fanden. Im rechten Flügel des Gebäudes sind nun die Lokalitäten der bürgerlichen Magistratur, Polizei- Registratur ?c. (Das älteste Rathhaus war in der Nähe der Martinskirche.) — Fast gegenüber auf der linken Seite der Altstadt, steht die neue Resi- dcnz oder der lleubau, eine Hauptzierde der Stadt unter den nicht — kirchlichen Gebäuden, welches in den Jahren 1536—43 erbaut und von 1780—1800 von Seiner Königlichen Hoheit, dem Herzog Wilhelm von Baiern, bewohnt wurde. Niedliche Säulen zieren den Hof; auch befindet sich eine Kapelle darin. — Am Ende der Altstadt, nahe der Jsar, erblicken wir noch Kirche und Thurm zum heiligen Geiste, welche der Altstadt, die sich in einem weiten Bogen anschließt, zur nicht geringen Zierde gereichen. Die Kirche zum heiligen Geiste wurde schon im Jahr 14>2 gegründet, ist ziemlich geräumig und sehr licht und wird von 15 runden Säulen getragen. Ehemals war sie Spitalpfarrkirche; jetzo aber gehört sie zu St. Martin, ohne übrigens aufgehört zu haben, Spitalkirche zu sein. In den neueren Kriegen war sie zum Heumagazin verwendet worden, und entging dem Schicksale, eine Mauthhalle zu werden, nur durch den religiösen Sinn der Bürgerschaft. — Der Kirche gerade gegenüber befindet sich das große weitläuftige Liirgerspital, wahrscheinlich um das Jahr 1250—KV gegründet. Dasselbe ist trefflich fundirt und verdankt seine gegenwärtige Gestalt, sowie seinen Hauptfond dem berühmten Jesuiten Ferdinand Orban im Jahr 1721. Ein gleich ausgezeichneter Wohlthäter war auch der Bürgermeister Sigmund Schwarz im Jahr >703. Das ehemals mit dem Spital verbundene Waisenhaus wurde 1807 aufgelöset, und die Kinder, die sonst in dem Spital erzogen wurden, werden nun in der Stadt oder auf dem Lande jn Kost und Erziehung gegeben. Wir gehen nun über den ersten Arm der Jsar in die freundliche Jnsel- vorstadt Zwischenbriieken, welche hauptsächlich von Leuten der gewerbtrei- benden Klasse bewohnt ist, und begegnen hier dem Äirchlein zum heiligen Sebastian, (erbaut 1400, erneuert 1007), welches besonders in Tagen der Gefahr und Noth von Andächtigen aller Stände besucht wird. — Treten wir sodann über die zweite und äußere Jsarbrücke, so erblicke» wir Kirche und Kloster des ehemaligen herzoglichen Nonnenstiftes Seligen« hal, welches Ludmilla, Herzog Ludwig l. Wittwe, mit Einwilligung ihres Sohnes, Otto des Erlauchten, aus ihren eigenthümlichen Gütern für sich und für Nonnen aus dem Cisterzenser-Orden im Jahr 1232 stiftete. Ihre gegenwärtige Gestalt erhielten beide Gebäude in den Jahren 1738—42, wo man sie von Grund aus neu aufführte und nach dem Geschmacke jener Zeit mit Aierathen und Malereien jeder Art bis zum Uebermaße überlud; noch aber ist das erste, uralte Klosterkirchlein St. Afra im Umfange der Klostergebäude vorhanden und darin an einem in der Mitte stehenden Hauptpfeiler die in Holz geschnitzten und gemalten Statuen Ludwigs und Ludmillas zu sehen. Die jetzige Kirche ist ziemlich schön und groß, und besitzt in der sogenannten preisingischcn Kapelle interessante Grabmäler; auch haben die alten Ritter von Kärgl auf Sießbach eine eigne Begräbnißkapelle darin. Die Fürstengruft, in Mitten der Kirche, ziert das in Marmor gehauene Bildniß Herzog Ludwigs, Bruders Wilhelm IV. (gestorben 1545). In der Gruft selbst ruhen die Gebeine von mehr als 30 fürstlichen Personen aus dem Hause Wittelsbach, besonders von der niederbaierschen Linie. Es war dies Kloster gleichsam die gemeinsame geistliche Hut und Heimath des Fürstenhauses; auch wird deßhalb noch immer jedes Jahr am Tage des heiligen Ludwig der im Jahr 1320 gestiftete gemeinsame Seelengottesdienst für das gssammte Haus Baiern gehalten. — Bon Seligenthal aus erblicken wir in einiger Entfernung die uralte Pfarrkirche St. lilikola, am Anfange des sogenannten Reuweges oder der Schwaigen, deren Bewohner — ohne Zweifel wegen der von ihren Borfahren in der Gammelsdorfer Schlacht (13>3) bewiesenen Tapferkeit — das Vorrecht besitzen, am Fronleichnamstage die Procession durch drei mit Helm und Harnisch ausgerüstete Männer, als Sinnbilder des bekannten Landshuter Stadtwappens der drei Helme, zu eröffnen. — Roch ist unter den auf unserm Bilde nicht sichtbaren kirchlichen Gebäuden auf der rechten Stadtseite das kleine Kloster der armen Nonnen von Loretto zu bemerken, welches, in seiner romantisch schönen Lage am Haage, dem Aufhebungssturme im Jahr 1802 entrann und bis zur Stunde die gemeinsame Wallfahrtstätte aller Stände ist. Dagegen verschwanden um diese Zeit die Kirchen und Klöster der Kapuziner, der Nonnen zum heiligen Kreuze und der Franziskaner. Von diesen war besonders das letzere (gegründet 1280) groß und schön, und hatte herrliche Glasgemälde und viele Grabdenkmale. — Uebrigens zählt die Stadt noch manche durch alterrhümliche Architektur interessante Privatgebäude, wie sowohl aus der Totalansicht wie aus Xro. 4 ersichtlich ist. — Fassen wir nun die nächsten Umgebungen der Stadt ins Auge, so müssen wir vor allem die Verschönerungen rühmen, welche die Stadt in den letzten Decennien durch Anlagen aller Art, Spaziergänge, Ruhebänke, Baumreihen ?c. erfahren hat. Namentlich verdienen hier die Sommerkeller-Gebäude der Herrn Bergmaier und Zöttl an und auf dem schönen Prülberge, wo noch Spuren von Marschall Horns Batterien zu sehen sind, erwähnt zu werden. Sehr angenehme und besuchte Spaziergänge befinden sich auch unweit der dritten über die Jsar führenden Brücke, der sogenannten Lendbrücke, da wo eine Steinschleuße über dem Seitenarme der Jsar angebracht ist, sowie unterhalb der Hauptbrücke bei der heiligen Geistkirche, wo die große, massiv aus Steinen erbaute Jsarwehre gesehen zu werden verdient. Von letzterem Punkt führt wieder eine schöne Straße nach einem herrlichen Wiesenplan, an dessen Ende der neue geschmackvolle Begräbnißplatz mit einem gothischen Portale aus dem ehemaligen Kloster Rohr sich zeigt. Wir schließen an die Beschreibung der Stadt nun noch einige Bemerkungen über die wichtigsten Momente ihrer Geschichte an. >— Das schöne Jsar- thal, welches nun die Stadt Landshut mit ihrer herrlichen Fürstenburg beherrscht, war ohne Zweifel schon den Römern bekannt. Man findet nämlich in der Nähe der Stadt nicht nur Spuren vo» altrömischen Schanzen, sondern auch von den sogenannten Hochäckern, den Ueberresten römischer Agricultur in den Donäuländern. Außerdem hat die Gegend von Landshut auch altbo- jarische Denkmäler aufzuweisen, Grabhügel, die im Jahr 1823 entdeckt und geöffnet wurden und entweder einem deutschen oder keltischen Volksstamme angehören, wie dem sowohl Germane» als Kelten im alten Bojoaricn sich angesiedelt hatten. — Die erste Erwähnung Landshuts, als eines bewohnten Ortes, findet sich in einer Urkunde Herzog. Otto's, des ersten baierischen Regenten aus dem Hause der Wittelsbacher, vom Jahr 1183. In diesem Jahre war Landshut wenigstens ein Flecken, und Herzog Otto, mit dem Beinamen: der Größere, ist .ohne Zweifel auch der Gründer. Aventin nennt ihn als solchen, und die Angabe einiger Chroniken, daß erst Ludwig I., Otto's Sohn, der Erbauer Landshuts sey, ist schon durch die oben angegebene Urkunde von 1182 widerlegt. Auch stand wohl schon gleich im Anfange auf dem Berge, der jetzt das Schloß Trausnitz trägt und einst vielleicht ein römisches Kastell getragen haben mag, ein Wacht- und Sicherheitsthurm zum Wohl des Landes; daher auch der Ort nicht nur den Namen "Landshut", sondern wohl auch das entsprechende Wappen mit drei Sturm- oder Eisenhütten gleich damals erhalten hat. — Otto's Nachfolger, Ludwig I., war es indessen, der den Flecken zur eigentlichen Stadt erhob und den Thurm in eine seiner fürstlichen Würde geziemende Burg verwandelte. — Unter seinem Sohne, Otto dem Erlauchten, der zugleich Pfalzgraf am Rhein geworden war, nahm die junge Stadt außerordentlich zu. Sie war nun die Residenz von ganz Baiern, das beständige Hoflager des Herzogs und der Sammelplatz der Stände, welche Otto zusammenberief. — Eine eigentliche, sichere und wohlgeordnete, bürgerliche Verfassung erhielt die Statd Landshut durch den Freiheitsbrief, welchen ihr Otto's Sohn, Heinrich XIII., der Stifter der ersten niederbaierschen Linie, aus Vorliebe für ihre Bewohner im Jahr 1279 verlieh. In der Folge erhielt die Stadt von ihren Fürsten immer mehrere Begünstigungen und Freiheiten, und gelangte überhaupt bis zum Jahr 1410 fast zu derselben Unabhängigkeit, deren sich die alten Reichsstädte zu erfreuen pflegten. — Heinrichs Sohn, Otto, (der die Krone Ungarns erhielt, verlor und starb, ehe er dieselbe wieder erringen konnte) war für Landshut kein geringerer Wohlthäter, indem er die Bürger an seiner berühmten Handfeste Antheil nehmen ließ, ' wodurch er dem Adel durch einen bedeutenden Geldbeitrag (die Klauensteuer genannt) die niedere Gerichtsbarkeit verliehen hatte. Er hinterließ einen unmündigen Sohn, Heinrich, genannt der Jüngere, und zwei ebenfalls unmündige Söhne seines Bruders Stephan, Heinrich, mit dem Beinamen: der Aeltere, und Otto. Der sterbende Fürst hatte den Bürgern von Laydshut und Straubing den Eid abgenommen, die Vormundschaft über die fürstlichen Kinder nur dem Herzog Ludwig von Oberbaiern (nachmaligen Kaiser), anzu- vertrauen. Der Adel hingegen wollte den Herzog Friedrich von Oestreich zum Vormünder. Es kam zum Kriege. Die Stadt blieb ihrem Eide treu und in der Schlacht bei Gammelsdorf am 9. November 1313, welche diesen Vormundschaftsstreit zum Vortheile Ludwigs entschied, zeichneten sich die Landshuter dergestalt aus, daß bis auf den heutigen Tag behauptet wird, Ludwig habe damals erst den Bürgern zum Lohne ihrer Tapferkeit drei Helme in ihr Wappen gesetzt; was übrigens nicht wohl der Fall sein kann, da sich eine Urkunde von dem Jahr 1275, also lange vor jener Schlacht, vorfindet, auf deren Siegel bereits drei Eisenhüte oder Sturmhauben, als Stadtwappen von Landshut, erscheinen. — Unter Heinrich dem Aeltern vergrößerte sich der Umfang und Wohlstand der Stadt. Er gab den Bürgern im Jahr 1319 die volle Gerichtsbarkeit, und erbaute 1338 die sogenannte Neustadt mit der St. Jodokskirche und verlieh derselben den großen Jahrmarkt, die bekannnte Bartholomäus-Dult. Leider aber erlosch mit ihm und seinem unmündigen Sohne die Linie der Fürsten von Niederbaiern, welches nun an Kaiser Ludwig den Baiern fiel. Doch nahm auch unter letzterem und seinen Söhnen die Stadt sichtbar zu, so unruhig auch die damaligen Zeiten waren. Einer seiner Enkel, der um Landshut besonders verdiente Herzog Friedrich, stiftete, da im Jahr 1Z92 das Land abermals getheilt wurde, eine neue Linie von Baiern- Landshut. — Landshut konnte sich nun schon rühmen, unter die schönen wohlgeordneten und vermöglichen Städte zu gehören, als im Anfange des löten Jahrhunderts mit einem Male ein höchst betrübender Vorfall die bisherige Ruhe störte und Verfassungsänderungen herbeiführte. Schon einige Zeit her gab es zwischen den Bürgern und dem jüngern Heinrich, Herzog Friedrichs Sohn, Uneinigkeiten. Die Stadt klagte über Verletzungen der Freiheiten, und der Herzog über Eingriffe in seine Rechte. Es war dies eine Folge von dem Widerstreite, in den die mancherlei Privilegien mit den herzoglichen Gerichten nothwendig kommen mußten. Der Stadtrath wollte nun am kaiserlichen Hofe seine Freiheiten verwahren. Darüber wurde Heinrich mit seinen adlichen Räthen aufgebracht, ließ im Jahr 1498 die Angeseheneren aus der Bürgerschaft festsetzen, mehrere Stadträthe verbannen und von andern schweres Bußgeld erheben. Dieß empörte wieder die Bürgerschaft. Man hielt in dem sogenannten Rekel-Thurme am Ländthore heimliche Versammlungen, rief die Verbannten dazu und beschloß, sich an den Rathgebern des jungen Fürsten zu rächen. Allein in der Nacht des Charfreitags wurden die Verschwornen verrathen, festgenommen und zum Theil hingerichtet, zum Theil des Landes verwiesen. Der junge Fürst kam indeß bald wieder zur Besinnung, änderte mit Recht seine verhaßte Umgebung, vergaß und vergab das Geschehene, und überließ die Verwaltung seiner Einkünfte einem redlichen und wohlerfahrnen Minister, der, während er selbst bei den deutschen Ordensrittern in Preußen um Sold diente, so vortrefflich haushielt, daß er nach seiner Rückkunft der angehäuften Geldschätze wegen nur Heinrich der Reiche hieß. Nachdem das alte gute Vernehmen zwischen Fürst und Stadt hergestellt war, fingen die Bürger neuerdings an zu bauen (1412 die heilige Geistkirche, 1432 die neue St. Martinskirche) und ihre Stadt zu verschönern. In diesen Zeitraum fällt auch die Vollendung des Rathhauses und die Umgebung der Stadt mit Mauern und Thürmen, da wo sie deren noch ermangelte. Im Jahr 1475 erlebte die Stadt ein unvergeßliches Freudenfest, die Hochzeit des Erb-Herzogs, Georg des Reichen, mit Hedwig von Polen, Tochter Königs Kasimir, welche Herzog Friedrich mit einer in ganz Europa Aufsehen machenden Pracht und Verschwendung feiern ließ. Das Fest dauerte 8 Tage und soll über 79,999 Dukaten gekostet haben. Augegen waren Kaiser Friedrich Hl., sein Sohn, der römische König Maximilian, 17 Fürsten, und eine Menge Grafen und Freiherrn. Man verzehrte ZZZ Ochsen, 1139 ungarische Schafe, 2915 Schweine, 75 Wildschweine, I5Z7 Lämmer, 499 Kälber, 984 Spanferkel, 12999 Gänse, 92999 Hühner?c. Denkwürdig wurden diese Tage noch durch ein Turnier, in welchem der junge riesenmäßige Herzog Christoph von Oberbaiern, — derselbe, welcher den noch im Schlosse, zu München aufbewahrten Z94 Pfund schweren Stein geschleudert haben soll — den Woiwoden von Lublin, der, des deutschen Lanzenbrechens als eines Kinderspieles spottend, überall die Ritter zum Kampf forderte, trotz der Riemen, mit denen sich der plumpe Prahler an den Sattel hatte festbinden lassen, dergestalt in den Sand hinstreckte, daß er wenige Tage darauf den Geist aufgab. — Unter der Regierung Herzog Georgs erreichte die Stadt den höchsten Gipfel des Wohlstandes. Viel litt sie darauf in dem gleich nach dem Tode des letzten Herzogs (1593) entstandenen niederbaierischen Erbfolgekrieg, bei weitem aber mehr noch im 39jährigen Kriege, im spanischen Erbfolge- und sogenannten baierischen Kriege, sowie endlich während des Kriegs zwischen Frankreich und Oestreich in den Jahren 1899 und 1899. Die Universität, welche Landshut im Jahr 1899 von Jngolstadt nebst dem größten Theile der Hilfsanstalten erhielt, wurde bekanntlich, nachdem sie die Hauptnahrungsquelle der Stadt geworden war, 1829 nach München versetzt. Zwar erhielt die Stadt als Ersatz das Appellationsgericht für den Jsarkreis, die landärztliche Schule und ein vollständiges Lyceum mit dem Gymnasium und der lateinischen Schule; allein dieß Alles ersetzt den erlittenen Verlust bei weitem nicht, und die Bürgerschaft richtet daher ihre sehnsüchtigen Blicke noch immer nach Oben und hofft, durch König Ludwig I., der im Jahr 1893 als akademischer Bürger in Landshut verweilte und überhaupt dieser treuen biedern Stadt sehr gewogen ist, bei günstiger Gelegenheit noch beträchtlichere Entschädigungen. Möchten ihre Wünsche recht bald in Erfüllung gehen! An merk. Vorstehende Beschreibung und Geschichte oon Landshut verdankt dem um die Lokalgcschichtc dieser Stadt hoch verdienten Pfarrer Alois Staude n- raus in Landshut viele wesentliche Beiträge, wofür wir demselben hiermit unsern verbindlichsten Dank sagen. DN o r m s. Sin Denkmal längst enlschwund'ncr schon'rcr Zeiten. Stehst Du, o Worms, am dunkeln Rhcinesstrome! Du sahest einst Germaniens Volkerkraft, Du sahst die Herrlichkeit des alten Roms, Du sahst den Glanz des deutschen Kaiserthums, Du sahst den Mann, der einst mit kräftigem Sinn Der Welt die Glaubensfreiheit wiedergab! Und blieb Dir nichts aus jener hehren Zeit, Als Deines Domes Pracht und Deiner Kirchen Zier, So weilt doch gern der Geist auf Deiner Stätte, An die so manche große That sich knüpft. orms — ehedem eine ansehnliche Reichsstadt und ein glänzender Bischofssitz, gegenwärtig (seit 18lt>) eine Stadt zweiten Ranges im Groß- herzogthum Hessen und zugleich Sitz einer Garnison, eines Gymnasiums ec., mit etwa 832k Einwohner in 9KZ Wohnhäusern — liegt in einer zwar un- gemein fruchtbaren, aber ziemlich flachen und einförmigen Gegend, nicht weit vom Rheinstrome, welcher nur das Ufer der nach Mainz zu gelegenen Borstadt (in der Gegend des Liebfraustiftes) berührt und über welchen hier eine sehr besuchte fliegende Brücke führt. Wenn irgendwo, so war es hier eine schwierige Aufgabe für den Zeichner, in der Totalansicht die wenigen architektonischen Glanzpunkte einer großartigen Vergangenheit in malerischer Gruppirung hervortreten zu lassen und dieser die in gehaltloser Weite sich ausdehnende Häuserreihe einer kleinlichen Gegenwart in angemessener Weise unterzuordnen. In dieser Hinsicht fand sich wohl kein besserer Standpunkt, als die der Stadt schief gegenüberliegende Insel, gewöhnlich die Maulbeerau genannt, zumal da sich hier zugleich auch der volle Rheinstrom in seiner ganzen Majestät darbietet; ein Vortheil, welchen keiner der gewöhnlichen Gesichtspunkte auf der hintern Landseite gewährt, so sehr es doch zu den charakteristischen Zügen des alten „^Vorme? ->» «lem Itloe" gehört, den Spiegel des sagenberühmten Stromes sich vorleuchten zu sehen. In wessen Erinnerung tauchten jetzt nicht bei dem Anblick des freundlichen, lebenvollen Totalbildes (l>ro. I.) die ehrwürdigen Erinnerungen an die uralten Sagen von Siegfried und Chriemhilde, dem Königsdome und dem Rosengarten, dem Landungshafen und den Buhurdstätten unwillkürlich hervor, während ihm zugleich die Alles umgestaltende Gegenwart mit ihren durch Dampfeskraft getriebenen Schnellschiffen auf der Spiegelfläche des Flusses mächtig entgegentritt. Doch folgen wir der Reihe der einzelnen Punkte, wie sie uns das Bild an die Hand giebt. Wir beginnen deshalb mit der Lltbfrauenkirche, als dem äußersten Punkte außerhalb der Stadt. (Geschichte.) An der Stelle dieser Kirche stand ursprünglich eine kleine dem heil. Petrus geweihte Kapelle, welche Kaiser Heinrich II. um das Jahr 1VVK aus eignen Mitteln stiftete. Späterhin, als die Verehrung der Mutter Gottes immer allgemeiner ward, wurde dieselbe der heil. Jungfrau Maria umgeweiht und seitdem wegen häusiger durch die hohe Himmelskönigin vollbrachten Wunder ein weithin berühmter Wallfahrtsort. Dies machte es möglich, daß in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an der Stelle der alten unansehnlichen Kapelle ein neues und großartiges Kirchengebäude aus den frommen Schenkungen jeder Art aufgeführt werden konnte, welches sodann Biscdof Emicho im Jahr I2U3 zu einer Collegiatkirche erhob und mit denselben Vorrechten versah, deren sich auch die ander» Stiftskirchen seiner Diöcese erfreuten. Einen weiteren nicht unbedeutenden Zuwachs erhielt in der Folge diese Kirche durch die reichlichen Jndulgenzbriefe, welche ihr im Jahre IZIO der Erzbischof von Mainz und die Bischöfe von Breslau und Strasburg ertheilten; noch mehr aber durch die Schenkung der Einkünfte der benachbarten Pfarrei St. Amand, welche sie der Freigebigkeit des Bischofs Heinrich im Jahre l3t» verdankte. Mehr und mehr nahm nun die Verehrung der heil. Jungfrau zu, und fast aus ganz Deutschland fand hier alljährlich ein solcher Ausammenfluß von Menschen Statt, daß der Rath und die Bürgerschaft von Worms nach Abreißung der früheren im Jahr 14K7 von Grund aus (?) eine neue größere Kirche, das Werk vieler Jahre, er. bauen ließen; weshalb auch wohl an der Decke dieser Kirche die noch jetzo vorhandenen Wappen der ehemaligen Zünfte von Worms angebracht worden sein mögen. Diese Kirche erhielt sich nun glücklicherweise in den vielen Zerstörungsstürmen, welche an ihr vorübergingen; nur im Jahr lS8g wurde sie bei dem allgemeinen Stadtbrand der einen Thurmspitze beraubt. Gegenwärtig gehört die Kirche zur Pfarrei St. Martin, und wird nur noch an den hohen Mariensesten sowie an dem Frohnleichnamstage zum Gottesdienste gebraucht. (Beschreibung.) Was die Architektur dieser Kirche betrifft, so zeichnet sie sich zwar durch ihre freundliche Symmetrie aus, noch mehr aber durch eine für die Zeit ihrer Erbauung besonders auffallende Einfachheit und Schmucklosigkeit im Aeußern wie im Innern. Die einzige eigentliche Sculp- turarbeit an der ganzen Kirche befindet sich über der nach Westen zu liegenden Hauptthüre. Im Felde des Giebelbogens erblicken wir hier die sterbende Maria, umgeben und beweint von ihren Freunden und Freundinnen, und unmittelbar darüber ihre Krönung durch Christus; in den Seitenbögen aber sind rechts die sieben klugen und links die sieben thörichten Jungfrauen abgebildet. Das Ganze bildet somit eine schöne Allegorie, wodurch Maria als Vorbild der Weiblichkeit für Zeit und Ewigkeit dargestellt wird. Eine auffallende Erscheinung in der innern Construction dieser Kirche ist der freie Rundgang um den Hochaltar, welchen nach Außen hin der östliche Umbau einschließt. Einzelne Theile des mittleren oder Hauptschiffes müssen wegen ihres, besonders an den engen F-nstersprengungen erkennbaren älteren Styls einer früheren Zeit zugeschrieben werden, als das 15. Jahrhundert, und daher in dieser Hinsicht, wie so häusig, nach der architektonischen Ansicht die geschichtlichen Angaben berichtigt werden. In einiger Entfernung von der Liebfrauenkirche erblicken wir das eigentliche Hauptgebäude und gleichsam die Krone und Zierde der ganzen Stadt, die Oomkirche zum heil. Peter und Paul, wovon ?iro. 3. eine besondere Ansicht nebst den nach Osten hin angränzenden Häusern und Straßen der innern Stadt darbietet. Wir knüpfen die Geschichte und Beschreibung dieses merkwürdigen Denkmals altbyzantinischer Baukunst an das eine wie an das andere dieser Bilder an. (Geschichte.) Schon in der frühesten christlich-germanischen Zeit (ur. kundlich wenigstens schon im Jahr 8Z8) stand an der Stelle der gegenwärtigen Kirche eine Basilika (Hauptkirche) des heil. Petrus, und ihr zur Seite nach dem seit dem 8. Jahrhundert mehr und mehr aufkommenden Gebrauche wohl schon um die Mitte desselben die Daufkirche (Baptisterium.) des heil. Johanne-. Letztere hatte sich ganz unversehrt in ihrer ursprünglichen höchst merkwürdigen Form bis auf das Jahr >807 erhalten, wo sie unter dem Regiment der Franzosen auf den Abbruch versteigert und darauf in den folgenden Jahren mit größter Mühe und Anstrengung — so felsenfest waren die Steinquadern in einander gefügt! — völlig niedergerissen, so daß sich gegenwärtig nur noch einige wenige Säulen und Kapitäle im Besitze eines Privatmannes erhalten haben. Es war ein achteckiges Rundgebäude, durchaus aus großen Quadern in einer Dicke von 12 Schuh zusammengesetzt und mir einem hutförmig zulaufenden Kuppeldach versehen, unter welchem ein mit kleinen Säulen eingefaßter Umgang hinlief. Das Innere bestand ans drei über einander gebauten Gewölben, von welchen das obere mitten auf dem Dach des andern stand, das mittlere, in das man geraden Fußes von der Erde hineinging, zur eigentlichen Kirche diente und das untere bis auf die kleinen schmalen Fenster unter die Erde reichte. Die Dom Kirche selbst, zu der wir nach dieser kleinen Abschweifung wieder zurückkehren, wechselte im Laufe der Zeiten vielfach ihre Gestalt, bis sie ihr gegenwärtiges Aussehen erhielt. Schon im Jahr 872 wurde die aus frühester Zeit stammende Basilika vom Blitz getroffen und völlig in Asche gelegt. Zwar versuchten es nun die nächstfolgenden Bischöfe nach Kräften, sie auf die Dauer wieder herzustellen; aber alle ihre Bemühungen wurden durch die verheerenden Einfälle der Normannen, welche im 9. Jahrhundert mehrmals den Rhein aufwärts selbst bis nach Worms drangen, immer wieder vereitelt. Erst dem würdigen, um die Stadt hochverdienten Bischof Burkard, welcher zu Ende des 10. Jahrhunderts das so oft unterbrochene Werk mit heiligem Eifer wieder aufnahm, gelang es endlich, an die Stelle der bisherigen unansehnlichen Kirche nunmehr einen großen und erhabenen Bau zu errichten. Er kam damit in so ungemein kurzer Zeit zu Stande (von 998—1018), daß derselbe seinen Zeitgenossen wie durch ein Wunder emporgestiegen zu sein schien. Auf den dringenden Wunsch Kaiser Heinrich II., welcher um diese Zeit auf einer Reise durch Worms kam, wurde sie noch vor ihrer gänzlichen Bollendung im Jahr IVI8 in seiner und vieler weltlichen und geistlichen Fürsten Gegenwart auf das Feierlichste eingeweiht. Nach der Chronik des ehemaligen Klosters Kirschgarten bei Worms fiel zwar bereits zwei Jahre nachher der östliche Theil der Kirche nächtlicher Weile gänzlich zusammen, allein schon nach den nächsten zwei Jahren war derselbe auf einem unverwüstlich festen Fundament noch prachtvoller als vorher wieder aufgeführt. Doch dlieb es Burkards siebentem Nachfolger, Bischof Eppo (reg. v. 1107—>115), vorbehalten, die letzte Hand an das riesenmäßige Werk zn legen, worauf die Kirche im Jahr tlio nochmals eingeweiht, jedoch erst im folgenden Jahre völlig ausgebaut wurde. Gleichwohl ward schon im Jahr Il8t eine Wiederherstellung der in den häufigen Kriegsstürmen jener Zeit vielfach zerfallenen Kirche nöthig, welche denn auch Bischof Konrad II. mit solchem Erfolge unternahm, daß seitdem das Gebäude wenige Veränderungen erlitten haben mag. Zu den bedeutendsten Veränderungen, von welchen wir außer den Kapell-Anbäuen und anderen noch außcrwesentlicheren Ausätzen wissen, gehört, daß im Jahr 1429 der eine Hintere Thurm, welcher zunächst an den Bischofshof stieß, zusammenfiel und einen Theil des letzteren zerschmetterte, worauf er im Jahr 1472 durch Bischof Reinhard mit der Klerisei Kosten wieder aufgebaut wurde. Im Uibrigen scheint das erhabene Gebäude allen Stürmen der Zeit trotzen zu wollen. Die Mauern der ganzen Kirche sind so stark und felsenfest durchaus aus Quadern aufgeführt, daß sie selbst den von den Franzosen angelegten Minen widerstanden, obgleich dieselben sich viele Mühe gaben, auch dies Gebäude, wie den Dom zu Speier, 1889 bei der allgemeinen Zerstörung der Stadt in die Luft' zu sprengen. Dagegen zerschmolzen leider die mit Blei gedeckten Dächer der Kirche von der die ganze Atmosphäre durchdringenden glühenden Hitze; auch bekam wohl damals das Gebäude durch die Erplosion des Pulvers die an einigen Stellen desselben noch jetzt sichtbaren Ritze. (Beschreibung.) Unter allen byzantinischen Bauten behauptet die Domkirche von Worms durch die edle Großartigkeit und zugleich ruhige Beschlossenheit und Einfachheit der Form im Aeußer» wie im Innern eine der ersten Stellen. Vier mächtige runde Thürme begränzen die beiden Chöre der 470 Schuh langen und 110 Schuh breiten Kirche, und gewähren ihr, nebst den über denselben hervorragenden Kuppeln, besonders aus einer gewissen Ferne betrachtet, das Ansehen einer wahren Burgveste Gottes, wozu auch die hohe Lage des ganzen Gebäudes nicht wenig beiträgt. Wenn der östliche (nach der innern Stadt zu gekehrte) Chor durch seine reichen und großartig stylisirten Formen einen imposanten Anblick gewährt^ so hat dagegen der westliche Chor durch seine Abwechselung und Mannigfaltigkeit, besonders aber durch seine doppelten Umgänge mit reicher Säulenstellung, mehr ein malerisches Ansehen. Dieser Chor verräth auch besonders am rechten Thurme, sowie an der mittleren großen Fensterrose, bereits den Uebergang in den altdeutschen Styl; was-sich nun nach der oben angegebenen Nachricht ganz natürlich dadurch erklären läßt, daß man bei der Wiederherstellung des einen hintern Thurmes im 15. Jahrhundert auf die ältere byzantinische Gestaltung des noch stehenden linken Thurmes nur insoweit Rücksicht nahm, als nöthig war, um die Symmetrie des Ganzen nicht völlig zu zerstören, im Ue- brigen aber dem herrschenden Geschmack der Zeit huldigte, wodurch eben das auffallende, fast räthselhafte Formgemisch des neuaufgeführten Thurmes entstand. Gleichfalls neu, und zwar theils aus dem 14., theils aus dem 15. Jahrhundert, sind die dem alten byzantinischen Bau im deutschen Style angefügten Seitenkapellen, wovon die an der Südseite des Doms den mit reicher Sculpturarbeit verzierten Haupteingang der Kirche einschließen. Im Giebelfelde unmittelbar über dem Eingange erblickt man hier Christus, Maria, einen knieenden Bischof (Burkard) und den heil. Petrus; das Ganze bedeutet wohl die durch die Fürbitte der heil. Gottesmutter von Christus erhaltene Einweihung der Kirche auf den Namen des heil. Apostels. In den Seitenbögen über dem Eingange befinden sich Darstellungen aus dem alten und neuen Testament. Von den zunächst an den beiden Seitenwänden stehenden Figuren bezeichnen die linker Hand die vier Evangelisten, die rechter Hand aber wahrscheinlich die vier Hauptprophete» des alten Testaments. Ganz oben in der höchsten Spitze des Giebelfeldes erscheint ein mit einer Mauerkrone geschmücktes Weib, welches auf einem Thiere reitet und, wie die an dem vielgestaltigen Haupte und den demselben entsprechenden Füßen sichtbaren Attribute der vier Evangelisten (Ochse, Löwe, Mensch, Adler) deutlich erkennen lassen, die triumphirende christliche Kirche bezeichnen soll. Rechts und links folgen nun noch an den nächsten Eckpfeilern verschiedene Figuren, wovon sich die linker Hand als bekannte Heiligenbilder zc. von selbst erklären, die vier rechter Hand aber eine besondere Deutung erfordern. Von diesen bezeichnet nämlich die erste obere Figur mit der Büchse in der Hand und den beiden Verehrern zu ihren Füßen den wahren Glauben, die unmittelbar darunter befindliche aber mit der Binde um die Augen, zurückgefallener Krone, zerbrochenem Speer und mit dem Bock und Messer in der Hand das Juden- thum; die zweite obere mit zerbrochenem Scepter das Heidenthum und die unter dieser stehende mit dem Scbild in der rechten Hand und den Kröten, Schlangen und Eidechsen auf dem Rücken den Irrglauben. — Diese und andere noch unwesentlichere Ansätze ausgenommen, gibt die Domkirche den reinsten byzantinischen Styl des tl. Jahrhunderts in allen seinen charakteristischen Einzelnheiten zu erkennen, wohin besonders die glatten Mauern aus Quadern, die Fenster von geringer Hohe mit halbkreisrunder Bedeckung, die gleiche einfache Verzierung der Pforte, ferner die Reihe halbkreisrundcr Bogen unter den Gesimsen, die Würfelknäufe mehrerer Säulen der Gallerien, und endlich diese Säulenumgänge selbst zu zählen sind. — Treten wir in das Innere dieses majestätischen Gebäudes, so erhalten wir hier ganz denselben Totaleindruck, welchen das Aeußere auf uns machte; denn überall erblicken wir hier die nämliche edle Einfachheit und Ruhe, dieselbe Festigkeit und Zweckmäßigkeit, wie im Aeußern, wozu der Anblick der rein ohne Ueberstrich gelassenen Quadersteine nicht wenig beiträgt. Eilf mächtige viereckige Pfeiler, welche mit Halbsäulen nach altrömischer Art verziert sind, halten auf jeder Seite die kühngesprengten Bogen empor, auf welchen das leichte mit bloßem Tufstein bedeckte Gewölbe der Kirche ruht. Einfach groß ist die Hinsicht von einem Chöre zum andern, kühn und erhebend der Aufblick zu den dieselben begränzenden Kuppeln, von welchen die östliche die höchste ist und IZ7 Schuh in der Höhe beträgt» Selbst der gänzliche Mangel aller eigentlichen statuarischen Monumente an den Pfeilern und Wänden der Kirche trägt nicht wenig dazu bei, den einfach großartigen Grundbau derselben um so ungestörter und wirksamer hervortreten zu lassen, so sehr übrigens dieser hauptsächlich durch die Verwüstungen der Franzosen im Jahr 1689 herbeigeführte Verlust für die bildende Kunst zu bedauern ist. Von allen ursprünglich dem Dom angehörenden Merkwürdigkeiten dieser Art hat sich nichts erhalten, als die in einer Seitcnkapelle eingemauerten uralten Hautrclicfs, Daniel in der Löwengrube darstellend. Außerdem erblickt man hier und da noch ein Wandgemälde im altbyzantinischen Style, von welchen ehedem eine große Anzahl diesen Tempel geziert zu haben scheinen. Besondere Auszeichnung verdienen darunter die kolossalen Gestalten der beiden Schutzpatrone der Kirche, deren großartige, edle Haltung und geistvolle Miene noch aus dem fast ganz erbleichten Gemälde durchscheint. In noch kolossalerer Größe ist an der den östlichen Chor begränzenden Kirchenwand das Brustbrld der heil. Jungfrau nebst dem Muttergotteskinde angebracht mit der (nicht ganz zu entziffernden) Unterschrift! Der. te. »tre»». «lilt'II'. ,»<>rl>i. sxeaus. »ine. ^ ?»g!»t>ir. ff aura. lames. pestis. «llii.ti cllri-to tare te II. Höchst merkwürdig sind auch die in dem genannten Chor einander gegenüber aufgehängten Holztakeln mit den auf Goldgrund gemalten beiden Schutzheiligen der Kirche im ältesten byzantinischen Style. — Die übrigen Denkmäler dieser Kirche sind mit Ausnahme eines Grabsteins aus dem vorigen Jahrhundert sämmtlich erst in den neuesten Zeiten hier aufgestellt worden; so in der Kirche selbst: der sehr zierlich in gothischem Style ausgchauene Grabstein der drei fränkischen Königstöchter St. Embede, St. Warbede und St. Willibede, welcher aus der zerstörten Kirche des ehemaligen Frauenklosters auf dem Andreasberge (des sogenannten Bergklosters) herstammt; in der südlichen Seitenkapelle: die Kreuzabnahme Christi, gleichsam ein Gemälde in Stein von wahrhaft ergreifendem Ausdruck, die Geburt unsers Heilands, der Stammbaum der Maria ?c., sämmtlich sowie die vielen kleinen Wappenschilder aus dem zerstörten Kreuzgange des Doms, der Taufstein aus der abgebrochenen Johan- niskirche. — Von dem Krcuzgange hat sich übrigens noch ein sehr sehenswerther Chor im byzantinischen Style erhalten. Offenbar stand also an der Stelle des nunmehr völlig abgerissenen Kreuzgangs, welcher den Baustyl des 15. Jahrhunderts an sich trug, ein älterer im byzantinischen Styl, welcher, jenem Thore nach zu urtheilen, vielleicht in gleicher Zeit mit der Domkirche entstanden ist. — Unter die Borzüge der Domkirche gehört noch das herrliche Geläute, welches, besonders in seiner vollständigen Harmonie an hohen Festtagen, einen wahrhast imposanten, ganz des erhabenen Gebäudes würdigen Eindruck gewährt. Zwischen dem Dom und der Liebfrauenkirche blicken die beiden modernen Thürme der St. Äiidreaskirche hervor, von deren älterem byzantinischen Bau (um das Jahr 1020) sich außer dem Hauptportale nur der untere Theil des östlichen Thurmes erhalten hat. In der neueren Zeit wurde ein Theil dieser Kirche zur Errichtung der Mehlwage verwendet und der übrige als Magazin vermiethet. — (Ganz in der Nähe liegt die (im Bilde nicht sichtbare) St. Magnuskirche, welche ehemals dem Andreasstifte gehörte, später aber (urkundlich schon im Jahr 1524) der lutherischen (jetzt evangelischen) Kirche eingeräumt wurde.) — Mitten vor dem Dom sehen wir die Thurmspitze der St. Martin-Kirche sich erheben, von deren frühcrem altbyzantinischem Bau (aus unbestimmter Zeit; denn das gewöhnlich angeführte Jahr 1265 kann nur auf eine Renovation desselben gehen) sich die ganze Außenseite des Schiffes nebst den dahin führenden Thüren, der eine Thurm bis an den Aufsatz und das schöne Hauptportal erhalten hat. Schon im 9. Jahrhundert wurde hier auf der Stelle, wo ehedem der heil. Martinus, als er noch in dem Kriegsheere des Kaisers Julian diente, wegen seines öffentlich bekannten Christenthums um das Jahr Z55 gefangen gehalten und gemartert worden sein soll, von den frommen Bewohnern von Worms ein Bethaus errichtet, welches Kaiser Otto III. später in eine Kollegiatstistskirche verwandelte, dem er sodann durch eine feierliche Urkunde vom Jahr 991 alle seine Besitzungen, Rechte und Gefälle zu Boppard schenkte. Noch mehrere und beträchtlichere Schenkungen erhielt dieselbe in der Folge durch mancherlei Wohlthäter (worunter die Kämmerer von Worms den ersten Platz einnehmen), so daß sie sich in den blühendsten Verhältnissen befand. Im Jahr 1265 wurde die Kirche, wie es gewöhnlich heißt, von Grund aus (?) neu erbaut, und erhielt sich seitdem in stattlichem Zustande bis zur Zeit der französischen Invasion, wo sie durch das Feuer bis auf die äußeren Mauern (in dem oben angegebenen Umfange) zerstört wurde. Später richtete man sie wieder zum Gebrauche ein, und gegenwärtig ist sie nebst dem Dom die einzige Kirche in Worms, in welcher regelmäßig katholischer Gottesdienst gehalten wird. — In geringer Entfernung von dem Dom steigt die an dem Marktplatze der Stadt gelegene Dreis-ltigkeitskirchc empor. An diesem Platze war es, wo schon seit Kaiser Dagoberts Zeit (um 622) eine Reichspfalz stand, welche Karl der Große sehr oft besuchte, bevor sie im I. 790 ein Raub deß FeuerS wurde. Die leere Stätte wurde 1264 den Augustinermönchen eingeräumt, die hier ein Kloster errichteten, welches 1567 gleichfalls abbrannte. Jetzo siel der Platz an den Rath der Stadt, der ihn im Jahr 1586 zum Bau eines stattlichen und geräumigen Rathhauses, gewöhnlich die Münze genannt, benutzte. Nachdem leider auch dieses Gebäude im Jahr 1689 völlig zu Grunde gegangen war, wurde vom I. 1709 —1725 die gegenwärtige freundliche und geräumige Dreisaltigkeitskirche im Geschmack der damaligen Zeit aufgeführt. Gewöhnlich aber durchaus irrig wird hier die Stätte gesucht, wo der evangelische Glaubensheld Luther (im Saale des alten Rathhauses) im Jahr 1521^ vor Karl V. stand, indem, wenn anders die damalige Reichsversammlung in einem der Säle des Rathhauses Statt fand, dieser unmöglich in dem erst 1586 erbauten vorderen Theile desselben, der sogenannten Münze, zu suchen ist, sondern jedenfalls nur in dem vom Marktplatze ganz abgelegenen älteren Theile des Rathhauses, dem sogenannten Bürgerhofe (wovon auch wirklich einige Nachrichten melden); allein wenn auch hier manche frühere und spätere Reichsversammlungen gehalten wurden, so bemerkt doch der wohlunterrichtete Friedr. Zorn (geb. 15Z8, gest. I6>0) in seiner Chronik der Stadt Worms ausdrücklich, daß jene Reichsversammlung von 1521 in des Bischefs Hofe (neben der Domkirche) nicht auf dem Bürgerhofe, „wie der gemeine Mann meint", gehalten worden sei. Dadurch verliert deyn auch das über der Orgel der Dreifaltigkeitskirche angebrachte, Luthern vor Karl V. vorstellende Freskogemälde, welches ohnedies keinen künstlerischen Werth hat, völlig alle historische Bedeutung. (Der hier erwähnte bischöfliche Hos oder Palast wurde 1504 aufgeführt und brannte im Jahr 1689 mit der übrigen Stadt ab. Der seit 1717 errichtete neue prächtige Bischofshof, welcher an innerer und äußerer Schönheit den vormaligen bei weitem übertraf, stand bis zum Jahr 1794, wo er von den Franzosen zum zweitenmal abgebrannt wurde. Noch haben sich die Substructionen des Gebäudes erhalten. Es befindet sich gegenwärtig ein Weinberg darauf, der sowi? der angränzende Garten im Besitz der Heylschen Familie ist.) — In einiger Entfernung, mehr dem Rheins zugewandt, erblicken wir die Frildrichskirche, welche die refor- mirte Gemeinde 1765 mit reicher Unterstützung des großen Friedrichs von Preußen errichtete und welche gegenwärtig der vereinigten lutherisch-reformir- ten oder evangelischen Gemeinde gehört. Die letzte Kirche, welche unser Bildchen darstellt, ist das ehemalige Kollegiotstift fum heil. Paul, von welcher l>ro. 2. eine besondere Ansicht liefert. An der Stelle dieser Kirche befand sich ursprünglich dik Pfalz (Burgveste) einer mächtigen fränkischen Herzogsfamilie, welche gewöhnlich von ihren Besitzungen in und bei Worms die Wormsische (Worn,»ti«»sis) genannt wurde. Endlich aber gelang es Kaiser Heinrich II. aus Verwendung des Bischofs Burkard den aus dieser Familie stammenden Herzog Otto, welcher den Frieden und die öffentliche Sicherheit der Stadt durch räuberische Ausfälle auf das empfindlichste störte, zu einem Tausche seiner Burgveste und seines Allodialguts bei Worms gegen Brüssel am Brurrhein zu bewegen. Nicht zufrieden, der Bürgerschaft und Geistlichkeit von Worms diesen wichtigen Dienst geleistet zu habe», schenkte nun noch der mildthätige, kirchenfreundliche Kaiser das Ganze an den Bischof Burkard, welcher alsbald (l003) die verhaßte Beste zerstören und aus ihren Trümmern das Paulstift (vollendet lOlft) hervorgehen ließ. Im Jahr I2KI erlitt dasselbe nebst der dazu gehörigen Parochialkirche St. Rupert solchen Brandschaden, daß beide Kirchen fast von Grund aus wieder aufgeführt werden mußten. Beim großen Stadtbrand (Istgg) erhielt sich von dieser Kirche glücklicherweise die ganze Vorderseite nebst der Kuppel und den beiden Seitenthürmen bis auf die Dachspitzen, sowie der Hintere Chor ziemlich unversehrt; dagegen brannte das Schiff der Kirche seiner ganzen Länge nach ab. In neuerer Zeit geht diese Kirche, seitdem sie aufgehört hat, zu gottesdienstlichen Zwecken zu dienen, ihrem gänzlichen Verfall mehr und mehr entgegen. ES ist dies um so mehr zu bedauern, als sich dieselbe sowohl durch ihre Zierlichkeit und Eleganz, als auch besonders durch die Eigenthümlichkeit ihres Styls auszeichnet, welcher deutlich den Uebergang des byzantinischen in den altdeutschen bezeichnet. Unverkennbar ist dies an den leichten und gefälligen Kapitälen des Portals, insbesondere aber den vier aus der Farads hervortretenden Pfeilern zu ersehen, ja gewissermaßen auch an der über dem Eingang befindlichen Kuppel, indem dadurch die spätere Gewohnheit, denselben mit Thürmen zu versehen, schon deutlich hervortritt. Das älteste Gepräge an der ganzen Kirche trägt jedenfalls der Hintere Chor mit seinen Säulenumgängcn an sich. Aus den späteren Zeiten des altdeutschen Baustyls ist dagegen das anstoßende Capitelgebäude, welches gegenwärtig zur Aufbewahrung von Kornfrüchten dient, sowie die Kirche selbst von Brennholz. Unter den übrigen öffentlichen Gebäuden in Worms giebt es wenige, welche sehenswerth wären. Von dem alten Rathhausgebäude hat sich nur der Hintere unansehnliche Theil, der sogenannte Bürgerhof, erhalten, in dessen innerm Hofraume sich, außer einigen Sculpturarbeiten aus dem späteren Mittelalter, besonders einige merkwürdige römische und jüdische Grabsteine eingemauert befinden. Auch hat sich daselbst noch das alte Stadtarchiv erhalten, welches sich aber gegenwärtig, so kostbare Urkunden es auch birgt, in einem sehr traurigen Zustande befindet. — Sonst sind von öffentlichen Gebäuden noch zu bemerken: die Pfalzgrafenhof- und die Domdechanci-Kaserne, von welchen insbesondere die letztere ein sehr freundliches Ansehen und zugleich eine sehr freie und gesunde Tage hat; das Gymnasial- und das Com- munal-Schulgebäude. Einiges Interesse möchte auch für den Altertyums- freund das große massive Gebäude haben, welches dicht an dem Neuthor auf die Promenade stößt. Es ist dies nämlich das wenigstens in seinen Mauern noch erhaltene alte Tanzhaus der Stadt, an welches sich mancherlei merkwürdige Erinnerungen aus alter Zeit knüpfen. So ließ der lebensfrohe Kaiser Maximilian I., als er sich im Jahr I4ö4 mit seiner Gemahlin Maria von Burgund einige Wochen in Worms aufhielt, mehrere öffentliche Tänze darin aufführen, welchen er nebst der jungen Kaiserin selbst beiwohnte. Im folgenden Jahrhundert hielten die ersten Anhänger Luthers, da ihnen die bischöfliche Geistlichkeit als Ketzern die Kirchen verschloß, in diesem Gebäude sowie auch abwechselnd an andern Orten ihren Gottesdienst, wobei sie sich ein-S tragbaren hölzernen PrcdigtstuhleS bedienten. Erst im Jahr I6W wurde dieses Haus, dessen unterer Theil vorher Handelsleuten zum Waarenlager gedient hatte, förmlich zum Behuf des gemeinschaftlichen Gottesdienstes eingerichtet und noch vor Ende des genannten Jahrhunderts eingeweiht. Dieser Bestimmung verblieb nun das Gebäude unter dem Namen der „alten Kirche", bis es vor etwa 2g Jahren in Privatbesitz überging und seitdem als Heumagazin benutzt wurde. So viel über die öffentlichen Gebäude der Stadt. Was die Wohnhäuser betrifft, so sind sie, wenigstens in den vornehmsten Straßen und an den Hauptplätzen der Stadt, freundlich und wohmich; nicht wenige haben auch den Vorzug eines Hausgartens. Ueberhaupt aber bietet die Stadt im Innern wie im Aeußern die Ansicht einer freundlichen Landstadt dar. Von den in alter Zeit überaus volkreichen Vorstädten vor dem Speierer- und Mainzerthore haben sich nur schwache Ueberreste erhalten. Sie sind gegenwärtig größtentheils in blühendes Garlenfeld verwandelt und würden sicher der Stadt zum schönsten Schmucke dienen, wenn sie anstatt durch hohe kahle Mauern durch einen lebendigen Hag oder durch Staketenwände eingefaßt wären. Wir fügen jetzt noch einige Worte über die äußere Umgebung der Stadt hinzu. Die Stadt ist zunächst ringsum mit einer Mauer umschlossen, welche meist erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts aus dem Schutt der früheren wieder aufgerichtet wurde. Leider haben sich von den ehemaligen zahlreichen stattlichen Mauerthürmen der Stadt (wahrscheinlich aus der Mitte des 14. Jahrhunderts) nur noch zwei erhalten, welche sehr schön und solid massiv aufgeführt sind. (Sie sind auf unserm Totalbilde nicht weit vom Rheins zu ersehen.) Von einem andern Mauerthurme, der sich nach der Sitte vieler alter Reichsstädte als Wartthurm oder sogenannter Lug-ins-Land auf dem höchsten Punkte befand, hat sich außer geringen Mauerüberresten nur noch der alte Name erhalten, der indeß jetzt auf den Platz übergegangen ist, auf dem jener Thurm ehemals stand. Eine besondere historische Merkwürdigkeit hat derselbe dadurch, daß Kaiser Friedrich II. I2Z6 seinen aufrührerischen Sohn König Heinrich darin eine Zeit lang gefangen hielt, ehe er ihn nach Apulien verwies. Von den ehemaligen Thoren der Stadt, von welchen besonders die nach Mainz, Speyer und dem Rheins führenden einen stattlichen Anblick darboten, hat sich unter den mancherlei Umwandlungen der Zeit fast keine Spur mehr erhalten. Die Stadt hat dadurch zwar ein freieres, aber auch ein unbedeutenderes Ansehen erhalten, was besonders bei dem Eintritte pon der Rheinseite her auf eine unangenehme Weise mit den großen Erwartungen contra- stirt, welche die Stadt durch ihre stolz emporragende Kirchen, aus der Ferne gesehen, in jedem Fremden zu erregen pflegt. UeberauS freundlich erscheint dagegen die nächste Umgebung der Stadt auf der westlichen und südlichen Seite, auf der sich längs dem Walle und Graben eine zwar kleine, aber durch ihre üppige Vegetation, ihre einfach schöne Garten- und Baumanlage, sowie durch die freundliche Bcgränzung verschiedener Weingärten überaus anziehende Promenade befindet, welcher der an mehreren Punkten sich eröffnende Blick auf den Dom und die Liebfrauenkirche einen noch höhern Reiz für den sinnigen Beschauer verleiht. Möge die Stadt, an welche sich, wie wir sahen, seit den ältesten Zeiten so großartige und ruhmwürdige Erinnerungen knüpfen, nachdem sie vor allen ihren Schwesterstädlen am Rheins die härtesten Schicksale getroffen, sich unter der gegenwärtigen überaus milden und weisen Regierung zu immer größerem Ansehen und Wohlstand erheben! Möge es aber auch jeder edelgesinnte Bewohner von Worms stets als eine fromme Pflicht betrachten, nach Kräften dazu mitzuwirken, daß sich eine Stadt, in welcher einstmals der Geist deutscher Nation den höchsten Triumph gefeiert hat, dieses großen Namens in allen ihren Handlungen immer würdig erweise, und ihr wenigstens durch diese innere Größe der Gesinnung einigen Ersatz für die wohl auf immer entschwundene äußere Bedeutung der früheren Jahrhunderte zu bieten suchen! Worms, im Juli I8Z6. Dr. G. Longe. 'U > . » - I ^ /