vertrauen. Der Adel hingegen wollte den Herzog Friedrich von Oestreichzum Vormünder. Es kam zum Kriege. Die Stadt blieb ihrem Eide treuund in der Schlacht bei Gammelsdorf am 9. November 1313, welche diesenVormundschaftsstreit zum Vortheile Ludwigs entschied, zeichneten sich dieLandshuter dergestalt aus, daß bis auf den heutigen Tag behauptet wird,Ludwig habe damals erst den Bürgern zum Lohne ihrer Tapferkeit drei Helmein ihr Wappen gesetzt; was übrigens nicht wohl der Fall sein kann, da sicheine Urkunde von dem Jahr 1275, also lange vor jener Schlacht, vorfindet,auf deren Siegel bereits drei Eisenhüte oder Sturmhauben, als Stadtwappenvon Landshut, erscheinen. — Unter Heinrich dem Aeltern vergrößerte sichder Umfang und Wohlstand der Stadt. Er gab den Bürgern im Jahr 1319die volle Gerichtsbarkeit, und erbaute 1338 die sogenannte Neustadt mit derSt. Jodokskirche und verlieh derselben den großen Jahrmarkt, die bekannnteBartholomäus-Dult. Leider aber erlosch mit ihm und seinem unmündigenSohne die Linie der Fürsten von Niederbaiern, welches nun an Kaiser Lud-wig den Baiern fiel. Doch nahm auch unter letzterem und seinen Söhnen dieStadt sichtbar zu, so unruhig auch die damaligen Zeiten waren. Einer seinerEnkel, der um Landshut besonders verdiente Herzog Friedrich, stiftete, da imJahr 1Z92 das Land abermals getheilt wurde, eine neue Linie von Baiern-Landshut. — Landshut konnte sich nun schon rühmen, unter die schönen wohl-geordneten und vermöglichen Städte zu gehören, als im Anfange des löten Jahr-hunderts mit einem Male ein höchst betrübender Vorfall die bisherige Ruhestörte und Verfassungsänderungen herbeiführte. Schon einige Zeit her gab eszwischen den Bürgern und dem jüngern Heinrich, Herzog Friedrichs Sohn,Uneinigkeiten. Die Stadt klagte über Verletzungen der Freiheiten, und derHerzog über Eingriffe in seine Rechte. Es war dies eine Folge von demWiderstreite, in den die mancherlei Privilegien mit den herzoglichen Gerichtennothwendig kommen mußten. Der Stadtrath wollte nun am kaiserlichen Hofeseine Freiheiten verwahren. Darüber wurde Heinrich mit seinen adlichenRäthen aufgebracht, ließ im Jahr 1498 die Angeseheneren aus der Bürger-schaft festsetzen, mehrere Stadträthe verbannen und von andern schweres Buß-geld erheben. Dieß empörte wieder die Bürgerschaft. Man hielt in demsogenannten Rekel-Thurme am Ländthore heimliche Versammlungen, rief dieVerbannten dazu und beschloß, sich an den Rathgebern des jungen Fürsten zurächen. Allein in der Nacht des Charfreitags wurden die Verschwornen ver-rathen, festgenommen und zum Theil hingerichtet, zum Theil des Landes ver-wiesen. Der junge Fürst kam indeß bald wieder zur Besinnung, ändertemit Recht seine verhaßte Umgebung, vergaß und vergab das Geschehene, undüberließ die Verwaltung seiner Einkünfte einem redlichen und wohlerfahrnenMinister, der, während er selbst bei den deutschen Ordensrittern in Preußenum Sold diente, so vortrefflich haushielt, daß er nach seiner Rückkunft derangehäuften Geldschätze wegen nur Heinrich der Reiche hieß. Nachdem das altegute Vernehmen zwischen Fürst und Stadt hergestellt war, fingen die Bür-
ger neuerdings an zu bauen (1412 die heilige Geistkirche, 1432 die neue St.Martinskirche) und ihre Stadt zu verschönern. In diesen Zeitraum fällt auchdie Vollendung des Rathhauses und die Umgebung der Stadt mit Mauernund Thürmen, da wo sie deren noch ermangelte. Im Jahr 1475 erlebte dieStadt ein unvergeßliches Freudenfest, die Hochzeit des Erb-Herzogs, Georgdes Reichen, mit Hedwig von Polen, Tochter Königs Kasimir, welche HerzogFriedrich mit einer in ganz Europa Aufsehen machenden Pracht und Ver-schwendung feiern ließ. Das Fest dauerte 8 Tage und soll über 79,999 Du-katen gekostet haben. Augegen waren Kaiser Friedrich Hl., sein Sohn, derrömische König Maximilian, 17 Fürsten, und eine Menge Grafen und Freiherrn.Man verzehrte ZZZ Ochsen, 1139 ungarische Schafe, 2915 Schweine, 75Wildschweine, I5Z7 Lämmer, 499 Kälber, 984 Spanferkel, 12999 Gänse,92999 Hühner?c. Denkwürdig wurden diese Tage noch durch ein Turnier,in welchem der junge riesenmäßige Herzog Christoph von Oberbaiern, — der-selbe, welcher den noch im Schlosse, zu München aufbewahrten Z94 Pfundschweren Stein geschleudert haben soll — den Woiwoden von Lublin, der,des deutschen Lanzenbrechens als eines Kinderspieles spottend, überall dieRitter zum Kampf forderte, trotz der Riemen, mit denen sich der plumpePrahler an den Sattel hatte festbinden lassen, dergestalt in den Sand hin-streckte, daß er wenige Tage darauf den Geist aufgab. — Unter der Regier-ung Herzog Georgs erreichte die Stadt den höchsten Gipfel des Wohlstandes.Viel litt sie darauf in dem gleich nach dem Tode des letzten Herzogs (1593)entstandenen niederbaierischen Erbfolgekrieg, bei weitem aber mehr noch im39jährigen Kriege, im spanischen Erbfolge- und sogenannten baierischen Kriege,sowie endlich während des Kriegs zwischen Frankreich und Oestreich in denJahren 1899 und 1899. Die Universität, welche Landshut im Jahr 1899von Jngolstadt nebst dem größten Theile der Hilfsanstalten erhielt, wurdebekanntlich, nachdem sie die Hauptnahrungsquelle der Stadt geworden war,1829 nach München versetzt. Zwar erhielt die Stadt als Ersatz das Appella-tionsgericht für den Jsarkreis, die landärztliche Schule und ein vollständigesLyceum mit dem Gymnasium und der lateinischen Schule; allein dieß Allesersetzt den erlittenen Verlust bei weitem nicht, und die Bürgerschaft richtetdaher ihre sehnsüchtigen Blicke noch immer nach Oben und hofft, durch KönigLudwig I., der im Jahr 1893 als akademischer Bürger in Landshut ver-weilte und überhaupt dieser treuen biedern Stadt sehr gewogen ist, bei günsti-ger Gelegenheit noch beträchtlichere Entschädigungen. Möchten ihre Wünscherecht bald in Erfüllung gehen!
An merk. Vorstehende Beschreibung und Geschichte oon Landshut verdankt dem umdie Lokalgcschichtc dieser Stadt hoch verdienten Pfarrer Alois Staude n-raus in Landshut viele wesentliche Beiträge, wofür wir demselben hier-mit unsern verbindlichsten Dank sagen.