Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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die sich in einem weiten Bogen anschließt, zur nicht geringen Zierde gereichen.Die Kirche zum heiligen Geiste wurde schon im Jahr 14>2 gegründet, istziemlich geräumig und sehr licht und wird von 15 runden Säulen getragen.Ehemals war sie Spitalpfarrkirche; jetzo aber gehört sie zu St. Martin,ohne übrigens aufgehört zu haben, Spitalkirche zu sein. In den neuerenKriegen war sie zum Heumagazin verwendet worden, und entging dem Schick-sale, eine Mauthhalle zu werden, nur durch den religiösen Sinn der Bürger-schaft. Der Kirche gerade gegenüber befindet sich das große weitläuftigeLiirgerspital, wahrscheinlich um das Jahr 1250KV gegründet. Dasselbeist trefflich fundirt und verdankt seine gegenwärtige Gestalt, sowie seinenHauptfond dem berühmten Jesuiten Ferdinand Orban im Jahr 1721. Eingleich ausgezeichneter Wohlthäter war auch der Bürgermeister SigmundSchwarz im Jahr >703. Das ehemals mit dem Spital verbundene Waisen-haus wurde 1807 aufgelöset, und die Kinder, die sonst in dem Spital erzo-gen wurden, werden nun in der Stadt oder auf dem Lande jn Kost und Er-ziehung gegeben.

Wir gehen nun über den ersten Arm der Jsar in die freundliche Jnsel-vorstadt Zwischenbriieken, welche hauptsächlich von Leuten der gewerbtrei-benden Klasse bewohnt ist, und begegnen hier dem Äirchlein zum heiligenSebastian, (erbaut 1400, erneuert 1007), welches besonders in Tagen derGefahr und Noth von Andächtigen aller Stände besucht wird. Treten wirsodann über die zweite und äußere Jsarbrücke, so erblicke» wir Kirche undKloster des ehemaligen herzoglichen Nonnenstiftes Seligen« hal, welchesLudmilla, Herzog Ludwig l. Wittwe, mit Einwilligung ihres Sohnes, Ottodes Erlauchten, aus ihren eigenthümlichen Gütern für sich und für Nonnenaus dem Cisterzenser-Orden im Jahr 1232 stiftete. Ihre gegenwärtige Ge-stalt erhielten beide Gebäude in den Jahren 173842, wo man sie von Grundaus neu aufführte und nach dem Geschmacke jener Zeit mit Aierathen und Male-reien jeder Art bis zum Uebermaße überlud; noch aber ist das erste, uralteKlosterkirchlein St. Afra im Umfange der Klostergebäude vorhanden und da-rin an einem in der Mitte stehenden Hauptpfeiler die in Holz geschnitztenund gemalten Statuen Ludwigs und Ludmillas zu sehen. Die jetzige Kircheist ziemlich schön und groß, und besitzt in der sogenannten preisingischcn Ka-pelle interessante Grabmäler; auch haben die alten Ritter von Kärgl aufSießbach eine eigne Begräbnißkapelle darin. Die Fürstengruft, in Mitten derKirche, ziert das in Marmor gehauene Bildniß Herzog Ludwigs, BrudersWilhelm IV. (gestorben 1545). In der Gruft selbst ruhen die Gebeine vonmehr als 30 fürstlichen Personen aus dem Hause Wittelsbach, besonders vonder niederbaierschen Linie. Es war dies Kloster gleichsam die gemeinsamegeistliche Hut und Heimath des Fürstenhauses; auch wird deßhalb noch immerjedes Jahr am Tage des heiligen Ludwig der im Jahr 1320 gestiftete gemein-same Seelengottesdienst für das gssammte Haus Baiern gehalten. BonSeligenthal aus erblicken wir in einiger Entfernung die uralte PfarrkircheSt. lilikola, am Anfange des sogenannten Reuweges oder der Schwaigen,deren Bewohner ohne Zweifel wegen der von ihren Borfahren in derGammelsdorfer Schlacht (13>3) bewiesenen Tapferkeit das Vorrecht besitzen,am Fronleichnamstage die Procession durch drei mit Helm und Harnisch aus-gerüstete Männer, als Sinnbilder des bekannten Landshuter Stadtwappensder drei Helme, zu eröffnen. Roch ist unter den auf unserm Bilde nichtsichtbaren kirchlichen Gebäuden auf der rechten Stadtseite das kleine Klosterder armen Nonnen von Loretto zu bemerken, welches, in seiner romantischschönen Lage am Haage, dem Aufhebungssturme im Jahr 1802 entrann undbis zur Stunde die gemeinsame Wallfahrtstätte aller Stände ist. Dagegenverschwanden um diese Zeit die Kirchen und Klöster der Kapuziner, der Non-nen zum heiligen Kreuze und der Franziskaner. Von diesen war besondersdas letzere (gegründet 1280) groß und schön, und hatte herrliche Glasgemäldeund viele Grabdenkmale. Uebrigens zählt die Stadt noch manche durchalterrhümliche Architektur interessante Privatgebäude, wie sowohl aus derTotalansicht wie aus Xro. 4 ersichtlich ist.

Fassen wir nun die nächsten Umgebungen der Stadt ins Auge, so müssenwir vor allem die Verschönerungen rühmen, welche die Stadt in den letztenDecennien durch Anlagen aller Art, Spaziergänge, Ruhebänke, Baumreihen ?c.erfahren hat. Namentlich verdienen hier die Sommerkeller-Gebäude derHerrn Bergmaier und Zöttl an und auf dem schönen Prülberge, wo nochSpuren von Marschall Horns Batterien zu sehen sind, erwähnt zu werden.Sehr angenehme und besuchte Spaziergänge befinden sich auch unweit derdritten über die Jsar führenden Brücke, der sogenannten Lendbrücke, da woeine Steinschleuße über dem Seitenarme der Jsar angebracht ist, sowie un-terhalb der Hauptbrücke bei der heiligen Geistkirche, wo die große, massivaus Steinen erbaute Jsarwehre gesehen zu werden verdient. Von letzteremPunkt führt wieder eine schöne Straße nach einem herrlichen Wiesenplan, andessen Ende der neue geschmackvolle Begräbnißplatz mit einem gothischen Por-tale aus dem ehemaligen Kloster Rohr sich zeigt.

Wir schließen an die Beschreibung der Stadt nun noch einige Bemerkun-gen über die wichtigsten Momente ihrer Geschichte an. > Das schöne Jsar-thal, welches nun die Stadt Landshut mit ihrer herrlichen Fürstenburg be-herrscht, war ohne Zweifel schon den Römern bekannt. Man findet nämlichin der Nähe der Stadt nicht nur Spuren vo» altrömischen Schanzen, sondernauch von den sogenannten Hochäckern, den Ueberresten römischer Agriculturin den Donäuländern. Außerdem hat die Gegend von Landshut auch altbo-jarische Denkmäler aufzuweisen, Grabhügel, die im Jahr 1823 entdeckt undgeöffnet wurden und entweder einem deutschen oder keltischen Volksstammeangehören, wie dem sowohl Germane» als Kelten im alten Bojoaricn sichangesiedelt hatten. Die erste Erwähnung Landshuts, als eines bewohntenOrtes, findet sich in einer Urkunde Herzog. Otto's, des ersten baierischen Re-genten aus dem Hause der Wittelsbacher, vom Jahr 1183. In diesem Jahrewar Landshut wenigstens ein Flecken, und Herzog Otto, mit dem Beinamen:der Größere, ist .ohne Zweifel auch der Gründer. Aventin nennt ihn als sol-chen, und die Angabe einiger Chroniken, daß erst Ludwig I., Otto's Sohn,der Erbauer Landshuts sey, ist schon durch die oben angegebene Urkunde von1182 widerlegt. Auch stand wohl schon gleich im Anfange auf dem Berge,der jetzt das Schloß Trausnitz trägt und einst vielleicht ein römisches Kastellgetragen haben mag, ein Wacht- und Sicherheitsthurm zum Wohl des Lan-des; daher auch der Ort nicht nur den Namen "Landshut", sondern wohlauch das entsprechende Wappen mit drei Sturm- oder Eisenhütten gleich da-mals erhalten hat. Otto's Nachfolger, Ludwig I., war es indessen, derden Flecken zur eigentlichen Stadt erhob und den Thurm in eine seiner fürst-lichen Würde geziemende Burg verwandelte. Unter seinem Sohne, Ottodem Erlauchten, der zugleich Pfalzgraf am Rhein geworden war, nahm diejunge Stadt außerordentlich zu. Sie war nun die Residenz von ganz Bai-ern, das beständige Hoflager des Herzogs und der Sammelplatz der Stände,welche Otto zusammenberief. Eine eigentliche, sichere und wohlgeordnete,bürgerliche Verfassung erhielt die Statd Landshut durch den Freiheitsbrief, welchenihr Otto's Sohn, Heinrich XIII., der Stifter der ersten niederbaierschen Linie,aus Vorliebe für ihre Bewohner im Jahr 1279 verlieh. In der Folge er-hielt die Stadt von ihren Fürsten immer mehrere Begünstigungen und Frei-heiten, und gelangte überhaupt bis zum Jahr 1410 fast zu derselben Unab-hängigkeit, deren sich die alten Reichsstädte zu erfreuen pflegten. HeinrichsSohn, Otto, (der die Krone Ungarns erhielt, verlor und starb, ehe er die-selbe wieder erringen konnte) war für Landshut kein geringerer Wohlthäter,indem er die Bürger an seiner berühmten Handfeste Antheil nehmen ließ, 'wodurch er dem Adel durch einen bedeutenden Geldbeitrag (die Klauensteuergenannt) die niedere Gerichtsbarkeit verliehen hatte. Er hinterließ einen un-mündigen Sohn, Heinrich, genannt der Jüngere, und zwei ebenfalls unmün-dige Söhne seines Bruders Stephan, Heinrich, mit dem Beinamen: derAeltere, und Otto. Der sterbende Fürst hatte den Bürgern von Laydshutund Straubing den Eid abgenommen, die Vormundschaft über die fürstlichenKinder nur dem Herzog Ludwig von Oberbaiern (nachmaligen Kaiser), anzu-