henden Befestigungsmauer in Verbindung, welche nunmehr aber bis auf ein-zelne Stellen größtenteils abgetragen und ihrer vielen stattlichen Thürmeberaubt worden ist. Unter den noch stehenden ist der an der Jsar unfern demLandthore gleich in die Augen fallende ehemalige Rägkl- (später Fischmeister-)Thurm dadurch besonders merkwürdig, weil sich darin im Jahr 1610 mehrereBürger gegen die Räthe Herzog Heinrichs verschworen hatten; was jedochentdeckt und sehr hart bestraft wurde. Das in der Totalansicht in dunkelnMassen die Stadt begränzende bethürmte Gebäude ist das nach Münchenführende Hauptthor von Landshut.
Treten wir nun von hier aus in das Innere der Stadt, so erblickenwir zunächst die, Landshut in seiner ganzen Länge durchziehende, Hauptstraßemit der Martinskirche in der Mitte, wovon l>ro. 6, eine besondere Ansichtdarbietst. Die dicht zusammengedrängten Häuser im Anfange dieser Straßezeichnen sich durch ihre mannigfach gestalteten Giebel, sowie durch die in ih-rem unteren Theile angebrachten Kaufhallen aus. Die größte Zierde derselben,so wie der ganzen Stadt ist indeß die -Kirche von St. Martin mit ihbemwegen seiner Höhe (448 Fuß) in ganz Deutschland berühmten Thurme. Letz-terer, welcher beinahe die ganze Facade der Kirche ausfüllt, ist mit einemgroßen Portale verziert, das von einem Streibepfeiler zum andern die Breitedes Thurmes einnimmt und dadurch nicht wenig zu dem kühnen Aussehendesselben beiträgt. Er zerfällt in vier Hauptabtheilungen. Von diesen istdie untere und größere im Viereck ausgeführt und mit einfach vortretendenStreibepfeilern versehen, die sich weiter oben in vier Eckthürmchen um-wandeln, in denen die Treppen liegen. Da, wo diese bis auf eins, welchesdie Treppe noch um ein Stockwerk höher führt, ihr Ende erreichen, schließtsich die mittlere Abtheilung im Achteck an. Die dritte und letzte Abtheilungbildet die Spitze mit ihren zwei künstlich aus Stein zusammengefügten Krän-zen, deren Säulen mit vergoldeten Kugeln geschmückt sind. Auf dem ober-sten Kranze herumzugehen, ist gefährlich; dagegen kann man auf dem unterenbequem umherwandeln und sich der schönen Aussicht erfreuen. Ueber demPförtchen, das auf diesen Kranz führt, ist das sogenannte Wahrzeichen derStadt, ein in Stein gehauener Todtenkopf mit der gothischen Umschrift: "ichsag niemand sterben frei." Erst seit 1804 hat der Thurm einen Blitzableiter;Glocken trägt er 11, deren größte 140 Centner wiegt. Weniger merkwürdigin-architektonischer Hinsicht als der Thurm, ist die geräumige, helle Kirche,welche in der Länge 254 Fuß, in die Breite 78 Fuß, in die Höhe 99j/z Fußhat und in ihrem Innern von 16 schlanke» hohen Säulen getragen wird, derenDurchmesser 3 Schuhe beträgt. Sie zählt 21 Altäre (darunter einen künstlichin Stein gehauenen gothischen Altar, hinter dem neuen Hochaltar) und besitzteinige sehenswerthe Altargemälde, auch ist die große Orgel, sowie die auseipem Stein gearbeitete Kanzel merkwürdig. Außerdem erblickt man innerund außer der Kirche mehrere Grabmäler. Was die Geschichte dieserKirche betrifft, so faßte schon im Jahr 1407 die wohlhabende Bürgerschaftvon Landshuc den Entschluß, statt der alten unansehnlichen Martinskirche einneues schöneres Gotteshaus mit einem wektaussehenden Thurme zu bauen,und sämmtliche Zünfte boten sich an, jede für sich den Bau einer Kapelle zuübernehmen. Im Jahr 1432 muß darauf der Bau schon begonnen haben,wenigstens der Entwurf gemacht und das Rothwendigste vorbereitet gewesensein. Nicht nur beweiset dieß die über dem Portal des Glockenhauses befind-liche Inschrift mit der Jahrzahl 1432, sondern auch der Grabstein des Bau-meisters Hanns Steinmetz von eben diesem Jahre. Ganz bestimmt läßt sichindeß das Jahr, in welchem der eigentliche Bau ansing, aus den geschriebenenQuellen nicht ausmitteln; gewiß ist dagegen, daß Thurm und Kirche imJahr 1478 in ihrer Vollendung darstanden, — ein bewundrungswürdigesDenkmal bis in die fernsten Jahrhunderte! Unter der Dachung sind zur Ur-kunde davon die Jahreszahlen: 1477 und 1478 zu lesen, und unter der Glocken-stube im Treppenthürmlein 1472 (so hoch baute man also in diesem Jahre).Zwischen dem ersten und zweiten Kranze, und innerhalb des ersten wird durchdie Zahl 1580 und den Namen: „Hanns Vallmüllcr, Kupferschmied,« das
Jahr der Eindeckung mit Kupfer angezeigt. Außer dem Meister sieht mannoch seine zwei Gesellen und zwei Handwerksleute mit der Benennung „Mar-tesknechre« angezeichnet. In den Jahren 1596—99 wurde das ChorstiftSt. Castulus von Moosburg hierher versetzt und dadurch der Glanz derKirche erhöhet, wie sie denn auch diesem Stifte ungemein Vieles verdankt;im Jahr 1803 wurde jedoch dieses Stift wieder aufgehoben und St. Martinblieb nach wie vor bloße Pfarrkirche. — Rechts von St. Martin erhebt sich,von unserm Standpunkte aus gesehen, der stattliche Thurm der zweiten Pfarr-kirche der Stadt, St. Jodok oder Jakob, von deren Hinteren Seite Nro. 1eine besondere Ansicht darbietet. Die gegenwärtige, in neuern Zeiten sehr ver-schönerte, Kirche, entstand im Jahr 1404, nachdem die frühere, bereits imJahr 1338 erbaute, Jakobskirche um jene Zeit abgebrannt war. Sehens-werth ist auch die große unterirdische Kapelle, worüber sich das Presbyteriumerhebt, durch ein schönes altritterliches Grabmal. Was dieser Kirche einenbesondern Vorzug verleiht, ist ihre schöne freie Lage in der sogenannten Frei-ung, dem alten Asyle und Dultplatze, in einer angenehmen, mit Baumgän-gen gezierten Gegend der Stadt (Paradeplatz). — Dicht vor der Jodokskircheund hart am Fuße des Schloßberges, wo einst, vor Erbauung der Reustadt,ein Arm der Jsar vorbeifloß, und Mühlen gestanden haben sollen, zeigt sichdie in einem großartigen und reichen Style (1640) erbaute ehemalige Je-suiten- nun Hofkirche zum heiligen Ignatz, (ohne Thurm), anwelche sich, am Anfange der Neustadt, das nun in eine Infanterie-Caserneverwandelte stattliche ehemalige Jesuiten-Collegium anreihet. — Von da ge-langt man durch die gerade, breite Neustadt zu dem niedlichen Gebäude derKirche und des Klosters der llrsuli n er-11 onuen, welches indeß aufunserm Bilde nicht sichtbar ist. Im Jahr 1668 erbaut, wurde es 1809 alsKloster aufgehoben, 1827 jedoch wieder hergestellt und für den weiblicher,Jugendunterricht bestimmt. — Dagegen erblickt man, etwa in der Mittezwischen der Jodoks- nnd Martinskirche, die ehemalige llnivcrsitäts- nunStudien Kirche mit dem frühern Univsrsitätsgebäude, worin sich gegenwär-tig das königliche Appellations-Gericht für den Jsarkreis, die chirurgischeSchule, das Lyceum und das Gymnasium befinden. Ursprünglich gehörtenbeide Gebäude als Kirche und Kloster den Dominikaner- oder Prediger-Mön-chen, welche sie bereits im Jahr 1271 errichteten und im Jahr 1699 dasKloster, sowie 1747 — 52 die Kirche erweitern und von Grund aus neu er-bauen ließen. Im Jahr 1802 wurde das Kloster aufgehoben; die große undschöne Kirche wird auch noch fortwährend zu geistlichen Zwecken benutzt; se-henswerth ist darin auch das Grabmal des Geographen G. B. Finkh. Diemit der Kirche nun verbundene Thomas- einst Magdalenen-Kapelle ist wahr-scheinlich das älteste Gotteshaus der Stadt.
Wenden wir uns nun der linken Seite der Martinskirche oder der gro-ßen, breiten Altstadt zu, so bemerken wir hier zunächst, St. Martin fast ge-genüber, das alte Fandschaftszcbäude, auf welchem die baierischen Re-genten von Otto von Wittelsbach bis Maximilian I. in Lebensgröße »I Lrescoabgebildet sind. — In der Mitte der Altstadt ist der große Marktplatz,auf welchem, besonders an den wöchentlichen Markttagen, sich ein äußerstreges Leben zeigt. Zur Zierde desselben gereicht das stattliche, weitläuftigellathhaus, (auf unserm Bilde durch ein Thürmchen kenntlich) welches seitdem Jahr 1446 besteht und einen großen Saal enthält, worin einst vieleLandtage und andere Festlichkeiten Statt fanden. Im rechten Flügel desGebäudes sind nun die Lokalitäten der bürgerlichen Magistratur, Polizei-Registratur ?c. (Das älteste Rathhaus war in der Nähe der Martinskirche.)— Fast gegenüber auf der linken Seite der Altstadt, steht die neue Resi-dcnz oder der lleubau, eine Hauptzierde der Stadt unter den nicht —kirchlichen Gebäuden, welches in den Jahren 1536—43 erbaut und von1780—1800 von Seiner Königlichen Hoheit, dem Herzog Wilhelm vonBaiern, bewohnt wurde. Niedliche Säulen zieren den Hof; auch befindet sicheine Kapelle darin. — Am Ende der Altstadt, nahe der Jsar, erblicken wirnoch Kirche und Thurm zum heiligen Geiste, welche der Altstadt,