A a n d s h n t.
O Stadt am schönen Zsarstrand',
Begränzt von schattenreichen Höhen,
Wie freut es uns, im Bilde dich zu sehen!
Dich pries das alte Baierland,
Als seinen Hort und seine Hut!
Sey uns gegrüßt darum, du schönes Landes-Hut,
andshut, — die ehemalige Hauptstadt von ganz Baiern, dann derSitz der Herzoge von Niederbaiern (insbesondere von Baiern-Landshut), in derFolge eine kurfürstliche Haupt- und Regierungsstadt, dann Sitz der Landes-Universität, gegenwärtig nur der Sitz eines Appellations-Gerichts, eineransehnlichen Garnison, eines Gymnasiums, Lyceums ?e. mit etwa StXX) Ein-wohnern, — liegt in einer der freundlichsten und fruchtbarsten Gegenden ander Jsar, welche die Stadt in zwei ungleiche Hälften theilt, deren kleineredie Vorstadt Awischenbrücken mit den Häusern um Seligenthal bildet. Dieausgedehnteste und schönste Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung genießtman von unserm Standpunkte !>r«. 8., dem Prülfelde (besser: Prülberge)aus. Rechts reihen sich die Hügel an Hügel, bewaldet und angebaut und vonlieblichen Thalfluren getrennt; links breiten sich an dem in zwei Arme getheiltenJsarstrome üppige Wiesen aus, von Bächen durchzogen und begränzt durchdie Marken der benachbarten Dorfschaften; in der Mitte lagert sich heiterund freundlich die Stadt mit ihren stattlichen Gebäuden und Thürmen; dasGanze überragt der himmelanstrebende Martinsthurm und fast in gleicherHöhe die freundlich über die Stadt emporsteigende Burg Trausnitz.
Wir wenden uns nun zur genaueren Beschreibung der einzelnen Punkte,und beginnen demnach mit dem zuletzt genannten ehemaligen herzoglichen Re-sidenzschlosse Trausnitz, welches sich in l>ro. 8. mit seiner ganzen, gegendie Stadt hin gerichteten Fronte zeigt und in der davon abgewendeten Seiteeinen bedeutenden Hofraum einschließt. Vor allem bemerken wir den hohenmassiven Wartthurm, die eigentliche Trausnitz (Traunicht?), der mit sei-nen vier Seitenthürmchen und der ihn mit dem Schlosse verbindenden Ring-mauer allein eine kleine mittelalterliche Burgfeste bildet. Eine besondereAnsicht davon gewährt l>ro. 2, Wie eine Riesengestalt der Vorwelt steht erda und trotzt in der ungeheuern Stärke seiner Fundamente allen Stürme»der Zeit. Seinen Ursprung verdankt derselbe höchst wahrscheinlich dem erstenGründer Landshuts, dem Herzog Otto, mit dem Beinamen: der Größere(aus dem Hause Wittelsbach) um das Jahr 1183. Aus seinem Mauerringeheraus tritt man über die breiten Fürstentreppen in eine Reihe prachtvollerZimmer und Säle mit der herrlichsten Aussicht gegen Norden und Westen,zum Theil auch mit Gemählden geschmückt. Von da gelangt man durch dieNarrenstiege, — so genannt von den auf den Seitenwänden in verschiedenenKostümen gemalten Schalksnarren, — in den kleinen Zwinger, an dessenVorsprung gegen die obere Stadt hin der sogenannte Wasserthurm (einst
Wasserkünste zeigend) sich erhebt. Noch enthält das eigentliche Schloßgebäudeaußer dem Landes-Archive als besondere Merkwürdigkeit die Lurgkapellezum heiligen Georg, welche, ohne Zweifel nebst jenem Thurme eine derältesten Bauten in Landshut, ihrem Style nach dem ilten, spätestens deml2ten Jahrhundert angehört. Wenn auch von außen mit den übrigen meistaus jüngerer Zeit nach und nach entstandenen Theilen des Schlosses völligverwachsen und kaum davon zu unterscheiden, hat sie in ihrem Innern destomehr den altbyzantinischen Styl, in dem sie erbaut ist, bewahrt, und ge-währt in ihrer niedlichen, mit uralten Statuen geschmückten Gestalt einensehr anziehenden traulichen Anblick. Ehemals war das ganze Schloßgebäudemit einer sehr hohen Ringmauer, mit Wachtthürmen ?c. versehen; in neuererZeit aber trug man sie zur Hälfte ab. Eben so verschwanden einzelne Ge-bäude im äußeren Hose. Sehenswerth ist hier der 260 Schuh tiefe Brunnen,welcher mit seinen ungeheuern Metall-Eimern sein Wasser aus der Jsarschöpfen soll. Den äußern Wall gegen Süden und Osten schmücken ansehn-liche Weingeländer, als Ueberreste der vielen Weinberge, welche ehedem Schloßund Stadt umgaben und ihre Anlegung dem Herzog Friedrich dem Landshu-ter (um das Jahr t392) verdankten. Eben so ist auch der herrliche Hofgar-ten seit der Zeit, da Herzog Bernhard von Weimar seine Batterien darinaufgeworfen hatte, gänzlich in Verfall gerathen; die östliche Bastei ist zer-stört und rings umher im äußern Burgumfang erblickt man Ruinen! Welchein Leben herrschte einst in den Tagen des reichen Ludwig und Georg inner-halb dieser Mauern! Und wie ist jetzt alles so öde, so todt! —
An die Trausnitz schließt sich zunächst die ehemals landesfürstliche, nunherrschaftliche Hofmark Berg mit ihrer Pfarrkirche zum heiligen Blut,deren fast bis zur Spitze zugerundeten Thürmen einen sestungsartigen Anblickgewähren. Ihr Alter läßt sich nicht bestimmen; die Pfarrei selbst entstand imJahr 1392 auf Verwendung Herzog Friedrichs; auch war damals ein Sie-chenhaus damit verbunden. Hart wurde dieses Gotteshaus im Schwedenkriegemitgenommen. Noch erblickt man aus dem Kirchhofe viele alte Grabmälervon Ziegeln erbaut. Die Umgebung von heiligen Blut, der sogenannte Hof-berg mit dem nahen Hagrain, bildet einen wahren Garten; rein ist die Lust;Fruchtbäume aller Art blühen und erquickend sprudeln die Quellen, worunterbesonders das sogenannte Brunnerl, eine Quelle, an welcher ein lieblichesKirchlein erbaut wurde, an heilsamen Kräften obenan steht. — Auf beidenSeiten stand übrigens ehedem das Schloß mit der um die ganze Stadt zie-