Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Chorstähle und darüber zwei Tribünen, wovon die eine für die Musikanten,die andere für die Orgel bestimmt ist. Die an das mittlere Schiff inKreuzesform stoßenden beiden Seitenschiffe ruhen mit ihren Gewölben aufden Pfeilern desselben und auf den Scitenmauern der Kirche; jedes davonist 35 Schuh breit und wird von 10 großen Fenstern mit Glasmalerei sanftbeleuchtet.

Was die sonstigen Sehenswürdigkeiten der Kirche betrifft, so bemerkenwir darüber Folgendes. Von den 16 Altaren, welche außer dem Hochaltaredas Innere derselben zieren, ist der Hieronymus-Altar (gleich rechts beimEintritt vom Markte her) seines Allers wegen (1440) der merkwürdigste.Unter den Epitaphien, wovon die Kirche mehrere ältere wie neuere enthält,verdienen als Kunstwerke genannt zu werden: das des Grafen von Herber-stein (ch 1663), welches auf einer Steinplatte die Speisung der 5000 Manndarstellt, und sowie das in der Ecke gegenüber stehende den Weinberg desHerrn vorstellende wegen der überaus weichen und geschmeidigen Darstellungs-art mehr einem Steinguß als einer Meißelarbeit gleicht; das des Fürst-bischofs Anton, Grafen von Fugger; das große prächtige Grabmal vonBronze und Marmor, Bischof Philipp Herzog von Baiern vorstellend, und(aus neuester Zeit) das dem Erzkanzler und Primas Karl Dalberg vonseinem Neffen errichtete Monument aus Alabaster, das in Venedig verfertigtwurde. Die merkwürdigsten Gemälde unserer Kirche sind: das Leben desApostels Petrus (sehr groß) von Martin Speer (1756); der heil. Thomasvon Aquino von Carl Maratti; der heil. Joseph von Andreas Wolf; derheil. Petrus, wie er von Christus die zwei Schlüssel empfängt; der imSchiffe schlafende Jesus, ein sehr schönes großes Gemälde von dem berühm-ten Holländer van Bleme»; eine Geburt Christi mit dem Eugelchor, dieman Albrecht Dürer zuschreibt.

Sehenswerth ist auch der an die Domkirchs anstoßende geräumige Kreuz-gang, welcher ehedem den Domherren und andern angesehenen Personen zumBegräbnißplatze diente, und daher sehr viele, ihrer Kunst und ihres Alter-thums wegen sehenswürdige, Epitaphien enthält; außerdem sind hier nochviele in der Umgegend entdeckte Denksteine der Römer, Sarkophage, Büstenund Statuen römischen und mittelalterlichen Ursprungs aufgestellt. Vondiesem Kreuzgange führt eine kleine Thüre in den sogenannten alten Dom,eine nunmehr versperrte und ganz entleerte Kirche, welche nichts mehr ent-hält, als einen sehr merkwürdigen Steinaltar aus einem Stücke, welcher,nach seiner ganzen Construction und innern Aushölung zu urtheilen, einUeberbleibsel aus den Zeiten der Heiden sein und zu ihren Orakelsprüchengedient haben dürfte. Aus dem Kreuzgang gelangt man auf den ehemaligenDomfreithof, jetzt ein Garten, in dessen Mitte sich ein Thürmchen mit demewigen, nun aber schon lange erloschenen, Lichte befindet.

(Geschichte.) Wie fast den meisten gothischen Cathedralkirchen, sogiengen auch der zu Regensburg mehrere frühere voraus, welche sämmtlich ausderselben Stelle standen. Schon im 7. Jahrhundert, berichtet man, habeder fränkisch-agilolsingische Herzog Theodo, welcher sich mit seinem ganzenHof und Vielen aus seinem Volke taufen ließ, an dem Orte, wo bereits eine

christliche Kirche gestanden, eins dem heil. Stephan geweihte Domkirche vonHolz aufrichten lassen, in der Größe, daß sie die Menge des Volks besserfassen konnte; diese Domkirche sei nachher abgebrannt, und vom BischofGaribald (74052) durch eine kleinere Kirche an demselben Platze ersetztworden.

Dieses Stephanskirchlein ist noch jetzt unter der Benennung:der alteDom" vorhanden, und besonders seiner Bauart und mannigfachen Fenster-verzierungen wegen merkwürdig. Als aber dasselbe im Jahr 1273 durch denBlitz sehr Noth gelitten hatte, faßte Bischof Leo Dundorfer, ein Geschlechtervon Regensburg, den Entschluß, von Grund aus eine neue Cathedrale zuerbauen und sie dem heil. Peter umzuweihen. Er reiste selbst deßwegen nachRom, wo er von dem Pabste nebst einer reichlichen Beisteuer viele Jndul-genzen dazu erhielt; auch unterstützten Geistliche und Laien auf alle möglicheWeise durch Vermächtnisse und Schenkungen das große Unternehmen.

Am Gcorgi Abend des Jahrs 1275 legte der Bischof selbst den erstenStein zu dem Dome, als dessen Baumeister der Thumbmeister Andre Eglgenannt wird. Die St. Siephanskirche sowie eine gleichfalls früher hiervorhandene St. Michaels- und Allerheiligen-Capelle wurden mit in den Baugeschlossen und mit einem großen Kreuzgang umgeben. Nach Bischof Leo'sTod (1277) waren desselben beide Nachfolger Heinrich und Conrad nichtminder eifrig für den Fortbau besorgt; ebenso der Bischof Ricolaus, welchemdie Domkirche unter andern die schönen Glasfenster verdankt.

Im Jahr 1508 überließ das Collegiatstist St. Johann dem Domcapitelgegen eine» jährlichen Zins vier Häuser und Hofstcllen, welche, um denDombau weiter gegen Westen zu führen, weggerissen werden mußten; zugleichem Zwecke fügte sie im Jahr 1341 die St. Nicolai-Capelle dazu; jader Eifer dieses Stifts für die Vollendung des Dombaus gieng zuletzt soweit, daß es im Jahr 1380 sogar seine eigne Kirche demselben opferte,welche sodann unter Bischof Konrad V., Grafen von Henneberg, abgebrochenwurde. Im Jahr 1404 legte Bischof Johann der Moosburger den erstenStein zum alten Thurm, welches noch jetzt drei Rosen gegen Abend in demJohannisthürmchen bezeichnen.

Während die Oberaufsicht über diesen Bau stets ein Domherr unter derBenennung: oberster Baumeister hatte, folgten sich im Laufe der Zeit ver-schiedene Werk- oder Thumbmeister; 1380 war es Heinrich Jehenter,später Heinrich Durnstetter, 1451 Friedr. Spies, 1459 Thomas Rorizer,welchem bis zum Jahr 1514 Konrad und Wolfgang Rorizer in gleicherWürde folgten.

Wiewol nack einer Aufschrift am Frontispice der Dombau bereits 1482großcntheils vollendet war, so gab es doch bis zum Jahr 1634 noch immermanches Neue daran zu fertigen, wie sie denn Bischof Albert IV., Graf vonThöring, erst 1618 u. a. wölben ließ. Erst nachdem der Bau über fünft-halbhur.dert Jahre gedauert hatte, blieben die beiden Thürme gleichwol un-vollendet und so die Domkirche desjenigen Schmuckes beraubt, welcher demGanzen eigentlich erst die Krone aufgesetzt hätte.