Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Der Dom zu Megensburg.

O Glaube, heil'gcr Sngel Gottes du!

Dein Flügel ist's, der leise mich umweht;Du füllst das Herz mit jener Himmclsruh',

Die auf des Grabes Stufen noch besteht!Du flüsterst uns aus Bild und Liedern zu.

Daß etwas sei, das nimmermehr vergehtUnd daß das Licht des Himmels und der Erde

Am schönsten durch die Kunst verherrlicht werde.

er vom van vegensburg kann mit vollem Rechte zu den größtenund schönsten der nach deutscher Bauart aufgeführten Kirchen gezählt werden.Seine Vorzüge bestehen hauptsächlich in der edle», großartigen und dennocheinfachen Anordnung seines Innern und in der trefflichen Maffirung seinesNeußern.

(Beschreibung.) Schon auf den ersten Anblick flößt dieses kolossaleGebäude, und zwar vor allem die in den edelsten Verhältnissen dargestellteFa?ade desselben, Ehrfurcht und Bewunderung ein. Das ganze Gebäude stehtwie auf einem Fußgestelle von Treppen, auf denen man zu offnen Hallenrings um die Kirche gelangt. Die in großen Horizontal- und Verticalliniendie ganze Vordermasse durchziehenden Bänder und Stützpfeiler der Thürmegewähren durch die dadurch abgetheilten geräumigen Felder dem Auge ebensozweckmäßige Ruhepuncte, als die Wände selbst wiederum durch eine MengePyramiden, Säulen, Statuen, Galerien und Fensterrosen auf das mannig-saltigste und angemessenste verziert sind.

Wie bei diesem Dome alles im höchsten Reichthum prangt, so zeigt sichderselbe besonders auch in der mittleren Hauptpforte. Schon der Grundplanweicht von dem alten gewöhnlichen ab. Die Pforte dehnt sich nicht in einergeraden Linie aus, sondern sie schwingt sich in einem Dreieck vor, das eineVorhalle bildet und von einem reich mit Tabernakeln, Slawen und Spitz-säulen verzierten Pfeiler an der vorderen Spitze begrenzt wird. Die innernWände dieser Halle sind gleichfalls mit Figuren besetzt, welche bis in dieSpitzen der die beiden Eingänge derselben deckenden Bogen neben und übereinander stehen. Begrenzt wird diese Halle und Pforte auf jeder Seite voneinem mit Standbildern und andern Zierden versehenen Felde, das oben miteinem hohen Giebel versehen ist.

Dieser Hauptpforte zur Seite stehen zwei minder reich geschmückte Ne-benthüren, über welchen unmittelbar die in die Seitengänge führenden Dop-pelfenster sich befinden. In gerader Richtung über der Hauptpforte ragt imMittelpuncte der ganzen Fahade ein kolossales Christuskreuz hervor, unterwelchem Petrus im Schiffe als Wappen des Capitäls angebracht ist. Un-mittelbar zu beiden Seiten desselben befinden sich die zwei Hauptfenster derKirche, welche mit den von Frank in München gefertigten und von ProfessorGärtner eingerichteten neuen Glasmalereien versehen sind. Ueber dem Kreuzeerhebt sich in der dritten Hauptabtheilung der Vorderseite ein reich verzierter I

Giebel, und in der Mitte desselben steigt, einer Säulenkanzel gleich, ein klei-ner Thurm, der Eichelthurm genannt, empor, zu dessen Seiten Maria undJohannes stehen. Den übrigen Theil der Vorderseite nehmen die in denbeiden leider unvollendet gebliebenen Thürmen angebrachten großen Fenster-öffnungen nebst Verzierungen ein.

Sehen wir an der Fa^ade so mannichfachen Schmuck, so entsprechen ihrauch darin die übrigen Theile des Doms. Die beiden Rebenseiten nachSüden und Norden haben nicht nur gleichfalls in der Mitte große Portalenebst kleineren Eingängen an den äußersten Enden der Wand, sondern auchgroße mit Spitzböge» geschlossene Fenster, wovon besonders das südlicheRundfenster mit sehenswerthen Ornamenten versehen ist. Außerdem gehen,dem Ganzen ein mannichfaltiges und zugleich festes Ansehen verleihend,von den mit pyramidalförmigen Aufsätzen versehenen Stützpfeilern der Ab-seiten mächtige Stützbögen bis zu den hohen Wänden des mittlern Schiffeshinauf. Ueber letzteren läuft sodann längs des Dachs rund um die Kircheein Gang mit durchbrochener Einfassung, von welchem man die schönste Aus-sicht hat.

Treten wir nun durch die vordere Thüre in das Innere, so stellt sichdem Auge ein dreifaches majestätisches Spitzbogengewölbe dar, welches von6 mächtigen Säulenstämmen auf jeder Seite getragen und durch die pracht-vollen Glasmalereien milde erleuchtet wird. Die Länge des mittleren Schiffes(nebst dem Chor) beträgt 300 Schuh, die Höhe 120 Fuß. Die dasselbetragenden 12 Bündelpfeiler haben 7 Fuß im Durchmesser, sind 00 Fuß hochund unter einander mit Spitzbögen überwölbt. Auf diesen und den Pfeilernruhen die 2 hohen Seitenmauern des mittlern Schiffes, worin sich 20 großeFenster mit bemalten Scheiben befinden. Längs der Mitte eines jedenPfeilers gehen dünne Wandsäulen bis zum Anfange des aus netzförmigenRippen bestehenden Kreuzgewölbes hinauf, und die Zwischenfelder sind mit6 Zoll dünnen Ziegelgewölben ausgefüllt. Im Hintergrunde stellt sich der103 Fuß lange, 40 Fuß breite und 120 Fuß hohe Chor dar, dessen netzför-mig angeordnete Gewölbrippen auf K Pfeilern und den Umfassungswändender Kirche ruhen. IS große, mit alten Glasmalereien geschmückte Fenstergeben demselben bei der Morgensonne eine wunderschöne Beleuchtung, undvollenden zugleich die perspectivische Ansicht des Ganzen. Er enthält außer-dem in seinem weiten Raume einen altdeutschen Choraltar von Metall, die