und bereichert. Das Gotteshaus selbst ist gegenwärtig die Garnisonskirche,und das vormalige Augustinerkloster wurde einer Bestimmung von 1807 zuFolge in eine Militärkaserne umgewandelt. Die evangelische Filialkirche zumheiligen Kreuz, welche nach Außen hin die unangenehme Form eines gescho-benen Bierecks bildet, erhielt ihre gegenwärtige Gestalt erst bei ihrer Wie-deraufbauung nach dem westphälischen Frieden. Schon im t2. Jahrhundertstand hier nämlich die St. Ottmarskapelle, welche 1323 den Evangelischenzu ihrem Gottesdienste eingeräumt wurde. Als darauf im Jahr 1360 durchdas fromme Vermächtniß eines Gliedes des geheimen Raths, Anton v. Ru-dolph, die Mittel zur Erbauung einer Kirche gegeben waren, so wurde die-selbe bereits zwei Jahre nachher unter Dach gebracht, und erhielt den NamenKreuzkirche. Aus Fanatismus aber zerstörte sie während des ZvjährigenKrieges der katholische Prälat vom heiligen Kreuze, für welchen Gewalt-streich das Kloster später auf Gustav Adolpfs Befehl eine Geldbuße von2500 Gulden zahlen mußte. Die Wiederaufbauung erfolgte dann, wie be-reits bemerkt, nach dem westphälischen Frieden durch mannigfache undreichliche Beiträge aus der Nähe und Ferne. Im Innern ist dieser Tempelheiter und freundlich und mit mehreren werthvollen Gemälden von HeinrichSchönfeld, Joh. Werner, Joh. Heiß, Joh. Ulrich Mayer, Matthias Gun-delach ?c. geschmückt. Die Decke, welche auf keinen Pfeilern ruht, ist nachdem Geschmack der frühern Zeit von Holzwerk künstlich zusammengesetzt; diezierliche Kanzel, welcher die Taufe Christi von Tintoretto zur Seite hängt,ist von Wilhelm Ignatz Verhelft gefertigt. — Das zunächst emporstei-gende Thürmchen gehört der ehemaligen bischöflichen Residenz an, aufderen linken Seite sich die St. Lambrechts- oder Hofkapelle befindet. Seinegegenwärtige Gestalt erhielt das Gebäude im Wesentlichen schon bei seinerRenovation durch den Bischof Joseph, aus dem Hause Hessen-Darmstadt,im Jahr 1743; doch hat es in der letzten Zeit, seitdem dasselbe anfänglichzum Sitz des königl. Stadtgerichts diente, späterhin aber der Sitz derkönigl. Regierung für den Oberdonaukreis, der Kammern des Innern undder Finanzen geworden ist, noch mannigfache Veränderungen erfahren. Nurdie im Hauptgebäude über dem Haupteingange befindlichen Zimmer sindnebst dem Speisesaale und der Wohnung des Schloßverwalters in dem Sei-tengebäude zur königl. Residenz bestimmt. Bergmüller schmückte sowol denPlatfond über der schönen Haupttrepve, als auch die im Speisesaal, sowiedie Seitcnccken mit angemessenen Malereien. Dieses Gebäude, sowie derdavor befindliche freie Platz, der Frohnhof oder Paradeplatz genannt, warvon jeher der Schauplatz und Zeuge von mancherlei theils blos für die An-nalen der Stadt, theils aber auch für die Weltgeschichte selbst wichtigenEreignissen. Der Platz diente ehedem zu Ritterturnieren, deren große undbedeutende hier abgehalten wurden, sowie auch zu andern Feier- und Fest-lichkeiten der alten Zeit. So hielt hier der Erzherzog von Oestreich, Phi-lipp, Kaiser Maximilians Sohn erster Ehe, im Jahr 140k am Abend vordem Tage Johannis des Täufers, um ei» sogenanntes Veitsfeuer einenTanz, zu welchem er zum großen Neid der mißgünstigen Augsburgerinnendie schöne Ulmerin Susanna Neidharti» führte. Gegenwärtig wird derFrohnhof bei den großen Festparaden des Linienmilitärs und der Landwehrgebraucht, wozu ihn sein freier Umfang vorzüglich eignet. Auch wird hieram Frohnleichnamsfeste das vierte Evangelium gelesen. Roch merkwürdigerehistorische Erinnerungen knüpfen sich an das Residenzgebäude selbst. Dasgroße Eckzimmer desselben war es, in welchem am 23. Juni 1530 Nach-mittags Z Uhr, in Gegenwart Kaiser Karls V., des Königs Ferdinand,aller übrigen Churfürsten, Fürsten und Stände des Reichs, der sächsischeKanzler Bauer das protestantische Glaubensbekenntniß in deutscher Sprachemit so vernehmlicher Stimme ablas, daß dessen Inhalt nicht nur von denim Saale Anwesenden, sondern auch von einer großen im Hofe stehendenMenschenmenge vernommen werden konnte. In den Gemächern des Resi-denzgebäudes ruhte Marien Theresiens von Oestreich erlauchte Tochter, dienachmalige unglückliche Königin von Frankreich, als Braut des Dauphinsam 28. April 1700, von den Beschwerlichkeiten der Reise aus, und betrach-tete mit hohem Wohlgefallen die herrliche, ihr zu Ehren auf dem Frohnhofveranstaltete Beleuchtung. Von einem über dem Haupteingang der Residenzerrichteten hölzernen, nachher (178k) in Marmor aufgeführten Balkon er-theilte Pabst Pius VI. im Jahr 1782, am 3. Mai, im festlichen Pontisi-catschmucke einer ungeheuern auf den Knieen liegenden Menschenmenge unterdem Geläute aller Glocken und dem Donner der Kanonen den großen Segen
und einen vollkommnen Ablaß. Ebenso weilte hier im Jahr 1805 Napo-leon und dessen erste Gemahlin Josephine, sowie bald darauf auch ihreNachfolgerin, Marie Louise. Augsburgs Bewohnern war aber auch dashohe Glück vergönnt, nicht blos den allgelieblen König Max im Kreise sei-ner Familie 1824 zwei Tage hier verweilen zu sehen, sondern auch früherschon den gegenwärtigen gleich hochgeschätzten König Ludwig als Kronprinzenmit seiner erlauchten Gemahlin eine Zeitlang in diesen Mauern zu verehren.Hier wurde am 31. Aug. 1812 die Prinzessin Mathilde geboren undam 10. October in der Domkirche feierlich getauft. — Die noch übrigenPuncte jenseits der Domkirche sind die ehemalige Jesuitenkirche, das Frauen-thor und die Kirche zu St. Georg. Nur die zwei letzten verdienen hier einenähere Erwähnung. Das Frouenihor ist allein noch übrig von den dreiinnern mit Thürmen versehenen Pforten, welche ehedem die eigentliche Stadtvon den Vorstädten schieden. Die beiden andern, welche in neuern Zeitender Straßenerweiterung wegen abgetragen wurden, hießen das heil. Kreuz-thor und das Barfüßerthor. Das Frauenthor wurde bereits im Jahr 127kerbaut, und erhielt seinen Namen, welchen es noch bis auf den heutigenTag führt, wahrscheinlich von der Nähe der Frauen- oder Domkirche. DerZahn der Zeit, sowie der nachtheilige Einfluß der Witterung haben denäußern Schmuck dieses Bauwerks verwischt, welcher in Mauergemälden vonKagers kräftigem Pinsel bestand. Das Hauptbild stellte die KaiserwahlKarls V. vor, bei welcher sich Mattheus Lang, ein Augsburgischer Ge-schlechter, Cardinal und Erzbischof zu Salzburg hervorgethan, wie diesesauch die nunmehr gleichfalls nicht mehr erkennbare lateinische Inschrift an-deutete. — Massiv, aber ganz nach alter Bauart ist die 1133 gegründeteund 114Z eingeweihte St. Veorzenbirche ausgeführt. Sie ist im Innern miteinem schönen Chor und Beihause, sowie mit 2 Seitengängen, versehen.Man findet darin ein Altarblatt von Joh. Rottenhammer und ein anderesvon Joh. Huber. Der jetzt vermauerte Kreuzgang enthielt ehedem außereiner heil. Magdalene von Guido Reni eine Kreuzigung von Schmittner,eines gebornen Augsburgers, einen barmherzigen Samariter und Christusmit der Samariterin am Brunnen von Joh. Holzer, ein Schüler Berg-müllers, welche Bilder sämmtlich in die Wohnung des pensionirten HerrnPrälaten wanderten. Das ehemals von Augustiner Mönchen bewohnte Klo-ster dient jetzt der Garnison zum Militärspital, und auf dem Kirchenthurmebefindet sich gegenwärtig eine Feuerwache. — Noch haben wir über die aufden Z folgenden Rummern dargestellten merkwürdigen Puncte der StadtEiniges zu bemerken. Wir heben darunter vor Allen das größere Bild(l>r. 3) hervor, weil es uns eine jener jetzo immer seltner werdenden statt-lichen Patricierwohnungen aus alter Zeit darstellt. Es ist dies das aufeiner kleinen Anhöhe am Obstmarkt stehende G-biiude des Freiherr» vonIm Hof, welches in seinem Aeußern das vollkommene Ansehen einer statt-lichen Ritterburg hat. Sein Erbauer war Balthasar Eggenberger aus eineraltadligen , aus fürstlichem Geblüt entsprossenen Geschlecht, welches seit demAnfang des IK. Jahrhunderts in Augsburg lebte, wo 1S27 das genannteGlied desselben die Augsburgische Geschlechten» Marie Walter freite. Demv. Jmhofschen Gebäude gegenüber befindet sich das sogenannte Schwalbeneck,wo in der Vorzeit das Burgthor stand.
Von den 4 Hauptthoren Augsburgs, dem Rothen Thor, dem Göppin-ger-, Wertachbrücker- und Jakoberthor haben unserm Zeichner vorzugsweisedie beiden letztern (l>r. k und 7) einer mahlerischen Darstellung würdiggeschienen. Das lvertachbrUckerthor, durch welches man auf die überUlm nach Frankreich und den Niederlanden und über Nürnberg nach dennördlichen Gegenden führenden Hauptstraßen gelangt, prangt mit einemansehnlichen festgemauerten Thurme, welcher im Jahr 1KI3 um 2 Stock-werke erhöht wurde. Ehedem hieß es von dem zunächst gelegenen DorfeOberhausen das Oberhauserthor; seine gegenwärtige Benennung verdankt esder Nähe der Wertachbrücke. Das Jokobcrthor, sonst auch Bleicherthorgenannt, durch welches man über die Lechhauser Brücke nach Altbaiernkömmt, zeigt wegen des beständigen Hin- und Herwogens der ein- undauspassirenden Landleute eine besonders rege Lebendigkeit des Verkehrs. Einenangenehmen Eindruck macht auf den hier Eintretenden die schöne breite Ja-kobsstraße. Ueber dem Thore selbst erhebt sich ein nicht unansehnlicherThurm mit einem pyramidal zugespitzten Dache, dessen glassirte Ziegel denWiederschein der Sonne blendend zurückstrahlen.