lXro. Z stellt die neue St. M a ri a-Hi ls-Kirch c in der VorstadtAu dar. Dieser in beständiger Bevölkerungszunahme begriffene Stadttheilfühlte schon längst das Bedürfniß einer neuen Kirche, da die ältere Maria-Hilf-K'rche (erbaut von 1632—35) für ihre Seelenzahl, die sich gegenwär-tig auf etwa >0,000 beläuft, durchaus nicht mehr hinreicht. Sobald daherder König Ludwig nebst dem Versprechen kräftigster Unterstützung seine Ein-willigung zum Bau einer neuen Kirche ertheilt hatte, wurde dieselbe nachdem Plane des Architekten Ohlmüller aus Bamberg, welcher unter meh-reren eingereichten Entwürfen den Beifall des Königs erhalten hatte, am28. Nov. I8ZI, dem Tags der Grundsteinlegung, unverzüglich begonnen undso rasch damit fortgefahren, daß man den äußern Bau gegenwärtig als voll-endet ansehen darf. Diese im reinsten deutschen Style aufgeführte Kirchemacht dem Kunstsinne des Königs Ludwig um so größere Ehre, als sie aufdas Ueberzeugendste beweift, wie dieser erhabene Kenner und Freund derKunst das wahrhaft Schöne in jedem Style, in dem antiken, wie in demmittelalterlichen und modernen, zu schätzen und anzuwenden weiß. Der höchsteinfache Grundriß derselben theilt sich in 3 gleich hohe Schiffe, in welchenrunde Pfeiler in Verbindung mit kleinern Rundsäulen die durch einfache Grä-ten gebildeten Kreuzgewölbe tragen. Der aus demAehneck construirte erhöhteChor baut sich nach außen in der ganzen Breite der Kirche vor. Im Innernruht das mittlere Gewölbe auf 16 Säulen, wovon 6 von stärkerem Umfangund reicherer Verzierung als die übrigen bei dem inneren Chorabschluß ste-hen und durch eine Mauer verbunden sind. Sehr zweckmäßig ist dem Miß-stande eines äußern Anbaues, welcher die schönsten deutschen Dome zu ent-stellen pflegt, dadurch abgeholfen, daß der Raum hinter dem Chöre zu ein-zelnen Gemächern, Sacristeien und dergleichen bestimmt ist. Der Thurm,der sich über dem Giebel der Farads zu einer Höhe von 270 Fuß erhebt,ist in Gestalt einer durchbrochenen Pyramide aufgeführt. In dem unterenRaume befindet sich der Haupteingang in die Kirche; links und rechts aufden beiden Nebenseiten zunächst des Thurmes führen 2 Seiteneingänge inVorhallen, welche sowohl in Verbindung mit dem Thurme als mit der Kirchestehen. In der Mitte zwischen beiden liegen rechts und links 2 kleinereThürmchen, worin sich die Treppen befinden. Eine Rosette an der Vorder-seite und 19 Fenster, wovon die am Chor 11 Fuß breit und 40 Fuß hoch,die am Schiff hingegen nur 9 Fuß breit und 45 Fuß hoch sind, geben derKirche ein reichliches Licht. Letztere werden mit Glasgemälden geziert, welchenach den eben so gemüthlich als großartig aufgefaßten Zeichnungen des Ma-lers Rüben aus Trier unter der Leitung des Professors Heinrich Heß in derMünchener Porzellan-Manufactur in größter Vollendung ausgeführt werden.Der Gegenstand derselben ist aus dem Leben der heiligen Maria gewählt,und gibt jedesmal ein Hauptbild, das mit der darauf Bezug habenden Um-schließung ein Ganzes bildet. — Auch in seinem Innern wird dieser Kirchen-bau der Kunstliebe und Pietät des Königs noch anderweitige schöne Zierdenzu verdanken haben. — Der vordere Theil nebst den 3 Portalen ist ganzaus Sandstein construirt, der Thurm von Back- und Sandstein, die Kirchedagegen nebst ihren Pfeilern nur von Backstein, jedoch mit einer so bewun-dernswürdigen Schönheit und Reinheit, daß sie jede andere äußerliche archi-tektonische Verzierung überflüssig macht.
Wir glauben, den noch übrigen Raum nicht besser benützen zu können,als indem wir nun noch einige andere merkwürdige Gebäude Münchens,welche theils schon vollendet, theils erst im Entstehen begriffen sind, und de-ren Abbildung wir uns für spätere Zeiten vorbehalten, der Vollständigkeitwegen hier wenigstens mit einigen Worten berühren.
Vor allem zählen wir dahin die in den I. 1828—32 im byzantinischenStyle aufgeführte Allerheiligen-Kirche, welche als neue Hofkapelle inunmittelbare Verbindung mit dem Residenzbaue zu stehen kömmt. Der Königwünschte sie eigentlich ganz getreu nach einer Zeichnung ausgeführt, die ervon einer byzantinischen Kapelle in der Nähe von Palermo hatte nehmenlassen; Klenze jedoch, dem die Ausführung dieses Bauwerks übertragen ward,erlaubte sich manche Abweichungen davon. Die Fronte der Kirche hat imErdgeschosse 4, im ersten Stockwerke zwei große Fensterstöcke, und zwischenden letztern noch ein großes Rundsenster, welches nicht wenig zu der Eleganzder Farads beiträgt. Besondere Aufmerksamkeit verdient das herrliche by-zantinische Portal, über welchem sich ein herrliches Basrelief von Eberhard,Jesus, Maria und St. Johannes darstellend, befindet. Neben den reinenVerhältnissen, in welchen das Ganze gehalten ist, macht auch der schöneStein, woraus Portal und Fayade gebaut sind, so wie die feine vollendeteArbeit des Ganzen den angenehmsten Eindruck auf das Auge. Das Innereder Kirche, welches 3 große Tribünen für den Hof und ein beträchtlichesParterre für das Publicum enthält, wird theils von Heß selbst, theils un-ter seiner Leitung im strengen ersten Style der byzantinischen Schule aufGoldgrund mit Freskomalereien geschmückt. In das Awickelfeld der Kuppeldes alten Testaments kommen nämlich: Roah, Abraham, Jsaak und Jacob,sämmtlich von Heinrich Heß selbst ausgeführt; in das Awickelfeld der Kuppeldes neuen Testaments: die Evangelisten St. Johannes, St. Matthäus, St.Lukas (unter Leitung des Prof. H. Heß, von Joh. Schraudolph); außer-dem St. Jacobus der ältere, St. Simon, St. Jacobus der jüngere,Noah's Weinbau, Noah's Schlaf, Noah's Fluch und der Thurm zu Babel(alle sieben Stücke unter Leitung desselben Künstlers, von Joh. Binder).Ueber den Altar kommen: das Sacrament der Taufe, der Firmung, derBeichte und der Ehe unter derselben Leitung von Max Seitz). — Uebrigensbeträgt die Länge des ganzen Baues 165, die Breite 100 Fuß.
Dieser Kirche gegenüber befindet sich die kiiniglichc Kcitbahn, welchegleichfalls nach dem Plane des Herrn v. Klenze (1822) aufgeführt wurde.Sie ist 300 Fuß lang und 83 Fuß breit. Die dorischen Säulen des Haupt-thors tragen die kolossalen Büsten von Castor und Pollux; außerdem zierennoch große in Kupfer getiebene Pferdeköpfe und eine lateinische Inschrift dieFarads. Das Dach ist mit Platten aus Gußeisen, nach der Construction desHofbauinspectors Thurn, gedeckt.
Unmöglich können wir schließen, ohne nun noch der drei großen Gebäudezu erwähnen, welche nach den Plänen und unter der Leitung des ArchitectenZiebland in der neuen Karlsstraße und zwar in der Gegend der Glyptothek,in einem mit derselben harmonirenden Style aufgeführt werden. Das einedieser Gebäude ist die dem heilige» lZanisacius geweihte Kirche oderÜasilica im altitalienische» Basilikenstyle, welche, nach dem Entwurf zu ur-theilen, eine der größten und prächtigsten der ganzen Hauptstadt wird, indem sieim Innern 3 Schiffs mit 99 marmornen Säulen (jede aus Einem Stück mitCapitälen aus weißem Marmor) erhalten und durchaus mit Freskomalereiengeziert werden wird. Das zweite Gebäude ist das mit der Basilika unmit-telbar verbundene L-nedictinerKloster, welches der Glyptothek geradegegenüber zu stehen kömmt. Das dritte Gebäude ist zur Ausstellungbaier i scher Industriegegenständc bestimmt. Beide letztgenannte Ge-bäude werden im korinthischen Tempelstyl aufgeführt. Der Versasser obigerMittheilungen im Kunstblatt verspricht auch über diese höchst interessantenBauten nähere Nachricht, worauf wir deßhalb einstweilen unsere Leser auf-merksam machen.