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1 (1837)
Entstehung
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mungsurtheil der Bösen aus. DaS angezogene rechte und ausgestreckte linkeBein, die nur verneinende links Hand, die in einzelnen Partieen fliegendenHaare, der bewegte Ausdruck des Gesichts, zeigen, daß der Künstler ihnzwar nicht in den Sturmbewegungen des Michel Angela, aber weit entferntvon der leidenschaftlosen Ruhe des sogenannten Danziger Bildes sich gedacht,sondern das aufgefaßt hat, was Johannes von ihm schreibt,daß ihm Gottdas Gericht übergeben habe, darum, daß er des Menschen Sohn sei,"d. h. (nach dem Briefe der Ebräer 2, 17), daßer seinen Brüdern gleichgeworden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vorGott, zu versöhnen die Sünde des Volkes; denn darinnen er gelitten hatund versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden." Unverkennbarspricht sich im Christus des vorliegenden Bildes, trotz der Majestät, vor dersich Alles beugt, trotz der Macht, die Alles durchschaut und richtet, jenetiefe Bewegung aus, die der Mensch Jesus (l. Tim. 2, S.) bei der Verur-theilung seiner Brüder zur ewigen Berdammniß empfinden muß."

Ueber Christus schweben, je drei zu jeder Seite, die Passionsengel mitKreuz, Schweißtuch, Nägeln, Schandsäule, Dornenkrone, Schwamm undLanze, als Zeuge dessen, was Christus gethan, der Menschheit zur Seligkeitzu verhelfen. Neben Christus zu beiden Seiten knieen, ganz in Anbetungversunken, zu seiner Rechten Maria, zur Linken der Täufer Johannes. Ihregefalteten Hände und seine gekreuzten Arms sprechen nicht, wie Einigewollen, Fürbitte aus; kein Zug des Gesichts, keine Bewegung des Körpersunterstützt diese Annahme; sie sind die ersten Gläubigen, und nun hat sichihr Glaube in Schauen verwandelt und die Folge davon ist Entzückung,

Anbetung. Nun sehen wir zu beiden Seiten nebst einigen weniger charac-

terisirten Männern, rechts Petrus, Jakobus und Johannes, und nach einemkleinen Awischenraume Paulus; links Abraham, Noah, Moses und David,

als die würdigsten Repräsentanten des alten und neuen Testaments.

Alle diese Gestalten sind in übermenschlicher Größe gehalten (die Höhe dessitzenden Christus wird 12^ betragen), so daß auch von dieser äußern Seiteihre Wirkung gesichert ist."

Unter der obern Mittelgruppe, in gleicher Größe, sehen wir die vierEngel, die, nach den vier Winden mit ihren Posaunen gerichtet, die Leben-den und Todten zum Gericht rufen. Die Bilder, deren die heilige Schriftsich in Bezug auf diesen Ruf bedient, erlauben, ja bedingen in der Darstel-lung eine heftige, stürmische Bewegung, mit welcher denn auch diese Engel!

im scharfen Gegensatz der Ruhe des Himmels über ihnen ihr Amtverrichten. In ihrer Mitte sitzt, das Haupt, wie in heiliger, aber furchtba-rer Entzückung erhoben, mit wild fliegendem Haar, Flammen-sprühendemBlick, geschlossenem Munds, die Füße übereinander geschlagen, der Engel mit

dem aufgeschlagenen Buche des Lebens und Todes. So weit unsere

Kenntniß im Gebiete der bildenden Kunst reicht, hat diese eins ähnliche Auf-gabe auf gleiche Weise nicht gelöst; diese Gestalt ist dem Cornelius ganzeigen und gehört zu den gewaltigsten, die seine Hand gezeichnet."

Die Auferstehung hat der Künstler durch eine Scene bezeichnet, dietief durch jedes Herz dringen muß, das ein zweites unter die Erde gelegt.Liebende finden sich im Erwachen wieder, und der Engel Gottes krönt siemit Unsterblichkeit. Daneben steht eine Gruppe Männer, die wir zu denLebenden rechnen; mit Sicherheit erkennen wir den König, dessen Name mitallem Größten, was die neue deutsche Kunst hervorgebracht, in innigsterVerbindung stehen muß; ihr entzückter Blick sagt uns, daß sie die Umwand-lung bereits erfahren."

In dem Höllenraum sitzt Satanas, halb in einen Mantel gehüllt,recht in der Finsterniß auf einem Thron, der über dem Felsensingang zurHölle steht; statt des Scepters hält er einen Doppelhaken in der Linken,die Rechte saßt ein Schlangenbündel; zum Schemel seiner Füße dienen ihmzwei Verbrecher, von denen der Eine am Strick um den Hals und dem Beu-tel mit den Zst Silberlingen in der Hand als der Verräther Christi kennt-lich, der Andere der Verräther seines Vaterlandes, Segest, ist, die wir Beide,da wir über ihr persönliches Schicksal nicht so genau unterrichtet sind, alsallgemeine Bilder des schändlichsten Verraths betrachten, dem kein besserer

Platz gebührt. Satanas ist ziemlich menschenähnlich; die Züge des Gesichtsjedoch sind katzenartig zusammengezogen; der Mund geht in einen Hundera-chen über; krumme Hörner legen sich um die spitzen Ohren; das Fleisch hängtihm um die Knochen; die Finger werden zu Klauen. Die Wendung istscharf und bestimmt; wir sehen das Gesicht fast im Profil, und zwar nacheiner Gruppe Verdammter, die auf den Knieen vor ihm liegt, gerichtet.Unter diesen erkennen wir zuerst einen Schlemmer, sodann einen Geizigen,der sich besorgt um den Geldsack, den er an sich drückt, nach einem verfol-genden Teufel umsteht, einen Gewaltthätigen oder Jähzornigen, der festge-bunden herbeigeschleppt wird, eine Kindesmörderin und eine Buhlerin, ander bereits des Satanas Urtheil von einem Teufel vollzogen wird, der ihrden Doppelhaken in den Leib setzt, um sie rückwärts hinabzuziehen» Außer-dem naht sich dem Richtvrstuhl mit scheinheiligem Tritt das Gezücht derHeuchler, unter denen wir einen Mönch und einen evangelischen Geistlichenerkennen. Die Gruppe, als solche, ist von höchster Wirkung; die Charak-tere sind durchaus allgemein gültig, obschon ganz individuell; über keinenbleibt ein Zweifel."

Treten wir nun vor die Pforten der Hölle, so sehen wir davor dreiGestalten, gebrochen und in sich gefallen, abgewendet von allem dem, wasAußen ist es sind die Neidischen, deren Strafe die Fortsetzung ihres ge-nußloscn Lasters ist. Weiter nach vorn reißt mit unsanfter Umarmung einTeufel ein Weib, das vergebens sich loszuwinden und an einem Mann an-zuklammern strebt, von Letzterem, um die Strafe für das Verbrechen desEhebruchs zu empfangen; daß der »eben dieser Scene die Fäuste ballende,von einem Diener des Satanas geschleifte Mann auch für Laster sinnlicherAusschweifungen zu büßen hat, sieht man den schmerzvoll verzerrten Zügendes Gesichts und der ganzen Körperbewegung an."

In dem Raume zwischen Himmel und Hölle ist der Sturz der Bösmvorgestellt. Gemeinschaftlich arbeiten Engel und Teufel gegen die heftig auf-und widerstrebenden Sünder, um sie ihrem ewigen Verderben zu überant-worten. Vergebens würde die Feder versuchen, den wunderbaren Knäuelheftiger Verwirrung der Steigenden, Stürzenden, Geschleuderten, Gerissenen,ihren Kampf, ihre Wuth, Schmerz und Kampf der Gequälten dem Künstler

nachzuschildern."

Ehe wir nun zu den Seligen hinübergehen, verweilen wir vor demHüter des Reiches Gottes, dem Erzengel Michael, der in römischer Rüstung,mit dem Diademe geschmückt, mit erhobenem Schwert und erhobenem SchildWache hält. Weder zur Rechten, noch zur Linken gewendet, bildet er dieeigentliche Scheidewand zwischen Guten und Bösen." -

Die Seligen bilden einen Reigen, von Engeln durchwoben; sie haltensich an den Händen gefaßt, umarmt, umschlungen und, wie sonst, zart undinnig vereinigt; die Richtung ihres Flugs ist eine doppelte, aufwärts undeinwärts, so daß sie sich in die Tiefe der Hölle verlieren; Aller Blicke sindin seliger Entzückung nach oben gerichtet, und doch sind sie schon Genossendes Glücks, das sie erwartet; Anbetung und Gottesfriede ist der Hauch, dersie Alle trägt; und wo unser Blick nur ruhen mag, wird er selbst beseligt.Wie von heiliger Musik gehoben, ja gebildet, erscheinen die Theile dieseshimmlischen Kranzes, und die Linien dringen wie Wohllaut in unser Auge.Wir betrachten sie als den Kanon alles Schöne». Es ist kein Unterschiedunter ihnen; kein Verdienst hat sie selig gemacht; was sie sind, sind siedurch die freie Gnade Gottes, und wie viele Beziehungen auch die Schrifterlaubte, der eine große Gedanke göttlicher Erbarmung blieb das einzigeMotiv. Dem entgegen ist es durchaus nicht, daß wir Dante's von demBilde des Himmels unzertrennlicher Gestalt begegnen, daß wir Papst undBischofwelche wunderbare, in höchster Begeisterung geschaffene Gruppe!aufgehoben erblicken, daß ein König (oder Kaiser) die Palme des ewigenLebens empfängt, wir erkennen darin den Schmuck eines mächtigen, Alles

umschlingenden Gedankens. Ueberhaupt aber ist die ganze Seite der

Seligen nicht nur das Schönste im ganzen großen Werk, nicht nur dasVorzüglichste, was die reich begabte Hand des Cornelius geschaffen, sondernsie gehört zu dem Herrlichsten, was überhaupt je die Kunst hervorgebracht."