Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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von rothen Ziegel», die Tragsteine selbst von Sandstein sind, so ergibt sicham ganzen Bau ein zwar einfaches, aber höchst angenehmes Farbenspiel.Unserer Ansicht nach ist es um die Anwendung der Farbe zu architektoni-schen Zwecken ein sehr mißliches Ding; denn selten weiß eine Kunst, wie weitsie über ihre eigentlichen Grenzen gehen darf; wie denn im italienischen Mit-telalter die Beweise vorliegen an den schwarz und weiß gestreiften Domenzu Siena, Pisa, an dem bunt ausgelegten Florenzer Dom und Glocken-thurm ec. Hier jedoch wirkt der Farbenwechsel außerordentlich angenehm,was wohl seinen Grund in der Mäßigkeit und Einfachheit in der Anwen-dung, sowie auch darin hat, daß er sich genau der Construction anpaßt.Die einzige Unterbrechung an der sehr langen Vorderwand macht die obenerwähnte Stiege, die mit ihrem, die ganze Breite der 3 Portale einnehmen-den (30' langen und 8' breiten) Treppenplatz, ihrem schönen, aus Säulchenund Bogen gebildeten Geländer einen um so eindruckvolleren Schmuck desGanzen machen wird, als sie auf den 4 obern Postamenten des Geländers4 kolossale Statuen (des Aristoteles, Hippokrates, Homer und Phidias), aufden 2 untern 2 Kandelaber von weißem, marmorartigem Kalkstein erhält."

Unter allen Bauten Gärtners nimmt die im I. 182g angefangene Lud-wigskirche, welche nach ihrer gänzlichen Vollendung das Prototyp des ge-reinigten florentinisch-byzantinischen Kirchenstyls darstellen wird, als einwahrhaft classisches Werk den ersten Rang ein. Sie erhält 2 Thürme undhat drei Thore hinter einer Vorhalle. Die Breite der Hauptfayade zählt160', die Länge des Schiffes 260 und die Höhe der bis auf die zwei ober-sten Absätze aufgeführten Thürme wird 220 baierische Schuh betragen. Ueberdiese Kirche bemerkt der Verfasser obiger Nachrichten a. a. O. Folgendes:

»sie vordere Lacade der Ludwig-Kirche. So oft wir an diesenBau treten, der fast einstimmig für den schönsten der neuern in Münchenerklärt wird, bedauern wir, ihn ohne die mindeste räumliche Auszeichnungwie ein anderes Haus in die Reihe gestellt zu sehen; ja sogar den freienPlatz gegenüber in der Löwenstraße hat man ihm nicht gegönnt, sondernBauplätze daraus gemacht; und so bleibt denn nirgends ein rechter Stand-punct zur Uebersicht desselben. Vor allen sind es die liturgischen Gebäude,denen vor den zu bürgerlichen Zwecken bestimmten die Auszeichnug bleibt,daß sie Kunstwerke seyn können; als solche aber müßten sie von dem ge-wöhnlichen menschlichen Treiben entfernt sein, wie es auch in alten Zeiten sogehalten worden. Aber auch ihre religiöse Bestimmung verlangt eine Abson-derung, und wir halten es sowohl für die Würde der Anstalt, als für dieKunstfreunde unerläßlich, daß eine Kirche einen freien Platz um sich oderwenigstens vor sich habe. Selbst die mögliche Einwendung, daß es für dieLudwigskirche nicht vortheilhaft wäre, wenn man sie, die bis zum Giebel-kreuz nur 1l0' hat, mit der 48' hohen und eben so langen Bibliothek zu-gleich übersehen würde und daß ihr ikre Wirkung nur durch Emporsehen ge-sichert werden könnte, würde uns nicht zu anderer Ansicht bringen, da wir,durch vielfältige Erfahrungen belehrt, gerade die Lage des Gebäudes mit zuden wesentlichsten und wirksamsten Theilen desselben rechnen und den Platzvor der Kirche dieser selbst an ihrer Größe ansetzen müssen; (auch ist es leidernur zu fühlbar, wie sehr die kolossale Größe der nebenan liegenden Biblio-thek den Totaleindruck der Ludwigskirche schwächt, und ihr fast ganz das Im-posante benimmt, was dem altdeutschen Kirchenstyl eigen ist). Dieses nunabgerechnet, bleibt dem Gebäude an sich sein hoher Werth als Kunstwerk.»

Von außen betrachtet, theilt sich die Fa?ade nach der Breite in 6 Theile,das Mittelschiff, die Seitenkapellen und die beiden Thürme; nach der Höheaber (mit Ausnahme der Thürme) in 3, wovon den untern die Säulenvor-halle, den obern die Nischen mit den Statuen Christi und der Evangelisten,und den obersten der rechtwinkelige Giebel mit der 2730' hohen, ihn tra-genden Mauerfläche, der Rosette darin und den beiden -Aposteln Paulus undPetrus (auf den Streben) und dem Kreuz (auf der Spitze des Giebels) schmückt.Die beiden durch die ganze Fa^ade fortlaufenden und die genannten Abthei-lungen bezeichneten Friese, sowie die Bogen über den Nischen des mittlernFeldes sind mit architektonischen Arabesken (im Style des Giotto), die aus

der Fläche des Steins an Ort und Stelle herausgearbeitet sind, auf dasReizendste verziert. Neu und ganz vortrefflich ist der Schmuck des Giebel»,der sich in convex und concav gebildeten Blumen wie ein Kranz an dessneGesims ansetzt und so gearbeitet ist, daß Luft und Licht durchspielen. Diegleichen Blumen zieren auch Säulen und Pilaster der Vorhalle, bei der unsals constructive Merkwürdigkeit auffällt, daß die beiden mittleren Säulendie Bogen des Kreuzgewölbes tragen, daß mithin die Stärke derselben undder Druck der obern Masse eine Widerlage unnöthig macht.»

Die ganze Fa?ade selbst, sammt den Thürmen und mit Einschluß derOrnamente und Statuen, ist ganz aus Quadern von weißem, marmorarti-gem Kalkstein erbaut; die Seitenwände erhalten einen gleichartigen Ueberzug;das Dach hingegen ist bereits mit bunten Ziegeln gedeckt, und zwar nach einerin architektonischer Verzicrungsweise gehaltenen Zeichnung, so daß es wieein bunter, gewirkter Teppich über die Kirche sich hinbreitet. - Man hatmehrfach den Wunsch ausgesprochen, es möchten an der Fapade auch einigeFarbenspiele angebracht sein, namentlich an den Arabesken; die Nischensollten zur bessern Verdeutlichung der Statuen einen Ton haben, diesen selbstdürsten Goldfäume an den Gewändern und dergleichen gute Dienste thun.Wir wissen wol, daß zur Zeit, als der Styl dieser Kirche herrschend war,dergleichen Beihilfe von der Malerei in Anspruch genommen worden;allein so wie unser Architect sich erlaubt hat, von jenem Style abzuweichen,wo er offenbar willkührlich wird, z. B. in Anwendung antiker Formen, unddaran vollkommen Recht gethan hat, so und noch viel mehr Recht hatte er,von dem Gebrauch der Farben, wie wir ihn an den Domen von Siena, Or-vieto ec. wahrnehmen, gänzlich abzustehen und die Formen allein wirken zulassen, was offenbar der Würde der Architektur gemäß ist."

»Sollten wir nun noch den Eindruck des Ganzen näher bezeichnen, sofinden wir zwar darin nicht jene Gemüth und Phantasie bewegende Erhe-bung, welche die altdeutsche Baukunst (des Spitzbogenstyls) auszeichnet, abereine durch Verhältniß und Maß herbeigeführte Seelcnberuhigung, die beirichtiger Anwendung immer durch die Horizontale und den Halbkreis gewon-nen werden wird.»

So wie das Aeußere, so wird auch das Innere dieser Kirche vollendeteKunstschöpfungen darbieten. Namentlich wird Meister Cornelius darin ZColossalbilder, die Anbetung der Hirten, die Kreuzigung Christi und daSjüngste Gericht, al Fresko ausführen. Bereits in dem Frühling 1836 hatCornelius mit dem letztgenannten Bilde, welches er selbst für das beachtens-wertheste Ergebniß seines Lebens erklärt, den Anfang gemacht, und wird nunununterbrochen und ohne Gehülfen daran bis zur Vollendung arbeiten. Diehöchste Bedeutung der Lehre vom jüngsten Gerichte, wie es die Kunst, imDienste der Kirche, auffassen kann, liegt in seiner Darstellung; und wennDante die Wirkungen des Einzel-Gerichts, Michel-Angela das allgemeineund letzte Gericht geschildert, so hat Cornelius die Summe von beidendas ewige Gericht uns vor Augen gestellt.

Wir hoffen daher des Beifalls unserer Leser gewiß zu sein, wenn wirüber dieses höchst interessante Bild einen ausführlichen Bericht im Kunst-blatte vom Dec. 1836 iXro. 9ti99, jedoch nur insoweit er die bild-liche Darstellung des großen Meisters selbst betrifft, in gedrängtem Auszugsmittheilen.

Treten wir nun vor den Carton, heißt es hier S. 403, so sehen wirim Allgemeinen die uns bekannte Anordnung beibehalten, Christus als Rich-ter in der Mitte von Engeln und Heiligen umgeben, unter ihm die Posau-nenengel und das Buch des Lebens und Todes, links die Verdammten nebstHölle und Teufel und dem obersten der Teufel, rechts die Seligen, zwischenbeiden der Erzengel Michael und zuletzt die Auferstehenden. Gehen wir so-dann von der allgemeinen Uebersicht des mit reinstem plastischem Sinne ge-ordneten Reichthums von Gedanken und Anschauungen zu dem Einzelnen über,so fesselt unsern Blick zunächst die mächtige, hoch auf Wolken thronende Ge-stalt des Weltenrichters. Mit erhobener, nach oben geöffneter Rechten sprichter die Annahme der Frommen, mit vorgewandter Linken das Verdam-