Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Ml ü n rh e n.

Erstes Ergänz «ngsheft.

^^Unchen bereichert sich alljährlich mit so vielen und auegezeichnetenSchöpfungen der Baukunst, daß wir der Darstellung derselben, sobald sie, we-nigstens im Aeußern, vollständig ausgeführt sind, von Zeit zu Zeit ein Er-gänzungsheft zu widmen gedenken. Wir glauben die Reihe derselben ambeßten durch eine zweite Totalansicht (Ysr. l) einzuleiten, um unsernKunstfreunden, welche in einem frühern Heft (VIII »n. l) München rein inseiner städtischen Eigenthümlichkeit kennen lernten, nun auch die landschaft-liche Umgebung der königlichen Residenz vor Augen zu führen. Unser Aeich-- ner wählte zu diesem Zwecke seinen Standpunct abermals auf der Seite desGasteigberges, aber in einer Entfernung von etwa einer Stunde von derStadt. Man erblickt hier München in ziemlich weiter Ferne mit der hohenGebirgswand des baierischen Hochlands und Tirols im Hintergrunde. DenVordergrund bildet die ziemlich lebhaft grüne Ebene von Haidhausen, durchwelche sich die freundlich blinkende Jsar wie ein silberner Faden hinzieht.Ueber das ganze Bildchen ist eine warme, wohlthuende Beleuchtung ausgegos-sen, wie sie in den milden Frühlings- oder Sommertagen diese Gegend oftdarzubieten pflegt.

lX,'<>. 2 stellt die neue Ludwizskirche und die königliche tZiblio-thek in der Ludwigsstraße vor, welche beide zu den herrlichsten Kunstschö-pfungen des Professors Gärtner in München gehören.

"Nicht leicht wol, heißt es im Kunstblatte (December, 1833. lXro. 99.S. 410 ff.), welchem wir unsere Nachrichten über diese und die andern Bau-ten des genannten Architekten entlehnen wollen, ist ein Baumeister mit mehrRecht als Künstler zu beneiden gewesen, als Meister Bernhard von Florenz,dem Papst Pius II. eine ganze Stadt (Pienza) und zwar mit Kirchen, Pa-lästen und sonstigen öffentlichen Gebäuden, aufzuführen übertragen. Wir,die wir nicht mehr in jenen bevorzugten Zeiten des IS. Jahrhunderts leben,dürfen wol mit gleichem Recht einen Baumeister glücklich preisen, dem derAusgang einer großen, breiten Straße (der Ludwigsstraße) als Bauplatz füreine Reihe umfassender öffentlicher Gebäude angewiesen und deren Ausfüh-rung übertragen ist; denn es wird ihm dadurch möglich, dem Gemüth desBeschauers nicht nur eine Stimmung zu geben, sondern ihn auch darin zuerhalten; er kann zugleich aus der Reihenfolge von Kunstwerken, die in denmeisten Fällen dem Zufall überlassen bleibt, selbst ein Kunstwerk bilden.Professor Gärtner hat diese seine Aufgabe vollkommen verstanden, und wirsagen in Uebereinstimmung mit der allgemein ausgesprochenen Ansicht, daßer bereits mit den (zum Theil) vollendeten Gebäuden der Stadt München einneues, festliches und doch ernstes Gepräge gegeben."

Bon den sieben großen Bauten am Ausgange der Ludwigsstraß?, welchenProfessor Gärtner im Augenblicke vorsteht (das Priesterseminar, das Univer-sitätsgebäude, das Damenstift, das Erziehungsinstitut für adliche Fräulein,das Blindeninstitut, die Bibliothek und die Ludwigskirche) hebt der Verfassernur die drei letztgenannten Gebäude hervor, von welchen das Blindeninstitutund die Bibliothek bereits ganz vollendet sind, die Ludwigskirche aber ihrerVollendung nahe ist, während die übrigen entweder nur zum Theil erst aufge-führt, oder noch aus ihrem Fundamente aufzumauern sind. tVgl. übrigens?iro. 49 des Kunstblattes v. Jahre 1834.) Wir lassen nun die Bemerkun-gen desselben folgen, indem wir uns nur hier und da dem Zwecke unsererDarstellung gemäß einen Zusatz oder eine sonstige Abänderung erlauben.

"Das Llinden insiitut ist das Eckhaus der Löwen- und Ludwigsstraße.Die (220') lange Seite des Oblongums, in dem es gebaut, ist nach der letz-tern gerichtet. Die Höhe des Gebäudes bis unter's Dach beträgt 73', wovon28' 4" auf den Unterbau und Sockel bis an's Brustgesims, und 21' 2" von

da bis an den obern Gurt kommen. Der niedrigste Theil des Gebäudesscheint das obere zu Schlafgemächern bestimmte Stockwerk zu seyn; und sotäuschen die Gurte, wenn man nach ihnen die Höhe der Zimmer von außenzu erkennen meint, da der oberste, auf dem die Fenster aufsitzen, wenigstens5' über dem Piano des Zimmers angebracht ist. Das Dach sitzt nicht un-mittelbar auf der Hauptmauer auf, sondern es läuft über derselben und demobersten Stocke eine 3' hohe, gleich starke Mauer hin, an deren RückseiteFenster angebracht sind, durch die das Licht für den Boden gewonnen wird,und welche an der Vorder- und Rebenseite als ein reich mit Laubwerk unddem sogenannten deutschen Band geschmückter Fries erscheint, der das Dach-gesims trägt. Der Dachstuhl indeß ist natürlich so construirt, daß die Haupt-last auf die Hauptmauer trifft. Die Fenster, von denen an der Fronte13, an der Seite 6 neben einander stehen, schließen nach oben im Halbkreis,vertiefen sich mit Hohlkehlen und Wülsten, und im ersten Stockwerke mitSäulen, wodurch diele Fenster, obschon nicht höher, als die untern (9' 8"),ein reicheres und höheres Ansehen gewinnen. Die Fenster des zweiten Stock-werks (?/<' 2" hoch) enden im flachen Bogen. Besonderer Schmuck ist aufdie beiden Eingänge verwendet, von denen jedoch der eine (vielleicht als inte-grirender Theil der Anstalt) blind ist. Auch sie sind in Bogen gewölbt,vorspringend, mit Giebelverdachung, deren Schenkel auf Sockeln ruhen, die,von reich geschmückten Pilastern gehalten, die Postamente von 4 Statuenbilden, deren Ausführung dem Professor Eberhard übertragen ist. DieMauern des ganzen Gebäudes sind mit hydraulischem Cement bekleidet undin Quadern abgetheilt; die Portale sind von grünlichem Sandstein, mitAusnahme der Kapitäle, welche von weißem Kalkstein sind."

"Las Gebäude der königlichen Libliothek. Auf überraschendeWeise trat dieser Riesenbau aus seinem Gerüst hervor. Eines so gewaltigenEindrucks war Keiner gewärtig. Auf einer Längenausdehnung von 320'erhebt sich das Gebäude 84' hoch über den Plan der Straße, in 2 Stock-werken über dem erhöhten Erdgeschoß. Der Unterbau bis zum (diamantirten)Brustgesims, auf welchem die Fenster des Hauptstocks ruhe», ist mit demSockel (6') 38' hoch; von da bis zum Gurt des obern Stockwerks, der inForm des sogenannten deutschen Bandes an der Fronte unter den viel klei-nern Fenstern hingezogen ist, sind es 27', von da bis zum Dachgesims 21'Z". Letzteres bildet mit seinen durch kleine Bogen verbundenen Tragsteinenund den blattartig geformten, roth eingefaßten gelblichen Dachziegelfortsätzeneinen glänzenden, kronenartige» Schmuck des Gebäudes, der um so mehrwirkt, als er frei gegen die Luft steht, da das Dach, wenigstens in derNähe, nicht sichtbar ist. 23 Fenster neben einander in jedem Stockwerk, undZ große Portale, zu denen man über eine breite, 12 Stufen hohe Doppel-stiege kömmt, zieren die Fronte. Die Fenster des unteren Stockwerkes, inwelchem das königliche Haus- und Staatsarchiv aufgenommen wird, sind 7'hoch und 3' breit. Sie sind, wie sämmtliche Fenster des Baues, im Halb-kreis nach oben geschlossen, mit Wulste,, und Hohlkehlen vertieft und mit imgleichen Style gefügten Eisengittern geschlossen. Die Fenster des ersten Stock-werks sind dagegen 10' 3" hoch und 7' 8" breit, also viel beträchtlicher, die(hölzernen) Fensterstöcke theilen die Bogenfenster in zwei kleinere Bogen undnehmen zwischen denselben vier kleine Rosetten auf. Ihre Säulen sind mitKapitälen von Laubwerk verziert. Die Fensterverdachungen sind spitzbogig,flach und von rothgebrannten Ziegeln, während an den Wänden die lichtge-brannten Ziegel unverputzt stehen geblieben, und das Erdgeschoß, in mäßigesRustico abgetheilt, mit hydraulischem Zement überzogen ist. Da nun auchdie Ziegelfortsätze des Daches roth eingefaßt und die Bogen der Tragsteine