Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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königlichen Behörden, unter andern des Generalkommissariats und der Schul-d-ntilgungscommission. Die Bogengänge dagegen enthalten gegenwärtig eineMenge Kauf- und Kramläden. Dicht daran stößt die ehemalige Stadt-Trink-stube, vor Alters auch Bürgerstube genannt; eine Anstalt, die man in denmeisten deutschen Städten findet, indem die Trinkgelage ursprünglich unterstädtischer Aufsicht und ausschließlich in einem solchen öffentlichen Lokale ge-halten wurden. An dem unteren End- des Platzes liegt das unförmlicheRathhaus, dessen Hinterer Flügel noch der Burg angehört haben soll, dieHeinrich der Löwe hier erbaute. Das Rathhaus selbst hat einen unbedeu-tenden Thurm, ehemals ein Stadtthor, das untere oder Thalbrückerthor ge-nannt, aber der stattliche Thurm von St. Peter, sowie der von der heili-gen Geistkirche schauen von Südost über die Häuser des Platzes, und nachNordwest erblickt man das hohe Zwillingspaar der Frauenkirche. Am Endeder weithin sich ausdehnenden Kauffingerstraße und am Eingange in dieWeinstraße befindet sich die Hauptwache, welche in der zweiten Hälfte desvorigen Jahrhundert aufgeführt wurde. Jeden Mittag, zuweilen auch Abends,spielt hier die Militärmusik, wobei sich stets viele Menschen versammeln.Noch befinden sich an diesem Platze eins Menge Kaffeehäuser, welche eigent-lich mehr Speise- und Bierhäuser sind.

Die Mitte des Platzes ziert die Statue der heiligen Maria,als putronu «!>v->ri»e, welche Maximilian I. 1638 zum Andenken an seinenSieg in der Pragerschlacht (1620) errichtete. Sie ist nach einer ZeichnungCandids von Peter König aus Erz gegossen und stark vergoldet, und steht,das Jesuskind auf dem Arm und das Scepter in der Hand, zwischen denHörnern eines Halbmondes auf einer 20 Fuß hohen, nach korinthischer Ord-nung erbauten Säule von rothem Marmor, und zwar unmittelbar auf demschönen Kapitäle derselben. Auf dem Piedestal, welches aus doppeltengevierten Aufsätzen nach aufsteigender Größe besteht, und zwar auf dessenunterer und breiterer Unterlage, erblickt man an den vier Ecken vier mitHelmen, Schilden und Schwertern bewaffnete Genien von Metall, welchevier Ungeheuer, die Pest, den Krieg, die Hungersnoth und große Sterb-lichkeit darstellend, erlegen. Das Ganze, dem es keineswegs an schönerAnordnung und guter technischer Behandlung fehlt, ruht auf einer brei-

ten Plattform und ist mit einem schönen steinernen Gitter umgeben,worauf vier zur Nachtzeit erleuchtete Laternen angebracht sind. Diese Slawesteht in großer Verehrung bei dem Volke und wird nicht selten an denVorabenden einiger Marienfeste öffentlich von demselben angebetet. Ebensopflegen die Züge von Wallfahrern, welche zu bestimmten Zeiten hieher kom-men, dieselbe zu umziehen und hier auf den Knieen liegend ihre Andacht zuverrichten. In ihrer ganzen Glorie aber erscheint sie am Frohnleichnamsta- ^ge, welcher in München auf eine sehr feierliche Weise begangen wird. Vonder Frauenkirche aus geht dann der Zug, an welchem in der Regel der Kö-nig selbst, die ersten Beamten des Staats, die katholischen Professoren dervier Facultäten in mittelalterlicher Tracht, die Zünfte mit ihren Fahnen,die Knaben- und Mädchenschulen ?c. in bunten Schaaren Theil nehmen.Vor dem Marienbild wird sodann Halt gemacht und eine Messe gelesen, wo-bei Alle in verschiedenen Reihen im Umkreise sich aufstellen, überragt vonden Zunftfahnen und einer Menge von Bäumen, welche bei dieser Gelegen-heit zur Belebung des Schauspiels aufgestellt werden.

l>r. 6. stellt das neue Asarthor dar. Dieses durch sein Alterthumehrwürdige Denkmal altdeutscher Baukunst, welchem bereits gänzlicher Ver-fall drohte, wurde Dank dem vaterländischen Kunstsinne des epeln Baiern-königs in neuester Zeit unter Leitung des Professors Gärtner in sehrzweckmäßiger Weise restaurirt und auf der mittleren Fronte mit Freskoge-mälden von Bernhard Rehcr verziert. Das größte derselben, ein Fries von73 Fuß Länge und 8 Fuß Höhe, stellt Kaiser Ludwig des Baiern Einzugin München dar, welchen er nach dem Sieg bei Ampsing über Friedrich denSchönen, seinen Nebenbuhler um die deutsche Kaiserkrone, hielt. (Es wurdeam 12. October vorigen Jahrs enthüllt.) Die Supporten der beiden «or-dern Thürme sind mit den Wappen (48) jener edeln Geschlechter ausgefüllt,deren Söhne in jener Sieges-Schlacht tapfer mitgekämpft hatten. Die zweikolossalen, in Sandstein ausgeführten Statuen, den Erzengel Michael mitdem Satan sowie den Ritter Georg mit dem erlegten Drachen zu den Füßendesselben (Gerechtigkeit und Tapferkeit) darstellend, sind unter dem Meißeldes Professors K. Eberhard hervorgegangen. Das Ganze stellt eine festlichgeschmückte mittelälterliche Burgfacade dar.