Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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bände ganz nach dem Plane des am 14. Januar 1823 durch Brand zerstör-ten wieder aufgebaut und bereits am 2. Januar 1825 eröffnet; nur rück-sichtlich der Größe blieb es hinter dem ersten Plane des verstorbenen Bau-meisters von Fischer etwas zurück, wiewol es, bei einer Breite von ungefähr190 baier. Fuß und einer Länge von 340, gegenwärtig noch immer gegen2500 Zuschauer fassen kann. Es ist im neurömischen Style aufgeführt, undmit einem Peristil von 8 korinthischen Säulen von Marmor nebst Frontispizversehen. Durch die drei Eingänge, die sich nach dem Platze öffnen, trittman in die Vorhalls ein, welche vier korinthische Säulen zieren. Bon dieserVorhalle führen nach beiden Seiten imposante Marmortreppen zu den Sälen,die an die große Hofloge anstoßen. Die drei Flügelthüren, die wir erblicken,führen nach den verschiedenen Plätzen. Sowie dieses Theater hauptsächlichfür größere Darstellungen bestimmt ist, so diente das durch einen Schwibbo-gen damit in Verbindung stehende alte Residenztheater, welches MaximilianJoseph III. im Jahr 1700 ursprünglich für die italienische Oper erbaute,bis auf die letzten Zeiten, wo, weil es den Einsturz droht, nicht mehr daringespielt wird, hauptsächlich zu diesem Zwecke, sowie zur Aufführung von klei-neren Lustspielen, Vaudevilles und Possen. (Das ehemalige königl. Hoftheateram Jsarthor.wird gegenwärtig für die polytechnische Schule und zur Aufbe-wahrung der Modelle von Maschinen des königl. polytechnischen Instituts ver-wendet.)

Bald wird sich auf der andern Seite des Maximilian-Josephs-Platzes nach v. Klenze's grandiosem Plane ein neues, für die königl. Gcne-ralpostdirection bestimmtes, Gebäude erheben und parallel mit der Facadedes Königsbaus nach der ganzen Länge des Platzes mit einer Colonnade pran-gen. Bereits im vorigen Jahre begann man zu diesem Zwecke mit dem Nie-derreißen des an dieser Stelle befindlichen gräflich Törxing'schen Palais. Wirentlehnen darüber eine größere Stelle aus dem Kunstblatt vom 10. December1835. Ißr. 99. »Das neue Postgebäude ist zum Theil auf, zum Theil aneinen alten Palast, (das gräfl. Törring'sche Palais) der Vorderseite derneuen Residenz gegenüber, gebaut! Zu seiner Rechten hat es das Theater,und mußte daher in Uebereinstimmung mit diesen beiden Prachtgebäuden auf-geführt werden, ohne dieselben zu beeinträchtigen oder gar zu wiederholen.Die vordere Fronte ist 309 Füß breit, 00 Fuß hoch; der Unterbau, der dasErdgeschoß und die Entresols faßt, ist 43 Fuß hoch, und somit beträchtlichhöher, als das Gebäude, das er zu tragen bestimmt ist. Der obere Stockbietet im Verhältniß zu den kleinen, nach oben halbkreisrunden Fenstern einebedeutende Mauerfläche. Die eigentliche Zierde des Hauses ist eine offene Säu-lenhalle, die in der Höhe des Unterbaues an der Vorderseite des Hauses hin-läuft und einen Theil des oberen Stockwerks trägt. Ihr Piano ist um 4Fuß über dem Piano des Platzes; die Säulen, dorischer Ordnung, jedoch mitrömischem Ring, sind 2t Fuß hoch und tragen halbkreisförmige Bogen, aufdenen die Vorderwand des oberen Stockwerks ruht; ihr Durchmesser beträgtunten 3 Fuß. Die Decke der Halle ist in der Horizontale construirt, da mitRecht der Architekt die eisernen Querstangen, die etwaige Wölbungen hal-ten könnten, verschmäht.»

Im Spätjahr 1835 ist auch die 12 Fuß hohe Statue des verstorbenen KönigsMaximilian Joseph I., in sitzender Stellung auf einer Unterlage von zweireich verzierten Würfeln ruhend, von Professor Rauch in Berlin modellirtund von Stieglmaier in München in Erz gegossen, vor dem Theater aufge-stellt worden und hat München nicht nur um eins seiner herrlichsten, son-dern auch bedeutungsvollsten Kunstdenkmäler bereichert. Das ganze Monu-ment hat eine Höhe von 34 Fuß. Auf einer Unterlage von zwei reichverzier-ten Würfeln steht der Thronsessel, worauf in vollem Ornate die kolossale Ge-stalt des Königs ruht, der mit der linken Hand in segnender Stellung dieConstitution hält. An den vier Ecken des untern länglichen Würfels sind inhalbliegender Stellung vier Löwen angebracht, deren Bezug zunächst im Wap-pen der baierische» Krone zu suchen sind. In der Mitte der beiden längernSeitenfelder sieht man links die Bavaria, rechts die Abundantia, letztere mitdem Füllhorn in bekannter antiker Weise, erstere mehr modern nationell, ja

man kann sagen individuell, amazonenmäßig geschürzt, kurz, rundlich, vollund rüstig. Zwischen diesen Figuren und den Löwen, die im Ganzrelief ge-halten sind, befinden sich im flachsten Basrelief Waffenbündel. Ueber demGesims dieses Würfels erhebt sich die zweite niedrigere, mit Darstellungenin Relief aus dem Leben des Königs geschmückt. Zur Bezeichnung seinerreligiösen Duldsamkeit sehen wir den Genius der Toleranz, zu seiner Rechteneinen evangelischen, zu seiner Linken einen katholischen Geistlichen. Danebenist die unter seiner Regierung auflebende Kunstthätigkeit in frappanter Weisedargestellt. Vor einer Gruppe von Frauen und Kindern steht ein Maler inleinenem KittelCorneliusund malt an einer Mauer ->I kresc«; danebennimmt ein Baumeister in gleichem Handwerkskleid Klenze Maaße aufSteinplatten, und ein Bildhauer dahinter das Monogramm des ganzenWerksist mit Modcllircn beschäftigt. Nun folgt die Verleihung der Consti-tution an das baierische Volk, serner die Gerechtigkeit mit Weisheit undStärke (Herkules), endlich die Beförderung und das Gedeihen von Ackerbauund Viehzucht. Sämmtliche Bilder sind im stärksten Hochrelief gleich denspätrömischen Sarkophagen ausgeführt. Auf der «ordern Seite des Würfelssteht: HI»x. -losopbo Itegi L»r»ri»e. Oives Zlloiiaceasos 4ZI5111W1V

Die gegenwärtig den Hintergrund des Platzes bildende Häuserreihewird, dem Vernehmen nach, um eins Million zum Abbruch angekauft.

I». 5. gewährt uns einen Blick in den interessantesten Theil derAltstadt; es stellt uns nämlich den im Mittelpunkt desselben gelegenen Haupt-marktplatz von München dar, welcher gewöhnlich den Namen Schrannen-plat; (von Schranne, althochd. scan»-», die Bank) fährt. Hier befandensich nämlich in der ältesten Zeit Münchens die Fleisch- und Brodbänke, so-wie die Garküchen und das Trinkhaus, bis Kaiser Ludwig im Jahr 1315befahl, diesen regsam belebten Platz, auf welchen er die Marktfreiheit derStadt übertrug, zu diesem Zwecke zu räumen. Gegenwärtig bildet derselbeein ansehnlich längliches Biereck, welches nach allen Seiten von schönen brei-ten Straßen durchschnitten und von 4 5stöckigen, meist alterthümlichenHäusern eingeschlossen wird. Hier wird jede Woche Freitags Nachmittagsund Sonnabends Schranne d. i. Getraidemarkt gehalten, ein ebenso geräusch-volles, als durch seine Lebendigkeit anziehendes Schauspiel! Zu dieser Zeitherrscht nämlich in dem hier ausgebreiteten Fruchtmeere ein ununterbrochenesGetöse von Käufern und Verkäufern, von ab- und zufahrenden Wagen, vonhin- und herwogenden Landlsuten in ihren verschiedenen Trachten, vom Ge-schrei der Sackträger und Schrannenknechte, mit dem gällenden Rufe derKornmesser: Streich' ab! vermischt. (Das Messen selbst besorgen in der Re-gel eigene alte Weiber, die mit großer Geschicklichkeit hin- und herlaufenund mit dem Streichholz über den Scheffel fahren.) Kommt unverhofft einRegen, so rennt Alles, um die Früchte mit Säcken und Brettern zuzudecken.Samstags Nachmittags wird aufgeräumt, und Abends um 0 Uhr muß Alleswieder in der schönsten Ordnung sein. An den andern Wochentagen sind hiervorzugsweise die Fiakers der Stadt in bunter Reihe bis tief in die Nachthinein aufgepflanzt. In älteren Zeiten, z. B. bei der Hochzeit der MariaRenata im Jahr 1508, diente dieser geräumige Platz zu Turnieren mit"Ringelrennen und Kübelgestäch" und andern feierlichen Aufzügen.

Die Häuser, welche zur Rechten und Linken den Schranncnplatz um-geben, sind, nach der Bauart der meisten alten Städte, mit Bogengängenversehen, und tragen auch sonst noch manche andere Spuren alter Bauartan sich, wie die (theilweise durch eine spätere Bauordnung abgeschafften)Erker. Ehedem waren die meisten derselben mit Schlachtstücken undsonstigen historischen Gemälden bis an die Dachrinnen verziert, wovon aufeinem rechts gelegenen Hause noch ein Ucberrest zu sehen ist. Das ansehn-lichste unter den Gebäuden auf der linken Seite, welchem sein hohes, mitZiegeln gedecktes Spitzdach ein seltsames Aussehen verleiht, diente seitdem Jahr 1514, wo es aus mehreren erkauften Häusern entstanden war, zuden Versammlungen der Landstände und hieß davon das Landschaftsgebäude,sowie die darunter befindlichen Bogengänge die Landschaftsbögen. Vor meh-reren Jahren wurde es erneuert und dient gegenwärtig zum Sitze mehrerer