zenden und musicirenden Gestalten, die Wände mit Apollo und den neunMusen; Rottmann lieferte zehn Landschaften in antikem Charakter, die vonSchilling in Leimfarbe ausgeführt wurden; Schwanthaler endlich schmückteden Fries des Spielzimmers mit einem Relief aus leicht gefärbtem Gyps,dessen Inhalt der Mythus der Aphrodite in seinen wichtigsten Momenten
ist.
Ehe wir dieses Gebäude verlassen, wollen wir es nochmals an der Handeines neuern Reisenden Zikmer für Zimmer durchwandern, um mit demselben, diezweckmäßige Anwendung des reichen künstlerischenSchmucks, je nach der Bestim-mung der einzelnen Räume, zu betrachten. "Ich befand mich, sagte derselbe,unter einem prächtigen Porticus, dessen Wände mit gelbem Stuck belegt unddessen Kuppel mit Basreliefs von weißem Marmor geziert sind. Eine breiteTreppe, gleichfalls von derselben edeln Steinart, führt zu einem hohen Por-tal, welchem zwei herrliche Caryatiden zur Stütze dienen. Die Inschrift desArchitravs "Gerecht und beharrlich" verkündete mir, daß ich in der Wohnungdes Königs von Baiern war. Bon einer ehrfurchtsvollen Empfindung durch-drungen, stieg ich die Treppe hinan, und befand mich alsbald in dem erstenBorzimmer, dessen Wände enkaustische Gemälde im reinsten etrurischen Stylschmücken. Es sind antike Malereien, welche nur mit zwei Farben ausge-führt sind. Das zweite Borzimmer ist mit ähnlichen Gemälden geziert, nurdaß die Farben, wenn auch keine Mitteltöne, doch mehr Mannigfaltigkeitdarbieten. Wir wollen nun die mehr oder minder geräumigen Zimmer selbstdurchgehen. Unter diesen zeichnet sich vor allen das Dienstzimmer aus, wel-ches für die Adjutanten des Königs und die Hofdicnerschast bestimmt ist.Bon da treten wir in den Thronsaal, welcher ganz vergoldet ist. Wohinman sich wendet, verblenden die reichsten Arabesken das Auge; und nur diein anmuthiger Leichtigkeit gehaltenen Basreliefs, welche die olympischenSpiele darstellen, mildern auf eine gefällige Weise den blendenden Glanz. —Hinter dem Thronsaale befindet sich der Speisesaal, in welchem das LebenAnakreons in reizenden Arabesken »I kresco dargestellt ist. Bon hier gelangtman in verschiedene Zimmer, wovon das eine für die Audienzen und dasunmittelbar daran stoßende zum Cabinet des Königs bestimmt ist. Letzteresist mit Freskomalereien aus den Tragödien des Sophokles geschmückt undstößt unmittelbar an das Schlafzimmer, welches mit einer edeln Einfachheitgemalt ist und auf dieser Seite die Wohnung des Königs beschließt. — Wirtreten nun in die Zimmer der Königinn. Arzs der Bibliothek Ihrer Maje-stät gelangt man zunächst in ein Schrcibkabinet, wo man Freskogemälde nachden Dichtungen Schillers findet. Nun folgt eine Reihe von Zimmern, aufderen Wänden die Phantasiegemälde unserer neueren Dichter durch die Handgenialer Künstler dargestellt sind; den Schluß derselben bildet der Tyronsaalder Königinn, welcher mit trefflich ausgeführten Darstellungen aus der Her-mannschlacht von Klopstock in enkaustischer Manier dscorirt ist. Bon datreten wir in zwei für dicHofdamcn der Königin und dieAudienzen bestimmteZimmer, welche mit nicht minder ausgezeichneten Gemälden versehen sind.Eine prächtige Stiege führt auf dieser Seite zu den Zimmern der Königinn,und stößt an ihrem untern Ausgange an eine Reihe herrlicher Gemächer, zuderen malerischer Verzierung das Heldengedicht der Nibelungen den Stoffhergegeben hat. I» dem Pavillon in der Mitte des Königsbaus befindetsich der Saal, in welchem die Concerte gehalten werden, sowie der runde Saalfür die Hofbälle, welcher von den nöthigen Nebenzimmern umgeben ist.—Ueberall verbreiten große gewölbte Fensterstöcke, die mit französischem Spie-gelglas versehen sind, die höchste Helle, und alles verkündigt in diesemGebäude den Reichthum, die Pracht und die Majestät. Man fühlt, daßman sich in der Wohnung eines Königs befindet. Ich habe noch keine Re-sidenz gesehen, welche dem Ideale des Schönen so sehr entspräche, als diese.In dem ganzen Gebäude bemerkt man nichts, was blos dem Mvdegeschmackhuldigte und was daher auch in unsern Augen nur einen vorübergehendenReiz haben könnte. Der König Ludwig l. soll gleich im Anfange zu v.Klsnze gesagt haben: Bauen Sie mir einen Palast, wo nichts weder im Äu-ßern noch im Innern ein dem Wechsel unterworfenes Interesse darbiete, einen
Palast, der ebensowohl für meine Nachfolger und mein Volk, als für michbestimmt sei und dessen ebenso dauerhafte als glänzende Verzierungen nochnach zwei Jahrhunderten ebenso sehr gefallen wie heute. Es sei mir jetzo nochvergönnt, einiger Künstler zu erwähnen, von deren Werken ich oben sprach.Der Professor Schnorr malt die Nibelungen nach eignen Cartons; Gassenund Hermann die altdeutschen Dichter, Kaulbach die Hermannschlacht, Foltzund Lindenschmitt Schiller; gleichfalls nach eigenen Skizzen; Röckel maltSophokles, Anschütz Anakreon nach den Zeichnungen des Professor Aimmer-mann; Hiltenperger und Streida führen die etrurischen Gemälde nach denCartons von Schwanthalcr aus. Bon demselben Künstler rühren die Dar-stellungen aus der Theogonie des Hesiod und der Argvnautenfahrt her; auchsind die herrlichen Basreliefs des Thronsaals und die Caryatiden der Ge-rechtigkeit und der Beständigkeit am Eingang sein Werk."
Wer würde nicht nicht bei dem Anblick dieser vielen genialen Kunst-erzeugnisse von Bewunderung für die Schöpfer derselben hingerissen, die mitunermüdlichem Wetteifer dem hohen Ziele einer ächtdeutschen ltunstblüthe ent-gegenstreben? und wer gäbe sich nicht gerne der angenehmen Hoffnung hin,daß diese jugendlich strebsame Künstlerwelt um so sicherer jenes Ziel wirklicherreichen werde, als sie in allen ihren Schöpfungen die mit künstlerischemSinne aufgefaßte Natur zu ihrem einzigen Vorbilde nehmen?
Der zweite neue Anbau, dessen wir oben erwähnten, befindet sich innördlicher Richtung von dem Königsbau gegen den Hosgarten hin, und wirdhier nach seiner Bollendung in etwa Z Jahre» eine der prächtigsten Faca-den bilden, welche bei einer Länge von 900 Schuh in der Mitte eine großeSäulenvorhalle auf massivem Unterbau erhalten wird. Der Styl dieses Ge-bäudes, dessen Anlage zum Theil durch die Benutzung der bereits an dieserStelle vorhandenen Gebäulichkeiten wesentlich bedingt wurde, soll im Ge-schmack des Palladio gehalten werden. Die vier großen, zu den feierlichenAudienzen und größeren Hoffesten bestimmten Prunksäle werden mit Dar-stellungen aus den homerischen Gedichten ausgeschmückt, sämmtliche übrigenSäle dagegen mit Tapeten und andern Ornamenten im Geschmack der Zeit.Außerdem werden im großen Thronsaale vierzehn 9'/, Fuß hohe Statuen vonVorfahren des königl. Hauses Wittelsbach (darunter Kurfürst Mar I.) nachSchwanthalers Modellen von Stiglmaier in Erz gegossen und vergoldet zwi-schen den Säulen aufgestellt werden. Endlich sollen auch auf die Zinne derSäulenvorhalle acht 9'/- Fuß hohe Statuen, die acht Kreise des Königreichsin männlichen und weiblichen stehenden Figuren darstellend, zu stehen kommen,und die beiden Ecksäulen noch besonders durch zwei große Kronen (Alles nachSchwanthaier durch Stiglmaier in Erz gegossen) geziert werden.
Der vor diesem Gebäude befindliche Hofgarten ist besonders merkwürdigdurch die denselben auf zwei Seiten in einer Länge von 2300' einschließendenArkaden des Bazars, welche mit einer Reihe von historischen und landschaftlichenFreskobildern verziert sind. Davon sind die ili historischen Darstellungen ausder Geschichte Baierns von Förster, Zimmermann, Röckel, Stürmer, Her-mann, Stielke, Hiltensperger, Lindenschmitt; Schilgen, Gassen, Eberle,Monten, Foltz; mehrere allegorischen Figuren von Kaulbach u. a.; pompe-janische Verzierungen »I «>weu und eine Reihe, geistvoll aufgefaßter italieni-scher Landschaften -.1 ki-o«co von Rottmann, der nunmehr nach seiner Rück-kehr aus Griechenland die noch übrige große Reihe mit griechischen Scenenund Landschaften verzieren wird.
I» östlicher Richtung vom Königsbau steht die in den Jahren I82S— 32 im byzantinischen Style aufgeführte Allcrhliligtnkirche, welchegegenwärtig zwar von dem neuen Wohnpalaste durch einige alte Gebäudegetrennt ist, aber später dem Ganzen aufs Engste verbunden werden soll.Die Beschreibung dieses merkwürdigen Gebäudes behalte» wir für ein Sup-plementheft von München vor, in welchem wir eine Abbildung von dieser,sowie von der neuen Auerkirche zu geben gedenken.
Dem Königsbau zur Seite erhebt sich nicht unwürdig in 4. dasl-dnizl. Hof- und Nati-nalthe-trr, durch die Gesammtheit seiner Bor-züge wol eins der besten in ganz Europa. Im Wesentlichen wurde dieß Ge-