Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Bildergallerie gewählten Originale mit Copiee» ersetzt worden. In denKapellen der Kirche, deren im Ganzen 24, jede 14 Fuß tief und 2lbreit sind, befinden sich viele gestiftete Begräbnisse von adeligen und andernalten Familien, z. B. der Preising, Füll, Mandel, Mayer, Ridler?c. VieleEpitaphien sind wahre Kunstwerke. Besonders sehenswürdig ist auch deraus einem schönen Marmorstück gehauene Taufstein. Bis auf das Jahr1774 war die Kirche mit einem Friedhofe und dieser mit einer Mauer um-geben. Nachdem er aber zugepflastert worden war, mauerte man die vor-züglichsten Grabsteine in die äußern Wände der Kirche zum Andenken ein.Auf der äußern Kirchenwand gegen Süden erblickt man auch eine sehr künst-liche Sonnenuhr vom Jahr I5l4, welche nicht nur in einem weitern undeinem engern Iahlenzirkel die Veränderungen des Sommers und Winters, son-dern auch selbst die Monate, den Thierkreis, den Lauf der Planeten ?c. anzeigt.

l>r. 4. stellt den sogenannten Äönigsbau oder die neue Ncsiden;und das k. Hof- und lilotionaltheater an dem Ma»imi>ian-2o-fephs-Platzc dar.

Schon seit zwei Jahrhunderten besitzt München außer dem Alten-Hofe, demältesten Wohnsitze der baierischen Regenten in München aus der zweiten Hälftedes 13. Jahrhunderts, eine Residenz, welche der Kurfürst Maximilian I.nach dem Grundrisse des Pater Candid, eines Schülers des berühmten Ba-sar! in Italien, im Geschmack der damaligen Zeit, mit solcher Pracht imÄußern und Innern aufführen ließ, daß sie Gustav Adolf von Schweden,als er sie 1632 besichtigte, zu dem Wunsche veranlaßte,sie auf Walzennach Stockholm führen zu können." Dies ist die jetzt sogenannte alte Resi-denz, deren Hauptfacade, im Style des 17. Jahrhunderts geschmückt, gegenWesten der Theatinerkirche gegenüber liegt. Von hier aus betritt man durchzwei große Portale und unter hohen, von starken Pfeilern getragenen Wöl-bungen die verschiedenen Hofräume; den Kurfürsten- oder Kapellenhof, denKaiser-, den Brunnen- und Küchenhof. Bon den vielen im Innern diesesPalais sehenswerthen Merkwürdigkeiten führen wir hier nur an: das aufMarmorstufen ruhende Bassin im Brunncnhof mit einer malerischen Gruppevon Statuen verziert, die Kaisersticge mit den Bildsäulen Karls des Großen,Otto's von Wittelsbach und Ludwig IV., die Kaiserzimmer, welche KaiserKarl VII. bewohnte und schon als Kurfürst mit außerordentlicher Prachtgeschmückt hatte, die sogenannte reiche Kapelle mit ihren anserlesenen Kost-barkeiten, ganz vorzüglich aber die Schatzkammer, an Brillanten und Per-len einen Werth von mehreren Millionen Gulden enthaltend, und das anStatüen, Vasen und Büsten reiche Antiquarium. Dieses königl. Residenz-schloß erhielt in den neuesten Zeiten durch den kunstsinnigen König Ludwigmehrere neue Anbaue, welche durch ihre höchst geschmackvolle Ausführung imAeußeren und Innern jenen älteren Theil gänzlich in Schatten setzen. Wirmeinen den neuen südlichen Flügel der Residenz oder den sogenannten Königs-bau, den (noch im Bau begriffenen) zweiten großen Flügel der neuen Residenznach dem Hofgarten zu, und endlich die neue Schloßkapelle oder die Aller-heiiigenkirche.

Was zunächst den sogenannten Lönizsbau betrifft, der zur Privatwoh-nung des Königs und seiner Familie bestimmt ist, so ist dieses «60 Fußlange und 150 Fuß hohe Prachtgebäude von Klenze nach dem Muster desPalazzo Pitti in Florenz, in einem einfach-edlen Style ganz aus Quadernvon grünlichem kellheimer Sandstein aufgeführt und mit flachen Terrassen-dächern bedeckt, welche in der Folge Orangenbäume zieren werden. Auf einem mitStufen und einer Sitzbank umgebenen hohen Stylobate in Lossagen>11 <I!»m.i»t« abgesetzt, erhebt sich das Erdgeschoß ganz im Rusticostyl, undmit dorischem Hauptgebälke gekrönt. Hierauf folgt der erste Stock miteiner jonischen Pilasterordnung und eben so passend verziertem Gebälke. Diezweite Etage erhebt sich nur theilwcise, etwa 220 Fuß lang, über der Mitteder Hauptfronte in korinthischer Ordnung und von einem reichen Consolcn-Gesimse gekrönt. In der Hauptfronte befinden sich drei an einander stehendeThore, welche, sowie die Bogenfenster des ganzen Baues, mit eben so kräf-tig, als mannigfaltig und reich geformten Bossagen umgeben sind; die Ein-

gangshalle selbst wird von schönen hellgrauen Granitsäule», mit Kapitalenvon weißem Marmor, getragen. Alles Material an diesem Baue, nament-lich die schönen Holzarten zu Thüren und Treppengeländern, die prachtigenGlasscheiben ?c, ist mit großer Sorgfalt ausgesucht. Das Erdgeschoßenthält nebst den zur Hofhaltung nöthigen Räumen eine von der linkenEcke des Baues bis zur Einfahrt gehende Reihe von fünf Zimmern, vonwelchen drei, fast gleich große, regelmäßige Vierecke bilden, auf jeder Seitevon 3S 36 Fuß. Diese Räum« werden von dem Professor Julius Schnorrmit den Hauptbegebcnheiten des Nibelungenliedes in cyklischem Zusammen-hange -I Irozco geschmückt. Im ersten Gemache, einem kleinen Oblong,werden uns die Hauptgestalten des Gedichts vor Augen geführt. Im daranstoßenden Saale, "dem Saale der Hochzeit," werden- die wichtigsten Augen-blicke aus Siegfrieds Leben dargestellt, die sich hauptsächlich auf die Erlan-gung Chrimhildens beziehen. Die Ausschmückung dieses Saales zeigt einenseinem Inhalte angemessenen durchaus festlichen Charakter, und selbst dieDecke ist mit einem reich gemalten Teppich geziert. Nun folgen im nächstenSaale, dem --Saale des Verhängnisses,-- die Begebenheiten, welche mit Sieg-frieds Tod in Verbindung stehen. Den Grundgedanken dieses Saales aus-zusprechen, erscheint in der Mitte der Decke Chrimhildens blutiger Traumvon den Adlern und Falken und im weiten Umkreise derselben der Nibelungen-hort und die geheimnißvolle Welt der Erdgeister. Hierauf wird im folgen-den Saale, dem --Saale der Rache,-- der Untergang der Nibelungenheldenund Chriemhildens Rache dargestellt. Im letzten Kabinete werden sich dannnoch einige Darstellungen anschließen, um dem ganzen Werke die gehörigekünstlerische Haltung zu geben. Die zwei ersten Gemächer sind bereits voll-endet; die übrigen werden erst in einigen Jahren fertig werden. (In derneuesten Zeit ist Professor Schnorr der Auftrag geworden, vorerst drei Säleim neuen südlichen Flügel auszumalen, wodurch also die Vollendung derDarstellung des Nibelungenliedes auf eine längere Zeit hinausgeschoben ist.)Der erste Stock, wohin zwei Marmortrepven führen, enthält die Wohnzim-mer des Königs (gegen Süden) und der Königinn (gegen Westen). Vor denendes Königs befindet sich eine Borhalle, mit blaßgelbem Stuck und Ornamen-ten von weißem Marmor bekleidet und mit den Caryatiden der Gerechtigkeitund Beharrlichkeit von Schwanthaler verziert, von einem wahrhaft erheben-den Character. Gemälde aus den vorzüglichsten älteren wie neueren deut-schen Dichterwerken (als Wolframs von Eschenbach, Walters von der Vogel-weide, Klopstocks, Göthes, Wielands, Schillers, Tiecks?c.) schmücken dieWände der Zimmer der Königinn; aus den griechischen Klassikern (als So-phokles, Pindar, Anakreon ?c.) jene des Königs. Die Art der Decorationist der leichte Verzierungsstyl der antike» und Raphael'schcn Wandmalerei.Zwei Vorsäle sind im hetruskischen Geschmacke verziert. Die Malereien sindsämmtlich in antiker Enkaustik, eine Erfindung, welche erst in neuererZeit wieder belebt wurde. Die damit beschäftigten Künstler waren: Foltz,Lindenschmitt, Kaulbach, Gassen, Hermann, Neureuther, Hiltensperger, An-schütz, Schwenk, Röckel, Schilgen, Schulz, Bruckmann und Olivier,sämmt-lich jüngeren Alters und meist Schüler von Cornelius. Von diesen schmückteNeureuther ein Zimmer mit Scenen aus Wielands Oberon, Foltz ein Zim-mer mit Darstellungen aus Bürgers Gedichten und, gemeinschaftlich mit Lin-denschmitt, ein anders mit Darstellungen aus Schillers lyrischen und drama-tischen Dichtungen, Kaulbach, ein an Reichthum und Großartigkeit der Kom-position unvergleichlicher Künstler, ein Zimmer mit Darstellungen aus derHerrmannsschlacht von Klopstock und ein zweites mit Gegenständen aus Gö-thes Gedichten, besonders aus dem Faust. Den Speisesaal des Königsbauszierte der Professor Zimmermann mit Darstellungen aus Anakreon. Dietrefflichen Basreliefs sind von Schwanthaler, der sich auch hier wieder alsMeister der Plastik gezeigt hat. Der zweite Stock enthält, in Verbindungmit den Orangerieen,-ein Festgemach von runder Form, welches nebst eini-gen anhängenden Kabineten bestimmt ist, den kleineren Hoffesten, Bällen und »Conzerten, ganz außerhalb der Wohnzimmer, Raum zu gewähren. Den> Fries des Tanzsaals schmückten G. Hiltensperger und H. Anschütz mit tan-