Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Spiegelglas geschlossenen Seitenwänden versehen, während ihr oberes Dachmit Kupferblech gedeckt ist. Es sind also hier alle die Gefahren, welche Schnee,Eis und Regen wagerecht oder fast wagerecht liegenden Glasbedeckungen drohen,völlig vermieden, und der Vortheil einer feierlichen, gleichmäßigen, und fürgroße Bilder so schönen und günstigen Beleuchtung erreicht. Neben diesengroßen Sälen nun ist eine Reihe von 23 Cabineten angebracht, bestimmt, dieBilder kleiner Dimensionen, als: Cabinetsstücke, Landschaften, Gradini, Genre-bilder ?c. aufzunehmen. Ihr Maß ist 19 F. in der Tiefe, lg F. in derBreite und eben so viel in der Höhe. Mit Ausnahme des mit dem mittlernSaale in Verbindung stehenden Cabinets, welches gewölbt und gegen denSaal zu mit einer großen Arkade geöffnet ist, haben alle übrigen flache Pla-fonds, und jedes wird durch ein 3'/. Fuß breites und l l Fuß hohes Fensterbeleuchtet. Rücksichtlich der Decoration sind diese Cabinete den großen Sälengleich behandelt; nur das mittlere Cabinet ist etwas reicher geziert. DieGemälde selbst sollen nach dem einzigen, historisch festbegründeten System derSchulen angeordnet und aufgestellt werden, und zwar nach folgender Ordnungder Säle: l. Saal: der neuern Schule; 2. Saal: der altdeutschen Schule;Z. 5. Saal: der niederländischen Schule, nebst 9 Cabineten; 6. Saal: derfranzösischen Schule; 7. Saal: der spanischen Schule; 8. 9. Saal: deritalienischen Schule nebst drei Cabineten. Die noch übrigen Räume imersten Stock sind theils für das Restauriren und Copiren der Bilder, theilsfür die einstweilige Aufstellung neu angekaufter Gemälde, theils auch für denDirector der Sammlungen und den dienstthuenden Jnspector bestimmt. End-lich befinden sich im zweiten Stock- der beiden Flügeln noch einige Zimmer, dietheils zu Werkstatten der bei der Galerie angestellten Künstler, theils zuMagazinen benutzt werden sollen. Die Dächer sind mit Kupfer gedeckt.

Z>r. 3 stellt die Metropolitan- und Stadtpfarrkirche zu kl. ls.Frau dar. Auf dem Platze, wo diese Kirche steht, befand sich schon vor demJahre l27l eine der h. Jungfrau geweihte Kapelle, welche von einem Geist-lichen der St. Peterspfarre, damals der einzigen in München, versehen wurde.Als aber die steigende Volksmenge die Eiutheilung in zwei Pfarreien und dieNothwendigkeit einer größeren Kirche veranlaßte, legte Herzog Sigmund, nachAbtretung der Regierung an seinen Bruder Albert IV., genannt der Weise,am 9. Febr. 1463 den Grundstein zu der jetzigen Frauenkirche, welche unterder Leitung des trefflichen Baumeisters Jörg Gankoffen von Halspach in einemeinfachen gothischen Style innerhalb 20 Jahre aufgeführt, und den 14. April1494 zu Ehren der heil. Jungfrau eingeweiht wurde, nachdem einige Seiten-kapellen die Weihe schon früher empfangen hatten. Die Länge der Kirche mißt336 F., die Breite 128, die Höhe bis an die Deckenwölbung 115. IhreForm ist länglich viereckig bis an die Gegend des Presbyteriums gegen Osten,wo sie sich in eine Runlung schließt. An beiden westlichen Seiten der Kirchestehen zwei viereckige Thürme, 333 Fuß hoch, mit sechseckigen Kuppeln, welchein die Rundung mit Kupfer gedeckt sind, und oben in der Mitte Knöpfe vonMessing haben. Unter den Gesimsen, worauf die Kuppeln ruhen, sind nachgothischer Bauart Reihen von Fensterähnlichen hohen Oeffnungen. Das ganzeGebäude ist aus Backsteinen sehr fest zusammengefügt; seine Hauptmauernhaben die Dicke von 5 Werkschuhen, die der Thürme gar von 11 Fuß. DasGewölbe der Kirche ruht auf 24 achteckigen 7 Fuß dicken Säulen, welche dasSchiff dreifach theilen, doch so, daß die Mitte des Schiffes sehr beträchtlichbreiter ist. Die Kirche hat 5 hohe, schöne Thüren von Eichenholz und 30,gegen 70 Fuß hohe Fenster mit eingeschmolzsnen Mahlereien, biblische Ge-schichten vorstellend. Das Pflaster ist von Marmor; die Stühle sind vonEichenholz mit Blech beschlagen. Ehe man den Chor betritt, erhebt sicheine 1603 von Maximilian I. errichtete zierliche Arkade, unter einer korinthi-schen Säulenreihe, welche meist mit Gold gemalt ist, sich über 4 Seitenaltäreund einen kleinen, in der Mitte stehenden, ausbreitet, und dann nach Außendie Fortsetzung um das ganze Prosbytsrium und den Choraltar hat. Nachallen Seiten ist sie mit durchbrochener Arbeit, Geländerchcn, Spitzsäulen, Sta-tuen und Gemälden (von Peter Candid) geziert; in der Mitte aber ruht eineKuppel auf einer Laterne, und mitten über ihr ein Crucifix. Man steigt

über einige Stufen von Marmor empor, und erblickt dann hinter einem nichtsehr hohen Gitter von Eisen das prächtige Grabmal Kaiser Ludwigs desBaiers, ein tl»st>un> «loloci» aus Marmor und Erz, welches Maximilian I.im Jahre 1622 nach Candid's großartiger Erfindung aufführen ließ. DasGanze ist >6'/ F. lang, ll breit und 13 hoch. Die Unterlage und der ganzeBau des Sarges ist von dunkelrothem Marmor; von Erz dagegen sind alle,auch die kleinsten Verzierungen und Statuen. Zwei Stufen machen die Ab-theilungen des Sockels. Auf den vier Ecken der untersten Stufe sieht manvier geharnischte Männer von Erz, das eine Knie zur Erde gebeugt, mitschweren Standarten, ächten Panieren des deutschen Reichs, woraus in Wap-penvierecken die Namen der vier karolingischen Kaiser und ihrer Gemahlinneneingestickt sind. In der Mitte zwischen den Geharnischten, eine Stufe höher,stehen zur Rechten Albert V. in altdeutscher Herzogstracht, zur Linken Wil-helm V. im Ritterkleide des goldenen Vließes, das entblößte Schwert in derHand. Diese zweite Stufe hat ein schönes Gitter, das aus kleinen Masternzusammengesetzt ist, und auf dessen vier Ecken Fackelleuchter befestigt sind.Oberhalb dieses Gitters erblickt man durch in Marmor ausgehauene, viereckigeOeffnungen die erhaben gearbeitete Statue Ludwigs im kaiserlichen Ornate auseinem Thronsessel, dessen Baldachin von Engeln ausgebreitet wird; an derStufe des Throns lehnen 3 Schilde, zwei mit den baierischen Wappen undLöwen und der mittlere mit dem' kaiserlichen Adler, der das baierischc Wappenauf der Brust trägt. In der untern zweiten Abtheilung des Steines erblicktman die Kaiserin Maria Beatrix und ihren Sohn Stephan, zwischen denenein junger Löwe, dem Prinzen schmeichelnd, vorgestellt ist; alle drei Figurensind aus rothgesprenkeltem Marmor erhaben ausgehauen. Die Marmor-Unter-lage, worauf sie ruhen, sowie der Rand des Steines sind mit einer Inschriftversehen, die zum Theil unleserlich ist. Oben über dem Ganzen liegt der läng-lich gevierte Leichenstein, der mit geflügelten Engelsköpfen geziert ist. Auseinem Kissen in der Mitte des Leichensteins liegt die Reichskrone; vor- undrückwärts sitzen allegorische weibliche Statuen, wovon eine den Scepterund Reichsapfel, die zweite ein Schwert und den kaiserlichen Wappenschildträgt. Die Gesimse des Grabmals sind mit Genien besetzt, welche Wappen-schilde tragen. Ueberall sind, als Sinnbilder der Vergänglichkeit, Todtenköpfeund Todtenlampen angebracht. Aus dem obern Friese des Leichensteines stehtdie Inschrift: I.VVOVIOO YV VKVO I5II>IäkXrOIiI -4IlOV8rO.II VXII1II.I VXII8 ItVVIl.IVIl VVtz 8-40 IIOll IIII» Ill VllVOIiiiiti >i litV8 . Vi lti ^mo . 14IIIXIO . ovii illi llo . yvixro.I>X»IlXVIä I 08IA V . VXAO 8 VI. . Zl v e XXII. - Unmittelbarhinter diesem Monument tritt man in den Chor, der im neuesten Geschmack,weiß mit Gold, auf beiden Seiten mit großen Stühlen von Rußbaumholz undmit 80 Statuen von Propheten, Aposteln und Kirchenlehrern geziert ist; ober-halb sind Galerieen. Der Choraltar, welcher in seiner gegenwärtigen Gestaltmit Säulen im corinthischen Style und vielen Verzierungen in Gold vonMaximilian I. im Jahre 1820 neu hergestellt worden, mißt bei 30 F. Breite90F. iy der Höhe, und reicht beinahe bis an das Gewölbe der Kirche.Das Altarblatt stellt die Himmelfahrt Mariens vor, von Peter Candid aufHolz gemalt. Auf der Rückseite des Choraltars ist ein anderes Gemälde des-selben Meistere, die Auferstehung vorstellend. Auf den beiden Seiten sindzwei Nebenaltäre mit Bildern von Rottenhammer und Kagerer. Von denübrigen Altären, deren die Kirche im Ganzen 30 zählt, sind besonders die5 Altäre innerhalb des schönen Bogengewölbes bemerkenswerth. Der mittlerevor dem Monumente Ludwigs oder der Kreuzaltar soll im Jahre 1443 imalten Kirchlein der sogenannte Kaiseraltar gewesen sein. Hier sind die reichgeschmückten Gebeine des heil. Bischofs Achatius anfbewahrt, welche im Jahre>495 vom Jllmünster hierher gebracht wurden. Auf der rechten Seite ist derdem heil. Benno geweihte Altar mit dessen Bildniß von Silber und dreiGemälden von Rottenhammer, Hans von Achen und Christ. Schwarz. Dieübrigen im Umfange der Kirche befindlichen Altäre sind mit Bildern vonCosmas Damian (Kapuziner), Rottenhammer, Candid, Sandrat, MichaelAngela, Caravaggio zc. geschmückt; von zwei Gemälden sind die für die