teristik nach kennen gelernt, nun auch in ihrem mythologischen und poetischenWechselwirken und Handeln erblicken zu lasse». Jener große Meister bestimmtedemnach die Eingangshalle zur Andeutung einiger hesiodischen Mythen, unddie beiden Säle für den homerischen Götter- und Heldenkreis. In diesenenthalten die großen Gewölbspiegel jedesmal die Hauptvorstellung und dieDecken die Einleitung dazu, so daß der Gedanke am Gipfel der Decke be-ginnt, und mit dem letzten Gewölbspiegel endigt. Auf diese Festsäle folgtder erste Saal der zweiten Hälfte der Sammlung (IX. der Heroen-Saal),welcher die Bildnisse griechischer Heroen, Philosophen und Herrscher in sichfaßt, und uns damit den besten Uebergang zur römischen Kunst darzubietenscheint, indem die letztere dem Wesen nach nichts Eigenthümliches als denPorträt-Character hat. Die Werke der römischen Kunst selbst füllen einengroßen, 139 Fuß langen und einen kleineren runden Saal, welcher letztere dieAbtheilung der Bildwerke aus farbigem Stoff enthält (X. der Römer-Saalund XI. der Saal der farbigen Bildwerke). Der letzte Saal endlich (XII. derSaal der Neueren) enthält ausnahmsweise nur Werke derjenigen neueren Bild-hauer (Canova, Thorwaldsen, Schadow?c.), welche vorzüglich dazu beitrugen,die Kunst wieder auf den einzigen richtigen Weg der Antike zurückzuführen.—Die Beleuchtung geschieht, mit Ausnahme von den vier Ecksälen, wovon diezwei vorderen runden Oberlicht und die zwei Hinteren viereckigen gewöhnlichesSeitenlicht haben, in allen übrigen Sälen durch hochliegende, halbrunde Fen-ster, wie sie in den römischen Thermen zu gleichem Zwecke gebraucht wurden.Das System der Decoration ist bei großer Mannigfaltigkeit des Einzelnendoch gleichförmig und einfach. Die Wände sind fast durchaus glatt und mitStuckmarmor bekleidet, welcher durch abwechselnde aber kräftige und belebendeFärbung die Bildwerke in warmen Reflexlichtern deutlich hervortreten läßt.Die Fußböden sind in stets abwechselnder Zeichnung mit den verschiedenartig-sten Marmorgattungen, nach Art des antiken «,,»8 tessellsl»,», belegt. DieDecken der Säle, alle nach vollen Halbzirkeln, aber in den mannigfaltigstenFormen und Verbindungen gewölbt, sind reich mit Casettirungen erhabener Stuck-arbeite» und rauhen Vergoldungen, oft auf ganz weißen, oft auf gefärbtenGründen verziert. Diese gut angewandte Pracht der Umgebungen regt nichtnur das Auge an, und gibt dem Beschauer die passendste Stimmung, sondern estritt auch durch die lebendige Farbe des Grundes selbst das unscheinbarste antikeBildwerk rein und frisch hervor, wiewol darüber die Urtheile verschieden sind.
Noch großartiger und prachtvoller in der ganzen Anlage sowie in derinnern und äußern Ausführung ist die Pinakothek oder die neue Gemälde-galerie Münchens, ohne Zweifel eines der imposantesten und herrlichstenGebäude der neueren Zeit, welches nach seiner Vollendung im Innern in jederBeziehung wohl den ersten Rang unter allen Gemäldesammlungen verdienenwird. Bereits um das Jahr 182 l hatte die neue Administration und Cata-logisirung der königl. baierischen Gemäldesammlungen (in München, Schleiß-heim, Lustheim ?c.) gezeigt, daß dieser über 9000 Nummern zählende Kunst-schatz in jeder Beziehung unsicher, ungenügend und unzweckmäßig aufgestellt,sowie auch, daß es unmöglich wäre, die jetzige Galerie durch Vergrößerungund Veränderung für den beabsichtigten Zweck brauchbar zu machen. Es warddaher beschlossen, ein neues Gebäude aufzuführen, von der ganzen Sammlungjedoch nur etwa 1999 der auserlesensten Bilder darin aufzunehmen, unddarnach auch die Größe desselben zu bestimmen. Mancherlei Umstände machtenes indeß erst am 7. April 1829, als dem Geburtstage Rafael Sanzio's vonUrbino, möglich, den Grundstein zu diesem Gebäude zu legen. Der Bauschritt aber so schnell vorwärts, daß das Aeußere bereits im Sommer 1832ganz vollendet war. Das Innere ist nunmehr gleichfalls soweit gefertigt, daßder Galeriedirector Dillis in diesem Jahre mit dem Ueberziehsn der Seiten-tapeten, sowie mit der Anordnung der Plätze für die Bilder selbst den Anfangmachen kann, und im nächsten Jahre die Aufstellung derselben sicher bewerk-stelligt sein wird. — (Das Gebäude an sich.) Die Stellung des Gebäudesist auf einem großen, freien Platze gewählt, der als regelmäßiger Garten mitAlleen, Bosquets, Vasen, Blumenbeeten und Springbrunnen angelegt werdensoll, und von vier Straßen eingeschlossen ist. Die Richtung desselben geht von
Osten nach Westen, so daß die eine Hauptlängen-Fa^ade rein gegen Mittag,die andere rein gegen Mitternacht liegt. Das Ganze bildet eine S29 Fußlange, 92 Fuß breite und eben so hohe Fronte, an welche zwei nur wenighervortretende Flügel anlehnen, von denen jeder 42 Fuß breit und lang, und72 Fuß hoch ist. Am Acußern ist alles, was architektonische Form betrifft,Stylobat, Fenster, Thüren, Säulen, Gesimse ?c. von schönem Quadersteinaufgeführt; alle geraden Flächen hingegen sind aus Ziegeln von hellgelberFarbe ohne Bewurf und in der Art des römischen Mauerwerks » Lorlloneconstruirt. Im Souterrain liegen, nebst den 14 zur Heizung des Ganzenmit gewärmter Luft dienenden Oefen, die Holzmagazine. Das Erdgeschoßenthält sodann, außer dem großen und kleinen Vestibüle nebst der Haupttreppeund der Wohnung des Thürstehers, mehrere große, zur Aufbewahrung ver-schiedenartiger Gegenstände bestimmte Magazine, sowie die zur Aufstellung derNebensammlungen (als: der antiken Malereien auf Gefäßen, Mosaiken undWandgemälden, der Handzeichnungcn, der Holz- und Kupferstiche, der Bib-liothek und Registratur) bestimmten Räume. Im ersten Stock haben die ein-zelnen Räume folgende Bestimmung. Von der Haupttreppe aus gelangt manzunächst zu einem Vorplatze, wo sich die Galeriediener aufhalten. An diesenstößt auf der einen Seite ein großes, unmittelbar in die Gemäldesammlungführendes Vestibüle, welches sehr reich decorirt, mit rothem Damast bespannt,und mit den Bildern der sechs Stifter dieser Sammlung (Johann Wilhelm,Kurfürst von der Pfalz, Maximilian Emmerich, Kurfürst von Baiern, KarlHerzog von Zweibrücken, Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, MaximilianJoseph I., König von Baiern und Ludwig I. König von Baiern) verziert ist;aus der andern Seite aber gegen Mittag eine große offene 409 Fuß langeGalerie oder Loggia, durch welche man zu jeder Abtheilung der Sammlungunmittelbar und ohne zuvor durch den Anblick anderer Bilder gestört oder er-müdet worden zu sein, gelangen kann. Dwse für den Gebrauch des Gebäudesso wesentlich nöthige Galerie dient zugleich, sowie gewöhnlich in der Architekturdas wesentlich Nützliche, dem Aeußer» als charakteristische Zierde. Aber auchim Innern bietet sie dem Auge eine angenehme Abwechslung dar, indem sieganz im Arabeskenstyl nach Zeichnungen des Direktors von Cornelius durcheinige seiner Schüler und den Professor Iimmermann »I kresc» mit einerpoetischen Darstellung der Geschichte der Malerei in der Weise ausgeschmücktwird, daß die historischen Gegenstände eines jeden der darin enthaltenen kleinenBilder sich in einem geschlossenen Cyklus auf einen bestimmten Lebensmomenteines der berühmtesten Maler beziehen. — (Die Bildersäle nebst denCabineten.) Von der Erfahrung ausgehend, daß große und kleine Bilder,in einem Raume aufgehängt, einander schade», indem die großen die kleinenerdrücken, und die letzteren dagegen den Effect der ersteren verwirren, hatman beide in getrennten Räumen aufgestellt, und zwar um so mehr, als großehistorische Bilder nur von oben, kleine aber nur von der Nordseite ganz voll-kommen günstig zu beleuchten sind. Demnach sind zunächst acht Säle von ver-schiedener Länge dazu bestimmt, die großen historischen Bilder der verschiedenenSchulen aufzunehmen. Ihr Maß ist 49 Fuß in der Breite, 99 F. in derHöhe und SO—89 F. in der Länge. Die Fußböden sind in venetianischemTerazzo ausgeführt, die Thürgewände und Lambois von schönem grünemMuschelmarmor, die Wände mit purpurrothen und grünen gewässerten Dama-sten bespannt. Die Gesimse und Decken, alle nach vollem Cirkel gewölbt,werden mit Stuckatur - Arbeiten und Vergoldungen verziert. Was die Be-leuchtung betrifft, so sind mit Ausnahme des achten Saals, welcher Fenster-licht hat, alle übrigen dergestalt durch Oberlichter erhellt, daß der Architektdie photometrischen Vortheile, welche diese Beleuchtungsart darbietet, erreichte,ohne sich den in einem kalten Klima damit verbundenen konstruktiven Nach-theilen bloß zu stellen. Au diesem Ende ward nämlich das Verhältniß derSäle und Lichtöffnungen so bestimmt, daß bei der angenommenen Höhe derBilderwände von 27—39 Fuß, und bei der für diese Höhe nöthigen Entfernungdes Standpunctes, worin der Zuschauer, um die Bilder dieser Wände zubetrachten, steht, jedes Spiegellicht auf der glänzenden Oberfläche der Gemäldevermieden ist. Ferner wurden die oberen Laternen mit schrägen und durch