Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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wo das baierische Salz in des Herzogs eigenem Lande Ausgangsgebührenentrichten mußte. Diesem Umstände ein schnelles Ende zu machen, überfielder Herzog Heinrich der Löwe 1158 nächtlicher Weile Vöhring, zerstörteden Markt und das bischöfliche Schloß, riß die Brücke nieder und führteden Salzvorrath nach München, wo er eine hölzerne Brücke über die Jsarbauen, ein Zollhaus und eine eigene Münzstätte errichten ließ. Die Klagender Bischöfe wurden auf dem Wege des Vertrages durch kleine Entschädi-gungen entfernt, und München begann von dieser Zeit an mehr und mehremporzublühen. Mit Mauern und Gräben umschloß es zuerst 1179 Heinrichsdes Löwen Nachfolger, Otto IV. aus dem Hause Scheuern-Wittelsbach, derGründer der noch jetzt blühenden Herrscherlinie Baierns. Bald darauf(1255) verlegte der Herzog Ludwig der Strenge seine Hofhaltung dahin,und erbaute viele ansehnliche Gebäude, namentlich die heil. Geistkirche, dasheil. Geistspital und den alten Hof, die älteste Residenz der baierischen Re-genten in München. Von Ludwig dem Baier, der zugleich deutscher Kaiserwar, erhielt die Stadt nicht nur Gesetz und Ordnung, sondern gewann auchimmer mehr an Umfang, an Blüthe des Handels und der Gewerbe. Sehr vielzu ihrer Aufnahme und Verschönerung geschah auch durch den großen KurfürstenMaximilian I., der unter andern in den Jahren 161016 die königlicheResidenz, zu ihrer Zeit ein angestauntes Wunderwerk, aufführte, und vom Jahre164045 die Stadt mit Wällen, Thürmen und andern Festungswerken um-geben ließ. Das Meiste aber zur Verschönerung und Erweiterung Münchensgeschah unter den spätern Regenten, insbesondere unter den Kurfürsten Maxi-milian, Carl Theodor und unter Maximilian Joseph, dem ersten Könige vonBaiern; denn in dieser Periode entstanden neue Stadttheile, schöne Plätze,geschmackvolle Anlagen und Prachtgebäude verschiedener Art. Unter dem jetzigenKönige Ludwig I. endlich sehen wir München von Tag zu Tag durch Erwei-terung und Verschönerung, wie durch die Zahl der Bewohner (gegenwärtigetwa 95,000 in 3500 Häusern) in stetem Fortschreiten begriffen; glänzend imAeußern durch wahre Prachtschöpfungen der Baukunst, strahlt sie nicht minderherrlich durch die seltene Fülle und Vorzüglichkeit der mannigfaltigsten An-stalten für Wissenschaft und Kunst, und eine täglich zunehmende Masse derkostbarsten Erzeugnisse aller Gattungen der bildenden und zeichnenden Künste,und nimmt in dieser Hinsicht eine der ersten Stellen unter den Städten Deutsch-lands ein.

lXr. 1 stellt uns die Glyptothek und (unweit derselben, in nördlicherRichtung von ihr) die Pinakothek dar, unstreitig zwei der ausgezeichnetstenBauwerke Münchens, welche sowohl durch ihre äußere Pracht und Schönheit,als auch ganz besonders durch ihre innere, höchst geschmackvolle und verstän-dige Einrichtung unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen.

Die Glyptothek, ein Tempel für die antike Plastik, wurde von demjetzt regierenden Könige von Baiern noch als Kronprinz entworfen, dotirt undvollendet. Ein günstiges Geschick führte ihm, dieses wahrhaft königliche Werkauszuführen, in Leo von Klenze einen Mann zu, welchen künstlerische Bildungund technische Erfahrung gleich sehr befähigten etwas Großes und Eigenthüm-liches in der Kunst zu gestalten. (Das Gebäude im Aeußern.) Aufdem (ursprünglich wüsten) Platze, welcher gegenwärtig den Namen Königsplatzführt, und nach und nach mit den herrlichsten Gebäuden umgeben werden soll,erstand zuerst in den Jahren 182630 ein Gebäude, welches man, weil eszur Aufstellung der seit dem Jahre 1808 von dem Kronprinz angelegten aus-erlesenen Sammlung antiker Bildwerke bestimmt war, nach der Analogie desWortes Bibliothek, Glyptothek, d. i. Bildwerksammlung, nannte. Durchdie Eintheilung des Innern in 12 an einander stoßende Säle war die äußereForm des Gebäudes gegeben, nämlich ein Quadrat, welches einen Hofraumeinschließt. Da nun zugleich der Auftrag des kunstsinnigen Königs dahinging, ein Gebäude aufzuführen, das durch seine bedeutsame Einrichtung selbstvon außen schon ankündigte, daß es ein Tempel für Götter und Heroen sei,so konnte hier eine Vermählung der Archicectur mit der Plastik statt finden,wie sie in den meisten Museen nur zu sehr vermißt wird, so war es nament-lich möglich, das Aeußere mit dem Innern zu einem harmonischen Ganzen zu

machen, und selbst in den einzelnen Sälen dem Baustyle der Zeit nach, wel-cher die darin aufgestellten Kunstwerke angehören, in so weit zu folgen, alses das architektonische Ganze erlaubte. Der hier in seiner ganzen Reinheitwiederhergestellte jonische Baustyl bestimmte die Verhältnisse. Die nach Süd-west gerichtete 225 Fuß lange Seite des Quadrats bildet die Hauptfronte desGebäudes, welche auf drei hohen Sockeln ruht, und aus einem, von 12 Säulengetragenen Porticus und zwei niedrigern sich daran anlehnenden Flügeln be-steht. Eine plastische Darstellung, den Cyklus der Bildnerei versinnlichend,erfüllt das Giebelfeld. Die Athene Ergane steht als Werkführerin in derMitte, und rechts und links sieht man die Repräsentanten der Techniken,welche das Alterthum in der Bildhauerkunst übte. Man sieht hier den Scalp-tor, Statuarius, den Plastes nnd Toreutes; dann den Zcyloglyphen, denKerameus, den Ornatisten und endlich den Circumlitor, welcher die Schönheitplastischer Formen durch den Reiz der Farben erhöhte. Die freistehendenFiguren und Gruppen sind aus salzburger Marmor gearbeitet, aus dem über-haupt die ganze, an Verzierungen und Ornamenten möglichst reiche Worder-seite des Gebäudes in Quadern aufgeführt ist. Sechs Nischen, auf den beidenFlügeln neben dem Porticus, sind für die kolossalen Statuen von Hephästosund Prometheus, Dädalus und Phidias, Perikles und Hadrian bestimmt,welche bis dahin noch nicht aufgestellt, wiewohl zum Theil wenigstens vollendetsind. Aehnliche Nischen, jedoch ohne Statuen, sind an den beiden Seiten-flügeln des Gebäudes angebracht, um die nach dem innern Hofe zu angebrach-ten Fenster an der Außenseite nicht vermissen zu lassen. Da die enge Säulen-stellung des Porticus bei bedingter Länge des Ganzen keine Zwischenweitengestattete, welche zur Auffahrt genügt hätte», so wurde eine solche an derRückseite angebracht, unter einem auf 4 Säulen ruhenden Vorsprung. Ausdiesem, sowie aus dem vorderen, geschmackvoll verzierten Vestibüle führt eineThüre in den innern, sehr geräumigen Hof. (Das Gebäude imInnern.) Der Baumeister, welchem zugleich aufgetragen worden war, diefür die Glyptothek bestimmten Bildwerke auf die zweckmäßigste Art aufzu-stellen, wählte zu diesem Zwecke statt des noch sehr schwankenden oder dochwenigstens nie mit Vollständigkeit durchzuführenden Systems der sogenanntenGötterideale die einzig fest begründete Anordnung nach den historischen Ent-wickelungsperiodcn der Kunst. Von der directen Verbindung altgriechischer undägyptischer Technik überzeugt, ließ demnach der ordnende Künstler die ägypti-schen Bildwerke die Sammlung eröffnen, und auf den ersten Saal, welcherdieselben in sich faßt (I. der ägyptische Saal), einen andern folgen, worin dieWerke des sogenannten heiligen, hieratischen oder Jncunabelstyls und seinerspäteren Nachahmungen aufgestellt sind (II. der Jncunabel-Saal). Die inihrer Art einzige Sammlung von Bildwerken, welche in den Ruinen einesTempels auf der Insel Aegina gefunden wurden, folgt darauf in einem eigenenSaale (III. der Aegineten Saal). Die drei folgenden Säle, welche nach dendarin aufgestellten Hauptmusterbildwerken des erhabenen, des gefällig-schönenund des vollendet-schönen Styls den Namen: Apollo-, Bacchus- und Niobiden-Saal (IV.VI.) führen, wurden insgemein den Werken der griechischenKunstblüthe angewiesen, da es bekanntlich nicht wohl möglich ist, diese denspeciellen Zeitepochen gemäß mit Sicherheit abzutheilen. Hiermit endigt zu-gleich die erste Hälfte der ganzen Sammlung, welche in etwa 150 Nummernantiker Kunstwerke die Entwickelung griechischer Plastik von ihren ersten An-fängen (Jncunabeln) bis zu ihrer letzten Vollendung darstellt. Nun folgen,um die in einer großen Sammlung so nöthige Abwechslung herzustellen, einige!>I Iregen gemalte Säle, welche keine antiken Bildwerke enthalten. Diesämmtlichen Gemälde der beiden Hauptsäle (VII. des Götter- und VIII.des Trojaner-Saales), sowie der dazwischen befindlichen Vorhalle sind vonPeter von Cornelius erfunden und gezeichnet, und theils von ihm selbst,theils unter seiner Leitung von seinen Gehülfen und Schülern auf eine Weiseausgeführt, wodurch die monumentale Malerei wieder in ihre vollen Rechtegesetzt wurde. Die Aufgabe war, die griechische Götter- und Heldensage ineiner cyklischen Folge von Gemälden darzustellen, um uns auf diese Art dieGötter und Heroen, welche man bereits ihrer individuellen Gestalt und Charac-